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Diplomarbeit aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Soziale Arbeit / Sozialarbeit, Note: 2, Universität Wien (Institut für Bildungswissenschaft), Sprache: Deutsch, Abstract: Das Projekt „Jobcoaching“ wurde im Zuge der Initiative „Hauptsache Arbeit – Jugend hat Vorrang“ vom Land Oberösterreich im Jahr 2006 implementiert. Das JugendService des Landes Oberösterreich, als Anlauf- und Beratungsstelle für Jugendliche, wurde beauftragt dieses Projekt zu realisieren und Pflichtschulabgänger im Rahmen eines Einzelcoachings bei ihrer Suche nach einer Lehrstelle zu unterstützen. Für die vorliegende Arbeit wurde dieses Projekt als Beispiel für die Anwendung von Coaching in der Jugendarbeit herangezogen. Die daraus abgeleitete Forschungsfrage, inwiefern das Projekt „Jobcoaching“ angesichts des heutigen Wandels der Arbeitswelt eine mögliche sozialpädagogische Form der Unterstützung für die Berufswahl von Jugendlichen dargestellt, begleitete den gesamten Forschungsprozess. Durch die Bearbeitung von themenbezogener Literatur und der Durchführung einer qualitativ ausgerichteten Studie, durch welche die bisherige Arbeitsweise der ProjektmitarbeiterInnen erfasst und projektinhärente sozialpädagogische Coachingmerkmale konkretisiert wurden, konnten Erkenntnisse hinsichtlich der Fragestellung gewonnen werden. Die Ergebnisse der Untersuchung beinhalten die Darstellung des „Jobcoaching“-Prozesses und die Diskussion der Anwendbarkeit von Coaching im Sozialen Feld am Beispiel des Projekts „Jobcoaching“.
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Veröffentlichungsjahr: 2010
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Kritische Auseinandersetzung mit dem Coachingprozess aus sozialpädagogischer Sicht
Wien, im Jänner 2009
Studienkennzahl lt. Studienbuchblatt: A 297
Studienrichtung lt. Studienbuchblatt: Pädagogik
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Eidesstattliche Erklärung
Ich erkläre hiermit an Eides statt, die vorliegende Diplomarbeit mit dem Titel „Coaching in der Jugendarbeit? Kritische Auseinandersetzung mit dem Coachingprozess aus sozialpädagogischer Sicht am Beispiel des Projekts ‚Jobcoaching‘“ selbstständig und ohne fremde Hilfe verfasst und angefertigt zu haben. Aus fremden Quellen direkt oder indirekt übernommenen Gedanken und Zitate sind als solche kenntlich gemacht.
Wien, Jänner 2009 Unterschrift: ………………………….
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Danksagung
In erster Linie gilt mein Dank allen MitarbeiterInnen des JugendService des Landes Oberösterreich unter der Leitung von Markus Ladendorfer, im Besonderen meinen InterviewpartnerInnen. Ohne ihre tatkräftige Unterstützung wäre diese Diplomarbeit nicht zustande gekommen. Danken möchte ich auch dem zuständigen Projektleiter Armin Gruber, welcher sich stets Zeit für meine Anliegen nahm und wertvolle Anregungen zu dieser Arbeit beisteuerte. Für die Durchsicht der vorliegenden Arbeit gebührt meiner Arbeitskollegin Mag. Claudia Stöger ein herzliches Danke.
Die wissenschaftliche Betreuung der vorliegenden Arbeit übernahm ao. Univ.-Prof. Dr. phil. Reinhold Stipsits vom Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien. Ich möchte ihm für seine konstruktiven Kommentare danken, die immer wieder aufs Neue meine Reflexionsprozesse unterstützt haben. Für ihr Interesse an der Thematik und ihre Unterstützung bei der Erstellung des Exposés danke ich Univ. Ass. Dr. phil. Dipl.-Psych. Martina Becker. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle ebenso die MitarbeiterInnen des Studentischen Zentralsekretariats des Instituts für Bildungswissenschaft, allen voran Frau Fennes, welche immer ein offenes Ohr für meine Anliegen hatten. Ich nütze hiermit auch die Gelegenheit, mich bei meiner Familie zu bedanken, wobei ich ganz besonders meinen Eltern, Leopoldine und Karl Grammer verpflichtet bin, die mir mit viel Geduld ein Universitätsstudium ermöglichten. Meiner Cousine und Gefährtin im Prozess des Verfassens einer Diplomarbeit Mag. Fabiane Grammer möchte auf diesem Wege ebenfalls meine Dankbarkeit ausdrücken und ihr viel Erfolg für ihr weiteres Leben wünschen.
