Books & Braun - Die Janus-Affäre - Pip Ballantine - E-Book

Books & Braun - Die Janus-Affäre E-Book

Pip Ballantine

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Beschreibung

Ein Paar zum Verlieben, viktorianisches Flair vom Feinsten und jede Menge verrückte Erfindungen. So muss Steampunk sein! In London verschwinden Frauen aus allen Gesellschaftsschichten. Ihnen ist nur eines gemeinsam: Sie haben sich für Frauenrechte engagiert. Agentin Eliza D. Braun und Bibliothekar Wellington Books sollen in dem mysteriösen Fall ermitteln und stoßen auf eine Verschwörung, die bis in die obersten Kreise der Londoner Gesellschaft reicht.

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PIP BALLANTINE & TEE MORRIS

BOOKS & BRAUN

DIE JANUS-AFFÄRE

Roman

Ins Deutsche übertragen von

Michaela Link

Für unsere Eltern Roger und Pamela, Wayne und Nancy,

die zwar nie damit gerechnet hätten, dass ihre Kinder per

Luftschiff in die Vergangenheit reisen, um das Empire

zu retten –, die aber dennoch verstehen,

dass gerade dies manchmal erforderlich ist.

Vorspiel

In welchem die Gefahren von Zugreisen vor Augen geführt werden

Es war der Geruch – der Geruch von Metall, das in der Sommersonne briet –, der Lena die schreckliche Tatsache bewusst machte, dass ihre Flucht fehlgeschlagen war.

Der scharfe, heiße Geruch brannte ihr in der Nase, weckte von neuem die blinde Panik, die sie am früheren Abend verdrängt hatte, und schlang einmal mehr unsichtbare, eisige Ranken um ihre Kehle. Unbewusst hob sie die behandschuhte Linke ans Gesicht und zuckte zusammen, als die Haut sogar unter dieser schwachen Berührung aufloderte. Trotzdem: Wenn sie mit einem leichten Sonnenbrand davongekommen war, wollte sie sich nicht beklagen – nicht angesichts dessen, was sie mitangesehen hatte.

Das monotone Rattern des Zuges hatte Lena beinahe eingelullt. Sie saß am Fenster, und eine ziemlich rundliche Frau neben ihr mit einer Hutschachtel auf dem Schoß ließ ihr wenig Platz. Trotz der Geschehnisse in Edinburgh hatte sie wieder ein wenig Zuversicht gewonnen, als der Hyperdampfexpress seine volle Geschwindigkeit erreichte. Ihr nächster Halt würde London sein. Sie würde eilends nach Hause zurückkehren, zu Adelaide, und sie fest an sich drücken, und dann würden sie Lily nehmen und die Stadt verlassen. Dass sie einen Plan hatte, und sei er noch so fadenscheinig, gab ihr ein Gefühl von Sicherheit, wie sie ein Säugling in den Armen der Mutter empfinden mochte.

Bis dieser Geruch ihr in die Nase stieg und das Herz wild hämmern ließ. Alle Instinkte schrien ihr zu: Lauf. Lauf sofort los!

Ohne auf Anstand und Etikette zu achten, zwängte sie sich an der abscheulichen Frau vorbei und entschuldigte sich nicht einmal, als deren lächerliche Hutschachtel zu Boden fiel. Entrüstete Beschwerden der Mitreisenden, die dicht an dicht in diesem Waggon dritter Klasse saßen, erreichten sie nur als fernes Geschwätz, da sie mit großen Schritten durch den Mittelgang eilte. Etikette und Manieren waren für sie jetzt ohne Belang. Hätten die anderen Reisenden gewusst, was sie wusste – hätten sie mit eigenen Augen gesehen, was mit Maude Wilkinson geschehen war –, würden sie verstehen und sich ihrer panischen Flucht zweifellos anschließen.

Lena legte sich eine Hand auf den Bauch und hob mit der anderen die Röcke ein wenig. Ihre Schritte wurden länger, dann schneller, und sie hatte nicht mehr den Eindruck, gegen die Fahrtrichtung des Zuges auf der Stelle zu treten. Unter dem Korsett raste ihr Herz, und Gedanken zuckten ihr durch den Kopf. Warum trug sie heute Morgen keine Hose? Die wäre viel vorteilhafter gewesen, wenn man um sein Leben rannte.

Was war mit Adelaide, die zu Hause wartete? Was würde ihre Liebste denken, wenn sie nicht zurückkam? Dass Lena sie und ihre süße Lily im Stich gelassen hatte?

Und was, wenn – Gott bewahre! – dieses Scheusal sie zu fassen bekäme?

Das Verlangen zu leben, zu entkommen schnürte ihr so heftig die Kehle zu, wie sie es nicht für möglich gehalten hätte. Doch Lena hatte heute schon so viele unmögliche Dinge gesehen. Zu viele.

