Verlag: Poppy J. Anderson Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2015

Cheerleader küsst man nicht E-Book

Poppy J. Anderson  

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E-Book-Beschreibung Cheerleader küsst man nicht - Poppy J. Anderson

Wenn Taylor Roberts drei Wünsche frei hätte, würde sie die ersten beiden selbstlos dafür einsetzen, den Hunger auf der Welt zu bekämpfen und Frieden zu stiften. Den dritten Wunsch würde sie jedoch völlig egoistisch für sich selbst verwenden, um den Tag aus ihrem Gedächtnis zu streichen, an dem sie Ian Carlisle begegnet ist. Selbst Jahre nach ihrer ersten Begegnung lässt sich die Erinnerung an sein strahlendes Lächeln, seine charmanten Worte und seinen verlogenen, verdammenswerten und verabscheuungswürdigen Charakter einfach nicht abschütteln. Als der Wide Receiver ausgerechnet zu dem Verein wechselt, bei dem Taylor als Cheerleader die Footballspieler anfeuert, wird ihr ganz persönlicher Albtraum Realität. Doch das erste Treffen mit ihm läuft anders ab, als sie es sich vorgestellt hat – Ian Carlisle scheint völlig vergessen zu haben, was auf dem College passiert ist, und geht davon aus, dass Taylor als Cheerleader Freiwild für den neuen Star der New York Titans ist. Jedoch ist Taylor längst nicht mehr das verschüchterte Mädchen von damals und haut ihm die Starallüren um die Ohren, dass ihm Hören und Sehen vergeht.

Meinungen über das E-Book Cheerleader küsst man nicht - Poppy J. Anderson

E-Book-Leseprobe Cheerleader küsst man nicht - Poppy J. Anderson

Table of Contents

Title Page

Impressum

Newsletter

Prolog

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

Epilog

Leseprobe „Spiel ins Herz“ (Band 12)

Die New York Titans-Reihe

Die Ashcroft-Saga

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebesroman

 

 

 

Cheerleader küsst man nicht

 

 

 

 

 

 

Poppy J. Anderson

 

 

 

 

 

 

Band 11

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Auflage März 2015

 

 

Copyright © 2015 by Poppy J. Anderson

Covergestaltung: Catrin Sommer rausch-gold.com

Unter Verwendung von © IPGGutenbergUKLtd – istock.com

© Christopher Badzioch – istock.com

 

Korrektorat: SW Korrekturen e.U

 

www.poppyjanderson.de

 

 

poppyj.anderson@googlemail.com

 

 

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Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin. Personen und Handlung sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Markennamen sowie Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.

 

 

 

 

 

 

 

Dieses Buch kann nur Julia gewidmet sein,

da sie mir seit über zwei Jahren in den Ohren liegt, endlich ein Buch über Cheerleader zu schreiben.

Ich weiß zwar nicht, woher sie diese Faszination hat, aber für ihren kommenden Geburtstag ist bereits etwas in Planung.

 

 

 

Impressum

 

Poppy J. Anderson

c/o copywrite Literaturagentur

Georg Simader

Woogstr. 43

60431 Frankfurt

 

 

 

 

 

 

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P.S. Verpasst am Ende des Buches nicht die Leseprobe vom nächsten Band!

 

 

 

 

Prolog

 

 

Taylor Roberts stocherte lustlos in ihrem köstlich duftenden Loup de Mer herum und vermied es, ihrem Vater ins Gesicht zu schauen, der sicherlich wenig erbaut über ihre Appetitlosigkeit und über ihre Schweigsamkeit war. Dass er von New York nach Nashville geflogen war, um sie auf ihrem College zu besuchen, obwohl er momentan einen außerordentlich wichtigen Fall vor Gericht verhandelte, sagte ihr, dass sie in Schwierigkeiten stecken musste.

Niemals zuvor hatte sie ihm oder ihrer Mutter Sorgen, schlaflose Nächte oder Ärger bereitet, weshalb sie ihrem Vater nun zum ersten Mal in ihrem Leben mit einem nervösen Magengefühl gegenübersaß und sich fragte, wie sich ein Donnerwetter von ihm wohl anfühlen musste. Dass er wegen irgendetwas verärgert war, erkannte sie an den missmutig zusammengezogenen Augenbrauen und den vertieften Falten neben seinen Mundwinkeln. Genau diesen Gesichtsausdruck setzte er immer auf, wenn ihm etwas nicht passte oder er verärgert war. Dies passierte normalerweise dann, wenn die Beweisführung seiner Mitarbeiter schlampig recherchiert war oder er an der Ordnung ihrer Haushälterin etwas zu mosern hatte. Als sehr konservativer Mensch und erfolgreicher Anwalt war er es nun einmal gewohnt, dass er das Sagen hatte.

Taylor kannte es nicht anders.

Als es darum gegangen war, welche ihrer Klassenkameradinnen zu ihrem achten Geburtstag eingeladen wurden, hatte ihr Vater eine Liste der Mädchen erstellt, deren Väter mit ihm Golf spielten oder Verbindungen zu seiner Kanzlei besaßen.

Als Taylor auf die Highschool gekommen war, war es ihr Vater gewesen, der eine Schule ausgesucht und prompt diejenige gewählt hatte, die ihr am wenigstens gefiel, selbst wenn der akademische Ruf noch so gut gewesen war.

Als ihr Debütantinnenball stattgefunden hatte, war Calvin Penworthy ihr Begleiter gewesen, obwohl sie ihn auf den Tod nicht hatte ausstehen können und viel lieber mit Mark Forester hingegangen wäre. Doch ihr Vater hatte auf Calvin bestanden, dessen Vater in dem gleichen Juristenausschuss saß wie er.

Und als Taylor eine Zusage der Juilliard erhalten hatte, war es ihr Vater gewesen, der entschieden hatte, dass sie dem Ballett den Rücken kehren und stattdessen das Vanderbilt-College in Nashville besuchen solle.

„Wie ist dein Fisch, Taylor?“

Mit dem Gefühl, bei einem Ladendiebstahl ertappt worden zu sein, senkte sie den Blick auf ihren Teller und nahm pflichtschuldigst einen kleinen Bissen, der sich jedoch wie Pappe in ihrem Mund anfühlte. Nur seinem strengen Blick war es zu verdanken, dass sie sich eine weitere Gabel voll Fisch in den Mund schob und beinahe mechanisch kaute. Seit Wochen hatte sie kaum Appetit und musste sich in schöner Regelmäßigkeit dazu zwingen, etwas zu sich zu nehmen. Genauso sehr musste sie sich dazu zwingen, morgens das Bett zu verlassen und ihre Vorlesungen zu besuchen. Am liebsten hätte sie sich die Decke über den Kopf gezogen und auf ihr Studium gepfiffen, doch wie hätte sie das ihren Eltern erklären sollen? Wie hätte sie ihnen den Grund für ihre momentane Verfassung beibringen sollen, ohne Gefahr zu laufen, dass dann die Hölle los wäre?

Beide erwarteten von ihr, dass sie fleißig studierte, dass sie ihre Erwartungen erfüllte und dass sie ihnen keine Schande machte. Taylor war nicht dumm und wusste sehr wohl, was ihre Eltern – vor allem ihr Vater – von ihr forderten. Sie war Taylor Elisabeth Roberts, Tochter von Daniel Henry Roberts und Enkelin von Henry Worcester Roberts, dem ehemaligen Gouverneur New Yorks. Allein um den Familiennamen nicht zu beschmutzen, durfte sich Taylor keine Entgleisungen leisten. Zwar war das politische Amt ihres Großvaters bereits Jahrzehnte her und keiner seiner Söhne war daran interessiert, in seine Fußstapfen zu treten, dennoch wäre ihr Vater im Dreieck gesprungen, wenn ihm zu Ohren gekommen wäre, dass Taylor betrunken von der Polizei aufgegriffen worden wäre, dass sie sich anderweitig danebenbenommen hätte oder womöglich vor einem Wahlkampfbüro der Demokraten gesehen worden wäre.

