Books & Braun - Das Zeichen des Phönix - Pip Ballantine - E-Book

Books & Braun - Das Zeichen des Phönix E-Book

Pip Ballantine

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Beschreibung

Eine Serie seltsamer Todesfälle erschüttert London: An den Ufern der Themse werden eine Reihe von Leichen entdeckt, denen das Blut abgezapft wurde. Eliza D. Braun, furchtlose Agentin der Krone, deren Markenzeichen ein kugelsicheres Korsett und eine besondere Vorliebe für Dynamit sind, nimmt die Ermittlungen auf. Ihr zur Seite steht der Bibliothekar Wellington Books. Gemeinsam kommen sie einer dunklen Bruderschaft auf die Spur, die ganz Großbritannien unter ihre Gewalt bringen will.

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Seitenzahl: 640

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PIP BALLANTINE & TEE MORRIS

BOOKS & BRAUN

Das Zeichen des Phönix

Roman

Ins Deutsche übertragen von

Michaela Link

Für Jared Axelrod und J. R. Blackwell,

zwei der ideenreichsten Menschen, die wir kennen –

eure Fantasie war unsere Einstiegsdroge in die erstaunliche Welt namens Steampunk. Danke!

Kapitel 1

In welchem unsere unerschrockenen Helden einander zum ersten Mal begegnen und es gehörig knallen lassen!

Noch nie hatte Wellington Thornhill Books, Esquire, eine Explosion aus solcher Nähe gehört. Und nach dem Klingeln in seinen Ohren zu urteilen, würde er auch keine mehr hören können.

Holz- und Metallsplitter spickten sein Gesicht, doch er war viel zu verwirrt, um Schmerz zu empfinden. Stammten die Splitter vielleicht von der Zellentür? Oder von der Vorrichtung, die ihngefangen hielt?Stand der für diese Folterkammer verantwortliche Techniker noch dort, wo er vor der Explosion gestanden hatte? Was war mit den Wachen? Die Zeit schien sich zu verlangsamen, kroch wie in den trägen Träumen eines tiefen Schlafes dahin.

Ein trockener Knall und kurz darauf ein zweiter sorgten dafür, dass ihm die Ohren weiter klingelten. Zwar konnte er durch den Rauch nichts erkennen, doch er war froh und dankbar, dass er zumindest von einem Gentlemanentführt worden war – einem, der es für angemessen gehalten hatte, ihn nicht seiner Kleider zu berauben, bevor er ihn an die Wand kettete. Nur ein ausgemachter Schurke hätte ein derart despektierliches Betragen an den Tag gelegt. Seine Kleidung also hatte ihm einen notdürftigen Schutz vor den Trümmerteilen geboten. Natürlich nur da, wo sie seinen Leib bedeckte. Denn da ihm die Hände gefesselt waren, hatte er lediglich den Kopf zur Seite drehen, die Augen fest zusammenkneifen und dann das Beste hoffen können.

Neue Laute drangen zu ihm durch – ein an- und abschwellendes Sirenengeheul alarmierte den gesamten Gebäudekomplex über das gewaltsame Eindringen eines Unbefugten. Eingedenk der überaus großzügigen Menge an Dynamit, die für die Öffnung seiner Zellentür eingesetzt worden war, vermutete er, dass es sich um einen Sturmangriff seitens des Ministeriums handelte. Eine Woge des Stolzes stieg in ihm auf. Es tat gut, dermaßen geschätzt zu werden.

Dann trat aus dem Rauch eine Dame – allerdings legte ihr ungehöriger Aufzug nahe, dass sie diese Bezeichnung nicht verdiente. Sie trug Kniebundhosen mit Nadelstreifen, sorgfältig in ihre langen Stiefel gesteckt, welche erst kurz oberhalb des Knies endeten. Beunruhigender noch als die Tatsache, dass diese »Dame« Hosen trug, waren die an ihren Oberschenkeln befestigten Dynamitstangen. Ihre Stiefel waren zudem mit mehreren Wurfmesserscheiden versehen. Und das Mieder aus schwarzem Leder diente nicht nur dazu, den Busen dieser zierlichen Frau anzuheben, sondern bot auch eine rutschfeste Oberfläche für den Patronengurt, den sie quer darüber trug. Den letzten Schliff verlieh ihr ein beeindruckender, pelzbesetzter Mantel, den sie wie ein leichtes Cape trug.

Ihr regloses Schweigen kam Wellington allerdings seltsam vor. Sie hielt den Blick starr auf ihn gerichtet und sah überhaupt nicht erleichtert aus. Vielmehr machte sie den Eindruck, als unterzöge sie ihn einer Musterung.

Als sie dann sprach, ließ sie endlich die Pistolen sinken. Wellingtons Ohren hatten sich mittlerweile so weit erholt, dass er sie verstehen konnte. »Sie sind Books?«, fragte sie und steckte die Pistolen in die Halfter.

Wellington hustete und schnaubte, bevor er ein ersticktes »Ja« zustande brachte.

»Na, bestens – wäre auch dumm gewesen, wenn ich mir die ganze Mühe umsonst gemacht hätte.« Sie steckte einen merkwürdig aussehenden Schlüssel in seine Handschellen, und erleichtert hörte Wellington das Aufschnappen des Eisens, das sich sogleich wiederholte, als sie seine Knöchel befreite. Dann schlug sie die Nadelnvon seiner Kleidung, mit denen ihn der Verhörspezialist zu einem menschlichen Nadelkissen machen wollte. Wellington musste ein paar Mal blinzeln, als er den Mann auf dem Gesicht liegen sah; aus seinem Rücken ragten große Splitter der Tür. Es barg eine gewisse Poesie, dass die Klingen, Nadeln und anderen abscheulichen Instrumente von seinem Tablett auf ihm gelandet waren, sodass die Werkzeuge seines Gewerbes nun seinen Leichnam schmückten. Gleich neben Wellingtons Peiniger lagen – frisch erschossen – die zwei Wachposten.

Mit trügerisch zierlicher Hand packte ihn seine Begleiterin an der Weste. »Die Förmlichkeiten später. Jetzt heißt es, die Beine in die Hand nehmen«, sagte sie und zog ihn von der Wand weg.

Wellington hätte gern Gelegenheit gehabt, sich diesen Engel der Zerstörung genauer anzusehen, doch die Frau hatte recht, sie mussten verschwinden – und nach dem Klang ferner Stimmen zu urteilen, die sich in das Geheul der Sirenen mischten, so schnell wie möglich. Wenngleich es ihn durchaus fröhlich stimmte, seine Gefängniszelle endlich zu verlassen, gemahnten ihn das düstere Licht und die Steinmauern, dass er sich noch tief in dem festungsartigen Bau des Hauses Usher befand. Und während er seiner Retterin in die fackelbeleuchteten Gänge folgte, versuchte er dahinterzukommen, wie es dieser Geheimgesellschaft von Tunichtguten gelungen sein mochte, von seiner Position in dem nicht minder geheimen Ministerium für Eigenartige Vorkommnisse zu erfahren.

Gegenwärtig außerstande, seine Überlegungen niederzuschreiben, machte Wellington sich im Geiste eine Notiz, den Direktor später in Kenntnis zu setzen, dass es irgendwo eine schwerwiegende Sicherheitslücke gab. Nachdem sie aber bereits zum dritten Mal nach links abgebogen waren, in einen weiteren identischen Steinkorridor mit weiteren identischen Zellentüren, fragte er sich, ob er überhaupt lange genug leben würde, um seine Schlussfolgerungen weiterzugeben.

