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Niemand ist wirklich verrückt, sondern einfach nur anders! In einer Welt, in welcher ein Großteil der Erdbevölkerung plötzlich isoliert ist, an kollektiven Irrsinn zu leiden scheint und der andere Teil auf der Suche nach einer Erklärung hierfür ist. So geschieht es jedem, und vor allen Marie und Ben ganz recht, wenn diese plötzlich aus ihrem scheinbar zufriedenen und selbstgerechten Leben herausgerissen und in eine lebensfeindliche Umwelt katapultiert werden. Und es muss diese nicht wundern, dass niemand mehr den Anderen versteht, man von schreienden Nackten verfolgt wird, Erwachsene zu vollkommenen Analphabeten werden und die eigenen Schuhe nicht mehr passen wollen, die man vorhin noch trug. Erleben Sie mit, wie sich die Welt ändert, schneller als wir uns vorstellen können und von einer vollkommen unerwarteten Seite! Plötzlich ganz starke Frauen und Männer mit neuen Fähigkeiten. Aber, war es denn nicht schon immer so?!!
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Seitenzahl: 648
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Niemand ist wirklich verrückt, sondern einfach nur anders! In einer Welt, in welcher ein Großteil der Erdbevölkerung plötzlich isoliert ist, an kollektiven Irrsinn zu leiden scheint und der andere Teil auf der Suche nach einer Erklärung hierfür ist. So geschieht es jedem, und vor allen Marie und Ben ganz recht, wenn diese plötzlich aus ihrem scheinbar zufriedenen und selbstgerechten Leben herausgerissen und in eine lebensfeindliche Umwelt katapultiert werden. Und es muss diese nicht wundern, dass niemand mehr den Anderen versteht, man von schreienden Nackten verfolgt wird, Erwachsene zu vollkommenen Analphabeten werden und die eigenen Schuhe nicht mehr passen wollen, die man vorhin noch trug. Erleben Sie mit, wie sich die Welt ändert, schneller als wir uns vorstellen können und von einer vollkommen unerwarteten Seite! Plötzlich ganz starke Frauen und Männer mit neuen Fähigkeiten. Aber, war es denn nicht schon immer so?!!
Titel & Impressum
Klappentext
Vorwort – Ein neues Genre ist geboren -
Prolog
Die Ordnung
Urlaub
Start
Grüße
Es werde Licht
Nur für Dich
Stromausfall
Pferderennen
Ach du liebe Feuerwehr, bei Gasgeruch muss Hilfe her!
Fliegende Bockwurst
Sichtweisen
Positionen
Schule
Wahlkampf
Kirschblüten
Woodys
Etwas Verwirrung
Hubschrauber
Déjá-vu
Mochtag
Untersuchungen
Coffee to go
Überzeugungen
Verschwunden
Niemand zu Hause
Home sweet home
Sabbelnde Idioten
Von Freund zu Freund
Neue Freunde
Invasion
Einfach mal Dampf ablassen
Entscheidungen
Merkwürdigkeiten
Einen vor, zwei zurück
Annäherung
Ankunft
Beachparty
Angriff
Eigene Wege
Gefangen
Warten
Verstärkung
Schuss um Schuss
Austritt
Verschwunden die Zweite
Veränderung
Auge um Auge, Zahn um Zahn
Begegnung
Nach Hause
ELAM – Der Beginn –
Nachwort
Zur Autorin
Es ist endlich Zeit für eine echte Abwechslung! ACSPAM ist das brandneue Genre, welches die Bedürfnisse jedes Lesers erfüllen kann. Sind Sie auf der Suche nach Action? Soll gelacht werden? Wollen Sie wissenschaftlich gefordert werden? Ist Ausspannen und Unterhaltung angesagt? Hat Sie der Forscherdrang gepackt? Suchen Sie nach dem tieferen Sinn des Lebens oder soll es rätselhaft sein? Die Antwort ist einfach und sie liegt direkt vor Ihrer Nase! Finden Sie heraus was ACSPAM bedeutet, mit unserer Buchreihe CCW- CRAZY CONFUSED WORLD!
Wie handeln bei Feuer? Keine Ahnung! Das ist auch nicht Thema dieses Buches, und wenn Sie ausschließlich auf der Suche nach einer Antwort zur Brandbekämpfung sind, sind Sie hier demzufolge vollkommen verkehrt. Also husch-husch! Wenn Sie aber erfahren wollen, wie das friedliche Leben ewiger Müßiggänger und Abkürzer in Schutt und Asche gelegt wird, dann sind Sie richtig. Lassen Sie es raus! Seien Sie hämisch und schadenfroh! Außerdem sollten wir uns duzen! Also, wo waren wir stehen geblieben...? Ach ja! Lass es raus! Reib Dir vergnügt die Hände über die Dummheit und Missgeschicke der anderen. Und merke Dir das Wort „ssnnnhhg“, wenn Du kannst! Wenn Du also zurzeit nur Sauerkraut verstehst und die Welt in welcher wir leben von Tag zu Tag immer unverständlicher für Dich wird, dann kann dieser kleine Reiseführer für Dich eine ebenso kleine Hilfe sein!
Im Meer der Sterne. In einer unendlichen Reise durch diese grenzenlose, kosmische Pracht, zieht man irgendwann an einer gelben, kleinen, einsamen Sonne vorbei. Noch kleinere Planeten aus Gestein, mit vernarbten und geschundenen Gesichtern. Ein Mond, hell und strahlend. Wieder ein Planet, zur einen Hälfte von seinem Zentralgestirn angestrahlt und wunderschön, zur anderen Hälfte in Schwärze getaucht. Wir stürzen, auf die Tages-Nachthälfte. Geradewegs zu. Aus dem Nebel und der Schwärze treten nach und nach helle und strahlende Flecken hervor.
Ein geweihter Priester, der aus dem Schatten des Tempels in den Schein der Öllampen tritt, hinaus auf den steinernen Vorhof. Von hieraus kann er das Werk der letzten Jahre überblicken. Ein Bauwerk, welches sich über alle anderen der Stadt erhebt und schon jetzt, obwohl noch nicht fertig, von Weitem als ultimatives Zeichen der Macht seines Herrn und seiner Gottheiten zu erkennen ist. Seine Umrisse zeichnen sich ab, dahinter die Wüste und der Horizont, des zuerst noch hellen, dann roten und später immer schmaler werdenden Streifens des vergehenden Tages. Die ersten Sterne der Nacht zeigen sich langsam und mit zunehmender Dunkelheit, nimmt die Kraft des senkrecht am Himmel stehenden Mondes zu. Morgen würden mit den ersten Sonnenstrahlen wieder Tausende von Menschen die Arbeiten weiterführen. Das Universum hatte seine Ordnung. Ein zuerst schwaches und dann letztlich gleißendes Licht, welches sich über der ganzen Stadt vom Himmel her ausbreitet und in Säulen hinabsteigt. Alles wird überflutet, durchströmt und erreicht. Kalt und hell, erst regelmäßig, dann langsam pulsierend, anschwellend, nachlassend und schließlich, schon nach wenigen Augenblicken, verschwunden. Alles, was noch auf den Beinen in der Stadt ist, läuft zusammen oder auseinander. Priester und hochherrschaftliches Volk, Gemeine, Reich und Arm. Jeder! Alles blickt ungläubig in den mittlerweile wieder pechschwarzen Himmel, der nun wieder die Bühne des Mondes und der Sterne ist. Fernab, die Quartiere unzähliger Sklaven, Handwerker und Arbeiter. In einem der flachen Lehmbauten eine Gruppe von Menschen, welche am morgigen Tag wieder Übermenschliches leisten und Unmenschliches ertragen müssten. Einer von Ihnen in seinem Schweiß, trotz seiner nur spärlichen Bekleidung eines Lendenschurzes und mit schneller und unregelmäßiger Atmung aus seinem Schlaf aufschreckend. Sein Traum, und das dumpfe Gefühl in seinen Fingern, haben ihn geweckt. Etwas stimmt nicht! Im spärlichen Licht der Behausung betrachtet er seine rechte Hand und meint sich in einem unfassbaren Albtraum. Seine Linke wischt mehrmals über sein Gesicht, um die Müdigkeit und das Unbegreifliche zu vertreiben. Schließlich muss sein Verstand akzeptieren, was er sieht. Er hält die Rechte gegen das Mondlicht, welches durch das Fenster scheint. Wächter, die durch Straßen und enge Gassen durch die Türöffnung hereinstürmen, um dem Geschrei im Inneren des Gebäudes auf den Grund zu gehen. Eine Gruppe von Menschen, welche in einer Ecke steht und zum Teil noch auf ihren Schlafstätten auf dem Boden hockt, wild gestikulierend und alle durcheinanderschreiend. Einige versuchen zu fliehen, werden aber von den Wachen wieder zurückgedrängt. Sie deuten in die gegenüberliegende Ecke des Raumes und den meisten, steht das blanke Entsetzen in den Gesichtern. Die mitgebrachten Fackeln erhellen flackernd die Stelle, an welcher sich der Dämon befinden muss. Doch es ist nur ein Mann, der auf seine rechte Hand schaut und die daran befindlichen Finger. Unablässig spricht er und beginnt sich, teils kriechend, auf die Bewaffneten zuzubewegen. Diese bilden einen Kreis um den Verdammten und halten ihn mit Speeren und Fackeln fern. Der Anführer der Wachen blickt abwechselnd unsicher zwischen der Gruppe von Menschen auf der einen Seite und dem unablässig Stammelnden hin und her. „Was sagt er?“, fragt der Anführer der Wachen. Niemand kann antworten. „Was sagt er!“, schreit er nun. Laut, bestimmend und ungehalten. Der anbrechende Tag ist apokalyptisch. Menschen, welche aus den zahlreichen Hütten und in immer mächtiger werdenden Strömen zum zentralen Tempelplatz und des nun gut sichtbaren, höchsten und abgestuften Gebäudes zusammengetrieben werden. In die nun leeren Behausungen wird Öl gegossen und umgehend stehen die verlassenen Unterkünfte in Flammen, welche durch die Dächer schlagen. Auf dem Tempelplatz Schwerter, die erbarmungslos auf die Hände, Füße und Hälse unzähliger Menschen niederschnellen und diese von den Leibern ihrer Opfer trennen. Kein Widerstand! Nur unsagbare Brutalität und keine Gnade. Alles, was niederfällt, wird umgehend von verschonten Sklaven aufgeklaubt, in Körbe gesammelt und zu Scheiterhaufen aufgetürmt, um ebenfalls in einem Flammenmeer aufzugehen. Dazwischen Hunde, die eiligst erschlagen und ebenfalls dem Feuer übergeben werden, wenn diese sich dem übelriechenden Haufen und dem Meer aus Blut nähern.
