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Eine Geschichte voller Leid und Hoffnung, Licht und Schatten, Menschen und Dämonen, aber vor allem um das Schicksal selbst. Ein paar Menschen an der Seite eines dämonischen Kriegers müssen die Vernichtung allen Seins verhindern. Und dabei mehr als nur über sich hinauswachsen. Freundschaft, Liebe, Mut und Tod. Wie nah diese doch immer beieinander liegen. Opferbereitschaft, der Wille, das unmögliche zu tun und eine Bindung, welche nicht nur Jahrhunderte, sondern auch Himmel und Hölle überwinden müssen. Haben die Protagonisten überhaupt eine Chance?
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Seitenzahl: 293
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Kurz vor Mittag. Er hatte gerade einen Passagier abgesetzt, da ging die hintere Tür von seinem Taxi auf und eine Frau um die 30 setzte sich auf seinen Rücksitz. Sie trug einen dicken Wintermantel und gab ihm den Zielort an. Eigentlich wie immer. Er machte sich Gedanken, denn der Ort, zu dem die Frau wollte, war ein leerer, sehr verlassener Ort und er fragte sie, ob sie wirklich diesen Ort als Ziel wolle. Da hörte er die Frau mit einer zittrigen Stimme eine Frage stellen. „Bin ich tot?“ Er drehte sich um und hat danach nie vergessen, wie er auf die leere Rückbank seines Taxi´s starrte, auf der gerad noch diese Frau in ihrem Wintermantel saß, von der nun jede Spur fehlte.
Recherche von Yuka Kudo (Japanische Studentin)
Mein letzter Blick fiel auf den Radiowecker, der 12:07 anzeigte, als sie ihre langen verrotteten Fingernägel in meinen Brustkorb stieß, während sie mit der anderen Hand meine Schreie erstickte. Ich fuhr aus dem Schlaf hoch und war froh, dass es nur ein Traum gewesen war – dann sah ich den Radiowecker auf 12:06 stehen und hörte, wie sich die Schranktür leise knarrend öffnete.
Unbekannt
Hab keine Angst vor Monstern, schaue vor dem Schlafengehen einfach überall nach. Kontrolliere den Schrank und das Bett, suche alle versteckten Ecken in deinem Zimmer ab, doch schaue niemals nach oben! Sie hassen es, angesehen zu werden.
Unbekannt
Oft werden Menschen als „am Rand der Gesellschaft lebend“ beschrieben, wobei dieser „Rand“ relativ sein sollte. 40 Bis 50 Jahre zurück und der Wille, sich dem Idealbild der Gesellschaft anzupassen, wäre bei einigen Menschen eventuell eine weniger gemischte Klarheit, da man damals noch das Gefühl hatte, das die Weltverbesserer und die Ausbeuter eine ausgewogene Popularität auf der Welt anstrebten, doch das mediale Echo der heutigen Zeit suggeriert eine Zunahme von abnormalen Handlungsfolgen, welche jedoch durchaus zu finanziellem und medialem Erfolg führen. Wir leben in einer Zeit, in der Heldentaten wie uneigennütziges Denken und Handeln und zum Beispiel der Drang zur Erhaltung kultureller und natürlicher Lebensräume von Terror, Machtgier und Finanzwesen überschattet werden. Die heutige Gesellschaft hat sich funktional und effizienzsteigernd entwickelt, wobei sich die Hierarchie der Klassen nicht sonderlich verändert hat im Laufe der Geschichte. Die Arbeiter dienen den Erhabenen und deren direkten Untergebenen, um den Erhabenen das Leben zu erleichtern und ihren Ruhm, wirtschaftliche Mittel und Prestige stetig zu erhöhen. In dieser Zeit ist es sogar so, das die Arbeiter ihre Erhabenen durch Fortschritt, Technik und sogar Fanatismus auf so hohe Podeste heben, das selbst Neil Alden Armstrong bei seinem Weltraumspaziergang hätte nach oben blicken müssen, um das Ende ihrer Erhabenheit zu betrachten. Aus Sicht eines einzelnen Individuums ist diese Gesellschaft zur Nächstenliebe und Aufopferung bereit, solange eine Gegenleistung erbracht wird oder mediales Interesse daraus hervorsticht. Wenn der „Rand der Gesellschaft“ bedeutet, das man nicht tausenden von sozialmedialen Göttern huldigt, dann ist dieser „Rand“ für mich durchaus im möglichen der Akzeptanz.
Jonny K, 2017
Ich habe mit dieser Geschichte vor ungefähr 14 Jahren begonnen. Anfangs war es eine kurze Erzählung über einen Dämonischen Wächter und einen menschlichen Wirt, welcher Prüfungen bestehen musste, um zu überleben. Sechs Jahre später beschloss ich, diese Geschichte auszuweiten und den Figuren und Handlungen mehr Leben einzuhauchen. Es ist mein erster Versuch, eine Geschichte zu erzählen. Meine Intention, solch eine Geschichte zu schreiben, lag daran, das ich mich oft aufregte über ewig lange Landschaftsbeschreibungen und Nebenhandlungsstränge, welche ich zur damaligen Zeit oftmals nur überschlagen habe. Erst als ich anfing, selbst zu schreiben, merkte ich, das es oftmals von Nöten ist, ein klares Bild zu geben und daher auch viele Einzelheiten einzubauen. Ich habe versucht, die einzelnen Zyklen dieser Geschichte ineinander zu verweben und diverse Handlungsstränge aus multiplen Ansichten heraus zu zeigen, um ein Kuriosum von Gedankenspielen zu erschaffen. Ob mir das gelungen ist, müssen Sie als Leser entscheiden. Es ist mein erster Versuch, fiktive Figuren entstehen zu lassen, diese in einer Erzählung gedeihen zu lassen und im Laufe der Zeit einen Zugang im Inneren des Lesers zu schaffen, in dem die Figuren zumindest in der Erinnerung an eine unterhaltsame Zeit überdauern. Ich hoffe, Sie fühlen sich durch mein Werk unterhalten.
