Butler Parker Classic 1 – Kriminalroman - Günter Dönges - E-Book

Butler Parker Classic 1 – Kriminalroman E-Book

Günter Dönges

5,0

Beschreibung

Butler Parker ist ein Detektiv mit Witz, Charme und Stil. Er wird von Verbrechern gerne unterschätzt und das hat meist unangenehme Folgen. Der Regenschirm ist sein Markenzeichen, mit dem auch seine Gegner öfters mal Bekanntschaft machen. Diese Krimis haben eine besondere Art ihre Leser zu unterhalten. Diesen Titel gibt es nur als E-Book. Josuah Parker befand sich in bester Urlaubsstimmung. Um dieser Stimmung auch rein äußerlich Ausdruck zu verleihen, opferte er einige Cents und kaufte sich in einem der zahlreichen Blumenläden am Sonnenstrand von Miami eine blaß-rote Nelke, die er sich in das Knopfloch seines schwarzen Jacketts steckte. Bevor er das Geschäft mit der freundlichen Verkäuferin verließ, prüfte er den Gesamteindruck noch einmal sicherheitshalber vor dem großen Spiegel neben der Eingangstür. Er war durchaus mit sich zufrieden. Im Spiegel stand ihm ein seriös gekleideter Herr gegenüber, der eine gewisse aristokratische Würde zeigte. Zu der schwarzen, steifen Melone, die dieser Herr auf dem Kopf trug, paßte das schwarze, zweireihige Jackett, die diskret gestreiften schwarzen Hosen und die tadellos geputzten Lackschuhe. Dieses Bild wurde zusätzlich noch verstärkt durch den schwarzen Stockregenschirm, der über dem linken Unterarm dieses Herrn hing. Kurz, Parker hätte sich durchaus in der Bond-Street von London sehen lassen können, nur eben nicht hier in Miami, wo die scheußlichen, knielangen Bermuda-Shorts und die grellen, bunten Hawaiihemden vorherrschten. Doch daraus machte Parker sich nichts. Es kam ihm nicht darauf an, gegen den Strom eines uniformierten Geschmacks zu schwimmen. Dazu war er viel zu selbstbewußt. Schließlich stammte er nicht nur aus England, sondern war zudem noch ein Butler, wie er vielleicht nur noch in einschlägigen Filmen anzutreffen ist. Parker ging durch die Ladentür hinaus auf die Promenade und genierte sich fast ein wenig, das feierliche Schwarz seiner Kleidung durch die blaß-rote Nelke aufgelockert zu haben. Nachlässigkeiten duldete er nicht. Schon gar nicht solche, die seine Person betrafen. Schließlich hielt er stets auf Würde und Zurückhaltung. Selbstverständlich ignorierte er die teils erstaunten, teils belustigten Blicke, die seiner Person galten. Mochten selbst im Schatten auch gut und gern fünfunddreißig Grad herrschen, nie in seinem Leben hätte Parker sich in etwas luftigerer Kleidung gezeigt, wenn ihn nicht bestimmte Umstände dazu gezwungen hätten. Parker schlenderte entspannt, aber dennoch würdevoll den Strand hinunter und näherte sich zielsicher einem kleinen mexikanischen Lokal, in dem man ausgezeichnet essen konnte. Er wollte ein kleines Mahl zu sich nehmen, um dann in seinem Hotel Siesta zu halten und in einem Waffenkatalog zu blättern, eine Beschäftigung, der er sich liebend gern hingab.

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Butler Parker Classic – 1–

Agenten und Spione

Günter Dönges

Josuah Parker befand sich in bester Urlaubsstimmung.

Um dieser Stimmung auch rein äußerlich Ausdruck zu verleihen, opferte er einige Cents und kaufte sich in einem der zahlreichen Blumenläden am Sonnenstrand von Miami eine blaß-rote Nelke, die er sich in das Knopfloch seines schwarzen Jacketts steckte.

Bevor er das Geschäft mit der freundlichen Verkäuferin verließ, prüfte er den Gesamteindruck noch einmal sicherheitshalber vor dem großen Spiegel neben der Eingangstür.

Er war durchaus mit sich zufrieden.

Im Spiegel stand ihm ein seriös gekleideter Herr gegenüber, der eine gewisse aristokratische Würde zeigte. Zu der schwarzen, steifen Melone, die dieser Herr auf dem Kopf trug, paßte das schwarze, zweireihige Jackett, die diskret gestreiften schwarzen Hosen und die tadellos geputzten Lackschuhe. Dieses Bild wurde zusätzlich noch verstärkt durch den schwarzen Stockregenschirm, der über dem linken Unterarm dieses Herrn hing. Kurz, Parker hätte sich durchaus in der Bond-Street von London sehen lassen können, nur eben nicht hier in Miami, wo die scheußlichen, knielangen Bermuda-Shorts und die grellen, bunten Hawaiihemden vorherrschten.

