Chroniken der Weltensucher - Die komplette Reihe - Thomas Thiemeyer - E-Book

Chroniken der Weltensucher - Die komplette Reihe E-Book

Thomas Thiemeyer

4,8
14,99 €

Beschreibung

Alle fünf Bände der Jugendbuch-Reihe in einem eBundle! In diesen klassischen Abenteuerromanen entführt Thomas Thiemeyer seine Leser in eine fantastische neue Welt, in der er atemraubende Schauplätze und verwegene Charaktere in spannenden und reizvollen Geschichten verwebt. Eine Stadt in der Vertikalen, 3000 Meter über dem Meeresspiegel. Ein vergessenes Volk, bedroht durch eine unheimliche, archaische Macht. Und eine kleine Truppe von Abenteurern aus der alten Welt, zu allem entschlossen. Dies ist die Geschichte des Carl Friedrich Donhauser, der sich selbst Humboldt nannte. Zusammen mit seinen Gefährten bereiste er die letzten noch nicht erforschten Orte der Erde. Er entdeckte vergessene Völker, schloss Freundschaften mit den fremdartigsten Geschöpfen, hob unvorstellbare Schätze und erlebte die haarsträubendsten Abenteuer. Viele seiner Entdeckungen und Erfindungen gehören noch heute zu unserem täglichen Leben. Warum er aber selbst in Vergessenheit geriet, das wird wohl immer ein Geheimnis bleiben. Dieses eBook-Bundle der Reihe Chroniken der Weltensucher enthält die Bände: - Die Stadt der Regenfresser (Bd. 1) - Der Palast des Poseidon (Bd. 2) - Der gläserne Fluch (Bd. 3) - Der Atem des Teufels (Bd. 4) - Das Gesetz des Chronos (Bd. 5)

