Dark Destiny - Jennifer Benkau - E-Book

Dark Destiny E-Book

Jennifer Benkau

4,4

Beschreibung

Hilflos musste Joy mit ansehen, wie Neél von ihren eigenen Leuten gefangen genommen und gefoltert wurde. Ihre große Liebe, all ihre Hoffnungen und Zukunftspläne zersplittern zu einem Scherbenhaufen, als sie schließlich von Neéls Tod erfährt. Trotz ihrer unendlichen Trauer fasst Joy einen folgenschweren Entschluss: Sie will nicht länger zu Matthials Clan gehören. Also macht sie sich allein und schlecht ausgerüstet auf den Weg durch Bomberland und von feindlichen Clans besetztes Gebiet. Es ist eine Suche nach Antworten: Wie starb Neél? Und warum? Doch es ist auch eine Suche, an deren Ende Hoffnung steht. Hoffnung auf eine zweite Chance. "Dark Destiny" ist der letzte von zwei Bänden. Der Titel des ersten Bandes lautet "Dark Canopy".

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glaubt nicht, ihr hättet millionen feinde. euer einziger feind heißt krieg.

intro

Ich hatte immer gedacht, der erste gewonnene Gerichtsprozess würde meine Zweifel verstummen lassen.

Wie bei so vielen Dingen hatte ich erst später erkannt, wie wenig ich wusste.

• • •

Das Blut rauschte in meinen Ohren, während wir in gebannter Stille darauf warteten, dass die Richterin das Podest betrat und auf dem gepolsterten Stuhl Platz nahm. Sie schien alle Zeit der Welt zu haben. Es war ja nicht ihr Leben, über das hier entschieden wurde.

Meins auch nicht, doch es fühlte sich fast so an. Higgs war der erste Percent, für den ich vor Gericht übersetzte. Ich fühlte mich von der Aufgabe überfordert und bereute beinahe, sie angenommen zu haben. Es war nicht so, dass ich Herausforderungen nicht mochte, doch hier ging es um ein Leben. Um Higgs’ Leben. Meine Arbeit trug einen maßgeblichen Teil zu der Entscheidung bei, ob der alte Mann freigesprochen wurde und das Meer wiedersehen durfte oder ob er in einem Arbeitslager eingesperrt wurde und seine letzten Jahre damit verbringen musste, Steine zu schlagen.

Higgs hatte einen Menschen getötet und gleichzeitig war er unschuldig. Es war Notwehr gewesen, er hatte sich nur verteidigt, als der junge Mann ihn angegriffen hatte, ohne Not und augenscheinlich ohne einen Grund. Doch anders als Higgs hatte die Gegenseite, die Familie des Toten, genug Geld, um einen teuren Anwalt zu bezahlen.

Higgs hatte gar kein Geld. Und somit auch keinen Anwalt. Alles, was er hatte, war die Unterstützung der Gilde der Wölfe, und die stieß in Fällen wie seinem oft an ihre Grenzen. Wir verfügten nur über wenige Anwälte, sie hatten mit den großen Fällen alle Hände voll zu tun. Unsere Vorsitzenden hatten sich darauf geeinigt, dass die Gerichtsverhandlungen fremdländischer Percents daher nur von Übersetzern begleitet wurden. Und manchmal, wie in diesem Fall, von Lehrern. Higgs beherrschte die hiesige Sprache nur schlecht. Er sollte nicht in ein Lager gesperrt werden, nur weil er die Richterin nicht verstand und ihre Fragen nicht beantworten konnte. Er wäre gerne öfter zum Sprachunterricht gekommen, hatte dafür aber selten Zeit gehabt. Die Lektionen fanden in den Abendstunden und nachts statt und Higgs arbeitete von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang in einer Werft, wo er Schiffe baute. Handelsschiffe, hatte er mir mit glänzenden Augen erzählt, die die ganze Welt bereisten. Higgs liebte Schiffe und er liebte die Vorstellung, ein kleiner Teil von ihm würde mit jedem Schiff, an dem er mitgearbeitet hatte, über die Weltmeere schippern. Seine Arbeit war sein Leben, auch wenn sie seinen Rücken über viele Jahre hatte krumm werden lassen und er nicht mehr verdiente, als er zum Überleben brauchte.

Vielleicht ging mir sein Schicksal so nah, weil ihm Schiffe ebenso viel bedeuteten wie mir.

Ich hatte mein Bestes getan, doch nun zweifelte ich, ob es genug gewesen war. Bisher hatte ich nur Sprachunterricht gegeben, Higgs war der Erste, dem ich vor Gericht als Übersetzerin beistand. Mir war noch ganz flau vom harten Verhör des gegnerischen Anwalts. Ich hatte nicht erwartet, dass es mir so nahegehen würde.

Ich sah zu Higgs hinüber. Er wirkte traurig und müde, er glaubte nicht an einen Freispruch, das betonte er immer wieder. Er hatte längst aufgegeben.

Ich hatte seine Berichterstattungen von der Tatnacht übersetzt, sodass die Richterin eine Chance bekam zu verstehen, warum Higgs den Mann niedergeschlagen und letztlich getötet hatte. Ich war zufrieden mit meiner Arbeit, hatte, soweit ich das beurteilen konnte, sinnvoll argumentiert und ich war sachlich geblieben, war nicht auf die Provokation der Gegenseite eingegangen. Das hatte ich geschafft. Doch Higgs Zuversicht zu vermitteln, Glauben daran, dass wir siegen würden, das war mir nicht gelungen. Darin war ich nie gut gewesen. Auch Neél hatte ich die Zuversicht, die ich verspürt hatte, nie zu vermitteln vermocht. Vielleicht hatte er deshalb nicht genug Vertrauen in mich gehabt, nicht genug Vertrauen, dass alles gut werden würde.

Vielleicht …

Die Richterin räusperte sich und riss mich aus meinen Gedanken. Sie hielt eine längere Rede über Schuld und Unschuld, Bürgerpflichten und Rechte, Missverständnisse, Aggressionspotenzial gewisser Rassen, sie sprach über die Unterschiede zwischen Menschen und Percents. Es waren leere Phrasen, Worthülsen ohne Inhalt, und ich hörte nur halbherzig zu.

Und dann brandete Unruhe in dem Saal auf, der eben noch von Stille erfüllt gewesen war. Ein Mann auf der linken Seite fluchte und hinter mir jubelte jemand auf. Ich verstand nur zwei Worte der Richterin klar und deutlich.

»Nicht schuldig.«

Plötzlich stand ich umringt von Menschen und Percents, die mir auf die Schulter klopften und gratulierten. Die Richterin lächelte erst mir zu und dann Higgs. Ich griff zur Seite, fasste ihn am Arm und sagte: »Ich habe es dir doch gesagt! Glaubst du mir jetzt endlich? Ich habe es die ganze Zeit gewusst.« Ich zitterte vor Erleichterung, was meine Worte Lügen strafte und bewies, wie unsicher ich mir gewesen war. Nichts hatte ich gewusst.