Während des manchmal fordernden und hindernisreichen Arbeitsprozesses wurde ich von vielen lieben Menschen begleitet und sowohl emotional als auch mental unterstützt. An dieser Stelle richtet sich mein Dank vor allem an Doris, Patrick, Sonja und Veronika. Ebenso bin ich meinen langjährigen Freundinnen Anita, Daniela und Regina verbunden. Von ganzem Herzen danke ich meinem Partner Orion für seine Nachsichtigkeit und unverwüstlichen Optimismus. Immer wieder hat er mir Raum gegeben und mit treffendem Humor Stress und Druck relativiert.
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Zusammenfassung
Das Projekt „Jobcoaching“ wurde im Zuge der Initiative „Hauptsache Arbeit - Jugend hat Vorrang“ vom Land Oberösterreich im Jahr 2006 implementiert. Das JugendService des Landes Oberösterreich, als Anlauf- und Beratungsstelle für Jugendliche, wurde beauftragt dieses Projekt zu realisieren und Pflichtschulabgänger im Rahmen eines Einzelcoachings bei ihrer Suche nach einer Lehrstelle zu unterstützen. Für die vorliegende Arbeit wurde dieses Projekt als Beispiel für die Anwendung von Coaching in der Jugendarbeit herangezogen. Die daraus abgeleitete Forschungsfrage, inwiefern das Projekt „Jobcoaching“ angesichts des heutigen Wandels der Arbeitswelt eine mögliche sozialpädagogische Form der Unterstützung für die Berufswahl von Jugendlichen dargestellt, begleitete den gesamten Forschungsprozess. Durch die Bearbeitung von themenbezogener Literatur und der Durchführung einer qualitativ ausgerichteten Studie, durch welche die bisherige Arbeitsweise der ProjektmitarbeiterInnen erfasst und projektinhärente sozialpädagogische Coachingmerkmale konkretisiert wurden, konnten Erkenntnisse hinsichtlich der Fragestellung gewonnen werden. Die Ergebnisse der Untersuchung beinhalten die Darstellung des „Jobcoaching“-Prozesses und die Diskussion der Anwendbarkeit von Coaching im Sozialen Feld am Beispiel des Projekts „Jobcoaching“.
Abstract
Implemented by the province of Upper Austria in 2006, the project „Jobcoaching“ resides within the framework of the initiative „Hauptsache Arbeit - Jugend hat Vorrang“. Upper Austrian „JugendService“, which constitutes an information platform and operates drop-in centres for young people, was entrusted with putting the projects' ideas into practice and therefore assisting compulsory school graduates with seeking an apprenticeship position through individual coachings. In this thesis the project serves to illustrate the application of coaching to youth work. In what way „Jobcoaching“ consists a possible, sociopaedagogical form of support for adolescents having to choose a profession in the face of todays changing working environment, chaperoned the whole thesis writing process as the main research question. By analysing related literature and conducting a qualitative study, which collected project staff's individual approaches and methods and concretized socio-paedagogical qualities of coaching inherent in the project, knowledge addressing the central question of this thesis was gained. The researchs' results contain a description of the jobcoaching process and a discussion about coaching's applicability within the social field by the given example of project „Jobcoaching“.
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Abkürzungsverzeichnis
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Vorwort
Durch ein Praktikum im JugendService des Landes Oberösterreich (OÖ), das ich im Juli 2006 absolviert habe, erhielt ich Einblicke in das damals neu konzipierte Projekt „Jobcoaching“. Dieses richtet sich an junge Menschen, die an der Schnittstelle von ihrer Pflichtschulausbildung zum Beruf stehen.
