Bullet Catcher - Dan - Roxanne St. Claire - E-Book

Bullet Catcher - Dan E-Book

Roxanne St. Claire

4,8
8,99 €

oder
Beschreibung

Vierzehn Jahre ist es her, dass der ehemalige FBI-Agent Dan Gallagher den Drogenboss Ramón Jimenez hinter Gittern brachte. Damals verliebte Dan sich in Ramóns Freundin Maggie. Nun wird Ramón aus dem Gefängnis entlassen, und Dan fürchtet, er könnte an Maggie Rache nehmen wollen. Als er sie aufsucht, stellt er fest, dass sie einen Sohn hat, der Dan zum Verwechseln ähnlich sieht ...

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Seitenzahl: 451

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ROXANNE ST. CLAIRE

Bullet Catcher

Dan

Roman

Ins Deutsche übertragen von

Kristiana Dorn-Ruhl

Über dieses Buch

Es war der riskanteste Einsatz seines Lebens, und der Preis, den er zahlen musste, war unvorstellbar hoch: Als der Undercover-Agent Dan Gallagher in einer Nacht-und-Nebel-Aktion dem skrupellosen Mafiaboss Ramon Jimenez das Handwerk legte, brachte er damit nicht nur einen gesamten Drogenclan hinter Gitter. Er verriet auch die einzige Frau, die ihm je etwas bedeutet hatte. Die junge Maggie Varcek war Ramons Freundin, jedoch Hals über Kopf in Michael Scott verliebt – die Identität, die Dan für seinen Undercoverauftrag angenommen hatte. Um sich und Maggie zu schützen, musste Dan sein Cover zurücklassen, und Maggie glaubte fortan, ihre große Liebe sei bei der Razzia ums Leben gekommen. Nun, vierzehn Jahre später, soll Ramon aus dem Gefängnis entlassen werden. Dan fürchtet, dass der Gangster sich an seiner ehemaligen Freundin für ihren Verrat rächen könnte. Um sicherzustellen, dass es ihr gut geht, sucht der Bullet Catcher sie in ihrer neuen Heimat auf. Aber seine Welt kommt zum Stillstand, als er erfährt, dass Maggie einen Sohn hat – einen dreizehnjährigen Jungen namens Quinn, der Dan zum Verwechseln ähnlich sieht ... Doch ehe die beiden sich den Schatten ihrer Vergangenheit stellen können, wird Quinn entführt. Und es wird schnell klar, dass Jimenez vor nichts zurückschreckt, um seine Rechnung mit Dan und Maggie zu begleichen.

Für Dante

Ich werde die Erinnerungen an deine Zeit als Baby und kleiner Junge immer in meinem Herzen tragen.

Doch dein Erwachsenwerden erfüllt mich mit Ehrfurcht.

Es ist einfach toll, deine Mom zu sein.

Prolog

Das Universum schenkte ihnen Regen am Tag der Lieferung, einen ergiebigen Sommerregen, der von den Everglades über Miami hereinzog und die Durchfahrtstrassen der Stadt in lange, verschwommen orangerote Rutschbahnen verwandelte, einen Regen, in dem nichts und niemand mehr klar zu erkennen war.

Maggie zwinkerte einmal und gleich noch einmal, einerseits um sich gegen Unglück zu wappnen, andererseits um sich zu vergewissern, dass die verschleierte Sicht nichts mit ihren Augen zu tun hatte. Seit ihr Lourdes heute Nachmittag diesen albernen Glückskeks in die Hand gedrückt hatte, war sie ständig den Tränen nahe.

Sie schob ihre Fingerspitzen in die Vordertasche ihrer Jeans und fuhr mit einem Fingernagel über die Kante des kleinen Zettels, den sie mehrfach gefaltet hatte. Die Worte, die darauf standen, hatten sich tief in ihr Gedächtnis gebrannt.

»Jetzt, da Liebe in dir wächst, erblüht auch das Schöne.«

Wenn das Universum sprach, horchte Magdalena Varcek aufmerksam. Das hatte sie von ihrer Großmutter gelernt. Achte auf die Zeichen, die dir das Universum sendet, hätte Baba gesagt.

Dieses Zeichen war ziemlich unmissverständlich. Und es stand auch schon fest, was sie zu tun hatte. Sie musste heute Abend mit Michael reden. Er würde wissen, was zu tun war.

