Brigid - Dirk Grosser - E-Book

Brigid E-Book

Dirk Grosser

0,0

Beschreibung

Möge die Flamme Brigids unsere Herzen erhellen, uns mit allem verbinden, was war, ist und sein wird, uns eintauchen lassen in die Seele der Welt, damit wir uns dort selbst inmitten unserer Brüder und Schwestern finden. Mögen wir die Flamme bewahren, allzeit das Gute nähren – und die Kraft in uns heilsam für das Leben einsetzen. Brigid, keltische Göttin und christliche Heilige, verkörpert auf einmalige Weise das Einssein mit der Natur und die Nächstenliebe. Das Licht Brigids in uns selbst zu entzünden und zu nähren, verbindet uns auf ganz neue Weise mit der Welt und all ihren Wesen. Jennie Appel und Dirk Grosser laden uns ein, die Spuren Brigids in unserer Welt zu entdecken, ihnen zu folgen und Hüter jenes Lichts zu werden, das für einen liebevollen und wertschätzenden Umgang mit uns selbst, mit anderen und mit den Schätzen unseres Planeten steht. Dazu verweben sie Mythen und Legenden um Brigid mit Übungen und Meditationen und vereinen weibliche und männliche Energien zu einem modernen Weg der Göttin. Dieser lässt uns ganz im Hier und Jetzt ankommen.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 199

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



JENNIE APPEL & DIRK GROSSER

Brigid

LEBE die

WEISHEIT einer

Heiligen, GÖTTIN

und Druidin

Über die Autoren

Jennie Appel arbeitet in ihrer Praxis Raum für Wachstum seit 2006 als ausgebildete psychologische Beraterin, initiierte Paqo und Schamanin. Sie nutzt dabei die Verbindung traditioneller Heilweisen und moderner psychologischer Methoden.

Bereits 1996 begannen Seminare und Ausbildungen bei wunderbaren Lehrern und mit intensiven Erfahrungen. Ihr Weg umfasst u. a. die Ausbildung am Shamanic Institute sowie zahlreiche Kurse bei der Foundation for Shamanic Studies, Sandra Ingerman, Dr. Alberto Villoldo und Philip Carr-Gomm (Order of Bards, Ovates and Druids). Daraus und aus den vielen Begegnungen mit Klienten und Seminarteilnehmern ist ein reicher Erfahrungsschatz entstanden, den sie heute dankbar und voller Herz u. a. in der Selbsterfahrungs- und Ausbildungsgruppe »Sacred Soul Journey« teilt.

Jennie Appel bietet Yoga und Schamanismus-Reisen an uralte Kraftorte in Irland an und nutzt die Kraft der Grünen Insel auch für Retreats, die sie gemeinsam mit Dirk Grosser anbietet.

Weitere Informationen über sie, ihre Arbeit, ihre Vorträge und Seminare findest du unter: www.jennie-appel.de

Dirk Grosser ist Autor, Musiker und Seminarleiter, liebt lange Spaziergänge, Hunde, Wälder, Berge und das Meer. Er verfügt über langjährige Erfahrung in den mystischen Zweigen der Weltreligionen und den entsprechenden Meditationstraditionen. In diesem Rahmen hat er zahlreiche Bücher und CDs veröffentlicht. Zudem berät er Menschen in spirituellen Krisen, denen er zu einem neuen Blick auf ihren ganz eigenen Weg verhilft. Beeinflusst ist er vor allem von der Philosophie der Antike, der Naturmystik Thoreaus und Emersons, dem frühen Taoismus, Meditation, einem unkonventionellen Zugang zum Buddhismus, der keltischen Weltsicht und eigener Naturerfahrung.

Mehrere Jahre lang betreute er den Jugendbereich einer internationalen christlich-mystischen Meditationsgemeinschaft, arbeitete als Lektor in spirituellen Verlagen und spielte in verschiedenen Bands.

Er meditiert regelmäßig, aber traditionsungebunden und hat in dieser Praxis schon einige Höhen und Tiefen kennengelernt – darunter auch Tiefen, die sich im Nachhinein als Höhen entpuppten und umgekehrt.