Aufgefallen ist mir dabei, dass es aufgrund individueller Bedürfnisse von Jugendlichen kein Patentrezept für die Unterstützung beim Berufsfindungsprozess gibt. Meinen gesammelten Erfahrungen nach lässt das Projekt „Jobcoaching“ sehr viel Raum, um auf die persönliche Situation von Jugendlichen einzugehen.
Während meiner Tätigkeit ist mein Interesse allgemein am Coachingprozess soweit gewachsen, dass ich mich zu einer tiefer gehenden Auseinandersetzung mit dieser Thematik entschied. Dabei tauchte die Frage auf, inwieweit das praktische Konzept an die Theorie anschließt. Auf der Basis meines Studienschwerpunkts Sozialpädagogik und der Einblicke in die Jugendarbeit, welche ich während des Praktikums erhielt, entschloss ich mich zur Bearbeitung dieses Themas im Rahmen meiner Diplomarbeit. Zusätzlich motivierte mich, dass die im Zuge dieser Arbeit gewonnenen Erkenntnisse in der praktischen Arbeit Anwendung finden, indem ich diese Diplomarbeit dem JugendService zur Verfügung stellen werde.
Ich bin nach wie vor am JugendService des Landes OÖ beschäftigt. Während den gesamten, mit dieser Diplomarbeit verbundenen Recherchen und Tätigkeiten habe ich mich um größtmögliche Distanz zum Projekt „Jobcoaching“ bemüht, um meine Kritikfähigkeit so wenig wie möglich zu kompromittieren. Der mit meiner Anstellung einhergehenden Gefahr, Sachverhalte einseitig zu betrachten mögliche Unzulänglichkeiten zu übertünchen, war mit bewusst. Inwiefern mir dies gelungen ist, bleibt dem kritischen Leser zu beurteilen.
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Einleitung
Die oberösterreichische Landesregierung startete im Jahr 2006 ein Maßnahmenpaket namens „Hauptsache Arbeit - Jugend hat Vorrang“1. Im Zuge dieser Initiative sollte einerseits ein zusätzliches Unterstützungsangebot für lehrstellensuchende Jugendliche geschaffen und andererseits den von der Wirtschaftskammer OÖ vorhergesagten Fachkräftemangel entgegen gewirkt werden2.
In Folge dieser Initiative wurde unter anderem das Projekt „Jobcoaching“ implementiert, wobei die Konzipierung und Durchführung des Projekts dem JugendService des Landes OÖ3übertragen wurde. Das „Jobcoaching“ stellt eine Vertiefung der bisherigen Tätigkeit des JugendServices im Bereich Bildungs- und Berufsberatung dar.
Das Projekt beruht auf freiwilliger Basis und ist speziell für Pflichtschulabgänger konzipiert worden, die sich auf der Suche nach einer passenden Lehrstelle befinden. Der „Jobcoaching“-Verlauf wird nach der jeweiligen Bedürfnislage des Jugendlichen gestaltet, wobei die Berufsorientierung auf eine mit dem Jugendlichen durchgeführte Potenzialanalyse4aufbaut. Des Weiteren stehen eine Steigerung des Selbstvertrauens sowie die Erarbeitung von Zielen und Perspektiven im Vordergrund.
Das zuvor beschriebene „Jobcoaching“-Projekt stellt den Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit dar. Durch die Untersuchung soll in Erfahrung gebracht werden,
1Ausführlich dazu in der Information zur Pressekonferenz vom 23.06.2006 (Rumetshofer 2006, S. 1-9).
2In den Jahren 1991 bis 1994 wurde ein erheblicher Geburtenanstieg registriert, welcher sich im Jahr 2006 durch den Anstieg der Zahl an Pflichtschulabgängern erneut bemerkbar machte. Somit standen im Jahr 2006
geschätzte 1000 Jugendliche mehr als im Jahr 2005 vor der Entscheidung entweder eine Lehrausbildung zu
beginnen oder eine weiterführende Schule zu besuchen. Diese Zahl ist weiter angestiegen und erreichte Im
Jahr 2008 ihren Höhepunkt mit rund 1400 betroffenen Jugendlichen mehr als im Jahr 2005. Ab dem Jahr
2010 wird sich dieser Trend umkehren, da die Geburtenzahl im Jahr 1995 und den folgenden Jahren rapide
zurückgegangen ist (vgl. Rumetshofer 2006, S. 4).
