Bußpredigt - Wolf Schreiner - E-Book

Bußpredigt E-Book

Wolf Schreiner

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Beschreibung

Allmächtiger! In einer kleinen niederbayerischen Gemeinde endet eine barmherzige Tat tödlich …

Baltasar Senner, katholischer Pfarrer und Spürnase mit göttlichem Beistand, wird von irdischen Sorgen geplagt: Der Dachstuhl der Gemeindekirche ist marode und der Klingelbeutel nur spärlich gefüllt. Hilfe naht in Gestalt eines alten Freundes, der die Pfarrgemeinde mit einem großzügigen Geldbetrag bedenkt. Doch die Freude über das himmlische Geschenk währt nur kurz, denn der Wohltäter wird tot auf einer Parkbank gefunden, in der Brust eine Art Eiszapfen aus Glas. Hochwürden sieht es als seine heilige Pflicht an, den Mord aufzuklären, und macht sich mit seinen Ermittlungen schnell Feinde …

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Buch

Baltasar Senner, katholischer Pfarrer und kriminalistische Spürnase mit göttlichem Beistand, wird von irdischen Sorgen geplagt. Als er nach den Kirchenglocken sieht, wird er um ein Haar von einem herabstürzenden Trägerbalken erschlagen. Der Dachstuhl des Gotteshauses ist marode und droht das Zeitliche zu segnen. Zu Baltasars Unmut ist die Pfarrkasse der kleinen Gemeinde im Bayerischen Wald nur spärlich gefüllt, und auch vom Bischof ist keine finanzielle Unterstützung zu erwarten. Hilfe naht überraschend in Gestalt eines alten Freundes: Sein Nachbar Anton Graf überreicht Baltasar großzügig einen Scheck über einen beachtlichen Geldbetrag. Doch die Freude über das segensreiche Geschenk währt nur kurz, denn der Wohltäter wird tot neben einer Parkbank gefunden – erstochen mit einer Art Eiszapfen aus Glas. Hochwürden sieht es als seine heilige Pflicht an, den Täter aufzuspüren. Aber mit seinen Ermittlungen macht er sich schnell Feinde …

Weitere Informationen zu Wolf Schreiner

sowie zu lieferbaren Titeln des Autors

finden Sie am Ende des Buches.

Wolf Schreiner

Bußpredigt

Ein Krimi

aus dem Bayerischen Wald

1. Auflage

Originalausgabe September 2013

Copyright © 2013 by Wilhelm Goldmann Verlag,

München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Umschlaggestaltung: UNO Werbeagentur, München

Umschlagfoto: Copyright © mauritius images /

D. & M. Sheldon; Getty Images / Frank Krahmer

Redaktion: Karin Ballauff

KS · Herstellung: Str.

Satz: IBV Satz- u. Datentechnik GmbH, Berlin

ISBN: 978-3-641-10028-5

www.goldmann-verlag.de

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1

Baltasar hörte – nichts. Es fehlte etwas, versteckt zwischen den Geräuschen, die sich von draußen durch die Mauern mühten und die Stille der Kirche infizierten. Er hätte nicht sagen können, was genau fehlte, aber etwas drängte an die Oberfläche seines Bewusstseins wie Sauerstoffperlen im Wasser. Das brachte sein inneres Gleichgewicht durcheinander, einem Kreisel gleich, der aus der Drehachse geraten war und nun torkelte und taumelte.

Er verteilte die Gesangbücher in den Bänken, entfernte Wachsflecken von den Messinghaltern, füllte Weihwasser nach. Dem Knurren seines Magens nach zu urteilen musste es längst Mittag sein. Im Pfarrheim erwarteten ihn die Reste vom Vortag, Kartoffelsuppe mit Speck und Zwiebeln, aufgewärmt, dazu eine Semmel, ebenfalls von gestern.

Wie spät es wohl sein mochte? Baltasar trug keine Armbanduhr, aus Prinzip nicht. Er ging in die Sakristei und schaltete das Radio an, bis eine Zeitansage kam.