Doch daraus machte Parker sich nichts. Es kam ihm nicht darauf an, gegen den Strom eines uniformierten Geschmacks zu schwimmen. Dazu war er viel zu selbstbewußt. Schließlich stammte er nicht nur aus England, sondern war zudem noch ein Butler, wie er vielleicht nur noch in einschlägigen Filmen anzutreffen ist.

Parker ging durch die Ladentür hinaus auf die Promenade und genierte sich fast ein wenig, das feierliche Schwarz seiner Kleidung durch die blaß-rote Nelke aufgelockert zu haben. Nachlässigkeiten duldete er nicht. Schon gar nicht solche, die seine Person betrafen. Schließlich hielt er stets auf Würde und Zurückhaltung.

Selbstverständlich ignorierte er die teils erstaunten, teils belustigten Blicke, die seiner Person galten. Mochten selbst im Schatten auch gut und gern fünfunddreißig Grad herrschen, nie in seinem Leben hätte Parker sich in etwas luftigerer Kleidung gezeigt, wenn ihn nicht bestimmte Umstände dazu gezwungen hätten.

Parker schlenderte entspannt, aber dennoch würdevoll den Strand hinunter und näherte sich zielsicher einem kleinen mexikanischen Lokal, in dem man ausgezeichnet essen konnte. Er wollte ein kleines Mahl zu sich nehmen, um dann in seinem Hotel Siesta zu halten und in einem Waffenkatalog zu blättern, eine Beschäftigung, der er sich liebend gern hingab.

Nach wenigen Minuten merkte Parker indessen, daß er ebenso diskret wie hartnäckig verfolgt wurde. Es handelte sich, wie er bald herausbekam, um einen älteren Mann von etwa fünfundvierzig Jahren, der einen hellen Sommeranzug trug und sein Gesicht hinter einer großen Sonnenbrille verbarg.

Parker hatte diesen Mann noch nie vorher gesehen, spürte aber sofort, daß irgendein Konflikt in der Luft lag, der sich allerdings noch nicht näher umreißen ließ.

Parker, an Zwischenfällen wirklich nicht interessiert, zeigte sich wieder einmal als höflicher Mensch. Er bog in eine kleine Seitenstraße ab, die jetzt um die Mittagszeit nur wenig belebt war. Dann holte er seinerseits eine Sonnenbrille aus der Ziertuchtasche seines schwarzen Jacketts und spielte nachlässig mit ihr.

Er sorgte allerdings dafür, daß er die Innenseite der Brillengläser als eine Art Rückspiegel benutzen konnte. Für solche Zwecke war diese Spezialbrille präpariert. Einen etwaigen überraschenden Angriff des Verfolgers hätte Parker also beobachten können.

Der Mann hinter ihm ging jetzt schneller und schloß von Sekunde zu Sekunde immer dichter auf.

Parker nahm den bleigefütterten Bambusgriff seines Universal-Regenschirms in die Hand, um sich eventuell wehren zu können.

Der Mann hinter ihm hatte aufgeschlossen und schickte sich an, ihn zu überholen.

Parker blieb ruckartig stehen und tat etwas irritiert. Sein plötzliches Anhalten war der Grund dafür, daß der Verfolger ein wenig an ihm vorbeischoß.

Dann stoppte auch der Verfolger, nahm knapp den Kopf zur Seite und zischte Parker einige Worte zu, die der Butler als Aufforderung verstand, diesem seltsamen Mann umgehend zu folgen.

Bevor Parker diesen Irrtum richtigstellen konnte, ging der Mann mit schnellen Schritten weiter und hielt auf eine Bierbar zu, die im Schatten einer windzerzausten Fächerpalme lag.

Parker, in der ehrlichen Absicht, diesen Irrtum richtigzustellen, folgte dem Mann in diese Bar hinein, die sich als überraschend sauber und leer entpuppte.

Der Mann blieb an der hohen Theke stehen und bestellte sich ein Lagerbier.

Parker baute sich höflich neben dem Mann auf und nickte dem Barkeeper höflich zu.

