Casino Infernal - Simon R. Green - E-Book
Beschreibung

Eddie Drood alias Shaman Bond und seine wahre Liebe Molly Metcalf - die außerdem eine mächtige Hexe ist - nehmen am Casino Infernal teil, einer jährlich stattfindenden Veranstaltung der Schattenbank, die das globale übernatürliche organisierte Verbrechen finanziert. Ihre Mission: Manipuliert das Spiel und bringt die Schattenbank damit zu Fall. Doch beim Casino Infernal steht viel auf dem Spiel. Gewinner bekommen alles - und Verlierer bezahlen mit ihrer Seele.

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Seitenzahl:704

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Autor: Simon R. Green

Deutsch von: Susanne Picard

Lektorat: Mona Ullmerich und Oliver Hoffmann

Art Director, Satz und Gestaltung: Oliver Graute

© Simon R. Green 2013

© der deutschen Übersetzung Feder&Schwert 2015

E-Book-Ausgabe

ISBN 978-3-86762-222-6

Originaltitel: Casino Infernale

ISBN der Printausgabe 978-3-86762-221-9

Casino Infernal ist ein Produkt von Feder&Schwert unter Lizenz von Simon R. Green 2015. Alle Copyrights mit Ausnahme dessen an der deutschen Übersetzung liegen bei Simon R. Green.

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck außer zu Rezensionszwecken nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

Die in diesem Buch beschriebenen Charaktere und Ereignisse sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit zwischen den Charakteren und lebenden oder toten Personen ist rein zufällig.

Die Erwähnung von oder Bezugnahme auf Firmen oder Produkte auf den folgenden Seiten stellt keine Verletzung des Copyrights dar.

www.feder-und-schwert.com

Was bisher geschah ...

Mein Name ist Bond. Shaman Bond. Der sehr geheime Geheimagent.

Jeder kennt meinen Namen in den Seitenstraßen Londons, an den zwielichtigen Orten, wo zwielichtige Leute Dinge tun, auf die eigentlich niemand scharf sein sollte. Man kennt Shaman Bond in dieser Szene – ein Typ, ein Hasardeur, immer vertraut mit dem Allerneusten, was Sünde und Vergnügen angeht. Immer auf eine kleine Teufelei aus, mit einem Hang zum Illegalen und Unnatürlichen. Shaman Bond kann überall auftauchen, und niemand wird je überrascht sein. Denn Typen wie ihn gibt es Dutzende in den Schatten, in der verborgenen Welt. Er ist kein übler Kerl, aber immer ganz vorn mit dabei, wenn es richtig übel wird. Manchmal, wenn er glaubt, niemand merkt es, tut er Gutes. Manchmal hilft er kleinen Betrügern bei ihren Tricks und Gaunereien, besonders, wenn es darum geht, den wirklich bösen Jungs zu zeigen, wie weit sie vom rechten Weg abgekommen sind. Aber eigentlich ist er einfach nur … da. Teil der Szene. Er hängt an den richtigen Orten mit den falschen Leuten rum und lächelt undurchschaubar.

Mein Name ist Eddie Drood, und nur ältere Mitglieder meiner Familie nennen mich Edwin.

Meine Familie bildet die Barriere zwischen der Menschheit und all den verborgenen Schrecken, die sie bedrohen. Wir bekämpfen Monster, damit Sie gar nicht erst erfahren, dass es sie gibt. Wir tun das seit Jahrhunderten, und man hat mich von Kindesbeinen an für diese Arbeit ausgebildet. Ich bin Einsatzagent der Droods. Ich stöbere die unangenehmeren Geheimnisse der verborgenen Welt auf und tue dann, was auch immer nötig ist, um den Deckel darauf zu halten. Um die alltägliche Welt zu schützen. Ich bin Agent, kein Killer. Auch wenn ich mehr als genug Morde auf dem Gewissen habe. Sie alle waren unumgänglich, aber in den frühen Morgenstunden, wenn die Nacht am tiefsten ist – da hilft mir das nicht.

Wenn ich im Einsatz bin, ist mein Name Shaman Bond. Eine angenehme, freundliche Maske, hinter der ich mich verstecken kann. Damit die Leute Shaman alles sagen können, was Eddie wissen muss. Shaman Bond ist ein netter Kerl. Eine Schande, dass er nicht echt ist, sondern nur eine Tarnung.