Danke für ihr Interesse.
Seite 9
„Euer Gott hat nichts damit zu tun!“
Seite 19
„Du hast ihn getötet, du Schwein!“
Seite 29
„Die wahre Geschichte seiner Selbst!“
Seite 39
„Lauf doch endlich!“
Seite 35
„Das alte Wissen unseres Volkes!“
Seite 48
„Haben Dämonen eigentlich Hintern?“
Seite 58
„Ist doch so, oder?“
Seite 62
„Aber das Radio bleibt aus!“
Seite 69
„Seid gegrüßt!“
Seite 79
„Was seid ihr denn für ein Volk?“
Seite 84
„Hat hier jemand einen Tisch bestellt?“
Seite 93
„Mögen die Ahnen dir Juckreiz bescheren!“
Seite 97
„Hätte ja klappen können!“
Seite 103
„Auf der dunklen Seite!“
Seite 111
„Ich dachte schon, du fragst nie!“
Seite 118
„Halte durch!“
Seite 122
„Rette den Wächter!“
Seite 127
„Haben wir es geschafft?“
Seite 135
„Ist das dein Spielkeller?“
Seite 140
„An einer Kreuzung links!“
Seite 145
„Was willst denn damit sagen?“
Seite 151
„Du dämonischer Heuchler!“
Seite 167
„Unter dem Schutz von Mikezilla!“
Seite 172
„Was ist ein Olymp?“
Seite 177
„Dann sterben wir doch mal ´ne Runde!“
Seite 195
„Total tote Hose in der Ewigkeit!“
Seite 201
„Kämpfe, Jack!“
Seite 206
„Was soll` s!“
Seite 217
„Nenn` sie nicht so!“
Seite 226
„Haltet sie auf!“
Seite 234
„Kämpft mit uns!“
Hier war was los. Diese Vielfalt an Zelten war schon beinahe erdrückend. Tausende von Menschen, schillernd, manche im Frühling ihres Lebens, manche im Herbst ihres Lebens, im Anzug oder in Jeans, übersät mit Aufnähern und Stickern, manche auch nur in Unterwäsche, ein paar wenige sogar ganz ohne Kleidung und einige augenscheinlich auch ohne messbare Hirnfunktion, es war einfach alles vorhanden. Der Rasen war total matschig und zertreten von hüpfenden und wild pogenden Leuten, die zu der Rockmusik, welche ihnen von der großen Bühne aus entgegen schallte, total abgingen.
Alle schrien die Texte mit und sprangen ein ums andere Mal so hoch, wie es nur ging, Mädchen saßen auf den Schultern ihrer Freunde, lupften ihre Blusen, vergaßen dabei anscheinend, das sie ihre BH´s erst kurz zuvor auf die Bühne geworfen hatten und präsentierten den umstehenden Fans und den Musikern auf der Bühne ihren blanken Busen, wobei von der Größe zarte Zitrone bis hin zu genmanipulierten Wassermelonen alles dabei war, bei Balladen wurden Feuerzeuge zu hunderten angezündet, Wunderkerzen brannten lichterloh und Handytaschenlampen holten das letzte aus ihren Akkus heraus.
Sein Kopf dröhnte schon vor lauter Musik und vielen ging es wahrscheinlich genauso, doch sie alle hielten eisern durch. Es war schon der dritte Tag des Rockfestivals und gerade verließ die Vorgruppe die Bühne, als der Himmel anfing sich zu verdunkeln. Wenn es heute noch regnen würde, wäre es für viele ein willkommenes Nass, denn 3 Tage in der brütenden Hitze mit tausenden alkoholisierter Menschen, auf einem Feld, welches inzwischen nur noch aus Schlamm bestand, sind kein Hochgenuss. Dagegen wäre eine Woche in einem indianischen Tipi gefangen mit 100 Stinktieren und 20 aktiven Heizungen wahrscheinlich ertragbarer. Als Nächstes kam die Band, auf die er sich am meisten freute. Eine Band, welche gerade mal 2 Titel ausgekoppelt hatte, wovon beide sofort auf Platz 1 der Charts schossen. Heute wollten sie ihr ganzes Repertoire vorstellen. Die Gruppe nannte sich „Cell in a Hell“ und spielte eine Mischung aus Independent und mittelalterlichem Gothic Rock. Er hatte ein Interview im Fernsehen verfolgt und kannte daher ihre Namen.
Sie hatten 2 Frauen, Judy und Glenn, in der Gruppe, diese spielten Dudelsack und Querflöte. Viele mittelalterliche Gruppen nutzen diese Instrumente, das war also wohl nichts Besonderes, wobei eine Dudelsack spielende Frau wohl schon um einiges seltener ist. Der Sänger Mike, Schlagzeuger Ted, der Bassgitarrist Brad, der E-Gitarrist John und der Keyboarder Michael sahen alle ziemlich gleich aus. Lange, blutrote Haare, die Augen dunkel geschminkt und ebenfalls blutrote Mäntel, welche fast bis zum Boden reichten. Die Frauen trugen Rot und Schwarz.