Niemals wurde er müde, vor ihr zu betonen, dass es ein Privileg sei, auf einem so guten College studieren zu dürfen, dass es ein Privileg sei, zu einer so angesehenen Familie zu gehören, und dass es ihre Pflicht sei, ihr Potenzial zu nutzen.

Wie hätte sie ihm bei diesen Voraussetzungen erzählen sollen, dass sie mit dem Gedanken spielte, das College zu verlassen und ihr Studium abzubrechen? Ihr Vater hätte einen Herzinfarkt gepaart mit einem Wutanfall bekommen, bevor er von ihr verlangt hätte, ihm einen Grund dafür zu liefern.

Und den hätte sie ihm niemals nennen können. Niemals. Eher wäre sie von einer Brücke gesprungen.

Also blieb ihr nichts anderes übrig, als auf dem College zu bleiben, das er ausgesucht hatte, und tagtäglich aus dem Bett zu steigen, um Vorlesungen eines Faches zu besuchen, das er bestimmt hatte.

„Deine Mutter hat mich gebeten, dich nach deinen Plänen für die Ferien zu fragen, Taylor. Sie möchte einen Familienausflug nach Martha’s Vineyard machen und auch deine Großeltern dazu einladen. Ich gehe davon aus, dass du uns begleitest.“

Mit der gleichen Lethargie, die sie seit Wochen empfand, nickte sie und zeichnete eher unbewusst Muster in den Kartoffelstampf auf ihrem Teller. Ihre Cousine Madison hätte sicherlich Einspruch gegen den als Frage getarnten Befehl erhoben, doch Taylor war ein langweiliger Familienurlaub lieber, als dass sie sich deshalb mit ihrem Vater gestritten hätte. Für eine Auseinandersetzung fehlte ihr momentan ganz einfach die Kraft. Außerdem wollte sie ihm keine Angriffsfläche für bohrende Fragen bieten, die sicherlich sowieso noch kommen würden. Ihr wäre es am liebsten gewesen, wenn dieses unangenehme Abendessen bald ein Ende nehmen würde, damit ihr Vater seinen Rückflug antreten könnte und sie zurück in ihr Wohnheim fahren dürfte, um sich dort ins Bett zu legen und zu schlafen. Hier mit ihm zu sitzen und sich so gut wie möglich darum zu bemühen, ihm eine lernwillige Studentin vorzuspielen, überstieg zurzeit ihre Fassung.

Manchmal wünschte sie sich, ein bisschen mehr wie Madison zu sein, die auf Konventionen pfiff und sich nicht darum scherte, was andere von ihren teilweise verrückten Entscheidungen hielten. Taylors zwei Jahre ältere Cousine war ein absoluter Freigeist, der ihr ständig riet, doch einmal das zu tun, was ihr gefiel, und nicht nach der Pfeife ihres Vaters zu tanzen. Doch das war einfacher gesagt als getan. Leider fehlte ihr die nötige Courage, ihm erfolgreich die Stirn zu bieten.

Gegen ihren Vater kam Taylor einfach nicht an – weder mit acht Jahren, als sie heulend dagegen protestiert hatte, all die Mädchen zu ihrem Geburtstag einzuladen, die sie nicht mochte, noch mit vierzehn Jahren, als sie auf eine reine Mädchen-Highschool geschickt wurde, noch als Debütantin, deren Begleiter ständig beleidigende Bemerkungen über alle anderen gemacht und sie in schlimmste Peinlichkeiten gestürzt hatte, noch vor zwei Jahren, als sie sich mit ihm über die Wahl ihres Colleges gestritten hatte.

„Du solltest deine Mutter öfter anrufen. Seit du auf dem College bist, vermisst sie dich, Taylor.“

Gerade noch schaffte sie es, ein genervtes Augenverdrehen zu unterdrücken, und schob stattdessen das Kinn vor. „Ich bin schon seit zwei Jahren auf dem College, Dad. Mittlerweile sollte sich Mom daran gewöhnt haben, dass ich nicht mehr zu Hause wohne“, hob sie hervor und wollte sich kein schlechtes Gewissen einreden lassen, dass sich ihre Mutter daheim in New York einsam fühlte.

Das Los eines Einzelkindes war es nun einmal, die volle Aufmerksamkeit seiner Eltern genießen zu dürfen. Einerseits war dies sehr schön, aber andererseits bedeutete es, geradezu eingeengt, überbehütet und vereinnahmt zu werden. Taylor wusste, wovon sie sprach. Während ihr Vater danach strebte, seinem einzigen Kind eine außerordentlich gute Ausbildung zukommen zu lassen, und Taylor immer wieder zu verstehen gab, dass sie ihn nicht enttäuschen dürfe, gerade weil sie sein einziges Kind war, kannte der Stolz ihrer Mutter keine Grenzen. Sie hatte sich immer mit Feuereifer in Taylors Erziehung gestürzt und schien nach dem Highschoolabschluss ihrer Tochter ihr größtes Hobby verloren zu haben.

„Du weißt, wie sehr dich deine Mutter liebt“, erwiderte ihr Vater mit missbilligender Stimmlage. „Sie hat deinen Spott nicht verdient.“

Taylor schluckte und senkte den Kopf, während sie murmelte: „Ich wollte sie nicht verspotten, Dad.“

„Für mich klingt dies jedoch ganz anders.“ Die Miene ihres Vaters verhärtete sich. „Deine Mutter macht sich große Sorgen, weil du dich so selten meldest. Außerdem befürchtet sie, dass es dir nicht gut geht oder dass etwas geschehen sein muss, weil man dir jedes Wort aus der Nase ziehen muss. Wie soll ich sie nach unserem heutigen Gespräch von dem Gegenteil überzeugen, wenn ich mich ebenfalls fragen muss, was mit dir los ist?“

Mit trockener Kehle schluckte sie und schaute unschlüssig auf, um den stahlharten Augen ihres Vaters zu begegnen, die sie eindringlich musterten. Bevor sie jedoch etwas hätte erwidern können, machte er ihr deutlich, dass er noch nicht fertig war. Die Tatsache, dass sie sich mitten in einem Restaurant befanden, hielt ihren Vater nicht davon ab, mit autoritärer Stimme auf sie einzureden. Taylor wäre gerne in Deckung gegangen oder einfach aufgestanden. Nach seinem gestrigen Anruf, mit dem er ihr mitgeteilt hatte, dass er nach Nashville käme, um sie zu sehen, hatte sie genau so ein Gespräch gefürchtet.

„Wie du dir vorstellen kannst, habe ich deiner Mutter nicht erzählt, dass mich dein Tutor angerufen und mir berichtet hat, dass du kurz davor stehst, in deinem Hauptfach durchzufallen.“ Nach einer dramatischen Pause klang seine Stimme noch strenger als zuvor. „Durchzufallen, Taylor! Könntest du mir bitte sagen, was das zu bedeuten hat? Habe ich dich etwa dazu erzogen, dein Studium zu vernachlässigen, damit du mit Pompons wedeln und Footballspieler anfeuern kannst?“

Nach einem Schreckmoment setzte sie mit einem Krächzen an: „Dad, woher ...?“

Aufgebracht unterbrach er sie. „Es ist völlig egal, woher ich weiß, dass du den Cheerleadern beigetreten bist. Nur weil du in einem anderen Bundesstaat zum College gehst, bedeutet dies nicht, dass ich über deine Aktivitäten nicht unterrichtet wäre.“

Plötzlich schmeckte sie ätzende Galle in ihrer Kehle und öffnete den Mund, um ihm zu antworten und gleichzeitig festzustellen, dass kein Ton zu hören war.