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EPUB

Seitenzahl: 2263

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Inhalt

Cover

Die Stadt der Regenfresser

Widmung

Prolog

Teil 1 – Die Wiege der Rätsel

Kapitel 1 – Von dem Augenblick …

Kapitel 2 – Oskar erwachte mit …

Kapitel 3 – Die Treppe, die …

Kapitel 4 – Der Zweispänner raste …

Kapitel 5 – Als es Max …

Kapitel 6 – Harry Boswell erwachte …

Kapitel 7 – Nein!« Elizas Gesicht …

Kapitel 8 – Die junge Frau …

Kapitel 9 – Es war der …

Kapitel 10 – Harry Boswell benötigte …

Kapitel 11 – Charlotte war sofort …

Kapitel 12 – Es geht um …

Teil 2 – Der Atem des Windes

Kapitel 13 – Max Pepper hatte …

Kapitel 14 – Die dampfgetriebene Barkasse …

Kapitel 15 – Der Kutscher lenkte …

Kapitel 16 – Die Sonne war …

Kapitel 17 – Gouverneur Ernesto Alvarez …

Kapitel 18 – Das Tal des …

Kapitel 19 – Valkrys Stone ritt …

Kapitel 20 – Es war spät …

Kapitel 21 – Es war kurz …

Kapitel 22 – Es war der …

Kapitel 23 – Harry Boswell wälzte …

Kapitel 24 – Valkrys Stone konnte …

Kapitel 25 – Wir müssen weg …

Kapitel 26 – Oskar war etwa …

Kapitel 27 – Die Schüsse war …

Kapitel 28 – Die Treppen führten …

Kapitel 29 – Die Sicht war …

Kapitel 30 – Oskar schlug die …

Kapitel 31 – Es war früh …

Kapitel 32 – Oskar steckte mitten …

Kapitel 33 – Die ersten Schritte …

Kapitel 34 – Max Pepper stand …

Kapitel 35 – Das Linguaphon war …

Kapitel 36 – Es dauerte eine …

Kapitel 37 – Max reichte Valkrys …

Kapitel 38 – Oskar musste einen …

Kapitel 39 – Die Sonne stand …

Kapitel 40 – Die Figuren waren …

Kapitel 41 – Acht Stunden waren …

Kapitel 42 – Eine knappe Stunde …

Kapitel 43 – Über der Schlucht …

Kapitel 44 – Der Aufzug hielt …

Kapitel 45 – Die Steinerne Festung …

Kapitel 46 – Hoch über der …

Teil 3 – Die Königin der Sonne

Kapitel 47 – Am nächsten Morgen …

Kapitel 48 – Oskar beschirmte seine …

Kapitel 49 – Humboldt schlug Valkrys’ …

Kapitel 50 – Jetzt nur keine …

Kapitel 51 – Valkrys ließ ihr …

Kapitel 52 – Der Regen hatte …

Kapitel 53 – Valkrys war tot. …

Kapitel 54 – Berlin war in …

Encyclopedia Humboldtica

Danksagung

Der Palast des Poseidon

Widmung

Prolog

Teil 1 – Der Auftrag

Kapitel 1 – Kurz hinter dem …

Kapitel 2 – Der Mann war …

Kapitel 3 – Oskar erwachte mit …

Kapitel 4 – Die Tür der …

Kapitel 5 – Das Haus lag …

Kapitel 6 – Werden Sie den …

Kapitel 7 – Es ging bereits …

Kapitel 8 – Die Hitze in …

Kapitel 9 – Oskar verfolgte die …

Kapitel 10 – Der Norweger stand …

Kapitel 11 – Wehmütig blickte Oskar …

Kapitel 12 – Dr. Christos Papastratos …

Kapitel 13 – Das Wetter war …

Kapitel 14 – Charlotte beschirmte ihre …

Kapitel 15 – Oskar bemerkte sofort …

Kapitel 16 – Eine halbe Stunde …

Kapitel 17 – Charlotte griff Elizas …

Kapitel 18 – Schwer atmend erreichte …

Kapitel 19 – Der Norweger stand …

Kapitel 20 – Die Augen des …

Kapitel 21 – Die Werkhalle ragte …

Teil 2 – Die Tiefe

Kapitel 22 – Stavros Nikomedes legte …

Kapitel 23 – Die Calypso tanzte …

Kapitel 24 – Humboldt erwartete Oskar …

Kapitel 25 – Am nächsten Tag …

Kapitel 26 – Die Klippen von …

Kapitel 27 – Der Norweger duckte …

Kapitel 28 – Eine halbe Stunde …

Kapitel 29 – Charlotte war vor …

Kapitel 30 – Die Calypso wendete …

Kapitel 31 – Ich soll was?« …

Kapitel 32 – Oskar bemerkte ein …

Kapitel 33 – Großer Gott, seht …

Kapitel 34 – Der Anblick des …

Kapitel 35 – Ein weiteres Donnern …

Kapitel 36 – Der freie Fall …

Kapitel 37 – Charlotte blickte fassungslos …

Kapitel 38 – Der Norweger hatte …

Kapitel 39 – Ihre Quartiere waren …

Teil 3 – Der Verräter

Kapitel 40 – Drei Tage waren …

Kapitel 41 – Humboldt und seine …

Kapitel 42 – Oskar spürte, wie …

Kapitel 43 – Es ging bereits …

Kapitel 44 – Cagliostro holte sie …

Kapitel 45 – Die Zeit verging …

Kapitel 46 – Den Abenteurern verschlug …

Kapitel 47 – Die Bahnlinie endete …

Kapitel 48 – Charlotte konnte sich …

Kapitel 49 – Als sie drei …

Kapitel 50 – Clément wartete neben …

Kapitel 51 – Humboldt hielt sein …

Kapitel 52 – Wilma spürte, wie …

Kapitel 53 – Schlagartig gingen in …

Kapitel 54 – Der Norweger strich …

Kapitel 55 – Oskar assistierte Humboldt …

Kapitel 56 – Von einem donnernden …

Kapitel 57 – Einsam stapfte der …

Kapitel 58 – Der Aufprall war …

Kapitel 59 – Und was machen …

Kapitel 60 – Eine Ehrfurcht gebietende …

Kapitel 61 – Charlotte hatte die …

Kapitel 62 – Charlotte hatte ein …

Kapitel 63 – Die Bucht lag …

Kapitel 64 – Der Regen hatte …

Encyclopedia Humboldtica

Der gläserne Fluch

Widmung

Prolog

Teil 1 – Der Fremde

Kapitel 1 – Klirrende Kälte drang …

Kapitel 2 – Charlotte schaute aus …

Kapitel 3 – Sir Jabez Wilson …

Kapitel 4 – Unruhig auf den …

Kapitel 5 – Im ehrwürdigen Gebäude …

Kapitel 6 – Zwei Stunden später …

Kapitel 7 – Max Pepper warf …

Kapitel 8 – Oskar stand der …

Kapitel 9 – Die Tafel war …

Kapitel 10 – Es war kurz …

Kapitel 11 – Als Oskar den …

Kapitel 12 – Charlotte konnte ihre …

Teil 2 – Inseln über der Zeit

Kapitel 13 – Der Royal …

Kapitel 14 – Es war weit …

Kapitel 15 – Die Sonne war …

Kapitel 16 – Die Pachacútec …

Kapitel 17 – Zögernd betrat Yatimè …

Kapitel 18 – Max Peppers Schuhe …

Kapitel 19 – Wie ein Raubvogel …

Kapitel 20 – Die Motorwinde ächzte …

Kapitel 21 – Charlotte und Eliza …

Kapitel 22 – Charlotte saß mit …

Kapitel 23 – Oskar schlug die …

Kapitel 24 – Charlotte, wirf noch …

Kapitel 25 – Oskar schleppte sich …

Kapitel 26 – Humboldt prüfte die …

Kapitel 27 – Einen Ort wie …

Kapitel 28 – Oskar schlug die …

Kapitel 29 – Das Haus des …

Kapitel 30 – Die Dampflokomotive wirkte …

Kapitel 31 – Es war kurz …

Kapitel 32 – Oskar sah den …

Kapitel 33 – Yatimè schaute hinauf …

Kapitel 34 – Es war spät …

Kapitel 35 – Darf ich fragen, …

Kapitel 36 – Sie waren etwa …

Kapitel 37 – Das Mädchen sagte …

Kapitel 38 – Das ganze Dorf …

Kapitel 39 – Der Alte war …

Teil 3 – Reiter der Apokalypse

Kapitel 40 – Max Pepper hatte …

Kapitel 41 – Oskar sah die …

Kapitel 42 – Sir Wilson reichte …

Kapitel 43 – Charlotte und Oskar …

Kapitel 44 – Sir Wilson gab …

Kapitel 45 – Es war später …

Kapitel 46 – Max Pepper blickte …

Kapitel 47 – Argwöhnisch schaute Oskar …

Kapitel 48 – Das Essen dauerte …

Kapitel 49 – Er lachte, dass …

Kapitel 50 – Yatimè stieß einen …

Kapitel 51 – Charlotte blickte besorgt …

Kapitel 52 – Jonathan Archer ergriff …

Kapitel 53 – Humboldt spähte durch …

Kapitel 54 – Sir Jabez Wilson …

Kapitel 55 – Du kannst hier …

Kapitel 56 – Großer Gott, seht …

Kapitel 57 – Jabez Wilson sah …

Kapitel 58 – Im Tempelbezirk war …

Kapitel 59 – Als Oskar sah, …

Kapitel 60 – Ich muss ihm …

Kapitel 61 – Jabez Wilson wischte …

Kapitel 62 – Charlotte blickte missmutig …

Kapitel 63 – Fünf Töne waren …

Kapitel 64 – Da kommen sie.« …

Kapitel 65 – Die Reparaturen an …

Kapitel 66 – Die Pachacútec …

Kapitel 67 – Das Haus am …

Kapitel 68 – Charlotte!« Frau Riethmüller …

Encyclopedia Humboldica

Danksagung

Der Atem des Teufels

Widmung

Prolog

Teil 1 – Das Land der brennenden Berge

Kapitel 1 – Die Luft war …

Kapitel 2 – Das Warenhaus Wekwerth …

Kapitel 3 – Es war bereits …

Kapitel 4 – Elizas Essen war, …

Kapitel 5 – Die Friedrich-Wilhelm-Universität zu …

Kapitel 6 – Sprengler beendete seinen …

Kapitel 7 – Willi rückte noch …

Kapitel 8 – Es war früh …

Kapitel 9 – Feuer!« Humboldt warf …

Kapitel 10 – Die Tage vergingen. …

Kapitel 11 – Die Gesichter der …

Kapitel 12 – Der Boden der …

Kapitel 13 – Oskar war gerade …

Kapitel 14 – Je tiefer sie …

Kapitel 15 – Das Stadhuis …

Kapitel 16 – Batavia fiel allmählich …

Kapitel 17 – Charlotte, könntest du …

Kapitel 18 – Schon beim Anflug …

Kapitel 19 – Als sie unter …

Kapitel 20 – Es war am …

Kapitel 21 – Ihre Reise in …

Teil 2 – Das Grauen aus der Tiefe

Kapitel 22 – Die grasbewachsene Ebene …

Kapitel 23 – Der Abend begann …

Kapitel 24 – Oskar?« Die Stimme …

Kapitel 25 – Mit sorgenvollem Blick …

Kapitel 26 – Ein Tumult brach …

Kapitel 27 – Es war Abend, …

Kapitel 28 – Dunkelheit umfing ihn. …

Kapitel 29 – Oskar erwachte, weil …

Kapitel 30 – Keine tausend Meter …

Kapitel 31 – Die Welt unter …

Kapitel 32 – Lena spürte, dass …

Kapitel 33 – Sag mal, Oskar …«, …

Kapitel 34 – Noch immer fegte …

Kapitel 35 – Wenige Minuten später …

Kapitel 36 – Eliza sah sich …

Kapitel 37 – Lena hielt den …

Kapitel 38 – Der Thronsaal war …

Kapitel 39 – Misstrauisch äugte das …

Kapitel 40 – Die Patrouille tauchte …

Teil 3 – Der Fluch des Sukarno

Kapitel 41 – Lilienkrons Brauen wanderten …

Kapitel 42 – Oskar deutete hinauf …

Kapitel 43 – Lena träumte, dass …

Kapitel 44 – Seht ihr das?« …

Kapitel 45 – Die Echse rannte …

Kapitel 46 – Die aufsteigende Wassersäule …

Kapitel 47 – Ein helles Licht …

Kapitel 48 – Bhamban der Dritte …

Kapitel 49 – So, und was …

Kapitel 50 – Charlottes Herz schlug …

Kapitel 51 – Am nächsten Tag …

Kapitel 52 – Direktor Jakob Sprengler …

Encyclopedia Humboldica

Das Gesetz des Chronos

Widmung

Prolog

Teil 1 – Von kommenden Tagen

Kapitel 1 – Carl Friedrich von …

Kapitel 2 – Während er das …

Kapitel 3 – Während die acht …

Kapitel 4 – Humboldt tauchte den …

Kapitel 5 – Das Stadtschloss lag …

Kapitel 6 – Eine kurze Pause …

Kapitel 7 – Sie befanden sich …

Kapitel 8 – Pfefferkorn führte sie …

Kapitel 9 – Die Brüder standen …

Kapitel 10 – Im Haus des …

Kapitel 11 – »Mein Name ist …

Kapitel 12 – Heinz Behringer lehnte …

Kapitel 13 – Es war mitten …

Kapitel 14 – Die dicken Vorhänge …

Kapitel 15 – Humboldt tauchte weder …

Kapitel 16 – Sieben Männer, sieben …

Teil 2 – Am Ufer der Zeit

Kapitel 17 – Es war noch …

Kapitel 18 – Oskar fand sich …

Kapitel 19 – Oskar kauerte hinter …

Kapitel 20 – Heinz Behringer öffnete …

Kapitel 21 – Behringer musterte die …

Kapitel 22 – Humboldt drehte sich …

Kapitel 23 – Humboldt saß in …

Kapitel 24 – Willi verließ den …

Kapitel 25 – »Informationen? Na, so …

Kapitel 26 – Der Hintereingang, der …

Kapitel 27 – Draußen war es …

Kapitel 28 – Humboldt warf einen …

Kapitel 29 – Die Glocke des …

Kapitel 30 – Die Küchenlampe warf …

Kapitel 31 – »Die Kuppel war …

Kapitel 32 – »Heiliges Kanonenrohr!«

Kapitel 33 – »Und wie gelang …

Kapitel 34 – Der Forscher stand …

Kapitel 35 – Charlotte strich mit …

Kapitel 36 – Als Oskar müde …

Teil 3 – Das Gesetz des Chronos

Kapitel 37 – »Oskar, reichst du …

Kapitel 38 – Lieber Carl Friedrich, …

Kapitel 39 – Fritz Ferdinand von …

Kapitel 40 – Humboldt sah, wie …

Kapitel 41 – Es war kühl …

Kapitel 42 – Wenn es hier …

Kapitel 43 – Nach und nach …

Kapitel 44 – Stangelmeier deutete mit …

Kapitel 45 – Die Tage vergingen. …

Kapitel 46 – »Charlotte, siehst du …

Kapitel 47 – Noch immer war …

Kapitel 48 – Der Chef der …

Kapitel 49 – »Ich bin Carl …

Kapitel 50 – Die Propeller der …

Epilog

Encyclopedia Humboldica

Über den Autor

Weitere Infos

Impressum

Prolog

 Januar 1893, irgendwo in denperuanischen Anden …

Der Atem des Mannes ging stoßweise. Seine Haut glänzte im warmen Licht der Abendsonne. Schweiß, Blut und Staub hatten auf seiner Kleidung Spuren hinterlassen. Fleckig und zerknittert klebte der Stoff auf seiner Haut und ließ seine Arme und Beine darunter hervortreten. Der breite Hut, der ihn vor der südamerikanischen Sonne geschützt hatte, war ihm bereits vor Tagen verloren gegangen. Ein tragischer Verlust, bedachte man, welche Kraft die Sonne hier entfalten konnte. Nun drohten ihre Strahlen ihm auch noch das letzte bisschen Verstand auszudörren.

Sein schütteres Haar flatterte im aufkommenden Wind wie grauer Rauch. Nur langsam arbeitete sich der Mann vorwärts. Vorsichtig, einen Fuß vor den anderen setzend, bewegte er sich entlang eines schmalen Simses, den die innere Kraft der Erde vor Urzeiten aus der Felswand gebrochen hatte. Während er mit den Fingern in den Ritzen des rauen Granits nach Halt suchte, versuchte er krampfhaft, nicht nach unten zu schauen. Der Anblick des bodenlosen Abgrunds übte eine geradezu hypnotische Anziehungskraft aus. Er wusste um die verlockende Kraft der Tiefe. Sie konnte jeden – mochte er auch noch so schwindelfrei sein – irgendwann zu sich herabziehen.

Die Aussicht war gleichermaßen faszinierend wie erschreckend. Hin und wieder öffnete sich unter seinen Füßen eine Lücke zwischen den Wolken und erlaubte einen Blick in noch größere Tiefen. Dort schimmerte dunkel und geheimnisvoll der Urwald. Wie ein smaragdfarbenes Moospolster, dessen Oberseite an manchen Stellen von verirrten Sonnenstrahlen erhellt wurde, lag er da.