3Das JugendService des Landes OÖ ist eine Anlauf- und Beratungsstelle für Jugendliche zwischen 12 bis 26 Jahren aus Oberösterreich. 1985 wurde die erste Stelle in Linz eröffnet und bis 2001 für alle politischen Bezir-
ke Oberösterreichs insgesamt 14 Regionalstellen eingerichtet, um besser für Jugendliche erreichbar zu wer-
den. Das JugendService bietet kostenlos, anonym und vertraulich Information und Beratung zu jugendrele-
vanten Themen. Auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene arbeitet das JugendService mit sozialen
und jugendrelevanten Einrichtungen zusammen. Als Mitglied von ERYICA, der europäischen Agentur für
Jugendinformation und Jugendberatung, hält es die Prinzipien der Charta für Jugendinformation ein (vgl.
Leitbild des JugendService).
4Informationen dazu siehe Anhang: Folder der Potenzialanalyse der Wirtschaftskammer OÖ.
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Nwie und auf welche Weise Mitarbeiter des Projekts „Jobcoaching“ bisher gearbeitet haben und
Nob und inwiefern das „Jobcoaching“ sozialpädagogische Coachingmerkmale beinhaltet.
Die angegebenen forschungsleitenden Fragen beschäftigen sich mit den Inhalten und dem Ablauf des „Jobcoaching“-Prozesses. Daraus lässt sich die zentrale Fragestellung dieser Diplomarbeit ableiten, inwiefern „Jobcoaching“ angesichts des heutigen gesellschaftlichen Wandels eine mögliche Form der sozialpädagogischen Unterstützung für die Berufswahl von Jugendlichen darstellt.
Die vorliegende empirische Untersuchung ist qualitativ ausgerichtet und ihre Ergebnisse sollen Grundlagen dafür liefern, die forschungleitenden Fragen zu beantworten. Des Weiteren soll sowohl die Transparenz des Projekts für die Mitarbeiter im JugendService erhöht, als auch ein Beitrag zum wissenschaftlichen Diskurs geliefert werden, der sich mit der Frage nach der Anwendbarkeit von Coaching im sozialen Feld auseinandersetzt. Eine Ausweitung der Fragestellung hinsichtlich der Zufriedenheit der Jugendlichen mit diesem Projekt oder in Bezug auf dessen konkreten Erfolg, ist in dieser Arbeit nicht vorgesehen. Der Grund hierfür liegt darin, dass sich die Untersuchung vor allem mit den Inhalten und der inneren Struktur des „Jobcoaching“-Projekts befasst. Die Klärung der Begrifflichkeiten, die im Zusammenhang mit dem Titel und den Fragestellungen dieser Arbeiten stehen, bedarf einer eingehenden Auseinandersetzung und stellt daher im theoretischen Teil der Arbeit einen Schwerpunkt dar. Das erste Kapitel der Diplomarbeit beschäftigt sich mit dem sozialpädagogischen Zugang zur Beratungsform Coaching. Nach einem kurzen geschichtlichen Rückblick auf die Ursprünge der Sozialpädagogik bzw. Sozialarbeit werden die beiden Begriffe geklärt und anhand von Theoremen zueinander in Beziehung gesetzt. Daraus ergibt sich ein Begriffsverständnis der Sozialen Arbeit in Hinblick auf ihre Position, ihren Funktionen und Zielgruppen in der heutigen Gesellschaft, das für die Hinführung zum Thema Coaching von Bedeutung ist. Das daraus in den 90er Jahren entwickelte Konzept der „Lebensweltorientierten Soziale Arbeit“ von Hans Thiersch wird im Anschluss daran vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen dabei einerseits die veränderten und ausgeweiteten Aufgabenbereiche andererseits das sozialpädagogische Handeln einer „Lebensweltorientierten Sozialen Ar-
