Cherringham Sammelband V - Folge 13-15 - Matthew Costello - E-Book

Cherringham Sammelband V - Folge 13-15 E-Book

Matthew Costello

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Beschreibung

Very British - drei England-Krimis in einem Band. Diese E-Book-Sonderausgabe beinhaltet die Fälle 13 -15 der Cosy Crime Serie 'Cherringham - Landluft kann tödlich sein' - ein Muss für Fans von Miss Marple und Sherlock Holmes! Folge 13: Morden will gelernt sein. Aufgeschlitzte Autoreifen, vergiftetes Essen und tote Ratten im Schwimmunterricht - in Cherringham Hall, einem renommierten Mädcheninternat, gehen eigenartige Dinge vor sich, die langsam aber sicher Angst und Schrecken verbreiten. Als sich dann auch noch die Lehrkraft das Leben nimmt, die Cherringhams Eliteschülerinnen die beliebteste Mentorin ist, bleibt der Internatsleitung nichts anderes übrig, als die beängstigenden Geschehnisse so diskret wie möglich aufklären zu lassen. Denn dem exklusiven Ruf des Instituts darf unter keinen Umständen Schaden zugefügt werden. Jack und Sarah übernehmen den Fall und müssen feststellen, dass manche Menschen für großen Erfolg über Leichen gehen ... Folge 14: Die Legende von Combe Castle. Die mittellosen FitzHenrys, Eigentümer des als Kulturerbe ernannten, aber ziemlich heruntergekommenen Anwesens Combe Castle, werden zu Opfern einer fiesen Hetzkampagne. Jemand möchte sie aus dem Heim ihrer Vorfahren vertreiben. Jack und Sarah werden engagiert, um den Schuldigen hinter der Kampagne aufzuspüren. Doch die Ermittlungen gestalten sich schwierig, denn nichts auf dieser Burg ist wie es scheint: bizarre und unheimliche Wachsfiguren aus dem Gruselkabinett geben sich ein Stelldichein mit Verwandten und Nachbarn, die es nicht erwarten können, das adelige Paar endlich verschwinden zu sehen- Folge 15: Ein fataler Fall. Dylan McCabe, ein irischer Bauarbeiter mit einer großen Klappe, beschwert sich lauthals über die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen bei einem eilig durchgeführten Bauprojekt. Als er nach einem Sturz auf der Baustelle tot aufgefunden wird, scheint es, als wären Dylans Warnungen allzu begründet gewesen. Allerdings nur bis Jack und Sarah sich einschalten und der vermeintliche Unfall auf einmal verdächtig nach einem eiskalten Mord aussieht. Wenige Tage vor Weihnachten machen Jack und Sarah sich auf die Suche nach dem Schuldigen. Sehr bald geraten sie dabei jedoch selbst in Gefahr - Jack und Sarah ermitteln weiter - jeden Monat erscheint ein neuer, in sich abgeschlossener Fall mit Cherringhams Ermittlerduo.

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Seitenzahl: 380

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Inhalt

Cover

Cherringham – Landluft kann tödlich sein – Die Serie

Über diesen Sammelband

Über die Autoren

Die Hauptfiguren

Sammelband V

Impressum

Morden will gelernt sein

Die Legende von Combe Castle

Ein fataler Fall

Im nächsten Sammelband

Cherringham – Landluft kann tödlich sein – Die Serie

»Cherringham – Landluft kann tödlich sein« ist eine Cosy Crime Serie, die in dem vermeintlich beschaulichen Städtchen Cherringham spielt. Jeden Monat erscheint sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch ein spannender und in sich abgeschlossener Fall mit dem Ermittlerduo Jack und Sarah.