„Was soll ich zu diesem vulgären Verhalten sagen? Natürlich sollst du dich weiterhin sportlich betätigen, aber Cheerleading ist sicherlich nicht die Sportart, die ich mir für meine Tochter vorgestellt habe. Der Dekan ist zudem ein Studienfreund deines Großvaters, Taylor, und sieht sich wöchentlich an, wie du im kurzen Röckchen auf und ab springst. Was soll er von unserer Familie halten?“

„Aber ...“

„Ist das etwa die Retourkutsche dafür, dass du mit dem Ballett aufgehört hast?“

Während ihr das Herz schmerzhaft in der Brust pochte, ballte sie unter dem Tisch die Hände zu Fäusten und bemerkte, wie sie zu schwitzen begann. „Natürlich nicht.“

Ratlos schüttelte er den Kopf. „Wie bist du dann auf den Gedanken gekommen, mit einem Mal den Cheerleader zu spielen?“

Mit belegter Stimme antwortete sie: „Es macht mir Spaß, Dad.“

„Spaß? Wir schicken dich nicht zum College, damit du Spaß hast, sondern deiner Ausbildung wegen.“

Wut und Schuldgefühle zugleich stiegen in ihr auf. „Das Cheerleading hat keinen Einfluss auf meine Noten.“

Er schnaubte abfällig. „Nachdem ich mir am Nachmittag deine rapide sinkenden Leistungsdiagramme im Büro deines Tutors angeschaut habe, denke ich anders darüber.“

Taylor wollte nicht daran denken, wie sie es fand, dass ihr Vater derart eigenmächtig über ihren Studienverlauf, ihre Noten und ihre Freizeitaktivitäten unterrichtet war. Aus gutem Grund hatte sie sowohl ihm als auch ihrer Mutter verschwiegen, dass sie sich den Cheerleadern angeschlossen hatte. Wenigstens eine Sache hatte sie selbst entscheiden wollen, ohne dass ihr jemand hätte hineinreden können. Neben all dem Druck, gute Leistungen zu bringen und einen ausgezeichneten Collegeabschluss zu machen, damit sie im Anschluss an einer ebenso guten Universität angenommen werden würde, hatte Taylor eine einzige Sache haben wollen, die ihr Spaß machte. Eine Sache, die ihr gefiel – und nicht ihrem Vater. Mit dem Ballett hatte sie seinetwegen aufgehört, weil er der Meinung gewesen war, dass Tänzerin kein Beruf war und ein anspruchsvolles Balletttraining nur ihrem Studium im Wege gestanden hätte. Über ein Jahr hatte sie es vermisst, auf der Bühne zu stehen und zu tanzen, täglich zum Training zu gehen und sich zur Musik zu bewegen, doch das Cheerleading hatte diese Lücke gefüllt.

Zum ersten Mal hatte sie sich auf dem College wohlgefühlt.

Zum ersten Mal hatte sie Freundschaften zu anderen Studentinnen geschlossen und sich jemandem verbunden gefühlt.

Und zum ersten Mal war sie glücklich auf dem College gewesen.

Dass sie seit einigen Wochen nicht mehr zum Training ging und auch nicht beabsichtigte, sich dort wieder sehen zu lassen, trug zu ihrer schlechten Stimmung bei. Doch eventuell könnte es ihren Vater ein wenig beruhigen, dass seine Tochter nicht mehr im kurzen Röckchen mit Pompons wedelte.

„Wenn du es genau wissen willst, bin ich bei den Cheerleadern wieder ausgetreten, Dad. Du musst dir also keine Sorgen machen, dass ich die Familie weiterhin in Verruf bringe.“

Ohne es beabsichtigt zu haben, klang ihre Stimme nach ächzendem Sarkasmus. Augenblicklich versteifte sich ihr Vater.

„Taylor Elisabeth Roberts, ganz sicher steht es dir nicht zu, auch noch sarkastisch zu werden. Wir reden hier über ein ernstes Thema! Deine Ausbildung steht auf dem Spiel, aber dich scheint dies überhaupt nicht zu interessieren.“

Ihre Schultern sackten hinab, während sie sich in dem übergroßen Sweatshirt zu verstecken versuchte, das sie angezogen hatte, um etwas Trost zu empfinden. Leistungsnachweise, Noten und Ausbildungsthemen waren momentan ihre geringsten Sorgen. Für ihren Vater waren sie jedoch am wichtigsten.

Kurz vor einem nervösen Tränenausbruch schüttelte sie den Kopf und beteuerte heiser: „Es ... es ist nur eine Phase, Dad. Ich werde schon nicht durchfallen.“

„Wie kannst du dir da sicher sein? Dein Wirtschaftsprofessor hat mir gesagt, dass du deine Hausarbeit noch immer nicht abgegeben hast, obwohl er dir bereits eine erweiterte Frist zugestanden hat. Weißt du eigentlich, wie ich mir vorgekommen bin, als er mir von den schlechten Leistungen meiner Tochter berichtet hat? Weißt du, wie peinlich das war?“

„Es tut mir leid“, würgte sie hervor und spürte zu allem Überfluss die neugierigen Blicke der Gäste des Nebentisches im Rücken. Anscheinend hatte ihr Vater vergessen, dass sie sich hier nicht in einem Gerichtssaal befanden und er keine Geschworenen mit volltönender Stimme beeindrucken musste.

„Mir tut es leid. Ich dachte nämlich, dass wir dich zu einem verantwortungsbewussten Menschen erzogen hätten, der weiß, wo seine Prioritäten liegen. Andere Studenten würden sich die Finger nach den Chancen lecken, die wir dir ermöglicht haben, Taylor.“ Er holte tief Luft. „Nimmst du Drogen?“

„Nein!“ Erschrocken zuckte ihr Kopf hoch, während sie hektisch den Kopf schüttelte. „Dad! Ich würde doch niemals ... niemals Drogen nehmen!“

„Was ist dann los? Ich habe dir von Anfang an gesagt, dass du die Finger von Alkohol und Studentenpartys lassen sollst. So etwas bringt nur Scherereien und Ärger. Trinkst du?“

„Nein.“ Sie atmete schwer aus. „Ich bin noch keine einundzwanzig und weiß, dass ich nicht trinken darf.“

Zynisch spitzte er die Lippen. „Junge Dame, ich bin nicht blöd. Auch Studenten unter einundzwanzig kommen an Alkohol heran. Sollte mir zu Ohren kommen, dass du volltrunken ...“

„Dad, ich trinke nicht“, unterbrach sie ihn zitternd. „Ehrlich.“

„Was ist dann los?“

„Es ... es ist nur eine ... eine Phase.“

Ratlos und verärgert zugleich lehnte er sich vor. „Taylor, ich werde es nicht akzeptieren, wenn du wie deine Cousine das Studium schleifen lässt. Mein Bruder mag darüber hinwegsehen, dass sich seine Tochter die Zukunft verbaut, aber ich werde dies nicht hinnehmen.“

Eigentlich wollte sie die Scham nicht empfinden, die in ihr hochstieg, und stammelte mit krächzender Stimme: „Ich ... ich werde mich bessern.“

Der eindringliche Blick aus seinen Augen machte sie nervös. Panisch überlegte sie, ob er an ihrer Miene ablesen konnte, was wirklich mit ihr los war, und spürte brennende Tränen in ihre Augen steigen.

