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Phil möchte sich seinen Traum von einen eigenem Haus erfüllen. Bei der Besichtigung des alten Forsthauses kennt er nicht die Geschichte des Hauses. Vor allem kennt er nicht die Besucher, die sich dort verstecken. Das Haus wird sein Leben und das der anderen Besucher dramatisch und drastisch verändern.
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Seitenzahl: 207
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Neun Uhr Morgens
Zwanzig Stunden früher
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Neun Uhr achtundzwanzig Vormittag
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel/ Elf Uhr einundzwanzig
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Fast ein Jahr Später
Kapitel
Kapitel
Phil fährt den holprigen Sandweg bedächtig, ein Schlagloch reiht sich an das Nächste. Der Weg ist nass, das Gewitter hat letzte Nacht ganze Arbeit geleistet. Das Wasser spritzt bis zur Fahrerscheibe hoch, obwohl es kaum langsamer fahren kann. Von weiten kann er schon das rot graue Dach des alten Hauses sehen. Der braune Schornstein ragt hoch in den Himmel, der jetzt tief blau aussieht und von der Morgensonne strahlend begleitet wird. Desto näher er dem Grundstück kommt, umso größer wurde das Haus. Er konnte schon das Auto vom Makler erkennen. Der bestimmt wieder diesen grauen Anzug an hat, der auch schon bessere Tage gesehen hat. Sicher wieder die Haare schon nach hinten gegellt. Das ist so ein schmieriger Typ, denkt Phil.
Aber Björn hat gesagt, der ist gut und vor allem ist er nicht so teuer. Und was ganz wichtig war, er hatte dieses Grundstück im Angebot. Das etwas außerhalb der Stadt liegt, so wie es Phil schon immer gesucht hat. Ein altes Forsthaus.
Er parkt seinen alten grünen Ford genau neben dem Auto des Maklers, einem schwarzen BMW X 5. Dieser Drecksack denkt Phil, so ein Auto der Schmierbauch. Durch die hängende Eingangspforte aus altem Holz, wo die graue Farbe schon verblichen ist, betritt Phil das Grundstück. Im Garten voller Unkraut und herrlich vergessenen Blumen, sieht er schon den Makler eine einladende Handbewegung machen. Er geht den schmalen Weg, welcher schon vom Gras und Gestrüpp eingenommen wurde, entlang. „ Da sind sie ja!
Schlegel mein Name. War es schwer hier her zu finden?“ reicht der Makler ihm die rechte Hand entgegen, in der linken hält er eine kleine braune Aktentasche. Seine Hand fasst sich weich und lapperig an. „ Gröber angenehm. Ach nein war alles gut.
Nur der Weg ist etwas schwierig. Dafür ist aber dieses Grundstück ja genial und riesig.“ „Tausendzweihundert Quadratmeter und kein Nachbar weit und breit. Natürlich etwas müssen sie schon am Wildwuchs im Garten machen. Aber mit einem grünen Daumen und Liebe zur Natur, ist das in Handumdrehen ein wunderbares Gartenparadies.“ Phil dreht sich einmal im Kreis. Klar nur etwas am Wildwuchs machen.
Hier hat doch schon seit Jahren keiner mehr auch nur einen Grashalm gemäht. „ Wie lange steht das Objekt schon leer sagten sie?“„ Sagte ich?“ schaute der Makler ihn verdutzt an. „Na gut der Besitzer ist vor 6 Jahren gestorben und seine Frau lebt in der Stadt im Altersheim. Möchte unbedingt das Grundstück veräußert haben. Aber das Haus hat einen soliden Baukern. Massiv und robust, mit sehr viel Nebengebäuden. Wenn sie mir folgen möchten.“ Mit großen Schritten nimmt der Makler die Stufen.
Phil folgt ihm vorsichtig. Die Haustür ist groß und schwer, die braune Farbe blättert schon in großen Fetzen ab. In Augenhöhe befindet sich ein verrosteter Türklopfer in Löwenkopfform. „Sie dürfen sich nicht vom Äußerlichen leiten lassen.“ Schließt der Makler die Tür auf. Beim Öffnen fällt Putz oder Staub vom Türrahmen. Schnell stell er seine Tasche hinter die Tür, um so beide Hände frei zu haben. Mit beiden Händen versucht er nun den Dreck aus der Luft zu wischen. „ Muss nur mal Staub gewischt werden.“ Kommt ihm das Husten an.