Sie hatten lange, lilafarbene Haare mit einem leichten Rotstich und unter ihren schwarzen Langröcken blitzte dunkelroter Samt hervor, passend zu ihren roten Blusen. Der einzige, der total aus der Reihe fiel, war Ted, der Schlagzeuger. Er wirkte neben den anderen sogar etwas surreal. Wie eine Mischung aus Gene Simmons, dem Sänger von Kiss und Pipi Langstrumpf. Soweit er sehen konnte, trug er einen weißen Anzug und hatte dazu auch noch eine weiße Maske auf, auf der mit einem roten Stift Augen, Nase und Mund gezeichnet wurden. Dazu dann noch 2 Zöpfe, welche zu den Seiten abstanden, der linke gefärbt in Blutrot, der rechte in Neongrün. Die Geräte und Instrumente waren allesamt mit Plastikfolie überzogen. Ein lautes: „Willkommen!“, ins Mikrofon gebrüllt vom Sänger Mike sorgte für einen gigantischen Aufschrei der Fans. Und da spielten sie auch schon los. Ihr Hit „Wasser für eine durstige Seele“ sorgte dafür, das einige jüngere Damen sich wohl dazu genötigt fühlten, ihre Lungen überzustrapazieren und in den wildesten, schiefen Tönen kreischten und die Herren der Schöpfung anfingen, wie wild im Kreis zu hüpfen. Manche taten auch beides.
Das besondere Bühnenspiel bestand darin, das sie anstelle von Pyroeffekten, Wasserspeier und Gartenschläuche aktivierten. Die ganze Bühne stand unter Wasser und die Bandmitglieder, sowie die Fans trieften vor kühlem Nass. Jetzt war ihm auch klar, warum alles mit Folie abgedeckt war. Gerade wollten die Helfer mit den Wasserschläuchen auf die Zuschauer spritzen, da durchzog ein lautes Pfeifen die Luft, doppelt so laut wie die Musik und im nächsten Moment sah man, wie die Bühne von einem grellen Blitz getroffen wurde. Es donnerte und knallte, die Helfer wurden im hohen Bogen von der Bühne geschleudert und die Gruppe blitzte in einem hellen Schein auf, bevor sie lichterloh brannte.
Die ganze Bühne fing Feuer, da schien auch das Wasser nicht zu helfen. Die Menschen schrien in Panik auf, ein Mädchen musste sich neben ihm übergeben, da einer der Helfer vor ihren Füßen landete und dort rabenschwarz und verkohlt liegen blieb. Er wollte gerade wegrennen, da glaubte er seinen Augen nicht zu trauen. Der Bereich, an dem die Bühne stand, brannte immer noch lichterloh doch in der Mitte bewegte sich etwas. Die Mitglieder der Band standen mitten im Feuer. Dann liefen sie in Richtung der Menge nach vorne und traten aus dem Inferno, als wäre überhaupt nichts passiert. Ihre Haare, ihre Kleidung, nichts hatte das Feuer etwas anhaben können. Sie standen mitten auf dem Platz, umgeben von unzähliger Menschen, die wie er als schaulustige Gaffer geblieben waren und hatten nicht eine Schramme, nicht einen Kratzer, nicht eine Verbrennung, während alles hinter ihnen in Flammen aufging und in sich zusammenfiel. Das war entweder der größte Zaubertrick in der Geschichte der Menschheit oder ein überaus realer Traum, in dem er sogar das erbrochene und den verkohlten Leichnam vor ihm riechen konnte.
Die Polizei und die Feuerwehr ließen nicht lange auf sich warten und auch die anwesenden Reporter haben alles mit der Kamera aufgezeichnet. Nach nur circa fünfzehn Minuten war der gesamte Ort abgeriegelt und die Gruppe wurde umringt von dutzenden Leuten mit Mikrofonen verschiedenster Radio- und Fernsehsender. Langsam schlich er sich ein wenig näher ran und quetschte sich zwischen den Reportern hindurch, um noch mehr mitzubekommen. Dann jedoch erschrak er so sehr, das er sich rücklings direkt auf den Hosenboden setzte.
Der Bassist schaute ihn direkt an und er sah in seinen Augen keine Pupillen, sondern kleine, schwarze Krähen, welche sogar mit den Flügeln schlugen. Dann sah er auf zu den anderen. Alle starrten ihn an, womöglich da er sich so lautstark erschrocken hatte. Er merkte erst jetzt, dass er zwei Reporter mit umgestoßen hatte bei seinem nicht sehr eleganten Fall gen Boden. Alle aus der Gruppe hatten diese Augen. Alle, außer dem Drummer. Die Maske, welche er trug, schien irgendwie mit seinem Gesicht verschmolzen zu sein, jedoch bewegten sich die Augen und der Mund, die vorher nur aufgemalt waren jetzt wie echte, zu ihm gehörende Teile. Durch die ganzen Blitzlichter der Fotografen wirkte das ganze noch erschreckender. Die Reporter fragten alle wild durcheinander, doch als er sich erhob, schrie einer: „Das ist ein Wunder. Und ihr erkennt es nicht einmal. Diese Gruppe wurde von Gott beschützt.“ Daraufhin drehte sich der Sänger Mike zu dem Mann um und sagte vor laufender Kamera: „Euer Gott hat damit nichts zu tun.“ Dann wurde die ganze Gruppe von einem hellen Licht umhüllt und als alle um sie herum, ihn eingeschlossen, die Augen schließen mussten, da man das Gefühl hatte, sonst würden einem die Augäpfel herausbrennen, sind sie einfach verschwunden.
Die Menschen standen einige Zeit einfach nur da und starrten fassungslos auf den leeren Fleck, an dem gerade noch sieben Menschen gestanden haben, welche erst ein Feuer überlebten und dann Sachen in ihren Gesichtern hatten, die man einfach nur als unfassbar beschreiben konnte. Als plötzlich ein paar angetrunkene Metaller riefen: „Was für eine geile Show! Hier kommen wir nächstes Jahr wieder her!“ regten sich die Leute wieder und während einige kopfschüttelnd und wie in Trance den Bereich verlassen wollten, rannten einige in Richtung ihres Ü-Wagens, um die Nachrichten an die Redaktion zu übermitteln.