Mit geschlossenen Augen stellte sie sich vor, wie sein Gesicht aussehen würde, wenn sie es ihm sagte. Es war schön, an ihn zu denken; an seine warmen braunen Augen, in denen sie sich verlieren konnte, seinen wundervollen Mund, den kleinen Höcker auf seiner Nase, seine Küsse und seine Art, sie zu …

Sie sah auf und begegnete im Rückspiegel Ramons unerbittlichem Blick. Diese verschleierten venezolanischen Augen hatte sie einmal anziehend gefunden, und der spöttische Zug um seinen Mund war ihr verträumt vorgekommen. Auch jetzt wurde ihr noch ganz heiß, wenn sie ihren Freund ansah, allerdings aus ganz anderen Gründen. Wenn er wüsste, was sie in dem Schuppen hinter seinem Elternhaus mit Michael getan hatte, würde er ihn umbringen.

Und Ramons Vater würde sie umbringen.

Aber sie wollte noch nicht sterben, nicht im Alter von achtzehn, und schon gar nicht durch die Hand des abscheulichen El Viejo. Seit dem Tag, an dem Ramon sie nach Hause gebracht hatte wie eine Streunerkatze, hatte sein Vater nach Vorwänden gesucht, um sie wieder loszuwerden. Am Ende hatte sie bleiben dürfen, als unbezahlte Kinderfrau für die kleine Lourdes.

Vorn auf dem Beifahrersitz saß Carlos. Er trommelte rhythmisch mit den Fingern und wippte mit dem Kopf zu einem Lied, das er nur in seinem Kopf hören konnte. Seine wabbeligen Wangen bebten, während er schmatzend Kaugummi kaute. Wahrscheinlich hatte er sich noch eine Line Koks reingezogen, ehe sie aufgebrochen waren. Er sagte auf Spanisch etwas zu Ramon und warf einen Blick über die Schulter auf Maggie.

Ramon nahm das Telefon von der Konsole, und die roten Bremsleuchten des Wagens vor ihnen fielen auf das Klapperschlangentattoo auf seinem Unterarm. Auch das hatte sie einmal unglaublich sexy gefunden.

Er wählte und fragte dann: »Wo steckst du, Bruder?«

Da er Englisch sprach, musste Michael am anderen Ende sein. Viejo und Ramon ließen ihn nicht immer mitmachen, aber sie hatte ihm von dem Job heute Abend erzählt, und er war ziemlich gut darin, sich unauffällig dazuzugesellen. Ihr gefiel der Gedanke, dass er es tat, um sie zu sehen.

Vielleicht konnte sie ihm das Zeichen geben, wenn die anderen die Kisten abluden. Einen Armreif auf den anderen Arm zu schieben bedeutete: Komm in mein Zimmer. Zwei Armreife: Wir treffen uns im Schuppen. Drei: Folge mir, wenn ich aus dem Haus gehe. Meistens tat er das.

»Sie sind durch? Jetzt schon?« Ramon wandte sich zu Carlos und murmelte etwas.

Er nahm schlitternd die nächste Abfahrt, und das Wasser spritzte hinter seinen Reifen auf, während er durch das menschenleere Industriegebiet am Flughafen raste. Wenige Minuten später bog er auf den Parkplatz eines Lagerhauses ein. Im Regen war die Aufschrift kaum zu erkennen: AJ Cargo & Shipping.

»El Viejos Geheimversteck« wäre passender gewesen. Doch Alonso Jimenez war heute Abend nicht da. Normalerweise war er hier, doch irgendetwas an den stummen Blicken, die zwischen Ramon und Carlos hin und her gingen, verriet Maggie, dass es diesmal nicht so glatt lief wie sonst. Erst dieser Sturzregen, und dann hatte sich Juan Santiago auch noch den Magen an dem chinesischen Essen verdorben, dass sie bestellt hatten, sodass Ramon ausgeflippt war und Maggie an dessen Stelle mitgenommen hatte. Zumindest hatte sie durch das Essen die Nachricht vom Universum bekommen.

Sie berührte erneut den Zettel in ihrer Hosentasche und suchte den leeren Parkplatz nach Michaels Auto ab. Bis auf drei AJ-Cargo-Lkws, die für die Lieferung bereitstanden, war nichts zu sehen.