Sie stolperte zur Tür und riss sie auf. Die Winterkälte machte ihr den Kopf frei, scheuchte aber auch die Fahrgäste auf, die das Pech hatten, nah am Übergang zum nächsten Wagen zu sitzen. Bittere Kälte umfing Lena, als sie in den Waggon zweiter Klasse schlüpfte. Zwei Wagen lagen noch vor ihr; dann kamen die Abteilwagen der ersten Klasse. Ein Waggon noch nach diesem. Darauf konzentrierte sie sich beim Weitergehen und wagte nicht, sich umzuschauen. Wenn sie es täte, wäre das Scheusal da, ihr auf den Fersen. Es würde das Letzte sein, was sie sah. Sie näherte sich dem anderen Ende des Wagens, aber als sie heißes Messing roch, blitzte wieder die Erinnerung an das Grauen auf, das sie in Schottland miterlebt hatte.

Wie zuvor murrten nun auch die Fahrgäste der zweiten Klasse, die der Tür am nächsten saßen, und blafften Lena an, als sie auf die offene Plattform zwischen den Waggons trat. Dort kam ihr im beißenden Wind eine Idee.

Wahnsinn. Nichts als Wahnsinn.

»Wahnsinn«, hörte sie sich flüstern, während sie den Überrock auszog und in die Dunkelheit warf, den Riegel des Eisengatters öffnete und die Metallsprossen der Leiter ergriff. Es gab keinen Grund, es länger zu wiederholen, als sie die Stufen betrat und sich hinaufzog. Kaum ließ Lena die oberste Sprosse hinter sich, wurde jeder zivilisierte Gedanke, den sie gehegt haben mochte, vom Fahrtwind hart und gnadenlos weggerissen. Mit siebzig Meilen pro Stunde – denn so schnell schoss der Express durch die Lande Ihrer Majestät – durchdrang die Januarkälte Lenas Kleider und Unterkleider und stach ihr wie unsichtbare Nadeln ins Fleisch.

Sie musste verschwinden, und sei es nur für einen Augenblick. Ja, es war Wahnsinn, aber auch ihre einzige Chance.

Lena war trotzdem froh. Zumindest schneite es nicht.

Wegen der phänomenalen Geschwindigkeit des Hyperdampfzugs brannten ihr die Augen, doch sie hatte keine Hand frei, um sie zu reiben, denn ihre Satinhandschuhe – viel zu vornehm für ihr gegenwärtiges Unterfangen – umklammerten die Dachkante, und ihre Finger suchten Halt. Lena spürte plötzlich Wärme, dann kurz Kälte, dann wieder Wärme. Waren das diese merkwürdigen Gebilde, die sich an den Dächern der Personenwagen entlangzogen? Sie versuchte, sich das Wagendach vorzustellen, denn im Dunkeln sah sie nichts. Woran könnte sie sich hier oben sonst noch festhalten? An einem kleinen Schornstein? Ja. Irgendwo auf ihrem Weg würde sie ihn ertasten. Ob sie ihn zuvor riechen würde?

Ein Pfiff übertönte das rhythmische Tschaff-tschaff-tschaff der Lokomotive, und Lena klammerte sich unwillkürlich fester. Etwas geschah mit der Luft, und binnen Augenblicken brachte jeder Atemzug sie zum Würgen. Ein abgestandener, erdiger Geschmack füllte ihren Mund. Was ging hier vor?

Mein Gott, wir sind in einem Tunnel!

Ihre Jacke würde den abscheulichen Ruß vom Schornstein der Lokomotive nicht ganz abhalten, doch wenn sie den Ärmel als Filter benutzte, konnte sie zumindest flach weiteratmen. Mehr und mehr aber hatte sie das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Wie lang war dieser Tunnel? Würde sie ihn durchstehen? Und was war mit dem Scheusal? Folgte es ihr, oder war sie ihm mit dieser wagemutigen, wenn auch törichten Flucht entkommen? Es wäre kaum ein Sieg, falls sie an Asche und Ruß erstickte …

Ein weiterer beängstigender Pfiff, und das ohrenbetäubende Heulen war wieder da. Tief atmete sie die raue Luft ein und fand einen seltsamen Trost an ihrer Kälte, ihrem Geschmack und ihrer Frische.

Ein weiterer Trost war, dass sie nichts mehr von dem scharfen, tödlichen Geruch wahrnahm, der sie an diesen ausgesetzten Ort getrieben hatte. Vielleicht hatte sie – anders als die arme langsame Maude – ihren Angreifer überlistet.

Plötzlich verschwand die Landschaft ringsum, und Lena schlug das Herz im Halse. Hinter einem dunklen Wolkenvorhang tauchte der Vollmond auf, und sein elfenbeinfarbenes Licht spiegelte sich tief unter ihr im Wasser. Eine falsche Bewegung, und sie würde auf der Brücke eines schnellen Todes sterben oder in die Schlucht stürzen, die sie gerade überquerten. Während der Zug unermüdlich weiterraste und wie eine Bestie unter ihr schnaufte, erwog Lena kurz, in die Nacht zu springen, in die große Weite um sie herum, aber ihre Besonnenheit, die sie bereits über das Dach des Zuges hatte fliehen lassen, beschwor Bilder von Adelaide und Lily herauf.

Nein, stellte sie mit Nachdruck fest. Ich muss leben. Für die beiden.