„Taylor ...“

Bevor sie selbst wusste, was sie tat, sprang sie auf und würgte hervor: „Ich ... ich werde nicht durchfallen, Dad. Versprochen.“ Anschließend ließ sie ihn einfach stehen und stürmte aus dem eleganten Restaurant hinaus, wobei sie fast mit einem Kellner zusammengestoßen wäre, der ein Tablett mit Champagnergläsern getragen hatte.

 

 

 

 

1. Kapitel

 

 

„Ian, ich muss mit dir reden! Jetzt sofort, verdammt noch mal!“

„Oje.“ Brian Palmers dreckiges Kichern drang an sein Ohr. „Du armes Schwein! Teddy ist auf hundertachtzig. War echt nett, dich gekannt zu haben, Carlisle.“

Ian Carlisle vergrub die Hände in den Taschen seiner Anzughose, schnitt eine Grimasse und drehte sich anschließend mit einem Seufzer zu der Frau um, die seine Gehaltsschecks unterschrieb und jetzt gerade mit einem hochroten Kopf auf ihn zukam. Sein Mannschaftskapitän hatte recht, da dessen Frau aussah, als stünde sie kurz vor einem Mord. Selbst das nachlässig unter den Arm geklemmte Kind, das vor lauter Spaß kreischte, minderte diesen Eindruck nicht. Inmitten der gut gelaunten Hochzeitsgesellschaft, die sich im Foyer des Gebäudes der New York Titans versammelt hatte, wirkte Teddy MacLachlan-Palmer ein wenig deplatziert. Während die junge Teambesitzerin, die einen Kopf kleiner und um die fünfzig Kilo leichter als er war, ihn anfunkelte und ein Handy in der Luft herumschwang, zuckte in ihm die Erinnerung an einen Independent-Film auf, in dem blutrünstige Zombievampire auf arglose Footballspieler losgegangen waren. Automatisch hob er seine Schultern in die Höhe, da Teddy tatsächlich so aussah, als würde sie ihm mit dem größten Vergnügen die Halsschlagader durchbeißen.

Normalerweise hätte er keine Skrupel besessen und Brian gefragt, ob es zu den sexuellen Vorlieben seiner Frau gehörte, ihn mit Bissen zu malträtieren, doch in der jetzigen Situation hielt er es für klüger, den Mund zu halten. Obwohl er sich ziemlich gut denken konnte, warum seine Teamchefin ihn anscheinend einen Kopf kürzer machen wollte, spielte er das Unschuldslamm und schaute sie mit einem einnehmenden Lächeln an.

„Hallöchen, Chefin! Gut siehst du heute aus.“ Mit einer Ernsthaftigkeit, die ihn selbst überraschte, musterte er das außergewöhnliche und wild bedruckte Kleid der Frau, die mit einem Schnauben vor ihm stehen blieb und das Kleinkind auf ihre Hüfte hob. „Es ist ein Wunder, dass dich dein Göttergatte so vor die Tür lässt, immerhin könnte er Konkurrenz bekommen.“

Besagter Göttergatte klopfte ihm auf die Schulter und erklärte amüsiert: „Wenn du zu dick aufträgst, darfst du dich nicht wundern, wenn sie dir den Scheiß nicht abkauft.“

Ians Lächeln verrutschte nicht einen Millimeter. „Wieso trage ich zu dick auf? Deine Frau ist ein heißes Gerät.“

„Das heiße Gerät reißt dir gleich den Kopf ab und benutzt ihn anschließend als Töpfchen für die Zwillinge“, schimpfte Teddy und schien nicht zu bemerken, dass ihr Sprössling erst an seiner Faust kaute und diese anschließend in den Ausschnitt seiner Mom steckte, um dort mit einem seligen Grinsen auf Erkundungstour zu gehen.

Ian dagegen bemerkte sofort, dass seine Chefin keinen BH trug.

Brian wiederum schien zu bemerken, wie sein Teamkollege ungehörig intensiv in den Ausschnitt seiner Frau starrte. Vermutlich nahm er ihr aus diesem Grund das Kind ab, das sich mit einem Krähen an seinen Hals klammerte und feuchte Küsse auf das Kinn seines Dads drückte. Mit einem unterdrückten Stöhnen sah Ian, wie sich der Ausschnitt des exotischen Kleides wieder aufrichtete und ihm die Sicht auf einen reizvollen Flecken Haut verweigerte. Dafür, dass er sein Weihnachtsdate hatte versetzen müssen, um an der spontanen Hochzeit seines Teamkollegen teilzunehmen, wäre es nur fair gewesen, einen spektakulären Einblick in den Ausschnitt seiner Chefin zu bekommen.

Leider war das Leben nur selten fair.

„Weißt du, was das ist?“ Teddy schenkte der Tatsache, dass alle drei männlichen Anwesenden sich gerade intensiv mit ihrem Dekolleté beschäftigt hatten, keinerlei Beachtung, sondern fuchtelte mit ihrem Telefon vor Ians Nase herum.

„Ich bin zwar nicht Columbo, aber ich würde haarscharf alle Indizien miteinander kombinieren und auf ein Handy schließen“, entgegnete er todernst.

„Das ist überhaupt nicht komisch“, wütete sie los und kam ihm mit dem Ding so nahe, dass er um seine Nase fürchtete. „Der Commissioner hat mich gerade angerufen, Ian!“

„Wie nett, dass er persönlich anruft, um dir ein frohes Fest zu wünschen.“

Augenblicklich zogen sich ihre Augen zu Schlitzen zusammen. Doch ihre nächsten Worte galten nicht ihm, sondern ihrem Mann, der das glucksende Baby auf seinem Arm bespaßte.

„Brian, bringe ihn lieber weg. Ich will nicht, dass mein Sohn sieht, wie ich einen Mord begehe.“

„Dann bleibe ich auf jeden Fall hier“, widersprach der Quarterback inbrünstig. „Nächste Woche geht es für uns in die Play-offs und da möchte ich auf Ian nicht verzichten – egal, wie sehr er auch nerven kann.“

„Ey Mann, danke! Ich liebe dich auch – platonisch natürlich.“ Ian zwinkerte dem schwarzhaarigen Footballspieler zu, der prustend die Augen verdrehte und seinen Sohn auf seinem Arm auf und ab hüpfen ließ.

„Gut zu wissen. Ich hatte schon die Befürchtung, dass du jetzt wieder mit deiner Würstchen im Schlafrock-Diskussion beginnen würdest.“

„Apropos Würstchen im Schlafrock ...“ Er hob den Kopf, um über die bunt gemischte Hochzeitsgesellschaft hinweg nach einem Büfett zu suchen. „Hat Dozer für etwas Essbares gesorgt? Ich bin am Verhungern.“

„Ian“, zischte Teddy ihm zu und schien von seinem Ablenkungsmanöver nicht beeindruckt worden zu sein. „Könntest du dich bitte konzentrieren?“

Er zuckte mit der Schulter. „Schwer zu sagen, Chefin. Wenn ich Hunger habe, bekomme ich ADHS.“

Eine deutlich erkennbare Ader begann auf ihrer Stirn zu pochen. „Und ich bekomme deinetwegen noch das Tourette-Syndrom!“

„Das kann ich bestätigen.“ Brian seufzte schwer und hielt seinem Sohn die Hand hin, in die der Kleine einschlug. „Seit du bei uns bist, flucht sie sehr viel häufiger als früher. Ich habe nicht einmal gewusst, dass sie solche Wörter überhaupt kennt. Manchmal benutzt sie mich sogar als Punchingball!“

„Halt die Klappe, Brian!“

Ihr Mann verdrehte die Augen. „Mein Gott, Teddy! Wir sind auf einer Hochzeit. Bei normalen Frauen löst dies normalerweise eine gewisse romantische Stimmung aus. Und um ehrlich zu sein, hatte ich darauf gehofft, mit dir eine heiße Nummer im Konferenzraum zu schieben. Stattdessen werde ich angezickt ...“

„Wahre Liebe gibt es eben wirklich nur unter Männern.“ Ian hielt dem kleinen Fratz nun seine Hand hin und wurde gleich darauf mit einem zahnlosen Lachen belohnt, während der Sohn seines Mannschaftskapitäns geradezu profimäßig einschlug.