Phil betritt zaghaft das Haus. Ein staubiger muffiger Geruch kriecht ihm in die Nase und unter seinen Füssen knarren die Holzdielen. Ein großer Eingangsbereich mit drei abgehenden Türen wird durch das einfallende Licht der Eingangstür sichtbar. Schlegel dreht sich etwas zu Phil hin. „
Hundertfünfundvierzig Quadratmeter auf Sieben Zimmer verteilt. Ohne Heizung, aber schon mit WC und fließend Wasser. Ein großer Dachboden und auch Keller. Draußen haben sie die Gelasse gesehen.“ Phil drückt den Lichtschalter nach unten. „ Nein geht noch nicht, wird erst wieder angemeldet werden müssen. Aber lassen sie uns den ersten Raum betreten.“ Hat er schon die erste Türe geöffnet. Ein großes Zimmer mit einer weiten Glasfront als Wand, mit einer Terrassentür wird für Phil sichtbar. Schlegel zieht die Vorhänge nach hinten und die Sonne durchflutet den Raum. „ Sehen sie, so viel Licht und dann der Ausblick.“ Öffnet Schlegel schon die Terrassentür. Phil ist begeistert. Sein Blick geht durch den hellen Raum und bleibt beim Kamin hängen. „ Ja ein herrliches Stück dieser Kamin.
Noch Handwerk und nicht das was man industriell kauft. Das ist noch mit Liebe erschaffen.“ Hat der Makler gleich Phil seine Begeisterung erkannt. Wohlwollend streichelt er sich über seinen etwas dicken Bauch mit einer Hand. „ Nun mal ehrlich“ schaut Phil ihn jetzt an, „ Nun mal ehrlich, wo ist bei diesem Objekt der Haken. Damit der Preis so niedrig ist?“ Schlegel grienst ihn an und fährt sich mit der Hand durch sein so schmieriges Haar. „Da ist kein Haken. Es ist ganz einfach. Das Objekt liegt weit von der Zivilisation, weit und breit kein Nachbar. Keine ordentliche Zufahrtsstraße und keine Heizung. Alles muss noch per Öfen beheizt werden.“ „ Tja aber trotzdem, irgendwas muss doch noch sein.“ „Lieber Herr Gröber, wenn ihnen, der Preis zu niedrig ist. Können sie mir gerne mehr bezahlen.“ Grient Schlegel nun wieder. „ Nein ich kaufe es für diesen Preis, aber irgendein Geheimnis gibt es doch noch oder. Herr Schlegel raus mit der Sprache.“
„Lassen sie uns die nächsten Räume betrachten.“ Will Schlegel sich der unangenehmen Frage entziehen. „ Nun sagen sie schon!“ läuft Phil hinterher. Schlegel hat schon die nächste Tür geöffnet und Phil folgt ihm. Ein etwas kleinerer Raum, der einen merkwürdigen Geruch verbreitet, liegt nun vor ihm. Schlegel öffnet die Vorhänge und gleichzeitig das Fenster. Dann dreht er sich zu Phil um. Dieser hat einen starren Blick auf den Fußboden gerichtet. Der Holzboden hat in der Mitte des Raumes einen dunkel verfärbten Umriss. Es sieht so aus, als hätte dort jemand versucht etwas zu entfernen. „Ist es das was ich denke?“ schaut er nun zu Schlegel. Und der Geruch, ja es riecht nach Chlor oder Desinfektionsmittel. „ Naja ...“ stottert Schlegel jetzt. „ Was ist das und was ist hier passiert? Sagen sie schon!“ Schlegel dreht sich zum Fenster und betrachtet die mächtigen Kiefern am Waldesrand. „ Der Fleck ist Blut.“ Macht er wieder eine Pause. „Von wem? Von einem Tier oder was?“ will es Phil jetzt genauer wissen. „ Nein!“ dreht sich Schlegel jetzt in seine Richtung. „ Der Hausherr hat sich hier erschossen.“
„ Scheiße, das auch noch.“ Phil atmet erstmal tief durch. Und jetzt bemerkt er erst, damit unter seinen Füssen nochmal die fast gleiche Farbveränderung auf dem Fußboden ist. Nur damit dieser etwas kleiner ist. Schnell springt er zur Seite. „ Und was ist das für ein Fleck?“ „ Das ist die Antwort, warum der Preis..“ stottert Schlegel. „ Oh Gott was ist hier passiert. Sagen sie schon. Aber alles!“ ist Phil jetzt etwas erregt und fahrig. Schlegel streicht sich wieder durch sein Haar. „ Ich weiß auch nicht alles. Denke es war vor sechs Jahren im Winter. Es war abends als die zwei Brüder Maik und Bernd Kulmer auf der Flucht auf dieses Haus trafen. Sind da gerade aus dem Knast ausgebrochen. Besser gesagt, der kleine Bruder Bernd hat den großen Bruder Maik mit Hilfe eines Justizvollzugsbeamten zur Flucht verholfen. Haben sie damals bestimmt in den Medien gehört oder?“ sah er nun wieder aus dem Fenster. „ Nein das höre ich zum ersten Mal. Erzählen sie weiter.“ Lässt Phil keine Pause zu.„ Jedenfalls sind sie in das Haus eingedrungen. Ich kann auch nur das sagen was mir erzählt wurde.“ Druckste jetzt Schlegel unruhig. „ Also man sagt, sie hätten den Vater und den behinderten Sohn in diesen Raum eingesperrt. Danach sollen sie die Frau mehrfach brutal vergewaltigt haben. Solange bis diese bewusstlos wurde.
