Brenda Logan und die Amazone - Jan Gardemann - E-Book
Beschreibung

Das magische Amulett Band 132 Roman von Jan Gardemann   Der Umfang dieses Buchs entspricht 99 Taschenbuchseiten.   Eine als Amazone verkleidete Frau zerstört einen Pub in London. Der Wirt erhält als Entschädigung eine alte griechische Münze. Die Archäologin Brenda Logan stolpert eher zufällig über die Sache und beginnt aus Interesse zu ermitteln. Wer sind die verkleidete Frau und ihr mysteriöser Begleiter?

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Seitenzahl:103

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Jan Gardemann

Brenda Logan und die Amazone

Das magische Amulett #132 / Cassiopeiapress Romantic Thriller

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Brenda Logan und die Amazone

Das magische Amulett Band 132

Roman von Jan Gardemann

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 99 Taschenbuchseiten.

 

Eine als Amazone verkleidete Frau zerstört einen Pub in London. Der Wirt erhält als Entschädigung eine alte griechische Münze. Die Archäologin Brenda Logan stolpert eher zufällig über die Sache und beginnt aus Interesse zu ermitteln. Wer sind die verkleidete Frau und ihr mysteriöser Begleiter?

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© Cover by Firuz Askin, 2018

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

© Logo by Steve Mayer unter Verwendung von Motiven by Pixabay, 2018

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Nichts Böses ahnend wandte ich den Kopf und erstarrte. Am äußersten Rand des weiträumigen Parkplatzes stand eine Gestalt zwischen den Büschen. Sie trug einen dunklen, elegant wirkenden Mantel, hatte eine Kapuze über den Kopf gezogen und einen breitkrempigen Hut darübergestülpt. Das Gesicht des Fremden lag in tiefem Schatten. Und dennoch vermeinte ich die Augen des Mannes zu sehen. Sie schimmerten in einem ungesund erscheinenden Gelb unter dem Hut hervor. Genauso hatte Mark Lendon den mysteriösen Mann beschrieben, der in dem Pub auftauchte, nachdem die muskelbepackte Frau den Laden demoliert und die Gäste zusammengeschlagen hatte. Eine Gänsehaut kroch mir den Rücken hinunter, denn ich hatte das untrügliche Gefühl, dass der unheimliche Kerl mich anstarrte...

1

„Du musst verrückt sein, Selena“, murmelte die junge Frau und schüttelte über sich selbst den Kopf. „Wenn du wirklich glaubst, diese Beschwörung wird gelingen, bist du reif für die Klapsmühle.“

Sie presste die Lippen aufeinander und fügte sich mit einem antiken Dolch einen kleinen Schnitt am Oberarm zu.

Der kalte kurze Schmerz, den die Verletzung verursachte, ließ Selena das Gesicht verziehen. Blut quoll aus der Wunde hervor.

Rasch legte sie den Dolch auf den niedrigen Tisch, vor dem sie nackt kniete. Das schummrige Licht der beiden dicken Kerzen, die auf dem Tisch brannten, zauberte einen samtigen Teint auf Selenas Haut und umschmeichelte ihre weiblichen Rundungen. Auf ihrem brünetten, schulterlangen Haar lag ein rostbrauner Schimmer, in ihren dunklen Augen leuchtete es erwartungsvoll.

Selenas Lippen bewegten sich rasch, während sie die fremdklingende Beschwörungsformel murmelte, die sie auswendig gelernt hatte. Dann griff sie nach dem Amulett vor ihr auf dem Tisch und presste es gegen die blutende Wunde.

Das Amulett war uralt, es bestand aus Kupfer. Die Ränder des münze-großen Talisman waren stark zerfurcht und scharfkantig, vom Zahn der Zeit angenagt. Doch der Frauenkopf, der in das Metall geprägt worden war, war noch recht gut zu erkennen. Auf der Rückseite waren ein Bogen und ein Köcher mit Pfeilen abgebildet, die sich kreuzten. Seltsame Schriftzeichen bildeten einen engen Kreis um die Darstellungen auf dem Amulett.

Selena seufzte. Der letzte Vers der Beschwörung war soeben über ihre Lippen gekommen. Was genau sie gesagt hatte, wusste sie nicht, denn die Sprache, der sie sich während der Beschwörung bedient hatte, war uralt und ihre Bedeutung in Vergessenheit geraten.

Wieder schüttelte sie den Kopf, während sie das Amulett fest gegen die Schulterwunde presste.

