Böses Blut der Vampire - Ulrich Hagen - E-Book

Böses Blut der Vampire E-Book

Ulrich Hagen

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Beschreibung

Die beiden Vampire Jan Meyer-Frankenforst und Elias Al-Buchari leben glücklich im beschaulichen Bonn. Da klopft Jans Hetero-Vergangenheit an, in Gestalt der sterbenskranken Sophie Harrach, die dem perplexen Jan zwei blonde kleine Racker präsentiert, Folgen einer Jahre zurückliegenden Affäre. Sophie will nicht, dass die beiden Jungs in die Hände des Großvaters, des erzkatholischen Stadtrates Peter Harrach fallen. Auch für Sophies flippigen und ungeouteten Bruder Sebastian ist die Frömmelei seiner Familie der pure Horror. So oft es geht, flieht Basti zu seinem besten Kumpel Malte, mit dem er Fantasy Spiele programmiert. Beide wollen der spießigen Kleinstadt Plauen, der Hölle des sächsischen Vogtlandes, lieber heute als morgen entfliehen. Auf einer Dark Party im Szene-Club Sodom begegnet Sebastian Cosmin, einem echten Vampir und kann gerade noch flüchten. Doch es kommt noch schlimmer. Sein Vater lädt zwei Rumänen zum Geschäftsessen ein und Sebastian sieht sich Cosmin, dem überraschten Vampir aus dem Club ausgeliefert. Und Cosmin hat noch einen mörderischen Cousin. Sebastian und Malte müssen alles aufbieten, um sich den Vampir vom Leib zu halten. Doch Cosmin gibt nicht so schnell auf, denn auch er will seiner ganz persönlichen Hölle entfliehen. Sein sadistischer Cousin Ioan schreckt vor nichts zurück, um an Cosmins Erbe zu kommen: Die Krone der Tepes!

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Hagen Ulrich

Böses Blut der Vampire

Mit zahlreichen farbigen Illustrationen von Martin "mandelbrot" Knipp

 

 

 

Himmelstürmer Verlag, Kirchenweg 12, 20099 Hamburg,

Himmelstürmer is part of Production House GmbH

www.himmelstuermer.de

E-mail: [email protected]

Illustrierte Originalausgabe, März 2017

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlages

Rechtschreibung nach Duden, 24. Auflage.

 

Cover: Illustration von Martin "mandelbrot" Knipp

 

Umschlaggestaltung: Olaf Welling, Grafik-Designer AGD, Hamburg. www.olafwelling.de

E-Book-Konvertierung: Satzweiss.com Print Web Software GmbH

 

ISBN print  978-3-86361-635-9

ISBN epub  978-3-86361-636-6

ISBN pdf:  978-3-86361-637-3

 

Die Handlung und alle Personen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeiten mit realen Personen wären rein zufällig.

Handelnde Personen

 

Die Meyer-Frankenforsts

 

Jan Meyer-Frankenforst, 29

Jan ist glücklich mit Elias Al-Buchari zusammen und lebt mit ihm zusammen sie in Bonn in der alten Villa. Er bereitet seine Promotion vor und arbeitet mit Elias für die Buchari-Stiftung. Von Lalla Sara hat er sich in einen Vampir verwandeln lassen.

 

Clemens Meyer-Frankenforst, 77

Großonkel von Jan und pensionierter Lehrer. Er ist frühzeitig in den Ruhestand gegangen, nachdem er dem Schulalltag nicht mehr gewachsen war. Aus seinem Hobby hat er eine tagesfüllende Tätigkeit gemacht und züchtet Bienen. Wenn an den Bienen nichts zu tun ist, genießt der alte Herr Oud-Musik im Wintergarten bei seinem zweiten Hobby, der Orchideenzucht. Als Jan und Ninas Eltern als Unbeteiligte einem Attentat zum Opfer fallen, hat er sofort die verwaisten Geschwister aufgenommen und bemüht sich, ihnen den Vater zu ersetzen.

 

Monika Meyer-Frankenforst, 75

Großtante von Jan und Nina. Sie ist die gute Seele der Villa Meyer-Frankenforst. Clemens und sie konnten keine Kinder bekommen und haben die verwaisten Kinder gern aufgenommen.

 

Dr. Hubert Schäfer, 81

Nachbar, Hausarzt und Mediziner im Ruhestand, verwitwet. Der alte Herr lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen würde gern einen Artikel über Vampire in Medical Review schreiben.

 

 

Die Bucharis

 

Elias Al-Buchari, 25

Erbe der Familie Al-Buchari. Elias ist der auserkorene Erbe einer alten Familie. Der talentierte Oud-Spieler hat sich für ein Medizinstudium entschieden und lebt mit Jan in der alten Villa.

 

 

Mounia Al-Buchari, 25

Elias Zwillingsschwester. Sie kam zwölf Minuten nach Elias auf die Welt, liebt Shopping und Parties, ist aber nicht nur ein Partygirl. Sie weiß was sie will und vor allem, was sie nicht will.

 

Kerim Al-Buchari, 22

Kerim ist der Cousin der Geschwister Elias und Mounia. Sein Weltbild ist einfach und teilt sich in jagen oder gejagt werden auf. Er zieht es vor, der Jäger zu sein.

 

Ali Al-Buchari, 31

Ehemaliger Militärpilot. Der wortkarge und zurückhaltende Vampir hat sich geoutet und arbeitet mit dem früheren Bonner Kommissar Michael Strang für Interpol. In Lyon haben sie ein kleines Haus.

 

Lalla Sara Al-Buchari

Die Matriarchin. Niemand weiß genau, wie alt die Matriarchin des Clans ist. Sie war schon immer da und bestimmt die Geschicke des Clans. Sie achtet darauf, dass das Geheimnis der Familie gehütet wird.

 

 

Die Radulescus

 

Ioan Radulescu

Ioan ist ein illegitimer Nachfahre von Vlad III. Tepes. Brutal, berechnend und menschenverachtend wie er ist, nimmt er sich alles, von dem er glaubt, dass es ihm zusteht. Er hält sich für den ungekrönten König des Endes der Nahrungskette.

 

Cosmin Radulescu

Cosmin ist ein legitimer Nachfahre von Radu III. cal Frumos, einem ehemaligen Fürsten der Walachei. Er hütet die Fürstenkrone der Walachei und ein altes Buch, vor seinem Cousin Ioan. Unter dessen Terror leidet er sehr und hat es fast aufgegeben, ein eigenes Leben zu führen.

 

Tichon, Daciu und Angelu

Willenlose Handlager Ioans, dazu da, Cosmin zu kontrollieren.

 

 

Die Harrachs

 

Peter Harrach, 59

Der katholische und Rom treue CDU-Politiker ist Stadtrat in Plauen und leitet die von ihm begründete Marianische Laienorganisation. Er strebt eine Bundestagskarriere an und will schwule Jugendliche heilen lassen. In seinem Haus finden regelmäßig Bibellesungen statt.

 

Elisabeth Harrach, 58

Blasse und wenig selbstständige Ehefrau, die außer Kirche und Familie nichts mehr vom Leben hat. Ihre Kinder sind bis auf den Jüngsten aus dem Haus und sie wagt nur selten, aus dem Schatten ihres Mannes herauszutreten.

 

Sebastian Harrach, 19, genannt Basti

Sebastian setzt alles daran, seine bigotte Familie und das spießige Plauen so bald wie möglich zu verlassen. Mit Religion hat er nichts am Hut. Der Gothic-Fan und Spieleprogrammierer liebt Dark Romance Partys und ist manchmal etwas zickig, leichtsinnig und sehr stur.

 

Sophie Harrach, 25

Sophie ist eine Ex-Flamme von Jan und Mutter der Zwillinge Marius und Rasmus. Zum Entsetzen von Peter Harrach versucht sie, die Kinder ohne Vater aufzuziehen und gerät darüber in Streit mit ihm.

 

Johannes, 40 und Paul Harrach, 38

Immobilienmakler und die ältesten Söhne der Familie Harrach. Farblose Gestalten, die ganz auf Linie ihres Vaters liegen.

 

 

Die Kastens

 

Annette Kasten, 42

Sie hat Kunstgeschichte studiert und ist fasziniert von italienischem Barock. Die Mutter von Malte verarztet gelegentlich auch die Sportverletzungen von Sebastian, der mit ihrem Sohn zusammen turnt.

 

Achim Kasten, 45

Der Umweltpolitiker Achim Kasten sitzt für die Grünen im Stadtrat und ist ein erbitterter Gegner von Peter Harrach. Für seinen Sohn Malte und für Sebastian hat er eine kleine Firma gegründet.

 

Malte Kasten, 20

Malte ist Bastis bester Freund, mit dem er Computerspiele programmiert. Sie turnen zusammen und sind wie Brüder. Malte ist bekennender Barney-Stinson-Fan und eigentlich immer auf der Suche nach einer Freundin. Auf den hitzigen Basti hat er immer ein wachsames Auge.

Plötzlicher Besuch

Es klingelte an der Tür der alten Fabrikantenvilla im Villenviertel von Bad Godesberg. Ein wenig ächzend, denn ihre vierundsiebzig Jahre machten sich bemerkbar, durchquerte Monika Meyer-Frankenforst die große Eingangshalle. Sie öffnete die Tür und sah eine blasse junge Frau.

„Ja? Was kann ich für Sie tun?“ Sie konnte mit dem Gesicht der Besucherin nicht so recht etwas anfangen.