»Wissen Sie eigentlich, wohin Sie gehen?«, fragte er, und seine Stimme überschlug sich ein wenig.

»Ja, wir gehen …« – sie hielt an einer Kreuzung inne und spähte hastig nach links und rechts – »… hier entlang.« Und einmal mehr zerrte sie ihn an der Jacke entschlossen hinter sich her.

Als sie die nächste Kreuzung erreichten – die sich von den vorherigen in nichts unterschied –, wich sie plötzlich in den Gang zurück und stieß Wellington heftig gegen die Wand. In dem Moment, wo sein Hinterkopf wieder einmal Bekanntschaft mit einer Mauer machte, fiel Wellington entsetzt auf, dass er sich völlig gedankenlos führen ließ! Das darf nicht sein, dachte er, nicht einmal unter derart ungeheuerlichen Umständen.

»Wellington Thornhill Books, Esquire«, platzte er heraus und hielt ihr die Hand hin. »Es ist mir ein Vergnügen, Sie kennenzulernen, Agentin …«

Mit einer Hand hielt sie ihm den Mund zu und zog mit der anderen eine ihrer Pistolen. Ein Trupp Fußsoldaten lief an ihnen vorbei, doch unter dem kalten, strengen Blick der Frau wurde Wellington so stumm und reglos, wie sie selbst sich auch verhielt.

Augenblicke später riss sie die Hand weg und funkelte ihn an.

»Sie wollen sich förmlich vorstellen?«, flüsterte sie scharf. »Sind Sie verrückt?«

Wellington starrte sie nur an und wiederholte: »Wellington Thornhill Books, Esquire, Chefarchivar des Ministeriums für Eigenartige Vorkommnisse. Und ich habe das Vergnügen mit …?«

Sie stieß einen verärgerten Seufzer aus. »Eliza D. Braun, Agentin im Außendienst und zurzeit …« Ihr Blick glitt an ihm vorbei, und ein Schuss hallte durch die Katakomben. Als Wellington herumfuhr, sah er einen Soldaten zusammenbrechen, der das Gewehr noch fest umklammert hielt. Die Andeutung eines Lächelns zeigte sich auf ihrem Gesicht. »Und zurzeit damit beschäftigt, für das Ministerium Ihren Allerwertesten zu retten. Weiter!«

Wellington wollte sein Herz dazu bringen, schneller zu schlagen, seine Lungen zwingen, mehr Luft einzusaugen, damit er weiterlaufen konnte, als die Welt plötzlich in einem Kugelhagel unterging.

Braun griff hinter sich und brachte eine kleine Kanone in Stellung, die sie auf dem Rücken getragen hatte. »Gehen Sie einfach weiter, Books. Ich bin direkt hinter Ihnen!«

Das Gewehrfeuer der Soldaten traf glücklicherweise nur die Wände und den Boden. Dann folgten kurz aufeinander drei schwere Detonationen. Sie reichten nicht aus, um den Gang zum Einsturz zu bringen, doch die Enge des Raumes verstärkte die Druckwellen. Wellington stürzte weiter voran. Hatte der Beschuss aufgehört? Er konnte die Soldaten und ihre Gewehre nicht mehr hören. Für einen Moment war er von Dunkelheit eingehüllt, doch dann sah er vor sich Licht, das durch das Guckloch einer schmiedeeisernen Tür fiel. Das Licht war blendend weiß, greller als jede Lampe. Er legte die Hände an die Tür – sie war eiskalt. Vor ihnen lag der Weg in die Freiheit!

Das laute Knirschen von etwas Schwerem, das über den Boden geschleift wurde, riss ihn zurück in die Wirklichkeit, die noch um einiges eisiger war als die Außenwelt. Sie waren noch immer in der Festung gefangen, und Agentin Eliza D. Braun zerrte einige Fässer heran, mit denen sie vor der verschlossenen Tür eine Barrikade errichtete.

Dahinter gingen sie in Deckung und lehnten sich an die Wand. Wellington sah zu ihr hinüber.

»Was jetzt?«, fragte er schließlich. Das Heulen der Sirenen drang nur noch aus einiger Entfernung zu ihnen, dafür waren die Soldaten jetzt wieder besser zu hören.

»Nachdenken.« Die Kanone lag vor ihr am Boden, während sie die Pistolen nachlud. Zufrieden, dass die Patronen ausreichten, ließ sie die Waffen zuschnappen und hielt sie mit energischem Griff senkrecht neben ihrem hübschen Gesicht.

Wellington zog eine Augenbraue hoch. »Nachdenken?«

Keine Handbreit neben ihrem Kopf schlug eine Kugel in die Wand ein. »Ja«, erwiderte sie gelassen, »das kann ich umso besser, wenn auf mich geschossen wird.«

Sie beugte sich vor und bestrich den Korridor mit Kugeln, die entweder ihr Ziel trafen oder Ushers Schergen wenigstens in Schach hielten. Wellingtons Blick flog von einer Seite zur anderen, er konnte jedoch höchstens den Schatten eines Helms oder eines Gewehrlaufs ausmachen.

»Würde Ihnen das Denken nicht noch ein wenig leichter fallen, wenn Sie die benützten?«, fragte er und deutete auf die tragbare Kanone.

»Die gute Katherina ist ein Prototyp aus der Waffenschmiede«, erwiderte Braun und betrachtete das beeindruckende Geschütz. »Denen werde ich noch sagen, dass drei Schuss einfach nicht genug sind!«

Verfluchte Tüftler! Doch Wellington verbiss sich eine Bemerkung.

Die nächsten Schüsse feuerte sie oben von der Barrikade, bis ihre Pistolen leer waren, und lehnte sich wieder an die Wand. Ihr zufriedenes Grinsen verblasste, je länger sie ihn ansah.

»Books«, blaffte sie, »wo ist das verdammte Gewehr?«

»Welches Gewehr?«

Mit zusammengebissenen Zähnen knurrte sie: »Das Gewehr des Soldaten, den ich im Gang erledigt habe.«

»Oh, hätte ich es mitnehmen sollen?«

Braun atmete tief ein, wollte etwas erwidern, als vor ihnen erneut Kugeln in den Boden schlugen. Sie klappte beide Pistolen auf und lud nach. Einen Moment lang musterte sie Wellington. Dann ließ sie eine der Pistolen am Finger herumschnellen und warf sie ihm zu, mit dem Griff voran.

Die Waffe hüpfte in Wellingtons Händen, als käme sie direkt aus dem Schmiedefeuer. Sofort warf er sie wieder zurück. Mit dem Lauf voran.

»Verdammt«, keuchte sie und drehte die Mündung von sich weg.

»Madam, ich bin nicht ohne Grund Archivar!«

»Ich brauche einen zweiten Schützen, Books! Was zum Henker soll ich hier unten mit einem Bibliothekar?«

»Archivar!«, korrigierte er empört.

