Bürgermeister Anna - Friedrich Wolf - E-Book
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Bürgermeister Anna E-Book

Wolf Friedrich

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Beschreibung

Willkommen im Jahr 1946, in einem kleinen deutschen Dorf, das von den Wirren des Krieges gezeichnet ist. Doch es gibt Hoffnung und Neubeginn: Anna Drews, eine resolute junge Frau von nur 23 Jahren, wird zur Bürgermeisterin gewählt. Die starke und entschlossene Frau stellt sich den Herausforderungen und Widrigkeiten des Dorflebens. Sie kämpft nicht nur gegen Vorurteile und Widerstände, sondern auch gegen Diebstahl und Brandstiftung. Ihre unerschütterliche Entschlossenheit und ihr kluger Verstand bringen sie und die Dorfbewohner immer wieder aus brenzligen Situationen. Zwischen widerspenstigen Männern, bornierten Bürokraten und den alltäglichen Sorgen der Dorfbewohner muss Anna beweisen, dass Frauen genauso fähig sind, wenn nicht sogar mehr, eine Gemeinschaft zu führen.

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Seitenzahl: 113

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Impressum

Friedrich Wolf

Bürgermeister Anna

Komödie

ISBN 978-3-68912-040-5 (E–Book)

Die Komödie ist von 1949 und wurde 1950 von der DEFA verfilmt.

Das Titelbild wurde mit der KI erstellt.

© 2024 EDITION digital®

Pekrul & Sohn GbR

Godern

Alte Dorfstraße 2 b

19065 Pinnow

Tel.: 03860 505788

E–Mail: verlag@edition–digital.de

Internet: http://www.edition-digital.de

Personen

anna drews, Bürgermeisterin, dreiundzwanzigjährig

mutter drews, ihre Mutter, fünfundvierzigjährig, Kleinbäuerin

grete, ihre Schwester, zwanzigjährig

jupp ucker, ihr Freund, Heimkehrer, fünfundzwanzigjährig

vater ucker, sein Vater, Kleinbauer, fünfundfünfzigjährig

mutter ucker, seine Mutter, fünfzigjährig

ursel,seine Schwester, Sekretärin, zweiundzwanzigjährig

ohm willem, Zimmermann, fünfundsechzigjährig

hans rapp, Neusiedler, Monteur, zwanzigjährig

mutter rapp, seine Mutter, fünfundvierzigjährig

resi,seine Schwester, neunzehnjährig

lehmkuhl,Großbauer, Altbürgermeister, fünfundfünfzigjährig

Mathias, gen. „menne“, sein Sohn, zweiundzwanzigjährig

haverkorn,Kleinbauer, fünfundfünfzigjährig

mutter haverkorn, seine Frau, fünfzigjährig

karl Knorpel, Kleinbauer, fünfzigjährig

knorr,Landrat, fünfunddreißigjährig

malzahn,Forstmeister, sechzigjährig

Ort: Ein Dorf in Deutschland

Zeit: 1946

Geschrieben 1950 in Lehnitz

Erstes Bild

Bürgermeisterstube im Dorf. An der Rückwand größerer Tisch des Bürgermeisters; rechts kleinerer Tisch, an dem die zweiundzwanzigjährige Sekretärin Ursel einige Eingänge aus Akten erledigt; links Tür nach außen. – Im Gespräch stehend drei ältere Bäuerinnen: Mutter Ucker, eine stämmige, draufgängerische Person, Mutter Drews, etwas müde und abgearbeitet, Mutter Rapp, fest und ruhig; alle drei sind zwischen fünfundvierzig und fünfzig Jahre alt.

mutter drews: Ob wir’s noch hinbringen heut im Herbst?

mutter ucker: Wenn man so fragt!

mutter drews: Wo die Männer drängen zum Drusch.

mutter ucker knurrig: Die Männer … wer hat denn, als sie herumkarriolten im Krieg, die Wirtschaft gehalten? Die können noch von Glück sagen, dass wir im Gemeinderat sind.

mutter drews: Ob wir uns nicht überheben mit dem Bau?

mutter rapp: Sollen sie mitheben! Sind schließlich zur Hälfte auch ihre Kinder.