Aber warum fühle ich mich dann so viel echter, wenn ich er bin, als wenn ich ich selbst sein muss?

Wenn ich mit meiner Familie zusammen bin, bin ich Eddie Drood. Wenn ich in der Welt unterwegs bin, dann bin ich Shaman Bond. Aber jetzt, nachdem ich meine Familie verlassen habe, weil sie mich zu oft belogen hat, und für das Ministerium des Unheimlichen arbeite – wer bin ich jetzt?

Echt jetzt – wer bin ich?

1

Nur Pferde reitet man zuschanden

Für dich würde ich bis ans Ende der Welt gehen.

Ich nehme an, wir alle haben das – oder etwas Ähnliches – schon einmal zu jemandem gesagt, den wir lieben. Getan habe ich es allerdings erst ein einziges Mal. Ich hätte wissen müssen, dass das Ende der Welt ein Ort ist, an dem einem die Lügen ausgehen und die Wahrheit sich ihren Platz zurückerobert, und obschon einen die Wahrheit zwar halbwegs befriedigen kann, wird sie nie so angenehm sein wie eine liebgewonnene Lüge.

***

Vor Schottlands Küste liegen fast achthundert Inseln, von denen aber weniger als hundert besiedelt sind. Trammell Island ist die nördlichste davon und liegt wie ein aus dunklem, tödlich kaltem Wasser hervorstehender Fels noch weit hinter den Orkneys und den Shetland-Inseln. Sie ist ein Ort, an den sich niemand verirrt. Es ist keine sehr große Insel. Man könnte sie in weniger als einer Stunde zu Fuß umrunden. Es gibt einen Strand, eine Steilklippe und einen hässlichen Hügel, auf dessen höchstem Punkt ein einziges Gebäude steht: Monkton Manse. Das Haus am Ende der Welt. Ursprünglich, vor vielen Jahrhunderten, war es ein Kloster, später das Feriendomizil eines reichen Mannes, und heute ist es nichts weiter als ein verlassenes Anwesen. Ein nutzloser, verwaister Bau. Trist und stumm beherbergt es heute nur noch Staub, Schatten, schlechte Erinnerungen und ein letztes, schreckliches Geheimnis.

Trammell Island: Weit weg von allem und schon bald das Ende der Welt für mehr als nur eine Person.

Ich stand am äußersten Ende der Klippe, so nah an der Kante wie nur möglich. Trockene, brüchige Erde bröckelte unter meinem Gewicht und ließ kleine Erdschauer an dem steilen Felsen hinabrieseln und in den tosenden Fluten weit unter mir verschwinden. Ich sah hinab auf die sich hoch auftürmenden Wellen und beobachtete, wie sie an den schmalen Kiesstrand krachten und sich an den ins Meer ragenden Felsen brachen. Seewasser so dunkel wie die Nacht, kalt genug, um jeden zu töten, der das Pech hatte hineinzugeraten, sprühte große Wolken schäumender Gischt in die Luft, wenn sich die Wellen frustriert von der unwirtlichen Küste zurückzogen.

Ein kalter Wind toste erbarmungslos von Norden, so bitterkalt, als käme er direkt vom Nordpol, der, um ehrlich zu sein, tatsächlich nicht mehr allzu weit entfernt war. Ich zog die Schultern in meinem schweren, gefütterten Wintermantel hoch, vergrub die behandschuhten Hände tiefer in den Taschen und wünschte mir, ich trüge eine Mütze, wie es mir alle geraten hatten. Ich hasse Mützen. Habe nie eine gefunden, mit der ich gut aussah. Ich zitterte, als mir die Kälte in die Knochen kroch. Molly Metcalf schob den Arm unter meinen und schmiegte sich an mich. Sie trug einen langen Schafsfellmantel mit modisch ausgefransten Ärmeln und eine wollene Pudelmütze, die sie sich weit über die Ohren gezogen hatte. Sie sah aus, als wäre sie gerade auf dem Weg zu einer Demonstration gegen etwas Verachtenswertes, wogegen zu protestieren gerade sehr en vogue war.