Dann sah Lena im Mondlicht einen kleinen Schornstein, der das Ende des Waggons markierte. Obwohl der Lüftungsschlot, an dem sie sich mit der Rechten festhielt, abzubrechen drohte, reckte sie die Linke so weit wie möglich. Mit ruinierten Handschuhen ertastete sie die oberste Sprosse der Leiter. Sie schaute auf: Der gnädige Gefährte Mond, der ihr wieder Hoffnung geschenkt hatte, würde gleich aufs Neue im Dunkeln verschwinden. Lena nahm die Leiter in den Blick. Sie war ganz nah. Mit beiden Händen warf sie sich ihr entgegen und sah die eiserne Sprosse in Dunkelheit versinken, weil eine Wolkenbank sich vor den Mond schob. Ihre Welt kippte langsam und träge, und dann hüllte Stille sie ein wie eine Decke.

Lena presste Schläfe und Wange an die Leiter und zog sich ächzend vom Dach des Wagens zweiter Klasse. Das Brennen auf der Haut, die Kälte und Erschöpfung ließen nach. Der Zug wiegte sie beim Abstieg hin und her, als wollte er sie abschütteln, doch sie schaffte es sicher auf die Außenplattform.

Lena schaute durch das mit feinen Milchglasornamenten geschmückte Waggontürfenster. Vom Scheusal keine Spur. Was jetzt? Zurück in die Richtung, aus der sie gekommen war? Oder vorwärts in der Hoffnung, dass es sich längst weiter Richtung Lokomotive vorangearbeitet hatte?

Sie trat die Tür des Waggons hinter ihr auf und ließ den Blick über die Passagiere schweifen, die nicht ahnten, dass sie sich noch Sekunden zuvor über ihnen befunden hatte, verloren in einem Chaos, das nur durch ein dünnes Dach von diesem behaglichen und bequemen Großraumabteil getrennt war. Lena wusste, sie sah schrecklich aus: voller Rußflecken und in einem von den Elementen und dem Dach zerrissenen Kleid. Inmitten der angewiderten Blicke sah sie ein Gesicht, das sie auf andere Art betrachtete – wiedererkennend.

»Lena?« Die Lippen der Frau bewegten sich lautlos.

Es war die Frau aus den Kolonien. Die Schwester, der man sie vor über einem Jahr vorgestellt hatte. Sie hatte erst am Vortag mit ihr Tee getrunken, doch es schien schon eine Ewigkeit vergangen. Lena lächelte und verspürte große Erleichterung. Endlich hatte das Schicksal ihr ein anständiges Blatt gegeben – in Gestalt einer unerwarteten Verbündeten. Sie würde dieser Schwester aus dem Süden von Maude erzählen, und dann würde alles gut werden.

Lena machte einen Schritt vor und wollte sie schon beim Namen rufen, als die Wärme sie einhüllte. Sie hatte nur noch Zeit, »Eliza, helfen Sie mir!« zu keuchen, bevor ein greller Blitz aufzuckte und sie blendete, während ihre Haut kribbelte und ihr der Atem in der Kehle stockte.

Und dann hatten sie sie.

Kapitel 1

In welchem Miss Braun ihre Unschuld beteuert und niemand sich täuschen lässt

In der Kunst des Streitgesprächs und der freien Rede hatte Wellington während seiner Universitätszeit brilliert. Aber noch nie war er bei der Erörterung wesentlicher Themen und drängender Angelegenheiten von Monarchie, Nation und Empire auf eine Gegnerin gestoßen, wie sie jetzt vor ihm aufragte. Dass sie diese Debatte in aller Öffentlichkeit auf dem Perron des Bahnhofs von York führten, wo sie zu einem Nothalt gezwungen worden waren, schien ihr nichts auszumachen. Sie wandte eine ihm unbekannte, aber kaum überraschende Strategie an, um Oberwasser zu behalten: leidenschaftlichen Widerspruch.

»Nein«, murmelte er möglichst leise.

»Doch«, gab sie nicht annähernd so dezent zurück.

»Nein.«

»Doch.«

»Nein.«

»Doch.«

»Miss Braun …«

»Ach, kommen Sie, Welly …«

Bei diesem Spitznamen, der ihn traf wie der Pfeil des Paris die verletzliche Ferse Achills, wagte er es, aufzuschauen. Ihre saphirfarbenen Augen konnten seinen Willen so leicht beugen wie starker Winterwind das Schilf. Doch diesmal war er gewappnet.

»Miss Braun, ich kann es Ihnen im Telugu-Dialekt Indiens sagen: Kaddu. Und auf Nepali: Ahaa. Im Nandi-Dialekt von Kenia? Achicha. In einer Mandarin-Variante? Bu dai. Oder bevorzugen Sie den Maori-Dialekt Ihres Heimatlandes? Kao. Suchen Sie sich eine Sprache aus, die Sie besser verstehen als die englische Hochsprache, denn ich denke, ich drücke mich kristallklar aus, wenn ich sage: Nein!«

»Aber Welly …«

»Ja, ich weiß, das hatten wir schon.« Er zwickte seinen Nasenrücken und kniff die Augen zu … und bereute die zur Gewohnheit gewordene Geste sofort, denn der frische Sonnenbrand auf seinem Gesicht schmerzte ihn nun noch obendrein. Was genau im Zug geschehen war und wie es ihm und seiner Kollegin solchen Schaden hatte zufügen können, war eine Frage, der er auf den Grund gehen wollte, sobald er Eliza beschwichtigt hatte.

