Bullet Catcher - Wade - Roxanne St. Claire - E-Book

Bullet Catcher - Wade E-Book

Roxanne St. Claire

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Beschreibung

Bullet Catcher Wade Cordell soll die junge Vanessa Porter ausfindig machen. Doch diese ist ihrerseits auf der Suche nach ihrem besten Freund, der vor einem Monat spurlos verschwand. Sie schließt deshalb ein Abkommen mit dem attraktiven Bodyguard: Sie wird ihn begleiten, wenn er ihr hilft, ihren Freund zu finden. Aber damit fangen die Probleme für beide erst richtig an.

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Roxanne St. Claire

Bullet Catcher

Wade

Roman

Ins Deutsche übertragen von

Kristiana Dorn-Ruhl

Für Kern Walsh Zink, eine kluge Frau und liebevolle Schwester, die das Leben geliebt hat. Durch ihre Heirat wurde unsere Familie vollständig, und als sie von uns ging, hinterließ sie eine Leere in unseren Herzen.

Prolog

Charleston, South Carolina, 1978

»Wen haben wir denn da? Ist das nicht die hübscheste Verdächtige von ganz Charleston County?« Das Neonlicht zeichnete ungesunde, gelbliche Flecken auf die Wangen des Mannes, der soeben den Verhörraum betreten hatte.

Eileen Stafford straffte sich auf ihrem unbequemen Holzstuhl und erwiderte seinen Blick. »Wo ist mein Anwalt?«

»Der kommt schon noch, Süße. Der kommt. Was dagegen, wenn ich mich setze?« Er riss den zweiten Stuhl unter dem Tisch hervor, drehte ihn herum und schwang sein Bein rittlings über die Sitzfläche. »Sie wissen schon noch, wer ich bin, oder?«

Als könnte sie den Mann vergessen, der sie mit einer Taschenlampe geblendet, mit Handschellen gefesselt und sie vom Fahrersitz seines Streifenwagens aus niedergebrüllt hatte.

Sie blieb stumm. Alles, was Sie sagen, kann und wird vor Gericht gegen Sie verwendet werden.

»Wir haben uns neulich abends auf der Ashley Bridge getroffen.« Er hob seine dichten schwarzen Augenbrauen, bis sich tiefe Falten auf seiner Stirn bildeten, ein Ausdruck freundlichen Interesses.

Eileen funkelte ihn an. »Ja, Sie waren rein zufällig unterwegs, Ihr Partner und Sie, um nach Leuten Ausschau zu halten, die gerade von einem Tatort wegfahren.«

»Oh nein, Schätzchen, Sie wissen doch genau, wie das war. Jemand hat Sie weglaufen sehen und die Polizei gerufen. Und während wir Ihnen aus Charleston hinaus folgten, wurde Miss Sloanes Leiche gefunden.« Er hielt die Handflächen hoch, als wollte er sagen, so was passiere einem eben ständig, wenn man ein guter Polizist sei.

Dabei war er das genaue Gegenteil von einem guten Polizisten. Merkte er denn nicht, dass diese Geschichte fadenscheinig und von vorne bis hinten konstruiert war? Sie hatte den Mord beobachtet. Sie war Zeugin gewesen. Sie wusste, wer der Täter war. Und doch saß sie jetzt hier und schwitzte, weil sie seit Stunden auf einen Verteidiger wartete, der nicht kam. Sobald er da war, würde sie ihm erzählen, wer da geschossen hatte und wer die Pistole auf ihren Beifahrersitz gelegt hatte – die Pistole, die sie nie zuvor gesehen und niemals angerührt hatte.

Aber würde sie tatsächlich den Mut aufbringen, die Wahrheit zu sagen und sich mit dem mächtigsten Mann des County anzulegen? Der Gedanke verursachte ihr böses Bauchgrimmen.

»Warum haben Sie es getan, Miss Stafford?«

Sie biss sich auf die Lippe.

»›Miss‹ ist doch richtig, oder?« Haselnussbraune Augen senkten sich auf ihre Brüste. »Aber gewiss. Ich habe Sie schon bei Gericht gesehen. Sie sind ganz schön kokett. Immer offen und freundlich zu den Richtern und Anwälten. Sie sind Schreibkraft bei Gericht, nicht wahr? Genau wie die andere … die Verstorbene.«

»Deshalb bin ich auch klug genug, um zu wissen, dass ich ohne Anwalt kein Wort zu sagen brauche.«

Er stützte kichernd seine Ellbogen auf die Tischplatte und legte das Kinn in seine gekrümmten Hände. »Und klug genug, um zu wissen, dass das Rechtswesen in South Carolina nicht immer so funktioniert, wie es soll.«

Sie unterdrückte einen Schauder, versuchte ihre Angst vor ihm zu verbergen. »Ich werde nicht mit Ihnen reden, Officer.«

»Dann sollten Sie mir wenigstens zuhören … Leenie.«

Oh Gott – nur ein Mensch auf der Welt nannte sie so. Und das bedeutete ganz klar, dass das, was der Cop gleich sagen würde, eine Botschaft von ihm persönlich war.