Lautes Geheul von draußen ließ Eliza hochfahren, und sie beugte sich nach links und schoss in den Gang. Wellington spähte durch das Guckfenster in das blendende Weiß der Welt. Die Freiheit. Sie gehörte ihnen. Er brauchte nur die Klinke zu drücken, und sie wären …

»Finger weg!«, fuhr Braun ihn an, sodass er zusammenzuckte. »Halten Sie sich ja von der Tür fern, Books.«

»Aber warum denn?« Und wieso führten sie dieses Gespräch nicht woanders, zum Beispiel auf der anderen Seite dieser Tür? »Wir sind so gut wie …«

»Tot. Das ist es, was wir sind«, erklärte sie dermaßen unerbittlich und überzeugt, dass Wellington die Stirn in Falten legte. »Die Tür ist eine Falle. Sehen Sie sich das Schloss an.«

Der Mechanismus präsentierte sich als solider Metallkasten von der Größe einer Männerfaust, einer großen Männerfaust. Zwei gusseiserne Spulen kamen aus dem Türrahmen und liefen in diesen mit einer Art Zahlenschloss versehenen Kasten, aus dem sich vier metallene Tentakel nach oben streckten und in der Decke verschwanden.

Um die Zahlen auf den Drehscheiben des Schlosses besser erkennen zu können, rückte Wellington seine Brille auf der Nasenspitze zurecht. Ihm war durchaus bewusst, dass weiterhin Kugeln in die Mauern schlugen und einige sogar direkt über seinem Kopf – jedes Mal erhellten die Funken für einen kurzen Augenblick ihre kleine Nische. Doch die Kugeln interessierten ihn viel weniger als diese ausgesprochen rätselhafte Konstruktion.

Aus dem Augenwinkel sah er Agentin Braun ein Bein vorstrecken.

Seine Kehle wurde trocken. »Was haben Sie vor?«

»Die Tür ist mit einer Sprengladung versehen, richtig?« Sie griff nach einer Stange Dynamit. »Ich werde ihr ein wenig auf die Sprünge helfen.«

Die Frau war vollkommen wahnsinnig, und dementsprechend würde er sie auch behandeln müssen. »Aber der Rest Ihrer Truppe ist doch bereits auf dem Weg«, sagte Wellington so gelassen, wie es ihm in dieser Situation möglich war.

»Das Ministerium wird von der Krone nach wie vor mit zu geringen Mitteln ausgestattet, Books, und ich musste mich zwischen Verstärkung oder mehr Dynamit entscheiden.« Sie hielt die Stange hoch. »Ich halte mich lieber an das, worauf ich mich verlassen kann.«

Der fortwährende Beschuss zerfraß die Fässer, hinter denen sie in Deckung gegangen waren. Ein oder zwei Dauben hatten sich bereits gelöst. Ihre notdürftige Barrikade würde nicht mehr allzu lange halten.

»Werfen Sie es«, schrie er über das Gewehrfeuer hinweg.

»Bitte?«

»Werfen Sie das Dynamit!«, verlangte er. »Ich kümmere mich um das Schloss.«

Sie legte den Kopf schräg und kniff die Augen zusammen, als bereits der nächste Kugelhagel über die Wände prasselte – wobei eine Kugel sogar den Ärmel ihres Mantels durchschlug.

»Vertrauen Sie mir. Ich kann das, ich brauche nur einen Moment, um …«

Braun zog aus ihrem Patronengurt etwas, das wie eine Reversnadel aussah und mit Uhrwerkfedern und Zahnrädchen versehen war, kaum größer als sein Daumennagel. Mit einer fließenden Bewegung durchstach sie das obere Ende der Dynamitstange und legte an dem winzigen Gerät einen Schalter um.

Sie hatte zwar einen recht guten Wurfarm, aber der Knall der Explosion ließ Wellingtons Kopf dennoch läuten wie die Glocken von Westminster. Bis die Druckwelle verebbt war, regneten kleine Gesteinsbrocken auf sie herab.

Leise murmelte sie einen Fluch, und während sie aus ihren anderen Halftern diverse Pistolen unterschiedlicher Größe und Kaliber hervorholte, sah sie ihm fest in die Augen und sagte: »Also gut, Sie bekommen Ihren Moment, Books. Knacken Sie das Schloss.«

Braun fuhr fort, eine Schusswaffe nach der anderen zutage zu fördern. Sie würde die Stellung halten, und es oblag Wellington Books, dafür zu sorgen, dass sie es nicht zum letzten Mal tat.

Ihm stand nicht sonderlich viel Licht zur Verfügung, doch glücklicherweise waren die Zeichen auf den Drehscheiben phosphoreszierend. Er betrachtete die offenbar willkürliche Auswahl an Ziffern, Lettern und Symbolen, einundzwanzig nach einer schnellen Zählung. Wären sie in sieben Gruppen von dreien oder in drei Gruppen von sieben angeordnet gewesen, hätte es sich um einen recht simplen Code gehandelt; doch so benötigte er einen Chiffrierschlüssel. Allerdings bloß einen unkomplizierten. Denn für die, die das Schloss regelmäßig öffnen mussten, sollte er leicht zu merken sein.

Teuflisch schlau, dachte er bei sich. Er bewunderte dieses Durcheinander, das Nichtsequenzielle, das Anarchistische, das – so konnte man durchaus einwenden – genau das widerspiegelte, was das Haus Usher …

»Sie haben gesagt, Sie können es knacken!« Braun feuerte in den Staub und Schutt – demnach hatte wohl jemand überlebt. »Zeit ist hier der reinste Luxus, Kumpel!«

Einen Chiffrierschlüssel brauchte er – etwas, das einen Sinn in die Zeichen der Wählscheibe brachte. Wellington schaute sehnsüchtig durch das Guckfenster, hinter dem die Freiheit lag, wenngleich diese Freiheit nur aus einer gewaltigen Eiswüste bestand. Wenigstens erklärte das Brauns Mantel. Ein Schleier aus Schnee trübte die Sicht, und das Heulen des Windes wurde stärker. Er brauchte mehr Informationen. Wo befanden sie sich eigentlich?

Ja, eine recht absurde Frage, aber sie war wichtig. »Agentin Braun – woher kommen Sie, wenn ich fragen darf?«

Braun warf ihm einen ungläubigen Blick zu. »Wie bitte?«

»Woher kommen Sie, Agentin Braun? Ihr Akzent gibt zu erkennen, dass Sie nicht aus England stammen …«

»Nun, ich bin bestimmt keine Britin!«, zischte sie, bevor sie einige Schüsse abgab. Books schaute über die Schulter zur Seite und sah noch, wie die Schatten plötzlich verharrten – jedoch nur für einen kurzen Augenblick. Dann bewegten sie sich erneut, und diesmal schossen die Soldaten, während sie vorrückten.

»Es wäre wirklich eine wahre Freude«, brüllte Braun bei dem Schusswechsel, »wenn Sie endlich etwas Nützliches tun könnten!«

»Wo – kommen – Sie – her?«, beharrte Wellington.

»Neuseeland!«, rief sie, während sie die beiden leer geschossenen Pistolen zurück in ihre Halfter steckte und dann zwei geladene vom Boden aufhob. »Genauer gesagt, aus Wellington, wenn Sie’s unbedingt wissen müssen!«

Das ergab durchaus einen Sinn. Sie hatten ihm eine Spezialistin geschickt – eine, die mit der Gegend vertraut war.