Er ist Vater zweier Töchter und lebt mit seiner Frau Jennie Appel im schönen Kalletal.

Weitere Informationen über ihn, seine Arbeit, seine Vorträge und Seminare findest du unter: www.dirk-grosser.de

Die Ratschläge in diesem Buch sind sorgfältig erwogen und geprüft. Sie bieten jedoch keinen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat, sondern dienen der Begleitung und der Anregung der Selbstheilungskräfte. Alle Angaben in diesem Buch erfolgen daher ohne Gewährleistung oder Garantie seitens der Autoren oder des Verlages. Eine Haftung der Autoren bzw. des Verlages und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist daher ausgeschlossen. Soweit nicht anders angegeben, sind alle Zitate aus englischsprachigen Büchern von den Autoren übersetzt worden.

Dieses Buch enthält Verweise zu Webseiten, auf deren Inhalte der Verlag keinen Einfluss hat. Für diese Inhalte wird seitens des Verlags keine Gewähr übernommen. Für die Inhalte der verlinkten Seiten ist stets der jeweilige Anbieter oder Betreiber der Seiten verantwortlich.

ISBN 978-3-8434-6350-8

Jennie Appel & Dirk Grosser: Brigid Lebe die Weisheit einer Göttin, Heiligen und Druidin © 2016 Schirner Verlag, Darmstadt

Umschlag: Simone Fleck, Schirner, unter Verwendung von # 197441450 (© Subbotina Anna), # 351415424 (© Yulia Buchatskaya ), # 237866659 (© Seamartini Graphics), www.shutterstock.com Lektorat: Claudia Simon, Schirner Print-Layout: Simone Fleck, Schirner Gesetzt aus der Arimo (© Ascenderfonts.com) unter der Apache-Lizenz 2.0: www.apache.org/licenses/LICENSE-2.0 E-Book-Erstellung: HSB T&M, Altenmünster, Germany

www.schirner.com

1. E-Book-Auflage 2017

Oh Brigid,

mögest du deinen

hellen Mantel über diese Welt

ausbreiten und alles

Leben auf Erden beschützen

Inhalt

Über die Autoren

Vorwort

Einleitung

Brigids Mantel

ÜBUNG: Unter Brigids Mantel friedvoll Platz nehmen

Die keltische Welt

Die vielen Gesichter Brigids

Die Göttin Brigid

ÜBUNG: Brigid begegnen

Brigid – Göttin der Heilkraft und der heilenden Quellen

Brigid – Göttin der Dichter und Poeten, Göttin der Schmiedekunst

Brigid – Göttin der Fruchtbarkeit und der Hebammen

Brigid – Göttin von Heim und Herd

ÜBUNG: Segensritual

ÜBUNG: Angenommen werden

Alte Überlieferungen zu Brigid

Christliche Überlieferungen

ÜBUNG: Türschwellenritual

ÜBUNG: Heilige Orte – heilige Zeiten

ÜBUNG: Brigid um Beistand bitten

Das Mysterium be-greifen

Alte Wege erkunden – unsere Ahnen kennenlernen

Brigids Speisekammer und Flora & Fauna

Die Landschaft und die Göttin

Die Stadt Kildare heute

St. Brigid’s Cathedral

Brigidine Sisters – Schwestern Brigids

Das irische Hochkreuz und Brigids Kreuz

ÜBUNG: Ein Brigid-Kreuz basteln

St. Brigid’s Well und die Prayer Stones

St. Brigid’s Wayside Well

Die ewige Flamme in uns entzünden

ÜBUNG: Dein Feuer entfachen

ÜBUNG: Was inspiriert dich?