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beit“. In der Auseinandersetzung mit diesem Ansatz wurden sozialpädagogische Merkmale abgeleitet, die als sozialpädagogische Momente im Coachingprozess sichtbar werden. Im zweiten Kapitel wird Coaching in der Sozialen Arbeit detailliert erläutert. Zuerst erfolgt eine kurze Rekonstruktion der begriffsgeschichtlichen Entwicklung des Coachings, wodurch die Schnittstelle zwischen Coaching und dem Sozialen Feld erstmals ersichtlich wird. Danach erfolgt eine Abgrenzung von Coaching zur traditionellen Beratungstätigkeit. Im Anschluss daran wird die Coachingdefinition von Christopher Rauen vorgestellt. Daraus werden sozialpädagogische Coachingmerkmale abgeleitet. Abschließend werden die Fähigkeiten eines im Sozialbereich tätigen Coachs herausgearbeitet. Im dritten Kapitel wird der Weg vom Jugendalter ins Erwachsenenalter beschrieben. Zuerst wird die geschichtliche Entwicklung des Jugendbegriffs dargestellt und davon das gegenwärtige Begriffsverständnis abgeleitet. Im Anschluss daran werden die Aufgaben, die auf den Weg in das Erwachsenenalter bewältigt werden müssen, aufgezählt und erläutert.
Das vierte Kapitel setzt sich mit dem Eintritt in die Arbeitswelt auseinander. Dabei wird auf die Aufgabe des Jugendalters, die Übernahme einer beruflichen Rolle, näher eingegangen. Dafür erfolgt zuerst eine begriffliche Klärung von Arbeit und Erwerbsarbeit. Des Weiteren wird die Bedeutung der Berufswahl erläutert. Diese steht im Zusammenhang mit dem Wandel der heutigen Arbeitswelt der im darauffolgenden Abschnitt erörtert wird. Im Anschluss daran erfolgt eine Auseinandersetzung mit der Berufswahl, die durch diesen Wandel beeinflusst wird. Anschließend werden Anforderungen aufgezeigt, welche Jugendliche erfüllen sollten um in der Arbeitswelt Fuß fassen zu können. Dazu erfolgt zuerst eine begriffliche Auseinandersetzung mit den Termini Qualifikation, Schlüsselqualifikation und Kompetenz. Am Ende des Kapitels werden bereits bestehende und wünschenswerte Unterstützungsangebote für die Berufsorientierung von Jugendlichen dargestellt. Das fünfte und sechste Kapitel beinhalten den empirischen Teil dieser Arbeit. Im Ersten werden die Zielsetzungen und Methodik der Untersuchung beschrieben. Im folgenden Kapitel werden die Ergebnisse der Untersuchung dargestellt bzw. interpretiert, wobei die im Theorieteil freigelegten Bezüge zwischen Sozialpädagogik und Coaching zur Auswertung herangezogen werden.
Den Abschluss der Diplomarbeit stellt das Kapitel Resümee und Ausblick dar. Dazu wird auf die in dieser Arbeit gewonnenen Erkenntnisse zurückgegriffen um die zentrale Frage
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beantworten zu können, inwiefern „Jobcoaching“ angesichts des heutigen gesellschaftlichen Wandels eine mögliche Form der sozialpädagogischen Unterstützung für die Berufswahl von Jugendlichen darstellt. Die aus der Thematik gezogenen Schlussfolgerungen stehen im Mittelpunkt der darauffolgenden Diskussion. Abschließend werden offene Fragen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten hinsichtlich des „Jobcoaching“-Projekts aufgezeigt.
Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird bei personenbezogenen Bezeichnungen die männliche Form benutzt, wobei sich diese auf beide Geschlechter gleichermaßen bezieht. Die jeweilige geschlechtsspezifische Form kommt zur Anwendung, wenn von bestimmten Personen die Rede ist. Hervorhebungen werden im Nachfolgenden durch eine kursive Schreibweise gekennzeichnet.