„Guten Tag Frau Meyer-Frankenforst. Ich war gerade in der Gegend und wollte Guten Tag sagen. Ist Jan da?“, erwiderte die Besucherin. „Ich bin Sophie Harrach, erinnern Sie sich noch?“

„Ja sicher, jetzt erinnere ich mich. Es muss doch schon fast fünf, sechs Jahre her sein? Kommen Sie herein, Jan ist an der Universität, wird aber bald hier sein. Er wird sich freuen, Sie wiederzusehen.“

„Ich weiß nicht, vielleicht schaue ich lieber ein anderes Mal wieder vorbei“, entgegnete Sophie Harrach zögernd.

„Unsinn, Jan wird sicher bald zurück sein und wir setzen uns solange in die Küche, ich mache uns einen Kaffee. Nun kommen Sie schon.“ Monika war wie immer resolut. Sie ging vor und bedeutete Sophie freundlich, ihr zu folgen. In der Küche angelangt setzte sie Kaffee auf und bald zog der aromatische Duft durch den Raum.

„Was verschlägt Sie denn wieder nach Bonn? Waren Sie nicht zu Ihren Eltern zurückgezogen?“

„Ja, nachdem das mit Jan nichts wurde, brauchte ich etwas Abstand. Ich bin nach Plauen zurückgegangen, habe meine Ausbildung abgeschlossen und eine Weile gearbeitet. Mein Vater“, sie verzog das Gesicht, „hat mir einen Job besorgt. Aber ich besuche gerade eine Freundin hier und da dachte ich eben …“

„… schaust einmal bei Jan vorbei und siehst, was er so macht“, beendete Monika den Satz für die nervös wirkende, junge Frau und sah auf die Uhr. „Er müsste jeden Moment kommen.“

Sophie nickte, ergriff die Tasse, nippte am Kaffee und fragte: „Wie geht es ihm denn so?“

Monika stand auf und begann, in der Küche zu hantieren. Vorbereitungen für das Abendessen.

„Oh, es geht ihm gut. Jan leitet ein Austauschprogramm zwischen der Universität Bonn und einer Stiftung in Marokko. Es hilft, ein großes Familienarchiv zu sortieren und auszuwerten. Er will aber noch seinen Doktor machen und hat eine halbe Stelle bei seiner Professorin, wie das so üblich ist als Assistent. Meinem Mann hilft er in der Imkerei, aber für dieses Jahr ist die meiste Arbeit schon beendet. Außerdem werkelt er gern an seinem alten Mercedes herum.“

„Also ist er fertig mit dem Studium?“, fragte Sophie neugierig.

„Ja, aber er will wohl an der Universität bleiben und weiter forschen“, meinte die alte Dame. „Möchten Sie noch etwas Kaffee?“

Bevor Sophie antworten konnte, hörten die beiden Frauen, wie sich die Haustür öffnete. Schritte ertönten und dann waren in der Eingangshalle Stimmen zu hören.

„Na, das passt ja. Das sind Jan und Elias in der Halle“, meinte Monika schmunzelnd zu Sophie.

„Hallo? Jemand da?“

„Boah, ich hab Hunger, ist Essen fertig?“

„Laaaaaagerfeld? Wo ist mein Tiger?“ Ein großer Kater kam durch das offene Küchenfenster gesprungen, rannte an Sophie vorbei in die Halle und folgte der Stimme.

„Elias, ich hab Durst, soll ich dir auch was holen?“

„Jep, ich bin so was von ausgetrocknet, mindestens einen Beutel. Hab heute noch nichts getrunken. Was für ein Tag! Ich hab in der Nase immer noch den Geruch aus der Pathologie. Dieser Sezierkurs und das Formaldehyd killen meine Geschmacksknospen!“

„Wer wollte denn unbedingt Medizin studieren? Beschwer dich nicht, das gehört dazu!“

Monika ging an Sophie vorbei, um die beiden Männer darauf aufmerksam zu machen, dass sie nicht allein waren. Sophie muss ja nicht wissen, dass Jan und Elias Vampire sind, dachte sie bei sich, die beiden sollten etwas vorsichtiger sein. Andererseits, es ist ihr Zuhause, da sollten sich die Jungen nicht auch noch verstecken müssen.

„Jan, Elias, es ist Besuch da. Wir sind in der Küche.“

Die beiden jungen Männer betraten den Raum. Jan sah dort Sophie sitzen und begrüßte seine Ex-Freundin freundlich.

„Sophie, das ist ja eine Überraschung. Wir haben uns ewig nicht gesehen!“ Er drehte sich zu Elias um, der ihm gefolgt war und fragend dreinblickte.

„Elias, das ist … nun ja … wie soll ich es sagen?“, druckste er ein wenig herum und Monika sah amüsiert zu. Sie dachte daran, wie lange ihr Großneffe gebraucht hatte, um herauszufinden, dass er eigentlich schwul war und wie viele One-Night-Stands bis dahin an diesem Frühstückstisch gesessen hatten. Nicht dass sie als Altachtundsechzigerin prüde gewesen wäre, oh nein, mitnichten, sie war weiß Gott kein Kind von Traurigkeit in Jans Alter gewesen und ihr Mann Clemens auch nicht. Aber es hatte einen jungen Vampir aus dem Maghreb gebraucht, bis Jan wusste, was er wollte. Und glatt war das auch nicht abgegangen, anfangs hatte ihr von Vorurteilen verblendeter Großneffe und Adoptivsohn den jungen Gaststudenten, der ein fantastischer Oud-Spieler war, radikal abgewiesen und versucht, aus dem Haus zu treiben. Erst nach einem Überfall auf Elias, bei dem der junge Vampir und Erbe des Buchari-Clans beinahe ums Leben gekommen wäre, hatte Jan erschüttert die volle Wahrheit über Elias erfahren. Das hatte ihn verändert.

Seitdem waren zwei Jahre vergangen. Die beiden jungen Männer hatten sich gefunden und Jan hatte sich in einen Vampir verwandeln lassen, um an Elias Seite zu leben.

„Sophie Harrach, Jan und ich waren vor Jahren enger befreundet.“ Sie blickte Elias fragend an und gab ihm die Hand.

„Elias ist mein Mann, Sophie“, stellte Jan seinen Partner vor. „Wir haben vor zwei Jahren im Rathaus Bonn geheiratet.“

„Aha, das ist dann wohl der Grund, weshalb es mit uns damals nicht geklappt hat?“, stellte sie lakonisch fest.

Jan nickte ruhig. „Hab die ganze Zeit in der falschen Liga gespielt, es hat nur etwas gebraucht, bis ich das kapiert habe. Tut mir leid, Sophie, das war dir gegenüber nicht fair.“

„Ist schon gut, ich bin drüber weg.“

Elias hatte bis auf ein freundliches Hallo noch nichts gesagt und ließ seine Blicke zwischen den beiden wandern.

„Wollen Sie mit uns essen, Sophie? Mein Mann kommt sicher auch bald, das Abendessen ist auch gleich fertig“, mischte Monika sich wieder ein.

Sophie blickte auf ihre Uhr und erschrak. „Ich muss schnell telefonieren.“

„Wenn Sie möchten, Sophie, dann gehen Sie doch in den Garten. Dort können Sie in aller Ruhe telefonieren“, bot Monika an.

„Danke, es wird nicht lange dauern“, Sophie. Sie griff nach ihrem Handy und ging durch die Küche und den sich anschließenden Wintergarten nach draußen in den Garten.

„Ich nehme das als ein Ja. Jungs, vielleicht solltet ihr euren Durst vor dem Essen stillen“, meinte Monika leise zu den beiden jungen Männern. „Es wird sonst etwas schwierig, das unserem Gast zu erklären. Geht nach oben, ich kümmere mich um Sophie.“

Elias ging voran, ihm knurrte der Magen hörbar, aber auch Jan war ziemlich durstig nach einem langen Tag an der Uni. Sein Freund erreichte den in ihrem Wohnbereich stehenden Kühlschrank als Erster und entnahm ihm zwei Blutkonserven, die er öffnete. Der rote Inhalt floss in eine Karaffe und Elias schenkte sich ein großes Glas voll. Ebenso eines für Jan.

„Bäh, kaltes Blut auf ex, das garantiert Magenkrämpfe. Habibi, was will die überhaupt hier? Der Tag war anstrengend genug, ich wollte zum Sport und nun sitzt da eine deiner Ex-Freundin.“

„Keine Ahnung, nicht im geringsten. Sie bleibt bestimmt nicht lange, wir können danach doch noch am Rhein joggen.“

Wie immer löste der Geruch des Blutes die typische Reaktion aus, Elias fühlte, wie seine Fänge aus den Kiefern fuhren. Erinnerung an eine Zeit, wo man als Vampir auf die Jagd ging, um seinen Durst zu stillen. Zuhause im Atlasgebirge war er regelmäßig mit seinem Geparden auf die Jagd gegangen. Er hatte das warme Blut genossen und hatte seiner Katze das Fleisch der Gazelle überlassen. Das fehlte ihm ein wenig und für seinen Geschmack besuchten sie die Kasbah der Bucharis viel zu selten.

Ihm lief ein wenig Blut aus dem Mundwinkel und Jan strich sanft mit dem Finger über die Blutspur.

„Schatz, das ist lange vorbei, du hast nicht den geringsten Grund, eifersüchtig zu sein.“

„Das ist es nicht, ich hab nur ein komisches Gefühl“, meinte Elias. Die junge Frau hatte ihn so seltsam angesehen, nicht ablehnend, sondern abschätzend. Als ob sie sich ein Urteil bilden wollte.