„Alles, was diese idiotische Beschwörung bewirken wird, ist, dass du eine Blutvergiftung bekommst“, murmelte sie und starrte unschlüssig auf ihre Schulter hinab. Blut sickerte zwischen den Fingern hervor, mit denen sie das Amulett gegen den Oberarm presste. Das Blut rann die Goldkette hinab, an der das Amulett festgemacht worden war und die an Selenas Oberarm herabbaumelte.

„Wenn mich jetzt jemand sehen könnte, würde er denken, ich hätte nicht mehr alle Tassen im Schrank“, murrte sie missmutig. „Und wahrscheinlich hätte er sogar recht damit.“

Selena war drauf und dran, die Beschwörung abzubrechen. Sie kam sich plötzlich entsetzlich albern und leichtgläubig vor und fragte sich, wie sie es hatte zulassen können, dass sie Hoffnungen an dieses uralte Ritual geknüpft hatte.

Doch dann musste sie wieder an die schlimmen Erniedrigungen denken, die sie in der Vergangenheit hatte hinnehmen müssen und presste das Amulett nur noch entschlossener gegen ihren Oberarm.

„Es muss einfach klappen“, quetschte sie zwischen den Zähnen hervor.

Da fing die Wunde plötzlich an, entsetzlich zu schmerzen. Es fühlte sich an, als würde ihr jemand einen Dolch mit voller Wucht in den Oberarm rammen.

Selena schrie auf. Tränen schossen ihr in die Augen Sie riss das Amulett von der Wunde fort und schleuderte es in eine Zimmerecke.

Doch dadurch ließ der Schmerz sich nicht bezähmen. Wie Gift fraß es sich von dem Oberarm ausgehend durch ihren ganzen Körper.

Schreiend warf Selena sich zu Boden. Sie zog die Knie an und schlang die Arme wimmernd um den Oberkörper. Sie hatte das Gefühl, ihr Blut hätte sich in flüssige Lava verwandelt, als würde sie von innen heraus bei lebendigem Leib verbrennen.

Der Schmerz war nun so überwältigend, dass Selena unfähig war, zu schreien. Ihr Mund schnappte auf und zu, ihre Augen waren weit aufgerissen. Wie toll wälzte sie sich auf dem Boden hin und her, während ihr der Schweiß aus den Poren trat.

Dann knipste der Schmerz ihr Bewusstsein aus. Wie unter einem Krampf zuckte sie ein letztes Mal zusammen und streckte ihren Körper. Ihre Muskeln wurden hart und begannen sich unter der Haut deutlich abzuzeichnen.

Aber davon bekam Selena nichts mehr mit. Schließlich erschlafften ihre Glieder und sie lag wie tot auf dem Boden ihres verdunkelten Wohnzimmers. Auf ihren Lippen ruhte ein siegessicheres, böses Lächeln.

2

„Sie sehen müde und abgespannt aus, Selena“, sagte ich, Brenda Logan, zu der jungen Archäologin, die in diesem Moment den kleinen Präsentationsraum des British Museums betrat.

Selena zuckte nur mit den Schultern und wandte sich gleichgültig einer der zahlreichen Vitrinen zu, die in dem hellerleuchteten Raum standen.

Ohne sichtbares Interesse blickte sie auf die Exponate in der Vitrine hinab. Es handelte sich um die Schreibutensilien eines ägyptischen Beamten aus der Zeit der Pharaonen. Die Exponate waren von einem Archäologen-Team erst kürzlich in der Wüste von Ägypten gefunden worden. Man hatte dort eine fast komplette Schreibstube dem Wüstensand abgetrotzt - zu den Fundstücken gehörten auch ein Haufen alter Pergamentrollen, Schrifttafeln und Grabplatten, die der Beamte entweder nicht fertiggestellt oder verworfen hatte.

Dieser sensationelle Fund hatte in der Fachwelt für Aufsehen gesorgt. Und nun sollten die Exponate in einer Sonderausstellung im British Museum das erste Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Selenas und meine Aufgabe war es, die Exponate zusammenzustellen und Texte zu verfassen, die den Besuchern die Ausstellungstücke erklären sollten.

Bisher hatte Selena, deren Spezialgebiet eigentlich das griechische Altertum war, kein großes Interesse an dieser Arbeit bekundet, die ihr von Prof. Salomon Sloane, dem Museumsdirektor, auferlegt worden war. Einen Großteil der anfallenden Aufgaben hatte ich daher allein erledigen müssen.

Ich sah demonstrativ auf meine Armbanduhr.