Doch alle wurden von dutzenden eintreffender Polizisten aufgehalten, welche sie erst gehen lassen wollten, wenn alle Aussagen zu Protokoll genommen wurden. Einige Reporter versuchten durch Bestechung raus zu kommen, andere deuteten auf ihren Bekanntheitsgrad und das es rechtswidrig wäre, sie festzuhalten, doch es nützte niemandem etwas. Die Polizisten bestanden auf sämtliche Aussagen. Als dann auch noch ein paar Männer in schwarzen Anzügen in Regierungswagen anrückten, war die Menge nicht mehr zu halten. Es wurden die wildesten Theorien aufgestellt, von Außerirdischen, über halluzinogene Drogen, bis hin zu der biblischen Komponente. Die einen meinten, da es sieben sind, ist es ein Zeichen Gottes und sie stehen für die sieben Tugenden in Form von Mäßigung, Gerechtigkeit, Liebe, Glaube, Hoffnung, Tapferkeit und Klugheit. Aufgrund der Aussage des Sängers waren viele dagegen und sprachen eher von den sieben Lastern, der Trägheit, der Wollust, dem Stolz, dem Zorn, dem Neid, dem Geiz und der Völlerei.
Ein anderer war davon überzeugt, das es sich um einen alten, römischen Zauber handeln würde. Bei den Römern war, laut seiner Aussage, die Zahl Sieben dem Gott Neptun gewidmet und immerhin ging es bei Gruppe ja um Wasser. Als dann noch jemand sagte, das es ausgerechnet sieben seien, läge daran, dass Gott uns vorbereite auf das Ende der Menschheit, denn in weit vergangenen Zeiten stand die Sieben für die Himmelskörper, deren Bewegung man am Nachthimmel verfolgen konnte, die Sonne, der Mond, Merkur, Venus, Jupiter, Saturn und Mars.
Alles andere wurde erst später entdeckt und aus dem Grund hielt man wohl auch die Erde für das Zentrum des Universums und als er sagte, das es eine Botschaft Gottes sei und die Sieben geschickt wurden, um uns für unsere Sünden zu bestrafen, gingen alle wie wild verbal aufeinander los. Der Streit eskalierte und die Polizisten hielten es für besser, alle mit zum Revier zu nehmen und die Aussagen einzeln aufzunehmen. Sie wurden nach und nach mit Bussen abgeholt und auf dem Polizeirevier regelrecht zusammengepfercht. Die Aussagen der Reporter wurden zuerst aufgenommen, dann die der Veranstalter und Standbetreiber und zum Schluss kamen die „normalen“ Besucher dran. Es dauerte ganze 6 Stunden, bis er endlich in einen Raum gebracht wurde, in dem ein Polizist sichtlich genervt an einem Computer saß und auf einen Stuhl vor seinem Schreibtisch deutete.„Kommen sie rein und setzen sie sich auf den Stuhl.“ Der Beamte war angefressen, aber was dachte er, wie es den Wartenden nach 6 Stunden geht? „Haben sie auch eine Ansammlung von Menschen gesehen, die aus dem Feuer traten und dann Raben auf den Gesichtern hatten?“, fragte er. „So ähnlich. Es waren sieben Mitglieder einer Band, die aus den Flammen traten, als die Bühne abbrannte und es waren keine Raben, aber ich denke, ihnen alles zu erzählen, würde mich einer Zwangsjacke nahebringen, deshalb schreiben sie, ich denke, es waren Drogen in den Getränken und es gab eine Art von Massenhalluzination oder so etwas. Das spart Ihnen Nerven und mir den Psychiater.“
Der Beamte schien damit einverstanden zu sein, denn er tippte zwei Sätze, druckte es aus, gab es ihm und drückte dazu noch einen Stift zum Unterzeichnen in die Hand. Er las „Stand vermutlich unter Einwirkung illegaler Drogen, habe nichts gesehen.“ Er unterschrieb den Wisch, denn er wollte einfach nur nach Hause, sich hinlegen und mit Tabletten zudröhnen, um die heftigen Kopfschmerzen loszuwerden, die ihn schon seit mehreren Stunden plagten. Zu Hause angekommen, verleibte er sich auch gleich zwei Aspirin und ein Glas Wasser ein und setzte sich auf sein Sofa. Da es mittlerweile schon eine automatische Reaktion war, den Fernseher einzuschalten, wenn er sich auf die Couch setzte, tippte er, ohne es großartig zu registrieren, auf die Knöpfe der Fernbedienung. Dann schlief er erschöpft an Ort und Stelle ein. Irgendwann wurde er jedoch unsanft geweckt, durch ein lautes Geräusch, welches aus dem Fernseher an sein Ohr dröhnte. Es war eine Explosion und einen Blick zur Uhr später wusste er, das es bereits 23 Uhr war und dachte, da läuft jetzt bestimmt wieder so ein sinnloser Actionfilm. Es folgte die Umschaltung auf einen anderen Kanal, doch sah er dort die gleichen Bilder wie auf dem zuvor. Auch der dritte Kanal zeigte das gleiche, was ihn dazu brachte, etwas näher hinzuschauen. Es war kein Actionfilm, sondern Sondersendungen mit aktuellen Nachrichten, welche auf allen Kanälen gleichzeitig liefen. Da. Wieder eine Explosion.
Man sah Polizisten und Soldaten, Einsatzfahrzeuge und Panzer, welche eine Straße lang fuhren, während um sie herum alles explodierte und in Flammen aufging. Dann schwenkte die Kamera auf das andere Ende der Straße und er konnte nicht glauben, was die Kamera dort aufnahm. Mitten in der Luft schwebte eine Person und feuerte Flammenstöße und Feuerbälle in Richtung der anwesenden Menschen. Hunderte flohen und viele verbrannten bei dem Versuch, die Straße zu überqueren, um zu ihren Liebsten zu kommen. Er hockte sich direkt vor den Fernseher, in der Hoffnung, mehr Einzelheiten sehen zu können und zu seiner totalen Verwirrung tat man das dann auch.