Er erhob sich und hatte plötzlich das Bedürfnis, auf und ab zu gehen. Vielleicht musste er auch seine Nerven beruhigen. Wie fest er die Augen auch zukniff: Die Frau, die in den Wagen geplatzt war, blieb seinem Gedächtnis eingebrannt. Die scharlachrote Haut der Fremden hatte ihm offenbart, dass sie den Elementen ausgesetzt gewesen war, entweder über eine längere Zeit oder kurz, intensiv und bei hoher Geschwindigkeit. Er hatte das Wiederkennen in ihrem Blick und Elizas Reaktion beobachtet, kurz bevor alles im Wagen dunkel geworden und Sekunden später knisternde Elektrizität zu sehen gewesen war. Blaue, weiße und violette Lichtbögen hatten ihre Gestalt zierlich umtanzt und die Kurven und Spalten ihres Körpers liebkost. Dann hatte es einen Blitz gegeben – und wilde Panik unter den Fahrgästen. Und als die Lichter im Wagen wieder ansprangen, war die Fremde spurlos verschwunden.

Fremd war sie ihm vielleicht, aber nicht seiner Kollegin aus dem Ministerium.

Die Fahrgäste in unmittelbarer Nähe der Verschwundenen waren nicht nur völlig entsetzt gewesen, sondern auch leicht verbrannt. Gewiss fiel diese Sache in die Zuständigkeit des Ministeriums. Genauer gesagt: in die Zuständigkeit eines Londoner Außendienstagenten.

Und das war Elizas Streitpunkt seit ihrer Degradierung: Offiziell war sie keine Londoner Außendienstagentin mehr.

Wellington trat beiseite, weil ein Mann mit Reisetrolley Richtung Tür dampfte. »Eliza, Sie wissen doch, dass uns letztes Mal nur Taschenspielertricks und Geistesgegenwart die Haut und unsere Stellen bei Dr. Sound gerettet haben.«

»Sie haben Gerissenheit vergessen. Die Geschichte, die wir erfunden haben, war ziemlich gerissen«, erklärte Eliza stolz, während sie den Zopf ihres rostroten Haars, der sich gelockert hatte, wieder neu flocht.

»Wie dem auch sei, wir standen – und stehen zweifellos immer noch – wegen des ganzen Wirbels um die Gesellschaft des Phönix unter Beobachtung. Es ist ungemein wichtig, dass wir uns tadellos betragen, und das ist Ihnen mit Ihrem Unfug in Edinburgh nur mit knapper Not gelungen.«

Eliza schnaubte. »Quark, Wellington. Wäre ich zu dem Treffen gekommen, hätte das Dr. Sounds Aufmerksamkeit erregt, und er würde sich fragen, was da gespielt wird.«

»Aber darum geht es nicht. Auch diesmal nicht.« Wellington schnalzte mit der Zunge, als ihm ein Gedanke – eine neue Strategie – in den Sinn kam. »Bedenken Sie, wie gefährdet dieser Fall wäre, wenn der Direktor es für angemessen hielte, dass Sie die Ermittlungen durchführen.«

Eliza legte die Stirn in Falten. »Wie bitte, Books?«

»Wie bei unserem früheren kleinen Abenteuer außerhalb des Archivs sind Sie die Letzte, die diesen Fall untersuchen sollte – wegen Ihrer persönlichen Verbindung dazu!« Er kehrte zu seiner Bank zurück und betrachtete sie kurz. »Sie hat Sie gekannt!«

»Sie kannte mich flüchtig. Das ist ein Unterschied.« Sie rieb sich zaghaft die rosige Haut. »Wir müssen uns wohl diese wunderbare Creme des Ministeriums beschaffen, die für die Tropen ausgegeben wird. Ich fürchte, ich könnte braun werden.« Sie zwinkerte ihm zu; jede echte Dame hätte diese Aussicht zutiefst entsetzt.

»Wechseln Sie nicht das Thema«, mahnte er mit leicht gezückter Braue. »Diese Frau, die direkt vor unseren Augen in einem Kugelblitz verschwunden ist, kannte Ihren Namen – und ich will wissen, woher.«

Sie nahm endlich neben Wellington auf der Bank Platz und strich sich den langen, himmelblauen Rock glatt. Er wünschte insgeheim, sie würde häufiger Röcke oder Kleider tragen. Das stand ihr. »Gut, ich gebe zu, ich bin der Frau schon mal begegnet. Wir haben im Pub ein paar Gläser mit den Edinburgher Suffragetten getrunken und ein wenig über die Fortschritte der Frauen in unserer Gesellschaft geredet, und sie hat mir Offerten gemacht …«

»Nun, das ist ein Schock«, witzelte Wellington.