Unser Blick durchdringt die zarte Wolkendecke, schweift über Wälder, See und Bäche und gelangt zu einer kleinen Stadt. Am Rande der Siedlung eine Gruppe kleiner Häuschen. Jedes davon ein Traum aus Holz, die meisten leuchtend weiß. Ringsherum kleine Gärten und das wilde Grün angrenzender Wälder, welche von einer Straße durchschnitten werden und in die nahe Stadt führt.
Das >Hier< und >Jetzt<. „Bockwurst! Boooooo-ck-wuuuuuurst. Bock-bock-bocki-bockwurst! Die Bockwurst wird über uns kommen, denn sie ist nahe! Heute Abend wird sie kommen und wir werden sie mit Freuden empfangen!“, intonierte und predigte ein Mann eindringlich vor seinem Badezimmerspiegel. Er dürfte wohl Mitte dreißig gewesen sein und war der absolute Durchschnitt. >Ben<, der Durchschnitt mit seinen dunkelblonden Haaren, seinem Mischmasch der Augenfarbe aus Grau, Grün, etwas Bläue und mit etwas mehr als sechs Fuß Körpergröße, und dem leichten Bauchansatz. Die Badtür öffnete sich und Marie steckte ihren hübschen Kopf mit ihren langen, schwarzen Haaren in das lichtdurchflutete Bad, durch den Spalt der Tür! „Rasier dich, beeile dich und schrei nicht so laut!“, befahl sie. So schnell, wie sie drin war, verschwand sie auch wieder und Ben war wie vorher weggesperrt! Bevor Ben sich vom Spiegel umdrehen und entgegnen konnte, ging die Tür auch schon wieder auf und ein ...„du Ferkel“ ... folgte. „Dein Frühstück ist fertig“, schallte es aus dem Flur, gefolgt von dem Geräusch ihrer klappernden Schuhe, als sie die Treppe hinunterging! Dann kleines Getrappel, ebenfalls hinab. „Ah, der Junior des Hauses ist auch nach unten unterwegs!“
„Scheiße! Das wird ein verdammt scheißeguter Tag“,sagte sich Ben. Es war Freitag, das Wetter war einfach traumhaft an diesem Frühlingstag und die klare Luft, aus dem Garten und dem dahinterliegenden Wald, strömte herein. Es war noch frisch, fast kalt und auf seinem freien Oberkörper stellten sich die Haare auf. Noch die andere Hälfte des Gesichtes und für heute wäre die Rasur wieder einmal erledigt!Wie immer lästig! Aber jetzt endlich fertig! Die aufgestellte, spärliche Behaarung seines Unterarmes animierte Ben dazu in den Spiegel zu schauen und den Unterkiefer nach vorn zu schieben. Den Brustkorb heraus, Schultern und die Arme nach hinten. Die Brauen zu einer ernsten Grimasse verzogen. Ein augenverdrehender Blick und er musterte den Raum, als wenn er gerade aus prähistorischen Zeiten in die Zukunft katapultiert wurde. Er nahm den vormals benutzten Rasierpinsel in die Hand und begann vorsichtig daran zu riechen. Dann ein Schlag seiner Faust auf seine leichte Hühnerbrust und ein „Uh“, gefolgt von einem weiterem „Uh“, und einer ganzen Serie von „Uh-uh- uh-uh – uh-uh“. Schließlich das volle Programm an steinzeitlichen Tönen und Bewegungen. „Kommst du endlich, du Urmensch!“, kam es von unten als letzte Warnung. „Hast du dich frisch gemacht!“, fragte Marie mit einem äußerst kritischen Blick. „Natürlich!“, log Ben pflichtbewusst, der sich mittlerweile am Frühstückstisch in der Küche eingefunden hatte. Marie, eine bildhübsche Frau, die ihm in Körpergröße nichts nachstand und mit ihrer fast perfekten Figur, und auf Stöckelschuhen, der Hingucker jeder Party war. Die Frage war, wie er eigentlich an diese unglaubliche Schönheit gelangt war? Ein Umstand den er sich, zugegeben, nicht oft genug vergegenwärtigte. Nicht nur, dass sie fast schon unheimlich attraktiv war, sie hielt auch sein Leben und das ihrer kleinen Familie im Lot. War intelligent und managte das ganze >Drumherum<. Aber sie konnte sich nicht beschweren. Dachte er! Er hatte ja schließlich auch Fähigkeiten und nützliche Eigenschaften. Nur er hatte es bis jetzt in der Stadt fertiggebracht, dreiundvierzig Würstchen am Stück zu mampfen. Ein, bis heute, ungebrochener Rekord in seiner Gegend! Da konnte man ins Schwelgen geraten. Sie stellte Ben einen Kaffee hin und nutzte einen Hinterhalt, um diesem einen Kuss aufzudrücken und die Nase in Richtung seiner Achselhöhle zu schieben. Sie musste das Ganze schon auf Höhe der Kaffeemaschine geplant haben und war zwischen Herd und Tisch zum erfolgreichen Überraschungsangriff übergegangen.Was hatte sie eigentlich! Ob es seine Socken oder seine Schweißdrüsen waren, immer gab es an ihm etwas zu schnüffeln und natürlich unbegründet auszusetzen! Sie öffnete die Schranktür über dem Kühlschrank und zog ein Spray heraus. Überall im Haus hatte sie diese Dinger, welche sie bei entsprechend unpassenden Gelegenheiten herauszauberte, um etwas damit zu bepflastern. Vorzugsweise ihn. Ehe er sich versah, spielte sie wieder Marionette mit ihm, hob den einen und dann seinen anderen Arm und sprühte geschickt durch die Ärmel, während er versuchte etwas vom flüssigen, bitteren Muntermacher in seiner Tasse zu erhaschen. Natürlich nebelte sie ihn wieder viel zu lang ein, sodass der Frischeeffekt des Sprays zu Verbrennungen dritten Grades führte. Oder dies hätte tun können. „Au! Aufhören! Willst du mich umtöten?“, bettelte er und klagte gleichzeitig an.In Zukunft wird sie wieder mit der Unterhosenkampagne gegen mich beginnen. „Unterhosen hast du doch gewechselt?“, bohrte die Frau, welche anscheinend Gedanken lesen konnte und sich nichts daraus zu machen schien ihn, einen erwachsenen Mann, jeglicher Mündigkeit berauben zu wollen. „Was....“, kam als Frage hinter dem Comic von der gegenüberliegenden Seite des Tisches hervor. „Oh, eine gelungene Ablenkung“, so die Ansicht von Ben, denn der wissbegierige Sohnemann, Ben Junior, hatte eine Frage. Ein kleiner Dreikäsehoch, der im Großen und Ganzen das Spiegelbild seiner Mutter war. Ein süßer Knirps, der ebenfalls pechschwarze Haare hatte und in dieser Hinsicht nicht das Geringste von seinem Vater. „Was....ist eine Bockwurst?“, erforschte Ben Junior weiter. Da war es wieder passiert. Der Vater des Kleinen hatte sich erneut um Kopf und Kragen geredet und musste nun für seine verbale Zügellosigkeit büßen. Und diesmal galt es etwas zu erklären, was eigentlich schon einem aufgeklärten und halbwegs anständigen Erwachsenen nicht beigebracht werden konnte. Oder eben nur jenen, welche mit der kruden Gedankenwelt von Ben halbwegs vertraut waren und ansatzweise beides akzeptieren konnten. „Nun...“, stammelte sich Ben in die Sache rein, „Bockwurst....“, und schaute fast verlegen zu Marie. Seine Frau stellte ein Bein vor, verschränkte die Arme, zog die Stirn kraus und legte in Ihrer Art den Kopf auf die Seite, um Ben mit einer Mischung aus genervtem, abweisendem und vorwurfsvollem Blick zu fixieren. Dabei machte sie gemeinerweise nicht die geringsten Anstalten ihrem Mann zu Hilfe zu kommen, welcher diese nun dringend benötigte. >Unfair<, urteilte Ben für sich. „Eine Bockwurst.. .ist .... .ist das, .... ..was der German-Heini auf seinem Auto durch die Gegend fährt!“ Gerettet! Das schien plausibel und sollte für einen gerade eingeschulten Knirps reichen! In Zusammenfassung konnte es für Ben nun nur noch heißen...Das Ding war wasserdicht! Erledigt! Aus und vorbei! Frühstück, Zwerg in die Schule, Wochenendeinkauf, kurz noch mal auf Arbeit, Familie wieder einsammeln und zuhause abliefern, Angelzeug einsacken und Saisonbeginn mit dem neuen Angelstuhl, Bier und einem Maximum an Ungestörtheit feiern. Jack dürfte vielleicht mit am See fachsimpeln und ihn heute Abend in seinem Heim abliefern, wo sein geliebtes Weib dann mit ihm die....., die B........, also ......die Bock...., na ja, eben etwas zelebrieren würde! „Aber.....“, schnitt es in die wunderbar zusammengebaute Gedankenwelt von Ben ein, „ ... ich denke du kannst den German-Heini nicht leiden? Wieso, willst du dann eine Bockwurst? Vom Heini!“ „Also ..“, so versuchte Ben es jetzt zügig abzutun. „Erstens ist die B.... nicht vom ... Heini, sondern von jemand anders und zweitens ist so eine B.... auch mal .....mal gut! Auch, wenn sie „German“ ist!