»Wo sollen wir abgeholt werden?«

»Draußen!«, schrie sie und feuerte drei Schuss ab. »Ein Luftschiff wird an der Festung vorbeifliegen und uns mitnehmen.«

»Und haben Sie denen unsere Koordinaten gegeben?«

»Wozu die Mühe?«, spottete sie, bevor sie abermals auf die Schatten schoss. »Dies ist die einzige Festung in Sichtweite des Mount Erebus. Wäre eine reife Leistung, sie zu übersehen!«

Wellington wandte sich wieder der Tür zu und murmelte leise vor sich hin. Geografische Lage. Höhe. Gipfelhöhe. Ja, er war sich sicher. Für dergleichen Tätigkeiten stand er schließlich im Dienste der Königin. Und dann endlich begann er, die Scheiben zu drehen.

Er hatte gerade den letzten Buchstaben – »O« – gewählt, als er hinter sich zwei dumpfe Aufschläge hörte. Wellington drehte sich um und sah, wie sein Engel aus den Kolonien die beiden letzten Pistolen aufhob, jene, mit denen sie in die Kerkerzelle gekommen war. Wunderschöne Waffen waren es: die Läufe aus glänzendem Messing, die Schäfte aus Elfenbein, verziert mit einem dunkelgrünen Stein. Ein anderer hätte die Intarsien möglicherweise für Jade gehalten, aber Wellington erkannte sofort, dass es sich hierbei um den heiligen Stein Neuseelands handelte – Pounamu. Kurz erhaschte er einen Blick auf das Muster darin: ein Hei-Tiki, ein mächtiges Glückssymbol. Dem Träger dieses Tiki wurden ein klarer Verstand, Scharfsinn, Loyalität und ein starker Charakter zugeschrieben.

»Was soll das Lächeln, Books?«

Ja, er lächelte sie an. Na so was!

»Ich dachte, es wäre doch nett, unser Luftschiff zu erwischen«, sagte Wellington stolz. »Wir sollten die bestellte Hilfe nicht warten lassen.«

Die Klinke ließ sich quietschend herunterdrücken, und im nächsten Moment blinzelte Braun bereits in das gleißende Licht, das in den Flur fiel. Der Wind wehte kälter und schärfer als erwartet, aber es war nichtsdestotrotz ein berauschendes Gefühl.

»Wie haben Sie …«

Wellington deutete auf die Wählscheibe, die in dem blendenden Weiß des ewigen Winters auf diesem Kontinent klar und deutlich zu erkennen war. Auf der Anzeige des Schlosses stand: 77°31´48˝ S, 167°10´12˝ O.

»In drei Teufels Namen, Books!« Braun schüttelte den Kopf und schob die Kanone, die sie Katherina nannte, in ihr Rückenhalfter. »Aus welchem Hut haben Sie denn die Kombination gezaubert?«

»Madam, das ist mein Metier. Ich bin …«

Eine Kugel traf die offene Tür und ließ einen Funkenregen auf sie niedergehen. Elizas Antwort auf diesen Schuss erfolgte sogleich in dreifacher Ausfertigung. »Ich verstehe schon – Sie sind Archivar. Los jetzt!« Sie hielt ihm eine getönte Schutzbrille hin. »Die werden Sie hier brauchen, sonst sind Sie praktisch blind. Ihr Glück, dass ich eine Ersatzbrille dabeihabe.«

Das Klima hatte eine ernüchternde Wirkung. Mit tausend Nadelstichen drang die Kälte durch seine Anzughosen und Schuhe. Geheimagentin Eliza Braun hingegen kam in ihrer ausgesprochen unweiblichen Gewandung mit dem Schnee bestens zurecht.

»Sie haben nicht zufällig auch einen Ersatzmantel mitgebracht, Agentin Braun?«

Eliza antwortete nicht. Nicht sofort. »Tut mir leid, Kumpel. Ich musste mit leichtem Gepäck reisen.«

Mit leichtem Gepäck? Ein ganzes Arsenal an Handfeuerwaffen, Wurfmessern, Dynamitstangen und obendrein noch diese kleine Kanone auf dem Rücken waren für sieleichtes Gepäck?

Beim Anblick des auf sie zuknatternden Luftschiffes, von dessen Kabine eine Strickleiter herabbaumelte, löste sich Wellingtons Unbehagen in Wohlgefallen auf. Doch dann warf er einen Blick zurück und sah, wie sich das massive Haupttor der Festung einem großen Maul gleich öffnete und Unmengen an Soldaten herausströmten, die dem Wetter angemessen gekleidet waren und zudem von Panzerfahrzeugen begleitet wurden. Gleichzeitig wurden auf den Zinnen der Festung gewaltige Kanonen in Stellung gebracht.

Wellington schaute wieder zu dem Luftschiff auf und schüttelte den Kopf. »Sie werden uns erschießen, bevor wir …«

Ihr Grinsen war ebenso breit wie beunruhigend, als sie den Arm in die Strickleiter fädelte. »Halten Sie sich einfach an mir fest, Welly!«

Welly?

Agentin Braun zog seine Arme fest um ihre Taille. Dann feuerte sie auf das Luftschiff, und ihre Kugel traf genau die Mitte einer scheinbar eigens dafür aufgemalten Zielscheibe. Mit einem fernen Klonk wurden sie plötzlich durch die Kälte gehievt, und die Geschwindigkeit ihres Aufstiegs raubte Books den Atem. Als die Fahrt nach oben abrupt endete, spürte Wellington, wie er den Halt verlor und abrutschte. Um nicht in den sicheren Tod zu stürzen, klammerte er sich an allem fest, was er in die Finger bekam.

Erst als Braun rief: »Jungs, zieht mich schnell rein, sonst ruiniert der Bücherwurm noch mein Lieblingsmieder!«, begriff Wellington, woran er sich da eigentlich festklammerte. Für den längsten Augenblick eines recht außergewöhnlichen Tages war er hin- und hergerissen zwischen Anstand und Überleben.

Die Mannschaft hievte die beiden mit einem kräftigen Ruck ins Luftschiff, und Wellington war endlich in der Lage loszulassen. Die Röte auf seinen Wangen würde ihm jedoch noch eine ganze Weile erhalten bleiben. Während er ausgestreckt auf dem kalten Kabinenboden lag, drang ein leises Dröhnen an sein Ohr. Motoren. Propeller. Das Luftschiff neigte sich jetzt scharf zur Seite.

Als er den Kopf hob, sah er Braun durch ein Bullauge spähen. Ihr Mieder schien ein wenig gedehnt worden zu sein, aber ansonsten war es unversehrt. Aus irgendeinem Grund erleichterte Wellington das ungemein. Ächzend rappelte er sich hoch und trat neben ihr ans Fenster.

»Das war doch recht erfrischend.« Sie zog die beiden schmucken Revolver hervor und kicherte. »Insgesamt nur noch vier Kugeln übrig. Wirklich, Sie verstehen eine Dame gut zu unterhalten.«

»Sekunde, Agentin Braun«, sagte Wellington, während er sich bemühte, etwas von seiner Fassung wiederzugewinnen. »Sie sagten doch, Sie hätten sich lieber für Sprengkraft statt für personelle Unterstützung entschieden. Wo ist der Sprengstoff geblieben?!«

»Dort, wo ich ihn zurückgelassen habe, natürlich.«

In diesem Moment erschütterte eine Explosion die Festung. Die Kanonen, die das Luftschiff vom kühlen Himmel zu holen drohten, kippten weg, während Feuersäulen und schwarzer Rauch in die Höhe schossen. Wellington konnte feindliche Soldaten ausmachen, die zu fliehen versuchten, doch eine zweite Explosion ließ die Bastion erbeben und schleuderte Trümmer in alle Richtungen. Dann verschwand die Festung in einem Ball aus orangeroten Flammen und pechschwarzem Qualm, als hätte sich der Schlund der Hölle aufgetan. Das Luftschiff legte sich abermals zur Seite, um sich Sekunden später wieder aufzurichten. Durch das Bullauge betrachteten sie die eisige Landschaft der Antarktis, die gezeichnet war von einem Mahnmal der Zerstörung und des Todes.