»Gut zuhören, ja?« Bei seinem Blick schlug ihr das Herz wild gegen die Rippen. »Ich habe Ihnen einen Deal vorzuschlagen.«

»Einen Deal?« Welcher neue Albtraum wartete da auf sie? Der Mann, der ihr Glück zerstört hatte, indem er sie zu einer Entscheidung zwang, die sie bis an ihr Lebensende bereuen würde – dieser Mann war zu allem fähig. Er schreckte vor nichts zurück, nicht vor Lug und Trug, nicht vor Raub und – Grundgütiger! – auch nicht vor Mord.

»Es ist ganz einfach. Sie erzählen Ihrem Anwalt ganz genau, wie Sie Wanda getötet haben, wie Sie ihr in dieser Gasse aufgelauert haben, der Frau, die Ihnen den Rang als hübscheste Tippse des Gerichts streitig gemacht hat, und –«

»Ich habe niemandem aufgelauert –«

»– und dann sorgen wir dafür, dass Sie nicht auf den heißen Stuhl kommen.« Einer seiner dünnlippigen Mundwinkel hob sich leicht. »Sie wissen doch, was ich mit dem heißen Stuhl meine, nicht wahr, Leenie?«

»Seit neunzehnhundertzweiundsechzig ist in diesem Bundesstaat niemand mehr auf dem elektrischen Stuhl exekutiert worden.«

»Die Todesstrafe ist noch lange nicht abgeschafft in South Carolina, mein Häschen. Es kommt da ganz und gar« – er offenbarte gerade, schimmernde Zähne – »auf den Richter an.«

Eileen schloss die Augen. Sie hatte gewusst, dass so etwas kommen würde. Seit sie sich in der Philadelphia Alley hinter diese Mauer geduckt und verfolgt hatte, wie ihr Exliebhaber eine Kugel in Wanda Sloane jagte, wusste sie, dass Flucht zwecklos war, dass sie sich nie lange würde verstecken können. Nicht vor ihm.

»Es ist ein ganz einfacher Deal. Sie sagen dem Anwalt, was passiert ist, Leenie. Und als Gegenleistung …« Er zuckte die Achseln, als würde sich jede weitere Erklärung erübrigen.

»Sagen Sie schon«, beharrte sie in heiserem Ton. »Sprechen Sie es aus.«

Er beugte sich näher zu ihr. »Erklären Sie sich für schuldig … dann wird Ihrem Baby nichts passieren.«

Sie hatte es gewusst.

»Es ist gar nicht wahr, dass ich ein Baby habe.«

Diese Aussage war die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Denn sie hatte nicht ein Baby, sie hatte Drillinge. Aber das wusste er nicht. Niemand in Charleston wusste das.

»Sie haben ein Kind«, verbesserte er sie herablassend. »Klar, jetzt nicht mehr. Sie haben ja den armen kleinen Bastard verkauft. Aber mit Hilfe der richtigen Leute …« Er kramte ein Taschentuch heraus, schnäuzte sich die Nase und ließ den angefangenen Satz einen Augenblick im Raum stehen, ehe er fortfuhr: »… lässt sich jeder Mensch auf der Welt finden.«

Sie blickte ihn durchdringend an.

Er faltete das Tuch und stopfte es in eine Brusttasche. »Wissen Sie, Schätzchen, diese Schwarzmarktbabys sind oft nicht die Gesündesten. Es kommt immer wieder vor, dass sie plötzlich tot in ihrer kleinen Wiege liegen.«

Dieser verfluchte, verlogene Mörder. Würde er sein eigen Fleisch und Blut töten?

Natürlich würde er das. Er war zu allem fähig. Er kaufte Polizeibeamte wie diesen Schleimbolzen hier, Geschworene, Zeugen – wen immer er brauchte. Auch sie hatte er gekauft.

Aber er wusste nur, dass sie zur Entbindung in das Farmhaus am Sapphire Trail gegangen war. Dass sie an jenem Abend vor acht Monaten Drillinge zur Welt gebracht hatte, wusste niemand – außer der Hebamme, der Frau, die das Haus leitete, und einem der Adoptivelternpaare.

Drei hilflose winzige Mädchen waren an Fremde verkauft worden. Er wusste nur von einem, allerdings ahnte sie nicht, von welchem der drei. Eines der Babys konnte ihm zum Opfer fallen, es sei denn, sie …

»Akzeptieren Sie den Deal.« In seiner Stimme schwang Ungeduld. »Oder sie stirbt.«

Im Moment noch waren ihre Töchter in Sicherheit und wurden geliebt – und sie trugen ein Zeichen. Ob sie ihnen dieses Mal eines Tages erzählen würde, was ihre Mutter getan hatte und warum? Doch alles, worauf es jetzt ankam, war, dass sie am Leben blieben. Eileens Leben wäre ohne sie ohnehin wertlos.

»Also gut«, ergab sie sich.

Er stieß sich vom Tisch ab und schlenderte zur Tür, im Gesicht den Anflug eines überlegenen Grinsens. »Ich hatte schon gehört, dass Sie ein kluges Mädchen sind, Leenie. Das scheint ja wohl zu stimmen.« Er zog die Tür auf, und sie hörte, wie er sagte: »Die Verdächtige ist bereit, auf den Handel einzugehen.«

Eileen ließ den Kopf auf ihre Hände sinken. Vielleicht würden ihre Töchter ihr eines Tages verzeihen, dass sie sie an Fremde verkauft hatte. Und falls sie je herausfanden, wer sie zur Welt gebracht hatte, würden sie vielleicht auch verstehen, warum sie sich acht Monate nach ihrer Geburt für ein Verbrechen schuldig erklärte, das sie nicht begangen hatte.

1

Astor Cove, New York

The Hudson River Valley

Sommer 2008

»Ich nehme keinen Job mehr an, bei dem ich töten muss.« Wade Cordell schob den Vertrag über Lucy Sharpes Schreibtisch. Sein markiges Kinn und die stahlblauen Augen bildeten einen deutlichen Kontrast zu seinem weichen, gedehnten Südstaaten-Slang.

»Bullet Catcher töten nicht, Wade. Wir beschützen. Wenn es nicht anders geht und das Leben eines Klienten auf dem Spiel steht, tun wir natürlich, was getan werden muss. Und das tun wir besser als jeder andere Sicherheits- und Ermittlungsdienst der Welt.« Sie schob ihm das Blatt wieder hin und tippte mit einem ihrer roten Fingernägel auf die Stelle, an der er unterschreiben sollte. »Und genau deshalb möchte ich Sie künftig in meinem Team haben.«

»Nennen Sie es, wie Sie wollen, Ma’am, aber töten ist töten, und damit habe ich abgeschlossen.«

»Es ist nicht Mord, wenn es die Welt zu einem besseren, sichereren Ort macht und Tausende von Menschen von Ihren ganz besonderen Fähigkeiten profitieren.«

Er bewegte seinen muskulösen Körper und fixierte sie mit seinem Scharfschützenblick. »Als Soldat bei den Marines hatte ich überhaupt kein Problem damit, den Abzug zu ziehen, Lucy. Es war mein Job, es herrschte Krieg, es war richtig so. Aber dann …«

»Sonderaufträge der CIA sind genauso Krieg wie das, was Sie im Irak getan haben. Das wissen Sie.«

»So spricht eine Ex-Agentin.«

Sie quittierte seine Anspielung auf ihr früheres Leben mit einem Nicken. »Aber Sie arbeiten nicht für die CIA, sondern sind unabhängig. Und ich will Sie als Bullet Catcher engagieren – nicht weil Sie der beste Scharfschütze sind, den die Marines je hervorgebracht haben, sondern wegen Ihrer untrüglichen Instinkte.«

Er schnaubte leise. »Ja, die letzte Aktion war der reinste Geniestreich.«

»Sie haben getan, was getan werden musste. Ich habe mir die Details von jemand ganz oben schildern lassen. Sie mögen das Ganze für ein Desaster halten, doch –«

»Es war ein Desaster.«

»Man war sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Dass Sie anschließend keinen Auftrag mehr angenommen haben, kam allerdings weniger gut an. Mich wiederum« – sie nahm einen Stift, den sie ihm hinhielt – »hat das sehr gefreut.«

Er lehnte sich zurück und streckte seine langen Beine aus. »Ich würde schon gerne hin und wieder für Sie arbeiten, Luce. Rasch einspringen und danach wieder verschwinden, das wäre mir am liebsten. Ich möchte mich nicht … auf Dauer verpflichten.« Er schenkte ihr ein honigsüßes Lächeln. »Das ist der Jäger in mir.«

»Sie wollen als einsamer Cowboy den Schurken kaltmachen und dann in den Sonnenuntergang reiten«, erwiderte sie und entlockte ihm damit ein Lächeln. »Aber so einfach läuft das meistens nicht. Sie sollten sich an eine Organisation binden, und zwar an meine.«

Er stand auf und trat zum Fenster, um eine ganze Weile schweigend die grünen Hügel des Hudson River Valley zu betrachten. »Haben Sie Mörder auf Ihrer Gehaltsliste, Luce?«

»Wade, Sie sind kein Mörder. Sie sind ein außergewöhnlich guter Scharfschütze, ein exzellenter Jäger und besitzen dazu ein ausgeprägtes Pflichtbewusstsein. Eine Zeit lang haben Sie all diese Fähigkeiten genutzt, um die Welt von ein paar richtig bösen Halunken zu erlösen. Es war nicht das Richtige für Sie, und jetzt ist es Zeit, etwas Neues zu beginnen.« Sie tippte auf den Vertrag. »Werden Sie ein Bullet Catcher.«

»Ich war schon mal einer«, gab er zurück.

»Sie haben in den letzten fünf Monaten Sonderaufträge für uns erledigt, und Sie waren brillant. Aber jetzt wird es Zeit, dass Sie richtig dazugehören.«

Wade wandte sich wieder dem Panorama zu, zweifellos um nachzudenken und Für und Wider abzuwägen, so wie er das immer tat, ehe er eine Entscheidung traf.

»Die Klienten von Bullet Catcher sind meist ziemlich prominent«, sagte er schließlich.

»Nicht immer. Manche sind einfach nur ziemlich reich.«

»Ich nehme an, sie wollen genau wissen, wer sie beschützt.«

»Die Klienten erhalten keine Hintergrundinformationen über meine Leute, Wade. Und glauben Sie mir, kein Bullet Catcher könnte einen Heiligenschein tragen, mich eingeschlossen.«

Er wandte sich mit einem leichten Lächeln zu ihr um. »Aber gerade für diese Operation bräuchte es so etwas wie einen Engel, oder?«

»Und genau deshalb will ich Sie.« Lucy schwieg einen Augenblick, ehe sie fortfuhr: »Es ist ein eingeschworenes Team, das ich führe. Gemeinschaftssinn und Vertrauen sind die Basis unseres Erfolges, bei jedem Auftrag aufs Neue. Als Leiterin dieses Unternehmens gebe ich meinen fest angestellten Leuten immer den Vorzug vor freien Mitarbeitern.«

»Weil Sie freie Mitarbeiter nicht kontrollieren können.«

Exakt. »Ich will Sie in einem festen Arbeitsverhältnis, damit Sie sich mit voller Kraft auf Ihren Job und die Firma konzentrieren können. Sie werden einen hervorragenden Bullet Catcher abgeben und große Befriedigung aus der Arbeit ziehen.« Sie verschränkte die Arme und lehnte sich im Stuhl zurück. »Aber ich zwinge niemanden zu seinem Glück. Die Entscheidung liegt bei Ihnen.«

Er schlenderte langsam zum Schreibtisch zurück. »Ich brauche noch etwas mehr Zeit.«

»Wofür?«, gab sie provozierend zurück. »Um sich für das zu geißeln, was in Budapest passiert ist?«

»Ich habe einem Mann aus einem halben Meter Entfernung ins Gesicht geschossen, Lucy. Ich habe gesehen, wie ihm der Schädel geplatzt ist. Er hat mir in die Augen gesehen, als er starb.« Wade sank auf seinen Stuhl und ließ seine breiten Schultern hängen. »Es ist etwas ganz anderes, als wenn man aus anderthalb Kilometer Distanz mit Hilfe eines Zielfernrohrs schießt. Und ich schätze, Sie können mir nicht garantieren, dass ich als Personenschützer nie wieder schießen muss.«

»Ich möchte Sie nicht anlügen, Wade. Es kann passieren, dass Sie in Erfüllung Ihrer Pflicht jemanden töten müssen. Dennoch besteht Ihre Aufgabe hauptsächlich darin, Leben zu schützen und zu retten. Vielleicht müssen Sie auch einmal eine vermisste Person aufspüren – mit Ihrer feinen Spürnase, Ihrem scharfen Verstand und Ihrer ruhigen Hand sind Sie dafür bestens ausgerüstet. Mal ehrlich, was haben Sie eigentlich mit Ihrem Leben noch vor?«

Er hob eine seiner eindrucksvollen Schultern. »Das weiß ich noch nicht. Aber ich würde mir gerne Zeit nehmen, um es herauszufinden.«

»In Ordnung.« Enttäuscht schob sie den nicht unterschriebenen Vertrag zurück in Wades Akte, als ihr Blick auf die Unterlagen für den nächsten Termin fiel … Ja! Das war es. Sie zog die Mappe heraus und drückte sie an die Brust, während sie ihn ansah. »Diesen Fall hier wollte ich eigentlich Donovan Rush als ersten offiziellen Einsatz geben – ist eigentlich ein Kinderspiel.«

»Ein Auftrag, der so gemütlich ist, dass man dafür bezahlen sollte, ihn zu bekommen?«

»Exakt.« Sie reichte ihm die Akte. »Sozusagen mein Geschenk an Sie. Machen Sie sich ein paar schöne Tage im Paradies, während Sie eine Frau ausfindig machen.«

Schalk glitzerte in seinen blauen Augen wie Eiskristalle. »Dann stimmt es also, was Ihre Männer über Sie sagen.«

»Dass ich mitfühlend und verständnisvoll bin und die beste Chefin, die man sich vorstellen kann?«

Er lachte über ihren Sarkasmus. »Dass Sie das Manipulieren anderer zu einer Kunstform erhoben haben und Nein als Antwort grundsätzlich nicht akzeptieren.«

»Ach das. Aber ich manipuliere Sie gar nicht. Ich gebe Ihnen nur Zeit und einen wundervollen Ort zum Nachdenken und Planen. Und Sie können Ihre Smith & Wesson getrost im Halfter lassen. Das einzige Talent, das Sie hier brauchen, ist Ihr Charme«, fügte sie mit einem Augenzwinkern hinzu.

Wade öffnete die Akte und überflog die erste Seite. »Wer ist Vanessa Porter, und was hat sie verbrochen?«

»Ihr Verbrechen besteht einzig und allein darin, geboren und auf dem Schwarzmarkt adoptiert worden zu sein. Wir müssen sie finden.«

Er hob den Blick. »Ich dachte, dieser Fall war längst abgeschlossen, nachdem Adrien Fletcher Miranda Lang vor ein paar Monaten in Kalifornien aufgespürt hat. Ich bin damals in der Schlussphase als Verstärkung dazugestoßen. Dieser Sektenführer, der Miranda Lang das Leben zur Hölle gemacht hatte, ist dem FBI übergeben worden.«

»Ja, und Miranda ist mit Fletch nach South Carolina geflogen, um ihre leibliche Mutter kennenzulernen, die, wie Sie wissen, wegen Mordes im Gefängnis sitzt.«

Mit einem Nicken widmete er sich wieder der Akte. »Die Mutter braucht eine Knochenmarkspende, nicht wahr?«

»Korrekt. Aber Miranda ist keine geeignete Spenderin. Deshalb brauchen wir Vanessa.«

Fasziniert musterte er das Foto, das an die Akte geheftet war. »Wer ist das?«

»Das ist Mirandas Schwester. Eileen Stafford, die leibliche Mutter, hat irgendwann verraten, dass sie damals am Sapphire Trail Drillinge zur Welt gebracht hat. Miranda und Vanessa sind zwei ihrer drei Töchter.«

Wade betrachtete das Bild der Blondine im schicken Business-Outfit, die über die Wall Street eilte, ein Handy am Ohr, eine glänzende Aktentasche unter dem Arm und eine dieser angesagten schwarz gerandeten Brillen im Gesicht. Beim Überfliegen der Seiten erfuhr er, dass sie Anlageberaterin und Workaholic war und allein in Manhattan lebte.

»Ihre Männer in Kalifornien haben erzählt, dass Jack Culver diese Eileen Stafford für unschuldig hält.«

»JackgehörtnichtzumeinemTeam«,erwiderteLucykühl.»EristnureinPrivatdetektiv,derdieseErmittlungeninSachenEileenStaffordursprünglichangestoßenhat.DieFrageihrerSchuldistfürmichnichtvonBelang.«Nichts,wasdenEx-Bullet-CatcherJackCulveranging,warfürsievonBelang.»Ichhatteversprochen,VanessaPorterausfindigzumachen,unddasVersprechenhabeichgehalten.SiemachtzurzeiteineKreuzfahrtaufeinemGroßseglerderUtopiaCruiseLine,deraugenblicklichindenKleinenAntillenvorAnkerliegt.NächstesEtappenzielistSt.Kitts.IchbieteIhneneinpaarTageaufderInsel,einehübscheBlondine,dieSiedavonüberzeugensollen,ihreleiblicheMutterzubesuchen,undeineGelegenheit,darübernachzudenken,wasSiemitIhremLebenkünftiganfangenwollen.«

Er blickte noch einmal auf den Text, dann auf das Foto. »Wie viel Zeit habe ich?«

»Nicht viel. Stafford liegt im Koma, ihr Zustand verschlechtert sich laufend. Es wird höchste Zeit, eine geeignete Knochenmarkspenderin zu finden. Vanessa wird möglicherweise nicht einmal mehr ihre Karibikreise beenden können – was ein Problem sein könnte, da sie offenbar seit sechs Jahren zum ersten Mal Urlaub macht.«

»Was, wenn sie mir nicht glaubt? So ein Finanzgenie wird mit Sicherheit objektive Beweise fordern. Und was haben wir in der Hand?« Er zog ein Blatt aus der Akte. »Eine Liste der Kinder, die im Sommer 1977 in diesem Farmhaus geboren und verkauft wurden. Keine Geburtsurkunde? Keine offiziellen Dokumente?«

»Nein. Aber dafür haben wir etwas anderes.« Sie berührte sich am Nacken. »Sie müsste am Haaransatz eine kleine Tätowierung haben. Angeblich haben alle drei Mädchen bei der Geburt so ein Zeichen bekommen. Miranda hofft, dass man an ihr weiches Herz appellieren kann, sobald sie die Geschichte gehört hat.«

»Diese Wall-Street-Zockerin sieht nicht aus, als wäre irgendwas an ihr weich.«

»Solange Sie sie nicht gefunden haben, können Sie das gar nicht beurteilen.«

Er klappte die Akte zu und stand auf. »Also gut. Ich bin dabei. Sagen Sie Donovan, es tut mir leid, dass ich ihm diesen gemütlichen Job vor der Nase weggeschnappt habe, und danke für den bezahlten Urlaub.«

Lucy stand auf, um ihm die Hand zu schütteln. »Ich danke Ihnen, Wade. Sage wird unseren Jet bereitstellen lassen, um Sie da runterzufliegen. Sie wird Ihnen auch ein internationales Handy besorgen und ein Passwort für unser Ortungssystem, mit dem wir Sie jederzeit lokalisieren können. Sie kümmert sich außerdem um den Papierkram und eine weltweit gültige Leibwächterlizenz.«

Sein Lächeln verriet Skepsis. »Und ich dachte, ich muss meine Smith & Wesson nicht mehr in die Hand nehmen.«

Sie trat um den Schreibtisch herum und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. »Nur in extremen Situationen.«

»Genau die versuche ich zu meiden.«

Nachdem Wade gegangen war, las Lucy noch einmal den vertraulichen Bericht über die Operation in Budapest, den sie von der CIA bekommen hatte. Die Sache war tatsächlich vollkommen aus dem Ruder gelaufen, trotzdem hatte Wade Cordells Ruf dort nicht gelitten. Ebenso wenig hatte sie ihre Meinung über ihn dadurch geändert. Dieser Trip in die Karibik war eine fantastische Chance, ihm die Arbeit als Bullet Catcher schmackhaft zu machen. Danach würde er den Vertrag garantiert unterzeichnen, und alle wären glücklich und zufrieden.