»Bringen Sie mir bitte auch ein Lagerbier«, sagte Parker dann zu ihm. »Nicht zu kalt, wenn es möglich ist, aber auf keinen Fall zu warm.«

Der Barkeeper grinste und wandte sich ab.

Der Gast neben Parker räusperte sich und wartete, bis der Barkeeper in einer Ecke der geschwungenen Theke verschwand. Dann drehte er sich etwas zu Parker herum.

»Wo haben Sie denn die ganze Zeit über gesteckt?« fragte er vorwurfsvoll.

»Ich möchte annehmen, daß Sie mich meinen«, gab Parker höflich zurück.

»Lassen Sie die Mätzchen«, redete der Mann hastig, aber leise weiter. »Die Unterlagen stecken im Schließfach 113 am Flughafen, klar?«

»Ich habe, wenn ich mich so ausdrücken darf, auf keinen Fall etwas dagegen«, antwortete Parker zurückhaltend.

»Sie komischer Witzbold«, meinte der Mann, ohne daß die Spur eines Lächelns auf seinem erhitzten Gesicht zu erkennen war. »Von jetzt ab bin ich aus dem Spiel.«

»Ich möchte annehmen, daß Sie das besser beurteilen können als meine Wenigkeit«, erwiderte Parker, ohne sich aus der würdevollen Ruhe bringen zu lassen. Bevor er jedoch eine gezielte Frage stellen konnte, stieß der Mann sich von der Theke ab und ging mit schnellen Schritten auf den Ausgang zu.

»He, Sir, Ihr Bier!«

Der Barkeeper beugte sich über die Theke und hielt das abgefüllte Bier einladend hoch.

»Ersticken Sie dran!« gab der Mann gereizt zurück. Dann stieß er die Tür der Bierbar auf und verschwand nach draußen.

»Verrückter Vogel«, sagte der Barkeeper ärgerlich und schüttelte den Kopf. Er sah Parker irritiert an und fügte hinzu: »Muß an der Hitze liegen, daß alle verrückt spielen!«

Parker, der gerade mit einer höflichen Floskel antworten wollte, hörte genau in diesem Moment zwei Schüsse, die in schneller Reihenfolge hintereinander abgefeuert wurden und die die mittägliche Ruhe brutal durchbrachen.

Parker reagierte augenblicklich, obwohl diese beiden Schüsse ihm auf keinen Fall gegolten hatten. Er verließ die Bartheke, ohne dabei aber seine gewohnte Würde und Gemessenheit aufzugeben. Parker legte seinen Universal-Regenschirm über den linken Unterarm und schritt auf den Ausgang zu.

Auf diesem Weg wurde er von dem Barkeeper überholt.

Der Mann hatte die beiden Schüsse natürlich ebenfalls gehört und spurtete an Parker vorbei. Der Barkeeper war so überrascht, daß er noch ein frisch gefülltes Bierglas in der Hand hielt.

Parker hatte die schmale Straße erreicht.

Nur knapp zwanzig Meter von der Bar entfernt hatte sich bereits eine Gruppe von aufgeregten und neugierigen Menschen gebildet. Sie alle schauten auf einen am Boden liegenden Mann herunter, der offensichtlich nicht mehr lebte, zumal die beiden abgefeuerten Schüsse seine Brust getroffen hatten.

Parker ahnte bereits im voraus, was sich ereignet hatte und wer dort auf dem Boden lag. Er war es gewohnt, daß sich immer dann etwas ereignete, wenn er seine Ruhe haben wollte.

Nun, seine Ahnungen trogen nicht.

Der auf dem Boden liegende erschossene Mann war jener Bargast, der ihm die Nummer eines Schließfaches zugeflüstert hatte.

*

Josuah Parker hatte hinreichend genug einschlägige Kriminalfilme gesehen, um genau zu wissen, daß es sich um eine peinliche Verwechslung handeln mußte. Der Erschossene mußte ihn mit einem ähnlich gekleideten Besucher von Miami verwechselt haben. Die frisch gekaufte Nelke mußte dazu den letzten Ausschlag gegeben haben.

Parker wunderte sich.

Und zwar über die Tatsache, daß ein zweiter Mensch hier in Miami leben sollte, der ihm mehr oder weniger täuschend ähnelte. War solch eine äußere Übereinstimmung überhaupt möglich? Parker war sich ohne Eitelkeit klar darüber, daß er nicht gerade zu den Dutzenderscheinungen gehörte.

In Anbetracht der gegebenen Umstände hielt er es für taktisch richtig, sich erst einmal abzusetzen. Die augenblickliche Situation mußte erst einmal gründlich überdacht werden. Und dazu brauchte er Ruhe und nicht den Wirbel, der sich jetzt hier auf der schmalen Straße abspielte.

