Dakapo für einen Mord - Mignon G. Eberhart - E-Book
Beschreibung

Die Tatwaffe und die bei dem Toten gefundenen Schlüssel sprechen eine eindeutige Sprache: Emmys Schwester ist die Mörderin. Doch dann nimmt der scheinbar glasklare Fall eine Wendung, die einem das Blut in den Adern gefrieren läßt ... (Dieser Text bezieht sich auf eine frühere Ausgabe.)

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MOBI

Seitenzahl:249


Mignon G. Eberhart

Dakapo für einen Mord

Kriminalroman

Aus dem Amerikanischen von Renate von Walter

FISCHER Digital

Inhalt

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1

Sie drückte auf den Klingelknopf, wartete und sah sich langsam um. Es war ein herrlicher Tag im Mai, ein echter New Yorker Tag, ein Tag, an dem alles fröhlich aussah. Die Gehsteige, die jungen hellgrünen Blätter an den Bäumen entlang der Straße, die in der Nachmittagssonne glänzten, und das schmale Haus selbst, das eingezwängt zwischen die Nachbarhäuser mit seinen alten weißen Fensterrahmen und der säuberlich gestutzten Hecke wie ein vergessenes Stück New York wirkte. Für Emily van Seidem war es ein Stück Heimat, sie hatte ihre Kindheit hier verbracht. Sie wünschte, daß ihre Schwester es nicht verkaufen wollte, obwohl natürlich ein luxuriöses Apartment in einem Hotel Diana van Seidem – seit vier Jahren Diana Ward – von allen Personalsorgen befreien würde. Sie klingelte noch einmal.

Wieder vergingen ein paar Minuten, bis Emmy plötzlich bewußt wurde, daß eigentlich schon längst jemand an der Tür sein müßte. Selbst wenn Dianas häufig wechselnder Personalapparat wieder einmal zusammengebrochen war, so müßte sie selbst doch das Klingeln gehört haben. Allerdings hatten sie es nicht ganz fest ausgemacht, zusammen zu der Komiteesitzung zu gehen, Emmy war eigentlich nur hergekommen, weil das Maiwetter so einladend war. Die Sitzung sollte um vier Uhr beginnen; Emmy sah auf ihre Uhr – kurz vor vier. Ein Taxi brummte durch die ruhige, von Bäumen gesäumte Straße. Sie klingelte noch einmal. Vielleicht war Diana oben und hatte das Klingeln doch nicht gehört. Sie versuchte, die Tür zu öffnen, sie war abgeschlossen. Sehr wahrscheinlich hatte Diana die Versammlung überhaupt vergessen, das wäre typisch. Sie hatte sich schon halb umgedreht, als die Tür geöffnet wurde. Erst einen Spalt breit, dann flog sie auf. Diana stand in Slip und mit aufgelösten Haaren vor ihr, die Augen entsetzt aufgerissen. Sie zog Emmy ins Haus und knallte die Tür ins Schloß. »Emmy!« schrie sie. »Schau, hier! Ich habe es nicht getan …« Sie begann hysterisch zu schluchzen. Emmy sah an ihr vorbei in die große Halle, die zur Treppe und nach hinten ins Haus führte.

Ein Mann lag auf dem Fußboden. Sein Körper wirkte merkwürdig schlaff. Emmy trat näher. Es war Gil Sangford, einst ein großer, gutaussehender, dunkler, lebhafter Mann. Jetzt standen seine dunklen leeren Augen offen, und auf seiner weißen Hemdbrust leuchtete ein großer roter Fleck. »Diana … was ist passiert?«

Diana stolperte zur Treppe und setzte sich. »Ich habe es nicht getan«, wiederholte sie schluchzend.

Irgendwann einmal hatte Emmy einen Kurs in Erster Hilfe mitgemacht. Sie wußte, daß sie jetzt zu Gil Sangford gehen und seinen Puls fühlen müßte. Es gab aber keinen Puls mehr. Das Hemd war voller häßlicher roter Flecken. Sogar das goldene Uhrarmband war blutverschmiert. Diana kniete jetzt an das Geländer gelehnt auf der Treppe. »Emmy, ist er wirklich tot?«

Emmy stand mühsam auf. Zitternd ging sie zum Tisch und hielt sich daran fest.

»Ja«, sagte sie.

»Nein, nein«, wimmerte Diana, »das ist unmöglich!«

»Es ist aber so.«

Es entstand eine beklemmende Pause, während die beiden Schwestern den Mann auf dem Fußboden anstarrten. Im Haus war es vollkommen still. Ich muß mich zusammenreißen, dachte Emmy, wir müssen etwas tun.