Wellington starrte Agentin Braun an, als sähe er sie zum ersten Mal. »Großer Gott, Frau. Sie sind ein Idiot!«

Kapitel 2

In welchem unser furchtloser Hitzkopf Eliza D. Braun für ihre tollkühnen Taten geradestehen muss

Eliza D. Braun hasste es, Fehler zu machen, aber sie wollte sich auch gewiss nicht vorwerfen lassen, ein Feigling zu sein. Als sie die vertraute Reihe von Lagerhäusern am Themseufer erreichte, überquerte sie hastig die Straße. Die Ungewissheit ist das Schlimmste daran, sagte sie sich. Bisher war sie überzeugt gewesen, ihr Gewissen schon vor Jahren abgelegt zu haben, doch die Ereignisse der letzten Woche hatten bewiesen, dass diese Annahme ein Irrtum war.

Der nüchterne Schriftzug über der offenen Tür des ersten Lagerhauses verkündete: »Miggins Antiquitäten: Edelste Importe aus dem Empire.« Vollgepackte Karren rollten durch das große Tor zur Warenannahme, derweil Kunden und Angestellte den kleineren Eingang zum Verkaufsraum und zu den Büros benutzten. Unvermittelt überkam Eliza ein seltsames Frösteln, und sie zog ihren langen, maskulinen Tweedmantel fester um sich, als sie das Lagerhaus durch letztgenannten Eingang betrat.

Wie jedes Mal schlug ihr zuerst der muffige Geruch von alten Kunstgegenständen entgegen. Sie schüttelte den Kopf und nieste wie eine Katze. Bei Gott, im Erdgeschoss war es immerzu staubig. Glücklicherweise hatte sie ihr Büro nicht hier unten. Warum musste sich das Ministerium ausgerechnet einen Antiquitätenimport als Fassade aussuchen? Warum konnte es keine Parfümerie oder Boutique sein?

Oder eine Bäckerei. Daswäre himmlisch gewesen.

Eliza nickte den Angestellten zu, die keine andere Wahl hatten, als hier unten zu schuften. Die Nasen tief in irgendwelchen Kontobüchern und Korrespondenzen, bemerkten sie den Gruß nicht einmal. Sie bemerkten ihn nie. Womöglich war genau das der Grund für die Wahl dieser Fassade.

Eine kurze Treppenflucht führte zu den Büros der Agenten, und Eliza konnte, befreit vom staubigen Muff, endlich wieder durchatmen. Das Büro hinter der schweren Eichentür war zweckmäßig, aber durchaus freundlich. Zwölf lederbezogene Schreibtische, und wie immer wanderte Elizas Blick unwillkürlich zu dem einzigen, auf dem sich keine Aktenberge türmten. Sie würde sich damit abfinden müssen, dass Harrisons hübsches Gesicht sie nicht mehr willkommen hieß. Nie mehr.

In dem Bemühen, ihre Kollegen nicht zu stören, schloss sie leise die Tür hinter sich und ging zu ihrem Platz hinüber. Gegenwärtig waren nur zwei Mitglieder der Truppe im Büro – die übrigen ermittelten außer Haus, und sie wünschte, sie wäre jetzt ebenfalls draußen im Einsatz. Im Büro wurde lediglich der quälende Papierkram erledigt, und sie vermieden es allesamt nach Kräften, sich hier aufzuhalten. Agent Hill, aus dem Dominium Kanada, war eifrig damit beschäftigt, seinen Bericht zu verfassen, fest entschlossen, so bald wie möglich aus dem Büro zu kommen, doch ihr Kollege aus Australien, Agent Campbell, lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und lächelte sie an.

Nicht heute, bitte, nicht heute, dachte sie.

Ihr Gebet blieb unerhört.

»Tagchen, Liza.«

Bruce war zwar kein unattraktiver Mann: hochgewachsen, dunkelhaarig, grüne Augen, im Grunde genau der Typ Mann, zu dem sie sich hingezogen fühlte. Doch seine kläglichen Versuche, witzig zu sein, machten jeden Gedanken an eine heimliche Romanze zunichte und offenbarten, was er wirklich war: ein selten dämlicher Hund.

»Harte Nacht mit der Herde gehabt, wie?«

Ach, ja, die Schafwitze. Einzig ihre eiserne Willenskraft hielt sie davon ab, ihm den Stuhl unterm Hintern wegzutreten. »Agent Campbell«, sie beugte sich vor und fixierte ihn mit ihren blauen Augen, »Sie haben ja gar keine Ahnung, wie viel Spaß ich habe, wenn Sie nicht hinsehen.«

Seine makellos weißen Zähne leuchteten in einem Gesicht, das von der kraftvollen Sonne der südlichen Hemisphäre noch immer gut gebräunt war. Er hielt zwei Eintrittskarten hoch und wedelte damit vor Elizas Augen herum. »Wie wäre es denn dann mit ein wenig Spaß gemeinsam? Logenplätze für das neueste Stück im St. James Theatre. Dachte, wir könnten hinterher noch zu Abend essen … oder vielleicht frühstücken. Sie wissen schon – da wir doch gewissermaßen Nachbarn sind und so.«

Es sah Bruce ähnlich, selbst die geografische Nähe ihrer Herkunftsländer – Australien und Neuseeland – für sich ins Feld zu führen. Das Einzige, was sie in Wahrheit gemein hatten, war der Umstand, dass die Briten auf sie als »Kolonisten« herabschauten.

Wohl kaum ausreichend, um mit ihm eine Liebesnacht zu verbringen. »Lieber steige ich mit einem Ihrer Kängurus in den Boxring, als neben Ihnen aufzuwachen, Bruce. Ich dachte, ich hätte das bei etlichen Gelegenheiten deutlich gemacht.« Sie stolzierte an ihm vorbei, zog ihren Mantel aus und brachte ihn an die Garderobe. Sie wusste ganz genau, dass Bruce genüsslich ihr Hinterteil betrachtete – das war eben einer der Nachteile, wenn man Herrenhosen, Hemd und Weste trug. Doch die Bewegungsfreiheit, die diese Kleider boten, war es allemal wert. Und eigentlich hatte sie sich auch noch nie geziert, ihre Vorzüge zur Schau zu stellen.

Er wartete, bis sie an ihrem Schreibtisch Platz genommen hatte, bevor er verkündete: »Der fette Mann von oben will Sie sehen.«

»Sie meinen Dr. Sound?«, gab Eliza scharf zurück.

Campbell winkte ab. »Nennen Sie ihn, wie Sie wollen – für mich ist er der ›fette Mann‹. Feiner Pinkel, elender.« Er zog ein Stück Papier hervor und klatschte es vor sie auf den Schreibtisch. Eliza erkannte Shillingworths präzise Handschrift, die forderte:

Schlag neun Uhr. Seien Sie bitte pünktlich.