„Weißt du, der Tag war heftig genug, ich habe mich wirklich auf den Sport gefreut. Mal wieder so richtig auf dem Laufband und an den Geräten auspowern. Morgen habe ich keine Vorlesung am Vormittag, hätte mich ausschlafen können. Heute Vormittag hatte ich noch einen Einsatz mit der Ambulanz, übrigens ganz in der Nähe. Kleiner Unfall in der Beethovenallee, eine Frau hatte eine Radfahrerin übersehen.“

„War es schlimm?“, fragte Jan mitfühlend. „Das ganze Blut, so direkt vor der Nase? Der Job, den dir Dr. Broich besorgt hat, ich frage mich öfters, ob das sein muss?“

„Nein, daran habe ich mich gewöhnt. Wenn ich später mal operieren will, kann ich ja auch nicht über die Blutkonserven herfallen.“

Jan lachte. „Wer weiß? Ich stelle mir das grad vor. Eine Durchsage aus dem OP: Drei Einheiten Null negativ für den Patienten, und eine für Dr. Buchari, er operiert jetzt seit drei Stunden und hat Durst. Ich sehe schon die OP-Schwester, die dir die Stirn abtupft, die Brille putzt und einen Beutel mit einem Trinkschlauch hinhält. Alle anderen Assistenzärzte halten sich während ihrer Bereitschaftsdienste mit Kaffee wach, du gehst in die Blutbank. Fang schon mal an, dich mit den Schwestern gut zu stellen, sonst bekommst du nur die abgelaufenen Konserven.“

„Blödmann. Bis ich selber operiere, brauche ich noch mindestens drei Jahre. Jedenfalls, um auf die Radfahrerin zurückzukommen, die Frau war gestürzt und hatte eine böse Schürfwunde im Gesicht. Ich wollte sie reinigen und da hat die mich angepampt, ob ich überhaupt kompetent sei.“

„Und was hast du ihr gesagt?“

„Naja, dass ich durchaus in der Lage wäre, eine Wunde zu reinigen. Schließlich haben wir in der Ambulanz alles dabei für solche Fälle. Da sagt die doch glatt, Kleiner, an mein Gesicht kommt nur ein richtiger Arzt. Ich solle sie sofort zum nächsten Arzt bringen.“

Jan begann zu lachen. „Und du bist …“

„… zum nächsten Arzt gefahren. Schließlich ist der Wunsch des Patienten Befehl“, vollendete Elias den Satz mit einem breiten Grinsen. „Und der andere Assistent war auch der Meinung.“

„Doch nicht etwa zu …?“

„Aber sicher, sie war schließlich die nächste erreichbare Ärztin und ich weiß ja, dass sie außer unserem Kater dich auch schon mal versorgt hat“, grinste Elias etwas boshaft und fuhr dann fort. „Die Radfahrerin war ziemlich sauer, als sie erkannte, dass wir vor einer Kleintierpraxis standen. Lag ja auf dem Weg. Ich habe ihr gesagt, dass ich Dr. Simon voll vertrauen würde, denn sie hätte schon so manches Mal unseren Kater entwurmt und auch die örtlichen Landwirte würden ihre Schweine von ihr impfen lassen.“

„Das hast du zu ihr gesagt?“, grinste Jan ungläubig. „Du hast von Schweineimpfungen und Lagerfelds Entwurmung gesprochen?“

„Naja, sie tönte, dass man sie für Shopping Queen gecastet hätte und ihr Gesicht sei ihr Kapital. Ich habe sie dann überzeugt, dass ich für die Versorgung dieser oberflächlichen Schürfwunde keinen Doktor bräuchte und keine Schönheits-OP auf dem Plan stünde.“

„So eine Tusse! Für Shopping Queen gecastet! Also wirklich. Da hattest du ja einen echten Z-Promi an Bord.“

Die Vampire Jan Meyer-Frankenforst und Elias Al Buchari

„Nicht lange. Sie hatte sonst nichts weiter, wir haben sie dann ins Krankenhaus gebracht und später hat mir der Chef dann den Kopf gewaschen. Anscheinend hat sie gepetzt, die blöde Kuh. Er hat mir einen Vortrag gehalten über den Umgang mit schwierigen Patienten und mich gefragt, was ich getan hätte, wenn sie schwerer verletzt gewesen wäre. War sie nicht, aber ich konnte ihm ja schlecht sagen, dass ich das gerochen hätte. Manchmal frage ich mich, ob ich nicht doch besser eine Laufbahn als Oud-Komponist hätte einschlagen sollen.“

Elias seufzte und rieb sich die Schläfen. Gelegentlich sehnte er sich sehr nach der Zeit, wo er bei Faris Lamine in Tunis und Kairouan Unterricht auf der Oud genommen hatte. Auf dem Instrument zauberte er Klänge, mit denen er seine Hörer in ein Reich entführen konnte, wo er der unumstrittene Herrscher war. Wo er die Leute eine Zeit lang vergessen machen konnte, wie hart der Alltag sein konnte.

Das Medizinstudium, für das er sich entschieden hatte, war so anstrengend, dass er immer seltener dazu kam, auf dem Instrument zu spielen. Anfangs hatte er gelegentlich sogar Auftritte gehabt, gut genug war er allemal. Wenn ich Jan nicht hätte, diesen blonden, manchmal nicht ganz einfachen Mann, dann würde ich das alles nicht schaffen. Das Studium, die Arbeit für die Familienstiftung.

„Habibi, ich habe dir was mitgebracht. War vorhin noch beim Marokkaner und habe frische Minze geholt. Schnupper mal.“ Dann fühlte er, wie Jans Zähne an seinem Ohr knabberten und seine Stimme leise wisperte: „Wollen wir vor dem Essen schnell unter die Dusche?“

„Und deine Ex?“

„Monika wird sich um sie kümmern und Clemens ist sicher auch schon da. Komm, werden wir den Tag los und ich massiere dich ein bisschen.“ Jans Hände glitten in die Jeans von Elias und begann schon mit der Massage. Elias quiekte ein wenig überrascht. Schnell zogen sie sich aus und verschwanden in der Dusche. Unter dem Strom des warmen Wassers und Jans Massage entspannte sich Elias wieder. Jan wusste, wie er Elias zu nehmen hatte.

Nach der Dusche zogen sie sich schnell an und begaben sich wieder zu den anderen in die Küche. Wie Jan schon vermutet hatte, war Clemens mittlerweile eingetroffen und Monika war mit dem Kochen fertig. Jans Großonkel war bei seinen Bienen gewesen und hatte ein paar Bienenschwärme eingefangen. Er unterhielt sich angeregt mit der etwas erschöpft aussehenden Sophie.

„Ich habe einfach den Ast abgeschnitten und mitsamt den Bienen auf den Beifahrersitz gestellt und bin dann losgefahren. An der Ampel haben die Leute nicht schlecht gestaunt, ein paar Bienen flogen durchs Auto und krabbelten an den Scheiben hoch.“

Sophie lachte ungläubig. „Sie wollen mich auf den Arm nehmen. Sie fahren nicht wirklich mit einem Bienenschwarm auf dem Beifahrersitz durch Bonn und Tausende Bienen fliegen durch das Auto?“

„Doch, das macht er, mit einem Bienenschwarm kann man das machen. Der greift nicht an. Du solltest mal mit McFit und Bienenschwarm googeln und auf Bildersuche gehen“, grinste Jan. „Da hat er letztes Jahr vor dem Fitnesscenter in der Bornheimer Straße sein Auto geparkt. Ein Bienenschwarm saß auf dem Beifahrersitz. Die Jungs aus dem Fitnesscenter haben das mitbekommen und dann hat er sie zur Mutprobe genötigt.“

„Einige haben zwanzig Minuten gebraucht, um sich in das Auto zu setzen. Dann haben sie ihr Handy gezückt und Fotos gemacht fürs Internet. Und um die Freundin zu beeindrucken“, erzählte Clemens munter. „Im Auto haben die natürlich so getan, als ob die paar Bienen sie gar nicht beeindrucken könnten.“

„Das möchte ich sehen“, lächelte Sophie. „Ich kriege schon Panik, wenn nur eine angesummt kommt.“

„Sophie, es geht wirklich. Bienen tun nichts“, beruhigte Jan. „Wollen wir nicht draußen essen? Ich habe den ganzen Tag im Seminar verbracht und im Garten ist es schöner.“

Allgemeine Zustimmung und auch Elias kam der Vorschlag entgegen. Selbst nach der Dusche hatte er immer noch den Geruch von Desinfektionsmitteln und Formaldehyd in der Nase. Im Garten hing dagegen der angenehme Duft der blühenden Linden und sicher wehte auch von den Bienenstöcken etwas herüber, wenn die Tiere am Abend bei warmen Temperaturen mit ihren Flügeln Luft fächelten. Obwohl ihm die kleinen Honigproduzenten anfangs etwas unheimlich gewesen waren, denn die fast schwarzen Bienen im Hohen Atlas waren um einiges aggressiver als die Bienenvölker von Jan und seinem Großonkel, hatte er sich doch schnell daran gewöhnt, dass im Garten der Villa auch ein paar Völker standen. Und das gleichmäßige Summen empfand auch er als entspannend. Zusammen mit Jan deckte er schnell den Tisch im Garten, Monika brachte das Essen und sie nahmen Platz.

Sophies Blick fiel auf die Bienenstöcke und sie zögerte etwas. „Nichts für ungut, aber kann man wirklich so nah bei den Bienen essen? Kommen die nicht an den Tisch?“

„Ach was, an den Tisch kommen nur Wespen“, meinte der alte Clemens beruhigend und Jan grinste etwas.