“ „Und von wem ist sie dann? Dad“ „Von ...Mama!“, platzte Ben raus. „Ja! Denn deren sind die Besten! Zumindest jetzt! „Au!“ Diesmal setzte es eine Kopfnuss von hinten. Marie hatte das Thema damit für jetzt und alle Zeit als beendet erklärt, und bevor Junior zum nächsten verbalen Schlag ausholen konnte, klingelte plötzlich das Telefon. Ben schnellte wie der Blitz hoch, zum wandhängenden Gerät, und schnappte sich das schnurlose Teil in einem Affenzahn, um auf die angezeigte Nummer und den Namen zu starren. „F-r-i-s-c-o“, nahm er schließlich langsam auseinander und hielt Marie den Hörer demonstrativ hin. Diese rollte kurz mit den Augen nach oben und nahm mit einer säuerlichen Miene entgegen. Dabei war das Zittern ihrer Nasenflügel nicht zu übersehen, was aus der übertrieben langsam eingesogenen Luft resultierte. Dem zögerlichen Griff zum Telefon folgte ein um so entschlosseneres, fast perfekt gespieltes Auftreten. „Mom“, begann sie langsam und überfreundlich. Sie horchte eine Weile und sagte dann, „....ja, es geht uns gut,........natürlich Mom.........., nein.....natürlich nicht........, ja, wir hatten ein bisschen Stress, Ben und das Diner, du weißt doch!“ Marie ahmte mit dem Telefonhörer eine Keule nach und simulierte unbewusst leichte Hiebe gegen ihren Kopf. In ihrer ganzen Verzweiflung, gegenüber der Stimme am anderen Ende der Leitung, stand sie in nichts dem Gefühl Bens nach, welches er eben noch ihr gegenüber hatte. Als sie ihn hilflos vor Junior zappeln ließ. Und das wusste er! Ihrem Mann jedoch gefiel es nicht, wieder mal vorgeschoben zu werden und er machte eine Bewegung mit der flachen Hand an seiner Kehle. Marie hielt den Hörer in der Luft inne und unterbrach den aus der Höhe auf sie prasselnden Wortschwall, unter welchem sie sich duschte. „..... das stimmt doch nicht,......Mom!!!! Doch natürlich würden wir euch besuchen, auch wenn die Welt untergeht. Klar, Mom!!! Wir müssen jetzt noch Junior in die Schule bringen! ...Ich ruf dich nachher an!!!....Versprochen!“Mom und ihre schrecklichen Übertreibungen!!!! Marie schleppte sich sichtlich genervt zum Frühstückstisch und die beiden anderen wussten, dass sie jetzt lieber ihren eigenen Dingen nachgehen sollten. Deshalb gehörte die nächste Viertelstunde dem knusprigen Toast und dem Brimborium darum. Junior vergrub sich wieder in seinem Comic und schien vorerst ruhiggestellt. Ein laufender Meter, welcher bereits aufmerksam kunterbunte Zeitschriften anschaute und einen großen Teil des Alphabets bereits im Eigenstudium erarbeitet hatte. Um so interessanter für diesen die Sprechblasen, in denen vorrangig langgezogene Vokale vorkamen.
„Also nur eine halbe Stunde?“, fragte Marie. „Also nur eine halbe Stunde willst du auf Arbeit vorbeischauen, um nach dem Rechten zu sehen!“ „Ja, Süße! Du weißt doch, nur einen Tag weg und jeder tut was er will!“ Marie verzog ihren Mund zu einer misstrauischen Schnute. Seit dem Ben den kleinen Diner im bergigen Teil von Kalifornien übernommen hatte, in Terjew, war sein Leben zusammen mit Marie und seiner kleinen Familie zu einer stabilen Sache geworden. Was davor geschah, war nicht der Rede wert, beziehungsweise sollte ruhen. So Bens Meinung. Zwar wurde man mit dem Diner nicht reich, aber es hatte zu einem bezahlten Häuschen am Stadtrand und einem gebrauchten Auto gereicht. Einem....,ja er musste es leider zugeben,...einem „German“- Auto.Seitdem jedoch der „German“-Heini auf der anderen Seite der Stadt seinen „German“-Bockwurst verkaufte, hatte Ben das Gefühlweniger zufrieden zu sein. Konkurrenz im Imbissgeschäft in so einer kleinen Stadt, tja, was soll man da sagen? Und dann noch dieses deutsche Zeug, eben „German“- Bockwurst. Ein Wort, das maximal dazu da war, um nach Strich und Faden verhöhnt zu werden, oder es zu missbrauchen. Sowie etwas was man Currywurst nannte, und dieses deutsche Bier! Brötchen?! Und zu guter Letzt dieser schreckliche Wagen, den dieser Typ fuhr! Ist ein Ford, auf welchem eine riesige Bockwurst im Supermanstil Arme und Beine von sich streckte, eingezwängt in einem „Brötchen“. Das Ganze leuchtete auch noch im Dunkeln! Aber Bens eigener Wagen! Nun ... ,es ist ,...ein deutscher Audi! Man kann sagen was man will über die Deutschen und die können, wenn sie wollen, sein Diner mit diesen blöden Bockwürsten bombardieren, aber Autos bauen die! Das wird sich wohl nie ändern! Und wenn man bei einem deutschen Wagen immer an das Ding mit dem Stern denkt, gilt ein Audi, und dazu noch ein SUV, als absoluter Geheimtipp unter den deutschen Panzern, äh.....Autos! Und erschwinglich, wenn er erst einmal ein paar Jahre und Meilen auf dem Buckel hatte.Ben erwachte nicht mehr aus dem Halbschlaf seines Traumes, von seinem Auto, und bewegte sich mit traumwandlerischer Sicherheit zum Schlüsselbord neben der Hauseingangstür. Obwohl seine Frau irgendetwas sagte, was nicht bis zu ihm vordrang, geschweige denn von ihm verstanden werden konnte. Aber das war nicht wichtig! Logisch!
Die Klappe des Kofferraumes öffnete sich und diverse Einkaufskörbe sollten durch Ben darin Platz finden. Wichtige Utensilien, die Marie in Kürze unbedingt benötigen würde. Allerdings nur sie allein! Das stand bereits fest. Für ihn! Während sich Marie und Junior Richtung Auto bewegten, war es von eminenter Wichtigkeit die bereits darin verstaute Tasche mit dem Angelzeug sorgsam mit einer Decke zu tarnen. Ein letzter Kontrollblick durch die Heckscheibe des mittlerweile verschlossenen Rückraumes nach vorn, während die beiden Platz nahmen. „Hallo!“, schallte es von drüben. Ben, noch ein Ben, der Nachbar, welcher gerade die Zeitung mit der einen Hand aus dem Postkasten zog und in der anderen noch einen Kaffee balancierte. „Morgen!“, antwortete Ben zurück. „Na, nicht ein bisschen luftig angezogen? Wieder mal! Ist noch etwas frisch für diese Jahreszeit!“ und deutete auf den unteren Teil von Ben. Dieser hatte lediglich Boxershorts an. Der Rest bestand aus einem Unterhemd und einem geöffneten Morgenmantel, welcher im seichten Wind flatterte. Shorts und Hemd hatten eine militärgrüne Farbe, und auf seinem Kopf trug er einen Basecap. In einem Mundwinkel war der kleine Stumpen einer Zigarre zu finden, mit der er beständig die Gegend bedampfte. Der alte, lächelnde Ben winkte über das zarte Grün der Rabatten und über den Zaun. „Ach, Quatsch, bin abgehärtet! Du weißt doch! Jeden Morgen ein Bad in der Regentonne hinterm Haus, auch wenn es Winter ist. Das hilft! Übrigens! Gestern habe ich die ersten Seesaiblinge herausgezogen. Die Kerle sind verdammt hungrig nach dem langen Winter. Wir sollten mal wieder zusammen angeln gehen!“ Ben war, trotz seines Alters, immer noch durchtrainiert und schon früher ein verdammt harter Hund gewesen. Er hatte an ein paar Wüstenkriegen teilgenommen und war ab und zu der Meinung, dass ein paar Amokläufer hinter dem nächsten Briefkasten lauerten. Gleich im Dutzend. Demzufolge traute er niemanden und konnte auch keinem Ding etwas abgewinnen, was nicht in einem Umkreis von fünfzig Meilen zusammengelötet, geschweißt oder genietet wurde. Entsprechend viel auch seine Meinung über ausländische Wagen aus. Was nicht klapperte, war nicht am Leben und schon gar nicht amerikanisch! Bisher Grund genug gewesen auf die teutonische Monsterkarre verächtlich herabzuschauen, die plötzlich irgendwann direkt aus seinen Albträumen in der nachbarlichen Einfahrt erschienen war und ein gutes Stück dieses Kontinents mit dessen Anwesenheit verpestete. Und vor allem den Stolz des alten Ben auf das Gröbste verletzte! „Grüß mir mein altes Diner schön!“, gab der fast glatzköpfige, faltige Ben mit auf den Weg, der dem Ben im Wagen trotzdem nicht unähnlich sah. Das musste etwas mit dem Arbeitsplatz zu tun haben.
