18,99 €
Bachelorarbeit aus dem Jahr 2011 im Fachbereich VWL - Arbeitsmarktökonomik, Universität Hohenheim, Veranstaltung: Wirtschaftswissenschaften, Soziale Sicherung, Sprache: Deutsch, Abstract: Das Thema gesetzlicher Mindestlohn beherrscht seit einigen Jahren die politischen und wissenschaftlichen Diskussionen. Während Gegner des Mindestlohns auf die neoklassische Theorie verweisen, betonen stattdessen die Befürworter des Mindestlohns die Richtigkeit der keynesianischen Theorie. Die neoklassische Theorie untersucht das Zustandekommen von Tauschbeziehungen einzelner Anbieter und Nachfrager. Der Ort, an welchem diese Tauschgeschäfte geschlossen werden, wird als Markt bezeichnet. Auf einem Arbeitsmarkt bieten Haushalte ihre Arbeitskraft an und Unternehmen fragen diese Arbeitskraft nach. In der Neoklassik werden die Nachfrage und das Angebot nach Arbeit als Kurve in einem Koordinatensystem dargestellt. Das Angebot hat dabei eine positive und die Nachfrage eine negative Steigung. Der Schnittpunkt bestimmt den Lohn und die Menge an Arbeitsplätzen, die im Gleichgewicht zur Verfügung stehen. Der Lohn muss dabei flexibel sein um nach einer Störung des Marktes wieder zu einem Gleichgewicht zu gelangen. Ein gesetzlicher Mindestlohn würde genau das verhindern. Der Arbeitsmarkt wird dann daran gehindert zu einem Gleichgewicht zurück zu gelangen und es entsteht Arbeitslosigkeit. Im keynesianischen Modell hingegen verursacht ein Mindestlohn eine Steigerung der Einkommen derer, die unter dem Mindestlohn verdient haben. Durch das zusätzliche Einkommen steigt der Konsum und die Unternehmen müssen mehr investieren und produzieren um dem steigenden Konsum gerecht zu werden. Zusätzlich müssen sie weitere Mitarbeiter einstellen und deswegen werden mehr Arbeiter beschäftigt als vor der Einführung des Mindestlohns. Aktuell besteht kein gesetzlicher Mindestlohn in Deutschland. Einzelne Branchen haben tariflich geregelte Mindestentgelte, die regionale Unterschiede aufweisen. Ein gesetzlicher Mindestlohn im übertragenen Sinne bildet das Verbot des Lohnwuchers nach § 138 BGB. Allerdings ist dies wiederum kein allgemeingültiger Mindestlohn, sondern auf das Durchschnittseinkommen der jeweiligen Branche bezogen. Die große Koalition hat in ihrer Amtszeit die Weichen für einen Mindestlohn gestellt. Durch die Allgemeinverbindlicherklärung haben Branchen mit einer Tarifbindung von über 50 Prozent die Möglichkeit in das Arbeitnehmerentsendegesetz aufgenommen zu werden und ihren vereinbarten Mindestlohn für die gesamte Branche für allgemeinverbindlich zu erklären. [...]
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2011
Page 1
Page 2
Zusammenfassung
Das Thema gesetzlicher Mindestlohn beherrscht seit einigen Jahren die politischen und wissenschaftlichen Diskussionen. Während Gegner des Mindestlohns auf die neoklassische Theorie verweisen, betonen stattdessen die Befürworter des Mindestlohns die Richtigkeit der keynesianischen Theorie. Die neoklassische Theorie untersucht das Zustandekommen von Tauschbeziehungen einzelner Anbieter und Nachfrager. Der Ort, an welchem diese Tauschgeschäfte geschlossen werden, wird als Markt bezeichnet. Auf einem Arbeitsmarkt bieten Haushalte ihre Arbeitskraft an und Unternehmen fragen diese Arbeitskraft nach. In der Neoklassik werden die Nachfrage und das Angebot nach Arbeit als Kurve in einem Koordinatensystem dargestellt. Das Angebot hat dabei eine positive und die Nachfrage eine negative Steigung. Der Schnittpunkt bestimmt den Lohn und die Menge an Arbeitsplätzen, die im Gleichgewicht zur Verfügung stehen. Der Lohn muss dabei flexibel sein um nach einer Störung des Marktes wieder zu einem Gleichgewicht zu gelangen. Ein gesetzlicher Mindestlohn würde genau das verhindern. Der Arbeitsmarkt wird dann daran gehindert zu einem Gleichgewicht zurück zu gelangen und es entsteht Arbeitslosigkeit.