Über diesen Sammelband

Dieser Sammelband beinhaltet die Cherringham-Fälle dreizehn, vierzehn und fünfzehn:

Cherringham – Morden will gelernt sein

Cherringham – Die Legende von Combe Castle

Cherringham – Ein fataler Fall

Über die Autoren

Matthew Costelloist Autor erfolgreicher Romane wie Vacation (2011), Home (2014) und Beneath Still Waters (1989), der sogar verfilmt wurde. Er schrieb für verschiedene Fernsehsender wie die BBC und hat dutzende Computer- und Videospiele gestaltet, von denen The 7th Guest, Doom 3, Rage und Pirates of the Caribbean besonders erfolgreich waren. Er lebt in den USA.

Neil Richards hat als Produzent und Autor für Film und Fernsehen gearbeitet sowie Drehbücher für die BBC, Disney und andere Sender verfasst, für die er bereits mehrfach für den BAFTA nominiert wurde. Für mehr als zwanzig Videospiele hat der Brite Drehbuch und Erzählung geschrieben, u.a. The Da Vinci Code und, gemeinsam mit Douglas Adams, Starship Titanic. Darüber hinaus berät er weltweit zum Thema Storytelling.

Bereits seit den späten 90er Jahren schreibt er zusammen mit Matt Costello Texte, bislang allerdings nur fürs Fernsehen. Cherringham ist die erste Krimiserie des Autorenteams in Buchform.

Die Hauptfiguren

Jack Brannen ist pensioniert und frisch verwitwet. Er hat jahrelang für die New Yorker Mordkommission gearbeitet. Alles was er nun will ist Ruhe. Ein Hausboot im beschaulichen Cherringham in den englischen Cotswolds erscheint ihm deshalb als Alterswohnsitz gerade richtig. Doch etwas fehlt ihm: das Lösen von Kriminalfällen. Etwas, das er einfach nicht sein lassen kann.

Sarah Edwards ist eine 38-jährige Webdesignerin. Sie führte ein perfektes Leben in London samt Ehemann und zwei Kindern. Dann entschied sich ihr Mann für eine andere. Mit den Kindern im Schlepptau versucht sie nun in ihrer Heimatstadt Cherringham ein neues Leben aufzubauen. Das Kleinstadtleben ist ihr allerdings viel zu langweilig. Doch dann lernt sie Jack kennen …

Matthew CostelloNeil Richards

CHERRINGHAM

LANDLUFT KANN TÖDLICH SEIN

Sammelband V

Folge 13: Morden will gelernt seinFolge 14: Die Legende von Combe CastleFolge 15: Ein fataler Fall

BASTEI ENTERTAINMENT

Digitale Originalausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Copyright © 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln

Textredaktion: Dr. Arno Hoven

Übersetzung: Sabine Schilasky

Lektorat/Projektmanagement: Esther Madaler

Covergestaltung: Jeannine Schmelzer unter Verwendung von Motiven © shutterstock: Buslik | Bastian Kienitz | Steve Heap

E-Book-Erstellung: Urban SatzKonzept, Düsseldorf

ISBN 978-3-7325-1711-4

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Matthew CostelloNeil Richards

CHERRINGHAM

LANDLUFT KANN TÖDLICH SEIN

Morden will gelernt sein

1. Nass!

Über die Hintertreppe rannte Sophie White in den zweiten Stock des Florence House hinauf. Ihre Schritte hallten auf den ausgetretenen Steinstufen. Das Treppenhaus war eisig kalt.

Verdammt, verdammt – und noch mal verdammt! Ich bin zu spät, dachte sie. Die Zusatzkurse am Samstag dürfen eigentlich nie überziehen! Das ist so unfair …

Oben an der Treppe öffnete sie die schwere Brandschutztür, die zu den Zimmern der Primanerinnen führte, lief vorbei an dem überfüllten Gemeinschaftsraum und der Küche, in der sie die üblichen Verdächtigen erblickte.

Aah, Toastbrot mit Käse! Wenn ich doch nur mitessen könnte …

Aber selbst wenn sie die Zeit dazu hätte, wäre sie hier wohl nicht willkommen; denn Freya und ihre Clique waren in der Küche.