»Nichts dergleichen! Sie hat mir angeboten, vor ihrer Frauengesellschaft in London zu sprechen. Ihr Name war Lena Munroe.«

»Eliza, muss ich Sie daran erinnern, dass Sie keine Außendienstagentin mehr sind? Sie sind meine Partnerin und mein Schützling im Archiv. Unsere Verpflichtungen und Prioritäten liegen dort.«

Wie gerufen, erregte eine Bewegung in seinem Augenwinkel seine Aufmerksamkeit. Er erkannte die Gestalt sofort.

»Welly?« Eliza beugte sich vor. »Welly, Sie sind aschfahl geworden. Was ist los? Werden Sie ohnmächtig?«

Wellington atmete den Geruch von Öl, Metall und Dampf tief ein und rappelte sich hoch. Eliza redete noch immer mit ihm, aber er nahm ihre Worte nicht auf. Sie spielten jetzt keine Rolle mehr. Schließlich drehte sie den Kopf, um festzustellen, wer seine Aufmerksamkeit erregt hatte.

»Agent Books«, sagte Dr. Sound strahlend, »und unsere geliebte Agentin Braun! Archivar und Nachwuchs-Archivarin.«

Eliza stand schnell auf, und Wellington bemerkte, dass ihr Lächeln auf unheimliche Weise entspannt und charmant wirkte – obwohl sie die Verwendung ihrer neuen Amtsbezeichnung verabscheute. »Sir, was führt Sie …«

»Halten Sie mich bitte nicht für einfältig. Im Prototyp des White-Star-Hyperdampfzugs ereignet sich ein Unfall. Im selben Hyperdampfexpress, in dem zufällig Sie und Ihr Mentor reisen. Und Sie glauben nicht, dieser Umstand würde meine Aufmerksamkeit rechtfertigen?«

»Nun, es ist spät, Dr. Sound«, erwiderte Eliza. »Wir haben nicht damit gerechnet, dass Sie wach sind.«

»Oh, sonst genieße ich zu dieser Stunde nach einem köstlichen Grog einen tiefen Schlaf. Aber seltsamerweise habe ich reichlich Mühe, einzuschlafen, seit Sie London verlassen haben.« Sound wandte sich an Wellington, und seine Miene verdüsterte sich. »Mir ist aufgefallen, dass das bei jeder Reise passiert, die Sie beide unternehmen.«

Eliza zwinkerte Wellington zu, da sie mit dem Rücken zu Sound stand.

Dr. Sound schaute prüfend auf seine Taschenuhr, nickte und sagte dann: »Nun, ich hoffe, Sie können mich mit den erstaunlichen Ereignissen unterhalten, die sich während Ihrer Zugfahrt nach Hause ereignet haben.«

»Aber natürlich«, begann Wellington, »nachdem wir …«

Der Direktor fiel ihm ins Wort. »Vielleicht könnten wir uns die Füße vertreten, während Sie mir Ihren inoffiziellen Bericht erstatten.«

»Mit Verlaub, Sir«, meldete Eliza sich zu Wort. »Es wäre schön, ein wenig an Ort und Stelle zu bleiben, nach der langen…«

»Ich bestehe darauf.« Dr. Sound runzelte die Brauen.

Wellington und Eliza tauschten einen Blick, zuckten kaum merklich die Achseln und folgten dem Doktor.

Er warf ihnen einen taxierenden Blick zu. »Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, Sie beide wären in Ostindien gewesen, nicht in Schottland.«

Es gelang Wellington, sich nicht über das Gesicht zu fahren. »Sir, offenbar hatte, was immer geschehen ist, einige ungewöhnliche Nebenwirkungen.«

»Ich hoffe, wir kippen nicht vor dem Mittagessen um«, fügte Eliza munter hinzu. »Meine Freundin Marie in Paris arbeitet an…«

»Sie sollen in Schottland auch«, fiel der Direktor des Ministeriums ihr schroff ins Wort, »einige Zeit mit Suffragetten verbracht haben?«

»Ja, Sir, aber nur nach Feierabend. Nicht während der Arbeitszeit«, versicherte sie ihm.

»Dafür habe ich gesorgt, Doktor«, fügte Wellington hinzu.

»Davon bin ich überzeugt. Und dort haben Sie sie kennengelernt, diese …«

Eliza räusperte sich. »Lena Munroe, Sir. Eine Suffragette aus London. Eine Frauengruppe aus der City hat eine Ortsgruppe in Edinburgh unterstützt. Wenn wir viele sind, sind wir stark. Ich habe die Frau nur ein paarmal getroffen, aber sie war ziemlich freimütig.«

»Vielleicht einer der Gründe, warum Sie beide so gut miteinander ausgekommen sind, Miss Braun«, murmelte Wellington an ihrer Seite.