Michael würde zusammen mit einem vierten Truck kommen, der jede Minute eintreffen müsste. Die Männer, die ihn fuhren, würden Ramon und Carlos helfen, die Möbelkisten aus Caracas abzuladen, die Sofas und Sessel aus Maracaibo in Venezuela enthielten, vollgestopft mit Kokainpäckchen aus Kolumbien.

Ramon hatte sie in die ganze Sache eingeweiht, und sie hatte sofort Michael davon erzählt, so, wie sie ihm alles erzählte, was sie von Ramon erfuhr. Michael hatte bei diesen Geschäften wenig zu melden, war aber ziemlich ehrgeizig, und das fand sie toll an ihm, auch wenn es hier um Drogen ging.

Ach, sie fand einfach alles toll an ihm.

»Du bleibst hier im Auto sitzen, Maggie«, ordnete Ramon an und brachte den Automatikhebel in Rückfahrstellung.

Aber wie sollte sie dann zu Michael kommen? »Aber was, wenn …«

»Nichts wenn«, sagte er unwirsch. »Wenn Michael anruft und durchgibt, dass er auf dem Hialeah Drive ist, lässt du drei Mal das Fernlicht aufblinken.« Er tippte auf den Blinkerhebel hinter dem Lenkrad. »Einfach ziehen. Das kannst du doch? Oder bist du sogar dazu zu dumm?«

Sie funkelte ihn an.

»Wir gehen raus und öffnen die Laderampen. Du wartest.«

»Und wenn ihr fertig seid?« Ob sie dann mit Michael sprechen oder ihm das Zeichen geben könnte?

Rund hundert Meter von den Lkws und den Laderampen entfernt fuhr Ramon rückwärts an einen ramponierten Zaun heran, der diesen Parkplatz vom nächsten trennte.

»Dann sind wir fertig«, erwiderte Ramon. »Du steigst nicht aus diesem Wagen, ist das klar? Für den Fall, dass wir schnell abhauen müssen.«

»Was, wenn Viejo anruft und dich sprechen will? Soll ich dann aussteigen und Bescheid sagen?«

Ramon schüttelte nur den Kopf. »Das wird nicht passieren.«

Er stieß seine Tür auf, ebenso wie Carlos auf der Beifahrerseite, und beide stiegen aus, während Maggie hinter das Steuer kletterte. Der Motor lief noch, und die Scheibenwischer fuhren hin und her. Für einen Sekundenbruchteil war die Sicht klar, bis das Glas erneut von einer Wasserschicht bedeckt war. Quietsch, blop, quietsch, quietsch, blop, quietsch.

Ob ihr die Wischer mit dem Rhythmus eine versteckte Botschaft sandten? Baba würde sagen … Hör genau hin. Quietsch, blop, quietsch. Quietsch, blop, quietsch.

Mich…ael … Scott. Sag’s … ihm … heute. Wart’ … nicht … länger.

Sie ließ den Kopf zurücksinken und sah Ramon nach, der hinter dem Lagerhaus verschwand. Die Lüftung blies ihr das Haar aus dem Gesicht, während die Scheibenwischer rhythmisch ihren rätselhaften Code schlugen.

Mi…chael … Scott. Sag’s … ihm …

Als das Telefon summte, zuckte sie erschrocken zusammen. »Hallo?« Als Reaktion hörte sie nichts als ein kurzes Keuchen. »Michael?«

»Was zum Henker hast du da verloren, Maggie?«

»Juan ist krank. Er hat sich die Seele aus dem Leib gekotzt.«

Sie hörte, wie er leise fluchte. »Du solltest doch heute Abend mit Lourdes ins Kino gehen.«

Es war wundervoll, wie er immer ihre Pläne für den Tag im Kopf hatte. »Sie übernachtet bei einer Freundin, weil Ramon total ausgeflippt ist und herumgeschrien hat, dass er mich hier braucht. Aber jetzt kann ich ja –«

»Geh nicht in das Lagerhaus.«

»Nein. Ich soll hier nur drei Mal das Fernlicht aufleuchten lassen, wenn du auf dem Hialeah Drive bist. Ich werde nicht aus dem Auto aussteigen.« Seine Besorgnis rührte sie, und sie schmiegte sich enger an das Telefon, als würde sie ihn selbst im Arm halten. »Michael, ähm, hör mal. Können wir uns später sehen?« Die Stille am anderen Ende dauerte einen Augenblick zu lange. »Michael? Hast du mich gehört?«