Nicht schuldig. Die beiden Worte klangen wie ein Echo in meinem Kopf nach. Die Richterin hatte Higgs freigesprochen, woran niemand geglaubt hatte. Er schien es kaum zu begreifen.

»Darf ich gehen?«, fragte er mich in seiner Sprache – in meiner Muttersprache – und eine Gänsehaut überzog meine Haut, als ich sah, dass Tränen in seinen steingrauen Augen standen. »Darf ich jetzt nach Hause gehen? Und wieder in der Werft arbeiten?«

»Du bist frei«, antwortete ich und wandte dem gegnerischen Anwalt, der schimpfend an uns vorbeiging, den Rücken zu. Er musste vor Wut kochen, von einer Lehrerin und Übersetzerin auf seinem persönlichen Lieblingsschlachtfeld, im Gerichtssaal, geschlagen worden zu sein. Aber er wusste ja auch nicht, wer ich wirklich war. Früher war ich Soldat gewesen, und immer wenn es darauf ankam, erinnerte ich mich daran und kämpfte.

»Wir sollten feiern«, meinte Higgs. Wie es seine Art war, entschied er nichts, sondern äußerte eher eine schüchterne Bitte, fast klang sie wie eine Frage.

Ich nickte und er grinste vor Freude so breit, dass ich seine Zahnlücken sah. »Am Hafen? Feierst du meinen Freispruch mit mir am Hafen? Ich muss endlich wieder das Meer sehen. Und die Schiffe.«

Ich lächelte, aber ich senkte den Blick. »Woanders gern«, erwiderte ich so leise, dass ein Mensch mich nicht verstanden hätte, aber ein Percent sehr wohl. »Zum Meer möchte ich nicht.«

Er rückte so nah an mich heran, dass die Außenseiten unserer Oberschenkel sich berührten. Ein tröstliches Gefühl. »Schlimme Erinnerungen?«

»Keine schlimmen.« Aber Erinnerungen, das ja. Und Sehnsüchte. Hoffnungen.

Ich ging nicht länger zum Meer, seit Jahren nicht mehr, auch wenn ich in Küstennähe wohnte, weil ich die frische Seeluft so liebte. Ich glaubte, dort ständig etwas zwischen den Wellen zu erkennen, das beim genaueren Hinsehen nicht da war.

Ich ertrug das Warten nicht. Doch sobald wir eine bessere Welt geschaffen hatten, würde sie zurückkommen.

Die Dark Destiny.

dreieinhalb jahre zuvor,

1

ich bin nicht stark. ich habe das aufgeben nie gelernt.

Es kann Menschen in den Wahnsinn treiben, nie einen Moment Stille zu finden, wenn sie sich danach sehnen, doch nicht viel besser ist es, verzweifelt auf ein Geräusch zu warten.

Auf ein Lebenszeichen, zum Beispiel. Ein Lebenszeichen, das nicht kommt.

Was bedeutet es, wenn man jemanden über Stunden und Tage nicht hört, obwohl man sicher ist, dass er nicht fort sein kann? Mir fiel nur eine Möglichkeit ein. Zu entsetzlich, um den Gedanken zuzulassen.

In meinem Schädel dröhnte es. Die Haut an meinen Wangen und Ohren war wund, weil ich mein Gesicht seit Stunden gegen die schimmeldurchzogenen Wände presste, um keinen Laut im Coca-Cola-Haus zu verpassen. Füße scharrten, Stimmen hoben und senkten sich, der Hund bellte und hin und wieder schnaubte ein Pferd. Unter metallischem Klappern wurden blecherne Teller gestapelt, und dass irgendwer einem Tier das Fell abzog und es reinigte, erkannte ich an dem Schaben, erst schmatzend, dann Zug um Zug trockener werdend. Jemand sang ein schwermütiges Lied, vermutlich Kendra. Möbel wurden gerückt.

So viele Geräusche. Der Laut, den ich brauchte, um das Chaos in meinem Kopf zum Schweigen zu bringen, war jedoch nicht darunter.

Kein Lebenszeichen von Neél. Niemand nannte auch nur seinen Namen, und wenn ich nach ihm fragte, wollte man mir keine Antwort geben.

In meinem Herzen war es still und ebenso still war es in meiner Kammer. Still, weil ich das Schreien in mir erstickte, ehe es mir über die Lippen kam. Die Angst vor dem Unaussprechlichen, das vielleicht geschehen war, zerquetschte meine Gedanken, ehe ich Worte daraus formen konnte.

Ich kam gegen diese Stille nicht an, auch wenn ich versuchte zu sprechen. Sprachlos, das war ich. Eine lähmende Verzweiflung beherrschte mich und verbot mir, den Mund zu öffnen. Aber es waren ohnehin alle Worte gesagt, alle Gründe vorgebracht, alle Argumente genannt – und alle waren sie gescheitert.

Ich hatte versucht, mit Matthial zu reden, hatte geweint, gebrüllt und gebettelt, dass sie mich zu Neél ließen, doch er hatte nur das Gesicht abgewandt und leise vor sich hin gemurmelt, ich müsse krank sein; krank und verwirrt aufgrund meiner schrecklichen Erlebnisse.

Schreckliche Erlebnisse? Da war vor allem eins: Neél zu sehen, halb totgeprügelt von Matthial und seinen Leuten. Neél zu hören, wie er schrie, als die Sonne an ihm fraß.

Matthial begriff nicht, was im Laufe des Frühjahrs und des Sommers geschehen war. Ich war von den Percents nicht gebrochen und krank gemacht worden, wie er immer wieder behauptete. Ich hatte bloß gelernt zu lieben, das war vielleicht das Schlimmste, was geschehen war. Jetzt war Herbst und Matthial hatte den Mann, den ich liebte, gefoltert und … Nein, weiter durfte ich nicht denken.

Wir sprachen nicht mehr die gleiche Sprache, verstanden uns nicht länger, und jeder Versuch vertiefte die Hilflosigkeit. Ich hatte das Gefühl, in zähem Moor zu versinken, das mich noch weiter nach unten ziehen würde, sobald ich zappelte. Reden hatte keinen Sinn, machte alles nur schlimmer. Also verschanzte ich mich in meiner Kammer und Matthial schien mir dankbar dafür. Er überließ es seinem Bruder, mir Wasser und Essen zu bringen und den Verband über der Schussverletzung, die ich beim Chivvy davongetragen hatte, zu wechseln.

Josh reagierte mit entwaffnendem Mitgefühl auf mein Schimpfen und Flehen. Er vermied es, mich anzusehen, als hätte er Angst, sein Gesicht würde preisgeben, was er wirklich über Matthials Aktionen dachte. Ob er ahnte, dass mir genau dieses Verhalten alles verriet? Auch er kam schon lange nicht mehr an seinen älteren Bruder heran und wie ich missbilligte er, was Matthial tat. Doch aufhalten konnte er ihn nicht, er versuchte es nicht einmal. Kaum, dass ich das begriffen hatte, stellte ich jede Konversation mit Josh ein, ehe er mir leidzutun begann. Er konnte mir nicht helfen und ich ihm noch weniger. Und wenn man sich nicht helfen kann, geht man sich besser aus dem Weg, bevor man sich in Unmöglichkeiten verstrickt. Das hatte mich Amber gelehrt.

• • •

Am dritten Tag nach Neéls Gefangennahme kam Matthial zu mir und diesmal war auf mir unverständliche Weise alles anders. Mein Herz pumpte, als er mich zweifelnd musterte.

»Du willst zu ihm. Meinst du denn, du bekommst etwas aus ihm raus?« Er sah dabei aus dem Fenster statt in mein Gesicht.

Mein Verstand war in den letzten Tagen zu einer zähen Masse zusammengeschmolzen, aber die Aussicht, Neél zu sehen, ließ ihn von einem auf den anderen Moment klar werden. Er lebte! Und Matthial würde mich mit ihm reden lassen! Es war mir egal, dass er dafür eine Gegenleistung erwartete, die ich höchstwahrscheinlich nicht erbringen konnte.

Ich nickte. Obwohl ich Matthial innerlich aufs Übelste beschimpfte, blieb ich äußerlich ganz ruhig. Mit großer Mühe zwang ich ein gelogenes Wort über meine Lippen. »Bestimmt.«

Matthial zog die Augenbrauen zusammen, schien unschlüssig. Er wusste, dass es mir nicht schwerfiel zu lügen.

»Er vertraut mir«, fügte ich hinzu, meine Stimme klang heiser und fremd in meinen Ohren. »Wenn er etwas weiß, dann wird er es mir sagen.« Ich hatte keine Ahnung, was Matthial erfahren wollte, doch egal was es war, ich würde ihm keine einzige von Neéls Äußerungen verraten. Ich hoffte bloß darauf, Neél sehen zu dürfen, ihm vielleicht helfen zu können. Manche Unmöglichkeit ist zu wichtig, als dass man vernünftig einen Bogen um sie schlägt.

Matthial lehnte die Schulter gegen die Wand und betrachtete den Boden vor meinen nackten Füßen. »Die Waffenlager«, sagte er tonlos. »Er soll dir sagen, wo die verdammten Waffenlager sind und woher sie ihren Nachschub bekommen. Vor allem die Pistolen.« Er griff in seinen Hosenbund und zog etwas glänzend Graues hervor. Ich bedeckte meine Augen mit der Hand, als ich die Pistole erkannte, die Neél mir gegeben hatte.

»Woher hast du die?«, verlangte ich zu wissen und streckte die Hand aus. Meine wackelige Stimme brach endgültig an der einfachen Frage.

»Gefunden. Beim Chivvy.« Er steckte sie wieder weg. »Die haben viele davon und ich verwette meinen Hund und mein Pferd darauf, dass sie sie nicht in der Stadt herstellen lassen. Das würde irgendjemand wissen. Der Percent soll sagen, wo die Dinger herkommen.«

Wer war dieser Mann mit dem harten Zug um die Augen? Ich erkannte ihn nicht wieder. Matthial und ich waren beste Freunde gewesen und hatten uns gegenseitig über unsere Einsamkeit hinweggetröstet. Im Gegensatz zu seinem Vater war er nie brutal gewesen. Nein, er hatte Gewalt verabscheut. Was hatten die letzten Monate nur aus ihm gemacht? Wer war wirklich gestorben, als er Willie angeschossen hatte? Offenbar ein großer Teil von Matthial. Der gute Teil.

Ich hatte keine Wahl, als sein grausames Spiel vorerst mitzuspielen. »Ich rede mit ihm.«

Matthial brachte mich ins Erdgeschoss, in einen Raum neben dem Verschlag für die Pferde, und half mir, einen breiten Holzriegel vor einer Tür zu entfernen, der im letzten Jahr noch nicht da gewesen war. Mars hat anscheinend nie eine Zelle für Gefangene gebraucht, ging es mir durch den Kopf.

»Beeil dich«, sagte er leise und reichte mir aus der Tasche seiner Weste eine Kerze und selbst gemachte Zündhölzer. »Wenn du Angst bekommst, ruf nach mir. Ich bewege mich nicht von der Stelle.«

Genau das machte mir Angst, aber ich sparte mir den Kommentar. Die Tür quietschte, als ich sie aufschob, und ich hörte Rost rieseln. Im Inneren der Zelle war es dunkel wie in einem Grab. Es roch auch nicht viel besser.

Ich fummelte mit den Zündhölzern herum, bekam aber keins zum Brennen. Meine Hände zitterten. Ich atmete durch den Mund, weil mir die Nase lief.

»Neél?«, wisperte ich. Er antwortete nicht, ich hörte bloß irgendetwas – vielleicht nassen Stoff – über den Steinboden streifen.

Ruhig bleiben, befahl ich mir. Ganz ruhig.

Ich versuchte es erneut mit einem Streichholz, diesmal gelang es mir, es zu entfachen. Hektisch hielt ich den Kerzendocht in die winzige Flamme. Es knisterte, der Docht war feucht. Erst als das Zündholz nur noch ein Stummel war und das Feuer bereits an meinen Fingern leckte, nahm er die Flamme an. Sie wuchs ein bisschen und schemenhaft nahm ich das Innere der Zelle wahr.

Ein Häufchen Stoff auf dem Boden, vielleicht Kleidung oder eine Decke. Ein Eimer, ich konnte mir vorstellen, welchem Zweck er diente. Eine dreckige, flache Blechschale. Eine uralte Flasche aus milchig gewordenem Plastik, die ohne Verschluss auf dem Boden lag. Etwas Unförmiges in der hinteren Ecke, das zu atmen schien.

»Neél?« Meine Stimme war dünn und wackelte.

Das Etwas erschauerte und rappelte sich so weit auf, dass ich Kopf und Körper unterscheiden konnte. Ich trat näher, ging in die Hocke und hob zaghaft die Kerze. Seine Hand schoss vor und ich schrak mit einem leisen Aufschrei zurück. Neél packte den Eimer und schob ihn hinter sich. Ein unwirscher Laut drang aus seiner Kehle, fast ein Knurren.

Er wandte das Gesicht ab. Ich dumme Kuh. Sicher schmerzte ihn das Licht in den Augen. Ich stellte die Kerze hinter mich, aber Neél verharrte in seiner Stellung und ich begriff, dass er sich vor mir versteckte. Er wollte mich nicht sehen und noch weniger wollte er, dass ich ihn so sah.

Als ich den Blick senkte, bemerkte ich die Verbände um seine Beine. Die Bandagen waren ordentlich angelegt und beinahe sauber, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass einfache Stoffverbände angesichts seiner Verletzungen ausreichten. Ich hatte die unnatürliche Stellung seiner Füße bereits bemerkt, bevor sie ihn der Sonne ausgesetzt hatten. Das waren Brüche. Er brauchte feste Schienen und musste ruhig liegen, statt notdürftig verbunden auf Stroh zu kauern.

Ich öffnete den Mund, aber es kamen keine Worte. Was sollte ich zu Neél sagen? Dass alles gut werden würde? Er hatte es nicht verdient, verspottet zu werden; doch alles, was mir in den Sinn kam, hätte ungewollt einen höchst ironischen Beigeschmack gehabt. Wie gern hätte ich ihm geschworen, ihn hier rauszuholen, doch wir wussten beide, wie gut die Chancen standen. Er verdiente die Wahrheit, keine leeren Phrasen. Keine Lügen.

»Es tut mir so leid«, sagte ich schließlich.

Er nickte und gab ein winziges Stückchen seiner Deckung preis, indem er sich mir ein wenig zuwandte. Ich konnte sein Gesicht erkennen, oder eher das, was davon übrig geblieben war. Schorf überzog seine Haut bis hin zu den Lippen und den halb geschlossenen Lidern.

Percents fürchteten die Sonne. Nicht umsonst hatten sie den Himmel mit Dark Canopy verfinstert. Nicht umsonst trugen sie in den zwei Stunden Tageslicht, die die Natur zum Überleben brauchte, UV-Schutzanzüge, wenn sie sich ins Freie wagen mussten. Nicht umsonst … jagten sie uns. Rebellen wie wir waren die einzigen Menschen, die noch den Mut hatten, ihnen zu trotzen.

Es hätte mich nicht irritieren dürfen, wie schwer das Sonnenlicht Neél verletzt hatte – immerhin hatte ich ihn schreien gehört –, trotzdem war ich wie gelähmt von seinem Anblick.

Er sah nicht verletzt aus. Zerstört war das richtige Wort. Und es zerriss mich, ihn so zu sehen, zerriss, was ich hoffte, und ließ bloß Fetzen zurück.

»Ich wünschte, ich könnte irgendetwas für dich tun«, flüsterte ich, um ihm zu bedeuten, dass auch er flüstern sollte. Ich weiß nicht, was ich von ihm erwartet hatte, aber auch nachdem er so schwer misshandelt worden war, hatte ich bis jetzt geglaubt, er wäre in der Lage, mir einen Hinweis zu geben, wie ich ihn befreien könnte.

Er drehte den Kopf in meine Richtung. Unter seinen herabhängenden Lidern sah es so aus, als wären seine Augen komplett schwarz, auch dort, wo sie eigentlich weiß sein sollten. Ich bemerkte zu spät, dass ich ihn anstarrte wie etwas Monströses, aber wenn meine Befürchtung wahr war, sah er mich ohnehin nicht.

Er formte Worte, ohne die Lippen zu bewegen, als hätte er etwas im Mund, was er weder schlucken noch ausspucken durfte. Ich verstand ihn kaum, begriff nur langsam, was er mich gefragt hatte.

»Geht es dir gut?«

Mein Blick wanderte an seinem Körper herab. Es war kalt in der Zelle und Neél trug abgesehen von seiner Hose nur ein einfaches Unterhemd, das zerfetzt und an einigen Stellen mit dem Schorf verklebt war. Selbst unter dem dünnen Stoff konnte ich kein Stück unversehrte Haut entdecken. Dort, wo die Kruste aufbrach, sickerte Blut durch die Risse. An seinen im Schoß gefesselten Händen klebten Haferschleimreste, er musste wie ein Tier aus der Schale gegessen haben. Er konnte kaum sprechen vor Schwäche. Und er wollte wissen, ob es mir gut ging?

Ich schüttelte den Kopf und sah ihn die Schultern anspannen.

»Ich habe nichts zu befürchten, Neél. Aber es kann mir nicht gut gehen, wenn du –«

»Ist bald vorbei«, tröstete er mich, was sich furchtbar und falsch anfühlte.

Ich schluckte an einem riesigen, imaginären Klumpen aus Ekel. »Vielleicht hilft es, wenn wir Matthial nicht weiter reizen. Wenn du ihm sagst, was er wissen will, dann –«

Er unterbrach mich wieder, diesmal, indem er den Mund zu einem Grinsen verzog. Seine Unterlippe sprang auf und ein Tropfen Blut rann ihm das Kinn herab. »Ich rede nicht über die Waffen.«

»Ich verstehe«, log ich. »Aber dann kann ich dir nicht helfen.«

Seine Miene veränderte sich. Er sah mich an, als würde er mich für meine Ahnungslosigkeit bedauern. »Musst du nicht. Ist gut, Joy. Alles wird gut.«

»Was meinst du?« Wusste er mehr als ich?

Er gab mir nur schwerfällig Antwort, aber er tat es. »Deine Leute schicken nach einem anderen Clanführer. Offenbar sind sie das Foltern leid und wollen es nicht selbst zu Ende bringen. Dein Clanführer … er ist kein Killer. Das ist schlecht für mich.« Er stöhnte, ganz leise nur. »Es dauert so lange.«

Mir wurde schwindelig. Ich atmete tief ein und der Gestank der Zelle ließ mich beinahe würgen. »Nach wem schicken sie?«

Neél zuckte mit den Schultern.

Ich hätte mir gerne eingeredet, dass er etwas falsch verstanden haben musste, aber ich wusste, dass am Morgen jemand fortgeritten war. Ich hatte den Hufschlag eines Pferdes gehört und mich gewundert, da der Reiter in Eile schien: Er oder sie war aus dem Tor des Clanhauses galoppiert, ohne zunächst die Muskeln des Pferdes aufzuwärmen.

»Jamies Clan«, vermutete ich, aber ich war mir nicht sicher. Ich hatte verpasst, was sich in den letzten Monaten in und zwischen den Clans geändert hatte. Unser Clan existierte nicht länger, er war entzweigebrochen. Ich wusste nicht mehr, als dass meine Schwester Penny und ihre Familie sich Matthials Vater Mars angeschlossen hatten. Sie waren fortgegangen. Niemand verriet mir, wohin. Vielleicht befürchtete Matthial, dass ich ihnen folgen würde.

Doch momentan musste er ganz anderes von mir befürchten. Ich hatte das Bedürfnis, ihn zu schlagen, ihn zu würgen, ihm größere Schmerzen zuzufügen, als er ertragen konnte. Und gleichzeitig wollte ich ihn in die Arme schließen und um Verzeihung bitten. Denn das, was er geworden war, das war mir zuzuschreiben. Und damit auch Neéls Zustand. Mir und meinen Fehlern.

Ich mochte das Chivvy überstanden und sogar gewonnen haben – aber alles, was vor meiner Gefangenschaft und meiner Zeit bei Neél mein Leben gewesen war, lag in Trümmern wie Bomberland. Von dem Moment an, als die Rebellen erfuhren, dass ich Neél liebte, galt unsere Freundschaft als beendet. Ich war das Opfer der Percents, damit war ich zu bedauern, aber ernst nahm mich im Clan niemand mehr. Matthial nannte mich verwirrt und von den Feinden beeinflusst und ließ keins meiner Argumente gelten. Keine meiner Beteuerungen, dass Neél mich gerettet hatte, erreichte ihn. Es interessierte ihn nicht, was ich dachte. Er sah in seinem Gefangenen eine Möglichkeit, Vorteile für den Clan herauszuschlagen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Früher hatten Matthial und ich insgeheim auf seinen Vater geschimpft, weil er nur die Interessen des Clans sah und nie die einzelnen Menschen, die den Clan ausmachten. Nun schien es, dass sein Sohn dem Weg folgte, den Mars’ breite Füße für ihn ausgetreten hatten.

Jemand klopfte gegen die Tür. »Joy?«, vernahm ich Matthials gedämpfte Stimme. »Alles in Ordnung?«

»Ja!«, rief ich unwirsch zurück.

Neéls Schultern versteiften sich. Jetzt musste ihm klar sein, dass ich hier war, weil Matthial mich schickte.

Ich rückte näher an ihn heran, hätte ihn so gern berührt und ihm etwas Trost gespendet – aber woher sollte ich Trost nehmen? Und aus Angst, ihm wehzutun, wagte ich es nicht, ihn anzufassen. Schließlich nahm ich eine seiner Haarsträhnen, die ihm offen über die Wangen fielen, zwischen meine Finger.

Und dann sagte ich es doch, wenn auch nur, weil ich es selbst so gerne hören wollte: »Du hast recht. Es wird wieder gut.«

»Joy.« Es klang, als lächelte er, und seine Fingerspitzen tasteten nach meinem Handrücken. »Es ist bald vorbei.«

Das hatte er eben schon gesagt. Ich schüttelte entschieden den Kopf und er gab ein Geräusch von sich, das, mit etwas Fantasie, ein Lachen sein konnte, wenn auch schwach und leise.

»Nicht? Das hast du zu entscheiden, Joy?«

»Spotte nur. Ich gebe nicht so schnell auf.«

»Das tust du nie. Das hat mir so an dir gefallen. Ich dachte immer, dass du ziemlich stark bist. Für ein Mädchen, meine ich.«

Ich schnaubte, aber er war noch nicht fertig.

»Inzwischen glaube ich, du kannst gar nicht anders. Du hast das Aufgeben einfach nie gelernt.«

Ich fühlte mich leer. Die Hilflosigkeit drückte mich nieder, ich wusste nicht, wie lange ich dem noch standhalten konnte. »Ich will es nicht gerade jetzt lernen. Nicht, wenn es um dich geht.«

Neél schüttelte den Kopf und mich beschlich das Gefühl, dass er mich bemitleidete. Für meine Hoffnung vielleicht oder weil ich nicht einsehen wollte, dass wir verloren hatten.

»Wann?«, fragte ich.

Er wusste, dass ich den anderen Clan meinte, aber er hatte keine Antwort außer einem Schulterzucken. Wichtiger war mir die Frage nach dem Warum, aber die musste ich gar nicht erst stellen. Matthial hatte gewiss nicht mit Neél über seine Pläne gesprochen.

Was könnten andere Rebellen mit ihm vorhaben? Irgendetwas übersah ich. Das Ganze ergab keinen Sinn. Bei der Sonne, als Gefangener war er ein unaussprechliches Risiko. Was versprachen sie sich von ihm? Matthial konnte Neél doch unmöglich verschachern, in der Hoffnung, jemand anders würde aus ihm herausbekommen, was ihm selbst nicht gelungen war. So kalt konnte er nicht geworden sein.

Als hätte er gespürt, dass sich meine Gedanken um ihn drehten, bollerte Matthial gegen die Tür. »Joy. Das dauert zu lange.«

»Ich komme gleich!«, rief ich und hätte ihn am liebsten zur Hölle gewünscht. »Entschuldige«, flüsterte ich Neél zu.

Er wandte den Kopf wieder ab. »Ich wünsche dir Glück. Denk hin und wieder an mich.«

»Immer. Kann ich noch irgendetwas für dich tun? Brauchst du Wasser? Ich könnte nachsehen, ob ich eine Salbe finde, die die Verbrennungen ein bisschen lindert, ich –«

Erneut schüttelte er sanft den Kopf. »Geh einfach. Komm nicht wieder. Ich habe mich damit abgefunden, hier zu sein –«

»Verzeih mir Neél, dass ich dich ohrfeigen möchte, aber das kann nicht dein Ernst sein.« Niemand konnte sich damit abfinden, gar gebraten und in eine Zelle gesperrt zu werden!

»Es ist mein Ernst.« Er war immer noch so unglaublich stur. »Ich fürchte das, was kommt, nicht. Das Schlimmste ist vorbei.«

Erst als ich laut aufschluchzte, bemerkte ich, dass ich weinte. Die Tränen ärgerten mich, weil sie mich vom Denken ablenkten. Grob wischte ich sie mir aus dem Gesicht.

»Nicht weinen«, bat Neél. »Wenn du mir etwas Gutes tun willst, dann vergiss, dass du mich hier gesehen hast. Erzähl nicht weiter, was mir passiert ist.« Er schwieg, aber ich spürte, dass er mehr sagen wollte. Als er weitersprach, war seine Stimme leise und zum ersten Mal klang sie betrübt. »Solltest du Cloud jemals wiedersehen, würdest du dann für mich lügen?«

»Jederzeit«, hauchte ich.

»Sag ihm, ich wäre im Kampf gefallen. Ja, bitte sag ihm das. Das würde mir viel bedeuten. Er soll sich nicht für mich schämen müssen.«

Ich verstand nur langsam, was er meinte. Aber dann begriff ich, dass es Neél war, der sich schämte. Er wollte nicht nur in Clouds Vorstellung lieber tot als gefesselt in der Hand der Feinde sein.

Später wurde mir klar, dass ich ihm das hätte ausreden müssen. Es war keine Schande, gefangen genommen zu werden, und noch weniger war es eine Schande, Folter zu überleben. Aber in der stickigen Zelle erinnerte ich mich zu gut an das Gefühl, den Percents völlig machtlos ausgeliefert zu sein. Mir fehlten die Argumente.

Als ich ging, tat ich es, weil Neél es von mir verlangte und ich nicht mehr in der Lage war, ihm eine Bitte zu verwehren. Erst auf der Türschwelle kam mir die Erkenntnis, dass ich ihn vermutlich für eine lange Zeit nicht sehen würde. Vielleicht … nie mehr. Ich taumelte, musste mich am Türrahmen festhalten und beherrscht atmen, so sehr schwankte der Boden unter mir.

Als Matthial seine Hand nach mir ausstreckte, riss ich mich zusammen und stakste steifbeinig an ihm vorbei. Fassungslos starrte er mich an und redete auf mich ein. Ein Schwall aus Sätzen und Buchstaben, der an mir abprallte. Ich wuchtete meinen Körper, der mit jedem Schritt, den ich mich von Neél entfernte, schwerer wurde, die Treppe hoch. Ich wäre lieber nach draußen gegangen – ziellos geradeaus –, aber Josh folgte mir wie ein Schatten und ließ mich still wissen, dass ich eine Gefangene meiner eigenen Leute war. Ich warf die Tür meiner Kammer vor seiner Nase zu.

Matthial kam etwas später nach und setzte sich unaufgefordert auf meine Matratze. Ich stand auf. Tigerte im Raum umher, um mich schließlich, mit größtmöglichem Abstand zu ihm, neben dem Fenster an die Wand zu lehnen. Es war diesig draußen. Der dunkle Staub, den Dark Canopy als Kuppel über unser Land legte, hatte sich mit dem Nebel vermischt. Wir waren alle gefangen unter einer Wolke aus Asche.

»Früher«, brachte ich mühsam hervor, weil mit jedem Wort Tränen aus mir herausdrängten, »hättest du so etwas nie zugelassen. Jetzt ordnest du es selbst an.«

Matthial seufzte resigniert. »Er ist ein Percent.«

»Das macht doch keinen Unterschied.«

Er sah mich missfällig an, doch dann stahl sich etwas Weiches in sein Gesicht und die steile Stirnfalte, die sich zwischen seinen Brauen gebildet hatte, verlor an Tiefe. »Joy, du musst dich beruhigen. Ich weiß, dass es schwer für dich ist, wenn er als Einziger anständig zu dir war.«

Anständig? Mit einem unwirschen Schlag in die Luft versuchte ich ihm zu verdeutlichen, dass das nicht reichte und er den Mund halten sollte. Er wusste doch gar nicht, wovon er sprach. Neél und ich hatten uns ineinander verliebt – aber wie sollte ich das Matthial begreiflich machen? Seine Eifersucht war die größte Gefahr für Neél. Außerdem glaubte Matthial, die Gefangenschaft hätte mich gebrochen und meine Liebe sei in Wirklichkeit Dankbarkeit dafür, dass Neél mich einigermaßen gut behandelt hatte.

»Ich denke, ich weiß, wie du dich fühlst, aber –«

»Nein.« Ich schnitt ihm das Wort ab. »Du hast keinen blassen Schimmer.«

Er verstand nicht, dass ich mich hier und jetzt so gefangen und einsam fühlte wie seit vielen Wochen nicht mehr. Ich würde ihn hassen, wenn er es nicht verstehen wollte, aber ich redete mir immer noch ein, Matthial zu kennen. Er konnte unmöglich so grausam geworden sein. Er räusperte sich, vielleicht fiel auch ihm diese Unterhaltung schwer.

»Er hat dir also nichts zu den Waffen gesagt?«

»Er weiß nichts darüber«, log ich. »Bis zum Chivvy war er nur ein Varlet, kein vollwertiger Krieger. Die Triade verrät ihre militärischen Geheimnisse nicht jedem Kind.«

Matthial glaubte mir nicht, aber er versuchte es zumindest.

»Was hast du denn jetzt mit ihm vor? Matthial, er ist schwer verletzt. Du kannst ihn nicht dort unten sterben lassen.«

»Kann ich nicht?« Es klang herausfordernd.

Ich straffte die Schultern, was die abheilende Schusswunde in meinem Oberarm brennen ließ. »Du bildest dir viel darauf ein, ein Mensch zu sein, oder? Soll ich dir mal etwas sagen? Du bist kein Stück besser als die Percents.«

Er zuckte angesichts meiner Anschuldigung nicht einmal zusammen. »Ich bin es leid, mich zu verstecken wie ein Tier, Joy. Dieser Percent da unten wird das ändern.«

»Was hast du vor?« Ich wusste nicht recht, ob ich es wirklich wissen wollte. In Matthials Augen glomm ein fanatisches Licht auf, das mir Angst machte. Er hatte ein Ziel und dieses zu erreichen, schien ihm so wichtig, dass er keinerlei Rücksicht auf irgendjemanden nahm. Als Letztes auf einen verhassten Percent. Er glaubte noch immer, das Richtige zu tun.

»Jamie und seine Waldleute haben Kontakt zur Triade«, sagte Matthial. Er weidete sich sichtlich an dem Schrecken, den mir diese Information einjagte. Und der war immens. Ich hatte das weder gewusst noch für möglich gehalten.

»Kontakt? Was meinst du damit?«

»Sie handeln miteinander. Tauschgeschäfte.«

Davon hatte ich noch nie gehört. Und wenn das der Wahrheit entsprach, warum nutzte dann niemand die Möglichkeiten, die Gespräche zwischen Rebellen und Percents darstellten?

»Jamies Clan ist stark«, fuhr Matthial vor. »Du hättest die Siedlung seiner Leute sehen müssen, Joy. Sie haben Häuser in den Bäumen, die sie gegen Angriffe verteidigen können. Sie leben dort sicher und frei, halten Vieh, bauen Gemüse an, ziehen ihre Kinder groß. Ich zeige dir das Dorf irgendwann, es wird dir gefallen.« Er sah mich so begeistert an, dass ich beinahe gelächelt hätte. Früher wäre ich von seinen Ausführungen fasziniert gewesen. Wir hätten gemeinsam überlegt, was wir von dem anderen Clan lernen konnten, hätten auf Augenhöhe miteinander geredet und Pläne geschmiedet.

Doch nun plante Matthial allein. Er war Clanführer geworden und ich stand in der Rangfolge seiner Leute ganz unten und musste mich ihm fügen. Er erwartete, dass ich ihm folgte.

»Wir können ein ebenso starker Clan werden«, sagte er laut, aber seine Stimme bebte und plötzlich erkannte ich, wo das Problem lag. Er glaubte seine eigenen Worte nicht. Er belog sich und versuchte sein Möglichstes, es zu überspielen. Aber er war ein zu schlechter Lügner und zu aufmerksam, um sich selbst zu betrügen.

»Du willst stärker werden, indem du jemanden folterst, der wehrlos ist?« Ich trat zu ihm, sah auf ihn herab. »Das ist nicht stark, Matthial. Das ist pure Rachsucht und du lässt sie an einem Mann aus, der auf deiner Seite stehen könnte.«

Matthial spuckte verächtlich aus, direkt auf meine Matratze. »Du wirst schon sehen. Der Percent wird uns Privilegien verschaffen, von denen du nicht zu träumen wagst.«

Endlich begriff ich. »Du willst ihn … eintauschen?«

Der Gedanke, Neél könnte verkauft werden wie eine Ziege, widerte mich an, aber er brachte auch einen Anflug von Hoffnung mit sich. Niemand tauschte etwas gegen einen Toten ein.

Matthial lächelte gerissen. »Jamie wird es für mich tun. Er wird den Percents den verlorenen Sohn anbieten und im Gegenzug Vorteile für mich und meine Leute aushandeln. Für euch!«

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ehe ich etwas Dummes erwiderte, beschloss ich, dass es besser war zu schweigen.

Jamie würde eine Gegenleistung erwarten. Er handelte doch sicher nicht mit einer Geisel und brachte sich in Gefahr, ohne selbst einen Vorteil daraus zu schlagen? Würden die Präsidenten der Percents nicht erbost reagieren, wenn man ihnen einen Gefangenen anbot? Und was war ein Varlet, der das Chivvy nicht erfolgreich hinter sich gebracht hatte, überhaupt wert? Es fiel mir schwer, mich an all das zu erinnern, was ich während der Monate bei den Percents gelernt hatte, aber an eine Sache erinnerte ich mich gut: Wer beim Chivvy keinen Erfolg hatte, stand in der Hierarchie nicht weit über den menschlichen Sklaven. Was erhoffte man sich von diesem Handel?

Ich zerbiss die Einwände mit den Zähnen. All das war zweitrangig. Wenn Matthials Pläne aufgingen, würde Neél frei sein. Er würde leben. Nichts anderes war von Bedeutung.

• • •

Zwei Männer aus Jamies Clan kamen am nächsten Morgen. Matthial erlaubte mir nicht, mit ihnen zu sprechen. Wieder einmal sperrte er mich in mein Zimmer und kommandierte Josh ab, mir Gesellschaft zu leisten, also mich zu bewachen. Doch als ich Neél irgendwo im Haus vor Schmerzen stöhnen hörte, hielt ich es nicht mehr aus. Mit Gewalt versuchte ich, Josh zu entkommen, aber wegen meiner nur langsam abheilenden Verletzungen gelang es mir nicht, mich loszureißen. Ich zerkratzte ihm nur die Haut. Als er mich endlich freigab, war der Wagen, auf dem sie Neél abtransportierten, kaum noch im Halbdunkel zu erkennen. Ich konnte nur noch sehen, dass sie eine Decke über seinem Körper ausgebreitet hatten, und hoffte, dass sie den Nieselregen und den kalten Wind abhielt.

• • •

Zwei Tage darauf – ich durfte inzwischen mein Zimmer verlassen, nicht aber das Haus – bat Matthial mich am späten Nachmittag, ihn aufs Dach zu begleiten. Er hatte Decken hochgebracht und auch seinen alten Schäferhund Rick die schmalen Stiegen hinaufgetragen, die er allein nicht mehr bewältigen konnte. Als wir uns beklommen mit etwas Abstand zueinander hinsetzten, legte sich Rick in unsere Mitte. Er war inzwischen beinahe blind und hörte von Tag zu Tag schlechter. Ich streichelte ihn, um meine schwitzenden Hände zu beschäftigen. Matthial blickte in den Wald, über dem sich der Himmel langsam dunkler färbte. Die Tage waren kurz geworden, und obwohl der Herbst erst begonnen hatte, mussten wir jetzt schon an Kerzen sparen. Die ganzen Geschehnisse der letzten Monate hatten die üblichen Vorbereitungen für den Winter in den Hintergrund rücken lassen. Mir war gleich aufgefallen, dass es uns an vielem fehlte. Der Winter würde hart werden. In mehrfacher Hinsicht.

»Geht es dir etwas besser?«, fragte Matthial schließlich.

Ich konnte ihm keine Antwort geben, weil ich es nicht wusste. Was ich mir so lange gewünscht hatte, war in Erfüllung gegangen. Ich war aus der Stadt entkommen – das kam der Freiheit schon sehr nahe. Die Percents schuldeten mir Respekt, denn ich hatte sie in ihrem eigenen Spiel geschlagen. Ich war Soldat gewesen und hatte einen Sieg im Kampf um mein Leben errungen. Aber … »Der Preis war zu hoch.«

Erst als Matthial langsam die Luft ausstieß, bemerkte ich, dass ich meinen letzten Gedanken laut ausgesprochen hatte.

»Du wirst darüber hinwegkommen«, sagte er. »Vielleicht nicht heute oder morgen, aber ich gebe dir alle Zeit, die du brauchst.«

Mein Blick klebte auf seinem alten, treuen Hund. Ich versuchte, Matthials Worte nicht an mich heranzulassen. Ich war immer noch so wütend auf ihn, so maßlos enttäuscht. Aber auch wenn ich mich sträubte, begriff ich, dass er keine andere Wahl gehabt hatte. Ich wusste noch genau, wie lange es gedauert hatte, bis ich das erste Mal mit Neél geredet und in ihm mehr als einen gesichtslosen Feind gesehen hatte, den es zu vernichten galt. Es waren Wochen vergangen, bis ich erkannt hatte, dass er Gefühle zeigte. Den unseren gar nicht so unähnlich.

Konnte ich Matthial dafür verurteilen, dass ihm dies nicht innerhalb weniger Tage gelang? Ich tat es, zweifelsfrei. Ich verachtete ihn mit Leib und Seele und mit einer Intensität, die mir fremd war. Doch der vernünftige Teil von mir wusste genau, dass das unsinnig war. An Matthials Stelle, ohne meine Erfahrungen, hätte ich vielleicht dasselbe getan. Und für diese Einsicht verachtete ich mich selbst.

»Irgendwann«, fuhr Matthial fort, »wirst du verstehen, dass ich das Richtige getan habe. Auch wenn …«

Ich sah auf, weil er nicht weitersprach. »Auch wenn was?«

Rick legte seinen Kopf in meinen Schoß, ich strich ihm mechanisch über die Ohren. Er sabberte ein wenig vor Entspannung, sein Speichel tränkte meine Hose.

Matthial sah in die Ferne, die Augen leicht zusammengekniffen, als würde er etwas beobachten, was sich mir nicht zeigte. Einen Vogel in den Ästen? Matthial hatte schon immer bessere Augen gehabt als ich. Warum nur war er blind für die Wahrheit?

»Mein Plan ist nicht aufgegangen«, erwiderte er, ohne den Blick abzuwenden. »Der Percent … Neél … hat es nicht geschafft.«

Ich begriff nicht. Das Dach schien ein wenig zu schwanken. Was sollte Neél nicht geschafft haben? Hatte er versucht zu entkommen, und …

»Matthial?« Ich spürte ein Grinsen in meinem Gesicht, ein falsches, saures Grinsen.

»Vielleicht ist es besser so. Sie hätten ihn doch ohnehin nicht mehr in ihrer Mitte akzeptiert. Vermutlich hätten sie ihn –«

»Matthial!« Ich keuchte. »Was ist mit Neél?«

»Er … es tut mir leid für dich. Er ist tot.«

Ich schüttelte den Kopf. »Nein.« Das Grinsen wurde immer ätzender, mein Gesicht verkrampfte sich, aber ich bekam es nicht fort. Tot? Neél war nicht tot, das war doch absurd. »Du lügst. Es geht ihm gut.« Mit beiden Händen fuhr ich mir übers Gesicht und wischte echte Tränen über das falsche Grinsen.

»Ich sage die Wahrheit. Ich weiß selbst nicht, was passiert ist. Vielleicht hat er versucht zu fliehen und sie haben ihn … Vielleicht waren seine Verletzungen zu stark und er ist …«

»Sprich es aus«, flüsterte ich mit einer Ruhe, die mir Angst einjagte. Ich hatte das Gefühl, neben mir zu stehen, als gehörte mein Körper nicht mehr zu mir, war wie betäubt. »Sag, dass sie ihn umgebracht haben. Weil du es nicht konntest. Du hast das alles geplant.« Meine Stimme wurde von Wort zu Wort lauter, bis ich schließlich schrie. »Du Scheißkerl! Du hast ihn getötet – du!«

»Joy, es tut mir wirklich leid, aber –«

Ich brüllte auf wie ein verwundetes Tier. Erst als Matthial die Arme schützend über dem Kopf kreuzte und Rick mich anbellte, wurde mir klar, dass ich mit den Fäusten auf ihn einschlug. Ich sprang auf. Der Wind riss an meinen Kleidern. Die Wunde an meinem Arm und die Prellungen am Bein pochten dumpf im Rhythmus meines Herzschlags. Ich starrte auf Matthial. Sag, dass es nicht wahr ist, dachte ich. Es ist nicht wahr! Es kann nicht wahr sein!

Aber Matthial sagte nichts dergleichen. Er wollte vermutlich ewig schweigen, aber das würde ich nicht zulassen. Ich trat nach ihm, versuchte ihn erneut zu schlagen und hätte ihn in meiner Raserei am liebsten vom Dach geworfen. Matthial verwehrte mir meine Antwort dennoch, er rief bloß nach Josh. Rief, dass er ihm helfen musste, mich wieder einzusperren.

• • •

Bewegungslos saß ich in meiner Kammer und wartete darauf, dass die Nacht kam, als das grausame Begreifen durch meinen Zorn drang, der mich vor der Wahrheit und dem Schmerz beschützt hatte. Tot. Tot. Tot. Mein Herz schien zu zerspringen.

Wenn Neél wirklich tot war, dann war er allein gestorben. In der Hand seiner Feinde. Er musste gelitten haben – und alles nur meinetwegen. Matthial trug die Schuld nicht allein.

Ich weinte, wie ich in meinem Leben noch nicht geweint hatte. Wenn doch nur bald die Nacht kam! Vielleicht verzog sich Dark Canopys Wolke rechtzeitig, sodass man Sterne sah.

Ich war nicht sicher, ob ich sie noch sehen konnte.

• • •

Der Bote von Jamies Clan kam am Tag darauf. Ich hörte ihn reden, verstand aber kaum, was er sagte. Es ging darum, dass wir aus dem Clanhaus verschwinden mussten. Dort sei es nicht mehr sicher. Es war mir gleichgültig.

Josh meinte, ich stünde unter Schock und wäre nicht in der Lage, so weit zu laufen. Doch er irrte sich, ich lief sogar so schnell, dass sie mit dem Pferd hinter mir herreiten und mir die Arme auf den Rücken drehen mussten, um mich zum Stehenbleiben zu zwingen. Aus irgendeinem Grund wirkten die anderen viel schockierter über ihre eigene Brutalität als ich.

Sie gaben mir Mohnsaft, damit ich mich etwas beruhigte, glaubten, ich würde ihn brauchen. Es war mir vollkommen egal, was sie glaubten. Ich trank das bittere Gebräu, damit sie mich in Ruhe ließen, und dachte danach stundenlang an nichts anderes als an Witwen. Es war Neél, der mir in einer Sommernacht voller Sterne erklärt hatte, was Witwen sind, und nun fühlte ich mich selbst wie eine, wann immer ich an ihn dachte. Und dachte ich einen Moment nicht an ihn?

Teilnahmslos beobachtete ich, wie Habseligkeiten emsig in Säcke gestopft und auf den Rücken von Menschen und Tieren verteilt wurden.

»Wir müssen uns beeilen«, sagte Kendra. »Pack endlich an. Sie können jederzeit kommen.«

Ich entgegnete nichts, dachte: Na und? Und Kendra schüttelte den Kopf, die Augen mit einer schwieligen Hand bedeckt.

Ich wartete darauf, dass sie kamen. Viel, was man sich über die Percents erzählte, war gelogen. Aber ihre Rachsucht, die war mehr als nur ein Gerücht, mit dem man Kindern Hass einpflanzte. Die war echt. Ich wartete still.

Wir brachen bald auf, flüchteten aus dem Haus mit der verblassten Coca-Cola-Front und folgten Matthial in die Kanalisation.

»Es ist nur für ein paar Tage«, flüsterte er sanft in mein Ohr, aber ich wusste damals schon, dass ein Tag unter der Erde sehr lang sein kann.

2

und wenn mutantratten kommen? dann haben wir etwas zu essen und sind nicht allein.

»Alles in Ordnung, Joy?«

Die Stimme stach aus der Dunkelheit mitten in meinen Traum, ließ ihn platzen wie eine Seifenblase und ich fuhr zusammen. Meine Hand tastete hastig über das Kopfende meiner Matratze, suchte etwas, das meine schlaftrunkenen Gedanken noch nicht benennen konnten. Meine Finger stießen gegen etwas Hartes, Kaltes. Die Pistole, ach ja.

Ich brauchte sie nicht, ich hatte die Stimme inzwischen erkannt. Sie gehörte zu Josh, dessen Silhouette sich langsam aus der Finsternis schälte, als sich meine Augen daran gewöhnten.

Ich rieb mir die Lider, meine Wimpern waren völlig verklebt. »Alles okay.«

»Du hast geschrien.«

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