Der Mann schloss die Augen. Noch fester klammerten sich seine Finger in den Stein. Nicht auszudenken, was geschehen würde, wenn er den Halt verlöre. Sein Sturz würde vermutlich eine halbe Ewigkeit dauern. Zum Glück gehörte er nicht zu den Menschen, die unter Höhenangst litten. Er hatte schon viele Berge erstiegen, war über die Mauerkronen turmhoher Ruinen geklettert und hatte Hängebrücken überquert, bei denen so manchen seiner Kollegen die Angst gepackt hätte. Aber dies hier war anders. Eine solch immense Felswand war mit dem Verstand nicht mehr zu erfassen. Hier versagten alle Vergleiche. Zwei Kilometer steil nach unten abfallend und mindestens einen Kilometer über seinem Kopf aufragend, bildete sie das größte vertikale Plateau, das je ein Mensch erblickt hatte. Ein Naturwunder, vor dem selbst die Victoriafälle in Afrika oder der Grand Canyon in Nordamerika wie billige Jahrmarktsattraktionen aussahen. Und als wäre das noch nicht genug, war er hier auf eine Kultur gestoßen, die so außergewöhnlich war, dass es ihm daheim kein Mensch glauben würde. Doch er verfügte über unwiderlegbare Beweise. Was er an seiner Seite in einer ledernen Umhängetasche mit sich führte, war wertvoller als alles, was er zu Hause auf seinem Bankkonto hatte. Wertvoller als sein Haus in New Jersey einschließlich des benachbarten Anwesens seiner Eltern. Dieser Schatz war in Zahlen nicht zu bemessen, auch wenn er eher geistiger denn materieller Natur war. Ein Schatz des Wissens, der das Leben der Menschen für immer verändern konnte.

Das einzige Problem bestand darin, ihn unversehrt nach Hause zu bringen. Denn wie bei allen großen Geheimnissen gab es auch hier jemanden, der verhindern wollte, dass etwas davon an die Öffentlichkeit geriet.

Über die Hälfte des Weges hatte er zurückgelegt, als er sich eine kleine Atempause gönnte. Die Sonne stand so niedrig, dass sein Körper einen langen Schatten auf die goldene Felswand warf. Vor sich konnte er bereits den Pfad erkennen, der in die Freiheit führte. Das Buschwerk und die dichten subtropischen Wälder boten ausreichend Versteckmöglichkeiten – vorausgesetzt, er erreichte sie, bevor die Sonne verschwand. Ein Abstieg bei Dunkelheit wäre reiner Selbstmord und die Nacht kam schnell in diesen Breitengraden. Zweihundertfünfzig Meter trennten ihn von seinem Ziel. Ein ganzer Viertelkilometer entlang eines Vorsprungs, nicht breiter als ein Handtuch – ohne Schutz, ohne Ausweg und ohne die Möglichkeit einer Abkürzung. Er saß hier wie auf dem Präsentierteller. Bisher hatte er Glück gehabt. Offenbar hatten seine Verfolger nicht damit gerechnet, dass er so tollkühn sein würde, diesen Weg einzuschlagen. Wenn sie ihn suchten, dann bestimmt an allen möglichen anderen Orten. Die Frage war nur: Wie lange noch? Wann würden sie auf den Gedanken kommen, dass er den Himmelspfad eingeschlagen hatte? Die Zeit wurde langsam knapp.

Schwitzend und kraftlos arbeitete er sich vorwärts. Hand für Hand, Fuß für Fuß, Schritt für Schritt.

Der Wind wehte den Geruch des Abends zu ihm empor. Über ihm begannen die ersten Sterne auf dem violetten Firmament zu erscheinen. Seine Gedanken wanderten zurück. Er erinnerte sich, wie er zum ersten Mal dieses wundersame Land betreten hatte. An die ungläubigen Blicke der Einheimischen, als er, gerüstet mit seiner Kamera und ausreichend fotografischen Platten, den Weg zu dem verborgenen Plateau eingeschlagen hatte. Allen Warnungen zum Trotz hatten er und sein Maultier die Felsen jenseits der Schlucht erklommen und ein Abenteuer bestritten, das er selbst nie für möglich gehalten hatte.

Während er noch über die vergangenen Tage nachdachte, drang plötzlich ein Geräusch an seine Ohren. Eine Art Kratzen, als ob man zwei Holzstücke gegeneinanderriebe.

Er blieb stehen und lauschte. Da. Da war es wieder. Erst schwach, dann immer stärker werdend. Irgendwo über ihm prasselte eine Handvoll Steine in die Tiefe. Panik stieg in ihm auf. Er kannte dieses Geräusch. Er kannte es nur zu gut.

Er drehte sich um und schaute nach hinten. Niemand zu sehen. Der Vorsprung war leer. Auch der Blick nach oben und unten ergab nichts. Hatte er sich das etwa nur eingebildet?

Er wartete noch ein paar Sekunden und wollte sich gerade wieder nach vorn wenden, als er das Geräusch erneut vernahm. Diesmal näher. Es kam von irgendwo über ihm. Alarmiert spähte er nach oben. Eine tief hängende Wolke versperrte ihm die Sicht. Angestrengt versuchte er, den Dunst mit seinen Augen zu durchdringen. Plötzlich sah er etwas. Eine schnelle Bewegung in der Wolke. Irgendetwas Riesenhaftes.

Vor Angst beinahe gelähmt, wandte er sich wieder nach vorn. Alle Vorsicht beiseite lassend, vergrößerte er seine Schritte. Noch etwa hundertfünfzig Meter. Ein blaugrünes Gestrüpp von Dornen und Kakteen markierte das Ende des Himmelspfades. Dahinter begann der Wald. Er wusste, dass er dort in Sicherheit war. Knappe hundert Meter, eine lächerliche Entfernung für einen durchtrainierten Mann wie ihn. Doch ihm blieb kaum Zeit. Das Wesen war auf der Jagd und es war schnell. Im Gegensatz zu ihm war es an das Leben in der Vertikalen gewöhnt.

In diesem Augenblick traf er eine Entscheidung. Die Tasche mit dem wertvollen Inhalt unter den Arm geklemmt, löste er die Hände vom Fels und begann zu laufen. Erst langsam, dann mit stetig zunehmender Geschwindigkeit. Der bodenlose Abgrund unter seinen Füßen flog nur so dahin. Schneller und schneller bewegten sich seine Beine, den Abstand zwischen sich und dem Ende des Himmelspfades immer weiter verkürzend. Hundert Meter … fünfundsiebzig … fünfzig Meter.

Das Ende der Felswand war bereits in greifbare Nähe gerückt, als der Schatten des Verfolgers auf ihn fiel. Ein überwältigender Gestank drang ihm in die Nase. Es roch wie eine Mischung aus Rosenöl und Knoblauch. Er hörte Atemgeräusche, gefolgt von einem zischenden Laut. Ein Brennen stach ihm in den Rücken. Seine Hand fuhr nach hinten, konnte die schmerzende Stelle aber nicht erreichen. Noch einmal zischte es. Diesmal stach ihn etwas in die Schulter. Den Kopf drehend, gewahrte er einen Stachel, lang und dünn wie ein chinesisches Essstäbchen, der tief in seinem Oberarm steckte.

Seine Sinne begannen sich zu verwirren. Die Pflanzen, die eben noch in greifbarer Nähe waren, schienen sich immer weiter von ihm zu entfernen. Es war wie verhext. Es sah aus, als bestünde der Sims unter seinen Füßen aus Gummi, den eine unbekannte Kraft in die Länge zog.

Die Hoffnung verließ ihn. Er geriet ins Straucheln. Sein Fuß blieb an einem Stein hängen. Er stolperte, taumelte, dann trat er ins Leere. Geröll löste sich und prasselte in die Tiefe. Er versuchte, das Gleichgewicht zu halten, doch er konnte den Sturz nicht mehr verhindern. Wild mit den Armen rudernd, versuchte er, irgendwo Halt zu finden. Doch da war nichts. Kein Stein, kein Zweig, kein Ast.

Dann fiel er.

Mit zunehmender Geschwindigkeit raste die Felswand an ihm vorbei. Sie besaß keine Vorsprünge oder Vertiefungen, nichts, woran man sich festhalten konnte. Unaufhaltsam schoss er in die Tiefe. Der Wind steigerte sich zu Orkanstärke, während er immer schneller wurde. Ein Brausen und Grollen lag in der Luft, das seine Ohren zu sprengen drohte. Er versuchte zu schreien, doch das Dröhnen ließ sich nicht übertönen. Bilder seiner Vergangenheit flackerten vor seinem inneren Auge auf, vermischten sich mit Wahnvorstellungen. Zweifelsfrei eine Folge des Giftes, mit dem die Stacheln getränkt waren. Und dann, mit unauslöschlicher Gewissheit, wurde ihm bewusst, dass er sterben würde. Aus, vorbei. Seine Reise, sein ganzes Wissen, umsonst.

Was für ein Jammer!

Als er Minuten später in ein Fangnetz fiel, war er bereits ohnmächtig. Er spürte nicht, wie das kunstvoll geflochtene Gewebe seinen Sturz abbremste und schließlich gänzlich abfing. Er bekam nicht mehr mit, wie sich das schlanke Flugschiff mit den farbigen Markierungen und den geblähten Segeln näherte. Er bekam auch nichts davon mit, wie ein Hebearm ausgefahren wurde und ihn an Bord holte.