Eine Welt, die uns braucht

ÜBUNG: Einen Schrein oder Altar errichten

Imbolc – das Fest des Lichts

ÜBUNG: Dein Ritual

ÜBUNG: Ritual unserer Ahnen

Als Frau den Weg der Göttin gehen

ÜBUNG: Alltag trifft Anderswelt

Als Mann den Weg der Göttin gehen

Die Pilgerreise des Lebens

ÜBUNG: Mit Brigid wandern

Die alles durchdringende Kraft des Heiligen

Das, worum es wirklich geht: Liebe

ÜBUNG: Unser Herz für die Welt öffnen

Anam Cara …

Schlusswort

Danksagung

Literaturempfehlungen

Bildnachweis

Vorwort

Grüne Hügel, sacht wogendes Gras, vereinzelte Felsbrocken, kleine Steinmauern und Schafe, ein wenig Ginster hier und dort, die eine oder andere Klosterruine, dazu Möwengeschrei, das vom Meereswind herangetragen wird, und vor allem eine Weite, in der das Herz atmen kann … In dieser ganz eigenen Welt, die man auch heute noch in vielen Ecken Irlands, Schottlands, Englands, Wales und der Bretagne entdecken kann, sind die Spuren Brigids – zugleich heidnische Göttin und christliche Heilige – allseits gegenwärtig.

Eine ungewöhnliche Mischung zweier spiritueller Ansätze, die so gar nicht zusammenzugehören scheinen und doch wahrhaft eins sind. Betrachten wir diese spannende Frauenfigur ganz losgelöst von irgendwelchen Glaubenssystemen, die dieses oder jenes Bekenntnis von uns fordern, wird die Sache jedoch einfacher: Natur und Mitgefühl; die verschiedenen Wesen der Welt und die sie alle umfassende Liebe; Fruchtbarkeit, Leben, Geburt, Tod und Wiedergeburt; Licht, Schatten und Erneuerung; das Feuer, die Wärme, die Inspiration und der menschliche Geist; Erde und Himmel, Göttin und Gott – wie könnte all dies nicht eins sein?!

Brigid ist Sinnbild der Verbindung, der Verknüpfung und Vernetzung zweier großer Stränge menschlicher Weisheitslehren: zum einen der paganen Verehrung der Natur, in der sich Menschen mit Wäldern, Bergen, Meeren und allem, was dort lebt, als eine Familie fühlen, und zum anderen der keltisch-christlichen Tradition der Nächstenliebe, der kontemplativen wie praktischen Hinwendung zu allen Brüdern und Schwestern dieser Schöpfung.

Brigid ist die Flamme, die diese beiden Wege, die vielleicht erst nebeneinanderher laufen und dann letztlich zu einem Weg werden, erhellt. Mit ihrer Hilfe können wir die zwei Aspekte unserer Wurzeln bewässern, denn auch in uns sind sowohl heidnische als auch christliche Vorstellungen lebendig. Wenn wir aus beiden Aspekten heraus genährt werden, können in uns die Samen von Liebe, Versöhnung und echter Teilhabe gedeihen. Dann entdecken wir Brigids Spuren nicht nur in den traditionell keltischen Ländern, sondern überall – vor allem aber in unserer eigenen Seele.

Die Göttin und Heilige, um die es sich in diesem genannten Sinne dreht, hat zahlreiche Namen mit mindestens ebenso vielen Schreibweisen und Aussprachen. Die Iren kennen sie als Brigid, Bride oder Breed, im britannischen Raum kannte man sie als Brigantia, in Wales nannte man sie Ffraid, für die Gallier war sie Brigindo oder Minerva Belisima, und man kannte sie ebenfalls unter den Namen Brigit, Brigida, Bhrighde, Brida, Brigh, Brid, Brittania, Brighandu, Brigindu, Briga, Breeshey und anderen. In diesem Buch wird zumeist die irisch-gälische Version Brigid verwendet – was weder eine Wertung darstellen noch eine Tradition über die andere erheben soll, sondern einzig der besseren Lesbarkeit dient. Letztendlich wird weder die »korrekte« Schreibweise noch die wohl intonierte Aussprache etwas an dem ändern, wer Brigid war und bis heute ist. Ihre Energie schwingt in all diesen Namen kraftvoll mit, ganz gleich, welcher Version wir den Vorzug geben.

Manchen Theorien zufolge geht der Name Brigid auf das gälische Wort breo-aigit zurück, das »feuriger Pfeil« meint, und/oder das altirische Wort brig, das »die Kraft der Kunstfertigkeit« bedeutet und in sich Macht, Stärke, Lebenskraft, Wert, Tugend und Autorität vereint. Das walisische bri kann man in etwa mit »verehrt und angesehen« übersetzen. All diese Wortbedeutungen hallen in den Namen dieser Heiligen, Göttin und großen Druidin wider. Brigid ist eine Lichtbringerin – in jedem möglichen und denkbaren Sinne.