Schon das Geräusch der schließenden Türen, der Duft des „neuen“ Autos und der Motor, welcher auf Knopfdruck das Herz von Ben mit wohliger Wärme füllte. Marie winkte dem Zigarre rauchenden Ben lächelnd und zischte über die Mundwinkel ihrem Ben in einem einzigen, langgezogenen Atemzug zu. „Dusolltestihmmalsagen,-dassersonichtaufdiestraßekann...!“ „Was soll ich machen, Süße? Wenn es ihm so gefällt? Du liegst doch auch immer hinten am Pool und hast deinen kleinen Fummel an!“ Zu behaupten, dass Marie nicht so richtig zufrieden mit dieser typischen bequemlichen Ignoranz ihres Mannes war, wäre die pure Untertreibung gewesen. Deshalb war eine Pause notwendig. Eine Pause, in welcher sie sich nun vornahm, endlich andere Seiten aufzuziehen. Und eine Pause, die sich so in die Länge zog und durch ihre eigene Länge, so komisch sich das auch anhörte, immer länger wurde. Also sozusagen länger und länger. Und ihrem Hausneandertaler dadurch die Möglichkeit gab, sich auf die Ankunft des modernen Menschen und seiner überlegenen Intelligenz halbwegs vorzubereiten. Was ihm natürlich nichts nutzen würde. Schließlich fing sie strafend an zu bohren. „Hinten liegt noch dein Angelzeug drin?!?“ „Ist noch vom letzten Mal gebunkert!“, blockte er ab. „Ich denke die Saison hat erst begonnen?!“, untersuchte sie weiter. „Natürlich! Ist noch .... vom vergangenen Jahr!“, argumentierte Ben, während der Wagen über die kleine Steinbrücke am Bach fuhr und das Willkommensschild der Stadt passierte. „Terjew“ stand mit weißen, großen Lettern auf grünem Untergrund. Daneben, auf dem Schild, ein paar fast kitschig schöne Berge mit Wald und See. „Aber letztes Jahr...“, begann sie nun schon die finale Phase einzuleiten,“...hatten wir den Wagen doch noch gar nicht...“ und sah dabei beiläufig aus dem Fenster, auf die mittlerweile aufgetauchten Häuschen am Straßenrand.Diese Frau hatte wirklich eine Art überall rumzuschnüffeln und alles zur rechten Zeit wieder auszupacken.Gedankennotiz...bei Gelegenheit, werde ich ihre sämtlichen Schränke durchwühlen, und wenn ich nichts finde, juble ich ihr was unter. Zur Hölle, das mach ich! Ich tu's! Vielleicht einen zerknitterten Zettel, mit einer Telefonnummer! Am besten von dem Typ mit den schiefen Zähnen und den dicken Nasenhaaren, dem sie in der Stadt im Einkaufsmarkt immer aus dem Weg ging. Dem Leiter der Verkaufsstelle. Die Telefonnummer prangerte ja draußen in übergroßer Schrift über dem Eingang.Ben führte die Hand vor den Mund und untersuchte mit den Augen abwechselnd das Innere des Autodaches und die vorbeiziehende Umgebung. „Ach ja stimmt, ........habe ich verwechselt! Die Ausrüstung habe ich reingelegt, damit sie sich klimatisieren kann! Wichtig bei einer Angelausrüstung! Sehr wichtig!!!“ „Und ich dachte du willst heute angeln fahren, an unserem gemeinsamen freien Tag, Ben?“ Mittlerweile wurde der Rathausplatz angefahren, ein wunderschönes, marmorverkleidetes Gebäude mit einem zentralen Eingang und einer breiten Steintreppe, umsäumt von kleinen Häuschen, allesamt Klinker- und Steinbauten mit flachgeneigten Dächern. Geschäfte und ein zentraler Park, in welchem sich ein Zeitungsstand befand. „Äh, Angeln! Niemals! Würde mir im Traum nicht einfallen! Höchstens es würde so eine Art Notfall eintreten, so eine Art Angelnotfall! So wie letzte Saison! Du weißt doch, der plötzliche Telefonanruf! Bei dem Wettkampf, als überraschend jemand ausgefallen war!“ „Ja du Süßer...!“, wendete sie sich ihrem Mann zu und zog mit einer vertrauten Derbheit an dessen Ohr, sodass dieser ganz kurz in die Höhe stieg und das Gaspedal durch seinen Fuß über Gebühr beansprucht wurde. Der Motor heulte auf und der Wagen machte kurz einen Satz nach vorn. Und das vor dem Einfahrtsbereich der Schule. Alle drei Insassen sahen die gelbe Rückseite des stehenden Schulbusses auf sich zuschnellen, obwohl sich dieser eigentlich nicht bewegte. Und eine mäßig dicke Frau mit roten Haaren kam ungünstigerweise dazwischen, welche gerade die Straße in Richtung Schule überquerte. In letzter Sekunde trat Ben das Bremspedal durch und mit einem Quietschen kam der wildgewordene Wagen zum Stehen. Alle drei folgten den Gesetzen der Physik und wurden nach vorn in die Gurte gepresst. Als endlich Stillstand eingetreten war, wandte sich Marie nach hinten und fragte Junior besorgt, ob alles Okay war. Im selben Moment schüttelte die sichtlich aufgewühlte Frau vor dem Auto den Schreck ab und versuchte mit zugekniffenen Augen und vorgestrecktem Kopf, das Gesicht der Insassen zu erkennen. Sie realisierte Ben und zögert nicht die Ablenkung der beiden anderen für einen erfolgreichen Gegenangriff zu nutzen. Ihr ausgestreckter Mittelfinger wanderte zu ihrem Kussmund, um diesen danach dem rücksichtslosen Fahrer in voller Größe zu präsentieren. „Also....“, stammelte Ben, riss Augen und Mund auf und schüttelte den Kopf über diese Dreistigkeit wild hin und her. „Hast du das gesehen?“ „Pass doch auf!“, maßregelte Marie ungehalten. „Willst du uns umbringen?“ „Also....“, so Ben verlegen, „... du weißt doch, dass mir das ab und zu passiert, wenn ich aufgeregt bin!“ „Boahhh, pfui Dad!“, stellte Junior von hinten fest und wedelte übertrieben mit der Hand vor seiner Nase. „Lüfte das Auto!“, befahl sie schließlich und schob sich ihre schlanken Finger vor die Nasenlöcher. Während Marie Junior auspackte und zur Schultür brachte, erledigte Ben schnell das Wichtigste. Er umrundete den Wagen und scannte besorgt. Er legte den Weg um das Auto, über die Straße, Bordstein und rücksichtlos durch die extra gepflanzten Frühjahrsblüher der Rabatte in Rekordzeit zurück. In halb gebückter Haltung. „Okay! Alles okay! Das gute Stück ist noch in Ordnung! Ganz ruhig!“, beruhigte sich der aufgeregte Mann, der eine schlechte Quasimodo-Imitation bei seiner Kontrolle um das Gefährt abgab. „Also!“, tönte es aus einem längsseits fahrenden Polizeiwagen, dessen Sirene und Motor kurz bedrohlich aufheulten.„Sind wohl verrückt geworden, Sir?“ Ben zuckte zusammen und checkte den Fahrer. Der hatte ein breites Grinsen auf dem Gesicht und genoss die Konfusion des Erschreckten. Es war Jack. Ein Kumpel seit Sandkastenzeiten und immer als ominöser Anrufer zur Stelle, wenn wieder einmal ein Notfall hermusste. Ein Mann wie ein hochgewachsener Baum, der in der Highschool Football gespielt hatte. Entsprechend war er noch in Form und war überhaupt nicht mit Ben zu vergleichen. Lediglich sein kreisrunder Haarausfall wies darauf hin, dass er nicht mehr in einer Schulmannschaft mitmachen konnte. Dennoch waren sie die besten Freunde. Wenn Ben so etwas überhaupt hatte. „Na....