Es war eben nicht einfach, die angemessene Kleidung für eine Reise zum Ende der Welt auszuwählen.

Molly sah hinab auf den leeren, öden Strand und die tobende See und lächelte dann strahlend.

„Du bringst mich wirklich immer an die schönsten Orte, Eddie.“

„Vorsicht mit diesem Namen“, erwiderte ich. „Für jeden, den wir hier treffen, bin ich Shaman Bond. Taugenichts vor dem Herrn. Niemand hier wäre glücklich, einem Drood zu begegnen.“

„Das wäre wohl überhaupt nirgends jemand. Deine Familie mag die Welt beschützen, aber keiner hat je gesagt, die Welt müsse euch dafür dankbar sein. Besonders, wenn man einige eurer Vorgehensweisen bedenkt. Aber he, apropos Namen: Ehe wir London verlassen haben, habe ich im Wörterbuch nachgesehen, was Trammell bedeutet. Es ist ein altes schottisches Wort für Leichentuch. Sehr passend.“

„Richtig“, bestätigte ich, „und was noch wichtiger ist, es bezeichnet außerdem eine Behinderung oder eine Fußfessel für Pferde.“

„Klugscheißen ist echt abstoßend bei Männern“, sagte Molly.

„Wenn schon, denn schon. Halt dich immer an das vollständige Oxford English Dictionary“, gab ich zurück. „Gib dich nie mit weniger zufrieden.“

„Du hast eins in deine Rüstung einbauen lassen, stimmt’s?“, fragte Molly anklagend.

„Schau dir die Möwen an“, lenkte ich ab. „Die einzigen Vögel, die sich so weit rauswagen, um den Fischerbooten zu folgen, und selbst die haben mehr Verstand, als sich Trammell Island auch nur zu nähern. Nur schwarze Flecken vor einem grauen Himmel. Mit den traurigsten Rufen der Welt. Es gibt Leute, die sagen, die Möwen beklagen die Sünden der Menschen und werden erst aufhören, wenn wir uns irgendwann mal zusammenreißen.“

„Du hast echt miese Laune, was?“, sagte Molly. „Wag ja nicht, schlechter drauf zu sein als ich! Ich bin die einzige hier, die sich in tiefem, düsterem existenzialistischem Brüten ergehen darf. Immerhin machen wir einen Ausflug in meine Vergangenheit.“

„Schau nie zurück“, bemerkte ich weise. „Alles, was du sehen wirst, sind verpasste Gelegenheiten, die mit schlechten Absichten auf dich zukriechen.“

„Du bist wirklich kein bisschen sentimental, oder?“

„Wenn, dann hätte ich mir das schon längst chirurgisch entfernen lassen. Gefühle hindern einen nur, die Dinge klar zu sehen.“

„Manchmal … kann das ganz gut sein.“

Ich sah Molly an, doch sie hatte meinen Arm schon losgelassen und sich von der Kante der Klippe abgewandt. Sie betrachtete das einsame, gewaltige Gebäude auf dem Gipfel des Hügels. Monkton Manse. Ein hässliches Gebäude mit einer hässlichen Vergangenheit. Es war einmal ein Kloster gewesen, gegründet von einem ketzerischen Ableger der Columbaner. Inzwischen war es schon lange verlassen und verfiel. In den 20er Jahren hatte man es wieder aufgebaut und saniert. Versehen mit spitzwinkligen Giebeln, einem steilen Dach, das man mit grauen Ziegeln gedeckt hatte, und Erkern, die mit bleiverglasten Fenstern ausgestattet waren, um eine Tudor-Fassade vorzutäuschen, ähnelte es seitdem einem altenglischen Landhaus. Die schwere Eingangstür aus Eiche wirkte düster und bedrohlich. Gebaut, um den erzürnten Elementen und der Zeit selbst zu widerstehen. Auch wenn seit den späten 20er Jahren niemand mehr in Monkton Manse gelebt hatte, sah es immer noch aus, als sei es auf Besucher vorbereitet. Auf eine sehr dunkle, bedrohliche Art und Weise.

Hätte man ein einziges Fenster beleuchtet, Monkton Manse hätte als Titelbild für einen dieser alten Schauerromane dienen können.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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