Die ersten Streifenwagen der Polizei rasten heran. Die Mordstelle wurde abgeriegelt, uniformierte Polizeibeamte suchten nach Zeugen und möglicherweise auch nach dem Mordschützen.

Parker, der stets eine gute Nase für Fluchtwege besaß, verschwand gemessen in einer nahen Toreinfahrt, schritt durch einen weiten Hof, ging vorbei an Mülltonnen und betrat schließlich die Hoftür eines großen dreistöckigen Hauses, in dem die Druckerei einer Zeitung untergebracht war.

Auf weniger verschlungenen Umwegen erreichte er schließlich wieder die Hauptstraße und sah sich nach einem Taxi um. Er hatte das Glück, einen freien Wagen zu finden, winkte ihn mit seinem Universal-Regenschirm ab und ließ sich aufatmend in die Polster fallen.

»Zum Dania-Hotel, wenn ich höflichst bitten darf«, sagte er zum Fahrer. »Und nicht zu langsam, wenn es sich einrichten läßt.«

Der Fahrer nickte und fädelte seinen Wagen in den Verkehr der Hauptstraße ein. Parker spielte einen Moment lang mit dem Gedanken, sich eine seiner spezialangefertigten Zigarren anzuzünden, ließ ihn aber schleunigst wieder fallen, als er sich blitzschnell der Wirkung seiner Zigarren erinnerte, der Wirkung nämlich auf seine ahnungslosen Mitmenschen, die den seltsamen Wohlgerüchen dieser Zigarren nur in den seltensten Fällen zu widerstehen vermochten.

Parker befand sich eigentlich nie im Urlaub.

Auch an diesem Tage nicht.

Während der Fahrt drehte er sich wiederholt um und beobachtete die Straße durch das Rückfenster. Und wieder einmal stellte er fest, daß sein Taxi augenscheinlich beschattet wurde. Es handelte sich um einen grauen Buick, der ihm hartnäckig folgte und sich nie weiter als zwei oder drei Wagen abfallen ließ.

Befand sich in diesem Buick der Mordschütze?

Parker wußte es natürlich nicht, doch er kalkulierte diese Möglichkeit sofort ein. Eine gewisse Vorsicht hatte sich bisher stets als gesundheitsfördernd erwiesen.

»Ich möchte mein eben genanntes Fahrtziel abändern«, rief er dem Taxifahrer freundlich zu. »Setzen Sie mich irgendwo am Rande der Stadt vor den Dünen ab, ich möchte gern den Frieden der Natur genießen.«

»Und wie kommen Sie wieder zurück, Sir?« erkundigte sich der Fahrer.

»Irgendeine passende Möglichkeit wird sich mit einiger Sicherheit ergeben«, gab der Butler zurück. »Sorgen Sie nur dafür, mich an eine möglichst einsame Stelle zu bringen.«

»Das können Sie haben. Wie wär’s mit Coach-Beach, Sir?«

»Ein beruhigend klingender Name«, antwortete Parker. »Ich glaube, wir bleiben dabei!«

Und erneut schaute er durch den Rückspiegel und hielt Ausschau nach dem verfolgenden Wagen. Nun, er hatte sich nicht getäuscht, denn der graue Buick folgte dem Taxi nach wie vor.

Nach einer Fahrt von weiteren fünfzehn Minuten verließ der Fahrer die betonierte Ausfallstraße und bog zu den Dünen ab. Dann stoppte er und sah sich fragend nach Parker um.

»Sind Sie auch sicher, daß hier das Richtige für Sie ist?« erkundigte er sich.

»Vollkommen sicher«, gab Parker würdevoll zurück. »Sie hätten keinen besseren Platz aussuchen können. Wieviel darf ich Ihnen bezahlen?«

Der Fahrer nannte den Preis und riß die Augen weit auf, als Parker ihm zudem noch ein gehöriges Trinkgeld reichte. Dann beeilte er sich, zurück in seinen Wagen zu kommen, um schleunigst loszufahren. Wahrscheinlich fürchtete er, Parker könnte ihn noch einmal zurückrufen und ihm das handfeste Trinkgeld abnehmen.

Der Butler sah dem davonpreschenden Taxi nach und ging auf die erste, sanft ansteigende Düne zu. Zu diesem Zeitpunkt war von dem grauen Buick weit und breit nichts zu sehen. Entweder hatte Parker sich nun doch getäuscht, oder der Wagen war an einer verborgenen Stelle abgestellt worden.