“, lächelte der police officer,“der Frühling ist da und die Saison hat begonnen,... wird's heute einen Notfall geben?“ Er hatte sich von seinem Fahrersitz herübergebeugt und redete lauthals und derb durch das halb geöffnete Fenster. Und die umstehenden Eltern und Kinder konnten in der ersten Reihe mithören. „Weiß ich noch nicht! Nicht so laut Jack. Marie ist hier! Kann noch nicht sagen, wie ich es hinbekomme! Und ob es überhaupt klappt?!“ „Tja Ben, du musst Dich entscheiden! Die Forelle oder.....!“ „Was oder.....?“, fragte Ben verwirrt und etwas verärgert. „Oder die Bockwurst ..!“, antwortete Jack, und bevor Ben verstehen oder kontern konnte, war der Polizeiwagen auch schon weg.Man! Er musste sich wirklich zusammenreißen.Bei der letzten Grillparty musste ihm was rausgerutscht sein!... und Jack, als verdammte Tageszeitung auf zwei Beinen...! Naja, was sollte er auch anderes tun in so einem Nest, als den ganzen Tag Donuts essen und Klatsch und Tratsch aufzusaugen und rücksichtslos wieder breit zu streuen? !Ben erinnerte sich dunkel an einen Haufen leerer Bierflaschen, die in der sommerlichen Zusammenkunft in seinem Garten irgendwie neben seinem Barbecuegrill zum Stehen und später in einem wilden Haufen zum Liegen gekommen waren. Fast bergeweise, oberflächlich betrachtet. Eine wunderbare Sommernacht mit guten Freunden und eben auch Jack und dessen Frau Ruth. Das Fleisch schmeckte wunderbar. Die Salate waren lecker und die Soßen rundeten das Ganze ab! Obwohl es sich eher um die Reste von Soßen gehandelt hatte, die er an einem Freitag aus den fast leeren Behältern seines Diners gekratzt hatte. Um diese anschließend, und unter dem argwöhnischen Blick seiner Angestellten, umzufüllen und mitzunehmen. Gut! Diese standen dann wahrscheinlich zwei, drei Stunden in der prallen Sonne im Kofferraum seines Autos. Aber der Geschmack war am nächsten Tag noch einwandfrei. Vielleicht waren es auch sechs Stunden. So genau war das nicht mehr nachzuvollziehen. Jedenfalls, alles war also absolut perfekt gewesen, auf der Sommerparty und besonders schön war es für Jack und Ben. Wer allerdings die ganzen Bierflaschen geleert hatte, war ihm natürlich bis heute ein Rätsel. Fest stand, dass die beiden irgendwann unter eingeschränkten motorischen Fähigkeiten gelitten haben mussten. Ob von den Soßen, dem Bier oder von einer kombinierten Vergiftung, war nicht mehr nachzuvollziehen. Nicht nur, dass der ein oder andere Fehltritt auf die Flaschen zu unkoordinierten Bewegungen beim Laufen führte, nein, es musste wohl auch die ein oder andere Information fremdgegangen sein. Sagen wir mal mündliche Informationen, die sich Männer in ihrer ganzen Pracht und inniger, gegenseitiger Umarmung, torkelnd und mit besserwisserisch erhobenem Zeigefinger so ins Ohr flüsterten, wenn man gerade so ziemlich alles und vor allem die ganze Welt jetzt erst so richtig verstand. Und natürlich auch jedem umgehend erklären musste!Was man halt so erzählte, kurz bevor man sich gegenseitig gegen den besten Kumpel abstützte und feststellte, dass die Mitte eines Klapptisches in der Tat zwei umgefallene, erwachsene Männer aufnehmen konnte. Samt durch die Luft fliegende Tischdekoration!Marie und Ruth bewerteten das Ganze dann später als Ergebnis seiner ungezügelten Lebensweise und seiner gewissen menschlichen Art. Wobei sie und Ruth, wenn er sich richtig erinnerte, keine Hand gerührt hatten, um beiden aus der Verwicklung des demolierten, und natürlich vollkommen unterdimensionierten Mobiliars, zu befreien.Schrottzeug! Billiger Mist!
Marie kam im Stechschritt zurück und nahm wieder im Auto Platz. „Ich soll dich schön grüßen“, stichelte sie. Sie war jetzt plötzlich und sichtlich amüsiert, schüttelte ihr Haar nach hinten und schnallte sich an. „Ach, von wem denn?“, spielte Ben den Ahnungslosen. „Von deiner Ex! Grüße von deiner Ex, an dich! Nur an dich, Ben!“ Zweifellos meinte sie damit die hektische Person, welche soeben fast zum Opfer seines Fahrstils geworden wäre. Eine gewisse Annie Bernson. Eben ein Teil von dem, was >vorher< geschehen war und wie gesagt ruhen sollte. „Das nächste Mal würde sie deinen Mordversuch nicht so auf die leichte Schulter nehmen, sondern sich sofort fallen lassen, wie einen nassen Sack. Und dann warten, bis ihr Anwalt käme! Der würde dich dann nackig machen, und zwar so richtig!“ Auch Ben fühlte sich plötzlich großartig und genehmigte sich ebenfalls einen Schluck guter Laune. „Ach...?“, nahm er dennoch übertrieben erstaunt zur Kenntnis. „Zumindest in der ersten Sache, hat Sie ja genug Erfahrung, das hättest du ihr sagen können! Und für das Letzte hätte ich eine andere Person im Auge! Vorzugsweise für eine B......!“ Marie beeilte sich ihre Ohren zwischen ihrer kleinen Handtasche und ihren Händen einzuklemmen und intensiv in ein Kreischschreigeräusch auszubrechen, bevor Ben weiter ausholen konnte. Als diese sich beruhigt hatte, musste sie feststellen, dass die Sache mit dem „Umtöten“ an Annie doch lieber jemand anderes vornehmen sollte.Am besten am kommenden Mochtag! Ja, Mochtag!„Umtöten“ und „Mochtag“, waren beides Word-Kreationen aus den Mündern von Marie und Ben. Während die Kombination „Umtöten“ von ihm relativ leicht zu erklären war, hatte es der „Mochtag“ von ihr wesentlich schwerer. Es war nämlich ein zusätzlicher Wochentag, welcher gar nicht bis niemals auftrat. Demzufolge konnte an diesem Tag auch wirklich alles passieren. Alle möglichen und unmöglichen Termine konnte man, und vor allem sie, auf den „Mochtag“ legen. Das war überhaupt kein Problem! Wenn zum Beispiel Marie und Ben eine äußerst schwierige Verhandlung hatten, worüber auch immer, versuchte Marie diesen Termin am besten immer auf den „Mochtag“ zu legen. Das ging natürlich nicht. Auch wenn der „Mochtag“ aus irgendwelchen Gründen dann doch einmal plötzlich teilweise eintrat, war er meist auch schon immer ganz schnell vorbei, oder Ben hatte diesen verpasst. Sie war dann immer so freundlich auf beides hinzuweisen und er hatte dann konsequent das Nachsehen.