Als sich seine Umhängetasche von seinen Schultern löste und tief unter ihm in die rauschenden Fluten des Colca klatschte, war er bereits auf dem Weg in tiefes Vergessen.

Teil 1

Die Wiege der Rätsel

1

Berlin, drei Monate später …

Von dem Augenblick an, als Oskar den Mann zum ersten Mal sah, wusste er, dass mit ihm etwas nicht stimmte. Die Erscheinung schlug ihn sofort in seinen Bann. Einmal abgesehen von der beeindruckenden Größe – der Kerl war vielleicht eins neunzig groß und breit wie ein Schrank –, seinem hohen, schlanken Zylinder, dem pechschwarzen Ledermantel und den eisenbeschlagenen Stiefeln, war es vor allem der prächtige Spazierstock, der seine Aufmerksamkeit erregte. Wie alles an ihm war auch dieser von so allumfassender Schwärze, dass er das Licht gänzlich zu schlucken schien. Einzig der Knauf in Form eines Löwenkopfes leuchtete in einem hellen, strahlenden Goldton. Das Gesicht des Mannes lag im Schatten, doch Oskar erkannte eine scharf geschnittene Nase, die einem Falkenschnabel nicht unähnlich sah, eine schmale Brille, sowie glatt rasierte Wangen. Die Haare waren an den Schläfen etwas grau und am Hinterkopf zu einem Zopf geflochten. Die Augen waren auf die Auslagen eines Fachgeschäftes für Degen, Säbel und Rapiere gerichtet. Etwas Gefährliches umwehte diesen Mann wie ein kalter Wind. Oskar hätte normalerweise einen weiten Bogen um ihn gemacht, wäre da nicht diese unerklärliche Neugier gewesen. Was wollte ein solch wohlhabender Mann in dieser – zugegeben – nicht besonders exklusiven Einkaufsgegend? Was mochte er für einen Beruf haben und, was am Interessantesten war, was mochte er wohl an Wertgegenständen bei sich führen? Andererseits: Der Mann sah nicht so aus, als würde er sich leicht bestehlen lassen. Vielleicht sollte er doch lieber vorsichtig sein.

Oskar hatte sich schon entschieden, ein anderes Opfer auszuwählen, als sein Auge von einem Detail angezogen wurde. Aus der einen Manteltasche lugte der Zipfel eines hellbraunen Lederetuis hervor. Eines dieser Etuis, die neuerdings aus Paris importiert wurden und in denen man Geld aufzubewahren pflegte. Ein sogenanntes Portemonnaie.

Die Versuchung war einfach zu groß.

Er verdrückte sich in einem Hauseingang, holte ein Fläschchen Duftwasser aus seiner Tasche und sprühte sich ein, um den unangenehmen Geruch der Gosse zu überdecken. Er tat dies, ohne lange darüber nachzudenken. Der Trick, als Dieb erfolgreich zu sein, bestand darin, weder wie ein Dieb auszusehen noch wie einer zu riechen. Nichts mieden die wohlhabenden Herrschaften mehr als den Anblick von Schmutz und Armut. Wer in seinem Metier erfolgreich sein wollte, der musste sich eine Arbeitskleidung zulegen. Hose und Jacke aus englischem Tweed, die Schuhe aus gutem Rindsleder, gefertigt in der Schusterei Hambacher & Co., und auf dem Kopf eine Filzmütze, wie sie gerne von Studenten und Lehrlingen getragen wurde. Oskar war auf den ersten Blick nicht von einem jugendlichen Angestellten zu unterscheiden. Derart getarnt und unter den Arm einen Aktenordner geklemmt, der sein Auftreten als Dienstbote unterstrich, konnte er sich seinen Opfern nähern, ohne dass diese gleich mit angewidertem Gesichtsausdruck die Straßenseite wechselten.

Mit schnellen Schritten lief Oskar vor einem vorbeifahrenden Pferdegespann auf den gegenüberliegenden Bürgersteig und näherte sich dem Mann. Die Mütze leicht nach unten gezogen und seine Augen beschattend, tat er so, als würde er die Angebote hinter der Fensterscheibe studieren. Als er auf gleicher Höhe war, blieb er stehen. Mit einem anerkennenden Pfiff zwischen den Zähnen sagte er: »Na, das nenn ich mal schöne Klingen, was? So fein blank poliert, dass man sich drin spiegeln kann.«

Der Fremde bewegte seinen Kopf um wenige Zentimeter. Die scharf geschnittene Nase schien seinen Geruch förmlich einzusaugen.

»Jedes Mal, wenn ich hier langgehe, muss ich sie mir ansehen«, fuhr Oskar fort. »Eines Tages, wenn ich mir genug zusammengespart habe, kaufe ich mir auch so etwas. Das Rapier dort oben gefällt mir am besten. Dort drüben, sehen Sie?« Er deutete mit dem Finger auf eine Waffe mit ziseliertem Griff. »Das wäre meine Traumwaffe. Ich bin sicher, damit würde ich jeden Gegner –«

»Hast du nichts zu tun?«, knurrte der Mann ungehalten. Seine Hand umschloss den goldenen Knauf seines Spazierstocks.

»Ach, wissen Sie, ich hab gerade Mittagspause«, sagte Oskar. »Muss nur noch diesen Ordner zur Kanzlei bringen, dann hol ich mir erst mal eine leckere Stulle.« Er klopfte mit der flachen Hand auf die Aktenmappe unter seinem Arm. In diesem Augenblick löste er mit dem Zeigefinger eine verborgene Halterung. Ein Schwall loser, sehr amtlich aussehender Dokumente ergoss sich über das Trottoir.

»Oh, verdammt.« Er beugte er sich vor und begann, die Blätter einzusammeln, die rings um die Füße des Unbekannten verteilt lagen.

»Kannst du nicht aufpassen?« Der Mann wollte einen Schritt zur Seite treten, aber Oskar hob die Hand. »Nein, bitte nicht. Bleiben Sie um Himmels willen stehen, sonst treten Sie womöglich noch darauf.«

Er krabbelte um den Mann herum und klaubte die Blätter zusammen. »Könnten Sie das bitte mal kurz halten?« Er hob einen Stoß Papiere und drückte sie dem Mann in die Hand. »Bitte verzeihen Sie meine Ungeschicklichkeit. Bin gleich fertig.«

Der Mann, überrumpelt von so viel Aktionismus, griff nach den Blättern und begann, sie zu überfliegen. Genau wie Oskar gehofft hatte. Niemand konnte der Versuchung widerstehen, vertrauliche Papiere zu lesen, besonders, wenn sie für jemand anderen bestimmt waren. In dem Moment, als er seine Augen auf die Dokumente richtete, war Oskars Zeit gekommen. Mit einer geschickten Bewegung griff er in die Manteltasche, zog das Portemonnaie hervor und ließ es in seinem Ordner verschwinden. Dann vergewisserte er sich, dass ihn niemand beobachtet hatte, griff rasch nach den restlichen Blättern und stand auf.

»Oh, Gott sei Dank«, sagte er. »Ich habe alle wieder beisammen. Sauber und unversehrt. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn ich dem Herrn Kanzleirat verunreinigte Papiere hätte aushändigen müssen.«

»Die sehen ziemlich wichtig aus«, sagte der Mann und gab ihm seine Unterlagen zurück. »Du solltest dich damit beeilen, ehe du noch mehr Unheil anrichtest.«

»Jawohl, mein Herr«, sagte Oskar und verbeugte sich. »Vielen Dank, mein Herr.« Einige Schritte rückwärts gehend und sich dabei immer wieder verbeugend, sagte er: »Und bitte entschuldigen Sie meine Ungeschicklichkeit.« Mit diesen Worten drehte er sich um und verschwand in Richtung Oranienburger Straße.

Er war noch nicht weit gekommen, als er sich zum ersten Mal umdrehte. Es war ein reiner Reflex. Er wollte sehen, ob sein Betrug unbemerkt geblieben war. Der Mann hatte sich von der Schaufensterauslage abgewendet und kam hinter ihm her. Er lief nicht, er brüllte nicht, er ging nur, und zwar im selben Tempo wie Oskar. Seine metallbeschlagenen Schuhe hinterließen ein deutliches Geräusch auf dem harten Pflaster. Sein schwarzer Mantel flatterte hinter ihm her wie die Schwingen eines Raben.

Ein Schreck durchfuhr Oskar. Hatte der Fremde den Diebstahl bemerkt? Und wenn ja, warum rief er nicht um Hilfe? Das Verhalten war sehr ungewöhnlich. Ruhig, nur ruhig, ermahnte Oskar sich. Vielleicht hatte der Unbekannte nur zufällig seine Richtung eingeschlagen. Aber Vorsicht war bekanntlich die Mutter der Porzellankiste.

Oskar machte einen Knick und bog rechts in die Oranienburger ab. Wie für einen Dienstag üblich war sie angefüllt mit privaten Droschken, Postkutschen, Brauereigespannen und den Wagen der Großen Berliner Pferdeeisenbahn. Der Lärm war ohrenbetäubend. Das Stück zwischen der Charité und der Börse war eine der belebtesten Gegenden Berlins. Ein idealer Ort, um Verfolger abzuschütteln.

Oskar schlängelte sich zwischen den Fußgängern hindurch, überquerte die Fahrbahn, lief etwa hundert Meter weiter und bog dann links in die Artilleriestraße ab. Hier war es etwas ruhiger. An der Ecke blieb er stehen und erlaubte sich einen weiteren Blick zurück. Er war extra zwischen möglichst vielen Fuhrwerken hindurchgelaufen. Kein Verfolger hätte in diesem Gewimmel den Überblick behalten. Trotzdem wollte er auf Nummer sicher gehen. Er blickte über die vielen Menschen hinweg, Richtung Osten.