Im keynesianischen Modell hingegen verursacht ein Mindestlohn eine Steigerung der Einkommen derer, die unter dem Mindestlohn verdient haben. Durch das zusätzliche Einkommen steigt der Konsum und die Unternehmen müssen mehr investieren und produzieren um dem steigenden Konsum gerecht zu werden. Zusätzlich müssen sie weitere Mitarbeiter einstellen und deswegen werden mehr Arbeiter beschäftigt als vor der Einführung des Mindestlohns.
Aktuell besteht kein gesetzlicher Mindestlohn in Deutschland. Einzelne Branchen haben tariflich geregelte Mindestentgelte, die regionale Unterschiede aufweisen. Ein gesetzlicher Mindestlohn im übertragenen Sinne bildet das Verbot des Lohnwuchers nach § 138 BGB. Allerdings ist dies wiederum kein allgemeingültiger Mindestlohn, sondern auf das Durchschnittseinkommen der jeweiligen Branche bezogen. Die große Koalition hat in ihrer Amtszeit die Weichen für einen Mindestlohn gestellt. Durch die Allgemeinverbindlicherklärung haben Branchen mit einer Tarifbindung von über 50 Prozent die Möglichkeit in das Arbeitnehmerentsendegesetz aufgenommen zu werden und ihren vereinbarten Mindestlohn für die gesamte Branche für allgemeinverbindlich zu erklären.
Ein Grund dafür, dass der Mindestlohn immer vehementer gefordert wird, ist der sich immer weiter ausbreitende Niedriglohnsektor in Deutschland. Der Niedriglohn- sektor sollte es im ursprünglichen Sinne den Arbeitslosen und gering Qualifizierten
Page 3
leichter machen wieder in Arbeit zu kommen. Doch heutzutage besitzen über 60 Prozent der im Niedriglohnsektor Beschäftigten eine abgeschlossene Berufsausbildung. Das ist auch ein Grund dafür, dass in Deutschland die Lohnspreizung mehr und mehr zunimmt und die Unzufriedenheit der Deutschen wächst. Aktuell sind die Meinungen in Deutschland zu einem gesetzlichen Mindestlohn in der Politik, wie auch in der Wissenschaft gespalten. Während CDU und FDP gegen einen gesetzlichen Mindestlohn argumentieren, stimmen die SPD, die Grünen und die Linke für einen Mindestlohn. In der Wissenschaft ist die Situation ähnlich. Studien und empirische Untersuchungen unterscheiden sich in ihren Ergebnissen je nach Auftraggeber, Land und Zeitraum der Studie.
Während zum Beispiel die Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirt-schaftsforschung dem gesetzlichen Mindestlohns, egal in welcher Höhe er eingeführt wird, stets einen negativen Beschäftigungseffekt vorhersagt, kommt die Studie von Klaus Bartsch Econometrics zu einem vollkommen anderen Ergebnis. Durch den Steigenden Konsum und die steigenden Steuereinnahmen des Staates, welche durch die höheren Einkommen der Beschäftigten begründet sind, kommt es zu einem positiven Beschäftigungseffekt und zu Mehreinnahmen für den Staat. Betrachtet man andere Länder in denen der Mindestlohn schon eingeführt worden ist, zum Beispiel Frankreich und Großbritannien, kommt man hierbei zu ähnlichen Ergebnissen. Beide Länder haben einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn, welcher über dem Niveau des geforderten Mindestlohns in Deutschland liegt. Untersucht man die Entwicklung in den beiden Ländern kann festgestellt werden, dass das Ziel, der Lohnspreizung entgegenzuwirken, erreicht wurde, ohne dass die befürchteten negativen Beschäftigungseffekte eingetreten sind. Inwieweit diese empirischen Beobachtungen auf Deutschland übertragbar sind kann aufgrund unterschiedlicher Arbeitsmärkte nur schwer vorausgesagt werden. Es ist zudem nicht sicher welche Form eines Mindestlohns in Deutschland eingeführt werden würde. Es bleibt festzuhalten, dass die Auswirkungen eines gesetzlichen Mindestlohn auf den deutschen Arbeitsmarkt weder von Politik, noch von der Wissenschaft exakt vorausgesagt werden kann, es unsere europäischen Nachbarn aber gezeigt haben, dass ein gesetzlicher Mindestlohn die Probleme der Lohnspreizung verringern kann, ohne dabei einen signifikant negativen Einfluss auf das Beschäftigungsniveau aus- zuüben.
Page 5
Page 7
Symbolverzeichnis VII
Abkürzungsverzeichnis
SOEP Sozio-ökonomisches Panel IAQ Institut Arbeit und Qualifikation OECD Organisation for Economic Co-operation and Development DGB Deutscher Gewerkschaftsbund NGG Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten SMIC Salaire minimum interprofessionnel de croissance