„Guten Morgen!“, herrschte Annie die Klasse an. „Guten Morgen Miss Bernson“, antwortete diese brav und synchron im Chor zurück. Der Ort des Geschehens war eine für den Intellekt seiner ständigen Nutzer farblich angepasster Klassenraum. Und zwar aller Nutzer. „Heute werden wir uns mit den Buchstaben beschäftigen und die Ersten lernen und auch schreiben“, erklärte Annie lauthals. „Wie nennt man diese Buchstaben?“, fragte sie und war fest davon überzeugt, wieder einmal einen der Erstklässler zu erwischen und aus dessen kindlicher Dummheit und Unwissenheit in das Licht zu führen.Ihr Licht! Das Licht der Annie Bernson!Aber!Bernson-Bernson, B-E-R-N-S-O-N!!! Bei diesem Namen aus den Mündern der vielen kleinen Zwerge musste sie sich beherrschen, um nicht dutzendweise irgendwelche Hufeisen zu verbiegen. Dennoch, ihre Güte war grenzenlos! Insbesondere dann, wenn einige der Kinder oder vielleicht auch nur eines zufälligerweise der Sohn eines unterentwickelten und zurückgebliebenen Affen war. Aber sie würde erdulden und zweifellos so fast göttlich unvoreingenommen sein, wie immer. Deswegen wandelte sie zwischen den Reihen ihrer kleinen Zuhörer und kam, nach einer für sie angemessen scheinenden Zeit, zentral im Raum zum Stehen. Ihr Blick lenkte sich mit leicht verdrehten Augen an die Decke. Ohne damit jemanden anzuschauen und nach einer wieder ungewöhnlich langen Pause, in welcher sie sich nun plötzlich zur Tafel drehte, rief sie auf. „Ben Junior!!!“ Während dieser pflichtbewusst vom Stuhl aufstand, wartete Annie ohne diesen zu fixieren auf die Antwort! „Nun?“ „Das ist das Alphabet! Misses Bernson!“ Annie atmete hörbar ein und aus.Misses?! „Setzen! Ben Junior!“ „Als Nächstes, schlagt ihr eure Hefte auf und nehmt eure Stifte. Wenn ich euch die ersten Buchstaben gezeigt habe, schreibe ich diese vor und ihr schreibt diese nach!“ Wie ihnen befohlen zogen alle eiligst ihre Schreibutensilien heraus. „Was ist mit dir!?“, fragte sie. Annie bückte sich und erbeutete rüde, aus der offenen Tasche des kleinen José, ein Comic. „Das ist ein Comic!“, antwortete dieser in vollkommener, kindlicher Naivität. „Das ist mir nicht entgangen! Offensichtlich wissen du und deine Eltern nicht, dass diese ...Dinger...in der Schule verboten sind!“ José schüttelte langsam den Kopf und mit weit aufgerissenen Augen. „Du wirst heute einen Brief mit zu deinen Eltern nachhause mitnehmen!“, entschied Annie. „Damit sie verstehen, dass du diese nicht wieder mitbringen darfst!“ „Meine Eltern?“, flüsterte José leise in sich hinein. „Aber..., aber...“, stammelte dieser heraus, „...das habe ich doch von Ben!“ Annie Bernson ließ das mit spitzen Fingern aufgenommene Objekt der Verdammnis auf den Tisch von José sinken und drehte in Zeitlupe ihren Kopf in Richtung des üblen Verursachers. Jemand der, wie sie zugeben musste, in genau der richtigen Zeit in Aktion trat, welche sie in eine mittelschwere Katastrophe umdefinieren konnte. Und jemand der sie nicht kannte, hätte fast so etwas wie eine Art Lächeln, ein Leuchten in Ihren Augen erkennen können. „B-eeeeee-nnnnnn!!!“
Noch mal! Frühstück? Erledigt! Knirps in die Schule? Erledigt! Kurz noch mal auf Arbeit, Wochenendeinkauf, Familie wieder einsammeln und zuhause abliefern, Angelzeug und Angelstuhl und dann abends abfeiern!Während das Auto Richtung Großmarkt fuhr, hatte Ben noch einmal für sich gedanklich rekapituliert.Gut, Angeln und die abendliche Zweisamkeit mit Marie könnten sich eventuell irgendwie voneinander ausschließen! Vor allem wegen des etwas unharmonischen Starts heute. Jack könnte also recht haben! Entweder das Eine oder das Andere! Irgendwie bekomme ich bestimmt beides hin! Irgendwie? Vielleicht im Bad einschließen oder das Auto reparieren und dann einfach einmal eine Stunde rüber an den See. Durch das Fenster rauskrabbeln und am Regenfallrohr hinunter! Dass er dabei die Türen hinter sich verschlossen hätte und laute Musik jeden Sprechverkehr unmöglich machen würde, hielte er dabei nicht für sonderlich auffällig, oder undurchführbar.Man könnte auch einfach nur die Angel reinhalten und ab und zu mal vorbeischauen, beim Zigarettenholen! Verdammt!Plötzlich, wünschte er sich Raucher zu sein.Nein, Probleme, Probleme, Probleme! Das wird echt schwer! Damit könnte der Tag vielleicht doch nicht so scheißegut werden, wie er heute Morgen im Bad noch angenommen hatte. Aber schließlich hätte er ja fast Annie über den Haufen geschoben und alles hätte sogar wie ein Unfall ausgesehen! Das ist natürlich nicht zu überbieten! Ein hochgezogener Mundwinkel unterstützte seine im Hirn materialisierte Vorstellung von Weihnachten und Ostern an einem Tag. Wenn er bedachte, dass Annie, diese Frau, seinen Jungen unterrichten sollte, bedauerte er ihn aufrichtig. „Da muss er durch...“, waren seine Worte, die er beim Ausatmen nur minimalst für sich artikulierte. „Wer muss wo durch?“, erforschte Marie.Verdammt, diese Frau ist doch der absolute Kontrollfreak! Was kann man eigentlich geheim halten! Nichts! Niemand! Marie hatte es schon fertiggebracht und privateste Selbstgespräche eines erwachsenen Mannes in aller Ruhe zu belauschen, um diese dann anschließend Schritt für Schritt auseinanderzunehmen. Vorzugsweise wenn er im Bad war und mit imaginären, noch nicht gefangenen Fischen sprach.
Am Großmarkt angekommen, war es dann Gott sei Dank endlich so weit.Eheweib aus dem Auto herausgedrückt und ab ging die Post!Die auf dem weiten Asphalt des Parkplatzes und zwischen einer Menge von Autos zurückgelassene Frau, konnte nur noch dem sich schnell entfernenden Fluchtwagen hinterherschreien. Dabei wedelte eine ihrer Hände in der Luft, als sie gegen die mit Autoabgasen geschwängerte Umgebung ankämpfte, währenddessen sie sich mit der anderen an das klammerte, was für sie aus dem Kofferraum in Windeseile irgendwie herausgepurzelt war. „Denk dran, eine halbe Stunde!“, erinnerte sie. „Jaja!“ Der Wagen hatte wieder gequietscht, aber diesmal von den durchdrehenden Rädern. Wieder zurück zum Rathausplatz, wo Bens kleines Diner war. Ein Ort, an welchem er von der Pike auf gelernt hatte. Als sein alter Chef in den Ruhestand ging, nutzte er die Chance und sprang auf den Dinerzug auf. Während der alte Besitzer, sein Nachbar Ben, auf die guten alten Traditionen hielt, hatte sein Nachfolger einen anderen Weg eingeschlagen. Herkömmliches gutes amerikanisches Essen mit einem Schuss von Weltoffenheit. Hier einen Caffè Latte und dort eine Limonade aus sonst woher. Für diesen Ort und seine Leute reichte es vollkommen, um ihnen ein gewisses Gefühl zu vermitteln. Was für ein Gefühl auch immer! Obwohl seine gespielte Weltoffenheit auch Grenzen kannte. Insbesondere wenn er ungebetene Gegenspieler in seinem Geschäft bekam. Die alte Einrichtung hatte er damals größtenteils ausgemustert und aus den umliegenden Restaurants die Tische und Stühle angeschleppt. Trotz der Proteste seines Vorgängers und körperlicher Gewaltandrohungen desselben. So entstand in seinem Diner ein buntes Sammelsurium, aber immer eine komplette Sitzgelegenheit. Darum fand dann jeder was für sich, womit er sich identifizieren konnte und das Diner war auch immer gut ausgelastet. Als außerordentlich vorteilhaft schätzte Ben ein, dass sich ein paar hundert Fuß gegenüber seiner beruflichen Wirkungsstätte, der Angelladen befand. Demzufolge hielt er auf dem Weg zum Diner auch dort und würde doch noch einmal einen Blick in die Auslage des Shops werfen. Den Wagen stellte er in einer passenden Parkbucht ab. Er überprüfte noch einmal den Abstand zum nächsten Auto, der Fahrbahn, den Bäumen, Windrichtung und eventuelle Flugruten von Vögeln und deren potenziellen Bombenlasten.
Ein Kontinent in Dunkelheit. Gigantisch, kompakt, unheimlich und schön. Unendliche Weite, unendliche Gefahr und unendliche Möglichkeiten des Lebens. Seine Umrisse zeichneten sich aus großer Höhe durch die Lichter der Städte und seiner Straßen ab. Ein wunderschönes Gebilde aus Nichts, einer Mischung aus Blau und fast totaler Schwärze, Ketten aus größeren Perlen und einem feinen Gespinst aus Licht, das sich unregelmäßig darauf verteilte. Das Zentrum des Gebildes ließ sich fast nur erahnen, da dort nur wenige Lichter waren. Das Konstrukt war umgeben von kleineren Abbildern seiner selbst und der Dunkelheit riesiger Ozeane, die seit unendlichen Zeiten an die Küsten brandeten.
Ein Puls. Der Kontinent wurde getroffen, mit voller Wucht. Eine unsichtbare Kraft, die im Mittelpunkt der vormals ungestörten, riesigen Landmasse einschlug. Ein kreisförmiges, nicht fassbares Etwas, welches sich nach außen ausbreitete. Erst langsam, dann wachsend, scheinbar wieder in sich zusammenfallend, schließlich aber mit zunehmender und dann rasender Geschwindigkeit ausbreitete und das Land von innen heraus und unerbittlich aufzufressen schien. Alles, was vom unsichtbaren Einschlag überstrichen wurde, verschwand. Die Lichter erloschen, nacheinander. Jedes. Bis zu den Küsten.
“Was macht denn der Idiot da?“ Ein Stadion, hell erleuchtet und mit tausenden, gröhlenden und jubelnden Menschen gefüllt. Zwei Mannschaften mit Kerlen, die aussahen, als wenn sie ganze Bäume ausreißen könnten. Jeder von ihnen zum Stillstand gekommen. Stehend, liegend oder kniend und an die Anzeigetafel starrend. Ein Referee, der einen eiförmigen Ball unter dem Arm hielt und die Pfeife aus seinem Mund gleiten ließ. Dieser schien ebenfalls nicht im Bilde und blickte ungläubig an die große LED-Tafel. Fassungslos! Die dortige Darstellung sollte eigentlich den Spielstand zeigen. Stattdessen erhöhte sich schrittweise munter der Punktestand der einen Mannschaft um jeweils einen Zähler, währenddessen jener der anderen rückwärts lief und schließlich bei null angelangt war. Die Mannschaftsnamen wurden verunstaltet und scheinbar wahllos durch irgendwelche Buchstaben ersetzt. „Die haben da oben endlich mitbekommen, wie schlecht ihr spielt!“, witzelte schließlich einer mit einem gelben Trikot und lachte lauthals in die gegnerische Mannschaft hinein. Das hätte er besser nicht tun sollen. Der grüne Rasen, mit der Aufschrift „National Rugby League“, wurde plötzlich zum endgültigen Schlachtplatz. Hier spielten Regeln aber nun wirklich keine Rolle mehr. Die beiden Mannschaften stürzten aufeinander zu und begannen sich heftig zu prügeln. Der Referee und seine zwei Linienrichter versuchten dazwischenzuspringen, und dem Chaos Einhalt zu gebieten. Vergebens! Der Platz wurde von weiteren Spielern der Ersatzbänke, den Trainern und schließlich mit Zuschauern der Tribünen unaufhörlich gespeist. Dann begann die Beleuchtung des Stadions und jedes andere Licht zu flackern und es wurde komplett dunkel.