Man konnte die schwebende Person ganz deutlich erkennen. Sie trug einen weißen Anzug, die Zöpfe wehten um den Kopf und die Maske war verzogen zu einer ekelhaften Fratze. Es war Ted, der Drummer der Band, die viele heute als Phönixe aus der Asche emporsteigen sahen. Plötzlich drehte sich dieser Typ direkt zur Kamera und feuerte einen Feuerball aus seinen bloßen Händen darauf ab. Dann sah er nur noch rieseln und fiel rücklings zu Boden, wo er erst einmal durchatmen musste und mit seinem Verstand darüber diskutierte, ob das gerade gesehene wirklich geschehen ist, oder ob die Fernsehsender ihre eigene Special – Effekt – Show daraus machten, um Profit aus dem vermeintlichen Wunder zu schlagen. Gerade wollte er wieder aufstehen, da hörte er ein Knistern in seinem Fernseher und nur eine Sekunde später zerbarst die Scheibe mit einem lauten Knall und ein Feuerball flog aus dem Gerät direkt über seinen Kopf hinweg in die Vorhänge, welche gleich Lichterloh brannten. Sein Gehirn arbeitete so schnell, das er selber nicht verstand, was er da dachte.
Waren es doch Drogen, die für Halluzinationen sorgten und gerade auf dem Höhepunkt angekommen schienen, oder verliert er einfach nur den Verstand, aufgrund der Dauerbeschallung seiner Gehirnzellen durch laute Gitarrenklänge und Bässe? Doch dann spürte er eine sehr reale Hitze, die von den lodernden Flammen in seine Richtung schlug und realisierte, das es sich nicht um eine Sinnestäuschung handeln kann. Gerade tropfte das Feuer auf den Parkettfußboden, welcher nicht lange brauchte, um sich dem bunten Treiben um Wärme und Glut anzuschließen, da vernahm man von draußen Schreie und wilden Tumult.
Er rannte zur Tür und wieder kam er sich vor, wie in einer schlechten Halluzination, nur das diese Wahnvorstellungen vom Meister des Horrors höchst selbst inszeniert worden sein müssen. Er sah auf der Straße hunderte von Leuten, unter anderem seine eigenen Nachbarn, welche panisch herumrannten, sah Feuer aus Fenstern emporschießen und aus einigen stießen sich sogar Menschen, deren Wohnung lichterloh brannte und die wohl nicht mehr zur Tür kamen. Auf dem Gehweg lagen verbrannte Leichen und Hilferufe aus allen Ecken drangen an sein Ohr. Anscheinend hat das Phänomen nicht nur bei ihm stattgefunden, sondern in ziemlich jeder Wohnung, in denen die Menschen einen Fernseher besaßen und einige hatten wohl nicht das Glück, dem Feuerball auf seiner Flugbahn nicht im Weg zu stehen. Überall roch es nach verbranntem Menschenfleisch, teilweise brannten noch Leichen auf den Rasen vor den zerborstenen Fenstern, aus denen sich Hilfe suchende stürzten, nachdem sie lichterloh brannten. Von weitem hörte man Sirenen, man sah in alle Richtungen nichts als brennende Gebäude und von überall stieg Rauch auf.
So manch einer würde ihn wohl als geisterhaftes Wesen bezeichnen, welches auf unserer Erde wandelt, um Rache zu nehmen, andere würden vielleicht sagen, er sei eine Art dämonischer Vollstrecker. Jedoch ist er mit absolut nichts von Beidem zu vergleichen. Wenn man ihn beschreiben sollte, würden viele wohl als Erstes mit seiner imposanten Erscheinung anfangen. Er ist fast zwei Meter groß, hat lange, pechschwarze Haare und kleidet sich komplett in schwarzem Leder.
Eine schwarze Hose, hohe, schwarze Stiefel, einen schwarzen Mantel, welcher fast bis zum Boden reicht und auf dem in großen, blutroten Buchstaben das Wort „Justice“ steht. Allerdings keine Kleidung wie die, welche man bei seinem Schneider ersteht, oder im Kaufhaus an der Ecke, sondern modrige, halb zerfetzte Lumpen, welche von seinem Körper hängen, als hätte er sie seit 2000 Jahren nicht gewechselt. Viele berichten von einem Mann in voller Lederkluft, welcher aussah, als würde er gerade mitten aus einer Explosion kommen. Einige mögen diese Gestalt wirklich schon gesichtet haben, doch niemals hat wohl jemand zuvor sein Gesicht gesehen.
Nicht, weil er nur von hinten oder aus der Ferne gesehen wurde, sondern weil sein Antlitz unter einem schwarzen Rauch verborgen ist. Es sieht fast so aus, als würden sich lebendige Schatten davor platzieren, um sein Gesicht zu verstecken. Das erste Mal tauchte er in Überlieferungen alter, indianischer Stämme auf. Vier reiche Gutsbesitzer wollten damals ihre Gebiete ausbauen und vertrieben ein paar indianische Einwohner von deren Land. Einen Tag später fand man alle vier als Leichen vor dem städtischen Saloon. Drei von ihnen fanden den Tod durch jeweils eine silberne Klinge ohne Griff, welche tief in ihren Kehlen steckte. Der Vierte war in mehreren Teilen vor dem Saloon verstreut. Sein Kopf wurde auf einem Stab aufgespießt, die Arme und Beine klebten in Form eines Kreuzes darunter. Der Rumpf wurde in Stücke geschnitten und auf der Straße verteilt, wo schon die Hunde sich gierig darüber hermachten und mit unzähligen Horden von Maden um das beste Stück rangen.