Sicher kann kein Buch, egal welchen Umfangs, die Facetten der Göttin und der Heiligen in all ihrer komplexen Tiefe und Bedeutung erfassen. Zu zahlreich sind die übermittelten Geschichten, zu verschiedenen sind die persönlichen Zugänge all derer, die sich mit dieser Figur befasst haben. Das vorliegende Buch nähert sich Brigid sowohl historisch auf einer (sofern möglich) objektiven Ebene als auch auf meditative und recht subjektive Art und Weise. So wird einerseits vieles dessen vermittelt, was über sie bekannt ist, andererseits aber auch ein starker Fokus darauf gerichtet, warum Brigid gerade in unserer heutigen Zeit eine wichtige Kraft verkörpert und somit ein Sinnbild für eine innere Haltung zur Verfügung stellt, die einen Wandel in der Welt initiieren könnte. Zudem finden sich im Buch zahlreiche Gedichte und Segenswünsche, da man bei poetischen Textformen oft Dinge zwischen den Zeilen entdecken kann, die ganz persönlich zu einem zu sprechen scheinen und auf ganz individuelle Weise auf die Kraft Brigids bzw. die eigene Kraft hindeuten.

Des Weiteren werden Übungen vorgestellt, die dazu dienen, sich mit dieser Kraft zu verbinden und seinen Alltag davon unterstützt zu meistern. Diese Kombination ermöglicht es, den Geist mit Fakten und Mythologie zu »füttern« und gleichzeitig die Seele mit achtsamen Übungen zu nähren. Wenn dieses Buch ein wenig dazu beitragen kann, das Wissen unserer Ahnen lebendig zu erhalten und Menschen zu inspirieren, diesen alten Traditionen auf ihre jeweils eigene, unnachahmliche Weise neues Leben einzuhauchen, erfüllt sich einer unserer großen Wünsche als Autoren.

Möge die Flamme Brigids unsere Herzen erhellen,

uns mit allem verbinden, was war, ist und sein wird,

uns eintauchen lassen in die Seele der Welt,

damit wir uns dort selbst inmitten unserer Brüder

und Schwestern finden.

Mögen wir die Flamme bewahren,

allzeit das Gute nähren – und die Kraft in uns

heilsam für das Leben einsetzen.

Jennie Appel & Dirk Grosser

Sommer 2016

Einleitung

Brigid gibt es offenbar zweimal – und in vielen Fällen scheint es so, als seien diese zwei Gestalten klar voneinander getrennt. Da ist zum einen die Göttin, die von den Kelten vorchristlicher Zeit verehrt wurde, und zum anderen die heilige Brigida von Kildare, Tochter eines heidnischen Königs und einer christlichen Piktin, die ob ihrer Mildtätigkeit und Güte bekannt wurde.

Man kann viele Geschichten erzählen, die entweder die Göttin oder die Heilige zum Inhalt haben. Doch dann gibt es auch Sagen, Berichte, Gedichte und Segenswünsche, in denen sich diese beiden Gestalten miteinander vermischen, in denen die heilige Brigida von Kildare wie die Fortführung der Göttin in einer anderen Gestalt wirkt. Manche Forscher bezweifeln sogar, dass Brigida von Kildare jemals existiert hat, und sehen sie nur als eine christianisierte Form der alten keltischen Göttin an. Obwohl die meisten Historiker die Existenz Brigidas von Kildare als gesichert betrachten, kann man der Theorie der Christianisierung einer Göttin doch Beachtung schenken. Schließlich wäre die Göttin nicht das Einzige, was das Christentum aus anderen Religionen übernommen hat, um leichter in dem jeweiligen Gebiet, auf dem es sich auszubreiten gedachte, Fuß zu fassen. Erinnern wir uns nur an das Datum des Weihnachtsfestes (eigentlich die Wintersonnenwende) oder den Brauch des Weihnachtsbaumes (den es auch schon beim heidnischen Julfest gab). Es ist also nicht völlig abwegig, dass die beliebte keltische Göttin in eine christliche Heilige »umfirmiert« wurde, um der Bevölkerung den Übergang ins Christentum zu ermöglichen oder zu erleichtern. Und dies kann sowohl aus einem gewissen Machtstreben seitens der Kirche hervorgegangen sein wie auch durchaus gut gemeint, auf dass der Kontakt zur Vergangenheit nicht gänzlich abgebrochen werde. Allerdings muss man in diesem Zusammenhang beachten, dass die frühe keltische Kirche wirklich nicht viel mit den Machtansprüchen der römisch-katholischen Kirche gemein hatte. (Das werden wir uns später im Buch noch genauer ansehen.)