Es dauerte nicht lange, bis er den schwarzen Zylinder sah. Er überragte die Menschenmenge wie ein Schornstein die Dächer. Seine Augen fest auf den Jungen gerichtet, ging der Mann mit derselben Geschwindigkeit wie vorhin. Keinen Deut schneller oder langsamer. Ruhig, energisch und unaufhaltsam.

Auf einmal wurde Oskar klar, dass dies kein Zufall sein konnte. Es war nicht mehr zu leugnen: Er wurde verfolgt. Sein mulmiges Gefühl begann sich in handfeste Panik zu verwandeln. Die Mappe unter den Arm geklemmt, eilte er weiter. Fieberhaft überlegte er, was zu tun sei. Der Mann war gefährlich, keine Frage. Aber letztendlich zählte nur, wer der Schlauere war. Oskar kannte sich hier aus wie in seiner Westentasche. Im Bruchteil einer Sekunde hatte er eine Entscheidung gefällt. Gleich an der nächsten Kreuzung bog er wieder links ab. Die Ziegelstraße war eine Sackgasse, deren hintere Gebäude an das Grundstück des Schlosses Montbijou grenzten. Eigentlich eine Falle, hätte es da nicht diesen rechten Kellereingang gegeben, der stets unverschlossen war. Von hier aus führte ein geheimer Weg hoch über die Dächer zurück in Richtung Norden. Oskar hatte ihn schon oft benutzt, wenn er sich schnell und unbemerkt verkrümeln musste. Ein narrensicherer Fluchtweg. Voraussetzung war nur, dass man nicht dabei beobachtet wurde.

Er gab Fersengeld und lief so schnell, wie es seine glatten Schuhe erlaubten, zum hinteren Teil der Straße. Als er die Kellertreppe erreichte, war er schweißgebadet. Er eilte die paar Stufen hinunter, duckte sich und warf einen kurzen letzten Blick zurück über die Schulter. Keine Spur von dem geheimnisvollen Unbekannten. Mit aller Kraft stieß er die Tür auf, zog den Kopf ein und tauchte in die Dunkelheit.

Er brauchte ein paar Sekunden, bis er sich an die Düsternis gewöhnt hatte. Der Keller war schon vor einigen Jahren aufgegeben worden und diente nur noch als Fluchtweg, falls der Haupteingang aus irgendwelchen Gründen einmal blockiert sein sollte. Außer ein paar staubigen Regalen, in denen leere Flaschen lagen, gab es hier unten nichts von Bedeutung. Durch einen schmalen Schacht sickerte ein wenig Tageslicht, das gerade ausreichte, um sich zu orientieren. Oskar durchmaß den Raum mit schnellen Schritten, öffnete die aus groben Latten gefertigte Tür am anderen Ende des Korridors und lief einen Gang entlang, von dem aus weitere Gänge in andere Keller abzweigten. Dann stand er vor der schweren Eichentür, die ins Treppenhaus führte. Eine Weile lauschte er. Alles schien ruhig zu sein. Einzig der Klang einer Violine zeugte davon, dass zumindest der brotlose Musiker zu Hause war. Oskar entschied, dass es gefahrlos war, das Treppenhaus zu betreten. Er drückte mit aller Kraft gegen die massive Holztür und schob sie auf. Ein unangenehmes Quietschen erklang. Rasch schlüpfte er durch den Spalt und eilte die Stufen hinauf. Am Bleiglasfenster im ersten Stock blieb er stehen und spähte hinunter auf die Ziegelstraße. Einige Passanten überquerten das Kopfsteinpflaster, doch von dem Mann mit dem schwarzen Umhang war nichts zu sehen. Vielleicht hatte er die Verfolgung aufgegeben. Oskar, der es nicht riskieren wollte, zur Vordertür hinauszuspazieren und ihm doch noch in die Arme zu laufen, hielt an seinem Plan fest. Auf leisen Sohlen erklomm er das hölzerne Treppenhaus. Die Stufen knarrten bei jedem Schritt. Dieser Teil des Fluchtweges war der riskanteste. Man musste immer damit rechnen, dass sich eine der Türen öffnete und ein Bewohner oder ein Mitglied des Dienstpersonals einen entdeckte. Dann half nur noch die Flucht nach vorn. Doch bisher war immer alles gut gegangen. Er kam an der Tür des Musikers vorbei. Das Gefiedel hatte etwas Trostloses, zumal der Künstler immer an derselben Stelle scheiterte. Oskar erreichte den vierten Stock. Hier befand sich der Aufgang, der zum Dachboden führte. Er öffnete die weißgestrichene Tür, schlüpfte hindurch und schloss sie leise hinter sich. Nur noch ein paar Schritte, dann war er auf dem Dachboden angelangt. Hier erlaubte er sich eine kurze Pause. Er kauerte sich neben eines der kleinen Dachfenster, öffnete den Ordner und zog das hellbraune Portemonnaie hervor. Es war so gut wie neu, sah man einmal von einer kleinen Druckstelle auf der Rückseite ab. Sein Gewicht zeugte davon, dass sich etliche Münzen darin befanden. Mit schweißnassen Fingern öffnete er die Geldbörse und warf einen Blick hinein. Seine Augen wurden groß wie Murmeln. Eine Handvoll Goldmark schimmerte ihm entgegen, dazu noch etliche Silberlinge. Er schüttete den Schatz auf seine Hand und überflog im Geiste die Summe. Einhundertfünfzig Mark in Gold und fünfundvierzig in Silber. Oskar pfiff leise durch die Zähne. Er konnte sich nicht erinnern, jemals so viel Geld auf einem Haufen gesehen zu haben. Der Mann stank ja vor Reichtum.

Sein Instinkt hatte ihn also nicht getrogen. Die Frage war nur: Was hatte ein feiner Pinkel wie er in der Krausnickstraße verloren? Das passte einfach nicht zusammen. Aber egal. Wozu sollte er sich den Kopf über solch unbedeutende Dinge zerbrechen? Das Geld gehörte jetzt ihm, das war alles, was zählte.

Er wollte die Münzen gerade wieder zurücklegen, als er zwischen ihnen ein Stück bleigrauen Metalls schimmern sah. Es glänzte wie angelaufenes Eisen und war an den Rändern etwas verbogen. Oskar hob es hoch, drehte und wendete es. Es sah aus wie ein wertloses Stück Altmetall. Warum aber lag es zwischen all dem Geld? Er konnte keine Erklärung dafür finden. Doch was es auch war, er würde sich später genauer damit befassen.

Er legte alles zusammen zurück, verschloss das Portemonnaie und steckte es in die Innentasche seines Jacketts. Dann stand er auf. Einen Teil davon würde er dem Geldverleiher Behringer zurückzahlen müssen, aber dafür wäre er dann seine Schulden ein für alle Mal los. Von diesem Fang würde er ein halbes Jahr lang gut leben können. Wer weiß, vielleicht würde er sich sogar ein kleines Appartement mieten. Eine richtige kleine Wohnung, nicht so ein Dreckloch wie das, in dem er gerade hauste.

Er öffnete das Fenster und kletterte hinaus aufs Dach. Der Himmel über Berlin hatte sich verdüstert. Aus den einzelnen Wolken war jetzt eine dunkle Wand geworden, die sich langsam von Westen her näherte. Ein frischer Wind war aufgekommen, der den Geruch von Regen mit sich brachte. Die Nase prüfend in den Wind hebend, schätzte er, dass es in etwa einer Stunde wie aus Eimern schütten würde. Zeit, die Beute sicher nach Hause zu schaffen.

Oskar hätte den Weg über die Dächer mit verbundenen Augen gefunden. Leichtfüßig sprang er über Abgründe, folgte Regenrinnen und balancierte auf Dachfirsten, wie es die Schornsteinfeger taten. Er liebte es, hier oben zu sein, den Dreck und Lärm der Straßen unter sich zu lassen und die Menschen dabei zu beobachten, wie sie in Ameisengröße durch die Straßen wuselten. Er liebte den Blick über die Dächer hinweg und das Geräusch, wenn die Kirchenglocken zu läuten begannen. Dann konnte er den Tauben zusehen, wie sie in Schwärmen über der Stadt kreisten, und sich vorstellen, wie es wohl wäre, eine von ihnen zu sein.

Ein paar Minuten später hatte er das Ende seines Fluchtweges erreicht. Ein schmuddeliges altes Haus an der Oranienburger, schräg gegenüber der Synagoge. Nach vorn hin gab es einige kleine, schmiedeeiserne Balkone, die durch Feuerleitern miteinander verbunden waren. An ihnen konnte man bequem hinunterklettern. Nur zwischen erstem Stock und Trottoir fehlte eine Leiter, sodass man die drei Meter bis zum Boden am nahe gelegenen Regenrohr entlangrutschen musste.

Flink wie ein Affe kletterte er hinunter, griff nach dem Metallrohr und ließ sich auf den Bürgersteig hinab. Die Straße hatte ihn wieder. Den fragenden Blicken einiger Passanten wich er einfach aus und machte sich hoch erhobenen Hauptes auf den Heimweg.

Er war noch keine zehn Meter weit gekommen, als er von einer schwarz behandschuhten Hand gepackt und in einen Hauseingang gezerrt wurde. »Habe ich dich endlich!«, sagte eine tiefe Stimme.