Und seit das neue Schuljahr angefangen hatte, schnitten sie Sophie.

Sie erreichte das Ende des Korridors, stieß die Tür zu ihrem Zimmer auf und schleuderte ihre Laptop-Tasche aufs Bett.

»Gehen, nicht laufen«, ertönte eine Stimme von dem anderen Bett im Raum.

Sophie blickte hinüber: Ihre Mitbewohnerin Hannah hatte sich in ihre Kissen zurückgelehnt und sah sich etwas auf ihrem iPad an, wobei eine Hand über der gemeinsamen Keksdose schwebte.

»Gehen ist was für Sextanerinnen«, erwiderte Sophie und durchwühlte ihren Kleiderschrank, sodass die Kleidungsstücke nur so herumflogen. »Kannst du mir deinen Jogginganzug leihen? Meiner ist voller Matsch.«

»Wie eklig«, antwortete Hannah achselzuckend und aß einen Keks.

Sophie brauchte kein Ja. Nachdem die beiden sechs Jahre lang in einem Zimmer zusammengewohnt hatten, benötigten sie bei so etwas keine Worte, um sich zu einigen.

Was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein. Wir leben zusammen und sterben zusammen. Freundinnen bis zum Schluss. Keine Lügen, keine Geheimnisse.

Mit jedem neuen Schuljahr an der Cherringham Hall School for Girls hatten sich Hannah und sie einander fester verschworen – und dies jeweils mit einem neuen Motto. Und jetzt waren sie in ihrem letzten Jahr: echte Primanerinnen. Nur noch drei Trimester, dann …

Sophie hielt inne und dachte über das baldige Ende der Schulzeit nach, was ihr ein komisches Loch im Bauch bescherte. Nein, das war viel zu unheimlich.

»Was soll überhaupt die Eile? Triffst du dich mit jemandem?«, fragte Hannah. »Einem heimlichen Verehrer?«

»Schön wär’s«, sagte Sophie. »Ich soll den Minnows-Club für Miss Braithwaite leiten.«

»Ah, die fiese Pflicht ruft.«

»Genau.«

»Hey, bist du nicht spät dran?«

»Sehr witzig!«

Sie schnappte sich ihren Badeanzug, Hannahs Jogginganzug und ein Paar Turnschuhe, anschließend streckte sie eine Hand zur Dose und nahm sich ein paar Kekse heraus.

»Jeder siebzig Kalorien«, warnte Hannah.

»Zählt nicht«, erwiderte Sophie auf dem Weg zur Tür. »Das ist Frühstück.«

»Und das ändert etwas?«

»Ja, klar! Sagen die neuesten Forschungen.«

»Hach, Wissenschaft ist doch was Herrliches.«

Sophie rannte nach draußen. »Bis später!«, rief sie über die Schulter.

»Steht Oxford heute Nachmittag noch?«, hörte sie Hannah fragen, als sie auf den Korridor hastete.

»Und ob!«, antwortete sie und preschte wieder zur Treppe.

Sie sah auf ihre Uhr. Noch drei Minuten. Sie könnte es gerade noch schaffen.

In Cherringham Hall galt es als Todsünde, sich zu verspäten – egal, bei welchem Anlass. Sophie kannte die Regeln in- und auswendig, wurden sie doch allen Mädchen vom ersten Tag an eingebläut:

»Cherringham-Hall-Mädchen sind klug, unabhängig, Freidenkerinnen, kreativ, selbstbewusst, einfallsreich, tolerant – und vor allem verlässlich.«

Und die Lehrer machten ihnen klar, dass zwar die meisten dieser Eigenschaften eine Weile brauchen könnten, um sich zu entwickeln, die Verlässlichkeit jedoch – sprich: Pünktlichkeit – etwas war, das man sich sofort aneignen müsse.

Sophie bog in den Hauptkorridor der Schule ein und nahm die Abkürzung durch den Speisesaal.