„Ich kann die nicht auseinanderhalten“, seufzte Sophie, der etwas unwohl war. „Dauernd kommen die zu mir.“

„Das ist ganz einfach, Wespen sind schwarzgelb gestreift, viel penetranter und setzen sich überall hin. Die fliegen einem bis an den Mund. Klauen einem die Wurst vom Brot, die Marmelade von den Lippen“, erklärte Jan.

„Ist wie mit SchwarzGelb, Merkel und Westerwelle, nervig, penetrant und zu nichts nütze. So kann man sich das gut merken“, warf Clemens grinsend ein.

„Unsere Bienen sind gut erzogen, die machen so etwas nicht“, versuchte auch Jan zu beruhigen.

„Na, wenn du meinst“, zweifelnd blickte Sophie zu den Bienenstöcken am anderen Ende des Gartens.

„Blicken Sie mal nach oben, Sophie, in der Linde über uns sitzen bestimmt einige Zehntausend Bienen auf den Blüten. Die sind beschäftigt und interessieren sich nicht für uns. Hier ist noch keiner unserer Besucher gestochen worden“, wies Clemens mit dem Kopf nach oben und Elias sah, wie Sophies Blick folgte.

Monika füllte die Teller und dann widmete sich Sophie dem Essen. Viel aß sie nicht, wie Elias feststellte, der sie unauffällig beobachtete. Monika bot ihr mehrfach etwas an, aber sie lehnte dankend ab.

 

Nach dem Essen lehnten sie sich zurück und genossen die friedliche Stille des warmen Sommerabends. Im Garten wehte ein warmer Wind, der den Duft der Linden mit sich trug. Jans Blick weilte auf Sophie, die ein wenig melancholisch und traurig wirkte.

„Wie wäre es mit einem kleinen Spaziergang, Sophie? Ein bisschen am Rhein entlang?“

Seine Exfreundin nickte. „Dein Mann sollte mitkommen.“ Die drei jungen Leute standen auf und gingen zur Gartenpforte.

„Vielen Dank für die Einladung zum Essen, es war sehr lecker“, bedankte sich Sophie für das Essen bei den Meyer-Frankenforsts. Monika lächelte: „Gern geschehen.“

Die jungen Leute erreichten die Rheinallee und gingen Richtung Flussufer. Elias schaute immer wieder aufmerksam zu Sophie. Auf dem Weg zum Rhein gab sie ein paar Familiengeschichten zum Besten, berichtete über ihren ehrgeizigen Vater, der eine Kandidatur für den Bundestag anstrebte und über ihre Brüder. Ihr jüngster Bruder Sebastian, ein Nachzügler, war anscheinend etwas verträumt und Sophie erzählte von seinem Faible für Tolkiens Literatur: „Er steht auf Elfen, Trolle und Zwerge und kann kaum erwarten, dass die Verfilmung von „Der kleine Hobbit“ ins Kino kommt.“

„Sophie?“, fragte Jan und blickte sie aufmerksam an. „Du bist doch nicht wirklich gekommen, um zu erzählen, dass dein Vater in Sachsen für die CDU kandidiert und dass dein Bruder Sebastian ein Elfenkönig ist?“

Mittlerweile hatten sie das Rheinufer erreicht und nahmen am Wasser Platz. Jan krempelte sich die Hose hoch, zog seine Sneakers aus und hielt die Füße ins Wasser, die anderen folgten seinem Beispiel.

„Was ist los, Sophie? Bist du in Schwierigkeiten, brauchst du Hilfe?“ Elias Fröhlichkeit verflog, als er Sophies Traurigkeit spürte.

„Jan, als klar wurde, dass es mit uns nichts wird, da habe ich Bonn verlassen und bin nach Plauen zurück. Ich war so sauer auf dich, ich war so verliebt. Ich habe dich gehasst, weil du mich nicht wolltest.“

„Sophie, ich habe dir doch gesagt, dass es mir leidtut. Es konnte nichts werden mit uns, aber ich wusste damals einfach nicht, dass ich eigentlich schwul bin. Ich war ein selbstsüchtiges, verklemmtes Miststück, erst Elias hat mich verändert.“

„Und was für ein Miststück, das kann ich bestätigen“, schmunzelte Elias. „Unerträglich arrogant und hielt sich für Allahs blonden und allwissenden Schatten auf Erden und war felsenfest davon überzeugt, dass meine Schwester und ich nur gekommen waren, um Bonn in Schutt und Asche zu legen.“

Sophie lächelte schwach.

„Etwas selbstsüchtig war ich nach unserer Trennung auch. Ich habe etwas von dir mitgenommen.“

Der junge Wissenschaftler blickte etwas ratlos. „Was denn? Ich habe nicht gemerkt, dass du etwas hast mitgehen lassen.“

Elias hingegen schnappte nach Luft und begann so langsam aber sicher eine Ahnung zu bekommen.

„Neun Monate nach unserer Trennung habe ich Zwillinge bekommen, zwei Jungs. Sie sind jetzt vier, fast fünf Jahre alt. Jan, du bist Vater“, beantwortete Sophie die Frage.

Jetzt war es an Jan, genauso sprachlos zu sein wie sein Freund. Er wurde blass und über sein Gesicht zog ein Kaleidoskop an Emotionen. Alles zwischen Ärger, Überraschung, Freude, Wut und Verblüffung. Elias sah ebenfalls ziemlich dämlich aus der Wäsche.

„Ja … aber … warum … und wieso jetzt?“, stotterte er hilflos. „Du kannst doch nicht einfach so kommen und mir sagen, dass ich seit Jahren Vater von Zwillingen bin. Und warum erfahre ich das erst jetzt? Auch wenn ich es nicht geplant habe, Vater zu werden, ich habe doch wohl ein Recht darauf, es zu wissen. Und die Kinder? Haben die kein Recht auf einen Vater?“

Sophie blickte die beiden etwas schuldbewusst an. „Ich war so wütend auf dich. Und irgendwann wusste ich nicht mehr, wie ich es dir sagen sollte. Ich habe es immer wieder vor mir hergeschoben.“

„So einfach ist das nicht. Du kannst nicht so mir nichts dir nichts hier auftauchen und mir erzählen, dass ich der Vater von zwei Kindern bin. Wenn es dir um Geld geht, dann lass mich wissen, was ich zu zahlen habe. Daran soll‘s nicht scheitern. Du bist ja bisher ganz gut klargekommen, dann schaffst du den Rest bestimmt auch ohne mich.“ Jan sprang auf, zog sich hastig seine Sneakers an und verließ die beiden.

„Jan, bleib. So ist es nicht. Das ist nicht alles.“

Sophie blickte hilflos hinter Jan her, wie er sich entfernte. Elias hatte Jan schon folgen wollen, blieb aber, als er Sophies letzten Satz hörte und auch die Verzweiflung spürte, die von Sophie ausging.

„Was denn noch? Du kannst nicht erwarten, dass er nach so einer Nachricht begeistert Hurra schreit und es einfach hinnimmt“, kommentierte Elias das Geschehen.

„Elias, ich werde sterben, und zwar bald“, flüsterte sie.

„Was?“

„Bauchspeicheldrüsenkrebs. Spät entdeckt, zu spät. Inoperabel und metastasierend. Die Ärzte geben mir noch vier Monate, maximal sechs. Und die letzte Zeit wird nicht schön sein.“

Nun war es an Elias, fassungslos und entsetzt Sophie anzuschauen, die ihn müde anlächelte. „Schon seltsam, mit sechsundzwanzig glaubt man oft, unsterblich zu sein, wer rechnet da schon mit Krebs?“

„Ja aber … deine Familie? Weiß sie Bescheid? Und ist es wirklich sicher?“

„Ich hatte oft Bauchschmerzen, ohne dass der Arzt eine Ursache fand. Das ist ein Symptom, aber wenn es auftritt, ist es schon zu spät. Pankreaskarzinome sind eine der heimtückischsten Krebsarten, wenn man sie findet, dann ist meist nichts mehr zu machen. Außerdem habe ich in letzter Zeit viel Gewicht verloren. Bei einer Blutuntersuchung kam es dann heraus, es wurden Krebsmarker gefunden.“

„Und was sagt deine Familie dazu? Es wäre doch normal, dass du deine Eltern um Hilfe bittest?“

Sophie reagierte heftig. „Mein Vater denkt nur an seine Bundestagskarriere, außerdem ist er ein konservatives und reaktionäres Arschloch. Meine Brüder sind bis auf Sebastian nicht besser, außerdem haben sie bereits Familien. Und Sebastian ist erst achtzehn, er hat gerade sein Abitur gemacht. Ich habe nicht so viel Auswahl, weißt du.“

Jans Mann schwieg, und musste das alles erst einmal verdauen. Dann fragte er: „Hast du ein Bild von den Kindern?“

Sophie holte ihr Smartphone heraus und öffnete einen Bildordner mit einer Serie von Aufnahmen.