Oskar blickte auf. Über ihm ragte drohend die dunkle Gestalt des Mannes mit dem Zylinder auf. Das Gesicht lag im Schatten. Nur die Augen hinter den Brillengläsern leuchteten wie zwei wasserblaue Kristalle. Oskar versuchte sich zu befreien, aber die Hand hielt ihn gepackt wie ein Schraubstock.

»Na, na«, sagte die Stimme. »Willst du etwa schon gehen?«

Die andere Hand hob sich, zur Faust geballt. Oskar wollte schon die Augen schließen, da sah er, dass sich die Hand öffnete. Ein weißes Pulver leuchtete auf dem schwarzen Leder. Ehe er noch darüber nachdenken konnte, was das wohl für ein Zeug war, hob der Fremde die Hand und blies ihm die ganze Ladung ins Gesicht.

Oskar fühlte ein entsetzliches Brennen in Mund, Augen und Nase. Er musste würgen und husten. Tränen stiegen ihm in die Augen. Der Staub schnürte ihm die Luft ab. Er griff sich an den Hals und rang nach Atem. Verzweifelt versuchte er ein letztes Mal auszubrechen. Er schlug mit den Armen um sich wie ein Ertrinkender, doch es nützte nichts. Ein feines Lächeln umspielte den Mund des Mannes. Mit dunkler Stimme sagte er: »Ich wünsche dir angenehme Träume, mein Junge.«

Sternchen tanzten vor Oskars Augen, dann wurde es dunkel um ihn.

2

Oskar erwachte mit einem Kopf, der sich anfühlte wie ein matschiger Kürbis. Ein Lichtstrahl drang in seine Augen und stach bis in die hintersten Hirnwindungen. Schnell presste er die Lider zusammen. Er hatte ja schon so manchen Kater von zu viel Bier gehabt, aber noch nie einen solchen. Noch einmal versuchte er, die Augen zu öffnen. Diesmal war der Schmerz nicht ganz so heftig und er entschied, dass er ihn ertragen konnte. Er saß in einem Lehnstuhl mit wertvoll geschnitzten Armstützen und einem hohen Rückenstück, das hinter seinem Kopf aufragte. Außer dem Stuhl befanden sich in dem Raum noch ein Bett, ein Tisch und mehrere Regale, voll mit Büchern. Ein kostbarer geknüpfter Teppich lag auf dem Boden. Oskar versuchte aufzustehen, aber irgendetwas hielt ihn zurück. Er konnte seine Arme nicht bewegen, genauso wenig wie seine Hände und seine Füße. Er blickte an sich hinab und sah, dass er festgeschnallt war. Breite Lederbänder umspannten seine Handgelenke. Sie erlaubten nicht den geringsten Ausbruchsversuch.

Plötzlich fiel ihm alles wieder ein. Der Diebstahl, der Fluchtversuch, seine Gefangennahme … und der dunkle Mann. Diese wasserblauen Augen und das schmallippige Grinsen. Oskar wurde es mulmig zumute. Gefangen und gefesselt in einem fremden Haus, da brauchte man nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, dass er in die Hände eines Verbrechers gefallen war. Eines Irrsinnigen vielleicht, oder eines Mörders. Panik überkam ihn. Er musste weg hier, und zwar schnell. Er zerrte an seinen Fesseln, doch die Lederriemen saßen fest. Kopf, Hände, Füße, alles war festgebunden und der Stuhl war zu schwer, um ihn fortzubewegen. Plötzlich erklangen Geräusche. Schritte, die sich der Tür näherten.

Oskar gab seine Befreiungsversuche auf und stellte sich schlafend. Er schloss die Augen bis auf einen winzigen Spalt und beobachtete, wie die Tür sich öffnete und jemand den Raum betrat. Im Dämmerlicht erkannte er eine kleine Person, die irgendetwas in den Händen trug. Einen Teller oder ein Tablett. Sie stellte es ab und ging hinüber zum Fenster. Mit Schwung zog sie die Vorhänge beiseite. Helles Tageslicht flutete ins Zimmer. Oskar erkannte, dass es sich nicht um seinen Entführer handelte. Es war eine Frau. Sie trug ein langes, bunt besticktes Hemd und einen ebensolchen Rock. Ihre Füße steckten in farbigen Sandalen und an ihren Handgelenken klimperten goldene Armreifen und Ketten. Sie hatte dunkle Haut und pechschwarzes Haar, das sie mit einem Tuch hochgesteckt hatte. Oskar konnte sich nicht erinnern, jemals eine solche Erscheinung gesehen zu haben.

Sie kehrte zum Tablett zurück, goss etwas aus einer Kanne in eine Tasse und kam zu ihm herüber. Oskar tat immer noch so, als würde er schlafen, aber die Frau schien zu spüren, dass er es vortäuschte.

»Hallo, mein Junge«, sagte sie mit weicher, dunkler Stimme. »Ich bringe dir etwas zur Stärkung.«

Sie rollte das R und sprach mit einem seltsamen Akzent. So nah, wie sie jetzt bei ihm stand, konnte er ihr exotisches Parfum riechen. Es hatte wohl keinen Sinn mehr, sie weiter zu täuschen. Oskar schlug die Augen auf. Das Gesicht, das sich ihm zuwandte, war schön, wenn auch außergewöhnlich. Die Frau mochte etwa dreißig Jahre alt sein, so genau konnte er das nicht abschätzen. Sie hatte große, seelenvolle Augen und einen vollen Mund. Ihre Ohren waren mit goldenen Ringen geschmückt. Sie sah nicht so aus, als wolle sie ihm etwas antun.

»Möchtest du mal probieren? Schmeckt sehr gut und hilft gegen Kopfschmerzen.« Sie vollführte ein paar seltsame Gesten über der Tasse, die wie Zauberei anmuteten.

Irgendwie spürte er, dass die Frau nichts Böses im Schilde führte, und seine Panik verflog. Er nickte und ließ sich von ihr das Getränk an den Mund führen. Das Gebräu schmeckte stark, bitter und süß, ganz anders als der Tee oder der Kakao, den man in feinen Gasthäusern bekam und den Oskar mal von Hannah, dem hübschen Küchenmädchen im ›Alten Zollhaus‹, zu kosten bekommen hatte. Es weckte die Lebensgeister und beruhigte seinen Kopf.

Gierig schlürfte er die Tasse leer. Als er fertig war, waren die Schmerzen bis auf ein winziges Druckgefühl verschwunden.

»Gut gemacht«, sagte sie und stellte die Tasse wieder weg. »Geht es jetzt besser?«

Er nickte.

»Mein Name ist Eliza«, sagte die Frau. »Darf ich?« Sie deutete auf seine Fesseln. Ehe Oskar antworten konnte, löste sie seine Armschlingen und dann seine Kopf- und Fußfesseln. Sie arbeitete schnell und geschickt und im Nu war er wieder frei. Er spürte, wie das Blut in seine Hände schoss, und massierte seine Gelenke.

»Wie heißt du?«

Oskar schwieg. Seine Augen suchten nach einem Fluchtweg.

»Ja, ich weiß, was du denkst.« Sie deutete auf die Bänder. »Ich muss mich für diese Behandlung entschuldigen. Sie diente nur zu deiner eigenen Sicherheit.« Sie lächelte entschuldigend. »Mein Herr ist manchmal ein wenig ungeschickt. Ich habe ihm die Menge genau vorgeschrieben, aber er musste ja gleich das Doppelte nehmen. Sei beruhigt, der Kopfschmerz dürfte gleich vorbei sein.«

»Wo bin ich hier?« Oskar stand langsam auf. Seine Beine fühlten sich noch etwas zittrig an, aber immerhin trugen sie ihn schon wieder.

»Im Haus meines Herrn«, lautete die Antwort. »Möchtest du ihn sehen?«

»Wen?«

»Deinen Gastgeber.«

Oskar ging ein paar Schritte. »Ich weiß nicht …«

»Er würde sich freuen, dich zu sehen.« Sie warf ihm einen aufmunternden Blick zu. »Ich weiß, dass dir das alles sehr seltsam vorkommen muss, aber du brauchst dich nicht zu fürchten. Folge mir einfach.«

Das Haus war von beeindruckender Größe. Schon allein der Speisesaal war ehrfurchtgebietend. An der Decke hing ein Kristallleuchter, der das hereinflutende Tageslicht einfing und es in tausendfaches Funkeln zerlegte. Inmitten einer Reihe sehr komfortabel aussehender Stühle stand ein Tisch, an dem bequem dreißig Leute Platz finden konnten. Wertvolle geschnitzte Vitrinen und Abstelltische zeugten vom erlesenen Geschmack des Hausherrn. Eliza legte ein zügiges Tempo vor, sodass Oskar kaum Zeit fand, die ganze Pracht zu bewundern. Schon waren sie im nächsten Raum, offenbar ein Studierzimmer. An den Wänden standen Regale, die bis unter die Decke mit Büchern gefüllt waren. Oskar trat näher und entdeckte verschiedene Zyklen aufwendig in Leder gebundener Werke. Lexika oder etwas Ähnliches. Daneben standen Bücher, bei denen es sich offenkundig um Kartenwerke und Reisebeschreibungen handelte. Bücher, auf deren Einband Windrosen, Wappen und Kontinente geprägt waren. Daneben Aberdutzende Karten aller Größen und Formen. Große, kleine, gerollte und hängende, Weltkarten, Landkarten, geologische Karten und Seekarten.

Er begann sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass der Mann vielleicht doch nicht der wahnsinnige Irre war, für den er ihn gehalten hatte. Offenbar verfügte er über Bildung und ein beträchtliches Vermögen. Einen Schatz wie diesen hatte Oskar jedenfalls noch nirgends gesehen, nicht mal in der Stadtbibliothek.