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Eine wissenschaftstheoretische Auseinandersetzung mit der Sozialpädagogik ist erforderlich, um das für diese Arbeit untersuchteJobcoaching-Projektaus einer wissenschaftlichen Perspektive betrachten zu können. Dieses Kapitel wird allen anderen voran gestellt, da Begriffe und Theorien erläutert werden, die dem Verständnis für die nachfolgende the-oretische und empirische Auseinandersetzung dienlich sind.
Einleitend soll mithilfe eines kurzen geschichtlichen Rückblicks und der anschließenden Darstellung verschiedener Theorien die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Sozialpädagogik, Sozialarbeit und Sozialer Arbeit beantwortet werden. Mit den Fragen, wo sich die Soziale Arbeit im sozialstaatlichen Gefüge am Beispiel Österreichs verorten lässt und welche Funktion sie dabei erfüllt, beschäftigt sich der nachfolgende Abschnitt. Um die begriffliche Entwicklung und die daraus entstandenen Theorien nachvollziehen zu können, liefert ein Blick in die Vergangenheit, insbesondere auf die Ursprünge von Sozialpädagogik und Sozialarbeit einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis des aktuellen Diskurses. Scheipl zufolge liegen die Wurzeln der österreichischen Sozialpädagogik bereits im 18. und 19. Jahrhundert, dennoch stehen dazu in Österreich im Gegensatz zu Deutschland5sehr wenige Forschungsergebnisse zur Verfügung (vgl. Scheipl 2003, S. 12). Die im nachfolgenden skizzierten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des 16., 17. und 18. Jahrhundert verdeutlichen die Gründe für die Entstehung der Sozialpädagogik und der Sozialarbeit in Österreich.
Der Ausgangspunkt der folgenden Betrachtungen ist die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts, da zu dieser Zeit erstmals von staatlicher Seite die hohe Zahl der armen Bevölkerung als Problem wahrgenommen wurde (vgl. Bruckmüller 2001, S. 182). Nachdem es in dieser Zeit weder Unfall- oder Krankenversicherung noch Arbeitslosenunterstützung oder Altersversorgung gab, blieb Armen nur das Betteln (vgl. Scheipl 2003, S. 15). Der Staat versuchte mit der Einführung zahlreicher Maßnahmen (Dekrete, Erlässe u. a.) Armut und Elend einzudämmen, ohne jedoch den gewünschten Erfolg zu erzielen. Mit der Einführung des ersten Wiener „Zucht- und Arbeitshauses“ im Jahre 1671 (vgl. Bruckmüller 2001, S. 184) schaffte der Staat eine Möglichkeit, direkt auf die Armen Ein-5DeutscheWissenschafter beschäftigen sich schon seit den letzten Jahrzehnten sehr intensiv mit den Termini Sozialpädagogik, Sozialarbeit und Soziale Arbeit als Überbegriff (vgl. Scheipl 2003, S. 12).
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fluss zu nehmen (vgl. Scheipl 2003, S. 15). So wurden alle, die nicht am Arbeitsleben teilnahmen oder teilnehmen konnten, unter Zwang in Anstalten gesperrt. In diesen sollten sie „zurArbeitssamkeiterzogen werden“ (Bruckmüller 2001, S. 184), um selbst für ihren Unterhalt aufzukommen ohne Betteln zu müssen. Vorerst war diese Erziehungsmaßnahme vorwiegend für Erwachsene und Jugendliche, welche nach Einschätzung des Staates nicht arbeiten wollten (vgl. Bruckmüller 2001, S. 182). Während der Regentschaft Maria Theresias wurde jedoch darauf Wert gelegt, auch Kinder nach diesem Prinzip zu erziehen6(vgl. Bruckmüller 2001, S. 180). Laut Bruckmüller wurde keine Rücksicht darauf genommen, wer in diese Anstalten geschickt wurde. Es handelte sich dabei sowohl um Obdachlose, Kriminelle und geistig beeinträchtigte Menschen als auch um verwaiste Kinder (vgl. Bruckmüller 2001, S. 184). Nach und nach kam es dennoch zu einer Trennung dieser Betroffenen durch Unterbringung in separate Einrichtungen7(vgl. Scheipl 2003, S. 15). Der Grundstein für die späteren Erziehungsheime wurde 1885 mit dem Erlass des Zwangsarbeitergesetzes und der damit verbundenen Einführung „‚besonderer Besserungsanstalten für jugendliche Korrigenden‘“ (Scheipl 2003, S. 15f) gelegt. In diesen Anstalten wurden speziell gefährdete und auffällige Jugendliche unter 18 Jahren versorgt (vgl. Scheipl 203, S. 16).