„Links ist Rasmus, rechts ist Marius.“ Ihr Blick wurde weich, als sie die fröhlichen Gesichter zweier im Sand spielender Jungs zeigte. „Wir waren letztes Jahr auf Rügen, sie haben zum ersten Mal das Meer gesehen. Da wusste ich noch nicht, dass ich krank bin.“

Elias betrachtete die Bilder und sagte sich, dass ein DNA-Test zur Klärung der Vaterschaft überflüssig war. Diese blauen Augen, die erkannte er sofort. Das markante Kinn der beiden blonden Jungs, das alles war eindeutig Jan. Er musste lachen: „Die sehen ja fast aus wie Klone von Jan.“

Die Mutter der beiden kleinen Blonden nickte: „Ich habe nicht übertrieben, als ich sagte, ich hätte etwas von ihm mitgenommen.“

„Kannst du mir die Bilder zumailen? Ich rede mit Jan. Und sag mir, wo wir dich erreichen können.“

„Ich bin bei einer Freundin in Bad Godesberg abgestiegen. Sie passt auch auf die Jungs auf. Wie ist deine E-Mail-Adresse?“

Elias gab ihr seine Kontaktdaten und sie speicherte sie im Handy. Dann standen sie auf und gingen langsam zurück.

„Brauchst du sonst noch etwas?“

„Nein, ich habe alles, was ich brauche. Ich habe einen guten Arzt, der hat mir alles gegeben, was ich brauche.“

Elias seufzte und schüttelte traurig den Kopf.

„Sophie, es tut mir so leid. Ich werde mit Jan reden.“

„Um mehr bitte ich dich nicht“, erwiderte die junge Frau leise.

Elias rief ihr ein Taxi und sah sinnend dem Wagen hinterher, als er mit Sophie wegfuhr. Er blieb noch eine Weile am Flussufer sitzen und dachte nach. Schöner Mist. Als ob wir nicht genug um die Ohren hätten. Die Stiftung, mein Studium, Jans Arbeit. Und jetzt eine kranke Mutter mit zwei Kindern, die sich nicht mehr zu helfen weiß. Jan ist total von der Rolle, naja, das wär ich wohl auch, wenn man mir plötzlich zwei kleine Kinder präsentieren würde. Er seufzte. Was sagen die Frauen unten im Tal immer so schön? Wer mich liebt, liebt mich, wie ich bin, nicht nur, wenn ich geschminkt bin, sondern sogar dann, wenn ich mit Ruß verschmiert bin. Und die ungeschminkte Wahrheit über meinen Habibi lautet, dass er Vater von zwei kleinen, blonden Jungs ist.

Er machte sich auf den Weg zurück zur Villa und fand alle im Garten sitzend vor.

„Hat sie noch was gesagt? Wie viel Geld sie für die beiden will?“, knurrte Jan immer noch außer sich. „Die kann nicht einfach hier auftauchen und mir nach mehr als vier Jahren zwei Kinder unterschieben.“

„Halt die Klappe, Habibi!“, kam es scharf von Elias. „Sie will kein Geld. Sie ist krank, schwer krank.“ Dann berichtete er von dem Gespräch, von dem Teil, den Jan nicht mehr mitbekommen hatte. „Schau dir die Bilder von den beiden Jungs an und sag mir, dass du nicht der Vater bist, was ich nur glaube, wenn Sophie ein Verhältnis mit einem unbekannten Zwillingsbruder von dir gehabt hat. Da wird dir nichts untergeschoben, das sind ganz eindeutig deine Jungs.“

Alle sahen sich die Bilder an und diese ließen keine Zweifel übrig. Jan war Vater zweier Jungs und fand sich damit konfrontiert, demnächst Vaterpflichten übernehmen zu müssen.

„Oh Mann, was soll ich denn jetzt machen? Ich weiß doch gar nicht, wie man Kinder erzieht. Das kommt alles so plötzlich. Und das mit dem Krebs? Gibt es da wirklich keine Heilung? Wir sind doch Vampire, kann da nicht eine Umwandlung helfen? Und wie soll ich als Mann allein zwei Kinder aufziehen, auch wenn ich der Vater bin?“

Bei Jan machte sich Panik breit. Jetzt schalteten sich Monika und Clemens ein und versuchten, ihren Großneffen zu beruhigen. Elias hätte fast gelacht, als er seinen etwas hysterischen Mann ansah, bis ihm wieder Sophies Krankheit einfiel.

„Wir haben Nina und dich damals auch aufgenommen und hatten keine Vorstellungen, wie man Kinder aufzieht. Und dafür ist es uns ganz gut gelungen.“

Elias stand auf, trat hinter Jan und legte seinem Mann beruhigend die Arme um den Hals, um ihn an sich zu ziehen. „Ich habe einmal einen schwierigen, blonden Jungen kennengelernt, der über den einen oder anderen Schatten springen musste, bis er einsah, dass es sich lohnt. Wir werden Grandmère fragen, ob eine Verwandlung helfen könnte, Sophie zu heilen. Und so oder so, es sind deine Söhne, die einen Vater brauchen.“

„Ich habe gelernt, einen Mann zu lieben, habe mich zum Vampir machen lassen, auch das war okay - aber das hier? So von jetzt auf gleich Verantwortung für Kinder zu bekommen, das ist was anderes.“

„Jan, vor dir haben es zig Generationen von Eltern geschafft, Kinder aufzuziehen. Du hast keine schlechten Voraussetzungen, materiell hast du keine Sorgen und alleinerziehend wirst du auch nicht sein. Nun beruhig dich, Kinder beim Aufwachsen zu begleiten, das ist etwas Schönes. Monika und ich haben es gern gemacht und wir werden dir helfen“, versuchte Clemens Jan zu beruhigen.

Jan seufzte schwer und stand auf.

„Ich geh ins Bett, darüber muss ich erst mal eine Nacht schlafen. Ich und Vater ...“

„Ich komme gleich nach“, sagte Elias.

Jan nickte und verließ den Garten. Währenddessen blieb Elias noch eine Weile bei Monika und Clemens sitzen.

„Das hat ihn ganz schön umgehauen. Wir hatten immer ein wenig Sorge, dass so was passieren könnte bei dem Verschleiß an Mädchen, den er damals hatte. Tja, Kondome sind wohl auch nicht immer sicher oder er hat einmal nicht dran gedacht. Jetzt hat er zwei Söhne, nicht zu fassen. Unser Jan ist Vater!“, sagte Clemens leicht amüsiert, wurde aber sofort ernst, als Monika die Stirn runzelte.

„Denk an die Mutter. Das ist nicht lustig“, mahnte Monika und wandte sich an Jans Partner: „Elias, was meinst du, kann euer Blut helfen? So wie es Konstantin geholfen hat?“

„Ich weiß nicht, bei Konstantin waren es schwere Verletzungen. Und bei Infektionen funktioniert es auch. Aber Krebs ist keine Infektion, es sind entartete Zellen. Mir ist kein Fall bekannt aus unserer Familiengeschichte, da muss ich Grandmère fragen. Ich schicke ihr gleich eine E-Mail.“

„Tu das und dann versuche einmal, unseren frischgebackenen Papa zu beruhigen. Gib ihm einen Cognac, ich hab mir sagen lassen, das soll in ähnlichen Fällen helfen! Du weißt ja, wo alles steht!“ Clemens konnte es sich nicht verkneifen, etwas Schadenfreude durchklingen zu lassen.

Elias kicherte fröhlich und ging in die Küche, nahm aus dem Schrank einen Cognacschwenker und goss etwas Cognac in das Glas, das er mit nach oben nahm.

„Herzlichen Glückwunsch, Papa, zu zwei gesunden Jungen!“

Ein verdrießlicher Blick empfing ihn.

„Hier, Clemens meinte, das könne dem jungen Vater helfen!“

„Onkels guter Cognac? Ich weiß nicht, ob mich der noch aufmuntern kann“, seufzte Jan. „Warum hast du die Flasche unten gelassen? Ich könnte mich jetzt wirklich besaufen, mir ist gerade danach.“

Elias setzte sich an ihren Rechner, lud die Bilder von Jans Söhnen von seinem Handy und schrieb schnell ein paar Zeilen an Lalla Sara, in der er sie um Auskunft bat. Die Bilder schickte er mit. Danach zog er sich aus und legte sich zu Jan ins Bett. Er kuschelte sich an seinen Mann und küsste ihn.

„Ganz ruhig. Das schaffen wir schon, morgen werden wir Sophie sagen, dass wir helfen werden und du wirst ihr sagen, dass du die Kinder nehmen wirst.“

„Ach, werde ich das?“ Jan blickte seinen Mann erstaunt an.

„Ja Jan, das wirst du. Es sind deine Söhne, ob du willst oder nicht. Und bald werden es Halbwaisen sein, wenn nicht ein Wunder geschieht. Dann haben die Kinder immer noch einen Vater. Auch wenn der etwas Angst vor der Verantwortung hat.“

„Hilfst du mir?“ Jan blickte etwas verlegen an Elias vorbei.

„Ich bin in einer Großfamilie mit vielen Onkeln, Tanten, Cousins und Cousinen aufgewachsen. Da hat sich immer einer um die Kinder gekümmert. Tante Salma hat nie gefragt, ob es ihre eigenen Kinder waren, die Dummheiten angestellt hatten. Ihre Kopfnüsse hat sie freigiebig verteilt. Jan, natürlich werde ich dir helfen, deine Jungs aufzuziehen. Wenn du mich lässt, werden sie wie meine eigenen Kinder sein. Wir sind doch verheiratet.“

Elias schmunzelte und holte noch einmal sein Handy mit den Bildern der Jungs raus: „Schau dir die Bilder an. Ganz der Vater, ich hab sofort gesehen, dass sie von dir sind. Deine blauen Augen, dein Kinn, deine blonden Haare ...“

Jan blickte die Bilder an und lächelte dann doch etwas stolz. Er drückte Elias an sich und küsste ihn.