Während sie einen Slalom zwischen den Tischen lief, blickte sie hinauf zu den Porträts von Cherringham-Alumni an den Wänden: Forscherinnen, Dichterinnen, Politikerinnen, Autorinnen, Nobelpreisträgerinnen, Unternehmerinnen, internationale Sportgrößen.

Sophie und Hannah scherzten früher immer, dass sie alle deshalb so erfolgreich waren, weil sie nie zu spät kamen.

Im Allgemeinen sah Sophie es nun, als abgeklärte Primanerin, nicht mehr so eng, wenn sie sich ein paar Minuten verspätete. Aber heute war es etwas anderes.

Vor wenigen Tagen, zu Beginn des Trimesters, hatte Miss Braithwaite Sophie in ihr Arbeitszimmer gerufen und ihr eröffnet, dass sie – ja, sie, Sophie White – in diesem Jahr House Guardian, die »Hausmutter«, sein solle. Abgesehen vom School Captain war dies die höchste Position in der Schule überhaupt.

Jetzt hatte Sophie eine panische Angst, sie könnte Miss Braithwaite enttäuschen.

Miss Braithwaite war die beste, nein, die vollkommenste Lehrerin an der ganzen Schule. Jedes Mädchen hier liebte sie. Und sie kannte jede Schülerin des Internats – ihre sämtlichen Probleme, ihre Ängste und ihre Schwächen.

Wurde man von Miss Braithwaite gemocht und geschätzt, gab es nichts, was man nicht schaffen konnte. House Guardians, die Miss Braithwaite einst ausgewählt hatte, waren jetzt da draußen in der großen, weiten Welt und vollbrachten die brillantesten Dinge. Manchmal sah man sie in den Fernsehnachrichten, wo sie interviewt wurden.

Manchmal sah man sie sogar, wie sie die Interviews führten, wobei sie die weiten Jacken und Helme anhatten, die in Kriegsgebieten üblicherweise getragen wurden.

Sophie preschte die Haupteingangstür hinaus und lief rasch auf den Kiesweg, der seitlich am Internatsgebäude vorbeiführte. Herbstlaub wirbelte im kalten Wind auf. Hier draußen waren keine Lehrer, die sie wegen Rennens verpetzen könnten.

Es war nur Tahir da, der Sohn des Hausmeisters, der die Hecken stutzte. Sophie sah, wie er aufblickte und ihr hinterherschaute, als sie vorbeirannte, bevor er sich wieder seiner Arbeit widmete …

Es wäre unverzeihlich, sich zu verspäten. Die Minnows – »Kleine Fische«, wie der Schwimmclub der Sexta hieß – waren Miss Braithwaites ganzer Stolz. Und den für sie zu leiten stellte nicht nur eine verantwortungsvolle Aufgabe dar: Es war ein Privileg.

Vor sich sah Sophie die Glas- und Stahlfassade der brandneuen Sporthalle – das Prince Said Building. Der vornehme Eingangsbereich, in dem die Mädchen warten sollten, sah verlassen aus …

Oh nein, sie sind schon nach hinten gegangen, dachte Sophie und riss die Tür auf. Ein Wärmeschwall schlug ihr entgegen.

Um zum Schwimmbad zu gelangen, musste sie einen gläsernen Korridor ganz durchqueren, von dem aus man in den Fitnessraum gelangte, und dann am anderen Ende eine Treppe hinuntergehen.

Sie lief den Gang entlang. Durch die Glasscheiben konnte sie jede Menge bekannte Gesichter aus allen möglichen Jahrgängen sehen, die auf Laufbändern trotteten oder an Ruder- und sonstigen Fitnessgeräten trainierten … Einige winkten ihr lächelnd zu.

Sophie nahm zwei Stufen auf einmal, während sie die Treppe hinabeilte. Hier unten war es noch wärmer. Sie konnte schon das Chlor riechen und dann auch das laute Geplapper der Sextanerinnen hören, während sie auf die Umkleideräume zurannte.