Scheipl (2003, S. 15f) sieht somit die Anfänge der Sozialarbeit und Sozialpädagogik in Österreich mit Beginn der Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert. Aus den oben beschriebenen Maßnahmen bildeten sich erstmals spezifische Berufsfelder der Sozialpädagogen und Sozialarbeiter. „Während sich die SozialpädagogInnen in der inneren Ausgestaltung des Heim- und Anstaltslebens etablierten, konnten die SozialarbeiterInnen (FürsorgerInnen) in beiden Bereichen, sowohl in den Anstalten als auch in der öffentlichen Sozialfürsorge, Fuß fassen“ (Scheipl 2003, S. 16). Demzufolge haben sich Sozialpädagogik und Sozialarbeit getrennt nebeneinander entwickelt, obwohl sie in einem ähnlichen gesellschaftlichen Rahmen entstanden sind, da sie in etwa zur gleichen Zeit initiiert wurden (vgl. Mühlum 2001, S. 231).
Aus dieser historischen Entwicklung heraus wird dasDivergenztheorem,bei welchem Sozialarbeit und Sozialpädagogik eindeutig getrennt sind, bestimmt (vgl. Mühlum 2001, S.
6Bruckmüller zufolge wurden aus diesem Grund manche Waisenhäuser in die Nähe von Manufakturen und Fabriken gebaut (vgl. Bruckmüller 2001, S. 180).
7Zu einer expliziten Trennung der Unterbringung von Erwachsenen und Kindern kam es erst unter dem Nachfolger von Maria Theresia, Josef II (vgl. Scheipl 2003, S. 21). Er gründete 1784 das erste Gebär- und Findel-
haus in Wien (vgl. Pawlowsky 2001, S. 26).
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13). Jeder Bereich stellt in dieser Theorie für sich eine andere Art der Hilfeleistung dar (vgl. Mühlum 2001, S. 231).
In beiden Ansätzen lassen sich in der beruflichen Realität jedoch Gemeinsamkeiten auf-grund ähnlicher Schwerpunkte in der Ausbildung, entsprechender Arbeitsaufträge und der Zuhilfenahme ähnlicher Methoden für die Praxis wie zum Beispiel „Konzepte des lebenslangen Lernens“, des „tertiären Erziehens“, die „Befähigungs- oder Bewältigungshilfe“ und die „Strategien der Beseitigung von Soziallagendefiziten“ (Mühlum 2001, S. 231) finden. Diese Tendenz der Annäherung beider Bereiche wird alsKonvergenztheorembezeichnet. Dieses „besagt, daß die Teilbereiche Sozialpädagogik und Sozialarbeit zu einem Gesamten zusammenwachsen (konvergieren)“ (Schilling 1997, S. 176). Da einige Tätigkeitsfelder von Sozialpädagogik und Sozialarbeit kaum auseinander zu halten sind, ist es nahe liegend, durch einen gemeinsamen Überbegriff Sozialpädagogik und Sozialarbeit zusammenzufassen. Mühlum (2001, S. 224) sieht dafür dasSubsumti-onstheoremgeeignet, welches die „weitgehende Übereinstimmung im Grundsätzlichen (Wertorientierung, Wissensbasis, Interventionsrepertoire) und weiterbestehende ausbildungs- und arbeitsfeldspezifische Unterschiede (Schwerpunktbildung, Affinitäten, Berufsidentität)“, in welcher „die eingeführten Bezeichnungen beibehalten und unter den übergreifenden BegriffSoziale Arbeit(…) [subsumiert, C. G.]“ werden. Demzufolge bleiben bei der Zusammenführung beider Bereiche unter dem Begriff Soziale Arbeit die jeweiligen Schwerpunktsetzungen gewahrt.