Ihr Ellbogen traf ihn stets so, dass er ihm den Atem raubte. Gegen Tränen anblinzelnd, blieb Wellington still wie eine Kirchenmaus, während Eliza fortfuhr: »Wir haben zusammen mit vielen anderen Damen aus den Ortsgruppen London und Edinburgh gefrühstückt.«

»Und haben Sie wegen dieses Frühstücks die Besprechung im Büro des stellvertretenden Direktors Wynham versäumt?«

Er sah den Muskel an Elizas Kiefer zucken. Sie wagte nicht, ihm zu sagen, was sie tatsächlich im Schilde geführt und dass sie sich tatsächlich am Vortag mit Lena getroffen hatte. Dies, so vermutete Wellington, war sein Stichwort; und so beunruhigend er es fand: Das Lügen erwies sich für Eliza als immer einfacher. »Ja, Sir. Ich war bereits dort …«

»Das hat Wynham mir per Funktelegramm mitgeteilt.«

»Ah.« Wellington deutete auf Eliza. »Dann hat er Ihnen auch geschrieben, dass dieses Treffen die Anwesenheit von Agentin Braun tatsächlich nicht erforderte. Es war nur ein Höflichkeitsbesuch, denn was wir aus dem Archiv dort brauchten, hatten wir bereits.«

»So detailliert war das Telegramm nicht.« Dr. Sound wandte sich wieder an Eliza und blieb keineswegs zufällig an ihrem Waggon stehen. »Also, Agentin Braun, Sie und Agent Books holen in der schottischen Zweigstelle Ihre Fallakten ab, Sie besteigen den Zug, und dann …«

»Und dann machten wir uns auf den Weg nach Hause. Ich hatte keine Ahnung, dass Miss Munroe ebenfalls mit dem Hyperdampfexpress fuhr.« Eliza deutete auf die Stelle, wo sie die Suffragette hatte auftauchen sehen. »Sie ist in unseren Waggon geplatzt, hat mich erblickt und ausgesehen, als würde sie gleich zusammenbrechen und weinen.«

»Mehr aus Erleichterung denn aus Verzweiflung, Dr. Sound«, schaltete Wellington sich ein. »Ich möchte nicht unverschämt klingen, aber es ist wahr. Diese Frau erkannte Agentin Braun und wirkte zutiefst erleichtert.«

Dr. Sound legte die Stirn in Falten. »Erleichtert?«

»Ja, Sir. Es schien, als wollte sie uns etwas mitteilen« – Wellington holte tief Luft und deutete auf den Wagen – »aber dann …«

»Aber dann brach die Hölle los«, warf Eliza ein.

»Ach ja?« Schon waren Sounds Brauen wieder gezückt. »Und die Pforten von Beelzebubs Reich haben sich rein zufällig in dem Wagen aufgetan, in dem zwei Agenten des Ministeriums für Eigenartige Vorkommnisse saßen?« Er schürzte die Lippen. »Wirklich. Eigenartig.«

Wellington lief es kalt den Rücken hinunter.

Eliza reckte das Kinn ein wenig. Nach einigen Monaten war Wellington aufgefallen, dass dies für gewöhnlich geschah, bevor sie etwas Gefährliches tat. »Sir, ich weiß, welchen Anschein das erweckt – aber ich kann Ihnen versichern, es war purer Zufall.«

»Agentin Braun, Sie sind in der Tat eine Naturgewalt. Sie befehlen zwar nicht den arktischen Winden, unser gutes altes England in einen strengen Winter zu stürzen, noch lassen Sie den Sand der Sahara die uralte Heimstätte der Pharaonen verhüllen. Nein, Sie ziehen Unheil an, Chaos und Anarchie, wohin Ihre zierlichen Füße Sie tragen. Wo Sie sind, gibt es so etwas wie Zufall nicht.«

»Warum denken Sie, es liegt immer an mir, Direktor?«, protestierte Eliza. »Es könnte auch Books sein. Mein Vater hat mich vor stillen Wassern gewarnt!«

»Ja«, brummte Wellington. »In meiner Freizeit gerate ich gelegentlich in Wirtshaushändel, und ab und an trage ich sogar einen Boxkampf aus, um mich zu entspannen.«

Eliza blinzelte. »Sie? Boxen?«

Er drehte sich zu ihr um. »Die Anspannung hat sich rein zufällig im letzten Sommer eingestellt, als mir eine Schutzbefohlene zugeteilt wurde. Halten Sie das für einen Zufall?«

»Für einen klitzekleinen Zufall, ja.«

»Das genügt, alle beide«, sagte Dr. Sound; seine Stimme blieb ruhig, obwohl sie das Getöse auf dem Bahnsteig wirksam durchdrang. Der Scarborough-Sprinter puffte an ihnen vorbei in den Bahnhof und hüllte für einige Augenblicke alles in Dampf. Der Direktor schien die Atmosphäre zu genießen. Er holte tief Luft, bevor er weitersprach. »Ob Sie es beabsichtigt haben oder nicht, Sie haben in diesem schicksalsträchtigen Augenblick viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nach dem, was ich von Augenzeugen in Erfahrung bringen konnte, war die Frau eine bemerkenswerte Erscheinung, und die Schreie begannen, als sie Sie sah. Die Schreie und die Lumières fantastiques.«

»Dr. Sound«, begann Eliza, und Wellington hatte das Gefühl, eine Metallfaust umschließe seinen Magen. »Da Agent Books und ich während dieses offensichtlich eigenartigen Vorkommnisses zugegen waren, könnten Sie uns vielleicht zu den Hauptermittlern in diesem Fall machen?«

Direkt auf den Punkt. Kolonialstil durch und durch.