Anscheinend dachten sie, damit diese Tod ist. Sie durchwühlten das ganze Haus nach Wertgegenständen. Bis sie die Waffe in einem Schrank fanden. Das war natürlich schlecht, weil sie öffneten diesen Raum hier nochmal und erschossen hintereinander den Vater und Sohn.“ Schlegel war dabei etwas blass geworden.
„Das ist aber schon wie gesagt sechs Jahre her und die Brüder wurden gefasst und weggesperrt.“ „ Die Frau ist gar nicht im Altersheim oder!“ war jetzt Phil etwas misstrauisch. Schlegel verzog etwas den Mund „ Nein sie ist schon in einem Heim, aber es ist mehr eine psychiatrische Anstalt. Phil war nun übel. „Entschuldigen sie mal…“ und rannte schon eilig nach draußen. Schlegel sah ihm nur mitleidig hinterher. Phil setzte sich erstmal auf die Steintreppe und wischte sich seinen Mund mit einem Taschentuch ab.
Tiefdurchatmend sah er in den Himmel. So schön blau und unschuldig. Kleine Wölkchen zogen Richtung Wald, wo die dunklen Kiefern so viel verbargen. Schlegel trat leise hinter ihm. „Sollen wir weiter machen Herr Gröber? Geht es wieder?“ setzte er sich neben Phil. Dieser schaute kurz über die Schulter an. „ Ich will nichts mehr sehen. Glaube ich.“ Stumm blickten beide eine Weile in die großen Kiefernbäume. Als würden sie ihnen das Geheimnis dieses Hauses verraten. „ Und wie soll es nun weiter gehen Herr Gröber?
Hätte dann noch andere Termine. Muss um zehn Uhr wieder in der Stadt sein.“ Phil streckte seinen rechten Fuß nach vorn und stellte sich an die unterste Stufe der Treppe. „ Ich möchte nichts mehr sehen.
Machen sie den Kaufvertrag fertig und gut ist.“ „ Das klingt doch gut.“ Huschte ein freudiges Lächeln über Schlegel sein Gesicht. „Und sie werden sehen, damit dass ein wunderbares Objekt ist. Ich lasse ihnen dann den Vertrag zu kommen.“ Hob er die rechte Hand in Phils Richtung. Diese war diesmal auch noch richtig feucht.
Unbemerkt wischte Phil sich seine Hand danach an der Hose trocken. So ein ekliger Kerl dachte Phil.
„Hat mich gefreut Herr Gröber“ verschloss Schlegel wieder alle Fenster und Türen im Haus. „
Wünsche ihnen noch einen angenehmen Tag. Aber kurz noch.“ Drehte er sich beim Gehen nochmal zu Phil. „ Das Geld, wie machen wir das? Bar oder wollen sie eine Rechnung haben? Dann müsste natürlich noch Steuer rauf.“ „ Haha.“ nickte Phil mit dem Kopf.
„ Wie möchten sie es denn?“ fragte Phil. Schlegels Lippen grinsten, „ Aber Herr Gröber wir verstehen uns doch oder? Das ist doch nur in ihrem Interesse.“ „ Ja klar, ich bringe das Geld bar mit. Aber ich bekomme den Grundbucheintrag.“
„Selbstredend Herr Gröber. Ich sehe, wir verstehen uns.“ Er wollte schon wieder seine rechte Hand in Phil seine Richtung strecken, als Phil ihm schon auf die Schulter gehauen hat. „ Sie rufen mich an wenn alles fertig ist Herr Schlegel. Bis dann.“ Setzte sich Phil schnell in seinen Ford. Nur weg hier dachte er. Schlegel stand mit seinen dicken Bauch da und betrachtete den fluchtartigen Abgang von Phil. Dann holte er sein Handy aus der Tasche und telefonierte erstmal. Phil versuchte in der Zeit sein Auto zu starten, beim Drehen des Zündschlüssels passierte gar nichts. Kein Ton, jedes Mal gingen alle Kontrolllampen im Display aus.