„Siehst du, Teddy?“ Brian nickte Ian großspurig zu. „Carlisle würde sich sicherlich mit mir in den Konferenzsaal verkrümeln, wenn er auf Würstchen im Schlafrock stünde.“

„Aber klaro!“ Er streckte dem Baby die Zunge raus und wurde mit einer sabbernden Nachahmung belohnt.

„Ich störe eure Liebesbekundungen nur ungern“, warf Teddy ächzend ein, ignorierte ihren Mann und trat stattdessen auf Ians Fuß, um ihn wissen zu lassen, dass er sich auf sie und nicht auf Brian zu konzentrieren hatte. „Aber ich habe noch ein Hühnchen mit dir zu rupfen, du Blödmann.“

„Nur weil du eifersüchtig auf die besondere Beziehung deines Mannes zu mir bist, musst du keine körperliche Gewalt anwenden“, schalt er sie gutmütig und schüttelte seinen Fuß. Glücklicherweise gehörte seine Chefin zu den Frauen, die eher barfuß liefen, als sich in hochhackige Schuhe zu quetschen. Obwohl er erst seit dieser Saison für die Titans spielte, kannte er die meisten Macken seiner Kollegen und natürlich auch die seiner Chefin. Dass Teddy ein eher burschikoser Typ Frau war, hatte ab und an seine Vorteile. Heute war es sicherlich von Vorteil, dass sie ihm keinen spitzen Absatz in den Fuß rammen konnte. Außerdem hatte er erst vor wenigen Augenblicken erfahren, dass burschikose Frauen anscheinend auf BHs verzichteten, was an und für sich ebenfalls von großem Vorteil sein konnte.

Andererseits sah Teddy MacLachlan-Palmer so aus, als hätte sie keine Probleme damit, mit Fäusten auf ihn loszugehen. Selbst die Anwesenheit eines ihrer Babys schien sie nicht daran zu hindern, Gift und Galle zu spucken.

„Mir ist es relativ egal, wie eure besondere Beziehung aussieht“, ächzte sie wutschnaubend. „Was mir nicht egal ist, ist, dass unser Commissioner mich zu Weihnachten anruft, um mir mitzuteilen, dass du mal wieder negativ aufgefallen bist! Hast du den Verstand verloren, Ian?“

Eher desinteressiert fragte er nach: „Worum geht es denn dieses Mal?“

Einen Moment lang befürchtete er, dass seine Chefin Amok laufen könnte, da ihr die Augen aus den Höhlen zu treten schienen. „Worum es geht? Dieses Mal? Heißt das, dass du nicht einmal weißt, was du schon wieder verbockt hast?!“

Betont fröhlich begann er Jingle Bells zu pfeifen und konnte gerade noch ihrem Fuß ausweichen, mit dem sie ihn treten wollte.

„Hey! Ich verbreite hier Weihnachtsstimmung ...“

„Du verbreitest Chaos!“ Wütend hielt sie ihm das Handy vor die Nase, auf dem ein Selfie zu sehen war, das ihm annähernd bekannt vorkam. „Bist du von allen guten Geistern verlassen worden?!“

„Was ist das?“ Neugierig trat Brian neben ihn und verschluckte sich glatt an einem Lachen.

„Das ist nicht komisch, Brian“, fuhr ihn seine Frau an. „Wir kommen seinetwegen in Teufels Küche!“

Ian war der Meinung, dass seine Chefin übertrieb, und erwiderte mit lässiger Stimme: „Ich will ja nicht prahlen, aber ...“

„Doch, doch! Das kannst du, Alter“, unterbrach Brian ihn. „In so einer Situation kann man unbesorgt prahlen.“

„Brian!“

Die wild gewordene Frau ignorierend nahm Ian ihr das Handy aus der Hand und begutachtete das Foto eingehend. „Eigentlich wollte ich damit prahlen, dass ich verdammt fotogen bin, Palmer. Und dann auch noch nach einer solchen Nacht!“

„Ach so ... auf dich habe ich nicht wirklich geachtet, wenn du verstehst ...“

Teddy riss ihm unbeherrscht das Handy aus der Hand. „Wieso zum Teufel machst du davon ein Foto und stellst es auch noch ins Netz?!“

Er zuckte mit der Schulter. „Ehrlich gesagt kann ich mich nicht daran erinnern, es geschossen und veröffentlicht zu haben. Vermutlich war ich betrunken.“

Sein Kapitän begann wiehernd zu lachen. „Und dann auch noch im Vollrausch! Respekt, Carlisle.“

„Du bist nicht hilfreich!“ Die Teamchefin fuhr sich entnervt über das Gesicht. „Was du da getan hast, Ian, hat mit einem respektvollen Sportgeist nichts zu tun! Die anderen Vereine finden das nicht komisch und ich auch nicht.“

Gutmütig rümpfte er die Nase und betonte fröhlich: „Was wir drei da miteinander gemacht haben, war tatsächlich nicht respektvoll. Es war ziemlich ... heiß. Wie Sex sein sollte, Teddy.“

Ihr blieb der Mund offen stehen, während sie ihm demonstrativ das Foto unter die Nase hielt. „Du hast unter das Bild gepostet: Besser als der Superbowl!“

„Na und?“ Ahnungslos zuckte er mit der Schulter.

„Na und?!“, wiederholte sie fassungslos. „Verdammt, Ian! Auf dem Foto liegst du nackt zwischen zwei ebenfalls nackten Frauen, die zufällig zu den Cheerleadern der Broncos gehören – dem Verein, gegen den wir nur knapp gewonnen haben. Und absolut zufällig ist eine der Damen die Freundin des Quarterbacks, mit dem du dich auf dem Feld fast geprügelt hättest!“

„Sieg auf der ganzen Linie würde ich sagen“, antwortete er grinsend.

Stöhnend schüttelte Teddy den Kopf und murmelte: „Ich kündige.“

„Schatz, das kannst du nicht“, wies ihr Mann sie freundlich auf das Offensichtliche hin und legte einen Arm um ihre Schulter. „Teambesitzer können nicht kündigen – so leid es mir auch tut.“

Räuspernd bemühte sich Ian um eine ernsthafte Tonlage. „Wenn es dir hilft, kann ich gerne versprechen, ab sofort auf Dreier mit gegnerischen Cheerleadern zu verzichten. Jedenfalls so lange, bis wir den Superbowl gewonnen haben.“

„Du treibst mich in die Klapsmühle“, warf sie ihrem Wide Receiver mit vergrätzter Miene vor. „Du wirst schuld daran sein, dass mich meine Kinder nur noch sehen können, wenn ich eine Zwangsjacke trage!“

„Ach“, beruhigte Brian seine Frau gutmütig. „So weit wird es schon nicht kommen. Komm schon, Schatz. Wir geben George bei irgendjemandem ab und machen einen Spaziergang durchs Gebäude.“

Dank der einschmeichelnden Stimme des Quarterbacks der Titans, von dem Ian bereits gehört hatte, dass er seine Frau in null Komma nichts besänftigen und auf andere Gedanken bringen konnte, glaubte er sich bereits in Sicherheit, als sich ihre schmal gewordenen Augen auf sein Gesicht hefteten und äußerst entschlossen wirkten.