Falls er wider Erwarten doch nicht unterschrieb, müsste sie eben weiter nach einem furchtlosen, intelligenten Mann und unvergleichlichen Scharfschützen für ihr Team suchen. Und Wade Cordell, ein Mann, den man nur respektieren und bewundern konnte, würde weiter versuchen, damit ins Reine zu kommen, dass sein größtes Talent das Töten war.

Vanessa Porter war nicht sein Typ.

Natürlich hatte Wade ebenso wie jeder andere Mann nichts gegen eine große, schlanke Blondine, zumal wenn sich ihr schwarzes Tanktop und die weißen Shorts an appetitliche Kurven schmiegten. Doch irgendetwas an ihr irritierte ihn gewaltig – und das sogar aus fünfzehn Meter Entfernung und im dichten Gedränge von Touristen, das sich in Port Zante zwischen ihnen ballte.

Die Hornbrille? Nichts als eine Masche. Ihr zackiger Schritt? Eine einzige Provokation. Der leichte Hüftschwung von links nach rechts, der alle männlichen Blicke auf sich zog? Nun, kurzum, er mochte Frauen nicht, die Aufmerksamkeit erregten. Ihre üppigen Brüste passten nicht in eine normale Männerhand, ihre Haare waren einfach viel zu lang und ungebändigt, und was war mit ihren Schenkeln? Sie berührten sich nicht ganz, und die kleine Lücke wirkte fast … wie eine Aufforderung.

Sie war durchaus sehr weiblich, aber irgendwie nicht richtig feminin. Er mochte Frauen, die wie zarte reife Pfirsiche waren, weich und frisch und duftend. Vanessa Porter war kein Pfirsich.

Sie war Pfirsichschnaps.

UndsiewarnichtimUrlaub.Umdaszuerkennen,brauchteerkeinezehnMinuten.SiehattemiteinemWassertaxivoneinemgroßenSegelschiffübergesetzt,daseinpaarhundertMeterweitervorAnkerlag,undplaudertekurzmiteinerälterenFrauineinemorangefarbenenhawaiianischenMuumuuundeinemalbernenSonnenhutindergleichenFarbe.DiebeidenunterhieltensichvermutlichüberdenPlanfürdenTag,vielleichteineShopping-Tour,eingemeinsamesMittagessen.DochdannrannteVanessaplötzlichmitLichtgeschwindigkeitdavonundließdieorangefarbeneFraumitleichtenttäuschterMienestehen.

Wade nahm ihre Verfolgung mit Leichtigkeit auf, konnte aber nicht umhin, ihr Tempo und ihre Wendigkeit zu bewundern.

Sie umkurvte Gruppen von Touristen, wich Straßenverkäufern aus, die ihre Waren auf der Strandpromenade feilboten, um sich zielstrebig in die verstopften Gassen von Basseterre zu stürzen. Wie eine Rakete schoss sie durch die Menschenmenge, mit klatschenden Flipflops, ohne Kamera oder Reiseführer, nur mit einer riesigen Handtasche über der Schulter. Ganz offensichtlich war das eine Frau mit einer Mission – und dabei ging es nicht darum, die Hauptstadt von St. Kitts zu besichtigen.

Was auch immer sie im Sinn hatte – ihre Pläne würde sie wohl bald ändern.

Er hatte vor, seine Botschaft so schnell und so deutlich wie möglich loszuwerden. Ziel ausfindig machen, Lage erfassen, Schuss abgeben, fertig.

Wenn er Glück hatte, würde sie allein mit dem Jet der Bullet Catcher nach South Carolina fliegen, und er könnte noch ein wenig die Tropen genießen, ohne Hemd, ohne Schuhe, ohne Probleme.

Während er sie durch Basseterre flitzen sah, verging ihm diese Fantasie allerdings rasch wieder. Alles an ihr war abweisend und verschlossen. Ihr zartes Kinn war trotzig nach vorne gereckt, ihr linker Arm umklammerte die Tasche wie einen Kampfschild, und ihre rechte Hand hatte sie wie zum Schutz in ihre Seite gepresst. Was konnte so verdammt wichtig sein?

Vielleicht war das aber auch nur der typische Gang einer New Yorkerin und verwunderte nur einen Mann, der fünfzig Meilen südlich von Alabama aufgewachsen war. Immerhin konnte er ihr ohne Probleme folgen, und allmählich regte sich Neugier in ihm. Wade hatte jahrelang Personen verfolgt und ein gutes Gespür dafür entwickelt, was jemand im Sinn hatte.

UndVanessaPorter,dreißigJahrealt,anderWallStreetaufderÜberholspur,dieseitsechsJahrenkeinenUrlaubmehrgemachthatteundalsVizepräsidentinundLeiterinderAbteilungFusionen&ÜbernahmenbeiRazorPartnersLLCeineViertelmillionDollarimJahrverdiente–Boninichteingerechnet–,hatteunzweifelhaftetwasziemlichDringendesimSinn.

Alle paar Minuten fischte sie ein Smartphone aus der Tasche und drehte es im Sonnenlicht, um leise murmelnd auf dem Bildschirm herumzutippen. Einmal, nur so zum Spaß, beschrieb er einen Kreisbogen um sie und hörte im Vorbeigehen »das Schlimmste aller schlimmen Wörter«, wie seine Mutter es genannt hätte, als ihr der kleine Computer in ihrer Hand den Dienst verweigerte.

Sie sah auf und hielt seinem Blick stand, länger als jedes Mädchen es in den Südstaaten getan hätte, wo wohlerzogene junge Frauen die Augen niederschlugen. Nachdem sie ihn kurz von oben bis unten gemustert hatte, stürmte sie weiter – ohne dem pittoresken Uhrturm einen Blick zu schenken, ohne den süßen Duft der Frangipani-Blüten zu genießen, der über der ganzen Insel hing, oder den Trauben barfüßiger Kinder, die an jeder Ecke bettelten, ein paar Münzen hinzuwerfen. Sie schoss an farbenfrohen Häuserfassaden vorbei über Kopfsteinpflaster und Asphalt, mit der Zielstrebigkeit einer Frau, die ganz genau wusste, wohin sie wollte – und warum.

Wade blieb ihr stets auf den Fersen und beobachtete, wie ihre Hüften von links nach rechts schaukelten, im Takt ihres Stechschritts.

Kurz hinter dem Uhrturm am »Circus«, dem zentralen Platz des Ortes, verlangsamte sie ihre Schritte und blickte über die geschäftige Kreuzung von Fort Street und Bank Street, ehe sie den Platz überquerte und das Ballahoo-Restaurant betrat. Draußen unter Sonnenschirmen saßen schon hier und da Mittagsgäste. Sie schlängelte sich zwischen den Tischen hindurch und ging zur Bar, wo sie sich auf einen Hocker setzte und erneut ihr Smartphone herausholte.

Wade tat es ihr nach, wobei er sich leise bei den Leuten entschuldigte, was sie mit Sicherheit nicht getan hatte. Er stellte sich neben sie an die Bar, in Hörweite, jedoch darauf bedacht, nicht aufzufallen.

Der Barkeeper legte eine Cocktailserviette vor sie auf die Theke. »Wie wär’s mit einem CSR mit Limonade? Das ist der berühmte weiße Rum von der …«

»Nein danke.« Sie schob etwas über die Bar. »Haben Sie diesen Mann in den letzten Wochen hier gesehen?«

Darauf war sie also aus. Sie suchte jemanden.

Der Barkeeper hob die Brauen, blickte kurz auf das Foto und wieder auf Vanessa. »Nein, tut mir leid.«

Wade sah, wie sie enttäuscht die Schultern sinken ließ. Sie schob ihm das Bild noch näher hin. »Sind Sie sicher?«

Das Lächeln des Mannes erlosch. »Ganz sicher. Und wenn Sie hier sitzen bleiben wollen, müssen Sie schon was bestellen.«

»Sind Sie wirklich absolut sicher?«

Der Barkeeper versetzte ihr einen finsteren Blick. Im Grunde hatte er das Foto kaum angesehen, und Wade hätte sich das Gleiche gefragt. Nur hätte er sich zunächst einmal bemüht, sich mit dem potenziellen Informanten anzufreunden – um dann eine verlässlichere Antwort zu bekommen.

»Hören Sie.« Sie beugte sich über die Theke und nahm die Hand des Barkeepers. »Ich weiß Bescheid über diesen Laden.«

Wade ließ die Augen über die Bambusbar und ihre elegante Klientel wandern. Was hatte es mit diesem Lokal auf sich?

Die schwarzen Augen des Mannes verengten sich. »Ich habe diesen Mann hier noch nie gesehen. Es tut mir leid«, sagte er und wandte ihr den Rücken zu.

Sie starrte ihn noch einen Augenblick lang an, ehe sie sich umdrehte, um die Gäste zu mustern. An einem Tisch mit vier jungen Männern, alle sonnengebräunt, vornehm, bekleidet mit dem üblichen Touristen-Outfit aus Baumwollhose, T-Shirt und Flipflops, blieb ihr Blick hängen. Einer der Männer sagte etwas, woraufhin alle lachten und sich mit ihren frostig angelaufenen Biergläsern zuprosteten.

Sie sah noch ein paar Sekunden lang zu, nahm dann ihre riesige Handtasche, ihr Telefon und ihr Foto und ging direkt auf den Tisch zu. Das Lachen erstarb und wich einem Ausdruck überraschten Interesses.