Insofern kann es auch gut sein, dass diese Vermischung von der Bevölkerung selbst vorgenommen wurde bzw. sich ganz organisch ergeben hat. Vielleicht hatte die heilige Brigid auch einfach so viele Eigenschaften der Göttin an sich, dass die Menschen in ihr eine Manifestation dieser sahen, ohne Wert auf ideologische Vereinbarkeit zu legen.

Wie auch immer: Brigid erscheint in zwei Gestalten und ist dennoch eins. Mal erscheint sie in dieser, mal in jener Form – und oft ist es nicht klar zu definieren, wer nun in einem Gebet oder einem Segen gemeint ist bzw. angerufen wird.

Ob diese Unterscheidung wichtig ist, muss jeder selbst wissen. Vielleicht können wir uns aber auch kurz folgender Frage widmen: Wenn es um den Einklang mit der Schöpfung und um die Liebe zu allen Wesen geht, ist es dann von entscheidender Bedeutung, ob dieser Einklang und diese Liebe christlich oder heidnisch geprägt sind?

Natürlich, aus historischen Gründen (wenn man Götter denn als historisch betrachtet) erscheint es schlicht unmöglich, dass Brigid zugleich keltische Gottheit und christliche Heilige ist. Die keltischen Götter wurden in vorchristlicher Zeit verehrt und schließlich von christlichen Vorstellungen abgelöst, sodass diese Gleichzeitigkeit, die sich in Brigid offenbart, schwer verständlich ist. Zeit ist linear, sie läuft ab – und jemand, der zum Beispiel vor 4000 oder 5000 Jahren gelebt hat, kann nicht auch vor 1500 Jahren auf dieser Welt geweilt haben. Unser logisches Denken verbietet eine solche Sichtweise, die sich nicht um historische Glaubwürdigkeit schert.

Sowohl die Kelten der vorchristlichen Zeit als auch die Kelten des frühen Mittelalters hätten über unsere Ideen allerdings nur herzhaft gelacht. Für sie war es kein Problem, dass eine Person – zumal eine Göttin oder eine Heilige – Zeit und Raum transzendiert. Wie wir später noch sehen werden, gab es auch die Vorstellung, dass die heilige Brigid bei der Geburt Jesu anwesend war, obwohl natürlich jedermann wusste, dass die historische Brigida von Kildare von 451 bis 523 gelebt hatte.

Für den keltischen Geist ist jedoch alles miteinander verwoben. Alles durchdringt einander, umspielt sich gegenseitig und ist miteinander verknüpft. Die berühmten Knotenmuster der Kelten kann man durchaus als ein beredtes Beispiel dieser inneren Haltung verstehen.

Wenn uns selbst diese Haltung auch schwerfallen dürfte, können wir aber zumindest eines erkennen: Das, wofür sowohl die keltische Göttin Brigid als auch die heilige Brigida von Kildare stehen, das, was ihr jeweiliges Wesen ausdrückt, ist sich sehr ähnlich.