„Du wirst keine Cheerleader mehr anfassen. Verstanden!“

Wie ein zu Unrecht verurteilter Straftäter schnappte er gespielt empört nach Luft. „Aber, Teddy! Was soll ich tun, wenn eine von ihnen verletzt auf dem Boden liegt?“

„Dann rufst du einen Arzt!“ Abwehrend verschränkte sie die Arme vor der Brust. „Ich meine es todernst, Ian! Du lässt die Finger von Cheerleadern, von Freundinnen oder Frauen anderer Spieler, oder du lernst mich kennen. Außerdem hast du ab sofort Handy-Verbot. Ich will kein Selfie, keinen Post oder was weiß ich von dir in nächster Zeit im Netz sehen.“

„Und was soll ich stattdessen tun?“

„Wie wäre es mit Football?“, fuhr sie ihn an. „Oder lies ein Buch! Und deine Spielzüge solltest du auch endlich einmal beherrschen! Beim letzten Training sah es so aus, als hättest du dich verlaufen.“

Lächelnd fuhr er sich durch sein blondes Haar. „Alles bloß Taktik, Chefin.“

„Und nenne mich nicht Chefin“, entgegnete sie angefressen.

Glücklicherweise mischte sich ihr Mann ein und unterbrach sie mit einem lauten Stöhnen. „Carlisle, meine Frau und ich verabschieden uns jetzt, um noch ein Quäntchen Romantik zu genießen, bevor ich sie wieder an die Heizung ketten muss, damit sie niemanden anfällt, sobald der Mond aufgeht ...“

Er brach in Gelächter aus, während Brian dessen fauchende Frau mit eiserner Entschlossenheit wegführte. Amüsiert blickte er ihnen hinterher und war verdammt froh, dass sein Kapitän anscheinend wusste, wie er mit seiner Frau umgehen musste. Zwar hatte er sowieso keine Lust auf diese Hochzeit gehabt, doch von seiner winzigen Chefin angefallen zu werden, während er Hunger hatte und den unbequemen Smoking verfluchte, den er gezwungenermaßen tragen musste, ging ihm entsetzlich auf den Keks.

Ehrlicherweise musste er gestehen, dass er sich in keinem seiner bisherigen Teams so wohlgefühlt hatte. Zwar spielte er erst seit dieser Saison in New York und kannte seine Mitspieler daher noch nicht besonders lange, doch da er als umgänglicher Zeitgenosse bekannt war, der über keinerlei Berührungsängste verfügte, hatte er sich ziemlich rasch mit seinen Teamkollegen angefreundet. Das war auch der Grund, weshalb er sich darauf eingelassen hatte, heute die improvisierte Hochzeit seines Kumpels Dupree zu besuchen, obwohl Weihnachten war.

Mit einem Grummeln zog er sein Handy aus der Hosentasche heraus und rümpfte kritisch die Nase, als sein Blick auf den Anruf fiel, der während der Zeremonie eingegangen war. Da er keinen Bock hatte, diesen zu beantworten und mit seiner Mom zu telefonieren, schob er das Handy zurück in die Hosentasche und atmete kurz durch.

Schon seit Jahren feierte er Weihnachten nicht mehr, weil er auf heuchlerische Familienfeste keinen Wert legte. Außerdem war seine Familie, wenn man diese als solche überhaupt bezeichnen konnte, eh über zwei Kontinente zerstreut. Seinen Pop hatte er seit mindestens fünf Jahren nicht mehr gesehen und seine beiden Halbbrüder aus zweiter Ehe seines Vaters sowie seine Stiefmutter kannte er kaum. Die vier lebten in der Nähe von Aberdeen, wo auch Ian bis zu seinem sechsten Lebensjahr aufgewachsen war, bis seine Eltern in die Staaten gezogen waren. An seine Kindheit in Schottland hatte er nur noch wenige Erinnerungen, auch wenn er den breiten schottischen Akzent nie wirklich losgeworden war. Vielleicht hatte er ihn auch gar nicht ablegen wollen, um aus lauter kindlichem Trotz seinen Stiefvater zu ärgern, den seine Mom ihm mit neun Jahren beschert hatte, als er bereits zum dritten Mal innerhalb von drei Jahren hatte umziehen müssen.

Selbst wenn er sich an seine ersten sechs Lebensjahre kaum erinnern konnte, wusste er doch, dass sich seine Eltern damals so gut wie nie gestritten hatten. Erst als sie in die USA gezogen waren, weil seine Mom vor lauter Heimweh unglücklich geworden war und sein Pop die Aussicht auf einen guten Job als Automechaniker in Chicago gehabt hatte, war es immer öfter zu Streitigkeiten gekommen. Zwei Jahre nach ihrem Umzug hatten sich die beiden scheiden lassen. Ians Vater war zurück nach Schottland gegangen, während Ian bei seiner Mom geblieben war, die erst nach Oklahoma zu ihrem Vater und anschließend nach Colorado gezogen war, um dort als Sekretärin zu arbeiten. Nicht einmal ein halbes Jahr später hatte sie ihren Chef geheiratet, den Ian noch heute nicht leiden konnte. Natürlich wusste er selbst, dass er kein einfaches Kind gewesen war. Ihm hatte es damals schwer zu schaffen gemacht, dass sein Pop das Land verlassen und nicht einmal Anstalten gemacht hatte, um seinen Sohn zu kämpfen.

Dass Ian innerhalb weniger Monate zweimal die Schule hatte wechseln müssen und jedes Mal wegen seines Akzents gehänselt worden war, hatte die Situation nicht besser gemacht. Ständig war er in Prügeleien geraten und hatte anschließend daheim Ärger von seinem Stiefvater bekommen. Seine Mom dagegen war völlig in der Rolle der liebenden Ehefrau aufgegangen, die ihrem Mann ein Jahr nach der Hochzeit ein Baby und zwei Jahre später ein weiteres Kind geboren hatte. Ian war sich wie ein Fremder vorgekommen, der ständig zur Seite geschoben worden war. Noch heute nahm er es seiner Mom übel, ihn in dem ganzen Trubel übersehen und ihrem Mann nach dem Mund geredet zu haben. Anstatt zwischen Ian und seinem Stiefvater zu vermitteln, hatte ihre absolute Parteinahme für ihren Mann alles nur schlimmer gemacht. Mit elf hatte Ian begonnen, die Schule zu schwänzen, und mit zwölf hatte er von älteren Schulfreunden gelernt, wie man Autos kurzschloss. Nachdem er von der Polizei in einem geklauten Auto aufgegriffen worden war, hatte daheim Grabesstimmung geherrscht. Nur wenige Wochen später war es derart schlimm zwischen ihm und seinen Stiefvater Rayne geworden, dass sein Grandpa ihn zu sich nach Oklahoma genommen hatte. Bis zu seinem Umzug aufs College hatte er auf der Farm seines Großvaters gewohnt und vermisste noch heute sein damaliges Leben.

Und seinen Grandpa vermisste er am meisten.