mutter ucker: „Zur Hälfte“? Und ich sag: kaum der kleine Zeh! Was kümmert den Mann so ’n Wurm? Gemacht und fertig! Wer aber muss sich ’s Gehirn dann durchhecheln, wo Schuh und Strümpf hernehmen, wenn die kleinen Bälger im Schnee in Nachbardorfs Schule sollen?

mutter drews: Mein Gott, Marie, war doch nie anders; da beißt die Maus keinen Faden ab.

mutter ucker zornig: Wer beißt keinen Faden ab? Bist du ’ne Maus und schlupfst gleich ins Loch, wenn der Lehmkuhl, der fette Kater, mit den Augendeckeln klappert? Unser Dorf baut die Schule, und müsst der Hahn die Eier dazu legen, wie deine Anne sagt!

mutter rapp zu Ursel: Wo sie nur bleibt?

ursel: Ist zu Ohm Willem wegen dem Dach.

mutter ucker: Ist auch so ’n Lebepatriarch mit seinen fünfundsechzig Jährchen; tut’s grad wegen der Anne ihrer runden Arme und sauberen Larve.

mutter drews gekränkt: Ich hätt wohl ’ne scheeläugige Geis zur Welt bringen sollen? Was habt ihr sie denn zur Bürgermeisterin gemacht?

mutter rapp: Wer sagt denn was gegen deine Anne?

mutter drews mehr für sich: Dass sie so ’n Rappelkopp ist und stets mit dem Kopf durch die Wand will …

mutter rapp: Lass gut sein, Emma, so ’n Kopf brauchen wir hier.

Von links kommen eilig Anna, ein dreiundzwanzigjähriges resolutes, kräftiges Mädchen mit Mütze und Wetterjacke, und Ohm Willem, der Zimmermann, ein noch rüstiger Alter mit grau-weißem Schnauzbart in seinem Arbeitszeug.

annalebhaft: Also, Frauen, jetzt zwischen Getreide- und Kartoffelernte haben wir noch drei Wochen; da muss das Dach hinauf! Es wird doch, Ohm Willem?

ohm willem: Auf los geht’s los, wenn unser Bürgermeister es sagt.

anna: Sind die Balken geschnitten?

ohm willem: Geschnitten. Bloß – hau ihm auf den Kopp –, wer fährt sie ran?

mutter ucker: Der Lehmkuhl; ist Gemeindebeschluss.

ohm willem: Der Gemeindebeschluss ist gut, aber die Zustellung vom Landrat, für den Forstmeister Holz zu fahren, ist besser.

ursel: Die Zustellung kam eben. Gibt sie Anna.

mutter ucker: Natürlich, die großen Ochsen ziehen mal wieder am gleichen Strang, der Großbauer, der Forstmeister und der Landrat; da sind wir Gemeinderäte ein Dreck.

annazu Ursel: Wer von den Bauern hat noch Gespanne frei?

ursel: Die fahren jetzt alle in den Wald.

anna: Und Eures, Mutter Ucker?

mutter ucker etwas kleinlaut: Du weißt doch, wir schulden dem Lehmkuhl, weil er uns seine zweite Scheune geliehen hat, Vorspann und Handdienst und dazu noch acht Zentner Roggen; mein Alter fährt mir so schon übers Maul, weil ich im Gemeinderat bin.

anna: Dann muss der Trecker vom Lehmkuhl her!

ursel: Der spucke Funken und müsse in Reparatur, da letzte Woche beim Drusch zwanzig Zentner Korn verbrannt sind.

ohm willem: Der spuckt, wenn er spucken soll.

anna: Was heißt das?

ohm willem: Frag lieber nicht!

anna schaut ihn an, geht darüber hinweg: Frauen, wir haben den Schulbau begonnen, wir führen ihn durch, auch wenn dem einen dabei der Trecker spuckt – und dem andern vor dem Lehmkuhl die Knie weich werden.

ohm willem in seiner männlichen Ehre getroffen: Wem werden die Knie weich vor dem Großkotzer, dem Lehmochsen?

anna: Also, Frauen, nach Gemeindebeschluss hat jeder im Dorf am Neubau jetzt Hand- und Vorspanndienst zu leisten, jeder – Mann wie Weib!

mutter drews: Musst du wieder mit dem Kopf durch die Wand?

anna: Durch die Wand oder nicht, Mutter, hier geht’s um unsere Sach’; da darf keine Minute verloren sein.

mutter rapp: Los, zeigen wir’s den Männern!

mutter ucker: Bloß, wenn der Lehmkuhl den Trecker nicht stellt?

anna: Er wird ihn stellen, wenn ich’s ihm sage.

ohm willem: Willst wohl auch mit ihm schmusen?

annalächelnd: Vielleicht.

mutter drews vorwurfsvoll: Kind!

anna: Geh, Mutter! Geht zum Bau, ich komme nach!