Wenn sie einen Kerl aufreißen wollte, dann war sie hier an der falschen Adresse. Dieses Grüppchen war zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um sich für eine Frau in kurzen Höschen und engem Top zu interessieren.

Wade ging zum anderen Ende des Tresens und lehnte sich an den letzten Barhocker. Er konnte nicht hören, was gesprochen wurde, hatte aber einen direkten Blick auf den Tisch.

Als Erstes wurde wieder das Foto gezeigt und von einem zum anderen weitergereicht. Die ersten drei schüttelten den Kopf, der Letzte gab beim Betrachten irgendeinen Kommentar ab, der die anderen zum Lachen brachte.

Vanessa zeigte nur ein knappes Lächeln, das ihre Ungeduld verriet. Sie bückte sich herunter und sagte etwas, wobei ihr Mund ebenso rasch ging wie vorhin ihre Füße. Was auch immer sie sagte, ließ die Männer aufmerken. Einer nickte, ein anderer legte ihr mitfühlend die Hand auf den Arm.

»Wie wär’s mit einem Drink?«

Wade riss sich von der Szene los und wandte sich dem älteren Mann zu, der neben ihn getreten war und Wohlstand und Selbstbewusstsein ausstrahlte.

»Es sei denn, du interessierst dich mehr für die Playboys an dem Tisch, den du die ganze Zeit beäugst«, fügte der Mann hinzu.

Sein Auftrag hatte ihn geradewegs in eine Schwulenbar geführt.

»Nein, danke«, wehrte er ab, doch der Fremde schob sich neben ihn auf den Barhocker, so nah, dass Wade den Arm wegnehmen musste.

»Auf Urlaub hier?«

»Geschäftlich.« Als Wade sich wegdrehte, bekam er gerade noch mit, wie einer der jungen Männer etwas auf eine Serviette schrieb, die er Vanessa reichte.

»Was machst du denn beruflich? Bist du Model? Den Körper hättest du dafür.«

Sie verabschiedete sich und huschte Richtung Ausgang.

»Tschuldigung.« Wade stieß sich von dem Barhocker ab und folgte ihr im Abstand von zwanzig Schritten. An der Tür blieb sie stehen, las noch einmal die Notiz auf der Serviette und knüllte sie dann zusammen, um sie auf einen noch nicht abgeräumten Tisch zu werfen.

Wade schnappte sich den Papierball in dem Moment, als eine größere Gruppe Touristen eintrat und ihm den Weg verstellte, während sie nach draußen über die Straße eilte und in ein Taxi stieg. Er faltete die Serviette auf.

Bartholomew Nine. Gideon Bones.

»Das ist nichts für dich.«

Wade drehte sich um und traf den Blick des Typs, der gerade versucht hatte, ihn aufzureißen.

»Wieso nicht?«

Der Mann legte den Kopf schief und warf ihm einen vielsagenden Blick zu. »Da sind zu viele Jungchen bei Bonesy’s. Keine echten Männer.«

Wade hielt die Serviette hoch. »Ist das auch eine Bar?«

Die Frage erntete ein Schnauben. »Ein Schwulenbordell ist das. Männer wie ich würden dort nie hingehen.« Mit verächtlichem Schulterzucken schritt er davon.

Wade stopfte die Serviette in seine Tasche, ging über die Straße zum Taxistand und nahm den ersten Wagen in der Reihe.

»Bartholomew Nine«, sagte er.

»In Monkey Hill?« Ein Paar schwarze Augen trafen seinen Blick im Rückspiegel. »Suchst du einen Kerl zum Poppen?«

»Eigentlich suche ich eine Frau.«

Der Fahrer schüttelte den Kopf und offenbarte eine große Lücke anstelle zweier Schneidezähne. »Nicht bei Bonesy’s. Für zwanzig Dollar fahr ich dich zu einer Frau.«

»Ich gebe dir fünfzig, wenn du mich zum Bartholomew Nine fährst und vor der Tür wartest.«

Der Fahrer schaltete den Taxameter aus. »Kein Problem, Mann. Aber eine Frau wirst du da nicht finden.«

Wade hatte das untrügliche Gefühl, es besser zu wissen. »Aber jetzt Beeilung, bitte.« Denn die Frau, die er dort finden würde, legte ein beachtliches Tempo vor.

2

Vanessa klopfte voller Ungeduld mit allem, was ihr zur Verfügung stand – mit den Füßen auf den abgetretenen Holzboden, mit den Fingern an den Oberschenkel und mit der Zunge an den Gaumen.

Wie lange würde sie wohl noch in diesem von Zigarren verqualmten Raum sitzen und auf »Madame Gideon« warten müssen? Seit zehn Minuten war sie schon hier, und abgesehen von dem gruseligen kleinen Typ, der ihr die Tür geöffnet hatte, hatte sie noch niemanden gesehen oder gehört. Dafür umso mehr gerochen: abgestandenen Zigarrenrauch, muffige Feuchtigkeit und eine Mülltonne ganz in der Nähe.

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