Eliza räusperte sich, stand auf und zog die Taschenuhr aus ihrer Weste. »Wahrscheinlich will er mir zu meiner letzten Mission gratulieren.«

Es war neun Uhr drei. Verdammt.

Bruce’ ungläubiges Schnauben drang noch an ihr Ohr, als sie bereits quer durch das Büro hechtete. Der Aufzug zu den anderen Stockwerken verbarg sich hinter der Eichenvertäfelung am Ende des Flurs. Eliza schlüpfte durch den geheimen Zugang, schob das winzige Uhrwerkmedaillon, das sie an ihrer Halskettetrug, in das Schlüsselloch und drückte auf die Ruftaste. Während sie in dem kleinen Vorraum stand, wo man Motoren und Zahnräder leise surren hörte, rasten die Gedanken durch ihren Kopf.

Der Direktor des Ministeriums äußerte seine Meinung zu Missionen nur aus zweierlei Gründen: Entweder sie waren außerordentlich erfolgreich und reibungslos verlaufen, oder sie kamen einer totalen Katastrophe gleich. Elizas frühere Missionen konnten zwar stets als erfolgreich bezeichnet werden, ihr Ablauf jedoch niemals als reibungslos – es war nicht das erste Mal, dass sie ins Büro des Direktors gerufen wurde.

Nachdem sie einmal tief durchgeatmet hatte, betrat sie den Aufzug, schloss das Gitter und stellte den Maschinentelegrafen auf »Büro des Direktors«. Die kurze Fahrt schien eine Ewigkeit zu dauern. Das oberste Stockwerk war ausschließlich Direktor Basil Sound vorbehalten, Leiter des Ministeriums für Eigenartige Vorkommnisse. Aus dem Fahrstuhl gelangte man sogleich in ein kleines Wartezimmer, wo die überaus scharfsinnige Miss Shillingworth die Tür zu seinem Büro bewachte. Die weißblonde junge Frau nahm ihre Pflichten als Sekretärin sehr ernst und übte sie mit der Effizienz einer doppelt so alten Frau aus. In diesem Augenblick kämpfte sie jedoch gerade mit einem Arm voll brauner Aktenordner, die sie in den Schacht schob, über den sie ins Archiv gelangen würden. Ihr strenger, schneidender Blick huschte zu Eliza hinüber, aber abgesehen davon ignorierte sie die Agentin, begrüßte sie nicht einmal. Plötzlich hörte Eliza ein lautes, kräftiges Zischen und drehte den Kopf zu dem Geflecht pneumatischer Rohre, allesamt beschriftet mit der Stelle, wohin sie führten – Unterhaus, Oberhaus, Kriegsministerium und so weiter und so fort. Verstohlen schaute sie zu dem Neuankömmling hinüber, einem Zylinder, der mit dem Themse-Rohrpostsystem direkt aus dem Buckingham-Palast gekommen war. Vielleicht ein Tadel von Ihrer Majestät?

»Dr. Sound«, konnte sie Königin Viktoria in ihrer jüngst eingetroffenen Verlautbarung buchstäblich sagen hören, »über Ihren geplanten Verweis gegen Geheimagentin Eliza D. Braun sind wir nicht erfreut.«

Miss Shillingworth stieß einen verärgerten Seufzer aus, als ihre Akten zu Boden fielen. Und wenngleich Eliza es genoss, die frostige Sekretärin in einer misslichen Lage zu sehen, hatte sie nicht die Absicht, auf ihre Erlaubnis zu warten.

Eliza vergewisserte sich, dass ihr dunkelrostroter Zopf noch immer adrett saß, dann stolzierte sie, solange sie noch den Mut dazu hatte, zur Tür des Direktors. Aus dem Augenwinkel sah sie Shillingworth vom Boden aufblicken. Eliza glaubte, die Sekretärin hätte noch nach ihr gerufen – aber zu spät. Sie weigerte sich, Dr. Sound noch länger warten zu lassen, und stieß die Bürotür auf.

Dank der dicken Vorhänge an den Fenstern drang vom Lärm des Hafens im East End kaum etwas in das luxuriöse Büro, und den Rest verschluckte der riesige Orientteppich. Selbst das Ein- und Auslaufen der Schiffe musste der Direktor nicht zur Kenntnis nehmen, so er nicht wollte. Doch was diesem Raum an jedem anderen Tag Stille bescherte, gab ihm heute etwas Bedrückendes.

Denn dieser Tag war nicht wie jeder andere, und Eliza schien es, als ließe die dämmende Büroausstattung den Streit zwischen Dr. Sound und dem hochgewachsenen, stattlichen Mann, der ihm am Schreibtisch gegenübersaß, umso schärfer wirken.

»… zwar ist die Königin sich in dieser Angelegenheit noch nicht sicher«, fuhr der Turm von einem Mann fort und klopfte mit dem Zeigefinger auf Sounds Schreibtisch, »aber lassen Sie sich gesagt sein, dass ich es ganz gewiss bin.«

Ein seltsamer Ausdruck glitt über Dr. Sounds Züge – einer, den Eliza noch nie gesehen hatte: echter Zorn.

Eliza klappte den Mund zu und verkniff sich ihre leidlich zurechtgelegte Erklärung.

In diesem Moment wäre sie lieber wieder in der Antarktis gewesen, mit dem Geruch von Schießpulver und Schweiß in der Nase, als hier Zeuge dieser Auseinandersetzung zu sein. Die Streitenden waren so angespannt, dass sie die Anwesenheit eines Dritten gar nicht bemerkten, und Eliza war überzeugt, jeden Moment etwas außerordentlich Interessantes über ihren Vorgesetzten zu erfahren.

Zumindest bis Miss Shillingworth hereinplatzte. Ihre eisige Haltung hatte deutliche Risse bekommen, und sie fing sogar an, Eliza am Arm zu zerren. »Es tut mir leid, Dr. Sound, sie ist einfach reingestürmt, ohne zu fragen.«

Der Direktor wandte sich ihnen zu, trotz seiner Korpulenz überraschend beweglich. »Agentin Braun, ich darf wohl davon ausgehen, dass Sie eine triftige Erklärung für dieses Verhalten haben?« Seine Stimme war milde, der düstere Unterton indes unüberhörbar.

Eliza krampfte sich der Magen zusammen. »Ich sollte pünktlich um neun in Ihrem Büro sein. Ich habe mich leider einige Minuten verspätet.«

Dr. Sound wandte den Blick von ihr ab und nickte. »Ach, ja, ich habe tatsächlich neun Uhr gesagt …«

»Sie müssen Eliza D. Braun sein, die Agentin, die wir von der Dienststelle im Südpazifik geerbt haben«, warf der hochgewachsene Mann ein – seine Stimme troff nur so von schleimiger Höflichkeit. Eliza bekam auf den Armen eine Gänsehaut. »Wie passend … nachdem wir gerade von Ihnen sprachen.« Ganz im Gegensatz zum Direktor sah dieser Mann erstaunlich gut aus mit seinen markanten, adlerhaften Zügen und dem graumelierten Bart. Während er auf sie zukam, bemerkte sie, dass er zudem auch besser gekleidet war als Sound.