Viertel nach zwölf.

Schlagartig wurde ihm bewusst, was fehlte: Die Kirchenglocke hatte um zwölf Uhr nicht geläutet. Baltasar ging zum Steuerkasten für das Geläut und überprüfte die Zeitschaltuhr. Alles war korrekt eingestellt, die Sicherungen in Ordnung. Erst im vergangenen Jahr hatte er die elektrische Anlage überprüfen lassen, obwohl die Handwerkerrechnungen ein schmerzliches Loch in die Gemeindekasse gerissen hatten. Die Einheimischen arbeiteten heutzutage auch nicht mehr für den Gotteslohn, selbst wenn sie fleißige Kirchgänger waren, wie die meisten hier im Ort. Nicht einmal ein Rabatt war drin gewesen.

Vielleicht war die Mechanik des Antriebs oder der Elektromotor kaputt. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als selbst nachzusehen. Die Tür zum Kirchturm stand offen. Hatte er vergessen, sie abzuschließen? Er konnte sich nicht erinnern, wann er den Turm zuletzt betreten hatte. Die Holztreppe knarrte unter seinen Füßen, als er an unverputzten Wänden vorbei nach oben stieg. Die Treppe endete in einem mit Brettern ausgelegten Zwischenstock. Eine Leiter führte zu einer Falttür in der Decke. Schmutzige Scheiben filterten mattes Licht, im Halbdunkel waren die Stufen fast nicht zu erkennen.

Baltasar ertastete mit den Füßen die Sprossen. In Zeitlupe hangelte er sich nach oben und drückte mit der Schulter gegen das Holz. Die Tür öffnete sich mit einem Quietschen, schwang nach oben auf und krachte gegen irgendetwas. Staub rieselte auf Baltasar herunter und vernebelte ihm die Sicht. Er hustete.

Das sind die Begleiterscheinungen, wenn man in einer kleinen Gemeinde im Bayerischen Wald seinen Dienst tut, dachte er, man muss selbst Hand anlegen. Für größere Ausgaben fehlte das Geld, die Diözese in Passau hielt ihre Angestellten kurz.

Er seufzte.

Die oberste Plattform des Kirchturms bestand aus einer unübersichtlichen Ansammlung von Balken, Bretterverschlägen und Metallgestängen. Der Boden war mit Taubendreck übersät. In der Mitte des Raumes hing die »Dicke Martha«, die Bronzeglocke, die schon etliche Jahrhunderte überstanden hatte und noch immer rein und hell klang. Das kleine Exemplar daneben, das aussah wie das Baby der großen, war das Totenglöckchen, es wurde nur zu Beerdigungen geläutet.

Baltasar untersuchte die Halterungen. Soweit er es als Laie beurteilen konnte, schien alles in Ordnung zu sein. Oder stand der eine Balken vielleicht etwas schief? Er befühlte die Zahnräder, kontrollierte die Stromleitungen, klopfte gegen den Elektromotor. Nichts tat sich.

Er ging hinüber zur anderen Seite der Plattform. Ein Geräusch ließ ihn hochfahren. Hatte sich da im Schatten etwas bewegt? Direkt vor ihm flog ein Vogel auf. Er zuckte zurück. Jetzt ließ er sich schon von kleinen Tieren erschrecken.

Auf der anderen Seite versperrten leere Bierkisten und einige zerbrochene Hocker den Weg. Es sah aus, als ob jemand hier oben ein Picknick veranstaltet hätte. Baltasar stieg über die Hindernisse und arbeitete sich bis zur Ecke vor. Plötzlich hörte er hinter sich ein Knacken. Als er sich umdrehen wollte, traf ihn ein Schlag auf den Kopf.

Das Letzte, was er spürte, war etwas Nasses, das über seine Schläfe lief. Das Letzte, was er hörte, war das Totenglöckchen. Das Letzte, was er dachte, war, wie hässlich die Glocke doch klang.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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