Unvermittelt sagte Diana: »Ruf den Arzt an! Seine Nummer steht in meinem roten Buch beim Telefon. Ruf den Arzt an!«

»Das hat keinen Sinn«, antwortete Emmy. Ihre Stimme klang ganz unnatürlich. »Wir müssen die Polizei anrufen. Was ist denn passiert, Di?«

»Ich weiß es nicht.« Diana starrte Emmy durch die Geländerstäbe an. »Das kann doch nicht wahr sein! Ich zog mich gerade an. Oben. Ich wußte nicht einmal, daß er im Haus war. Und dann hörte ich … es müssen die Schüsse gewesen sein, die ich hörte. Zuerst dachte ich, es wäre ein Auto. Aber dann merkte ich, daß es kein Auto war, und rannte nach unten, und da …« Sie begann wieder zu weinen. »Da sah ich ihn! So! Vielleicht ist er gar nicht tot, Emmy. Bitte, ruf doch den Arzt an!«

»Wo ist Doug?«

Douglas Ward war Dianas Mann. Diana schluckte und antwortete: »Bei der Probe.«

»Wo?«

»Keine Ahnung. Doch, warte, im Tanzsaal vom Edison.«

»Weißt du die Telefonnummer?«

»Nein, sie steht aber sicher im Telefonbuch. Er … ich glaube einfach nicht, daß er tot ist, Emmy. Wenn du doch nur den Arzt anrufen würdest!«

»Wir müssen erst die Polizei verständigen. Dann werde ich versuchen, Doug zu erreichen …«

»Dann rufe ich ihn eben selbst an«, schrie Diana hysterisch zitternd.

Na gut, dachte Emmy. Sie ging, so ruhig sie konnte, an dem toten Gil vorbei durch die große Halle nach hinten in Dougs Arbeitszimmer. Die Tür stand offen. Es war ein kleines Zimmer mit einem großen Schreibtisch vor dem Fenster. Überall lagen Zettel und Manuskripte voller roter Anmerkungen verstreut; das Telefon stand auf dem Schreibtisch. Sie wollte gerade anfangen zu wählen, als ihr einfiel, daß sie die Nummer gar nicht wußte, weder die des Arztes, noch die vom Edison-Hotel. Sie würde Doug ausrufen lassen müssen, das konnte ewig dauern. Gut, dann zuerst den Arzt. Zumindest Di braucht ihn, dachte sie und nahm das kleine rote Buch ihrer Schwester in die Hand. Diana rief aus der Halle dazwischen: »Wilson heißt er …«

Ihre hohe, ängstliche Stimme hallte in dem stillen Haus unheimlich wider. Emmy fand die Nummer, wählte, und eine Frauenstimme teilte ihr höflich mit, daß der Herr Doktor nicht da sei, aber sofort nach seiner Rückkehr anrufen würde.

Jetzt also die Polizei.

»Hast du Mr. Wilson erreicht?« fragte Diana von der Treppe aus. »Er soll kommen, mir ist hundeelend.«

Mir auch, dachte Emmy wütend. »Er kommt, sowie er kann.« Jetzt die Polizei. Sie erinnerte sich an die Notrufnummer und wählte sie. Wieder antwortete eine höfliche Stimme, diesmal eine männliche. Sie gab den Namen Douglas Ward und die Adresse an und sagte dann: »Hier liegt ein Mann. Er muß erschossen worden sein. Er ist tot.«

»Okay. Bleiben Sie dort. Wir sind in ein paar Minuten da. Lassen Sie niemand aus dem Haus.«

»Nein, niemand …« Da befiel sie Panik. Sie lief zu Diana ins Treppenhaus zurück. »Diana, ist noch jemand im Haus?«

»Nein.«

»Bist du sicher?«

»Natürlich. Kein Personal. Und wie sollte auch jemand reinkommen? Die Türen sind verschlossen.«

Gil ist aber hereingekommen, dachte Emmy, und ging wieder zum Telefon zurück. »Es sind nur wir beide hier. Mrs. Ward und …«

Die höfliche Stimme unterbrach sie. »Der Wagen ist schon unterwegs.«

Emmy bedankte sich und legte auf. »Diana, wie ist Gil eigentlich ins Haus gekommen?«

»Das weiß ich nicht. Ich habe ihn nicht hereingelassen! Oh, Emmy, es muß jemand mit ihm hergekommen sein, ihn erschossen haben und dann verschwunden sein. Ich kann es mir nicht anders erklären.«

»Ich auch nicht«, sagte Emmy langsam, und allmählich konnte sie wieder klar denken. Wenn er sich nicht selbst erschossen hatte, dann war er ermordet worden. Das stand fest. Sie ging zur Tür, um Diana nach der Waffe zu fragen, aber ihre Schwester war verschwunden. Flüchtig sah sie sich in der Halle um, konnte aber nirgends eine Waffe entdecken.

Emmy schlich um Gil Sangford herum und bemühte sich, nicht in sein Gesicht zu sehen, das immer gelacht hatte und das immer so fröhlich gewesen war. Sie rannte die Treppe hinauf. Diana stand in ihrem Zimmer und knöpfte sich einen rosa Spitzenseidenmorgenrock zu, der eigentlich eher wie ein Ballkleid aussah. »Ich zog mich gerade an, als ich die Schüsse hörte. Oh, Emmy, es war entsetzlich. Ich war so lange mit ihm allein … mindestens fünfzehn Minuten, es kam mir wie eine Ewigkeit vor. Wann kommt der Arzt?«

»Ich weiß nicht. Hast du eine Waffe gesehen, Di?«

Diana starrte Emmy aus weitaufgerissenen, blauen Augen an. Sie war schön, umwerfend schön, mit ihrem glänzenden blonden Haar, ihrem ebenmäßigen Gesicht, ihrer spröden Art; sie wirkte schmal und zerbrechlich, aber sie hatte Bärenkräfte, was niemand, der sie nicht kannte, vermuten würde. Trotz ihres hysterischen Weinens waren ihre Augen kein bißchen rot. Hinter diesem schönen Gesicht und diesen großen, blauen Augen arbeitete ein wacher Geist.

»Er ist also ermordet worden«, stellte sie fest.

»Ich habe keine Waffe gesehen.«

»Dann suchen wir sie eben!« In einer Wolke aus rosa Seide und Spitzen rauschte sie aus dem Zimmer und lief die Treppe hinunter. Emmy folgte ihr.

Sie vermieden es, Gil anzusehen, während sie hektisch nach der Waffe suchten. In der Halle war sie nicht. Im Garderobenschrank auch nicht.

Emmy blieb plötzlich stehen. »Es hat gar keinen Sinn. Wenn er sich selbst erschossen hat, dann liegt die Waffe wahrscheinlich unter … unter ihm. Wenn es jemand anders getan hat, hat er sie mitgenommen.«

»Nein«, wimmerte Diana, »nein, ich habe dir doch gesagt, daß ich es nicht war! Ich habe es nicht getan – das habe ich dir doch gesagt, als du hereinkamst!«

»Du hast gleich an Mord gedacht. Du hast schon an Mord …«

»Ich weiß nicht mehr, was ich gedacht habe. Mir wurde ›Mord‹ erst dann bewußt, als du von der Waffe anfingst. Wenigstens … ach, ich weiß gar nichts mehr, außer, daß ich es nicht war. Kannst du unter ihm nachsehen, Emmy?«

»Nein«, erwiderte Emmy leise.

»Gut, dann werde ich eben …«

Sie nahm sich nicht einmal Zeit, Kräfte zu sammeln. Sie zerrte an der leblosen Gestalt. Dann drehte sie sich zu Emmy um.

»Du mußt mir helfen, er ist so schwer …«

»Das darfst du nicht machen, Di. Es heißt immer, man soll nichts berühren.«

»Wer sagt das?« Dianas blaue Augen blitzten.

»Die Polizei. Wirklich, Di. Sie müssen gleich kommen.«

»Aber die Waffe, es muß doch eine da sein, ich muß sie finden.«

Sie beugte sich über Gil und schob ihre Hände unter ihn.

»Laß das, Di. Du beschmierst dich voll Blut«, schrie Emmy sie an.

»Aber es könnte doch meine Pistole sein!«

»Deine …« Emmys Kehle war wie zugeschnürt. »Aber du … Di, du hast doch gesagt, daß du ihn nicht erschossen hast.«

»Habe ich auch nicht. Ich war es nicht.«

»Ich wußte gar nicht, daß du eine Pistole besitzt.«

»Natürlich habe ich eine.« Di war außer Atem und ungeduldig. »In einer Großstadt muß jede Frau so was haben, um sich zu verteidigen.«

Emmy packte Diana an ihren schmalen Schultern. »Hör zu, Di, du solltest jetzt lieber deine Pistole suchen. Wenn sie nämlich weg ist …«

»Du hast die Polizei angerufen. Sie werden gleich hier sein. Und wenn es dann meine Pistole ist, dann wird es zu spät sein, und sie werden behaupten, daß ich ihn umgebracht habe.« Plötzlich ließ Diana den großen, leblosen Körper los und hockte sich auf ihre Fersen. »Warum bin ich bloß je mit ihm ausgegangen!«

Beinahe hätte Emmy gesagt, daß das bald jede Frau getan hatte, er war fast ein professioneller Damenbegleiter gewesen. Statt dessen meinte sie: »Das ist im Moment nicht wichtig.«

»Jetzt werden sie reden. Die Gerüchte in New York werden behaupten, daß er mein Liebhaber oder so was war, daß wir dann Streit bekamen und … siehst du immer noch nicht ein, daß ich die Waffe finden muß?«

Das stimmte. Während Gil früher viele Freundinnen gehabt hatte, war er, seit Doug mit den Proben für sein neues Stück begonnen hatte und immer unterwegs war, Dianas ständiger Begleiter gewesen. Diana van Seidem-Ward stand automatisch im Brennpunkt des öffentlichen Interesses und, wie Diana richtig bemerkt hatte, des Klatsches.

»Wo hast du denn deine Pistole?« fragte Emmy.

»Oben in meinem Schlafzimmer …« Diana runzelte die Stirn. »Ich glaube, daß sie in meinem Schreibschrank gleich hinter der Tür liegt. Ich weiß es aber nicht genau. Sieh doch bitte einmal nach, Emmy, aber beeil dich …«

Emmy raste die Treppe hinauf in Dianas Schlafzimmer. Der Schreibschrank stand neben der Tür. Sie riß die Klappe auf und hielt entsetzt inne.

Obwohl sie Di kannte, war sie immer wieder schockiert von ihrem erstaunlichen Mangel an Ordnung. Anzeigen, Notizen, Einladungen, Briefe, alte Umschläge bedeckten die gesamte Schreibfläche. Die kleinen Schubladen barsten vor Papierkram. Sie wühlte mit beiden Händen in dem Durcheinander herum, fand aber keine Pistole. Unter der Schreibplatte war noch eine Schublade. Sie war abgeschlossen, aber der Schlüssel steckte. Sie sperrte sie auf. Hier herrschte peinliche Ordnung: Das Scheckbuch, ein dünner Stoß bezahlter Rechnungen, ein dicker Haufen unbezahlter, wie aus den Aufschriften hervorging, Radiergummis, Bleistifte, Kugelschreiber und ein Kästchen mit Gummibändern. Diese Schublade war so aufgeräumt wie der Schreibtisch einer gewissenhaften Sekretärin.

Aber auch hier keine Pistole. Sie drehte sich um und stieß mit dem Ellbogen gegen ein weiteres Beweisstück von Dis Gewissenhaftigkeit in Gelddingen: eine elektrische Addiermaschine, die auf einem kleinen Tisch neben dem Schreibschrank stand. Aber eine Pistole war schließlich kein Geld. Wo konnte Diana sie nur versteckt haben? Emmy öffnete eine Tür, die in ein riesiges Ankleidezimmer führte, wo, Dianas Art entsprechend, die schönsten Pelze und teuersten Kleider kunterbunt und völlig zerdrückt nebeneinander hingen. Auf Borden an den Wänden türmten sich Hutschachteln und Handtaschen. Emmy hatte keine Zeit, sich hier durchzuwühlen. Der nächste Raum war das Badezimmer. Hier hatte das Chaos alle Grenzen gesprengt; Schlüpfer, Strümpfe, nasse Handtücher, alles in wüstem Durcheinander; im Waschbecken lag eine zerbrochene Badesalzflasche. Aber keine Pistole.

Als sie ins Schlafzimmer zurückkam, hörte sie unten laute Stimmen. Die Polizei war also da. Sie gab die Suche nach der Pistole auf und ging langsam nach unten. Ein Beamter in blauer Uniform lief gerade durch die Tür hinaus zu einem wartenden Streifenwagen. Bis jetzt war Emmy sich eigentlich wie in einem Traum vorgekommen; natürlich hatte sie gewußt, daß Gil erschossen worden war, aber erst der Anblick der Kriminalpolizei, die sie selbst gerufen hatte, schien das Ganze in kalte Realität zu verwandeln. Ein Kriminalbeamter sah zu ihr auf, als er sie kommen hörte. »Mrs. Ward sagte schon, daß ihre Schwester hier sei, Sie sind also Miss …«

»Van Seidem«, sagte Emmy mit plötzlich verkrampfter Stimme. »Emily van Seidem.«

Di saß auf der kleinen Bank in der Halle, hübsch, traurig und völlig hilflos. Am einen Ärmel war die Spitze rot verschmiert. Emmy hoffte, daß der Kriminalbeamte es nicht gesehen hatte. Er sagte nur höflich, daß sie jetzt hier einige Dinge erledigen müßten und die beiden Damen doch lieber in ein anderes Zimmer gehen sollten. »Und bleiben Sie bitte im Haus«, fügte er noch ziemlich bestimmt hinzu.

Dianas blaue Augen wurden plötzlich hart. »Sie wollen uns verhören?«

»Natürlich. Das heißt, der Lieutenant, wenn er kommt.«

»Ich möchte einen Rechtsanwalt«, sagte Diana klar und deutlich. »Ich habe das Recht, mir einen Rechtsanwalt zu bestellen.«

Der Kriminalbeamte schien erstaunt. Offensichtlich hatte er diesem hilflosen, verschreckten, zauberhaften Mädchen soviel Bestimmtheit und Scharfsinn nicht zugetraut. Er nickte langsam. »Natürlich, Madam, wenn Sie einen Rechtsanwalt wünschen, bitte.«

Diana stand auf. »Okay, komm, Emmy. Wir gehen in Dougs Arbeitszimmer. Hast du Doug übrigens angerufen?«

»Noch nicht. Wir können ja …«

»Wer ist Doug?« fragte der Polizeibeamte.

»Mrs. Wards Mann, Douglas Ward«, antwortete Emmy im Weggehen.

»Ist er in seinem Büro?« fragte der Polizeibeamte und folgte ihnen ein paar Schritte.

Wieder antwortete Emmy: »Nein, er ist bei der Probe. Es ist Douglas Ward, der Dramatiker. Sein neues Stück hat am Donnerstag Premiere.«

»Aha«, meinte der Polizist nachdenklich hinter ihnen. »Bühnenvolk.«

Emmy fiel der leicht mißtrauische Unterton in seiner Stimme auf, als er »Bühnenvolk« sagte. Es war ihr schon immer unbegreiflich gewesen, daß Leute von der Bühne oder Maler oder Schriftsteller seit eh und je in dem Verdacht standen, ein unregelmäßiges, leicht anrüchiges Leben zu führen. »Kann ich ihn anrufen?« fragte sie kurz.

»Aber natürlich«, erwiderte der Kriminalbeamte.

Sie konnten ihn allerdings erst nach geraumer Zeit ausfindig machen. Im Edison, wo er ausgerufen wurde, war er nicht. Schließlich erreichte Emmy ein Mädchen vom Ensemble, Corrine Harris, die die Hauptrolle spielte. Mit ihrer angenehm tiefen Stimme, für die sie bekannt war, teilte sie ihr mit, daß Douglas irgendwohin zum Essen gegangen sei, wahrscheinlich ganz in der Nähe, aber sie wisse nicht, wohin. Sie versprach, ihm auszurichten, daß er zu Hause anrufen solle, sobald er wieder zurückkäme. Irgend etwas in Emmys Stimme mußte Corrine hellhörig gemacht haben. »Ist etwas passiert?«

Sie würde es ohnehin erfahren. Deshalb sagte Emmy ohne Umschweife: »Ja, Gil Sangford ist erschossen worden. Er ist tot. Hier in Dougs Haus …«

Sie hielt inne; es knackte in der Leitung. Dann war alles still, nicht einmal das Amtszeichen war zu hören.

Sie hängte ein. Vermutlich hatte Corrine Gil gekannt und war deshalb erschrocken. Hoffentlich war sie nicht ohnmächtig geworden oder hatte sonst was angestellt, was die Neugierde der Reporter wecken würde, bevor – ja, bevor was? fragte sie sich.

»Corrine war mit Gil verlobt«, erklärte Diana. »Er hat es mir gestern am Telefon gesagt.«

2

»Oh«, meinte Emmy nur. Wenn Gil mit Corrine Harris verlobt gewesen war, dann konnte keiner behaupten, daß Gil Dis Liebhaber gewesen sei. Erst später bemerkte sie das Irrige ihrer Denkweise, denn natürlich wurde behauptet, Di hätte vor Eifersucht getobt; aber im Augenblick konnte sie soweit noch nicht denken.

»Wir rufen jetzt Bigham an«, sagte Diana kurz. »Der Kriminaler hat gesagt, daß ich einen Rechtsanwalt haben kann. Er soll sofort kommen.«

Clarence Bigham war Emmys und Dianas Vormund gewesen; jetzt fungierte er als Familienanwalt, ein älterer, dürrer, freundlicher Herr.

Leider war er nicht da. »Wann kommt er denn wieder?« fragte Emmy verzweifelt.

Das Mädchen am anderen Ende der Leitung wußte es nicht. »Er ist gerade in Rom, wegen einer Erbschaftssache. Ich kann ihn anrufen, wenn Sie wollen …«

»Nein, nein. Wir brauchen jetzt gleich jemanden. Warten Sie bitte einen Augenblick.« Emmy wandte sich an Diana. »Bigham ist in Rom. Sollen wir Sandy Putnam nehmen? Er arbeitet bei Mr. Bigham, er ist gut, und außerdem kennen wir ihn.«

Diana sah nicht sehr begeistert aus. »Ich weiß nicht. Sandy konnte mich noch nie richtig leiden, jedenfalls habe ich das Gefühl …«

»Sei nicht albern. Er ist ein guter Rechtsanwalt, und wir kennen ihn schon ewig. Er wird …«, sie zögerte, weil sie eigentlich sagen wollte, er wird sein Bestes tun, dich aus dieser Geschichte rauszuhauen, aber sie meinte statt dessen nur: »Ich finde, wir nehmen ihn.«

Sie hatte zu Sandy Putnam mehr Vertrauen als zum alten Clarence Bigham. Sandy war jung und konnte sich durchsetzen. Eventuell war Diana auf so jemanden angewiesen. Sie fragte nach Mr. Putnam, und als sie seine Stimme hörte, sagte sie: »Sandy, ich bin es, Emmy …«

»Ich weiß«, sagte er freundlich. »Was gibt’s?«

»Wir sind in Schwierigkeiten, ich meine …«, wieder platzte sie damit heraus: »Gil Sangford ist erschossen worden. Er ist tot. Hier in Dis Haus. Die Polizei ist schon da.«

Es entstand eine kurze Pause. Dann fragte Sandy: »Mord oder Selbstmord?«

»Das wissen wir nicht. Sie wissen es auch nicht. Sandy, sie werden uns verhören …«

»Okay. Ich komme. Sagt vorläufig kein Wort. Wo ist Doug?«

»Bei der Probe. Das heißt, im Augenblick irgendwo beim Essen. Er weiß es noch gar nicht.«

»Kein Wort sagen«, wiederholte Sandy und hängte ein.

Emmy seufzte tief und setzte sich. Es war so angenehm, einen Mann zu haben, der alles in die Hand nahm.

»Kommt er?« fragte Diana.

»Natürlich!«

»Es ist aber weit von seiner Kanzlei bis hierher.«

»Näher als Rom.«

Diana sah sie an. »Du hast schon immer für Sandy geschwärmt. Komisch, daß ihr beide nie …«

Emmy hörte Stimmen vor der Tür, aber sie konnte nicht verstehen, was sie sagten. Es klang so, als würden mehrere Leute auf einmal reden. Sicher die Mordkommission. Wenn sie es für Mord hielten, würden sie natürlich die Mordkommission einschalten. Sie war sehr dankbar, daß Sandy kommen wollte. Emmy dachte daran, wie sie Sandy zum erstenmal getroffen hatte. Diana war zwei Jahre älter als sie, trotzdem hatten sie ihren ersten Ball gemeinsam besucht. Emmy wollte eigentlich Doug als Partner, Di bekam ihn. Irgend jemand brachte für Emmy Sandy mit, der damals gerade sein Jurastudium beendet hatte. Sie wußte noch genau, wie sie nebeneinandergestanden hatten, ihre Hand, leicht zitternd, auf seinem Arm, und Di und Douglas direkt vor ihnen. Di machte einen so tiefen Hofknicks, daß Emmy fürchtete, sie würde hinfallen. Sandy dachte offensichtlich das gleiche und hielt den Atem an. »Mein Gott, gleich landet sie auf ihrem Hintern«, hatte er leise geflüstert. Emmy hatte alle Etikette vergessen und laut losgelacht. Das alles kam ihr wie ein Traum aus längst vergangenen Kindertagen vor; so viel war seitdem geschehen. Diana hatte Doug praktisch einen Tag nach Schulschluß geheiratet. Und trotz Emmys anfänglicher Eifersucht waren die beiden Schwestern das geblieben, was sie immer gewesen waren, gute Freundinnen.

Die Stimmen draußen in der Halle wurden laut. Emmy bildete sich ein, das dumpfe Knallen von Blitzlichtern zu hören. Sie sah auf die Uhr. Fast fünf. Es schienen Stunden vergangen zu sein, seit sie an Dianas Haustür geklingelt und Diana ihr mit schreckverzerrtem Gesicht geöffnet hatte.

Ungeduldig sagte Diana: »Das habe ich mir gleich gedacht, daß Sandy eine Ewigkeit braucht. Hoffentlich hat Corrine ihren Schock überwunden und Doug alles erzählt.«

»Ihre Verlobung mit Gil kam aber sehr überraschend, oder?« fragte Emmy.

»Eigentlich nicht. Gil hat mir mal gesagt, daß er und Corrine vor Jahren schon einmal heiraten wollten, es aber aus irgendwelchen Gründen nicht taten. Sie sahen sich dann erst wieder häufiger, als Doug mit den Proben begann. Auf einmal flammte alles erneut auf, und bevor er wußte, wie ihm geschah, sagte er, waren sie zum zweiten Mal verlobt.«

»Bevor er wußte, wie ihm geschah?« Da stimmt doch etwas nicht, dachte Emmy. »Er hätte sich ja nicht verloben müssen, wenn er nicht gewollt hätte.«

»Natürlich nicht. Aber ich hatte das Gefühl, daß er … ach, ich weiß nicht, vielleicht wollte er sich bei mir entschuldigen, weil er den ganzen Winter mir so treu gewesen war, aber ehrlich, er war mir völlig egal. Er hätte heiraten können, wen er wollte. Aber weil er so eitel war, dachte er, ich wäre in ihn …«, Diana sah ganz ärgerlich aus, »… verliebt. Wenn er Corrine heiraten wollte, bitte. Warum ruft Doug eigentlich nicht an oder kommt her? Und was machen die da draußen in der Halle?«

Sie hörten Stimmen und Schritte auf der Treppe.

»Sie durchsuchen das Haus«, vermutete Emmy.

»Es ist niemand hier.« Di seufzte und lehnte sich in dem großen roten Stuhl zurück, in dem Doug sonst saß und über eine schwierige Passage in irgendeinem seiner Stücke nachdachte.

»Aber du hast doch Personal«, meinte Emmy.

Diana lachte bitter. »Nicht mehr. Du vielleicht?«

»Agnes ist immer da. Tagsüber hat sie außerdem noch eine Hilfe.«

»Wie kommt denn Justin ohne Diener zurecht?«

Mit leiser Verzweiflung, aber auch großer Zuneigung dachte Emmy an ihren Stiefvater; er war jetzt sechzig und wirkte immer noch so lebhaft und drahtig wie damals, als Diana und Emmy noch kleine Mädchen gewesen waren und ihre Mutter ihn nach ein oder zwei Jahren Witwenzeit geheiratet hatte. Sie mochte ihren Stiefvater. Trotzdem konnte einem seine sorglose Lebensart und seine ewig fröhliche Stimmung ganz schön auf die Nerven gehen.

»Du denkst sicher, daß wir uns mit unserem Geld leicht Personal leisten könnten«, unterbrach Diana trübsinnig ihre Gedanken, »Doug hat die letzten, ein Ehepaar, vorgestern nacht rausgeworfen. Er kam spät von den Proben nach Hause, und kein Mensch hatte daran gedacht, ihm Abendessen hinzustellen. Ich weiß nicht, was genau passierte, jedenfalls waren sie am nächsten Morgen weg. Ich war – oh, Emmy –, ich war mit Gil ausgewesen! Was meinst du, was sie machen? Die Pistole suchen?«

Dianas abrupter Themenwechsel konfrontierte sie augenblicklich wieder mit den gegenwärtigen Problemen. »Eine elende Prozedur«, meinte Emmy. »Ich weiß auch nicht, warum, aber es dauert ewig.«

»Prozedur?« Dianas Augen wurden hell und aufmerksam.

»Fingerabdrücke und Fotografien und – ach, ich weiß auch nicht. Es dauert eben seine Zeit«, wiederholte sie und wünschte, daß Sandy bald käme.

»Meine Fingerabdrücke sind überall«, sagte Diana.

»Das ist klar. Du wohnst ja schließlich hier.«

»Aber …«, plötzlich sah Diana den roten Fleck auf ihrem Ärmel. »Emmy, schau! Sie werden behaupten, daß ich es war.«

»Gibt es hier ein Waschbecken? Vielleicht haben sie es zwar schon gesehen, aber wir waschen den Fleck trotzdem raus.«

Diana sprang auf und lief zu einer Tür, die in einen kleinen Waschraum führte. Wasser rauschte. »Du mußt kaltes Wasser nehmen. Nur mit kaltem Wasser geht er ganz raus.«

Diana erschien wieder mit einem nassen Ärmel. »Das werden sie bestimmt sehen. Außer wenn es trocknet …«

»Hast du kein Handtuch?«

Di verschwand noch einmal.

In der Halle ertönte jetzt eine neue Stimme, neu oder zumindest näher; sie klang klar und bestimmt, jemand kam zum Arbeitszimmer. Es war Sandy.

»Di«, rief Emmy, »Sandy ist hier!« Sie lief zur Tür und öffnete sie.

Hinter Sandy sah Emmy kurz uniformierte Beamte, Männer in Zivil, heftige Aktivität in der Nähe von Gils Leiche. Sandy nahm ihre Hände, kam herein, stieß die Tür hinter sich fest zu und sagte: »Mein Gott, Emmy, schau doch nicht so verzweifelt. Du hast ihn ja schließlich nicht umgebracht!«

»Oh, Sandy!« Es war eine solche Erleichterung, ihn zu sehen, ihn zu hören, daß Emmy mit einem Schlag ihre ganze Fassung verlor. Sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter und versuchte, ihre Tränen zurückzuhalten. Sandy legte seine Arme um sie.

»Schon gut. Nimm’s nicht so tragisch, Emmy.«

Di erschien in der Tür zum Waschraum. Sie drückte ein Handtuch auf ihren nassen Ärmel.

»Ach, du bist es«, begrüßte sie ihn ziemlich kühl. »Ich dachte, es wäre Doug.«

»Doug ist noch nicht hier?« fragte Sandy über Emmys Kopf, der noch immer behaglich an seiner Schulter ruhte.

»Nein«, antwortete Di. »Wir finden ihn nicht. Was wirst du tun, Sandy?«

»Das weiß ich noch nicht. Was machst du eigentlich mit dem Handtuch da?«

»Blut abwischen«, erklärte sie so ruhig und teilnahmslos, als ob es sich um ein paar Spritzer Parfum handelte.

Sandys Arme schlossen sich fester um Emmy. Seine Stimme war plötzlich heiser. »Was willst du damit sagen?«

»Blut, ganz einfach Blut.«

Emmy hob ihren Kopf. »Sie suchte die Pistole. Wir dachten, sie läge vielleicht unter Gil … weil er sich vielleicht selbst erschossen hätte, und …«

Sandy zog sie zu dem roten Sessel. Dann nahm er Di das Handtuch ab, sah es genau an, ging in den Waschraum und untersuchte das Waschbecken. Als er zurückkam, sagte er: »Das war aber ziemlich dumm. Offensichtlich hat keine von euch vernünftig nachgedacht …«

»Ich habe die Polizei gerufen«, unterbrach Emmy ihn, »wirklich, das habe ich getan! Wir haben auch versucht, Doug zu erreichen. Und ich habe dich angerufen.«

»Gut, gut, jetzt setz dich hin, Di, und erzähl mir die ganze Geschichte von Anfang an. Und bitte möglichst schnell.«

Es ging keineswegs schnell. »Was machen denn die da draußen in der Halle?« schrie Diana verzweifelt.