„Ich bin Vater, nicht zu fassen.“

„Ich mag Kinder sehr gern, und wenn es deine sind, umso besser. Und denk mal, du musstest nicht mal bei der Geburt dabei sein. Oder bei der Schwangerschaftsgymnastik. Keine Hechelkurse!“

„Witzbold“, grummelte es von der anderen Seite des Bettes. „Lass uns schlafen, ich bin müde.“

Jan gähnte und döste weg. Elias stellte sich das im Nachhinein vor. Er war schon bei Geburten dabei gewesen und hatte gesehen, wie der werdende Vater dabei aus den Latschen gekippt war.

Das kann ich mir mit Jan gut vorstellen, den hätte das bestimmt auch umgehauen, kicherte er in sich hinein. Dann dachte er noch ein wenig nach und freute sich auf die Kinder, gleichzeitig machte er sich Sorgen wegen Sophie und wunderte sich auch, weshalb sie so wenig von ihrer Familie hielt. Irgendwann übermannte der Schlaf auch ihn.

In der Kasbah der Bucharis am Fuße des alten Vulkans trudelte eine E-Mail ein und sorgte für nicht geringes Erstaunen. Kerim hatte im Büro am Computer der Familie gesessen, als Elias Nachricht eintraf. Er lachte schallend, als er den ersten Teil der Nachricht las, in dem stand, dass Jan etwas überraschend Vater von Zwillingen geworden sei. Als er den zweiten Teil las, in dem es um Sophies Krankheit ging, verdüsterte sich sein Gesicht und er begab sich in den Diwan, um die Nachricht mitzuteilen.

„Grandmère, es gibt Neuigkeiten, gute wie schlechte.“

„Was ist denn?“, fragte die alte Dame und legte ein Buch beiseite, in dem sie gelesen hatte.

„Jan ist Vater geworden“, verkündete Kerim dem alten Familienoberhaupt, das ihm einen erstaunten Blick zuwarf. Er gab ihr den Ausdruck der Email, Lalla Sara hatte es nicht so sehr mit Computertechnik und die alte Dame las die Nachricht ihres Enkels, in der er um Auskunft bat und wissen wollte, ob man die kranke Sophie eventuell durch eine Verwandlung heilen könnte. Die Lalla runzelte die Stirn.

„Das arme Mädchen. Das ist ja schrecklich. Ich frage mich aber trotzdem, warum sie jetzt erst damit zu Jan kommt. Immerhin hatte sie vier Jahre Zeit.“

„Und können wir ihr helfen? Was meinst du?“

In diesem Augenblick kam Nina in den Diwan der Lalla.

„Kerim, was gibt es zu lachen?“, fragte Jans Schwester neugierig ihren Mann.

„Du bist Tante geworden und hast zwei kleine blonde Neffen“, erwiderte Kerim grinsend und gab ihr die ausgedruckten Bilder.

„Wa … was? Wie denn das? Was sind das denn für Kinder? Wieso bin ich Tante?“

Jetzt kamen auch Mounia und Konstantin dazu, die ebenfalls wissen wollten, was los war und genauso verblüfft auf die Nachricht von Jans plötzlicher Vaterschaft reagierten. Kerim setzte alle noch einmal ins Bild über die Nachricht von Elias.

„Ich werde wohl nach Bonn fliegen müssen“, überlegte Lalla Sara laut, „und mir selbst ein Bild machen. Buch mir einen Flug und bring mich zum Flughafen, Kerim, es muss keiner von euch mitkommen. Gib in der Villa Bescheid, wann ich ankomme, dann kann Elias mich vom Flughafen abholen.“

Kerim nickte und verließ den Diwan von Lalla Sara, um alles Notwendige zu unternehmen.

Unter Geschwistern

Sophie griff zum Telefon und wählte. Am anderen Ende meldete sich eine fröhliche Stimme, die ihrem Bruder Sebastian gehörte.

„Schwesterherz! Wo steckst du? Was machen die Jungs?“

„Ich bin in Bonn, Sweetie. Den Rabauken geht es gut.“

„Bonn? Was machst du denn da?“, wollte ihr Bruder erstaunt wissen. „Gib mir eine Minute, dann bin ich bei Malte angekommen und kann ranfahren. … So, jetzt geht es besser. Auf dem Konto in Flensburg habe ich schon genug Punkte.“

Das war für Sophie eine gute Nachricht, sie wusste, wie wichtig Malte und seine Familie für ihren flippigen kleinen Bruder waren.

„Bist du allein? Oder ist …?“, fragte sie vorsichtig.

„Ja, bin allein im Auto.“

„Basti, ich muss dir was sagen. Es fällt mir nicht leicht, aber es muss sein.“

„Hey, was bist du denn so ernst? Hat Vater dir wieder eine Predigt gehalten und dich zur Umkehr bewegen wollen?“, grinste er und imitierte seinen Vater mit düsterer Stimme. „Ewig wird brennen deine Seele in den finstersten Abgründen der Hölle unter Qualen, so du nicht wandelst auf den Wegen des Herrn. Tue Abbitte und Buße für deine Sünden.“

Sie erzählte ihrem Bruder von ihrer Krankheit und dass es keine Aussicht auf Heilung gäbe. Außerdem informierte sie ihn darüber, dass seine beiden Neffen voraussichtlich bei ihrem Vater aufwachsen würden, der von seiner Vaterschaft bisher nichts gewusst hatte.

„Sophie, sag, dass das nicht wahr ist! Bitte sag mir, dass das ein ganz schlechter Scherz ist. Dann vergessen wir das Ganze einfach“, bat Sebastian verzweifelt. „Heutzutage kann man doch fast alles heilen. Da gibt es doch Chemotherapien und man kann operieren und Knochenmark spenden und was weiß ich nicht alles. Man muss doch an so einer Sache nicht sterben.“

„Sweetie, das ist kein Scherz. Ich habe Krebs, und zwar einen richtig fiesen Krebs, für den es keine Heilung gibt“, sagte sie und fühlte die Verzweiflung in der vibrierenden Stimme ihres kleinen Bruders.

„Und wie lange hast du noch? Man sieht doch überhaupt nichts. Als ich dich das letzte Mal gesehen habe, da warst du doch ganz gesund! Wie kann das denn sein?“

„Basti, es ist nicht mehr lange. Noch ein halbes Jahr, vielleicht etwas länger“, zwang sie sich mit beherrschter Stimme zu antworten.

„Oh Mann“, flüsterte ihr Bruder traurig und geschockt. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“

„Wenn du kannst, komm her. Ich würde dich gern sehen“, bat sie ihren Bruder mit brüchiger Stimme. Und in Gedanken fügte sie solange es noch geht hinzu.

Ihr Bruder schniefte: „Wann soll ich kommen? Sagst du es Mama und Papa? Oder soll ich?“

„Nein, ich rufe sie gleich an. Ich gebe dir Bescheid, wenn ich mich mit den Kindern bei Jan und Elias eingerichtet habe. Wir sehen uns, Sweetie! Ich hab dich lieb“, beendete sie das Gespräch, als sie fühlte, dass ihr die Stimme versagen würde. Ihr kleiner Bruder und ihre beiden Jungs, das war für sie das Wichtigste, was es gab.

 

Sebastian blieb im Auto sitzen und dann öffneten sich die Schleusen, er weinte hemmungslos. Sein Kopf sank aufs Lenkrad. Plötzlich wurde die Tür seines Autos aufgerissen und eine besorgte Stimme fragte, was denn bloß los sei. Sie gehörte seinem besten Freund, der Sebastians Tränen nicht bremsen konnte und nichts aus ihm herausbekam. Malte lief zurück ins Haus und holte seine Eltern.

Seine Mutter kam als Erste, dann sein Vater, beide brachten den weinenden Basti schließlich dazu, auszusteigen und mit ins Haus zu kommen. Dort beruhigte er sich soweit, dass er von dem Anruf seiner Schwester und ihrer schweren Erkrankung erzählen konnte.

„Sophie stirbt an Krebs, an einem ekligen Krebs und sie sagt, dass man nichts mehr machen kann“, flüsterte er mit tränenerstickter Stimme. „Die Ärzte haben ihr gesagt, dass es überhaupt keine Hoffnung mehr gibt!“

Sein Freund und dessen Eltern schwiegen betroffen und versuchten, Sebastian soweit wie möglich zu trösten. Die Schwester des Jungen war einer der wenigen Aktivpunkte in der Familie Harrach und sie wussten, dass Sebastian seine Schwester heiß und innig liebte. Sein Freund nahm ihn in den Arm und ließ ihn weinen, bis er den ersten Kummer überwunden hatte und ihn verlegen anblinzelte.

„Tschulligung“, krächzte Sebastian etwas heiser.

„Schon okay, Basti, nicht dafür. Es tut mir so leid. Wissen deine Eltern schon Bescheid?“, fragte Malte mitfühlend.

Sebastian schüttelte den Kopf.

„Sie will es ihnen selber sagen.“

„Wann fährst du zu ihr?“

„Wohl ziemlich bald.“ Erneut kamen ihm die Tränen und Malte versuchte weiter, seinen besten Freund zu trösten.

 

Währenddessen führte Sophie ein Gespräch mit ihren Eltern, das erheblich unfreundlicher verlief. Ihre Mutter war erschüttert und traurig, aber ihr Vater reagierte sehr kühl. Als er hörte, dass seine Enkel bei dem schwulen Vater und dessen Lebensgefährten aufwachsen würden, explodierte er und brüllte los.