War Miss Braithwaite schon hier?

Sie stieß die Doppeltüren auf, und sogleich verstummte der Lärm. Sophie blickte sich um: Gut zwanzig Mädchen in uniformen schwarzen Badeanzügen starrten sie entgeistert an.

Wie Statuen.

»Guten Morgen«, sagte sie.

»Guten Morgen, Miss«, antworteten sie mehr oder minder im Chor.

»Ist Miss Braithwaite hier?«

Für einen Moment herrschte Stille. Sophie wartete darauf, wer die Courage haben würde, ihr zu antworten. Wussten die Mädchen eigentlich, dass sie keine Lehrerin war, sondern bloß eine Primanerin?

»Nein, Miss. Nicht, dass wir wüssten«, erklang eine Stimme aus der Menge.

Sophie atmete erleichtert auf.

Puh, sie war noch mal davongekommen!

»Stellt euch in Reihen auf, Mädchen, und dann zum Becken!«, befahl sie und wiederholte so die Worte, die sie vor etlichen Jahren oft gehört hatte, als sie selbst eine Minnow gewesen war.

»Vergesst nicht, dass auf dem Weg zum Becken jede von euch sich ein Handtuch aus dem Korb nehmen soll. Und es wird nicht gesprochen, bis wir aufgereiht – ich betone, aufgereiht – am Beckenrand stehen.«

Nachdem sie sich ebenfalls ein Handtuch genommen hatte, führte Sophie die Mädchen in den Beckenbereich. Während die Gruppe ihren Anweisungen folgte, ging Sophie die Abläufe durch, die sie schon so oft beobachtet hatte: Sie schritt um das Becken herum und prüfte, ob sich alle Rettungsvorrichtungen an Ort und Stelle befanden, die Alarmknöpfe leuchteten, die Schwimmkissen in Ordnung waren und die Wasserpumpen liefen.

Dann sah sie sich ein letztes Mal um. Obwohl die Schwimmhalle im Keller lag, war die Beleuchtung hell und warm. Das Wasser war glatt, die Raumtemperatur perfekt. Und wenn Miss Braithwaite kam, würde die Klasse bestens gedrillt wirken.

Aller Hetze zum Trotz würde dieser Morgen doch noch gut werden.

Zehn Minuten vor dem Ende der Stunde entspannte sich Sophie endlich. Dieser Morgen war völlig anders verlaufen, als sie gedacht hatte.

Kurz nachdem sie die Mädchen am Becken aufgereiht hatte, kam die Nachricht aus dem Lehrerzimmer, dass Miss Braithwaite »indisponiert« sei und Sophie bitte die Stunde übernehmen solle.

Und genau das hatte sie getan. Sie wusste ja, dass man genau das von einem Cherringham-Hall-Mädchen erwartete. Jede Lage meistern – sich jeder Situation anpassen.

Wie oft hatte sie diesen Spruch in den letzten Jahren gehört?

Und am Ende hatte es ihr sogar Spaß gemacht. Sie hatte die neuen Mädchen kennengelernt, und die vertrauten ihr – hoffte sie zumindest. Sophie hatte mit ihnen an ihrer Technik, ihrer Sicherheit und ihrer Atmung gearbeitet. Und die Mädchen waren von ihr angetrieben worden, wenn auch nicht zu hart. Sophie hatte sie außerdem um die Wette schwimmen lassen und sich gemerkt, welche der Mädchen das Potenzial zu großen Leistungen mitbrachten.

Genauso würde es Miss Braithwaite machen, dachte sie.

Und nun, während sie hoch oben auf ihrem Rettungsschwimmerhochsitz hockte, ließ sie die Klasse ein bisschen Spaß haben und mit den Reifen und Luftmatratzen herumtollen. Ihre Augen überflogen das Becken; ständig vergewisserte sie sich, dass die Mädchen zwischen den quietschbunten Schwimmreifen und Aufblasfiguren sicher waren. Sie beobachtete, wie sie sich gegenseitig mit Wasser bespritzten und lachten.