Sein Pop und seine Mom waren seine Eltern und irgendwie liebte er sie auch, doch dies hieß nicht, dass er nun mit achtundzwanzig Jahren darauf angewiesen war, die heile Familie zu spielen. Ab und zu telefonierte er mit ihnen, antwortete auf ihre Mails und konnte sich dazu durchringen, einmal im Jahr zu einem Besuch nach Colorado zu fliegen, um wie ein Fremder am Familientisch zu sitzen und sich Geschichten über Freunde der Familie anzuhören, die er sowieso nicht kannte. Seine beiden Halbschwestern Georgia und Casey kannte er ebenso wenig wie seine Halbbrüder Callum und Malcolm. Damit kam er klar.

Bevor ihm die düsteren Gedanken an seine Familie den Appetit verdarben, machte er sich lieber auf die Suche nach etwas Essbarem und schlenderte durch das Foyer. Obwohl die Hochzeit in letzter Sekunde geplant worden war, hatte das Organisationsteam ganze Arbeit geleistet. Sogar Dekorationen und Blumengestecke gab es, die an ein Mischmasch aus Weihnachtsfilmen und Hochzeitskram erinnerten. Etwas skurril waren vor allem die kleinen Bulldoggen seines Kumpels und Bräutigams, die mit Weihnachtsmützen auf den Köpfen durch das Foyer hetzten und von der kleinen Tochter seines Mannschaftskollegen Tom gejagt wurden. Gerade noch konnte er einer der hechelnden Bulldoggen ausweichen, als ihm der Geruch nach Pizza in die Nase stieg.

Zwar passten Mafiaplätzchen nicht unbedingt zu den kulinarischen Höhepunkten einer Hochzeitsfeier, doch das protestierende Magenknurren holte Ian auf den Boden der Tatsachen zurück. Solange er sich mit irgendetwas vollstopfen konnte, sollte es ihm recht sein. Er war dermaßen ausgehungert, dass er sogar mit Dörrfleisch oder Dosenravioli vorliebgenommen hätte.

Die Gäste, die ihn auf seinem Weg zu dem improvisierten Büfett ansprechen wollten, ignorierte er wohlweislich und strebte lieber eiligen Schrittes den langen Tisch an, auf dem halb leere Pizzakartons lagen. Ohne sich einen Teller zu nehmen, grabschte er nach einem fetttriefenden Stück Peperonipizza und stieß dabei versehentlich die Frau neben sich an, die er in seiner Hast überhaupt nicht bemerkt hatte.

„Oh, Entschuldigung“, murmelte er.

Als sie ihm mit einem erschrockenen Laut das Gesicht zuwandte, setzte er ein entschuldigendes Lächeln auf und zuckte unbedarft mit der Schulter.

„Kalte Pizza ... na ja, besser als nichts, oder?“

Ohne auf eine Antwort zu warten, stopfte er sich das Stück in den Mund und beobachtete, wie sie ihn ungläubig anschaute. Der plötzliche Genuss der zugegebenermaßen kalten Pizza überforderte ihn dermaßen, dass er sich keine Gedanken um den fassungslosen Ausdruck in dem hübschen Gesicht der Blondine machte, ihr kurz zunickte und sich umdrehte, um wieder zu verschwinden.

Er schluckte einen großen Biss hinunter, kaute und hielt plötzlich inne, um sich eine Sekunde später ungläubig umzudrehen und die Blondine fassungslos anzustarren.

„Taylor?“

Ihre Stimme zitterte, als sie schlicht und ergreifend erwiderte: „Ian.“

Rasch schluckte er den Rest der Pizza hinunter, wischte sich über den Mund und überwand die kurze Distanz zu ihr, um mit absoluter Verwirrung vor ihr stehen zu bleiben. Nervös und unsicher sah er auf sie hinab und zwang sich zu einem leichten Lächeln. „Lange nicht gesehen. Wie geht es dir?“

Sie schien tief Luft zu holen, bevor sie ihre blauen Augen ein winziges Stück verengte und die vollen Lippen kurz zusammenpresste. Nur einen Augenblick später antwortete sie dumpf: „Ganz gut.“

„Schön ...“ Er räusperte sich und kam sich wie der letzte Volltrottel vor. „Ich meine, es ist ... schön, das zu hören. Gut siehst du aus.“

„Danke“, erklärte sie ziemlich unterkühlt, was ihm wiederum merkwürdig vorkam.

Wie viele Jahre war es her, dass er sie zum letzten Mal gesehen hatte? Fünf Jahre mussten mittlerweile vergangen sein. Es war in seinem letzten Jahr am College gewesen, als er die zwanzigjährige Studentin kennengelernt hatte. Sie hatten eine tolle Zeit zusammen gehabt und waren ziemlich verknallt gewesen – wie man es eben auf dem College war. Man kam viel rum, verknallte sich, verbrachte die meiste Zeit miteinander und fand kurz darauf jemand anderen, in den man sich verknallte. Bei ihm und Taylor war es nicht anders gewesen. Collegelieben waren sowieso nie von langer Dauer und endeten meistens ebenso plötzlich, wie sie begonnen hatten. Kurz vor seinem Abschluss hatten sie sich aus den Augen verloren, wenn er sich richtig erinnerte. Damals war alles verdammt chaotisch abgelaufen, schließlich hatte der Draft kurz bevor gestanden und er war ständig von seinem Agenten belagert worden, der ihn zu Abendessen mit Teamchefs und Cheftrainern geschleppt hatte. Viel Zeit für eine feste Freundin hatte er demnach sowieso nicht gehabt. Ian wusste noch, dass Taylor extrem anhänglich gewesen war und ihm immer wieder nachtelefoniert hatte. Irgendwann hatte sie damit aufgehört, seine Mailbox vollzuquatschen, also musste sie den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden haben.

Aus heutiger Sicht wusste er, dass er sich ziemlich mies verhalten hatte, denn Taylor war ein süßes Mädchen gewesen, das eine solche Abfuhr nicht verdient hatte.

Glücklicherweise waren sie beide mittlerweile erwachsen und konnten über ihre jugendlichen Missgeschicke lachen.

Daher schaute er in das bildhübsche Gesicht der Blondine, die anlässlich der Hochzeit ein pfirsichfarbenes Kleid trug und ihr blondes Haar zu einem eleganten Knoten geschlungen hatte, und setzte ein charmantes Lächeln auf. „Bist du mit der Braut befreundet?“

Sie schüttelte den Kopf, hob das Kinn und erklärte mit stoischer Stimme: „Ich bin Cheerleader bei den Titans. Seit einem Jahr schon.“

Überrascht legte er seinen Kopf schief. „Was? Aber ... aber wieso habe ich dich dann noch nie gesehen?“

Ihre Antwort bestand aus einem Schulterzucken, bevor sie einen Schritt nach hinten machte. „Ich muss wieder los ...“

„Gibst du mir deine Nummer?“, wollte er lässig wissen und griff nach seinem Handy. „Wir können ja mal einen Kaffee trinken gehen.“

Einen Moment lang sagte sie nichts, bevor sie ungläubig fragte: „Einen Kaffee?“

„Oder einen Tee.“ Grinsend strich er sich eine Strähne aus der Stirn. „Irgendein Heißgetränk deiner Wahl.“

„Ich denke nicht, dass dies eine gute Idee ist.“

„Wieso nicht?“ Er zwinkerte verwirrt und musterte sie neugierig. „Wir können über die guten, alten Zeiten quatschen.“

Der Blick aus ihren blauen Augen sowie der verschlossene Mund hätten ihn eigentlich warnen sollen, doch Ian gehörte unglücklicherweise zu den Menschen, die lachend in ihr Verderben rannten. Nicht umsonst konnte er sich selten aus Ärger raushalten und wurde daher öfter bei Kneipenprügeleien verhaftet als der Otto Normalverbraucher.