Selena hatte sich um eine halbe Stunde verspätet. Wir hatten an diesem Morgen noch einmal über die Zusammenstellung der Exponate sprechen wollen. Doch das schien ihr egal zu sein. Sie hielt es nicht einmal für nötig, sich für ihr Zuspätkommen zu entschuldigen.

Unverwandt sah ich Selena von der Seite an. Sie wirkte unnatürlich blass und hohlwangig und sah aus, als hätte sie sich in einem Pub die Nacht um die Ohren geschlagen. Ich wusste jedoch, dass Selena Pubs und Alkohol verabscheute. Besorgt trat ich an Selenas Seite.

„Fühlen Sie sich nicht wohl?“, fragte ich mitfühlend. „Möchten Sie sich für heute lieber freinehmen?“

Selena wandte ihren Blick von der Specksteinfigur ab, die sie mit müden Augen angestiert hatte und sah mich düster an. „Ich wüsste nicht, dass ich Urnen gegenüber Rechenschaft über meine Arbeitszeit ablegen muss“, sagte sie abweisend. „Sie sind doch bloß eine Archäologin - genau wie ich.“

„Was ist los mit Ihnen, Selena?“, fragte ich unangenehm berührt. „Macht Ihnen die Arbeit im British Museum keinen Spaß mehr?“

„Ich wüsste nicht, dass Sie das etwas angehen würde, Brenda“, giftete Selena und verschränkte trotzig die Arme vor der Brust.

Lauernd starrte sie mich an. „Wollen Sie mich etwa aus meinem Job drängen?“, fragte sie herausfordernd.

„Was reden Sie denn da?“, fragte ich bestürzt.

Selena nickte, als hätte sie mich durchschaut. „Darum also spielen Sie immer die freundliche, zuvorkommende Archäologin“, sagte sie gedehnt. »Sie schleichen sich in das Vertrauen der Kollegen, in der Hoffnung, Dinge über sie in Erfahrung zu bringen, die Sie später gegen sie verwenden können.“

Ich war wie vor den Kopf gestoßen. „Was Sie da von sich geben, Selena, ist absoluter Blödsinn. Ich schätze Sie als Kollegin... Sie leisten hervorragende Arbeit. Und selbst wenn dem nicht so wäre, würde mir niemals einfallen, Ihnen Ihren Arbeitsplatz streitig zu machen. Wie kommen Sie bloß darauf?“

Selena blinzelte und massierte sich mit den Fingerspitzen die Schläfen. Offenbar begriff sie, dass sie mit ihren Worten zu weit gegangen war.

„Entschuldigen Sie, Brenda“, murmelte sie abwesend. „Ich habe wohl nur in letzter Zeit zu viel Schlechtes erlebt, so dass ich langsam paranoid werde und anfange, jeden zu verdächtigen...“

Ich kräuselte die Stirn. „Wovon genau sprechen Sie?“, hakte ich nach.

Selena winkte ab. „Ich werde diese Sache allein bereinigen“, sagte sie abweisend. „Sie würden mir sowieso nicht glauben.“

„Versuchen Sie doch, es mir zu erklären“, forderte ich meine Kollegin auf. „Haben Sie Probleme mit Leuten aus dem Museum?“

Ein Schatten legte sich über Selenas dunkle Augen. „Das geht Sie nichts an“, erwiderte sie düster. „Machen wir uns lieber an die Arbeit.“

Demonstrativ wendete sie sich wieder der Vitrine zu. Mit einem Kopfnicken deutete sie auf die kleine Specksteinfigur, die zusammen mit konservierten Schriftdokumenten in der Vitrine lag.

„Diese Figur sollten wir zu den Utensilien des Schreibers legen“, sagte sie mürrisch. „Die Figur diente dem Schreiber als Siegel. Darum gehört sie zu den alten Tintenbehältern und Griffeln...“

Verstohlen musterte ich Selena von der Seite. Ihr brünettes Haar wirkte stumpfer als gewöhnlich, sein warmer rostroter Schimmer schien verblasst zu sein. Sorgenfalten zeichneten sich auf ihrem sonst so ebenmäßig erscheinenden Gesicht ab.

Irgendetwas bedrückte diese Frau gewaltig - das glaubte ich ihrem Gesicht deutlich anzusehen.

Einer inneren Eingebung folgend legte ich ihr die Hand auf den Oberarm. „Sie sollten mit jemandem über Ihre Probleme sprechen, Selena“, sagte ich eindringlich. „Sie tun sich keinen Gefallen damit, wenn Sie Ihre Sorgen in sich hineinfressen...“

Selena zuckte unter der Berührung heftig zusammen und wich rasch einen Schritt zurück. Ihr Gesicht drückte Schmerz und Empörung aus.