Obwohl ihre Gedanken sich überschlugen, neigte Eliza den Kopf und hielt ihm die Hand hin. »Sie sind mir gegenüber im Vorteil, Sir. Ich glaube nicht, dass wir einander bereits vorgestellt wurden.«

Daraufhin lächelte er, bevor er sich verbeugte und ihre Fingerspitzen ergriff: »Peter Lawson, Herzog von Sussex.«

Der Name war allgemein bekannt – selbst Eliza. »Der Privatsekretär Ihrer Majestät, der Königin. Es ist uns wahrlich eine Ehre.« Sie lächelte – und hoffte Dr. Sound gerade zu beweisen, dass sie genau wusste, wie man mit dem Hochadel umzugehen hatte. Vielleicht würde er die jüngsten Zwischenfälle ja einfach vergessen.

Des Herzogs Grinsen war beunruhigend – es war das Grinsen eines Mannes, der etwas wusste, über das sie noch in Unkenntnis war. Plötzlich wirkte sein gutes Aussehen gar nicht mehr so beeindruckend auf sie. Plötzlich verabscheute sie ihn. Zutiefst.

Er erkannte ihr Unbehagen, und offensichtlich genoss er es. An den Direktor gewandt sagte er: »Ich baue darauf, dass Sie meinen Rat annehmen werden, Basil.« Dann drehte er sich auf dem Absatz um und verließ das Büro.

Für einen Moment standen Dr. Sound, Eliza und Miss Shillingworth geradezu verlegen in der plötzlichen Stille, die nur vom Ticken der Uhr über dem Kaminsims gestört wurde. Mit einem tiefen Seufzer nahm Dr. Sound schließlich an seinem gewaltigen Schreibtisch Platz.

»Vielen Dank, Miss Shillingworth«, begann er. »Bitte, Agentin Braun«, und er deutete auf den Sessel gegenüber.

Eliza schluckte schwer und durchquerte das Büro zu jenem Sitzmöbel, das zu jedem anderen Anlass vermutlich sehr bequem gewesen wäre. Zu allem Überfluss war das Polster warm – es gab noch die Körperwärme des Herzogs von Sussex ab. Bei diesemGedanken bekam Eliza erneut eine Gänsehaut. Sie hoffte sehr, Dr. Sound würde nicht bemerken, wie sie sich innerlich wand.

Der enorme Stapel von Berichten und Akten, der vor dem Doktor aufragte, hätte einen geringeren Mann kapitulieren lassen. Dr. Sound – davon war sie weiterhin fest überzeugt – gehörte nicht zu dieser Sorte. Er nahm die Brille ab und fixierte Eliza mit einem scharfen Blick aus grauen Augen. Sie fühlte sich regelrecht aufgespießt, wie ein Schmetterling im Britischen Museum. »Agentin Braun, wie Sie sich vermutlich denken können, haben Sie mich in eine recht prekäre Lage gebracht.«

Eliza hätte ihn gern gefragt, was einen der hochrangigsten Beamten in sein Büro geführt hatte, und auch, warum er so verstimmt war. Doch die Antwort auf ihre zweite Frage ahnte sie bereits.

Bedauerlicherweise war sie mit dem Platz vor Sounds Schreibtisch nur allzu vertraut, und das ermutigte sie zu einer gewissen, in ihrer Situation nicht eben zuträglichen Kühnheit. »Ich weiß schon, was Sie sagen wollen, Dr. Sound …«

»Ach, ja?« Er faltete die Hände. »Dann klären Sie mich doch bitte auf.«

»Ich weiß, bei meinem letzten Einsatz habe ich einige spontane Entscheidungen getroffen, ohne auf eine entsprechende Freigabe zu warten.« Die Worte sprudelten einfach so aus ihrem Mund.

Der Direktor hob die Hand. »So nennt man Insubordination also heutzutage unter Geheimagenten – Spontanentscheidung?« Er rückte seine Brille zurecht und zog einen Schwung Akten zu sich heran. »Wollen wir uns doch mal einige Ihrer anderen ›spontanen Entscheidungen‹ ansehen, ja?«

Als er die oberste Aktenmappe aufschlug, sah Eliza alle Hoffnung schwinden. Auf dem Aktendeckel stand ihr Name, und sie wusste nur zu gut, was darin zu lesen war. Reglos saß sie da und wartete auf das das Donnerwetter. Das beklemmende Funkeln, das Eliza in Sussex’ Augen gesehen hatte, verfolgte sie.

»Also … Da haben wir zunächst die mutwillige Zerstörung des Landsitzes des Herzogs von Pembroke durch eine gewaltige Explosion …«

»Sein Butler benutzte das Anwesen als Stützpunkt für …« Als sie sah, wie er langsam den Blick hob, brach sie mitten im Satz ab.

»Das gleiche Schicksal haben Sie auch der Botschaft von Preußen zugedacht.« Er leckte seinen Zeigefinger an und blätterte weiter. »Das hatte fürwahr einige diplomatische Schwierigkeiten zur Folge.«

»Der Spion, den ich verfolgt habe, war im Wesentlichen verantwortlich …«

Das Heben einer Augenbraue genügte, und die Widerrede erstarb ihr auf den Lippen. Eliza rutschte unbehaglich auf ihrem Sessel herum, als er fortfuhr. »Und dann haben wir hier noch die Operation Darkwater.« Bei den Göttern, sie hatte so gehofft, er würde diese Sache nicht zur Sprache bringen, obwohl er es selbstverständlich tun würde. »Die Zerstörung von Nemos Stützpunkt und der Verlust seiner Baupläne der Nautilus müssen als die bei Weitem verhängnisvollste Ihrer sogenannten ›spontanen Entscheidungen‹ erachtet werden.«

Dieses Mal versuchte Eliza gar nicht erst sich zu rechtfertigen. Stattdessen hielt sie den Atem an. Würden sie ihr wieder die zugeteilten Mittel für die Waffenkammer kürzen oder womöglich sogar ihren Agentenstatus herabstufen?

Dr. Sound schob die Aktenordner zurück und trommelte mit den Fingern auf der Schreibtischplatte. »Angesichts aller bisherigen Vorfälle ist die Missachtung Ihrer Befehle in Bezug auf Agent Wellington Books jedoch besonders besorgniserregend.«

Eliza schluckte. Seit dieser verrückten Flucht war sie sich durchaus darüber im Klaren gewesen, dass der Ärger nicht lange auf sich warten lassen würde. Also reagierte sie, wie sie es immer tat, voller Inbrunst. »Agent Books ist einer von uns, Dr. Sound, ein Mitarbeiter des Ministeriums! Und als ich ihn dort sah, konnte ich ihn nicht einfach exekutieren.«

»Und was hat Sie auf die Idee gebracht, Sie hätten das Recht, den Befehl schlichtweg zu ignorieren? Wie konnten Sie sicher sein, dass Agent Books nicht zum Verräter geworden war? Als Chefarchivar ist er immerhin in alle Geheimnisse des Ministeriums eingeweiht.«

»Es war so ein Gefühl, Doktor. Ein Instinkt. Derselbe Instinkt, der mich im Einsatz am Leben hält. Und den Sie vielleicht gar nicht begreifen können, nachdem Sie Ihre Zeit doch ausschließlich hier verbringen.«

Nervös biss sie sich auf die Unterlippe. Ihr Temperament. Es gab nichts, was sie hätte tun können, um ihre Worte zurückzunehmen, aber sie konnte es eben nicht ausstehen, wenn sie für ihre Einsätze zur Rede gestellt wurde. Sie war eine der Besten, die das Ministerium hatte. Ihre Methoden mochten unorthodox und endgültig sein, doch sie führten stets zum Erfolg.