„Die guten, alten Zeiten?“, zischte sie ihm aufgebracht zu. „Hast du den Verstand verloren?“

Abschätzig ließ er die Mundwinkel sinken und erwiderte trocken: „Komische Geschichte. Du bist nicht die Erste, die mich das heute fragt.“

Wortlos drehte sich die allem Anschein nach aufgebrachte Blondine um und wollte gehen, als er nach ihrer Hand griff und eine Sekunde später eine schallende Ohrfeige verpasst bekam.

Ian zuckte zurück und schnitt eine Grimasse, denn der Schlag war härter gewesen, als er vermutet hätte.

„Rühr mich nicht an“, zischte sie ihm zu, entriss ihm die Hand und verschwand wütend.

Bevor er überhaupt wusste, wie ihm geschah, stand plötzlich Blakes Freundin Madison vor ihm und sah nicht minder aufgebracht aus.

„Was hast du zu ihr gesagt?“

„Wie bitte?“ Geradezu eulenartig blinzelte er und rieb sich die Wange. „Was zum Teufel willst du denn von mir?“

„Lass Taylor in Ruhe“, warnte sie ihn. „Meine Cousine ist zu gut für dich!“

„Deine Cousine?“ Ratlos schüttelte er den Kopf und legte diesen anschließend in den Nacken. „Oh Mann!“

 

 

 

 

2. Kapitel

 

 

Den Mund voller Eiscreme öffnete Taylor ihre Wohnungstür und erklärte rundheraus: „Ich will nicht darüber reden.“

„Dir tropft Eiscreme aus dem Mund“, entgegnete ihre Cousine unbeeindruckt und schob sich an ihr vorbei in die Wohnung.

Damit blieb Taylor nichts anderes übrig, als die Tür zu schließen, sich über den Mund zu wischen, ihre Familienpackung Chocolate-Chips-Eis verteidigend zu umklammern und den Suppenlöffel wieder in der sahnigen Masse zu versenken. Gleichzeitig lehnte sie sich für einen kurzen Moment gegen die Wand und beobachtete missmutig, wie Madison frei von jeglicher Scheu aus ihren Schuhen schlüpfte und ungeniert gähnte, bevor sie kommentarlos das Wohnzimmer anstrebte. Taylor seufzte und sah ein, dass sich ihre Cousine nicht vertreiben lassen würde, also stieß sie sich von der Wand ab und folgte ihr. In ihrem kleinen Wohnzimmer angekommen schälte sich Madison aus der schwarzen Lederjacke und ließ sich geräuschvoll auf die Couch fallen, bevor sie Taylor auffordernd ansah.

Die dachte jedoch nicht daran, Madison Rede und Antwort zu stehen, sondern wäre lieber alleine geblieben. Schließlich hatte sie die Hochzeitsfeier im Titans-Gebäude nicht umsonst schnurstracks verlassen, nachdem sie die mit Abstand unangenehmste Begegnung hinter sich gebracht hatte, die sie sich vorstellen konnte. Seit Sommer letzten Jahres, als bekannt geworden war, dass Ian Carlisle nach New York wechseln würde, hatte Taylor diesen Augenblick gefürchtet. Niemals im Leben hatte sie wieder mit ihm reden wollen. Ehrlicherweise hätte sie auch nie damit gerechnet, ihn wiederzusehen, und war verdammt glücklich über diese Aussicht gewesen.

Ian Carlisle war nun einmal eine Episode in ihrem Leben, an die sie nicht gerne zurückdachte. Am liebsten hätte sie mit einem brennenden Eisen die Erinnerung an ihn aus ihrem Gedächtnis gelöscht. In den vergangenen fünf Jahren hatte sie einiges getan, um ihn so gut wie möglich zu vergessen. Seinetwegen hatte sie tatsächlich darüber nachgedacht, das Team der Cheerleader zu verlassen, weil sie nicht das Risiko hatte eingehen wollen, ihm über den Weg zu laufen. Doch dann hatte sie sich selbst eine Närrin geschimpft, die sich ihre größte Leidenschaft nicht wegen eines überheblichen Widerlings madig machen lassen wollte.

Bis zu der vermaledeiten Hochzeitsfeier hatte sie es geschafft, Ian Carlisle nicht zu begegnen. Auf dem Spielfeld war er bislang immer zu abgelenkt gewesen, um sich die Reihen der Cheerleader genauer anzusehen, und während der Trainingseinheiten, die Taylor mit den anderen Mädchen absolvierte, hatte er sich nie blicken lassen. Da Taylors Cousine seit einigen Wochen eine Beziehung zu seinem Kumpel Blake führte, hatte sie immer dafür Sorge getragen, dass keiner seiner Teamkollegen bei ihm war, wenn sie Madison besuchen gekommen war. Die Aussicht auf Weihnachten hatte sie nervös gemacht, schließlich hatte sie befürchten müssen, dass Blake einige seiner Mitspieler hätte einladen können. Madison war nämlich auf die grandiose Idee gekommen, die ganze Familie in die Wohnung ihres Freundes einzuladen, um dort Weihnachten zu feiern.

Für Taylor war dies eine grauenvolle Vorstellung gewesen.

Was dann aber gefolgt war, hätte nicht schlimmer sein können.

Anstatt Weihnachten bei Madison und Blake zu feiern, hatte sich Dupree Williams zu einer spontanen Hochzeit entschlossen, zu der das ganze Team eingeladen worden war. Dementsprechend war die eigentlich geplante Weihnachtsfeier ausgefallen und die ganze Familie hatte an der improvisierten Zeremonie und der anschließenden Feier teilgenommen, auf der Ian Carlisle geradezu in sie hineingelaufen war.

„Seit wann isst du Eis mit einem Suppenlöffel?“

„Seit ich es kann“, ächzte sie genervt und starrte Madison bedeutungsschwanger an. „Es ist Weihnachten. Solltest du das Fest nicht mit deinem Freund verbringen?“

Madison zuckte lässig mit der Schulter und erklärte geradezu fröhlich: „Der ist schon völlig hinüber. Ich vertraue auf seine Kumpels, dass sie ihn nach Hause schaffen, denn in seinem momentanen Zustand weiß er nicht einmal seinen Namen.“

Das waren wirklich himmlische Aussichten.

Da Taylor nicht länger wie bestellt und nicht abgeholt in ihrem eigenen Wohnzimmer stehen wollte, machte sie es sich auf einem Sessel bequem und schlug die Beine unter. Glücklicherweise hatte sie ihr Kleid bereits mit einer Jogginghose und einem Sweatshirt getauscht. In den gemütlichsten Klamotten, die sie besaß, hatte sie sich einen entspannten Abend machen und den heutigen Tag ausblenden wollen. Auf Besuch war sie nicht eingestellt gewesen. An der entschlossenen Miene ihrer Cousine konnte sie erkennen, dass Madison nicht mit dem Gedanken spielte, wieder zu gehen. Dennoch versuchte Taylor, sie wenig subtil zum Gehen zu überreden.

„Wenn Blake in einer so schlechten Verfassung ist, solltest du dich erst recht um ihn kümmern“, wies sie ihre Cousine auf das Offensichtliche hin und nahm einen weiteren Löffel Eis. Mit vollem Mund ergänzte sie: „Nicht dass er an seinem eigenen Erbrochenen erstickt.“