„Fassen Sie mich nicht an!“, blaffte sie angriffslustig und rieb sich vorsichtig am Oberarm.

Erschrocken hob ich die Hände. „Ich wollte Ihnen ganz bestimmt nicht weh tun“, erklärte ich verwirrt. „Sind Sie etwa verletzt?“

„Das geht Sie nichts an“, rief Selena. Eine Haarsträhne fiel ihr ins Gesicht. „Ich will einfach nur in Ruhe gelassen werden!“

Die Wildheit ihrer Reaktion ließ mich unmissverständlich erkennen, dass mit Selena etwas nicht stimmte. Tief in ihren Inneren wütete ein heftiger Schmerz. Ihr war etwas angetan worden, worüber sie um nichts in der Welt sprechen wollte.

„Verdammt, Selena“, sagte ich eindringlich. „Sie müssen unbedingt etwas unternehmen. Was immer Ihnen widerfahren ist - es macht Sie fertig. Sie müssen mit jemandem darüber sprechen. Ihre Stimmung wirkt sich bereits auf Ihre Arbeit aus. Wenn Sie so weitermachen, werden Sie Ihren Job auch ohne fremdes Zutun verlieren.“

Meine Worte waren hart - aber ich hatte sie mit Bedacht gewählt. Selena mussten die Augen geöffnet werden. Es hatte keinen Sinn, es auf die sanfte Tour zu versuchen. Jemand musste ihr klar und deutlich vor Augen halten, was geschehen würde, wenn sie sich nicht änderte.

Aber leider erzielten meine Worte bei Selena eine ganz andere Wirkung, als ich beabsichtigt hatte. Mit stechendem Blick starrte sie mich an. Ihre Linke ruhte noch immer auf ihrem Oberarm, als hätte ich sie durch meine Berührung verwundet.

„Sie gehören also auch zu diesen Leuten, die sich gegen mich verschworen haben!“, rief sie voller Zorn und wich rückwärts von mir zurück. In ihren blauen Augen funkelte es zornig. Sie duckte sich, als erwartete sie, ich würde jeden Moment auf sie losgehen.

„Aber ich werde es euch zeigen - euch allen!“, rief sie mit einem aggressiven Unterton in der Stimme, der mir unwillkürlich eine Gänsehaut über den Rücken jagte. „Ich werde mich zu wehren wissen.“

Mit diesen Worten wandte sie sich ab und verließ den Präsentationsraum.

Krachend schlug die Tür hinter Selena zu. Ich war mit den Ausgrabungsschätzen wieder allein.

Besorgt ruhte mein Blick auf der Tür, durch die Selena soeben verschwunden war. Meine Kollegin hatte einen Nervenzusammenbruch erlitten. Sie war ausgerastet, obwohl eigentlich nichts vorgefallen war.

Empörung und Wut konnte ich deswegen aber nicht empfinden.

Im Gegenteil, Selena Franklin tat mir leid. Es war traurig, ansehen zu müssen, wie eine so intelligente, attraktive Frau plötzlich den Halt verlor und in einen Abgrund zu stürzen drohte.

Tief atmete ich durch und versuchte mein aufgewühltes Inneres wieder zu besänftigen.

Während meiner langjährigen Tätigkeit als Amulett-Forscherin hatte ich viele haarsträubende Dinge erlebt. Ich war Geistern und Ungeheuern begegnet und war in den Bann magischer Amulette geraten. Auch dem Tod hatte ich schon mehrmals ins Auge geblickt.

Aber noch nie zuvor hatte ich mich so beklommen und hilflos gefühlt, wie in diesem Augenblick. Mit Magie und übersinnlichen Phänomenen kannte ich mich aus, wie wohl kein zweiter. Doch im Angesicht der psychischen Probleme, die Selena fest in ihrem Griff zu haben schienen, fühlte ich mich machtlos.

Dabei hätte ich Selena so gern geholfen. Sie war eine wertvolle Kollegin und ein liebenswerter Mensch obendrein.

Doch davon war ihr nun nichts mehr anzumerken.

Resigniert ließ ich die Schultern hängen. Was könnte ich nur tun, um Selena zu helfen?

„Daniel“, flüsterte ich den Namen meines geliebten Mannes.

Er ist Arzt und Neurologe. Sicher weiß er, wie man Selena helfen könnte. Dieser Gedanke hatte etwas Tröstliches. Augenblicklich fühlte ich mich schon nicht mehr ganz so hilflos und niedergeschlagen. Ich musste sogar plötzlich schmunzeln und schüttelte den Kopf.