Aber nichts passierte. Nicht schon wieder dachte Phil. Sicherlich wieder ein Relais feucht geworden. So ein Mist. Phil stieg wieder aus und öffnete seine Motorhaube. „ Na will er nicht? Ist auch schon ein älteres Modell oder?“ stand jetzt Schlegel hinter ihm. „ Ich hätte ja davon keine Ahnung. Und sie Herr Gröber kennen sich aus? Könnte ihnen da eine Autowerkstatt empfehlen.“ Halt doch bloß dein Maul dachte Phil. „ Nein so richtig auch nicht. Ist bestimmt wegen den riesen Pfützen irgendwo feucht geworden.“ „Feucht geworden, das klingt gut.“ Grinste Schlegel unverschämt dreckig. „ Wie man es nimmt.“ Antwortete Phil ernst. So ein Idiot dachte Phil. „ Wenn sie möchten rufe ich den Abschlepper oder ich kann sie auch mitnehmen bis zur nächsten Bushaltestelle.“ Stand Schlegel immer noch neben ihm. Phil überlegte kurz, dann schlug er die Motorhaube wieder zu.
Schlegel sprang vor Schreck einen Meter zurück. „ Hui das war aber Haarscharf.“ Strich er sich mit der Hand durch sein fettiges Haar. Phil musste schmunzeln. „ Das wäre sehr nett von ihnen, wenn sie mich bis zur nächsten Haltestelle in der Stadt mitnehmen würden.“ „ Na dann, steigen sie mal ein.“ Drückte er seine Fernbedienung und am BMW leuchteten kurz die Blinklichter auf. Phil machte seinen Ford noch zu und blickte beim Einsteigen noch etwas skeptisch auf sein Auto. „ Ach den klaut doch keiner. Keine Sorge.“ Phil sah zu Schlegel rüber. Der grinste nur und drückte den Startknopf. Mit durchdrehenden Reifen gab er mal richtig Gas und die kleinen Steine klapperten nur so unter dem BMW. So ein Blödmann ging Phil durch den Kopf.
Leicht fielen die letzten Sonnenstrahlen des Sommers durch die grünen Blätter der Bäume. Färbten die Baumwipfel goldig und waren doch so vom Abschied begleitet. Die Sonne gab sich noch mal richtig Mühe, am letzten Tag dem Sommer Kraft zu verleihen. Um den Herbst, der schon bereit war mit seiner Farbenpracht das Regiment zu übernehmen, noch Paroli zu bieten.
Es war der letzte Tag der Arbeitswoche und Sören lag neben Marie auf der Decke. Ganz nah, so damit er ihre Haut spüren konnte, nur ganz leicht an seinen Armhaaren. Es ist Mittagspause und Marie ist eine toll aussehende Frau. Blonde lange Haare, super Figur mit knackigen Hintern. Genau der Typ von den Sören so träumt Nun liegt sie neben ihm und sieht so toll aus. „Hast du das Memo für den Alten noch fertig gemacht?“ versucht Sören ein Gespräch an zu fangen. „Hallo! Marie! Schläfst du?“
„ Mittagspause mein Herzchen. Und ja ich habe es raus geschickt. Nun lass mich die Sonne genießen.“ Sören blickt sie von der Seite an, ihre kleine Nase und die schönen Lippen. Wie gerne würde er sie küssen, nur mal schmecken, wie sie sich anfühlt. Ihre weiße Bluse, durch die Knopfspalte sieht er den weißen BH mit den kleinen festen Busen. Sören muss sich umdrehen, zu sehr wird dieser Anblick für ihm zur Erregung.