Als Göttin symbolisiert Brigid den weiblichen Aspekt der lebendigen Welt, die Fürsorge und das Bewahren der Schöpfung. Ihr geht es um den Einklang mit der Natur und ihren Rhythmen der Fruchtbarkeit, das Einssein mit Flüssen, Bergen und dem Wind, mit Sonne und Mond, mit Tieren und Pflanzen, wie es in den vorchristlichen Traditionen seit jeher gelebt wurde. Sich mit Brigid in ihrem Aspekt der Göttin zu beschäftigen, heißt, ganz in diese Welt, die uns umgibt, einzutauchen. Es bedeutet, am Leben in all seinen Formen teilzuhaben, sich selbst als Teil der Natur zu erkennen und sich im großen Ganzen aufgehoben zu fühlen. Wir können spüren, wie wir die Luft einatmen, die die Bäume und das Meer produzieren; wir können erleben, wie die Kraft der Erde durch unsere nackten Fußsohlen in unseren Körper strömt; wir können entdecken, welche Botschaften die Tiere, denen wir begegnen, für uns bereithalten; wir können in jedem Grashalm, in jedem Mammutbaum, in jedem sich freuenden Hund und im schimmernden Bronze der Blindschleiche das Heilige entdecken. Wenn wir uns mit all diesen Erfahrungen bewusst verbinden, spüren wir auch mehr und mehr unsere eigene Heiligkeit, unsere Zugehörigkeit zu einer Welt, deren einzelne Teile in einem unauflöslichen Knotenmuster miteinander verknüpft sind.

Befassen wir uns mit Brigid in ihrem Aspekt der christlichen Heiligen, können wir in ihr die Hinwendung zum Nächsten erblicken, die Liebe und die Hilfsbereitschaft, die das eigentliche Wesen der christlichen Religion ausmachen, das Brigida von Kildare so viel bedeutet hat. In ihrer Lebensweise können wir das Gleichnis vom barmherzigen Samariter in praktischer Aktion sehen und uns davon inspirieren lassen. Und ebenso können wir in ihr und mit ihr in allen Menschen das Antlitz Gottes erkennen.

Beide Aspekte Brigids helfen uns, unseren Blick auf die Einheit der Schöpfung und aller Wesen auszurichten. Vor allem die Lichtmetapher, mit der sowohl Göttin als auch Heilige assoziiert werden, verbindet diese Aspekte: Die Flamme der keltischen Göttin wärmt uns, sodass wir es wagen, uns zu öffnen, sie gibt uns Kraft, macht uns stark, sodass wir in Würde unseren Platz einnehmen können. Die Flamme der Heiligen erleuchtet uns, sodass wir unserer eigenen Weisheit vertrauen und diese auch in jedem anderen Wesen erkennen können.

Die Göttin Brigid ist auch eine Kriegerin, die uns den Mut gibt, uns für das einzusetzen, was uns am Herzen liegt, wie diese Anrufung des Clann Bridhe (»die Kinder Brigids«), einer Gemeinschaft von Menschen, die sich der Verehrung Brigids in all ihren Aspekten widmet, in wunderschöner Weise darstellt:

Gegrüßt sei Brigid!

Bewahrerin des Schmiedefeuers,

sie, die die Welt selbst aus Feuer formt,

sie, die den Funken der Leidenschaft in

den Poeten entfacht,

sie, die den Klan mit dem Ruf einer

Kriegerin führt,

sie, die die Braut der Inseln ist

und die uns im Kampf um Freiheit führt.

Gegrüßt sei Brigid!

Bewahrerin der Familie und des Herdfeuers,

sie, die die Barden inspiriert zu singen,

sie, die den Schmied dazu veranlasst,

seinen Hammer zu erheben,

sie, die ein Feuer entfacht über das ganze Land.1

Brigid inspiriert uns, unsere Talente zu nutzen, zu singen und »den Hammer zu erheben«, etwas von Wert zu schaffen, uns für das Gute zu engagieren. Sie ist die Bewahrerin des Feuers (unserer Lebenskraft, unserer Energie) und führt die Menschen an einem warmen Ort zusammen. Sie schenkt Geborgenheit, weiß aber auch, sich zu verteidigen und für die Freiheit zu kämpfen.

Der Autor Diarmuid O’Laoghaire spricht in seinem Gebet mehr den Aspekt Brigids als christliche Heilige an, wenn er schreibt:

Breite deinen Mantel aus, oh Brigid,

gälische Maria,

möge dein Schutz niemals misslingen.