Mit dem Blut der Opfer war immer wieder das Wort: "Justice" an die Wand des Saloons geschrieben worden. Danach zogen sich immer wieder Augenzeugenberichte quer durch die Geschichte, bei der einige einen Mann komplett in Schwarz gesehen haben wollen, wenn irgendwo ein Tatort auftauchte, an dem die Leichen zerstückelt waren und an der Wand das Wort in Blut geschrieben stand. Die Geschehnisse des Festivals gingen vor über einem Jahr durch sämtliche Pressen des Landes, jedoch nahm sie kaum einer für bare Münze. Flammen aus einem Fernsehgerät und dämonische Musiker.
Was für ein Humbug. Auch zwei Freunde, welche davon aus der Zeitung bei einem Bierchen im Garten lasen, amüsierten sich damals über die Leichtgläubigkeit der Menschen und die Wirkung von Drogen auf die breite Masse. Es lag lange zurück und bis zu diesem Abend hatten die beiden nicht mehr daran gedacht, doch ab diesem besonderen Tag sollten sie ihre damaligen Meinungen zu Dämonen und deren übersinnlichen Angriffen noch einmal grundlegend überdenken. "Hey, Jonny! Herzlichen Glückwunsch! So, das förmliche haben wir damit erledigt. Wo bleiben die Getränke?" Das waren die Worte von Mike Greek, seines Zeichens Skorpion, treibender Unruhestifter, Plappermaul und bester Freund von Jonny Paxon. Mike war ein wahrer Hitzkopf, stürmte immer schnell nach vorne, ohne darüber nachzudenken und gerade diese Eigenschaft brachte beide immer wieder in Schwierigkeiten, da er meistens einfach sagte, was er dachte. Manchmal sagte er allerdings auch viel, ohne vorher nachzudenken. "Sag mal, Jonny, wie tief musstest du unserem Chef eigentlich in den Allerwertesten kriechen, um diesen Job zu kriegen? Ist da vielleicht auch noch Platz für mich?" Jonny streckte ihm seinen Hintern entgegen und erwiderte: "Du kannst mit meinem Allerwertesten anfangen, immerhin bin ich jetzt dein Vorgesetzter."
Mike machte einen förmlichen Knicks. Er war ein breit gebauter Bursche, gerade mal 1,68 Meter hoch, mit dunklen Haaren und dem leichten Ansatz einer Glatze. Sie störte ihn sehr, immerhin hatte er gerade mal die 30 überschritten. Bei der Geste sah er ein bisschen aus wie Schweinchen Dick, wenn er gerade dringend auf die Toilette muss. "Möchte euer Ehren, eure göttliche Eminenz, der König von Bescheidenheit vielleicht einen Drink von einem unterwürfigem, kleinen Diener entgegennehmen?" Dann ging er, ohne die Antwort abzuwarten direkt zur Bar, um ein paar Gläser Bourbon zu bestellen.
Jonny beschloss, sich eine Zigarette zu gönnen, bemerkte dann, das er sie im Wagen vergessen hatte und ging nach draußen, um diese zu holen. Als er an seinem Auto stand und die Tür aufschließen wollte, hörte er plötzlich ein paar Stimmen aus Richtung eines alten Schuppens. Mit einem Mal wurde die laue Abendluft zerrissen durch einen lauten Aufschrei. "Du hast ihn getötet, du Schwein!" Jonny erschrak, doch nicht nur, aufgrund des gerade gehörtem, er spürte eine Präsenz, etwas so starkes, das er überall am Körper eine Gänsehaut bekam. Er wollte sich dagegen wehren, doch was immer es war, es zog ihn in Richtung des Schreis. Hinter einem nahe gelegenen Schuppen entdeckte er mehrere Männer. Einer lag am Boden, in seinem Bauch steckte ein großes Messer. Vier weitere Männer standen in einem Kreis um einen anderen herum. Dieser umzingelte Mann wirkte auf eine verblüffende Weise surreal. Ganz in Schwarz gekleidet, überragte er die anderen um mindestens einen Kopf.
Jonny konnte ihn von der Seite aus sehen und es sah aus, als habe er vorm Gesicht irgendein wehendes, schwarzes Tuch. Die anderen waren normal gekleidet, jedoch sah man bei Zweien, das sie Schusswaffen am Gürtel trugen. Die anderen beiden hatten keine erkennbaren Waffen. Dann passierte es und Jonny schwor, das es innerhalb von Sekundenbruchteilen geschehen sein muss. Der in Schwarz gekleidete Mann zog urplötzlich zwei kleine, metallene Gegenstände unter dem Mantel hervor, streckte mit Wucht die Arme nach rechts und links aus und stach die Objekte den beiden unbewaffneten Widersachern direkt in die Stirn, woraufhin diese wie nasse Säcke zu Boden sanken.
Jonny lief im Gesicht weiß an und anscheinend waren auch die anderen Männer wie versteinert. Doch dann zog einer seine Waffe und schoss auf den Mann in Schwarz. Dieser stand in dem Moment zwischen den beiden übrigen und hätte Jonny auch nur eine Sekunde geblinzelt, hätte er wahrscheinlich alles verpasst, denn innerhalb dieser einen Sekunde lagen beide Angreifer tot am Boden. In dem Moment, in dem der Abzug betätigt wurde, warf sich der Mann in Schwarz mit dem Oberkörper komplett nach hinten. Er bewegte sich so schnell, dass man es kaum sehen konnte. Die Kugel streifte seine Nasenspitze und schlug dann mitten im Gesicht des anderen Mannes ein. Während dieser zusammensackte, beugte sich der schwarze Mann noch weiter nach hinten und griff sich über Kopf die Pistole, welche noch in dem Gürtel des getroffenen steckte, richtete sich blitzschnell auf und schoss dem Anderen sechs Kugeln mitten in die Stirn, woraufhin auch dieser eine liegende Position bevorzugte.