Oskar hatte eine Schwäche für spannende Erzählungen. Ritterromane, Piratengeschichten, Abenteuer in fremden Ländern. Mit Karl May hatte er sich durch das wilde Kurdistan geträumt und mit Jules Verne 20000Meilen unter die Meeresoberfläche. So konnte er seinem Dasein als kleiner Gauner auf den Berliner Straßen für eine Weile entfliehen. Viele Abenteuerromane erschienen in Fortsetzungen in der Berliner Illustrirten Zeitung, die Oskar bei Hannah im ›Alten Zollhaus‹ lesen konnte. Manchmal investierte er einen Teil seiner Beute in Bücher, die er zu Hause in seiner Bude lagerte. Einige hatte er natürlich auch gestohlen, aber die meisten ehrbar erworben. Bücher waren etwas, wovor er Respekt hatte, und hier gab es mehr davon, als er je in seinem Leben auf einem Haufen gesehen hatte. Auch wenn es sich um Sachliteratur handelte, so waren es doch immer noch Bücher. Was war das nur für ein Mann, der Straßenjungen entführte und so viele Bücher besaß?

Dominiert wurde der Raum von einem gewaltigen, in einem hölzernen Rahmen befindlichen Globus. Einer Weltkugel von solch ehrfurchtgebietenden Proportionen, dass ihr Gewicht gar nicht abzuschätzen war. Gerne hätte Oskar sie in Drehung versetzt, aber die Haushälterin war schon weitergegangen und wartete in der Eingangshalle auf ihn.

Dieser Raum war von allen der beeindruckendste. Spätestens jetzt war Oskar überzeugt, in das Haus irgendeiner hochgestellten Persönlichkeit geraten zu sein. Die Wände waren mit dunklem Holz getäfelt und in regelmäßigen Abständen waren Kerzenhalter befestigt. Zwei mächtige, geschnitzte Holzsäulen trugen eine gewölbte Decke, die mindestens vier Meter hoch war. Auf ihr waren Naturszenen zu sehen. Berge, Wasserfälle, dichter Dschungel und weite Wüsten. Bilder, wie er sie sich in seinen kühnsten Träumen nicht vorzustellen gewagt hatte. An den Wänden befanden sich präparierte Tierköpfe aus aller Herren Länder. Elefanten, Nashörner und Tiger, aber auch kleinere Tiere wie Antilopen, Schakale und Luchse. Viele kannte er aus dem Tierpark, manche waren ihm völlig unbekannt. Staunend und mit offenem Mund stand er einfach da und blickte nach oben. Offenbar hatte der Herr dieses Hauses die ganze Welt bereist. Vor seinem geistigen Auge erschien die Person des Allan Quatermain, des Bezwingers von Afrika, des Entdeckers von König Salomons Minen. Konnte es sein, dass ihn das Schicksal direkt in die Arme des Abenteuers geführt hatte?

Oskar riss sich von dem Anblick los. Er durfte jetzt nicht unvorsichtig werden. Er war betäubt worden, entführt und gefesselt, und solange er dafür keine einleuchtende Erklärung erhalten hatte, lautete sein oberstes Ziel Flucht.

Eine breite Eichentreppe führte in weitem Bogen nach oben. Eliza winkte ihm zu. »Komm, mein Junge. Du solltest deinen Gastgeber nicht warten lassen.« Sie nahm seine Hand und geleitete ihn in den ersten Stock. Dort, am Ende eines langen Flurs, blieben sie stehen. Sie klopfte an eine Tür, dann trat sie, ohne eine Antwort von innen abzuwarten, ein.

Der Raum war groß und warm. Im Kamin prasselte ein Feuer. Durch die Fenster konnte man einen Blick auf Parkanlagen erhaschen. Es war Abend und hinter den Bäumen versank feuerrot die Sonne.

Hinter einem riesigen Schreibtisch aus dunklem Kirschholz saß ein Mann, der in ein dickes, ledergebundenes Buch vertieft war. Oskar hielt den Atem an. Die wasserblauen Augen, die buschigen Brauen und die Brille gehörten unverkennbar seinem Entführer. Trotzdem wirkte er verändert. War er bei ihrer ersten Begegnung noch in düsteres Schwarz gehüllt gewesen, hatte er sich nun für eine Kombination freundlicherer Farben entschieden. Er trug eine knielange, reich bestickte Jacke aus weinrotem Samt, darunter bequeme, weite Stoffhosen und hellbraune Wildlederschuhe. Seine Haare hingen in einem Zopf über der linken Schulter. Beinahe wie bei einem Chinesen.

Als sie eintraten, hob der Mann den Kopf. Mit einem Knall schlug er das Buch zu und schob es auf die Seite. »Komm rein«, sagte er mit einer Stimme, die zwar immer noch barsch klang, aber deutlich freundlicher als noch vorhin auf der Straße. »Ich sehe, du bist wieder wohlauf? Gut so.« Er räusperte sich und ging zu einem Schrank hinüber, in dem etliche Flaschen aufgereiht standen. »Was möchtest du? Wasser? Tee? Vielleicht einen Branntwein?« Er blickte kurz zu Eliza hinüber, die entschieden den Kopf schüttelte. »Nein, keinen Branntwein. Milch. Wie wäre es mit einem Glas Milch?«

Oskar setzte ein Pokergesicht auf. Die ganze Situation war äußerst merkwürdig. Eine seltsame Mischung aus Furcht und Faszination befiel ihn. Es fiel ihm schwer, einen klaren Gedanken zu fassen.

»Gar nichts? Was dagegen, wenn ich mir einen genehmige?« Der Mann nahm sich ein Glas und schüttete etwas von einer bräunlichen Flüssigkeit hinein, vermutlich etwas Hochprozentiges. Er nahm einen Schluck. »Setz dich«, sagte er und deutete auf ein breites Sofa gegenüber dem Tisch. Oskar blickte argwöhnisch zu Eliza. Als diese ihm zu verstehen gab, dass es in Ordnung wäre, ließ er sich steif auf den weichen Kissen nieder. Er versank beinahe darin.

»Schon besser«, sagte der Mann. »Du fragst dich sicher, wo du bist und was ich von dir will, habe ich recht? Du sollst es erfahren, doch zunächst mal möchte ich damit beginnen, dass ich mich vorstelle. Mein Name ist Humboldt. Carl Friedrich von Humboldt. Und wie heißt du?«

»Oskar Wegener.«

Sein Gastgeber deutete ein Nicken an. »Freut mich, dich kennenzulernen, mein Junge. Willkommen in meinem Heim.«

Oskar setzte einen skeptischen Blick auf. Wieso war der plötzlich so freundlich? »Ist Ihr Name wirklich Humboldt? So wie der berühmte Entdecker?«

»Du sprichst vermutlich von Alexander von Humboldt, meinem Vater.« Er warf Oskar einen kurzen Blick über den Rand seiner Brille zu. »Genau wie er darf ich mich in aller Bescheidenheit einen Naturforscher nennen. Du weißt doch sicher, was das ist?«

»Natürlich.« Oskar reckte sein Kinn vor. »Jemand, der Schmetterlinge auf Nadeln spießt und sie dann in einen Schaukasten steckt.«

Der Mann versteifte sich. »Ja, hm. Unter anderem auch das – wenn es die Forschung verlangt. Wobei das eher nicht zu meinem Tätigkeitsbereich gehört. In bin in erster Linie Entdecker. Ich bereise Orte, die zuvor noch nie erforscht wurden, beschreibe und kartografiere sie, sammele und beobachte die Flora und Fauna und stelle mein Wissen der Allgemeinheit zur Verfügung.« Er deutete auf das schwere, ledergebundene Buch auf dem Tisch. »Was du hier siehst, ist der erste Band einer umfangreichen Enzyklopädie, an der ich gerade arbeite und die ich eines Tages zu veröffentlichen gedenke. Es wird das Standardwerk des neuen Jahrhunderts werden. Ein Lexikon für jedermann. Kompakt, umfassend und erschwinglich. Nicht nur etwas für die verkopften Professoren an unseren Universitäten. Ein aufgeklärtes Werk für aufgeklärte Denker.« Er trank den Rest und stellte sein Glas lautstark auf dem Tisch ab. »Ehe ich es herausgebe, werden allerdings noch einige Jahre ins Land gehen. Noch ist die Welt nicht bereit für dieses Werk. Noch gibt es zu viele Personen, die es lieber verbieten lassen würden. Holzköpfe, die noch nie einen Schritt vor die eigene Tür unternommen oder einen Blick über die Hecken ihres mickrigen Vorgartens getan haben, die uns aber erzählen wollen, wie die Welt funktioniert. Ich habe vor, ihnen gehörig den Wind aus den Segeln zu nehmen.«

»Und was wollen Sie von mir?«, fragte Oskar herausfordernd.