Breite deinen Mantel über mich,

wo immer ich gehe, wo immer ich bin.

Bei schlechtem und bei schönem Wetter,

halte mich in deiner liebenden Obhut.

Bis ich ruhe und mein Weg beendet ist,

mit Gott und dir für immer und ewig.2

Auch hier wird der Schutz angesprochen, die Geborgenheit und Zugehörigkeit, ganz gleich, welche Umstände uns begegnen mögen. Gleichzeitig wird hier Brigid aber auch als Wegweiserin zu Gott verstanden, als Fürsprecherin und sichtbare (bzw. besonders ins Auge springende) Verbindung unserer Welt zum Göttlichen.

In beiden Aspekten hütet Brigid das Licht und schenkt es freigiebig jedem aufrichtigen Sucher, um ihn zu inspirieren und zu erleuchten. Dieses Licht Brigids finden wir zum einen im Licht der Natur, das an Imbolc (1. Februar) in die Welt zurückkehrt, um die Dunkelheit des Winters endgültig zu vertreiben, und zum anderen im Licht der ewigen Flamme, die Brigid zu Ehren fast 1000 Jahre brannte und 1993 von den Brigidine Sisters (»den Schwestern Brigids«) – einer weltweiten Gemeinschaft von Frauen, die sich dem Weg Brigids verschrieben haben – wieder entzündet wurde.

Dieses Licht der Kraft, der Inspiration und der grenzenlosen Liebe in sich selbst zu entdecken, es zu nähren und zu hüten, kann Männer wie Frauen auf ganz neue Weise mit der Welt und all ihren Wesen verbinden. Wir alle können Hüter dieser so wichtigen Flamme werden, die für einen neuen Umgang mit uns selbst, mit anderen und mit den Schätzen unseres Heimatplaneten steht.

In der Schönheit der Natur zeigt sich die alles durchdringende Kraft des Heiligen, des großen Ganzen. Im Leib der keltischen Göttin Brigid – in den Wäldern und Seen, auf den Feldern und in den silbernen Flüssen – ist auch die heilige Brigida von Kildare gegenwärtig. In der christlich motivierten Nächstenliebe und dem Weg der Heiligen, die sich den Armen und Schwachen zuwandte, sind ebenso die Kraft und die Fürsorge der heidnischen Göttin zu finden.

Wir alle sind eingeladen, die verschiedenen Fußspuren Brigids in unserer Welt zu entdecken und ihnen in unserer eigenen Geschwindigkeit zu folgen, um nach und nach ganz hier anzukommen: in einer Welt, in der die Natur und das Göttliche keine Widersprüche sind, sondern mit ganzem Herzen als identisch erfahren werden. Eine Welt, die unser Licht, unsere Kraft ebenso sehr braucht, wie wir die ihrigen.

1 Clann Bridhe, Book of Hours, zitiert in: Weichberger/McIntosh: Brigid’s Mantle, S. 5 (ausführliche bibliografische Angaben sind in den Literaturempfehlungen auf S. 211 zu finden).

2 Diarmuid O‘Laoghaire, zitiert in: Rita Minehan: Rekindling the flame, S. 49.

Brigids Mantel

Brigid ist pagan und christlich, sie ist Natur und Kultur. Sie ist mächtige Göttin und zugleich demütige (wenn auch nicht weniger kraftvolle) Nonne. Sie ist eine lebendige Verbindung zwischen den alten naturspirituellen Pfaden und den (neueren) Pfaden gläubiger Christen. Sie ist eine Brückenbauerin zwischen diesen Wegen und zeigt uns immer wieder, dass unter ihrem Mantel beide Traditionen ihren Platz finden und einnehmen dürfen. Dieses einfache Kleidungsstück, das oft im Mittelpunkt von Anrufungen und Gebeten rund um Brigid steht, ist ein starkes Sinnbild dafür, dass es auf dieser Welt Platz für alle Traditionen gibt und diese unter einem umfassenden Schutz stehen – sie können trotz aller Unterschiede nebeneinander existieren, wenngleich sich die Unterschiede deshalb nicht einfach auflösen. Der Mantel erschafft eine Brücke zwischen A und B (im Falle dieses Buches besonders zwischen der paganen und der christlich-keltischen Spiritualität), verlangt aber nicht, dass sich A in ein B verwandeln muss, wenn wir diese Brücke nutzen. Doch die Kommunikation zwischen den Traditionen wird leichter und ermöglicht es, einander zu verstehen und aufeinander zuzugehen. Es wird ein Dialog zwischen gleichberechtigten Partnern begonnen, die im jeweiligen Gegenüber die Ergänzung ihres eigenen Weges sehen können. Gerade in unserer derzeitigen weltpolitischen Lage, die leider viel zu oft von falsch verstandenen religiösen Vorstellungen in Bedrängnis gebracht wird, ist diese Dialogfähigkeit eine erstrebenswerte Qualität. Somit ist Brigids Mantel ein Sinnbild, das eine Wiederbelebung bzw. Erinnerung verdient.