Sie hat eine Akte genommen und schaut hinein, während die drei Frauen abrücken; Ohm Willem bleibt an der Tür stehn und macht sich in seinem Notizbuch zu schaffen.

ursel: Und was willst du machen, wenn …

annakurz aufbrausend: „Wenn“?! Wenn auch ihr zurückhuft?

ursel: So war’s nicht gemeint, Anne. Auf uns Junge kannst du zählen. Bloß – auch die Baugenehmigung ist noch nicht da.

anna: Weil das Kreisamt ein halbes Jahr auf unserm Gesuch sitzt, bis ein Kalkei daraus wird und unsre Kinder Großväter werden! Willst du so lange warten?

ursel: Ich geh ja schon.

Während Ursel hinausgeht, hat Anna sich an den größeren Tisch gesetzt und beginnt schnell die Eingänge durchzusehen.

ohm willem scheinbar sprunghaft aus seinen Gedanken: „Vielleicht“ … damit macht man’s sich leicht.

annaohne aufzusehen: Was ist?

ohm willem: Da hat mal ein Zimmermann ’nen Balken schief eingepasst, und statt ihn gleich rauszunehmen, den Schiefen, so lang dran rumgehobelt und geschobelt, bis er …

annaaufblickend: Na und?

ohm willem erregt: Wenn du mit dem Lehmochsen schmusen willst wegen dem Trecker, der tut nichts umsonst; gib ihm den kleinen Finger, und er nimmt die ganze Hand … Leib und Weib zum Zeitvertreib!

annaihn beobachtend: In der Not frisst der Teufel Fliegen und die Kuh Stacheldraht.

ohm willem bei ihr: Als ob du ’ne Kuh wärst, Anne! Wenn ich dich seh, möcht ich noch mal zwanzig sein, und – hau ihm auf den Kopp – du sollst dich nicht beklagen! Fühl man… Legt ihre Hand auf seinen Bizeps. Ist kein Pflaumenmus, was? Aber dieses Schnapsfass, der Lehmkuhl, dieser Blutegel, der uns allen an der Ader sitzt …

annazielend: Nun mach aber den Lehmkuhl nicht gar zu schlecht.

ohm willem: Ah, hat er dich auch im Garn? Darum halten auch alle dicht, wenn sein Trecker Feuer spuckt, das Korn zu verbrennen, das gar kein Korn ist.

anna: Jetzt glaub ich, Ohm Willem, du warst selbst bei dem Schnapsfass in Kur?

ohm willem heftig: Glaubst dem Ohm Willem nicht? Frag den Ucker Karl! Wie der Lehmkuhl letzte Woche nachts auf dem Feld seinen Roggen ausgedroschen hatte, ließ er das ganze Stroh verbrennen und schaffte den Roggen beiseite, dann hieß es, der Roggen sei durch Funkenflug verbrannt, und er, der Lehmkuhl, könne sein Ablieferungssoll nicht erfüllen.

anna: Das sagst du mir erst jetzt?

ohm willem: Hab’s ja selbst bloß läuten hören.

anna: Und die andern?

ohm willem: Die stehn doch alle bei dem Großkotzeten in Schuld, die hat er an der Gurgel. Leiser. Aber schau mal nach in seiner Scheune, da soll noch ein zweiter Trecker stehn, der nicht registriert ist, den die Wehrmacht zurückließ und den er … – mit Handbewegung – einfach plus gemacht.

anna: „Soll stehn, soll“! Und unsre Helden hier haben all nicht den Mut, ihm’s auf den Kopf zu sagen, weil sie bei ihm saufen und in der Kreide stecken?

ohm willem: Was? Nicht den Mut? Ich werd ihn – hau ihm auf den Kopp – wie ’n Ochsen vor den Trecker spannen, dass er selbst ihn aus der Scheune zieht! Will wütend hinaus.

anna: Halt! Keine Unruh jetzt, bis der Dachstuhl oben ist; darauf müssen wir alle Kraft werfen. Kann ich auf dich zählen, Ohm Willem?

ohm willem: Für dich, Anne, beiß ich mir ’nen Daumen ab!

anna lachend: Lass ihn dran!