Sophie sah auf ihre Uhr. Sie würde ihnen noch fünf Minuten geben. Falls sich alle ohne großes Theater umzogen, könnte sie rechtzeitig hier rauskommen, um mit Hannah den Ein-Uhr-Zug nach Oxford zu erwischen. Shoppen!

Fantastisch!

Auf einmal gingen sämtliche Lichter aus – es passierte blitzschnell.

Die ganze Schwimmhalle war dunkel. Schwärzer, als Sophie es jemals erlebt hatte. Das war kein dumpfes, schattiges Grau mit schemenhaften Umrissen, sondern völlige Schwärze, so als hätte man Sophie die Augen verbunden.

Sie schwankte auf ihrem Hochsitz und wäre beinahe hinuntergestürzt. Danach dachte sie nur: Oh mein Gott, die Mädchen!

Das Lachen und Plantschen in dem Becken war Schreien und Rufen gewichen, und Sophie vernahm ängstliche Stimmen von überall her im Wasser …

Was ist passiert? Ich habe Angst! Ich kann nicht schwimmen! Miss, Miss! Ich ertrinke!

Sophie umklammerte die Seitenlehnen ihres Sitzes. Ihre Gedanken überschlugen sich, aber irgendwo tief in ihrem Innern schien ein ruhigerer Geist die Kontrolle über ihr Handeln zu übernehmen.

»Hört zu, Mädchen!«, rief sie. »Die Beleuchtung ist ausgefallen, sonst nichts. Kein Grund, Angst zu bekommen. Bleibt alle ruhig. Wir sind hier sicher, und keiner wird ertrinken – versprochen.«

Sie spürte die Mädchen unter sich im Wasser, die ihr aufmerksam lauschten.

»Also, hört mir gut zu. Ich möchte, dass ihr genau tut, was ich euch sage. Okay?«

Keine Antwort.

Lauter.

»Okay?«

Dann kamen einzelne piepsige Stimmen. »Ja, Miss, ja, Miss …«

»Als Erstes möchte ich, dass ihr alle im Wasser Tretbewegungen macht, verstanden? Und zwar schön ruhig. Denkt nicht an die Dunkelheit, macht euch keine Sorgen. Ist jeder von euch dabei, auf der Stelle zu treten?«

Noch mehr zarte Stimmen antworteten ihr; sie kamen von überall her in dem schwarzen Becken.

»Und jetzt möchte ich, dass ihr alle ganz langsam zum Beckenrand schwimmt. Folgt meiner Stimme. Ich werde so lange weiterreden.«

Sie hörte das Plätschern von Armen, die durchs Wasser schnitten, und Beinen, die Tretbewegungen vollführten.

»Wenn ihr den Rand erreicht, dann haltet euch daran fest. Falls ihr schon an der Beckenkante seid, ruft bitte, damit die anderen zu euch schwimmen können, okay?«

Nun hörte sie einige Stimmen direkt unter sich. »Hier rüber! Hier lang! Komm schon, du hast es fast geschafft.«

Und Sophie dachte: Das wird schon gut gehen.

Langsam stieg sie von ihrem Hochsitz herab, bis sie am Beckenrand stand – glaubte sie zumindest.

Ihr Herz pochte wie wild.

Sie atmete tief ein und versuchte, sich zu beruhigen. Am anderen Ende des Beckens war der Alarmknopf – nur leider verlor sie bereits die Orientierung.

Der sollte eigentlich leuchten, dachte sie. Warum leuchtet der nicht?

Irgendwie musste sie es um das Becken herum schaffen, dabei den Reifen und Schwimmkissen ausweichen und anschließend auf den Knopf drücken, um Hilfe zu rufen.

»Wie läuft’s, Mädchen? Sind alle am Beckenrand?«

Wie kommt es, dass ich so ruhig klinge?

Ein Stimmenchor antwortete: »Ich bin hier! Ich auch!«

Niemand sagte das Wort, das in dieser Dunkelheit, in der das Becken zu einem schwarzen Meer geworden war, so beängstigend sein könnte.

Das Wort … »Hilfe«.

Alle arbeiteten zusammen.

»Gut gemacht, Mädchen. Jetzt hört zu: Versucht nicht, aus dem Becken zu steigen. Dafür ist es zu finster. Ich hole uns Hilfe. Haben das alle verstanden?«

Zustimmendes Gemurmel drang aus dem Stimmenmeer. Die gesamte Klasse war jetzt direkt unter ihr, jedoch vollkommen unsichtbar.

Sophie streckte die Arme vor sich aus, begann zu gehen – und blieb gleich wieder stehen. Es war sinnlos zu gehen, denn sie konnte sich nicht richtig orientieren; womöglich würde sie noch stolpern und ins Becken fallen …

Also ließ sie sich auf Hände und Knie hinunter und kroch über die Fliesen. Dabei achtete sie darauf, dass ihre Hände flach auf den nassen Kacheln lagen und sie sich in der Dunkelheit behutsam nach vorn tastete. Zentimeter für Zentimeter arbeitete sie sich voran.

Bis …

Ja! Sie konnte den flachen Ablauf am Beckenrand fühlen. Dieser Rinne brauchte sie jetzt nur noch zu folgen, bis sie die Leiter in der Ecke erreichte, dann musste sie drehen und die Querseite des Beckens entlangkriechen, bis sie bei dem Knopf an der Wand war.

»Alles okay?«, rief sie leise, während sie sich vorwärtsbewegte.

»Ja, Miss«, kamen die Stimmen aus dem Becken.

Jemand kicherte.

Das ist gut, dachte sie.

»Ziemlich abenteuerlich, was?«, fragte sie.

Mehr Gelächter.

Endlich ertasteten ihre Hände Metall – die Leiter! Jetzt musste sie bloß noch um das Gestänge herum, danach die Querseite des Beckens entlangkriechen und …

Mit einem knisternden Brummen und einem plötzlichen Aufblitzen gingen alle Lichter an.

Für einen Moment war Sophie geblendet und kniff die Augen zu. Sie zwang sich, sie wieder zu öffnen und sich umzusehen.

Die Mädchen waren dicht gedrängt am Beckenrand. Eilig zählte Sophie sie durch.

Alle da, Gott sei Dank!

»Alles okay?«, rief sie.

»Ja, Miss!«, schrien die Mädchen.

Jemand jubelte, und gleich stimmten die anderen ein, juchzten und kreischten vor Erleichterung. Sophie beobachtete, wie sie sich vom Beckenrand lösten, rufend und plantschend, um weiterzuspielen.

Alle Angst verpuffte.

Sophie stand auf. Ihre Augen waren feucht, und sie wollte heulen. Tief atmete sie ein und strich ihren Jogginganzug glatt. Der war klatschnass vom Krabbeln.

Zeit, die Mädchen rauszuholen, beschloss sie.

Sie wurden ein bisschen zu ausgelassen. Das Kreischen und Lachen hallte immer lauter durchs Schwimmbad.

Sophie sah zum Beckenende auf der gegenüberliegenden Seite. Eine Gruppe Mädchen schien … zu rangeln?

Sie konnte erkennen, dass sie sich gegenseitig schubsten.

Jemand wurde unter Wasser gedrückt.

Und dann begriff sie, dass das kein Spiel war.

DiesesSchreien war kein Lachen.

Was war da los?

Wie in Zeitlupe lief sie auf das andere Ende des Beckens zu. Sie sah nun, dass die Mädchen sich gegenseitig weiterschoben und aufschrien, als hätten sie es furchtbar eilig, aus dem Wasser zu kommen.

Die sind panisch, dachte sie. Warum?

Das Licht ist an, die Gefahr vorbei.

Ich muss das beenden …

Als sie näher kam, sah sie einen Umriss im Wasser.

Kein Schwimmkissen, Reifen oder Ball …

Etwas stimmte hier nicht, passte nicht ins Bild. Und Sophie versuchte zu erkennen, was es war.

Schließlich sah sie es – begriff, was das für ein Umriss war. Instinktiv schrak sie zurück, rutschte aus und fiel auf die glitschigen nassen Fliesen.

Eine Ratte.

Im Wasser schwamm eine Ratte: braun, rund dreißig Zentimeter groß mit einem noch länger wirkenden Schwanz, das Maul offen, das Fell nass glänzend, die Augen starr …

Dann tauchte gleich neben ihr eine weitere Ratte auf, die sich in dem inzwischen aufgewühlten Wasser auf und nieder bewegte, während die schreienden Mädchen sich am Beckenrand nach oben zogen, um aus dem Wasser zu kommen. Sie weinten und kreischten …

Als Sophie sich wieder aufrappelte, sah sie überall Ratten in dem Becken. Zehn, zwanzig, vielleicht mehr …

Oh mein Gott …

Unzählige Ratten schwammen zwischen den panischen Mädchen, die sich an den Leitern drängten und miteinander rauften, weil jede rasch fliehen wollte.

Die nassen Fellkörper drückten sich an die schwarzen Badeanzüge, und das Wasser schwappte in alle Richtungen.

Während die Mädchen aus dem Becken kletterten und wegrannten, taumelte Sophie zu dem nun beleuchteten Alarmknopf an der Wand und schlug mit voller Wucht darauf.

Eine Sirene ertönte, und rote Lichter blinkten.

Sophie drehte sich wieder zum Becken. Das letzte der fliehenden Mädchen rannte stolpernd zum Ausgang.

Ein kleines Mädchen stand jedoch allein am flachen Ende im Wasser, schluchzend und bibbernd, die Augen fest zugekniffen. Es war unfähig, sich zu rühren.

Sophie sah, dass um das Mädchen herum lauter tote Ratten trieben.

Sie packte das Mädchen unter den Armen und zog es aus dem Wasser. Halb zerrte, halb trug sie es hinter den anderen fliehenden Minnows her zum sicheren Umkleideraum.

2. Cherringham Hall

Jack parkte seinen Austin Healey Sprite direkt vor Sarahs Haus und überlegte, ob er das Verdeck hochklappen sollte.

Obwohl es ein sonniger Nachmittag war, hatte er aus bitterer Erfahrung lernen müssen, dass das Oktoberwetter in den Cotswolds von einer Sekunde zur anderen umschlagen konnte.

Doch wenn sie schon über Land fahren wollten, ging nichts über den Sprite mit offenem Verdeck …

Ach, riskieren wirs, dachte er und ging zur Haustür seiner Freundin.

Die Tür öffnete sich, noch bevor er nach der Klingel gegriffen hatte, und Chloe, Sarahs Tochter, stand vor ihm. Er erkannte das Mädchen kaum wieder, das er zuletzt im Juli in Schuluniform gesehen hatte.

»Hi, Jack! Perfektes Timing!«

»Dafür bin ich berühmt, Chloe.«

Er musterte sie: kurzer Rock, Sommertop, keine Jacke, Handtasche, volles Make-up.

Sie war im Begriff, eine junge Frau zu werden, was bedeutete, dass auf Sarah noch einiges zukommen dürfte.

»Sie haben Regen angekündigt«, sagte Jack. »Und es soll kühl werden.«

Was heißen sollte: Willst du dich nicht lieber wärmer anziehen?

»Weiß ich. Hat Mum mir schon gesagt. Und deshalb brauche ich jemanden, der mich zum Bahnhof fährt.«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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