Dr. Sound schob die Hände in die Taschen. »Selbst eine Nachwuchs-Archivarin dürfte meine Ansicht teilen, dass Ihr Urteilsvermögen und Ihre Unparteilichkeit aufgrund Ihrer Verwicklung in dieses eigenartige Vorkommnis kompromittiert sind.«

Wellington flüsterte ihr ins Ohr: »Ich hab’s Ihnen ja gesagt.«

Sie beschloss, seine Worte zu ignorieren. »Wohl kaum, Direktor. Wie bereits erwähnt, kannte ich die Frau kaum; aber in dem kurzen Augenblick, da ich sie sah, bat sie mich um Hilfe. Sie bat mich. Ich glaube, es ist meine Pflicht, wenn ein Untertan der Königin mich um Hilfe …«

»Auf-hö-ren.« Dr. Sound hob einen Finger, während Eliza weiter protestierte. »Nein, Agentin Braun. Ich will in dieser Sache kein Wort mehr von Ihnen hören. Sobald Sie berichtet haben, was genau vorgefallen ist, kehren Sie und Agent Books ins Archiv zurück und nehmen Ihre Pflichten wieder auf, es sei denn, der Hauptermittler wendet sich abermals an Sie.«

Eliza verschränkte die Arme. »Und wer wäre das?«

Dr. Sound deutete hinter sich, und es schnürte Wellington die Kehle zu, als er den Mann erkannte, der durch den abziehenden Dampf auf sie zukam.

»Das kann nicht Ihr Ernst sein, Sir«, brummelte Eliza.

»Tag, Eliza«, sagte Bruce und schenkte ihr, was er anscheinend für sein schönstes Lächeln hielt. »Ich habe einige Fragen an Sie.« Sein Blick sprang in Wellingtons Richtung. »Books, ich bin gleich bei Ihnen.«

Das würde die längste Befragung werden, seit Wellington im Ministerium war.

Eliza stellte einmal mehr ihren gewaltigen Mangel an Taktgefühl zur Schau. »Sie können doch nicht erwarten, dass Campbell die nötigen Fähigkeiten für diesen Fall besitzt?«

»Natürlich weiß ich, dass Außendienstaufträge eher Agent Campbells Metier sind als Ermittlungen; aber als ich von dieser Angelegenheit erfuhr, habe ich mit Freude zur Kenntnis genommen, dass er freiwillig angeboten hat, den Auftrag zu übernehmen. In Anbetracht seiner gegenwärtigen Arbeitsbelastung freue ich mich sehr über so viel Initiative.« Der Direktor drehte sich um und strahlte den Australier tatsächlich an.

»Was für ein Glück für das Ministerium«, murmelte Eliza mit finsterer Miene.

Ein Knall ließ Wellington, Eliza und Campbell zusammenzucken. Sie drehten sich um und sahen einen Karren mit schwerer Fracht – auf den ersten Blick war die Ecke eines Panzerschranks zu erkennen – den Platz der Bank einnehmen, auf der zuvor Wellington und Eliza gesessen hatten. Zwei Arbeiter brüllten sich über den Resten eines Reisetrolleys an. Von der Bank waren nur zersplittertes Holz und verbogenes Eisen übrig.

»Gütiger Gott«, stieß Wellington schließlich hervor, »wenn wir dort noch gesessen hätten …«

»Ja«, pflichtete Dr. Sound ihm bei, sah zum Ort des Unfalls hinüber und wandte sich dann wieder Wellington zu. »So ein Glück, dass wir uns die Beine vertreten haben, was, Books?«

Der Archivar zögerte einen Moment, legte den Kopf schräg und nickte dann langsam. »In der Tat.«

Warum lächelte Dr. Sound ihn an?

»Nach den merkwürdigen Ereignissen in Ihrem Zug und angesichts des in der Arbeiterklasse verbreiteten Aberglaubens«, Dr. Sound deutete auf das verstreute Gepäck und die verbogene Bank, »herrscht auf diesem Bahnsteig bald noch größeres Chaos. Daher wird Campbell die Zeugenaussagen sofort aufnehmen – beginnend mit Ihnen.« Er musterte die beiden kurz. »Sind Sie dazu bereit?«

»Ja, Sir«, antworteten sie. Allerdings fiel Elizas Antwort erheblich weniger enthusiastisch aus, als es hätte der Fall sein sollen.

Wellington folgte Dr. Sounds Blick zu der zerstörten Bank. Der Direktor schien den zufälligen Vorfall aus einem merkwürdigen Grund genau zu studieren. Doch schon nahm der breitschultrige Agent seine Aufmerksamkeit wieder in Anspruch. Campbell klappte einen kleinen Block auf und befeuchtete die Spitze seines Bleistifts mit der Zunge.