Die >Everest<, ein Gigant selbst unter den Riesen der Schiffe, war ein Frachter der den Namenszusatz >Mega< verdiente. Er war fast eintausend Fuß lang und konnte annähernd vierhunderttausend Tonnen Eisenerz mit nur einer Ladung um den Globus transportieren. Um genauer zu sein aus dem Westen Australiens, aus der Nähe von Perth, nach Norden, zum asiatischen Kontinent. Dort warteten die immer hungrigen Öfen Chinas darauf sich alles einzuverleiben und als Stahl auszuspucken, welcher von der Bahnschiene bis zum Kochtopf alles werden konnte. Das gewaltige Monstrum schob riesige Wassermassen beiseite, als es sich beständig seinen Weg durch die Nacht bahnte. An Steuerbord zeigte das schiffsinterne Radar einen Tanker, welcher der Everest in nichts nachzustehen schien und ein paar hunderttausend Bruttoregistertonnen haben musste. Er transportierte Rohöl von den örtlichen Lagerstätten und bildete mit einer Unzahl von Schiffen eine Flotte, die Tag und Nacht unterwegs war, sich entlang der ganzen Westküste dieses Kontinents und in gehöriger Distanz untereinander beständig immer weiterwälzten und dem Land die Rohstoffe aussaugten, um sie woanders wieder auszuspucken. Ihre Existenz wurde auf den Schirmen der bordinternen Überwachungstechnik bestätigt und durch die Lichter ihrer Leiber hinterlegt, welche über die Meilen der schwarzen Wasseroberfläche als erleuchtete Inseln wahrzunehmen waren. Arthur, der Kapitän eines fast winzig wirkenden Trawlers, dessen Geschäft nicht die Verschiffung von der Mutter Erde entrissener Schätze war, sondern das Fischen, betrachtete das ganze Treiben in der Ferne. Er war einer der Wenigen die weder den Willen noch das Geld gehabt hätten in den Wahnsinn der weltweiten Überfischung einzusteigen und versuchte sich beharrlich dagegen zu wehren. Sein Schiff war mehr ein Boot und das Überbleibsel einer Zeit, als das Fischen noch zum Leben gereicht hatte, nicht von riesigen Fischfangflotten überrollt wurde und alles aus dem Wasser der Ozeane erbarmungslos herausholte, um es zu Profit zu machen. Er wusste, dass er, seine kleine Mannschaft und sein vollkommen überaltertes Schiff einer nie wiederkehrenden Zeit angehörten und in nicht allzu ferner Zukunft das letzte Mal in den Hafen zurückkehren würden. Er beobachtete die Lichter in der Ferne, die von den riesigen Schiffen stammten, welche sich ein paar Meilen entfernt als Kette durch die Dunkelheit schoben. Nicht nur ihre bloße Anwesenheit, sondern auch ihre Geräusche, welche sie unter und im Wasser erzeugten, der Dreck ihrer Antriebe, jener, welcher über Bord flog und heimlich im Meer gelöscht wurde und nicht ihre alleinige Existenz waren der Horror. Wenn eines dieser Dinger aufplatzte, würden hunderte Meilen der Küste mit dem für ihn schwarzen Tod verseucht und das offene Meer mit einem tödlichen Teppich überzogen. Um so wichtiger war es, sich schnell davon zu entfernen und hinauszufahren. Soweit, wie es nur möglich war, um noch etwas fangen zu können und diesen Wahnsinn nicht mehr sehen zu müssen. Deswegen steuerte er über das ruhige Wasser, während seine Leute die Vorbereitungen für den nächtlichen Fang trafen. “Blutsauger! Wahnsinnige! Irre!“, entschied er heute wieder einmal, als er zu einem kleinen Flachmann griff, den er aus Tasche seiner Jacke zog, und einen enormen Schluck daraus nahm. “Irre!“, stellte er noch einmal fest. Ob der Fang diese Nacht wenigstens diesmal die Kosten decken würde, wagte er zu bezweifeln, denn er wusste vor ihm lag eine Perversion aus schwimmenden Fabriken, die alles aus größerer Tiefe an die Oberfläche zerrten, um es unersättlich zu verschlingen und zu einer Massenware für eine unendliche Anzahl von immer hungrigen Menschen zu verarbeiten. Und seine Leute, musste er feststellen, als er sich umdrehte, arbeiteten schon wieder nicht. Standen am Heck auf Deck und starrten bewegungslos in die Ferne, Richtung Osten, woher sie kamen und die Heimat, die Westküste Australiens hinter dem Horizont liegen musste. “Was zur Hölle.....!“, tobte er in die Nacht hinaus, als er die Tür seiner kleinen Brücke geöffnet hatte und seinem alkoholisierten und nun wieder mal äußerst gereizten Ärger Luft machen wollte. Aber seine Worte blieben ihm im Halse stecken, denn dort, wo der Kontinent in der Dunkelheit liegen sollte, glühte der Horizont auf gesamter Breite, soweit das Auge reichte. Und das von ihm noch nie zuvor Gesehene, Unbegreifliche und Fremde, es kam näher! Immer schneller baute sich eine Wand auf, die in der der Ferne erst so schmal wie ein Finger war und dann bis in den nächtlichen Himmel reichen musste. Und diese wurde immer noch größer und größer! Die entfernten Riesenschiffe, die erklärten Todfeinde von Arthur, wurden davon erreicht. Was am nächsten war, waren ein Öltanker und ein Eisenerzfrachter, die von Steuerbord in ein plötzlich unendliches Tal aus Wasser sackten und seitlich kentern wollten. Denn die gewaltige Energiewelle, die durch die See und Atmosphäre heranrollte, saugte den gesamten Ozean zu sich. Dann war das Monstrum aus unsichtbarer Energie eingetroffen, hatte das Wasser in ungeheurer Macht wieder mitgebracht und zu Gebirgen aufgetürmt, welche nun auf die Schiffe hereinbrachen. Schließlich wurden die Außenhäute der Meeresgiganten von einer unsichtbaren Hand gequetscht und ihre Bäuche wurden erbarmungslos zerfetzt. Die kochende Masse des ständig erhitzten Öls ergoss sich aus dem Tanker, entzündete sich aus einem nicht ersichtlichen Grund und vermischte sich mit der auf Arthurs Boot zurasenden Menge aus Energie und salziger Gischt. Und das kleine Boot würde gleich das Schicksal der soeben zerstörten, schwimmenden Kolosse ereilen. Alle vielen auf die Knie oder klammerten sich in irrer Todesangst an etwas, was ebenfalls gleich nicht mehr existieren würde. Und als jeder nur noch steil in den Wahnsinn mehrere Meilen über sich starren konnte, der zudem auch noch hell loderte und die Reste der Schiffe in sich herumwirbelte, geschah es.