Ein Glück habe ich eine Jeans an, denkt er. Er sieht in die Wolken die über ihn ziehen, der Himmel so schön blau und ein Vogelschwarm der sich in den Bäumen niederlässt. Unauffällig schiebt er seinen arm näher an Marie heran, wie ein Stromstoß ist die Berührung. Nur Marie sie liegt da und atmet leise und still. Sören würde sie so gerne in den Arm nehmen. Der Schlag der Kirchturmuhr reißt ihn aus den Gedanken, es ist Ein Uhr. „Marie, wir müssen!“ Verschlafen reckt sie sich. „ Bin ich doch glatt eingeschlafen.“ Reibt sie sich die Augen. Sie nimmt die Sonnenbrille aus dem Haar und setzt sie sich auf. „Komm Sören.“ „Jawohl Madame. Und die Decke trage ich auch noch.“
„Kindskopf“ Und gibt dabei Sören einen Schubser. Der Park ist jetzt richtig belebt, überall liegen Leute auf den Picknickdecken. Alle wollen sie noch was von dem Spätsommer. An der Ampel müssen sie nicht stehen bleiben, die grüne Welle bringt den Menschenstrom in Bewegung und zieht sie mit. Zum Glück ist das Bürogebäude gleich auf der anderen Straßenseite. Sören drückt die Türe auf und macht eine einladende Bewegung mit Hand in die Richtung von Maria. „Oh danke der Kavalier!“ „Bitte die Dame“ lässt er die Tür hinter sich zu schwingen. „Treppe oder Aufzug?“ fragt Sören. Marie blickt auf die Uhr. Bis in den fünften Stock.
Eigentlich nehmen beide immer die Treppe, aber sie sind spät dran. Marie schüttelt den Kopf. „Schnell der Aufzug ist da.“
Zügig laufen beide zum Fahrstuhl. Fast gleichzeitig wollen sie auf den Knopf mit der Fünf drücken. Leicht berührt Sören die Hand von Marie. Mit ihren blauen Augen schaut sie jetzt hoch zu ihm. „Ich war schneller!!“ lächelt sie ihn an.
Drei Stunden später ist der Feierabend noch weit entfernt. „ Wie soll ich das Schaffen Marie? Müssen alle Briefe noch mal öffnen, den Text ändern und alles wieder eintüten. Da habe ich locker bis Mitternacht zu tun. So ein Dreck!“ Marie schaut mitleidig zu ihm rüber. „Sei froh, damit der Fehler bemerkt wurde. Stell dir vor, das wäre rausgegangen zum Kunde. Wo hast du überhaupt diese Textpassage her? – … Bringen Sie alle Ihre besten Schweine und Kühe mit zum großen Schlachtfest und Grillabend. Alles wird artgerecht geschlachtet und vom Metzger gleich zerlegt und verarbeitet. Es wird frische Blut- und Leberwurst geben. Die zarten Steaks und fettige Würstchen kommen sofort auf den Grill. Fleisch wird zum Gaumenschmaus…. --- liest Marie die fehlerhafte Textstelle. „ Dir ist klar, der Brief ist für die Kundschaft Vegan und ist Einladung für den Kongress Vegan und Vegetarische Lebensweise. Das Tier als gleichberechtigtes Lebewesen der Gesellschaft. Sei froh damit Karius das noch entdeckt hat.“ „ Der Affe hätte es auch mir sagen können. Aber nein erstmal schön zum Chef. Ach ist doch egal. Und woher der Text kommt, von der Einladung für die Landwirte der Fleischindustrie, irgendwie ist das da reingerutscht. Die hatte ich doch schon Anfang Juni geschrieben.“ Resignierend drückt Sören die Tasten an seinen Computer. „Ich bleibe auch und helfe Dir. Los schick mir die Briefdatei, aber die Richtige und die Adressen für den Kopf. Du von Oben, ich fange unten an.“ Ein Lächeln geht über Sören sein Gesicht. „Du bist die Beste“ „ Das kostet dich ein Mittagsessen mein Herzchen. Kannst dich glücklich schätzen, damit der Alte so human zu dir war. Ich glaube auch nur, weil seine Frau heute Geburtstag hat.“ „ Ich weiß nicht, glaube der hat noch etwas anderes. Das Management aus der obersten Etage war heute Vormittag bei ihm, soll ganz schön laut gewesen sein.“ „Wie meinst du das? Wo war ich denn da?“ wollte Marie jetzt wissen. „ Weiß nicht wo du warst, Nase pudern oder so.