»Also schön«, begann er beleidigend höflich. »Darf ich für die Unterlagen Ihren Namen notieren, Miss …?«

»Eliza Braun«, höhnte Eliza. »Ich buchstabiere es Ihnen lieber: V-E-R-P-I-S-S-D-I-C-H.«

Bruce nickte. »Das ist ein wunderschöner Name, Miss.« Er schaute von seinem Notizblock auf. »Sehr exotisch.«

»Eliza, bitte«, sagte Wellington, »Agent Campbell muss heute Nacht noch weitere Befragungen durchführen. Seien Sie kooperativ.«

»He, Kumpel«, blaffte Bruce und trat näher an Wellington heran, »ich werde schon selbst mit ihr fertig. Ich brauche keine britischen Hilfsangebote.«

So charmant, wie Wellington ihn in Erinnerung hatte.

Bruce spuckte aufs Pflaster – in gefährliche Nähe von Wellingtons Schuhen –, warf ihm einen weiteren warnenden Blick zu und wandte sich wieder an Eliza. Die schien kurz vor einer Explosion zu stehen, die noch beeindruckender ausfallen mochte als die ihres Lieblingssprengstoffs.

Campbell räusperte sich und setzte seine Befragung fort. »Also, Miss Braun – das ist doch richtig, Eliza Braun, ja? Erzählen Sie mir doch bitte mit Ihren eigenen Worten, was passiert ist.«

Wellington sah auf seine Uhr, schaute sich um und bemerkte die müden Passagiere und das nervöse Personal des Hyperdampfexpresszugs. Eine lange Nachtfahrt nach Hause war plötzlich viel, viel länger geworden, und sein Bett schien in sehr weiter Ferne zu sein.

Kapitel 2

In welchem unser tapferer Archivar an Speakers’ Corner etwas zu hören bekommt und unser Hitzkopf aus den Kolonien endlich aus seinen vergangenen Missetaten lernt

Es dauerte zwei Stunden, bis Agent Campbell mit Eliza fertig war; zwei lange, ermüdende und quälende Stunden. Wellington wusste aus seiner Ausbildung, dass die Befragung eines Zeugen – selbst wenn es der Hauptverdächtige war – nie länger als dreißig Minuten dauern sollte. In der Kürze lag nicht nur die Würze, sie war auch der Schlüssel dafür, bei einer Untersuchung voranzukommen. Einige Fragen an Eliza waren belanglos gewesen, und Wellington hatte sich gelegentlich ein »Um Gottes willen …« oder ein »Agent Campbell, bitte …« nicht verkneifen können.

Als Wellington jedoch an die Reihe kam, war Campbell alles andere als höflich. Mit anderen Worten: Er war schlicht grob. Er schnitt ihm mitten in den Antworten das Wort ab und gähnte während wichtiger Aussagen unverhohlen. Immerhin führte diese Verachtung dazu, dass Wellingtons Befragung nur einen Bruchteil der Zeit in Anspruch nahm, die Campbell für Eliza gebraucht hatte.

Kaum klappte der Außendienstagent sein Notizbuch zu, tauchte Dr. Sound wieder auf. Er wirkte erholt, hatte sich also wahrscheinlich im Royal Station Hotel eine Ruhepause gegönnt. Wellington dachte missmutig, dass Sound vermutlich Zeit für einen Tee gehabt hatte – der ihnen von Campbell bewusst vorenthalten worden war.

»Campbell und ich werden uns Ihnen und Agentin Braun wohl anschließen, denn unser Luftschiff musste bereits nach London zurück«, rief Dr. Sound, um das sich aufbauende Zischen der Hyperdampfmaschine zu übertönen. »Sie beide brauchen morgen nicht zum Dienst zu kommen. Sie haben einen ziemlich ungewöhnlichen Abend hinter sich. Jetzt fort mit Ihnen.«

Während Wellington und Eliza in die zweite Klasse zurückkehrten, beobachtete der Archivar ein wenig neidisch, wie Sound in sein Abteil erster Klasse stieg. Begrenzte Haushaltsmittel des Ministeriums waren anscheinend kein Problem – für die richtigen Leute. Campbell verschwand in der Menge.

Der Hyperdampfexpress, das größte Juwel in der Krone der technologischen Schöpfung, fuhr um drei Uhr morgens endlich in King’s Cross ein – eine Stunde nach dem gewöhnlichen Dampfschnellzug.

Wellington wusste kaum noch, wie er nach Hause gekommen war, so erschöpft war er gewesen. Am nächsten Morgen machte er eine Bestandsaufnahme seiner Beschwerden: schmerzende Augen, ein leicht verbranntes Gesicht und ein wundes Hinterteil vom langen Sitzen im Zug. Was für eine garstige Sache das Ganze doch gewesen war.

Er konnte es sich jedoch nicht leisten, sich lange zu schonen, denn er hatte Eliza eine Mahlzeit in einem Restaurant ihrer Wahl versprochen. Das war das Mindeste, was Wellington tun konnte, nachdem er sie mit Fahrkarten für den Hyperdampfexpress überrascht hatte. Hätte er einfach Karten für den Standard-Dampfzug besorgt, wären sie wahrlich luxuriös gereist – in gesegnetem Schlaf den ganzen Weg bis nach London.

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