»Du musst raus aus dem Wagen. Sofort. Du musst raus da, weg da.«

Irritiert runzelte sie die Stirn. »Warum?«

»Weil ich es sage. Du solltest heute Abend nicht hier sein.« Seine Stimme klang gepresst und jagte ihr Schauer über den Rücken. »Ich mein’s ernst. Verschwinde von da, so schnell wie möglich.«

In dem Moment hörte sie, wie ein Lkw auf den Parkplatz einbog. Zwischen zwei Wischerphasen erkannte sie das Logo von AJ Cargo. Die Lieferung war da.

Sie drehte sich im Sitz um und blickte die Straße entlang. »Bist du denn nicht hinter denen?«

Aber er war nicht mehr da. Die Verbindung war tot. Warum hatte er sie aufgefordert, abzuhauen?

Und warum hatte er nicht angerufen, sobald er auf dem Hialeah war? Sie mussten doch die Lagertore öffnen.

Sollte sie jetzt aufblinken? Wenn sie es nicht tat, würde Ramon sie umbringen. Wenn sie es tat, und das hier war nicht die Lieferung, würde El Viejo sie fertigmachen.

Sie legte ihre Finger um den Hebel und zog ein Mal, bis gelbes Licht auf den nassen Asphalt fiel. Nach ein paar Sekunden ließ sie los, und es wurde wieder dunkel. Sie schloss die Hand wieder um den Hebel, um erneut zu ziehen, da wurde unvermittelt die Fahrertür aufgerissen.

»Raus da!« Michael zerrte sie unsanft vom Sitz.

»Hey! Was machst du?«

Er hob sie hoch, als wäre sie eine Feder, und hielt sie an den Schultern ganz nah vor sich. Sie spürte seinen warmen Atem, doch seine Miene verriet, dass er außer sich war.

»Geh durch diesen Zaun und mach, dass du so schnell wie möglich von hier verschwindest.« Seine Augen funkelten.

»Michael, warum –«

»Mach einfach!«, befahl er. »Renn, so schnell du kannst. Bleib nicht stehen. Komm nicht zurück. Renn, Maggie. Renn.«

Er stieß sie weg. So aufgebracht hatte sie ihn noch nie gesehen.

Stolpernd blickte sie zu ihm zurück. »Michael! Ich muss dir –«

»Verdammt noch mal! Lauf jetzt!«

Sie stürzte sich auf ihn und packte ihn bei den Schultern. »Hör mir zu!«, schrie sie. »Ich muss dir etwas sagen –«

»Geh!« Er stieß sie in Richtung des Zauns, doch sie stemmte sich dagegen.

»Nein«, beharrte sie und nutzte einen Riss im Asphalt, um mit ihrem Sneaker darin Halt zu finden. »Nicht bevor du mir gesagt hast, was hier los ist.«

Er nahm sie wieder bei den Schultern und drückte so fest zu, als wollte er ihr die Knochen brechen. »Mach, dass du hier wegkommst. Mehr musst du nicht wissen.«

Die Scheinwerfer eines Fahrzeugs hinter ihnen erhellten sein Gesicht, und er drückte sie nach unten, hinter den Wagen.

»Michael, lass das. Warum tust du das?« Ihre Tränen vermischten sich mit dem Regen und brannten ihr in den Augen und auf den Wangen.

Plötzlich war der ganze Parkplatz von Autoscheinwerfern erhellt, und Michaels Augen blitzten auf, während er sie erneut Richtung Zaun stieß. Dann stürmte er ohne ein weiteres Wort davon.

Langsam, wie unter Schock, erhob sie sich und sah ihm nach, während er in vollem Tempo auf das Lagerhaus zurannte. Im Rennen streifte er seine Jacke ab und offenbarte eine zweite darunter, auf deren Rücken drei gelbe Buchstaben abgebildet waren …

FBI.

Oh Gott. Oh nein.