Hans Rapp, der einundzwanzigjährige Fahrer des Treckers, ein noch etwas grüner, aber ehrlich enthusiastischer Bursche, schnell herein.

hans: Der Trecker arbeitet wieder, hab ’ne neue Düse eingesetzt, jetzt können wir damit bis zum Nordpol!

anna: Bist ein Prachtkerl, Hans!

hans: Soll ich die Balken ranfahren?

ohm willem: Moment! Weiß es der Lehmkuhl?

hans: Den frag ich gar nicht erst, sonst schickt er mich wieder ins Holz.

ohm willem: Stehst doch bei ihm im Dienst.

hans begeistert: Jetzt geht’s um was anderes! Dass wir was Neues bauen, nicht für einen, sondern fürs ganze Dorf, „unser Leuchtzeichen“, wie die Anna sagt. Was versteht denn so ’n alter Kracher davon?

ohm willem: So ’n „alter Kracher“ hat oft mehr Grütz’ im Kopf als ein unausgebrütet Ei!

Es kommt der Altbürgermeister und Großbauer Lehmkuhl, ein fünfundfünfzigjähriger, massiver, etwas asthmatischer Mensch; er tut stets so, als habe er „die Ruhe weg“.

lehmkuhl: Oha, alle Hummeln sitzen auf dem Honig? Zu Hans. Dir soll die Anne wohl den Trecker in Schuss bringen?

hans: Der rollt schon wieder.

lehmkuhl: Und spuckt Funken wie ’ne Lokomotive!

hans: Hat bei mir nie gespuckt.

lehmkuhl: Maul nicht! Verrußt war er bis zum Auspuff! Dacht, ich hab was Rechtes, und weiß so ’n Kerl, der beim Militär war, nicht mal mit ’ner Zugmaschine umzugehn.

hans: Ich war bloß ein Jahr bei der Infanterie.

lehmkuhl: Merkt man! Kinders, da mussten wir zu meiner Zeit anders ran, drei Jahre Kavallerie, da gab’s …– mit Geste – zochzoch mit den schweren Gurten was über, wenn das Lederzeug und der Gaul nicht blitzblank standen.

annasachlich: Aber jetzt fährt er wieder, der Trecker.

lehmkuhl: Ich sagt doch, er muss in Reparatur. Gegen Hans. Bist du noch nicht in der Werkstatt? Fünfzig Zentner Roggen sind mir im Schornstein durch deine verdreckte Maschine, jetzt komme ich mit meinem Soll in Druck, zum Teufel jagen könnt ich dich …

hans rot vor Zorn: Kann ich mal was sagen?

lehmkuhl: In die Fresse werd ich dir was geben!

ANNA ruhig: Hier nicht, Lehmkuhl.

lehmkuhl: ’ne Schande mit dem Neusiedlerpack!

hansvor ihm: Wer ist hier Pack?

annadazwischen: Geh zum Trecker, Hans, und wart, was man dir sagt!

Hans geht nur widerwillig ab.

anna: Auf dem Gemeindeamt, Lehmkuhl, lasst diesen Ton zu Hause!

lehmkuhl: Oho! Ich soll dem Jungen, der mir den Roggen hingemacht hat, wohl noch in den Arsch kriechen?

ohm willem: Du sollst dich vor der Bürgermeisterin anständig benehmen.

lehmkuhl: Pardon, vielleicht gibst du mir Unterricht?

ohm willem auf ihn zu: Kann geschehen.

anna ihn haltend: Ohm Willem, schau auf den Bauplatz, dass die Frauen fürs Dach alles richten!

ohm willem im Abgehen zu Lehmkuhl: Und überleg mal, ob der Roggen verbrannt ist oder bloß das Stroh?

lehmkuhl läuft rot an: Ich hab mal gehört, dass das Stroh im Hirn von ’nem alten Esel vor Weiberhitze verbrannt ist.

ohm willem: Und ich hab mal gesehn, wie ’n fetter Ochs – hau ihm auf den Kopp – ohn Hitz umgefallen ist.

annaihn hinausbugsierend: Die Balken zum Dachstuhl, hörst du?