Er war vor Schreck total erstarrt, wer wäre das wohl nicht. Er hatte Angst, wollte zu seinem Wagen zurückzugehen. Doch er konnte sich nicht umdrehen, irgend etwas hinderte ihn daran. Sein Blick war immer noch starr auf diese Gestalt gerichtet, während sein Gehirn versuchte, das eben gesehene zu verarbeiten, doch nichts von dem, was er dachte, hätte auch nur im entferntesten einen Sinn ergeben. Plötzlich schien sich die Gestalt langsam in Luft aufzulösen. Es sah aus, als würde er von einem riesigen Schatten verschlungen werden und im nächsten Moment war er einfach im Nichts verschwunden. Nur die Leichen lagen noch auf dem Boden. Jonny zweifelte an seinem Verstand. Hatte er das wirklich gerade beobachtet? War das wirklich gerade so geschehen? Er zweifelte gerade an seinen Augen, da bekam er urplötzlich höllische Kopfschmerzen und hörte eine düstere, donnernde Stimme in seinem Kopf, als würde die Person direkt neben ihm stehen und durch ein Megafon sprechen.
"Wer das Gesetz des alten Blutes missachtet, dem
wird die Bestrafung des Schattenwächters zuteil.
Wir sehen uns wieder.“
Dann verstummte die Stimme und die Kopfschmerzen ließen nach. Er war immer noch starr vor Schreck. "...des alten Blutes... Bestrafung... Schattenwächter..." Diese Worte wiederholten sich immer wieder in seinen Gedanken. „...werden uns wiedersehen...“ Er stand wohl eine ganze Weile so da, er konnte nicht sagen, wie lange genau und starrte einfach nur auf die Leichen. "J, wir haben dich schon überall gesucht." Es war die Stimme von Mike. Jonny versuchte ihm irgendwie zu erzählen, was er gerade erlebt hatte, doch sein Freund gab ihm klar zu verstehen, das er von dem ganzen wirren Gestammel absolut gar nichts verstand.
Also zog er ihn einfach in Richtung der Leichen. Als dieser die Leichen sah, wurde er kreidebleich und musste sich auf der Stelle übergeben. Jonny beschloss, die Polizei zu rufen, welche etwas später auch dort eintraf. Er hielt es für klüger, ihnen zu erzählen, dass er die Leichen so gefunden habe. Hätte er ihnen die Wahrheit gesagt, wäre er wahrscheinlich erst einmal in einer Einrichtung für psychisch gestörte Mitbürger untergebracht worden. Nachdem beide auf der Polizeiwache ihre Aussagen gemacht hatten, fuhren sie mit einem Taxi zu Jonny´s Wohnung.
Dort setzten sie sich und er begann, alles zu erzählen, was er hinter dem Schuppen beobachte hatte. Jedoch beschlich ihn das Gefühl, das Mike ihm nicht ein Wort glaubte. "Unglaublich, was so ein paar Gläser Bourbon ausmachen können. Vielleicht sollten wir auf Wein umsteigen, damit wir weiße Weiber sehen, statt schwarzer Kerle." Mit diesen Worten stand Mike auf und zog sich seinen Mantel an. "Ich werde jetzt nach Hause fahren und versuchen, diese Bilder aus dem Kopf zu kriegen. Wir sehen uns Morgen auf der Arbeit. Und du schläfst jetzt erst einmal deinen Rausch aus." Jonny brachte ihn noch zur Tür und setzte sich dann an seinem Computer. An schlafen war nicht zu denken. Er versuchte etwas über diese mysteriöse Gestalt im Internet zu finden. Nach zwei Stunden erfolgloser Suche landete er auf einer Seite über Okkultismus und alte Götter. Unter einem Link zum Thema Schattenritualen wurde er fündig. Dort ging es um einen sogenannten Schattenwächter. So ein Schattenwächter war nach alten Überlieferungen indianischer Stämme ein Dämon, welcher gerufen wurde, um Feinde des Volkes heimzusuchen und hinzurichten.
Um ihn zu rufen, musste man, laut der Überlieferung, ein uraltes Ritual namens "Fluch des Blutes" durchführen, in dem Stammesrelikte und diverse Opfergaben eine Rolle spielten. Jonny suchte nach einem Hinweis, der ihm helfen sollte, sich gegen diese Gestalt zu wehren, falls das erlebte tatsächlich alles real war. Doch das einzige, was er unter dem Begriff "Aufhebung des Fluches" fand, ergab nicht den geringsten Sinn.
„Aus dem Fluss des Blutes entsteigt der Nachfahre des Henkers.
Aus dem Fluss des Lebens entsteigt der Rächer der Seelen.“
Er schrieb es sich auf, auch wenn die Bedeutung sich ihm genauso wenig erschloss, wie die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens oder warum sich so viele Menschen dafür interessierten, das ein Huhn über die Straße geht. Jonny entschied sich, erst einmal eine Nacht über das ganze zu schlafen und ging in Richtung seines Schlafzimmers. Was dann geschah, hat einen bleibenden Eindruck auf seiner Seele hinterlassen. Er war auf dem Weg in sein Schlafzimmer und lief er an seinem Spiegel vorbei. Es war ein großer, ovaler Spiegel aus dem Haus seiner Mutter, mit einem silbernen Rand und kleinen Metallfiguren drumherum. Er sah sein Spiegelbild, diesen großen, schlanken Kerl in den Dreißigern, mit seinen mittellangen blonden Haaren und den blauen Augen, dem er jeden Morgen vor diesem Spiegel die Haare kämmte und fing unweigerlich an zu grinsen. Immer und überall lachte er über Leute, welche von Geistern sprachen und was es sonst noch so gab.
Und jetzt macht er sich verrückt wegen einer Erscheinung, die er gehabt hat, nachdem er ein paar Drinks hatte, aus einem verrauchten Schuppen kam, euphorisch war aufgrund der Beförderung und ihm eventuell jemand Drogen ins Glas gejubelt hat. Er fing gerade an, laut darüber zu lachen, da verstummte er augenblicklich, denn er konnte schwören, dass er aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahrgenommen hatte, welche er absolut nicht einordnen konnte. Nur aus diesem Grund sah er genauer hin und erschrak dann fast zu Tode.
Nicht nur, das sein eigenes Spiegelbild vollkommen verzerrt war und von einem roten Schein umgeben wurde, die kleinen Metallfiguren bewegten sich und er hatte das Gefühl, sie würden versuchen, mit ihren Mündern nach ihm zu schnappen. Im nächsten Moment blieb ihm sein Herz fast stehen, denn urplötzlich schoss eine knochige Hand aus dem Spiegel, packte ihn und zog ihn dann direkt in den Spiegel hinein, dessen Oberfläche nachgab, wie das Wasser eines Sees, wenn man hineinsprang. Er riss die Augen vor Angst weit auf und sah plötzlich den ominösen, schwarzen Mann direkt vor sich. Seine Augen glühten feurig rot, der Rest des Gesichtes wurde von dunklen Schatten verdeckt, welche hin und her huschten, doch niemals auch nur ein klitzekleines Stück freigaben. Um ihn herum schwirrten merkwürdige, schattenhafte Wesen, sie klagten und jammerten. Dann hörte Jonny wieder diese Stimme, genauso, wie er sie schon vor der Hütte beim Crossover gehört hatte. Er wusste nicht, ob der schwarze Mann seinen Mund nutzte, oder nur in seinen Gedanken sprach, denn er konnte durch die Schatten den Mund ja nicht sehen. Er war sich allerdings auch nicht sicher, ob er ihn überhaupt sehen wollte.
Eher hatte er das Gefühl, das ihm vielleicht das Essen der letzten Tage wieder hochkommen würde. „Das ist ein Traum“, sagte er immer wieder zu sich selbst, doch überzeugt war er davon nicht. Der Gestank von Tod und Seuche rann in seine Nase, das rote Leuchten der Augen brannte in den seinigen und die Stimme kam einem Presslufthammer gleich. Die Stimme war gewaltig, wie auch schon beim ersten Mal und sein Kopf schmerzte so stark, das er dachte, er würde ihm gleich einfach auseinander brechen. „Nehme mein Mal an. Schenke mir dein Licht!“
Daraufhin zersprang die Gestalt in tausend kleine Stücke, ganz so, als würde ein Spiegel zerbersten. Aus Angst, das sie sein Gesicht durchbohren würden, verdeckte Jonny es mit seinen Händen und schloss die Augen. Als er sie kurz darauf wieder aufmachte, stand er in seinem Flur und schaute auf sein ganz normales Spiegelbild. Alles sah aus wie immer, auch die kleinen Figuren sahen aus wie immer. Er berührte den Spiegel, um zu sehen, ob er real war. Und das war er. Gerade fragte Jonny sich, ob er sich vielleicht freiwillig in eine Anstalt begeben sollte, da er dachte, er sei schlichtweg verrückt geworden, da fühlte er im gleichen Moment einen stechenden Schmerz in seiner Brust. Er griff sich an den Thorax und dachte, er würde einen Herzinfarkt erleiden. Doch es war etwas anderes. Nachdem der Schmerz etwas nachgelassen hatte, öffnete er sein Hemd und erschrak abermals fast zu Tode. Auf seiner Brust befand sich eine ca. 30 Zentimeter große Tätowierung in Form eines Pentagramms. An jeder der Ecken befanden sich Symbole. Unten rechts ein Speer mit einem Blitz, unten links ein Dreieck, oben links eine Wolke, umgeben von einer Kette, oben rechts eine Art Sichel und an der Spitze des Pentagramms ein Totenkopf, umgeben von zwei Einhörnern. Jonny sah mit Entsetzen lange Zeit einfach nur auf diese Tätowierung. Er hatte Angst. Er hatte panische Angst.
Immer noch beobachtete er die Brände um sich herum. Einer der herumfliegenden Feuerbälle schnellte auf ihn zu und er hechtete zur Seite in ein nahe stehendes Gebüsch. Die brennende Kugel fegte direkt gegen den Briefkasten. Er rappelte sich auf und sah auf die verkohlten Reste seines Posteingangsbehälters, auf dem sein Name immer noch einigermaßen zu lesen war. Das „Kubiack“ war noch ganz, von dem davor prangenden „Jack“ konnte man jedoch nur noch den ersten Buchstaben sehen, der Rest war durch die Hitze des Feuerballs verbrannt.
Die Menschen rannten schreiend durcheinander, einer kletterte auf ein Vordach und schrie von da aus auf die anderen hernieder, ob sie ihm nun endlich glauben würden, denn er beteuerte schon seit langem den Untergang der Welt durch Dämonen. Jack suchte sich einen Weg durch die Menge und den Flammen. Er bemerkte, das es scheinbar nachgelassen hatte. Es gab keine neuen Feuerbälle, die Feuer brannten langsam nieder, obwohl einige auf anstehende Gebäude übergriffen. Einige Nachbarn hatten sich zusammengerafft und versuchten Brände zu löschen.
Er selbst hatte jedoch nur einen Gedanken. Er musste zu seinem Großvater. Zu dem alten Mann, welcher ihm seit seiner Kindheit immer wieder versuchte, zu erklären, das es Dämonen wirklich gäbe und dessen Gerede er immer nur als „Gewäsch“