Er blieb stehen und drehte sich um, um in ihre Richtung zu sehen. Selbst aus dieser Entfernung und obwohl es Nacht war, konnte sie erkennen, dass er die Lippen bewegte. Er sagte etwas. Zu wem? Zu ihr? Aber was sagte er?

Dann war es mit einem Mal taghell, und ein Getöse brach los, als würde gleich alles in die Luft fliegen. Scheinwerfer tauchten den Parkplatz in gleißendes Licht. Maggie keuchte erschrocken auf und taumelte rückwärts.

Sie drehte sich rasch um und sprang durch eine Lücke im Zaun. Ihre Füße landeten platschend in Pfützen, und ihre Beine drohten fast unter ihr nachzugeben, während sie über Kies und Risse im Asphalt sprang. Wasser rann ihr über das Gesicht und in den Mund.

Dann krachte ein Schuss, und Stimmen drangen durch das Prasseln des Regens.

»FBI! Drogenbehörde! Raus aus dem Truck! Sie sind verhaftet!«

Vier, fünf, sechs weitere ohrenbetäubende Schüsse ertönten.

Maggie blieb keuchend stehen und presste sich die Hände gegen die Brust, auf ihre schmerzenden Lungen. Sie musste das sehen. Unbedingt. Sie fasste über sich und zog sich an dem Lattenzaun hoch, um durch den Regen auf das hell erleuchtete Chaos zu blicken.

Der Lkw war von Männern umzingelt, die ihre Waffen im Anschlag hielten. Einer von ihnen riss die Beifahrertür auf und zog Jorge heraus. Dann wurde Stephan vom Steuer weggezerrt. Immer mehr Männer strömten in das Lagerhaus. Im grellen Licht der Scheinwerfer konnte sie die großen gelben Lettern auf den schwarzen Jacken bestens erkennen.

Ihr war, als würde ihr jemand das Herz aus der Brust reißen, sodass ein riesiges schwarzes Loch übrig blieb. Michael hatte sie alle verraten. Er war Drogenfahnder, ein Bulle. Er hatte sie von Anfang an belogen.

Das nasse Haar klebte ihr im Gesicht, während sie sich mit berstenden Lungen am Zaun festklammerte und sich der bitteren Wahrheit ergab, die ebenso unerbittlich wie der Regen war.

Einer der Beamten stieß Jorge zu Boden, hielt ihm die Waffe an den Kopf und stellte einen Fuß auf ihn, um ihn festzunageln. Zwei weitere rannten zum Heck des Trucks, die Pistolen im Anschlag und schussbereit.

Dann kamen FBI-Beamte und Polizisten aus dem Lagerhaus, zusammen mit Carlos in Handschellen und Ramon, dem das nasse lange Haar ins Gesicht wehte, während er fluchend versuchte, sich loszureißen. Ein Krankenwagen mit Blaulicht kam auf den Parkplatz gerast, und die Sanitäter sprinteten sofort in das Lagerhaus.

Aber wo war Michael?

Wie erstarrt vor Entsetzen sah sie zu, wie sie eine Trage holten. Endlose Minuten verstrichen, ehe sie wieder herauskamen. Auf der Trage lag Michael. Als er an Ramon vorbeigeschoben wurde, der mit gefesselten Händen gegen die Gebäudewand trat, drehte der sich um und spuckte ihn an.

»Cabrón!« Scheißkerl.

Im Krankenwagen wurde ihm ein Laken über den Kopf gezogen.

Maggie schloss die Augen, ließ den Zaun los und fiel auf den nassen Boden. Ihr Magen begann sich zu drehen, doch die Übelkeit hatte nichts mit ihrem Zustand zu tun, über den sie sich inzwischen ziemlich sicher war.

Er hatte sie benutzt. Mit ihr gespielt. Er hatte sie hingehalten und sie glauben lassen, dass er sie liebte, während er sie in Wahrheit nur über ihren Freund ausgehorcht hatte. Die ganze Zeit über hatte er ihr vorgegaukelt, sie bedeute ihm etwas.

In Wahrheit war sie nichts weiter für ihn gewesen als ein Mittel, um an Ramon heranzukommen, und über Ramon an El Viejo.

Zum Glück war er tot. Andernfalls würde sie unweigerlich im Gefängnis enden, weil sie ihn dann nämlich selbst umgebracht hätte.

Ramon hatte recht. Er war ein Scheißkerl.