Parker hatte den Kamm der Düne erreicht und sah auf den Strand hinunter, gegen den die Wogen des Atlantik Sturm liefen. Ein wunderschönes Bild, voller Kraft und gleichzeitiger Ruhe und Stetigkeit.

Parker sah die Gelegenheit gekommen, sich in aller Ruhe einen seiner schwarzen Torpedos anzuzünden. Mit Umsicht und Bedachtsamkeit präparierte er eine der Zigarren, die er dem schwarzen Etui entnommen hatte, zündete sie geschickt an und genoß den seiner ehrlichen Ansicht nach würzigen Duft dieser Importe.

Zwei leichtsinnige Möven, die neugierig einkurvten, um den einsamen Besucher genauer unter die Lupe zu nehmen, waren vollkommen anderer Ansicht.

Die ersten Rauchschwaden der Zigarre schwebten hoch in die Luft und wurden vom Wind zerteilt. Nur wenige Duftpartikelchen dieser Rauchwolke trafen die Nasenlöcher dieser beiden Möven, die als durchaus hart gelten konnten.

Sie schreckten förmlich zurück, steilten hoch und brachen in klagende Schreie aus. Sie verloren für wenige Augenblicke die Konzentration, wirbelten durcheinander und wandten sich dann zur Flucht. Im Tiefflug schossen sie auf die See hinaus und verschwanden am Horizont.

Parker sah diesen beiden Tieren kopfschüttelnd nach. Wieder einmal konnte er es einfach nicht verstehen, warum der Rauch seiner Zigarre alle Kreatur umgehend in die Flucht zwang, während er seine Zigarre tatsächlich genoß.

Seine Überraschung weitete sich aus, als plötzlich ein dumpfes, unangenehmes »Plopp« zu hören war.

Dicht neben ihm schlug ein schallgedämpftes Bleigeschoß in den aufstäubenden Sand und ließ eine kleine Fontäne von Sandkörnern in die Luft steigen.

Parker sah sich genötigt, erst einmal in Deckung zu gehen, denn einen zweiten, besser gezielten Schuß wollte er nicht unnötig provozieren. Er verschwand hinter der Düne und wartete ab.

Bald darauf waren verwehte Stimmen zu hören.

Sie kamen schnell näher und wurden von Sekunde zu Sekunde immer deutlicher. Zwei Männer riefen sich Hinweise zu, munterten sich gegenseitig auf und gaben der Hoffnung Ausdruck, daß sie den ›Hund‹ bald hätten.

Parker mißbilligte solch eine rüde Ausdrucksweise, denn er wußte inzwischen nur zu gut, wer mit dem Ausdruck ›Hund‹ nur gemeint sein konnte.

Es gab also zwei Männer, die ihn aus unverständlichen Gründen nicht nur nicht mochten, sondern die alles daransetzten, ihn zu erschießen.

Parker verfügte zu seinem Leidwesen nicht über eine Schußwaffe. Als Urlauber hatte er sich diesmal nicht mit diesen notwendigen Utensilien versorgt und eingedeckt. Doch er war und blieb guten Mutes, zumal nicht weit von seiner Düne entfernt einige Strandhütten zu sehen waren, die unbewohnt zu sein schienen.

Alle Deckung, die sich hier anbot geschickt ausnützend, erreichte er schon recht bald eine dieser Hütten und blieb hinter ihr abwartend stehen.

Er sah nicht nur die Spuren im feinen, körnigen Sand, die er hinterlassen hatte, sondern auch die beiden Männer, die wie zwei vorsichtige und mißtrauische Füchse sich heranpirschten.

Sie hatten es relativ einfach. Nicht nur, weil sie bewaffnet waren, sondern weil sie sich nur an die Spuren im Sand zu halten brauchten, um auf Parker zu stoßen.

Parkers Hirn registrierte diesen Nachteil, um ihn dann aber sofort in seinen Plan einzubauen.

Er verließ sein Versteck hinter der ersten Hütte, prägte weitere Spuren in den Sand und verschwand hinter der zweiten und dann hinter der dritten, niedrigen, einfachen Hütte, die praktisch nur aus gehobelten Brettern zusammengeschlagen worden waren.

Dann aber wechselte er zurück zur zweiten Hütte und achtete darauf, nicht in das Blickfeld der beiden Verfolger zu geraten. Mit dem Universal-Regenschirm beseitigte er die Spuren dieses Rückmarsches und blieb seitlich hinter der zweiten Hütte stehen.