„Ich dulde nicht, dass meine Enkel von Perversen aufgezogen werden. Es ist schon schlimm genug, dass sie unehelich sind. Aber sie in die Hände von einem charakterlosen Schwanzlutscher und seinem marokkanischen Stricher zu geben, da wären sie in einem Heim besser untergebracht. Sollen daraus drogenabhängige Kriminelle werden?“

Sophie kam fast nicht zu Wort, die Tiraden ihres Vaters ließen ihr kaum Luft. Es war nicht die erste Auseinandersetzung, die sie mit ihrem engstirnigen, christlich-fundamentalistisch geprägten Vater führte. Aber dann brachte er etwas, dass es ihr die Sprache verschlug.

„Deine Krankheit ist Gottes Strafe für deinen unmoralischen Lebenswandel. Er schickt dir den Krebs als letzte Warnung.“

„Letzte Warnung vor was? Dass ich eine Familie habe, die dem religiösen Wahnsinn eines katholischen Fanatikers verfallen ist? Das wusste ich schon, das kann Gott sich sparen.“

„Du lästerst Gott!“, schäumte ihr Vater.

„Nein, nur gegen sein selbst ernanntes Sprachrohr auf Erden!“, entgegnete sie scharf. „Du kannst mich mal, du verfluchtes Arschloch. Fahr selbst zur Hölle! Ich werde meine Kinder vor dir und deiner verfluchten Kirche schützen und wenn es das Letzte ist, was ich tue. Sie sollen in einem liebevollen Elternhaus aufwachsen und wenn ich sie wildfremden Leuten gebe. Du bekommst sie nicht in die Finger!“

Damit legte sie auf und lehnte sich stöhnend zurück. Eigentlich hatte sie nichts Anderes erwartet von ihrem bigotten Vater, mit dem sie seit der Affäre mit Jan und der Geburt der beiden Söhne im Streit lag. Als sie die Kinder zur Welt brachte, hatte der ohnehin nur sporadische Kontakt weitere Einbußen erlitten. Sie hatte genug damit zu tun, die Kinder aufzuziehen und wenn ihre Mutter ihr nicht heimlich Unterstützung hätte zukommen lassen, dann hätte sie es nicht geschafft. Auch Sebastian hatte versucht zu helfen und gelegentlich auf die beiden Jungs aufgepasst. Seine beiden großen Brüder Johannes und Paul waren auf der Linie des Vaters, mit dessen Unterstützung sie eine Immobilienagentur betrieben. Ihr Vater hatte die politischen Verbindungen, die Söhne machten die Arbeit. Doch das wurde jetzt bedeutungslos, Sophies Aufmerksamkeit galt nur noch ihren beiden Söhnen. Sie hoffte inständig, dass Jan und Elias sich um die Jungs kümmern würden.

 

In der alten Godesberger Villa wachten Elias und sein plötzlich zum Vater mutierter Mann am nächsten Morgen auf und gingen zum Frühstück in die Küche.

„Und? Was werdet ihr heute machen?“ Monika und Clemens waren natürlich neugierig. Clemens legte den Bonner General-Anzeiger beiseite, in dem er bis eben geblättert hatte.

„Wir werden Sophie anrufen, mit ihr reden und dann überlegen, wie wir mit der Situation umgehen. Elias hat eine E-Mail in die Kasbah geschickt und Grandmère um Hilfe gebeten. Ich bin Vater, ich kann es noch immer nicht fassen.“ Jan schüttelte lächelnd den Kopf, aber es war zu sehen, dass ihm der Gedanke eher Freude bereitete.

„Und den Doktor fragen, vielleicht hat er Vorschläge“, warf der Medizinstudent Elias ein.

„Elias, Hubert ist kein Onkologe, er war Hausarzt und Chirurg und sein Partner Dr. Broich ist auch kein Onkologe. Dafür sind die Uniklinik oder das Johanniter-Krankenhaus geeignet.“

„Das weiß ich, aber fragen kann man ja. Und wir können nicht Jans Söhne zu uns nehmen und Sophie zum Sterben in eine Klinik abschieben. Sie wird solange wie möglich bei den Kindern bleiben wollen und da brauchen wir ärztliche Unterstützung, ich meine, für den Fall, dass wir keine andere Möglichkeit der Hilfe haben.“

„Da hast du recht.“ Jan überraschte es, wie schnell Elias die Situation erfasst hatte und an die möglichen Konsequenzen dachte.

„Sophie ist mit den Kleinen bei einer Freundin. Sie ist schwer krank, bräuchte vermutlich bald selber Pflege und muss sich um die Kinder kümmern. Das geht bestimmt nicht lange gut. Sollen wir sie nicht lieber hier einquartieren? Momentan stehen Ninas Räume und der komplette dritte Stock leer. Da könnte Sophie einziehen und für die Kinder ist auch Platz. Zwischen Ninas Schlafzimmer und unseren Räumen, der mittlere Raum, daraus könnten wir ein Kinderzimmer machen. Und in Ninas Zimmer könnte Sophie gepflegt werden, wir werden sicher einen Pflegedienst brauchen. Für den Fall, dass Grandmère keinen Rat weiß.“

Jan dämmerte, was da auf sie zukam und er schluckte, als ihm klar wurde, demnächst vielleicht eine Sterbende im Haus zu haben. Letzte Nacht hatte Jan nur an die beiden Jungs gedacht, aber da war schließlich auch noch Sophie.

„Hoffen wir das Beste. Und bitte mal nicht gleich den Teufel an die Wand“, bat er seinen Mann. Zum Tod hatte Jan keine gute Beziehung. Er erinnerte sich an seine Kindheit, als Nina und er erfuhren, dass ihre Eltern bei einem Attentat islamistischer Fanatiker ums Leben gekommen waren. Letztendlich hatte er es erst durch Elias geschafft, die letzten Folgen dieses Unglücks zu überwinden. Und das war nicht einfach gewesen. Jetzt zeigte der Tod wieder, wie überraschend er manchmal auftauchen konnte. Jetzt dachte Elias schon wieder für sie und versuchte, das Beste aus der Situation zu machen.

Wenn ich dich nicht hätte, sandte er Elias gedanklich eine liebevolle Umarmung zu und wurde mit einem strahlenden Lächeln belohnt.

Dann hättest du einen anderen, kam es nicht ganz ernst mit einem Augenzwinkern zurück.

Jan stand auf. „Gib mir Sophies Nummer, ich werde sie anrufen und mich entschuldigen.“

„Sag ihr, dass sie vorbeikommen soll und die beiden Jungs am besten gleich mitbringt“, schlug Elias vor, als er ihm die Nummer gab.

Jan ging in den angrenzenden Wintergarten und wählte schon im Gehen Sophies Nummer.

„Hallo Sophie, hier ist Jan.“ Der Rest des Gespräches verlor sich im Wintergarten, als die Tür hinter Jan ins Schloss fiel. In der Küche blieben die beiden alten Meyer-Frankenforsts sowie Elias zurück.

Kurz darauf kehrte Jan zurück und meinte, dass Sophie mit ihm und Elias reden wolle.

„Ich habe ihr gesagt, dass wir gleich kommen, sobald wir gefrühstückt haben. Und ich habe mich bei ihr entschuldigt für meinen Abgang.“

„Du und entschuldigen? Freiwillig? Ohne dass Domestos im Spiel ist?“, fragte Clemens entzückt.

Jan zog eine Grimasse, er wusste genau, worauf Clemens anspielte. Ihr Hausarzt, der nebenan wohnende Dr. Schäfer, hatte Jan einst drohen müssen, seine nach einem Unfall verletzte Hand mit Domestos zu desinfizieren, wenn der sich nicht bei Elias entschuldigen würde für sein dummes Verhalten und Jan hatte sich dann tatsächlich ehrlich bei Elias entschuldigt. Von da an war der Krieg zwischen den beiden vorbei gewesen und sie waren sich immer nähergekommen.

Sie fuhren in Jans altem Mercedes zu der von Sophie genannten Adresse in Friesdorf. Während der Fahrt summte Elias Handy, eine Nachricht von Kerim war eingetroffen. Sein Cousin übermittelte ihm die Daten von Lalla Saras Ankunft am Köln-Bonner Flughafen und Grüße von der ganzen Familie. Auch das Handy von Jan summte, als Erste war Elias scharfzüngige Schwester Mounia dran und Jan schnitt eine Grimasse, als er die Freisprechanlage anschaltete.

„Na du blondes Monster! Herzlichen Glückwunsch zu den zwei süßen Jungs! Aber Jan, mal ernsthaft. Musstest du dich denn unbedingt fortpflanzen? Und dann auch noch zwei von deiner Sorte?“, fragte sie gutmütig.

„Ja klar, das habe ich eigentlich nur gemacht, um dich zu ärgern“, brummte ihr Schwager.

„Sind die wirklich von dir? Auf den Bildern sehen die Jungs total niedlich und lieb aus“, fragte sie frech. „Die können doch gar nicht von dir sein?“

„Mein Patenkind spuckt auch kein Feuer und ist trotzdem aus dir gekrochen. Gut, vermutlich sind das Kostjas gute Gene, die die Oberhand über das Böse gewonnen haben“, konterte Jan und seine Schwägerin lachte herzlich. Sie warfen sich gern diverse Boshaftigkeiten an den Kopf, was aus der Anfangszeit herrührte, als Jan sich wirklich ernsthaft mit ihr gestritten hatte.