Marie war auf dem Weg zur Kasse und hatte gefühlte zwei Stunden lang, ungefähr vier Tonnen Lebensmittel zusammengetragen und in Einkaufswagen gestapelt. Mit zunehmender Beladung hatte sich an jeder der zwei Transportkarren mindestens eine Rolle als, nun man könnte sagen, schwergängig erwiesen. Einen Panzer an der Kette mit den Zähnen zu ziehen, wäre wohl einfacher gewesen. Auch war einer der Wagen der Meinung regelmäßig nach rechts, in diverse Auslagen, driften zu müssen. Dabei mähte sie das eine Mal feinsäuberlich eine Batterie Gläser mit Mischgemüse um, die sich mit dem zerberstenden Glas zur einen Hälfte auf den Fußboden und zur anderen in ihr Gefährt ergossen. Wieder halbwegs getrocknet, aber nach der Beilage des heutigen Abendessens riechend und am Warenband angekommen, hatte sie ungefähr zwei Meilen schwarze Kunst hinterlassen, in Form von Schleifspuren der Räder auf dem Fußboden des Einkaufsmarktes. Die gute Nachricht war, dass hier nur etwa zwanzig Leute mit ähnlich umfangreichen Erledigungen standen. Um ehrlich zu sein, war Marie an ihrem freien Tag schon ziemlich genervt.Wo war eigentlich Ben, wenn man ihn brauchte. Wie hat der sich wieder mit seiner blöden Arbeit aus der Affäre ziehen können? Penner! Wenn der denkt, dass heute irgendwas geht, hat er sich gewaltig geirrt! Aber in ihrem persönlichem Plan sah sie irgendwo eine Aussöhnung und einen Tisch für zwei, mit weißer Tischdecke, einer Kerze und zwei Gläsern Rotwein. Und natürlich eine Fußmassage! Morgen in der Frühe stünde dann zweifellos das Frühstück zur Abwechslung schon mal auf dem Tisch, während sie sich im Morgenmantel hinsetzte und den Kaffee gebracht bekäme. Sie war fest davon überzeugt, dass dies möglich wäre. Oder sein konnte. Aber falls sich schon in den frühen Anfängen des Abends irgendetwas so entwickeln sollte, wie es unmöglich sein durfte, hatte sie vorgesorgt. Gut, dass sie die Angelausrüstung aus seiner Tasche genommen und gegen ein paar halb abgewickelte Rollen Klopapier ausgetauscht hatte, mit innerer Besenstielstabilisierung.Der wird Augen machen!„Was Schätzchen, Klopapier in deiner Angeltasche...?“, fing Marie an mal steif und mal lässig mit dem Kopf hin und her zu wiegen. „Nein, ich weiß nicht, wie das da reingekommen ist! Vielleicht hattest du ja bei deinem letzten Angelausflug einen Notfall!“ Ihr Kopf streckte sich jetzt nach vorn und sie kniff die Augen zusammen. „Du verstehst schon! Einen Notfall!“ Jetzt stützte sie die Arme in die Seite. „Und die Nummer mit der Stunde im Bad, die kannst du auch vergessen! Süßer, wenn du eine Stunde im Bad verbringst, dann vielleicht übers ganze Jahr zusammengerechnet.“ Marie hatte mittlerweile angefangen laut zu reden, und mit dem Finger die Lehrerin vor dem Süßigkeitenstand zu spielen. „Probleme mit der Angelei Schätzchen?“, erkundigte sich eine Frau, die vor ihr stand und sich unvermittelt zu ihr umdrehte. Es war Marge. Marge war die Bürgermeisterin und hatte nicht nur in ihrem Rathaus die Hosen an. Eine adrette Endfünfzigerin, mit halblangem, gewelltem, leicht blondiertem Haar, perfekt geschminktem Gesicht und kleinstadtunüblichem, politisch korrektem Businesskostüm. „Wenn Asmus angeln gehen will, dann lasse ich ihn immer! Manchmal fordere ich ihn sogar auf dazu! Dann hat er wenigstens ab und zu das Gefühl mal tun und lassen zu dürfen, was er gern möchte! Ich versichere dir Schätzchen, man hat dann viel mehr Ruhe!“ Sie klimperte mit einem Auge, schob sich fast übertrieben die Haare zurecht und fasste dann zusammen. „Das kann einem einiges leichter machen. Wenn du verstehst, was ich meine?!“
Ben stand mit den Händen in den Hosentaschen vor dem Schaufenster des Angelshops. Und dies tat er schon ungefähr fünfzehn Minuten dort. Er schwenkte den Kopf im Viereck in alle Richtungen, um alles ganz genau zu betrachten und jedem Ding die ihm angemessene Aufmerksamkeit zu schenken. Ein Schnalzen mit der Zunge unterstützte sein Wohlbefinden und er wünschte er hätte noch ein paar Extrahände und ein paar Extrahosentaschen, so verdammt gut fühlte er sich! „Ben, Ben, Ben!“ Asmus, der Mann von Marge, trat seitlich heran, hatte bereits eine Wathose an, eine Forellentasche und auch eine Angel zur Stelle. Dazu einen ausgebeulten Angelhut auf dem Kopf. „Was machst Du den hier? Bist Du heute nicht im Diner?“ Asmus war ein hochgewachsener Kerl mit spärlicher Behaarung und sah fast selbst wie ein Fisch aus. Seine Eltern waren ursprünglich Norweger gewesen, aber alle nannten ihn immer nur den alten Schweden. So abgedroschen sich das auch anhörte, aber für Asmus traf es irgendwie zu. Er musste so ziemlich einer der glücklichsten und unglücklichsten Menschen in der Stadt sein. Von seiner Frau sah er meist immer nur die Rückseite, was dazu führte, dass er immer nur am Angeln war. Die einen sahen sowohl das eine als auch das andere als enormen Vorteil und zugleich Nachteil an. „Nein, Asmus!“, brüllte Ben. „Habe heute meinen freien Tag! Schaue nur nachher mal kurz vorbei!“ Asmus musste wohl beim Angeln zu viel im kalten Wasser gestanden und dabei, und vom Frühjahrsnebel des Sees, sehr oft Zugluft abbekommen haben. Deshalb war er auch schwerhörig. So zumindest die Vermutung der allermeisten Leute hier. „Ah!“, antwortet Asmus erleuchtet. „Na ja, muss ja auch mal sein!“ Er zog wie immer eine enorme Wasserlache hinter sich her, die sich in einer langen Spur über den Asphalt der Straße und den regelmäßigen Platten des Weges ergoss und welche rückwirkend verfolgt in das Innere des Parks führte.Wo zur Hölle konnte man denn hier angeln?, fragte sich Ben, der quer über die Straße und in die Grünflächen der gegenüberliegenden Seite starrte. Asmus schaffte es immer wieder irgendwie schwammgleich, massenhaft Feuchtigkeit aufzunehmen, mitzubringen und zu den unpassendsten Gelegenheiten feinsäuberlich zu verteilen, auch wenn nicht mal eine Pfütze oder ein Glas Wasser in der Nähe schien. Beide drehten sich nun der Auslage im Schaufenster zu und Ben wollte gerade sein gut vorbereitetes Repertoire an selbst erfundener Zeichensprache umsetzen. Ein Gefühl der Bedrückung. Nein! Ein Gefühl des Unwohlseins. Nein! Ein ... komisches Gefühl! Ben und Asmus stocherten fast gleichzeitig mit dem rechten Mittelfinger in ihren Ohren und bohrten etwas. Ein hochfrequentes Pfeifen. Ein kurzes Flackern. Irgendwie ein Vibrieren. Beide hatten das Gefühl, als würden sie gerade mit einem seichten Blitz bestrahlt. Sie drehten sich um und erkannten die betagte Straßenlaterne, welche eine Weile unregelmäßig flackerte und dann den Geist aufgab. Sie nickten langsam und einsichtig, als wenn sie gerade den Stein der Weisen gefunden hätten. Weiter würdigten sie das nervige Ding keines Blickes und wandten sich wieder dem Schaufenster zu. Sie schwiegen. Ben zeigte wortlos auf ein Teil in der Auslage und führte die andere Hand zu seinem Hintern. >Kratz, kratz< Asmus‘ Blick folgte Bens Fingerzeig in das Schaufenster und er nickte. Ebenfalls ..... wortlos.
Marie hatte es endlich geschafft.Endlich! Endlich! Sie war dran. Besser gesagt, sie hatte die Kasse erreicht. Ein paar Aushilfskräfte zerrten den Einkauf aus dem Wagen. Die aufgepeppte, junge Kassiererin zog das Ganze in kaugummikauender Gleichgültigkeit über den Scanner, um am Ende durch ihre Kollegen alles derb in Papiertüten einsacken zu lassen. Marie entschied, dass sie jetzt Ben anrufen sollte, damit er sie abholte. Gerade, als der Rufton dort sein sollte, wo man ihn eigentlich vermutete, knisterte und rauschte es heftig in ihrem Mobiltelefon. Sie verdrehte fragend die Augen und horchte gespannt hinein. Die Kassiererin zog erschrocken die Hand von ihrem Arbeitsgerät zurück. „Autsch!“ Alle herum erstarrten und schauten auf diese, welche gezwungen lächelte und begann einen ihrer Finger in den Haaren einzudrehen. „Wohl so etwas wie eine statische Entladung...“, ergänzte Marie. Dann wurde allen Frauen an der Kasse, und es waren nur Frauen, plötzlich speiübel. Marie selbst hatte das Gefühl, dass sie wieder Teenager war und soeben vier Schachteln Zigaretten in Verbindung mit zwei Flaschen Beam auf nüchtern Magen verarbeiten müsste. Ihr Blick traf sich mit dem von Marge, die mit aufgerissenen Augen würgte. Die Kassiererin presste ihre Hände in die Seite und den Bauch und aus ihrem grimassenartigen Gesicht purzelte der Kaugummi auf den Scanner am Warenband. Plötzlich ein Flackern und die LED-Zahlen der Kassenanzeige leuchteten abwechselnd stark auf, unterstützt von einem Pulsieren aus dem verglasten Laser des Scanners. Dann war alles irgendwie schnell vorbei. Alle fassten sich wieder und schnappten tief nach Luft. Nach ungefähr dreißig Sekunden entschied jede für sich selbst unter einer Art Frauenproblem gelitten zu haben und alle nahmen recht schnell wieder ihre üblichen Tätigkeiten auf. Die Kassiererin stecke eiligst den nun leicht schmutzpanierten Kaugummi wieder in den Mund und informierte... „...Äh...., unser System ist ausgefallen, sie müssen sich bitte an der anderen Kasse anstellen!“Nein...., nein...., das konnte nicht sein! Marie hatte jetzt wirklich eine verdammt miese Laune. „Wie bitte?“, zischte Marie!? „Wie bitte?!“ Sie warf einen Blick hinter und einen vor sich. Alle anderen Kassen waren ebenfalls mit extralangen Schlangen versehen. „Stromausfall!“, rief es aus einer Ecke. Es war der Filialleiter, welcher eiligst angelaufen kam. Seine Nasenhaare vibrierten leicht über seinen schiefen Zähnen, als er mit einer übertriebenen Grimasse der Freundlichkeit geradewegs in das Chaos steuerte und erfreut Maries Gesicht erspähte. Diese wünschte sich im gleichen Augenblick nun doch wieder etwas weiter hinten zu stehen. So ungefähr zwei- bis dreihundert Fuß. Oder gleich in einer anderen Stadt.
Fast alle Kinder saßen gespannt auf ihren Plätzen und blickten nach vorn an die Tafel. Dort hatte Annie ein paar kunterbunte Schriftzeichen angepappt.