Sie griff in ihre Hosentasche und zog den Spruch heraus. Das Universum hatte also zu ihr gesprochen.

Dumme, dumme Magdalena. Hast dich mal wieder sauber aufs Kreuz legen lassen.

Sie knüllte den Zettel zu einem kleinen Ball zusammen, plötzlich von dem Bedürfnis erfasst, ihn zu Boden zu werfen und zu zerfetzen, so, wie sie es am liebsten mit Michael Scott getan hätte.

Doch dann hielt sie inne und legte in einem unvermittelten Impuls schützend die Hand darauf, als wollte sie das Schöne schützen, das in ihr wuchs.

Das war die wahre Bedeutung des Glückskeks-Spruches.

Sie stopfte den Zettel wieder in die Tasche und rannte um ihr Leben, genau wie das letzte Mal, als sie verraten worden war.

Nur dass sie diesmal nicht allein war.

1

Vierzehn Jahre später

Er wollte doch nur einen sauberen Abgang.

Doch bereits in dem Augenblick, als er aus der Zentrale der Bullet Catcher heraustrat, wusste Dan Gallagher, dass dieser Abgang alles andere als sauber werden würde.

An seinem Maserati lehnte ausgerechnet der Mensch, der ihn am wenigsten einfach so gehen lassen würde.

»Schleichst du dich etwa schon vorzeitig davon?«, fragte Max und verschränkte die Arme vor seiner breiten Brust. Sein Haar war immer noch schweißfeucht vom Football.

»Wenn ich mich hätte davonschleichen wollen, hätte ich die Hintertür genommen, Roper. Ich verschwinde auf dem gleichen Weg, auf dem ich gekommen bin.«

Max blickte Dan aus verengten Augen an. »Für immer?«

»Fürs Erste.«

»Sie hat dich kleingekriegt.«

Dan lachte. »Nein, aber wenn du nicht aus dem Weg gehst, fahr ich dich über den Haufen.« Er zog seinen Autoschlüssel heraus. »Ich muss zum Flughafen.«

»Nimm doch einen Bullet-Catcher-Jet.« Natürlich rührte sich Max nicht vom Fleck.

»Nein. Ich habe etwas Privates zu erledigen.«

Max neigte nur wortlos den Kopf zur Seite. In zwanzig Jahren hatte es nichts Privates gegeben, über das sie nicht gesprochen hätten.

»Sei so gut«, drängte Dan. »Ich komme sonst wirklich zu spät.«

»Hat sie dir alles gesagt?«, wollte Max wissen.

Dan blickte zu dem Fenster in der dritten Etage hoch, hinter dem Lucys Bibliothek, ihr Arbeitszimmer, lag. Wahrscheinlich war sie auf die hintere Terrasse gegangen, um mit den anderen zu feiern. Es waren glückliche Zeiten für ihre Firma – und für sie persönlich.

»Sie musste mir nichts sagen. Ihr leuchtendes Gesicht hat mir alles verraten. Und ich freue mich für sie.«

Max verzog skeptisch das Gesicht. »Du freust dich?«

»Wieso nicht?«, gab Dan zurück. »Glaubst du etwa, dass ich es einer Frau, mit der ich seit vielen Jahren arbeite und befreundet bin, nicht gönne, wenn sie …« Sich endlich aus dem emotionalen Gefängnis befreit hat, in dem sie sich viel zu lange gequält hatte? Er selbst hatte ihre Mauern nie durchdringen können, Jack Culver dagegen mit Leichtigkeit. »Ihr Glück gefunden hat?«, vollendete er den Satz.

»Gönnen und Glück in einem Atemzug?«

»Lass gut sein. Sie ist glücklich, und ich …« Bin endlich frei und kann etwas Neues beginnen. »Ich freue mich für sie. Wir sind eine große, glückliche Bullet-Catcher-Familie. Die beständig Zuwachs bekommt.« Auf Max’ Blick hin schüttelte er nur den Kopf. »Ehrlich, nicht gelogen.«

»Du machst dir was vor. Das ist eine besondere Form des Lügens. Du belügst dich selbst. Deine Gabe, die Wahrheit zu verbiegen, hat dir in zahllosen Undercover-Einsätzen geholfen, aber das hier ist was anderes, das hier ist das wahre Leben.«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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