Humboldt hob die Augenbrauen. »Du hast mich bestohlen, schon vergessen?«

Aha, jetzt war es mit der Freundlichkeit vorbei. Oskar schluckte. »Verstehe. Dann werden Sie mich jetzt der Gendarmerie übergeben?«

»Nein.«

»Nicht?« Oskar war verblüfft. Es dauerte eine Weile, dann fragte er vorsichtig: »Was dann?«

Der Forscher gestattete sich ein schmales Lächeln. »Wie wär’s, wenn du mir ein bisschen was über dich erzähltest. Wo kommst du her, wer sind deine Eltern und was machst du so?«

»Was ich so mache, haben Sie ja gesehen«, erwiderte Oskar. »Ich bin Botenjunge. Ich renne hin und her und stelle eilige Lieferungen zu. Kein besonders guter Job, aber man schlägt sich so durch.«

»Und da kam dir der Gedanke, mir meine Börse zu klauen.«

Jetzt half nur noch die Flucht nach vorn. »So offen, wie Sie Ihr Portemonnaie heraushängen lassen, war es nur eine Frage der Zeit, bis Sie jemand bestiehlt«, sagte Oskar und setzte noch einen obendrauf: »Sie haben das regelrecht herausgefordert. Eigentlich bin ich derjenige, der sich beschweren müsste. Sie haben mich in Versuchung geführt. Geradezu kriminell, so ein Verhalten.«

Der Forscher lachte. »Du kannst mich ja anzeigen. Ich frage mich, wem der Richter wohl glauben würde. Aber jetzt mal im Ernst: Was ist mit deinen Eltern? Was machen sie und wo leben sie?«

Oskars Augen wurden schmal. »Meine Eltern sind tot«, stieß er hervor. »Meine Mutter starb, als ich noch sehr klein war, und meinen Vater habe ich nie kennengelernt. Er war wohl ein ziemlicher Rumtreiber. Vielleicht ein Seemann oder so.«

»Das tut mir leid«, sagte der Forscher mit ernstem Gesicht. »Dann warst du sicher schon sehr früh auf dich allein gestellt.«

Oskar winkte ab. »Die meiste Zeit war ich im Heim. Irgendwann wurde es mir zu dumm. Ich bin dort weg und habe mich selbstständig gemacht. Straßenkehrer, Botengänge, Aushilfsdienste. Was man halt so macht, wenn man nicht weiß, was man am nächsten Tag fressen soll. Aber das Gefühl kennen Sie vermutlich nicht.«

»Besser, als du denkst«, erwiderte der Forscher knapp, ohne näher darauf einzugehen. Er nahm sein Glas wieder vom Tisch und stellte fest, dass es bereits leer war. Gedankenverloren drehte er es zwischen seinen Fingern.

Oskar beobachtete den Mann eine Weile unter seinen gesenkten Augenbrauen. »Hören Sie, dieses Gespräch führt zu nichts«, sagte er. »Machen Sie es kurz. Übergeben Sie mich einfach den Behörden und vergessen Sie die ganze Sache. Damit wäre jedem gedient.« Und er wäre nicht länger in den Händen dieses Verrückten, dachte Oskar. Den Gendarmen war er schon oft genug entwischt, darin hatte er Übung.

Um Humboldts Mund spielte ein schmales Lächeln. »Dich nur hinter Gitter zu sperren wäre viel zu einfach. Es würde dir auch nicht gerecht werden, denn immerhin hast du deine Sache ja recht gut gemacht. Die meisten Trickbetrüger sind absolute Dilettanten. Armselige Taschenspieler. Man sieht ihnen schon aus zehn Meter Entfernung an, dass sie etwas im Schilde führen. Deine Nummer mit dem Aktenordner hingegen war ausgezeichnet.« Oskar wollte protestieren, aber Humboldt hob die Hände. »Ja, ja, ich weiß, du bist nur ein einfacher Botenjunge, aber nehmen wir mal an, du wärst keiner. Nehmen wir mal an, du wärst ein ganz gewöhnlicher kleiner Taschendieb …«

Jetzt also doch, was hatte der Mann nur mit ihm vor? Warum rief er nicht endlich die Gendarmen?

»… dann hättest du deine Sache sehr gut gemacht. Die Sache mit der Verkleidung, den Akten und der anschließenden Flucht über die Dächer – merveilleux!«

Oskar wusste nicht, was das Wort bedeutete, aber es klang wie ein Lob.

»Nicht gut genug, fürchte ich«, murmelte er.

Humboldts Augen leuchteten geheimnisvoll. »Nun, was das betrifft – eigentlich hattest du gar keine richtige Chance.«

»Wie meinen Sie das?«

Statt einer Antwort öffnete der Forscher eine Schublade. Er zog das Portemonnaie heraus, das Oskar ihm gestohlen hatte.

»Erinnerst du dich daran?«

»Allerdings.«

Der Forscher wedelte mit der Geldbörse. »Fragst du dich nicht, wie ich dich gefunden habe?«

»Doch, allerdings. Ich war doch schon längst im Haus. Es war unmöglich, mich zu sehen. Woher wussten Sie, welche Richtung ich einschlagen würde?«

Humboldt öffnete das Portemonnaie. »Sieh her.«

Er entnahm ihm das stumpf glänzende Metallstück, das Oskar bereits auf dem Dachboden aufgefallen war. Er legte es auf den Tisch und schnippte es zu ihm hinüber.

»Steck es ein.«

»Was soll ich?«

»Steck es ein. Und dann steh auf.«

Oskar überlegte einen Augenblick, ob er sich weigern sollte. Er war unfreiwillig in diesem Haus, das durfte er nicht vergessen. Andererseits interessierte ihn die Sache.

Er tat also, wie Humboldt gesagt hatte, und erhob sich von seinem Stuhl. Humboldt griff in seine Hosentasche und holte einen merkwürdigen kleinen Gegenstand heraus. Ein Metallgestell, in dem so etwas wie die Miniaturausgabe einer Weltkugel hing, nur mit dem Unterschied, dass diese hier auf zwei Achsen lagerte und in jede Richtung frei rotierte. Auf der Außenseite der Kugel waren mehrere Markierungen aufgemalt, die wie Winkelmaße aussahen. Einer dieser Punkte war rot hervorgehoben und zeigte genau auf ihn.

»Und jetzt beweg dich.«

Oskar trat einen Schritt zur Seite. Der rote Punkt folgte ihm. Er folgte ihm auch, als er nach links um den Tisch herum und wieder zurückging. Selbst als er auf einen Stuhl kletterte, wieder hinuntersprang und vor dem Tisch in die Hocke ging, folgte ihm der rote Punkt, als könne er jede seiner Bewegungen voraussehen. Wie ein Auge.

»Hexerei«, murmelte Oskar, während er misstrauisch das seltsame Gerät anstarrte.

»Keineswegs.« Humboldt kicherte vergnügt. »Das Zauberwort heißt Magnetismus. Und zwar Magnete von einer besonders starken Sorte. Aus Meteoriten, um genau zu sein.«

»So wie ein Kompass?«

»Exakt, mein junger Freund. Nur, dass sich der magnetische Südpol nicht in der Arktis befindet, sondern hier in deiner Hand. Egal wohin du auch gehst, egal wie weit du dich auch von mir entfernst, das Auge zeigt mir stets die Richtung.«

»Auch durch Gebäude hindurch?«

»Durch Gebäude, durch ganze Stadtteile, ja selbst durch Berge hindurch. Willst du es mal nehmen?«

Oskar nickte und ließ sich von Humboldt den seltsamen kleinen Kasten geben. Er war bedeutend schwerer, als er aussah. Die kleine Kugel blickte ihn an wie ein bösartiges Auge. Sie erinnerte ihn an jene Augen lebensechter Holzmarionetten, wie sie manchmal auf Jahrmärkten zu bestaunen waren. Oskar hatte Marionetten noch nie leiden können.

Von dem Metallgestell gingen leichte Schwingungen aus. Es brummte und summte und kitzelte seine Finger. Als er versuchte, sie zu lösen, spürte er, dass sie irgendwie an dem Metall zu kleben schienen. Angewidert stellte er das Ding zurück auf den Tisch und legte auch gleich das krumme Metallstück daneben. Es flutschte sofort herüber und blieb an dem Kasten hängen.

»Hexerei«, murmelte er noch einmal, dann richtete er seinen Blick wieder auf Humboldt. »Na schön. Wenn Sie mich also nicht einsperren lassen wollen, was dann? Sie werden mich wohl kaum einfach laufen lassen.«

Humboldt wiegte den Kopf. »Nein. Jedenfalls nicht gleich. Zunächst mal möchte ich, dass du dir mein Angebot anhörst.«

»Ein Angebot?« Oskar zog ironisch eine Augenbraue in die Höhe. »Was hätte einer wie Sie jemandem wie mir schon anzubieten?«

»Ich will, dass du mich auf meiner nächsten Reise begleitest.«

»Wie bitte?«

»Du wirst deine Strafe durch harte Arbeit abtragen«, fuhr der Forscher fort. »Waschen, putzen, Waffen reinigen, Besorgungen machen. Ich brauche einen Diener, der mir zur Hand geht und das tägliche Einerlei erledigt. Ein Junge, der es gewohnt ist, selbstständig zu handeln, und sich nicht fürchtet, wenn es mal brenzlig wird. Meine letzte Reise stand unter einem – sagen wir mal – ungünstigen Stern.« Der Forscher wechselte einen Blick mit Eliza, die immer noch stumm im Hintergrund stand. »Ich wurde beraubt und meine Diener ließen mich im Stich. Allesamt Leute, die ein ellenlanges Register an Referenzen vorzuweisen hatten. Menschen, die in den feinsten Häusern Berlins gearbeitet hatten. Und alle haben sie mich enttäuscht. Als sie merkten, dass kein Geld mehr da war, schwirrten sie auf und davon. Eliza und ich standen von einer Sekunde auf die andere ohne Personal da. Keine Diener, keine Träger, keine Führer. Wir mussten unverrichteter Dinge wieder heimkehren. Damals habe ich mir geschworen, nur noch mit einer kleinen Gruppe auf Reisen zu gehen. Mit Leuten, die sich in jeder Lage zu helfen wissen und die – wenn es die Situation erfordert – Dinge organisieren