„Also bist du jetzt wirklich Vater, ich kann es kaum glauben. Grüße und Glückwünsche auch von Nina, sie steht hinter mir.“

„Da geht es dir wie mir, ich habe es auch noch nicht so ganz realisiert“, erwiderte er. „Danke, sag ihr, ich melde mich bei ihr.“

„Hey, wenn du Rat brauchst oder so …“

„… dann frage ich dich und mache das genaue Gegenteil“, antwortete er gut gelaunt. „Was hat Mokhtar Ahmad über Frauen so schön gesagt? Frage sie nur um ihre Meinung, mache aber von ihrem Rat keinen Gebrauch.“

Aus dem Hörer kam das empörte Schnaufen seiner Schwägerin. „Klar, der alte Bock aus dem Dorf und seine dummen Sprüche. Das passt dir natürlich wunderbar. Da haben sich zwei gefunden.“

„Mokhtar Ahmad ist ein weiser Mann! Grüß ihn von mir, wenn du ihn siehst“, protestierte Jan lachend. „So Herzchen. Dein Bruder und ich sind im Auto unterwegs zu Sophie und den Kindern. Ich mache jetzt Schluss. Wenn es was Neues gibt, melde ich mich.“

Er beendete das Gespräch, da sie in Friesdorf am Bahnübergang ankamen.

Ui, die Schranken sind geöffnet, kaum zu fassen. Entweder man steht in Bonn vor einer Schranke oder im Stau.

Kurz hinter dem Bahnübergang befand sich die angegebene Adresse. Am Haus vorbei führte ein kleiner Weg in den Garten, aus dem Kindergeschrei zu hören war. Die beiden jungen Männer folgten dem Lärm, und als Jan um die Ecke ging, stieß er mit einem kleinen, blonden Wirbelwind zusammen, der in ihn hineinrannte.

„Hoppla, nicht so stürmisch“, lachte Jan, der den kleinen Jungen natürlich deutlich überragte, der da plötzlich vor ihm stand und sich den Kopf rieb. Dann öffneten sich die Schleusen, der Kleine hatte sich erschreckt und es war Elias, der sich runterbeugte und den Kleinen tröstete. Spontan war er ins Arabische verfallen, der Kleine verstand natürlich nichts, aber der tröstende Tonfall ließ die Tränen schnell wieder versiegen.

Jan blickte in den Garten, an einem Gartentisch sah er Sophie sitzen, auf dem Rasen lief ein weiterer Blondschopf herum, der erkennbar der Zwillingsbruder war. Als der mit Jan zusammengeprallte Junge zu weinen begann, hatte sie automatisch in die Richtung gesehen und mit einem Blick bemerkt, dass nichts Gravierendes passiert war.

Während Elias sich weiter mit dem Jungen beschäftigte, ging Jan zu Sophie. Er schwieg verlegen, setzte mehrmals zum Sprechen an und musterte Sophie unsicher, was sie natürlich bemerkte.

„Tja, ich hab mir viele Szenarien vorgestellt, wie ich dir beibringe, dass du Vater geworden bist“, meinte die junge Mutter ruhig. „Diese Szene war nicht dabei.“

„Sophie, es tut mir leid. Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“

„Was soll man auch in solchen Fällen sagen?“ Sophie klang bitter. „Ich sterbe, ich werde nicht miterleben, wie meine Kinder aufwachsen, zur Schule gehen, groß werden, Blödsinn machen, die erste Freundin haben und einen Beruf ausüben. Mit ein bisschen Glück erlebe ich noch Weihnachten, mit viel Glück den kompletten Winter, aber mehr wollen die Ärzte mir nicht in Aussicht stellen.“

„Wir werden dir helfen, Sophie, wir sind eigentlich gekommen, um dich und die beiden Jungs mitzunehmen. In unserem Haus ist Platz für dich, Rasmus und Marius. Ich werde für die Kinder sorgen und mich um dich kümmern, aber um ehrlich zu sein, ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. So von jetzt auf gleich Vater von zwei Söhnen …“, er zuckte ratlos mit den Schultern. „Nicht dass ich nicht will, ich weiß bloß nicht, wie das geht.“

„Es ist nicht so schwer, die beiden sind lieb und machen kaum Probleme. Sie wollen Liebe und Vertrauen, Fürsorge und Wärme, ein Nest, wo sie hingehören. Es gibt keine Bedienungsanleitung für Kinder“, lächelte sie wehmütig. „Marius ist ein bisschen lebhafter als Rasmus und der wartet immer erst ab, was sein Bruder macht.“

Jan und Sophie beobachteten Elias, der sich auf den Boden gesetzt und begonnen hatte, mit einem der beiden Jungen zu spielen. Der Bruder des Kleinen schaute noch etwas skeptisch zu, kam aber auch näher. Plötzlich griff Elias zu und begann, den Jungen vorsichtig zu kitzeln. Der quiekte los und Elias tat so, als ob er sich duckte. Dann sprang der Kleine los und landete auf Elias, der ließ sich fallen und das war die Einladung für den Bruder, sich der Rauferei anzuschließen. Mit viel Geschrei und Gequieke bewegte sich das menschliche Knäuel auf der Wiese, irgendwann packte sich Elias die beiden Jungs, einen links, den anderen rechts unterm Arm und stand auf. „So, jetzt hab ich euch!“

Mit den quietschenden Jungs unterm Arm und einem breiten Lachen im Gesicht kam er zu Sophie und Jan.

„Sophie, hast du Kartons zum Einpacken? Oder nehmen wir sie so mit? Vielleicht mit einem rosa Schleifchen?“

Protestgeschrei. Elias tat so, als ob er keine Kraft mehr hatte, Rasmus und Marius befreiten sich und rannten davon, Elias lachend hinterher. „Ich krieg euch!“

Sophie beobachtete die Szene. „Sieht so aus, als ob er schon halbwegs weiß, wie es geht. Jan, es ist nicht so schwer, wie es dir erscheint. Das meiste kommt von ganz allein.“

„Und was brauchst du?“, wollte Jan wissen.

„Ich habe alle Unterlagen dabei und werde mir hier einen Arzt suchen, der mir hilft. Mir wurde empfohlen, mich rechtzeitig nach einem Hospizplatz umzusehen.“

Jan zuckte zusammen, als er das Endgültige in Sophies Stimme hörte. „Unser Nachbar ist Arzt, die Praxis ist direkt im Haus und Elias studiert Medizin, sie werden dir sicher soweit helfen, wie es geht. Eine Freundin von Nina ist Krankenschwester, wir können sie auch fragen.“

„Ich hatte auf deine Hilfe gehofft.“ Sophie war erleichtert. „Ich rufe noch Luisa an, um ihr Bescheid zu sagen. Sie wird froh sein, bald wieder Ruhe zu haben, die Wohnung war für uns alle zu klein. Und mit dem Sterben hat sie es nicht so.“

Jan schluckte ob des Galgenhumors. „Sophie, wir können auch später darüber reden, aber was ist mit deinen Eltern? Versteh mich nicht falsch, wir werden dir wirklich helfen und alles tun, aber warum kommst du aus Plauen zu mir?“

Sophie presste die Lippen aufeinander. „Du hast meinen Vater nie kennengelernt, es war ja nur eine kurze Affäre, die wir hatten. Ich bin zurück nach Plauen, hab da einen Job in einem Reisebüro gefunden, aber wir haben kaum noch Kontakt. Er ist so katholisch, dahinter kann sich der Papst verstecken, das glaubst du nicht. Uneheliche Kinder, das geht nicht. Vermutlich hätte er die Jungs genommen, aber dann hättest du sie nie zu sehen bekommen. Ich dachte, dass du ein größeres Recht auf die Kinder hast als jeder andere. Es wäre mir aber nicht im Traum eingefallen, dass du schwul bist. Irgendwie gefällt es mir aber.“

Jetzt sah Jan sie überrascht an.

„Warum gefällt es dir, dass ich mit einem Mann zusammen bin?“

„Wenn es eine andere Frau gäbe, würde sie sicher eigene Kinder haben wollen. Oder ihr hättet schon welche. So ist es leichter. Für dich, für mich, die Kinder und für deinen Mann. Allerdings wird mein Vater kotzen. Das ist das einzig Gute an der Sache“, sagte sie grimmig. Mit dem Kinn wies sie zu Elias, der immer noch mit den beiden Jungs herumtobte. „Und schau dir ihn an, ich sehe da drei Kinder.“

„Ja, er freut sich auf die beiden“, erwiderte Jan, der das Toben lächelnd beobachtete.

„Woher kennt ihr euch eigentlich?“, wollte Sophie wissen.

„Ach, das ist eine lange Geschichte. Clemens und Monika haben einen Freund in Tunis, über den der Kontakt zu einer Stiftung entstand. Die Chefin der Stiftung wollte, dass Elias und seine Schwester nach einem Unglück etwas Anderes zu sehen bekommen, und schickte sie zu uns. Zuerst gab es großen Krach zwischen Elias und mir, bis er bei einem Überfall beinahe ums Leben gekommen wäre. Und dann gab es noch so die eine oder andere Geschichte, bis uns klar wurde, dass wir zusammengehören.“

Das Thema Vampir wollte er nicht ansprechen, das würde davon abhängen, was Lalla Sara zu sagen hatte.

Die Sachen waren schnell gepackt, die beiden jungen Männer verfrachteten alles ins Auto und man fuhr zurück in die alte Villa im Godesberger Villenviertel. Elias ging mit Jans Söhnen in den Garten, wo er sie den beiden alten Meyer-Frankenforsts vorstellte. Natürlich waren die kleinen Jungs damit überfordert und fremdelten, aber als Lagerfeld, Jans imposanter Kater, im Garten auftauchte und sich streicheln ließ, wurde es leichter. Rasmus und Marius hatten wie ihr Vater anscheinend viel für Katzen übrig und der große Kater schnurrte friedlich, als er von den Jungs gekrault wurde.