Ohm Willem ab. – Kurzes Schweigen.

anna: An deiner Stelle, Lehmkuhl, würd ich mich nicht so aufregen, den Vorteil haben bloß die andern.

lehmkuhl: Weshalb?

anna: Siehst du, mein alter Chef in der Stadt hatte auch so ’n Kürbiskopf; dem traten ganz wie bei dir die Äderchen an den Schläfen hervor …

lehmkuhl geht links zum Spiegel: An den Schläfen?

anna: Und eines Tags regt er sich auf im Betrieb, fällt hin wie ein Klotz und ist weg.

lehmkuhl erschrocken: Tot?

Anna nickt.

lehmkuhl: Der Schlag? Wieder vor dem Spiegel, leiser. Die Äderchen … ich weiß, da steht im „Hausarzt“: Du sollst nicht trinken, nicht rauchen, nicht karessieren, nichts, nichts, nichts … dann leg ich mich doch gleich in den Sarg!

anna: Nun übertreib mal nicht.

lehmkuhl mit Nerven: Doch, Anne! Aber auch dafür ist gesorgt, kannst du mir glauben! Wehleidig. Alles muss der arme Kopf hier ja allein begrübeln. Da dacht ich mir, der Menne, mein Junge, nimmt’s mir ab; Käse ist’s! Schaut auf Anna, plötzlich. So ’n Schädel wie deiner müsst mir ins Haus, Anne, mit dem gehst du durch die dickste Wand!

anna: Mach’s halbwegs!

lehmkuhl: Doch, doch, ich sage oft: Eine Kraft hat die Anne in ihrem Kopf für zwei Männer; die wär für meinen Hof Gold!

anna zielend: Könnt dir auch nicht immer helfen.

lehmkuhl: Wieso?

anna: So bei einem Trecker und dem Funkenflug.

lehmkuhl: Richtig! Fünfzig Zentner Roggen zum Teufel! Die musst du mir abschreiben vom Soll … so ein Pech!

anna: Ja, so ein Pech. – Wer war noch dabei?

lehmkuhl: Der Vater Ucker und mein Sohn, der Mattes.

anna: Die müssen mit unterschreiben auf deiner Meldung.

lehmkuhl scherzhaft: Oho, willst den Altbürgermeister belehren?

anna: Und das Stroh ist mitverbrannt?

lehmkuhl: Was liegt am Stroh? Weil der Willem den Quatsch verzapft hat? Glaubst du mir oder dem alten Esel? Siehst du! Gott, wenn man dir bloß helfen könnte bei den Lieferungslisten! Und jetzt hast du noch den Neubau am Hals.

anna: Haben wir den nicht alle am Hals?

lehmkuhl: Ich weiß … „Witzig“. Unser hohes Weiberparlament hat’s beschlossen, und Beschluss ist Beschluss! Aber sag selbst, sind unsre Väter und deren Kinder früher nicht auch groß geworden, wenn die im Winter mal nicht zur Schule gingen?

anna: Was früher war, war früher, Lehmkuhl; heut ist’s wichtig, dass unser Dorf zum Winter die Schule hat.

lehmkuhl: Fürs Dorf ist wichtig, denk ich, dass der Bauer seine Scheune hat.

anna: Die Scheune ist wichtig, und die Schule ist wichtig; das eine und das andere!

lehmkuhlüberlegen lächelnd: Hu, auf einmal so hitzig? Hast doch selbst gesagt: „Mach’s halbwege!“

anna: Und du hast gesagt: „Die Scheune ist wichtig für den Bauern“, und hast zwei große Scheunen stehn und verlangst vom Ucker, der keine hat, acht Zentner Getreide, dass er sein Heu in deiner Scheuer eintun kann.

lehmkuhl: Na und?

anna: Ist das richtig?

lehmkuhl erregt: Ob das richtig ist? Wie? Gehört die Scheuer nicht mir? Hab ich sie nicht bauen müssen von meinem Geld? Kommst du mir mit der Mode? Wollt ihr junges Volk mich belehren?

anna ihn anschauend: