Das alte China - Helwig Schmidt-Glintzer - E-Book

Das alte China E-Book

Helwig Schmidt-Glintzer

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Beschreibung

Nach chinesischer Auffassung beginnt die Geschichte des neuzeitlichen China mit den Opiumkriegen, und die Gegenwart beginnt mit der 4.-Mai-Bewegung 1919. In dem vorliegenden Buch werden, eingebettet in die Darstellung der wichtigsten Ereignisse der letzten 150 Jahre, die Entwicklungsrichtungen und die inneren Konflikte Chinas ebenso dargestellt wie die großen Errungenschaften dieses Riesenreiches und außenpolitische Verwicklungen. Die Kombination chinesischer Geschichtsdarstellungen und Außenperspektiven geben dem Leser ein komplettes Bild. Helwig Schmidt-Glintzer vermittelt das wichtigste Wissen, um die heutige Entwicklung Chinas und seine Stellung in der Welt verstehen zu können.

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Helwig Schmidt-Glintzer

DAS ALTE CHINA

Von den Anfängen bis zum 19. Jahrhundert

Verlag C.H.Beck

Zum Buch

Diese Darstellung der Geschichte und Kultur Chinas von den Anfängen bis in die Zeit der politischen und wirtschaftlichen Fremdbestimmung im 19. Jahrhundert zeigt Entwicklungslinien, die die Dynamik des heutigen China überhaupt erst verständlich machen. Im alten China tauchen bereits die Grundprobleme auf, die sich dem Land heute noch stellen. Die Konfliktzonen der Vergangenheit und mögliche Grenzen innerhalb Chinas sind im Bewusstsein der Bevölkerung noch präsent. Daher wird die Einheit Chinas auch über die Zeit der Herrschaft durch die kommunistische Partei hinaus nur gelingen, wenn die in der chinesischen Geschichte deutliche innere Vielfalt akzeptiert und nicht der Forderung nach Einheitlichkeit geopfert wird. Diese knappe chinesische Geschichte auf dem aktuellen Forschungsstand dient daher auch dem leichteren Verständnis des heutigen China.

Über den Autor

Helwig Schmidt-Glintzer ist Seniorprofessor und Direktor des China Centrums Tübingen. Er war Inhaber des Lehrstuhls für Ostasiatische Kultur- und Sprachwissenschaft an der Universität München (1981–1993) und Direktor der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (1993–2015). Bei C.H.Beck erschienen von ihm u.a. das Standardwerk «Geschichte der chinesischen Literatur» (2. Aufl. 1999) sowie in der Reihe C.H.Beck Wissen «Das neue China» (6. Aufl. 2014) und «Der Buddhismus» (3. Aufl. 2014). Er ist Mitbegründer der «Zeitschrift für Ideengeschichte».

Inhalt

Vorwort

I. Strukturbildungen (5000–221 v. Chr.)

1. Die Anfänge

2. Das Zentrum der Macht und des Rituals

Die Naturräume

3. China und die Welt

Kosmogonie, Kosmologie und Astronomie

Die Trennung von Himmel und Erde

Frühe Kartographie und die Kenntnis der Welt

4. Die Ausdehnung des Territoriums und die Beziehung zu den Nachbarn

Ausbildung eines Staatsgebietes

5. Der soziale Prozess und die Periodisierungsfrage

Legitimation der Zhou-Herrschaft

Bäuerlicher Landbesitz

Demographie

6. Staat und Gesellschaft

Dynastiewechsel und Herrschaftslegitimation

Verwaltung und Hauptstädte

II. Die Begründung des Einheitsreiches (221 v. Chr. – 220 n. Chr.)

1. Aufstieg und Erfolg des Staates Qin

Reformen unter Herzog Xiao (361–338)

2. Eroberungen und Reichseinigung

Die «Architekten» des Einheitsreiches

Die prägende Rolle Shihuangdis

Verwaltung

Shihuangdi als Trauma und Vorbild

3. Die Han-Dynastie

Liu Bangs Weg zur Macht

Die rituelle Stellung des Kaisers

Innenpolitik und Recht

Innerer und Äußerer Hof

Agrarverfassung und die Finanzierung des Militärs

Cliquenkämpfe bei Hofe und «entthronte Kaiser»

Grenzbeziehungen und Außenpolitik

4. Die Bewährung der Ordnungsvorstellungen und der Kulte des Kaiserreiches

III. Teilung des Reiches und Fremdvölker (220–589)

1. Rebellionen und Gefahren aus der Steppe

«Dämonenhafte Rebellen»

Ausschaltung der Eunuchen und Herrschaft der Kriegsherren

2. Die Drei Reiche

Die Teilung zwischen Nord und Süd

Die Erfolge Cao Caos

Die Reiche Shu-Han und Wu im Süden

Der Jin-Staat des Sima-Klans

3. Selbstverwaltung und Staat: Die Durchsetzung einer Gesinnungsaristokratie

Versöhnung von lokaler Autonomie und Zentralstaatlichkeit

Keime des Zerfalls

4. Die Ausbreitung des Buddhismus

Die Seidenstraße und der Buddhismus

Antibuddhistische Polemik und die Durchsetzung von Mönchsregeln

IV. Politische Gefolgschaft und Herrschaftssicherung (579–906)

1. Gründung und Fall der Dynastie Sui

Die Persönlichkeit Sui Wendis und das Einigungswerk

Blüte und Verfall

Die öffentlichen Arbeiten

Der innere Zusammenbruch

Merkmale des neuen Einigungswerks in der Sui- und Tang-Zeit

2. Machtwechsel und Konsolidierung des Reiches

Vom General zum Kaiser

Reorganisation und Befriedung des Reiches

Außenpolitik und Expansion

3. Das Interregnum der Kaiserin Wu und das «Goldene Zeitalter»

Die Auflösung der mittelalterlichen Aristokratie

Der Aufstieg der Kaiserin Wu und der Versuch der Restauration der Tang

4. Religiosität der Massen und die Stellung der Religionen

Urbanisierung und Stadtgott-Tempel

Die Stellung der Religionen

Der Verkauf von Ordinationsscheinen und die Religionsverfolgungen um 840

5. Neue Reiche am Rande der Tang-Herrschaft

China als Vorbild für seine Nachbarn

Das erste türkische Reich

Das Reich der Tibeter und das südliche Köngreich Nanzhao

6. Bürokratisierung, Regionalismus und das Ende der Tang-Herrschaft

Rechtsordnung

Verwaltung und Militär

Der Aufstand des An Lushan

Zentrifugale Tendenzen

Das Ende der Tang-Herrschaft

V. Bürokratie und neuer Geist (907–1368)

1. Die Fünf Dynastien im Norden und der Süden

Ein neuer Typ der imperialen Machtausübung

Die Fortdauer des Einheitsgedankens

Wohlstand im Süden: Der Wu-Yue-Staat

2. Reiche am Rande

Liao

Das Tanguten-Reich Xixia

3. Das Song-Reich – Beginn einer neuen Zeit?

Das Militär unter ziviler Aufsicht

Beamtenrekrutierung und Bildungswesen

Binnenhandel und handwerkliche Spezialisierung

Soziale Fürsorge

Das Recht der Song-Zeit

Reformversuche und soziale Bewegungen

4. Verlust des Nordens und Rückzug nach Süden

Krise in der Mitte der Dynastie

Verheerungen durch die Dschurdschen

Die Bildung einer «Erobererdynastie»: Das Jin-Reich

Der Einfall der Mongolen und die endgültige Unterwerfung

5. Die Mongolenherrschaft

Khubilai und die Yuan-Dynastie

Das Prinzip der dualen Herrschaft

Geld und Wirtschaft

Religionspolitik der Yuan und «pax mongolica»

VI. Autokratie und Prosperität (1368–1840)

1. Die Einigung unter der nationalen Dynastie Ming

Aufstände am Ende der Yuan-Dynastie

Zhu Yuanzhang: Vom Rebellenführer zum Kaiser

Kontrolle des Militärs durch die Politik

2. Ritualismus und Perfektion des Staates

3. Dynastiewechsel und Fremdherrschaft

4. Das 18. Jahrhundert

Anfänge einer Industrialisierung

Korruption und das rasche Bevölkerungswachstum

Die Expansionspolitik der Mandschu-Regierung

5. Literatur und Bildung

Die Konkurrenz um die Staatsämter

Urbanisierung

Kritik der Gegenwart und der Umgang mit der Geschichte

Der Kampf gegen den Opiumimport

Schluss: Das Bewusstsein von der Einheit der Kultur

ANHANG

Zeittafel

Literaturhinweise

Nachschlagewerke

Gesamtdarstellungen

Darstellungen größerer Zeiträume

Aspekte der Kultur- und Wirtschaftsgeschichte

Register

Vorwort

Während man sich in China mit Blick auf eine gänzlich neue Zukunft lange Zeit von der Vergangenheit abkehrte, verbindet sich inzwischen wieder ein Zukunftszweifel mit der Hinwendung zur Vergangenheit. So rückt auch in China die Geschichte seit ihren frühesten Anfängen immer stärker in das Bewusstsein der Gegenwart. Die nachwachsenden Generationen werden an die Vergangenheit des eigenen Landes und die Ausbildung der eigenen Kultur in neuer Weise herangeführt. Der Stolz auf die große kulturelle Vielfalt soll zur Ressource für eine vielversprechende Zukunft werden. Daher ist für den Umgang mit dem heutigen China ein umfassendes Bild von seiner Geschichte entscheidend.

Auch wenn das Wissen über Grundstrukturen der Kultur und Geschichte sich nicht ständig erneuert und die Erzählungen über die Vergangenheit sich wiederholen, gibt es doch ein wachsendes Detailwissen, und zwar in allen Bereichen. Einer ständig erneuten Vergewisserung über die Grundzüge der Geschichte bedarf es aber auch deswegen, weil sich China zunehmend mit anderen Kulturen vergleicht. Auf der einen Seite versteht es sich als eine der «Wiegen der Welt» und stellt sich mit Ägypten und anderen Hochkulturen auf eine Stufe, zugleich sieht es sich mit den großen heutigen Wirtschaftsmächten wie den Vereinigten Staaten von Amerika und Europa auf Augenhöhe. Dies führt zu neuen reflexiven Diskursen über die Komplexität der eigenen Geschichte wie der Geschichte anderer Völker und Kulturen.

Die Kenntnis der Geschichte des alten China vor der Zeit des Zusammenbruchs des Kaiserreiches, der mit dem Versagen des alten Systems und den großen Rebellionen in der Zeit um 1800 einsetzt, gehört daher zum notwendigen Rüstzeug für jeden, der mit China in Beziehung tritt. Erst der Blick auf die älteren, von der späten Kaiserzeit sehr verschiedenen Epochen seit dem chinesischen Neolithikum und der Bronzezeit ergibt ein vollständiges Bild. Nicht nur die «Identität Chinas», die sich vor mehr als zweitausend Jahren herausgebildet hat, sondern auch in der Zwischenzeit hinzugetretene Identitätskonstruktionen beeinflussen weitere Entwicklungen und Veränderungen. Erst wer die vielfältigen Konstellationen in der Geschichte vor Augen hat, die im Bewusstsein der Entscheidungsträger weiter gegenwärtig sind, hat die Möglichkeit, rasch auf neue Trends zu reagieren. Geopolitische und rein geographische Aspekte fallen hier ebenso ins Gewicht wie Fragen der Religion, der öffentlichen Moral oder der Verkehrsinfrastruktur und des Bildungs- und Erziehungswesens.

Dass das vorliegende Buch nun in sechster Auflage erscheint, ist nicht nur eine Bestätigung für Autor und Verlag und dessen Lektoren, sondern auch ein Hinweis darauf, dass China inzwischen in Europa zu einer festen Größe im Denken der Menschen geworden ist, die sich mit China und seiner Kultur anfreunden möchten. Denn auf nahezu allen Gebieten ist in Zukunft Kooperation geboten, geht es doch um die Sicherung und Teilung aller der Menschheit gemeinsamen Lebensgrundlagen, im Energiesektor, in der Rohstofffrage, in Fragen der Menschenrechte. Der für eine solche Perspektive notwendige Horizont verlangt danach, sich mit dem Wissen um andere Länder und Völker der Erde und deren Gegenwart, aber auch deren Geschichte zu vergleichen und so zu verbinden.

I. Strukturbildungen (5000–221 v. Chr.)

1. Die Anfänge

Die Anfänge der Geschichte Chinas liegen im Dunkeln, umso mehr als die Frage, was denn «das Chinesische» konstituiere, bis heute als unbeantwortet gelten muss. So viel lässt sich jedoch sagen, dass es am Ende des zweiten und im Laufe des ersten vorchristlichen Jahrtausends zur Herausbildung eines Begriffes der Zugehörigkeit zu jener Gruppe gekommen ist, die im Gegensatz zu den «Unzivilisierten» durch bestimmte kulturelle Merkmale gekennzeichnet ist und die sich später als «Chinesisch» bezeichnete. Von woher diese Abgrenzung ihren Ausgang genommen hat, ist bis heute unklar; es spricht aber vieles dafür, dass die chinesische Kultur das Ergebnis einer Vermischung vielfältiger regionaler Teilkulturen war. Noch die Herkunft der Führer des das Reich einigenden Qin-Staates gilt ebenso als «barbarisch», wie dies für die Führungsschicht der vorhergehenden Zhou zutrifft.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit China knüpft an die Vorstellung einer kulturellen Identität an, auch wenn sie selbst immer wieder andere Abgrenzungsversuche unternommen hat. Hervorzuheben aber ist der Umstand, dass die wissenschaftliche Beschäftigung mit China nicht nur von der Selbstauslegung der chinesischen Geschichtsschreibung, sondern auch von den Interessenlagen der sich mit China beschäftigenden Länder sowie von deren Wissenschaftstraditionen aufs Nachhaltigste beeinflusst wird. Wir sind uns daher heute viel stärker als in der Vergangenheit des Umstandes bewusst, dass unser eigenes Chinabild nicht nur von den Kenntnissen über China, sondern auch durch unsere eigenen Wahrnehmungsformen bestimmt ist. Das China der Sinologen ist – um es prägnant zu formulieren – vielfach nicht das China der Chinesen.

Heute verstehen sich die Chinesen als ein Volk mit einer sehr langen Geschichte. Für die Anfänge gibt es verschiedene Befunde: die alten Mythen, die archäologischen Fakten und die Geschichtsschreibung im engeren Sinne. Das Bild, das man sich bis vor wenigen Jahren von der Vor- und Frühgeschichte Chinas und überhaupt von der frühen Menschheitsgeschichte in Ostasien machte, hat sich aufgrund der archäologischen Funde der neuesten Zeit erheblich gewandelt. Der 1934 in Zhoukoudian geborgene, vor 500.000 bis 400.000 Jahren lebende Pekingmensch gilt längst nicht mehr als der älteste Mensch; den im Südwesten in der Provinz Yunnan gefundenen Yuanmoumenschen datiert man auf etwa 600.000 Jahre.

Weit stärker noch hat sich das Bild von der frühen Kulturentwicklung in den einzelnen Regionen des heutigen China durch Ausgrabungsfunde der letzten Jahre und Jahrzehnte verändert. Nach Fundorten werden einzelne Kulturen benannt, wie etwa die von Hirseanbau, Haustierhaltung und Keramikherstellung geprägten jungsteinzeitlichen Cishan- und Peiligang-Kulturen des 6. Jahrtausends v. Chr. Ein genaueres Bild können wir erst von der unweit des «Gelben Flusses» (Huanghe) gefundenen Yangshao-Kultur (ca. 5000–3000 v. Chr., Provinz Shaanxi), von der Longshan-Kultur (ca. 2400–1900 v. Chr., Provinz Shandong) und von der weiter westlich gelegenen Majiayao-Kultur (ca. 3300–2000 v. Chr., Provinzen Qinghai und Gansu) gewinnen. Während die Kulturen Nordchinas gewisse Ähnlichkeiten aufweisen, ist der Charakter der Kulturen des Südens doch sehr verschieden gewesen. So tragen die Hemudu-Kultur am Unterlauf des Yangzi (ca. 5000–3000 v. Chr.) und die Majiabang-Kultur (ca. 5000–4000 v. Chr.) sehr eigenständige Züge.

Wie sich aus der Vielzahl der stark regional geprägten Kulturen eine chinesische Kultur bildete, ist die grundlegende Frage aller Beschäftigung mit der Frühzeit der Geschichte Chinas. Auch das vorliegende Buch will eine knappe, zugegeben vorläufige Antwort auf diese Frage geben. Der Verfasser ist sich sehr wohl bewusst, dass die Frühgeschichte Chinas in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch mehrfach umgeschrieben werden muss und dabei wird auch das Interesse der chinesischen Machtelite an staatlicher Einheit ebenso beteiligt sein wie die regionalen Sonderinteressen.

Das China, das wir als historisch – weil durch schriftliche Denkmäler belegt – zu bezeichnen uns angewöhnt haben, dieser sich über Teile Nord- und Zentralchinas erstreckende Herrschaftsverband, beerbte eine lange Tradition der Herausbildung und Pflege politischer, kultureller und sozialer Einheiten. Ob die der Dynastie Shang vorangehende Dynastie erst eine spätere Erfindung war oder doch historisch ist, ist noch nicht entschieden. Die chinesische Kultur bildete sich also im späten dritten Jahrtausend v. Chr., im Übergang zur Bronzezeit. Bei dieser Feststellung wird aber leicht übersehen, dass einerseits das damalige China nur einen Teil der heutigen Ausdehnung hatte und dass sich andererseits infolge der Integration weiterer Völkerschaften und Kulturen die Eigenart der chinesischen Kultur im Laufe der Jahrhunderte ganz entscheidend veränderte. Es ist daher China zu Recht auch mit einem Chamäleon verglichen worden.

2. Das Zentrum der Macht und des Rituals

Die Naturräume

Das chinesische Reich in seiner bisher größten Ausdehnung schließt mehr als ein Dutzend Naturräume ein, von denen einige erst spät zu einem Teil des chinesischen Reiches und der chinesischen Kultur wurden und manche bis heute von einer erheblichen Zahl ihrer Bewohner nicht als Teil Chinas anerkannt werden. Dies gilt insbesondere für die Peripherie des Reiches, an erster Stelle für die Hochebene Tibets und seine Gebirgszüge (1). Im Norden schließt sich daran das von den mächtigen Gebirgszügen des Kunlun, des Pamir und des Tianshan umschlossene Tarimbecken von Xinjiang an (Sinkiang, auch: Chinesisch-Turkestan) (2). Im Norden und Nordwesten liegen die Steppengebiete der Mongolei (3) und die Mandschurische Ebene (4), die südöstlich von Gebirgszügen abgeschlossen wird, die den Übergang zur koreanischen Halbinsel erschweren. Nordwestlich und westlich der zum Teil gebirgigen Halbinsel Shandong mit dem heiligen Berg Taishan (6) erstreckt sich die Nordchinesische Ebene (7), zu der die Provinz Hebei, das westliche Shandong, ein Großteil Henans und das nördliche Anhui gehören. Die Ebene wird nordwestlich von dem bergigen Shanxi-Plateau begrenzt (8) und verläuft sich nach Westen hin ins Shaanxi-Becken (9) mit dem Wei-Fluss und der Ostbiegung des Gelben Flusses, wo sich bis zum Ende des ersten nachchristlichen Jahrtausends die wichtigsten Hauptstädte befanden. Nach Westen und dann nach Nordwesten zieht sich der Gansu-Korridor (10) am Fuße des Qinghai-Massivs bis in die Oasengebiete der östlichen Seidenstraße. Gegenüber diesen nördlichen und westlichen Teilen Chinas sind der Süden, Südwesten und Südosten des Reiches nicht nur durch ein milderes, in Südchina dann subtropisches Klima geprägt. Dieser Teil ist auch kulturgeschichtlich eine Zone eigenen Charakters, dessen Sinisierung relativ spät erfolgte und wo sich in vorgeschichtlicher Zeit möglicherweise ganz andere Kulturen fanden, deren Verwandtschaft mit Kulturen Ozeaniens bisher allerdings nur eine Hypothese ist. Das Untere Yangzi-Tal (11) wird nach Südosten von den bergigen Küstengebieten Zhejiangs und Fujians (12) begrenzt, die zusammen mit den schmalen Küstenstreifen einerseits und den inländischen Flusssystemen andererseits die Grundlage für eine wirtschaftliche und soziale Vielfalt boten, die mit dazu beitrug, dass insbesondere seit dem ausgehenden ersten Jahrtausend dieser Region eine wachsende Bedeutung zukam. Die Mittlere Yangzi-Ebene (13) erstreckt sich über die Provinzen Hubei, Hunan, Jiangxi und Teile des südlichen Anhui. Weiter westlich öffnet sich hinter den engen Yangzi-Schluchten das wegen seines Bodens sogenannte «Rote Becken» in der Provinz Sichuan (14), das im Westen an Tibet grenzt. Das aus den dortigen sino-tibetischen Grenzgebirgen (15) stammende Niederschlagswasser zerklüftet das südwestlich gelegene gebirgige Yunnan (16), das ostwärts in die Hochebene von Guizhou (17) und schließlich nach Guangxi (18) und Guangdong (19) ausläuft.