»Sie tragen Gil weg. Wann ist es denn passiert?«

»Grauenhaft«, wimmerte Di, »alle Nachbarn werden auf die Straße stehen und zusehen.«

»Es waren nur ein paar Leute da. Ich hatte es eilig …«

»Reporter?« fragte Di scharf.

»Glaube ich nicht. Ich habe jedenfalls keine gesehen. Aber die werden schon noch kommen. Jetzt also …«

»Und gerade vor Dougs Premiere«, jammerte Di. »Wie entsetzlich. Werden sie die Premiere verschieben, Sandy? Was werden sie tun?«

»Ich habe nicht die leiseste Ahnung, was Doug oder sonst wer machen wird. Aber was ist hier eigentlich passiert? Und wann? Erzähl mir die ganze Geschichte und beeil dich, bitte!«

»Ich hab nur an Doug gedacht«, erklärte Di wehleidig. »Es ist das erste Stück von ihm, das den Broadway geschafft hat. Seit wir verheiratet sind, hat er so hart gearbeitet …«

»Vier ganze Jahre«, meinte Sandy kurz. Dann schien er aber seine Geduld wiedergefunden zu haben. »Emmy, dann erzählst du es mir eben.«

Schnell hatte Sandy gesagt: »Ich kam zu Di. Wir wollten zu einer Sitzung gehen …«

»Wegen dem Wohltätigkeitsball im Oktober«, warf Diana ein.

Sandy sah aus, als wollte er sie verprügeln. Seine sonst hellgrünen Augen waren fast dunkelgrau vor Wut. Schnell sprach Emmy weiter: »Und da klingelte ich, aber niemand machte auf. Dann kam Di, und Gil lag … lag auf dem Boden. Er war tot.«

»Woher wußtest du das?«

»Ich … ich habe seinen Puls gefühlt. Außerdem das viele Blut – man hatte ihm in die Brust geschossen.«

»Dann suchten wir die Waffe«, fuhr Di wieder dazwischen.

»Wir haben überall nachgesehen, aber Emmy hatte darauf bestanden, die Polizei zu rufen, deshalb hatten wir nicht viel Zeit.«

»Offensichtlich habt ihr sie nicht gefunden.«

»Nein«, gab Emmy zu. »Ich war gerade oben und wollte Dis Pistole suchen, als die Polizei …«

»Dis Pistole?« Sandy fuhr herum und fragte Di: »Du hast eine Pistole?«

»Ja, natürlich. Sie ist irgendwo oben. Ich weiß nur nicht genau, wo.«

Sandy sah sie einen Augenblick lang nachdenklich an. Dann sagte er: »Sie haben bis jetzt noch keine Waffe gefunden. Es hat zwar niemand behauptet, daß es Mord ist, aber die Mordkommission hat den Fall übernommen. Vielleicht wäre es nicht schlecht, Di, wenn du dein kleines Hirn in Bewegung setztest und dir überlegst, wo du deine Pistole hast.«

»Ich weiß! Ich weiß! Aber ich habe es nicht getan! Ehrlich, Sandy, ich war es nicht. Wenn doch nur Clarence Bigham hier wäre!«

»Das wäre mir auch lieber!« meinte Sandy kurz angebunden.

»Vielleicht könnte er dich wenigstens zur Vernunft bringen. Das heißt …«, er sah Diana ernst an, »du kannst sehr vernünftig sein, wenn du willst. Streng dich jetzt also bitte an. Ihr werdet beide verhört werden, das ist ganz klar. Erzähl mir alles, jede Kleinigkeit, die du gesehen oder gehört hast, einfach alles.« Abrupt brach Sandy ab und lauschte nach draußen.

Die Aktivität in der Halle schien sich verdichtet zu haben.

Emmy griff nach Sandys Arm. »Sandy, du übernimmst doch den Fall, oder?«

Sandys graugrüne Augen sahen sie durchdringend an. »Du glaubst nicht, daß sie ihn erschossen hat, nicht wahr?«

»Sie hätte weder ihn noch sonst jemand umbringen können. Wirklich, Sandy.«

Di huschte in einer Wolke aus rosa Seide zur Tür und blieb dort stehen.

Sandy holte tief Luft. »Okay, wenn du davon überzeugt bist, will ich mein Bestes tun.«

»Und wenn es zum Prozeß kommt?« fragte Emmy so leise, daß Di es nicht hören konnte.

Sandy überlegte kurz. »Wenn sie will, übernehme ich die Verteidigung.«

Diana hatte nichts gehört. Sie riß die Tür auf und rannte hinaus. »Doug! Ich dachte schon, du würdest überhaupt nicht mehr kommen. Oh, Doug, es ist so entsetzlich. Schick die Männer weg!«