Dr. Sound musterte sie mit ungerührter Miene.

»Ich habe mir Books genau angesehen und hatte einfach das Gefühl, dass man ihn nicht gebrochen hatte. Und da er einer von uns ist, habe ich nach eigenem Ermessen eine Entscheidung getroffen, so, wie es im Einsatz mein gutes Recht ist. Wir haben noch nie einen der Unseren verloren …« Sie geriet ins Stocken und setzte neu an. »Wir haben noch nie einen unserer Leute ausgeschaltet. Und ich hatte keinesfalls vor, die Erste zu sein, die mit so etwas anfängt.« Dann gestattete sie sich ein Feixen. Wenn schon, denn schon. »Außerdem war es eine viel größere Herausforderung, ihn lebend herauszuholen.«

»Und diese Eigenmächtigkeit, Agentin Braun, ist genau das, was mir Sorge bereitet. Es geht hier bei uns im Ministerium nicht darum, dass Einzelne spontan nach ihren Impulsen agieren, noch dazu im Namen der Königin. Will man die Schatten der Bedrohung und des Bösen besiegen, so muss man selbst zum Schatten werden. Wir beschützen das Empire im Geheimen – ein wichtiges Detail, das Sie, wie es scheint, gern übersehen … allzu gern. Sie könnten sich von Ihren Vorgängern ruhig eine Scheibe abschneiden und sich möglicherweise etwas weniger auf Schwarzpulver und Dynamit verlassen.«

»Aber ich mag Schwarzpulver und Dynamit.« Ihr war sehr wohl bewusst, dass sie sich wie ein trotziges Kind anhörte, dem man sein Lieblingsspielzeug wegnehmen wollte, doch genau so behandelte er sie ja auch.

Dr. Sounds Mundwinkel zuckte, und sie hoffte schon, dass er ein Lächeln unterdrückte – aber es war überaus flüchtig. »Aufgrund Ihrer Vorgeschichte und Ihrer Neigung zu ›spontanen Entscheidungen‹ sind disziplinarische Maßnahmen bedauerlicherweise unumgänglich.«

In Elizas Kopf überschlugen sich die Vermutungen. Vielleicht würde der gute Mann sie wieder der Außenstelle des Ministeriums im Fernen Osten zuweisen – das wäre aber im Grunde keine große Strafe. Doch seine nächsten Worte waren eine Überraschung.

»Zuvor jedoch …« – Dr. Sound erhob sich von seinem Sessel – »… ist meines Erachtens ein anderer Blickwinkel vonnöten. Wenn Sie bitte so freundlich sein wollen«, sagte er und deutete auf die Tür.

Einen Moment lang überlegte Eliza, ob sie sich verhört oder die Strafe einfach nicht mitbekommen hatte. »Ein … anderer Blickwinkel, Dr. Sound?«

»In der Tat.« Er schloss ihre Akte und warf sie in seinen Ausgangskorb. »Nach den Terminen dieses Vormittags brauche ich – wie Sie es gern ausdrücken – einen Tapetenwechsel.«

»Wie Sie wünschen, Dr. Sound. Wo soll es denn hingehen?«, fragte Eliza.

»Sie werden keinen Schirm brauchen, Agentin Braun«, sagte er süffisant lächelnd. »Es ist nicht weit.«

»Sehr wohl, Dr. Sound.«

Ihre Gedanken rasten. Was für eine disziplinarische Maßnahme mochte er wohl für sie im Sinn haben? Sie bemühte sich, ruhig und gleichmäßig zu atmen. Als sie an Miss Shillingworth vorbeikamen, die jetzt wieder an ihrem Schreibtisch saß, deutete nichts mehr darauf hin, dass sie jemals in einer misslichen Lage gesteckt hatte. Der Wartebereich war wie immer makellos.

»Famose Arbeit, Miss Shillingworth«, gluckste Dr. Sound.

Die Sekretärin blinzelte. Komplimente vom Direktor, folgerte Eliza, waren offenbar nicht an der Tagesordnung.

»Wir werden nicht lange fort sein«, erklärte er, griff in seine Manteltasche und förderte ein kleines, gefaltetes Stück Papier zutage. »Kümmern Sie sich darum, und bitte verlegen Sie alle Termine, ob vereinbart oder unerwartet, auf den Nachmittag. Braves Mädchen.«

Miss Shillingworth nickte und legte den Zettel mitten auf ihren erschreckend ordentlichen Schreibtisch.

Dr. Sound wandte sich wieder Eliza zu, und mit einem warmen Lächeln deutete er auf den Fahrstuhl. »Bitte nach Ihnen, Agentin Braun.«

Unerwartet heftig kehrte Elizas Gänsehaut zurück.

Kapitel 3

In welchem unser tapferer Held der Chroniken und Register endlich auf geziemende Weise Eliza D. Braun vorgestellt wird

Tropf …

Tropf …

Tropf …

Wellington schaute von seinem breiten Schreibtisch auf und starrte in die Dunkelheit, aus der das Geräusch zu ihm drang. Früher hatte ihm das monotone Tropfen unerbittlich die betrüblichen Zustände hier unten ins Bewusstsein gerückt. Das stetige, tiefe Dröhnen der Heizkessel hatte ihn nicht gestört, denn die taten nur ihre Arbeit: Sie hielten die Feuchtigkeit in Schach. Es war auch unvermeidbar, dass einige Rohre und kleinere Kammern schwitzten. Bedachte man zudem den enormen Druck der Wassermassen der Themse auf der anderen Seite der Wand, so war eine gewisse Luftfeuchtigkeit nur natürlich.

Diese Herausforderung hatte er bereitwillig angenommen. Er konnte sich also kaum beklagen.

Tropf …

Tropf …

Tropf …

Eine Strategie, hatte er sich zu Beginn gesagt, als er diesen Posten im Ministerium für Eigenartige Vorkommnisse annahm. Entwickle eine Strategie, um zu bekommen, was du willst. Sei entschlossen in den Schlachten, die du schlägst –Wellingtons militärische Ausbildung fand im alltäglichen Leben wahrlich seine Anwendung. Das Archiv war in einem solch desolaten Zustand gewesen, dass der Ausdruck »unordentlich« noch als Kompliment hätte gelten müssen, aber er hatte sich der Herausforderung gewachsen gezeigt und sein Missfallen für sich behalten. Stattdessen hatte er sich seine eigenen Gedanken über die bestehenden Probleme gemacht, die passenden Lösungen nach ihrer Wichtigkeit geordnet und sie dann in die Tat umgesetzt. Diejenigen, von denen er wusste, dass sie der unmittelbaren Aufmerksamkeit Dr. Sounds bedurften wie zum Beispiel die Notwendigkeit eines Lufttrockners, um die Feuchtigkeit im Archiv wenigstens bis zu einem gewissen Grad einzudämmen, waren für jene Treffen reserviert gewesen, da sie unter sich sein würden, allein; dann erst hatte Wellington mit seiner ungeteilten Aufmerksamkeit rechnen können.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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