In einer Überlieferung, die sich auf die christliche Brigida von Kildare bezieht, begegnen wir dem Mantel als Kleidungsstück, das einen heiligen Bezirk bemisst, ihn umfasst und schützt:

Einer alten Legende nach begab sich die christliche Brigid (und spätere Heilige) eines Tages zum König von Leinster und bat ihn um ein Stück Land, um dort ein Kloster bauen zu können. Der König antwortete sehr direkt und gedankenlos: »Du bekommst von mir so viel Land, wie du mit deinem Mantel bedecken kannst!« Zu seinem großen Erstaunen wuchs und wuchs der Mantel von Brigid, wurde immer größer und größer – bis er genau jenes Stück Land bedecken konnte, das Brigid zum Bau des Klosters benötigte.

Auch in paganen Legenden spielt der Mantel eine große Rolle, und es heißt darin, dass jener Mantel Segen und Heilkraft mit sich bringe. Noch heute sind Formulierungen wie »Ich wünsche dir, dass du allzeit unter dem Mantel der Brigid wandelst!«, »Möge dein Leben in Brigids schützendem Mantel geborgen sein!«, »Möge unsere Freundschaft von Brigids Mantel umhüllt werden!« oder »Möge eure Liebe von Brigids Mantel umarmt sein!« üblich, um die Kraft und den Segen sowie umfassenden Schutz für Freunde und geliebte Menschen zu erbitten.

Ein Mantel ist nicht starr, sondern weich und beweglich – so ganz anders als die sprichwörtlichen Schubladen, in die Dinge (oder Menschen, die wir kennenlernen) gesteckt werden oder eben nicht. Sein Stoff bietet Platz, ist umfassend, einladend und schützt vor rauen Witterungen. Ein Mantel umfängt und heißt willkommen. Unter den Mantel passen sowohl beide Aspekte Brigids als auch all die Menschen, die jeweils einem Aspekt den Vorzug geben. Brigid als Göttin lehnt die christlich geprägten Menschen ebenso wenig ab, wie die heilige Brigid die paganen Brüder und Schwestern ablehnt.

Brigids Mantel ist Ausdruck einer Fürsorge, die sich nicht darum schert, welchen Glaubens derjenige ist, der des Schutzes bedarf. Wir finden einfach als Menschen Obdach unter diesem Mantel und nicht als Christen, Juden, Moslems, Buddhisten oder Heiden. Wir versammeln uns dort als empfindungsfähige, lebendige Wesen, die miteinander in Verbindung stehen und niemals aus dieser Verbindung herausfallen können. Wir erinnern uns unseres gemeinsamen Ursprungs und des Lichts, das in uns allen gegenwärtig ist.

Ein altes traditionelles Gebet drückt diese Haltung sehr schön aus:

Brigid des Mantels, umfange uns,

Herrin der Lämmer, beschütze uns,

Bewahrerin des Herdfeuers, entfache uns.

Unter deinem Mantel lass uns versammeln,

und stelle unsere Erinnerung wieder her.

Mütter unserer Mutter, starke Urmütter,

weist unseren Händen mit euren die Richtung,

erinnert uns, wie wir das Herdfeuer

entfachen können.

Um sein Strahlen zu bewahren und die

Flamme zu erhalten.