Jedenfalls soll Geld fehlen, und das nicht so knapp. Sagt jedenfalls Erna, als ich am Kaffeeautomat vorhin war.“ „ Geld?.. Wieviel? Weißt du was?“ „ Nein ich weiß nicht genau wieviel. Erna sagte nur etwas vom sechsstelligen Bereich. Erscheint nicht auf dem Ausgabenkonto, ist aber auch nicht mehr da. Hat die Revision gemerkt, beim Steuerbescheid. Es soll hier aus unserer Abteilung verschwunden sein. Sagt Erna.“ „Hmm“ schaut Marie etwas seltsam in die Richtung vom Chefbüro. „ Lass uns lieber die Briefe neu anfertigen, sonst sind wir noch morgen hier.“ Versucht Sören Marie wieder zum Arbeiten zu animieren. „ Ja geht los.“ Dreht sie sich jetzt wieder mit ihrem Stuhl zum Computer.
Nach einer Weile kommt Erna und schaut kurz über die Trennwand. „Oh Sören hast ja Hilfe bekommen. Hättest ganz schön Ärger rauf beschworen mit deiner Einladung. Ich gehe jetzt. Müsst euch nicht wundern, der Chef bleibt noch. Das obwohl seine Frau heute Geburtstag hat. Da ist ganz schön Druck im Kessel, Karius muss auch noch ran. Das ganze letzte Jahr muss offengelegt werden, jeder Cent.“ Marie und Sören schauen sie beide mit großen Augen an. „ Da bleibt euch der Mund offen, fast eine Million fehlt. Das ist eine Summe, die hätte ich auch gerne.“ „Nicht nur du, ich auch!“ wendet Sören ein. „ Weiß man schon wo die sein könnten? Eine Million verschwindet doch nicht so.“ blickt Marie sie fragend an. „ Keiner hat eine Ahnung, glaube auch nicht damit das einer von der Firma gemacht hat.“
Schüttelt Erna den Kopf. „Obwohl so genau weiß man es nicht. Aber wie es auch sei, ich muss los. Nur Harry, das ist der Fahrer vom Chefmanager aus der obersten Etage, meinte das Geld ist hier irgendwo noch im Haus. Es könnte jeder sein.“ Mit einer ernsten Mine streift sie Maries Blick. „ Ja auch Du Marie!“ Vor entsetzten vertippt Marie sich, so schreckt sie zusammen. „ War doch nur ein Scherz.
Müsstest jetzt mal dein Gesicht sehen. Einfach köstlich.“ Erna haut mit der Hand auf den Schreibtisch. „ Nichts für ungut.“ und geht schnurstracks zum Fahrstuhl.
Marie sitzt immer noch blass vor ihrem Bildschirm. „ Was los? Erna erzählt viel wenn der Tag lang ist. Komm geht weiter.“ Und ohne zu Sören zu blicken, tippt Marie den Namenskopf weiter.
Es ist fast Neun Uhr Abends, als Sören den letzten Brief zuklebt. „ Geschafft.“ Lässt er sich auf seinen Stuhl fallen. „ Kann ich dich noch zu einem Drink einladen? Morgen ist doch Samstag.“ Marie streckt sich. „ Beim Chef ist immer noch Licht.“ Zeigt sie mit den Kopf in die Richtung. „Und nu, ist doch egal. Komm wir gehen. Gebe dir noch was aus:“ Marie schüttelt den Kopf. „ Ich weiß nicht, bin auch schon müde.“ „Nun los sei nicht so!“ zieht Sören sie jetzt am Jackenärmel Richtung Fahrstuhl. „Bevor der Chef raus kommt.
Karius ist auch schon fort.“ „Du bist eine richtige Nervensäge!“ Sören schaut sie mit seinen Dackelblick an. „ Aber eine liebe Nervensäge oder?“ „ Ja du Spinner.“ Sie wollten gerade den Fahrstuhl betreten, als der Chef rief. „ Frau Leuser, hätten sie mal noch kurz eine Minute für mich?
Kommen sie doch bitte mal!“ Marie sah etwas erschrocken Sören an. Der verdrehte nur die Augen „ Habe ich nicht gesagt, wie sollen uns beeilen!“ flüsterte er Marie zu. Die Fahrstuhltür ging wieder zu. „Ich warte.“ Marie drehte sich um und ging zaghaft in die Richtung des Chefs. Der stand mit zerzausten Haaren und weit aufgeknöpften Hemd im Türrahmen. „ Eigentlich habe ich schon lange Feierabend. Was gibt es denn noch?“ konnte Marie ihren Unmut nicht verbergen. Der Chef sah sie von oben bis unten an. „ Frau Leuser…“ „Fräulein Leuser bitte!“ erwiderte Marie. „ Ja ist gut Fräulein.
Eine Frage habe ich“ holte er tief Luft. Von weitem beobachtete Sören die Situation. „ Also Fräulein Leuser, sie haben doch die Pincodes für Zahlungsaufträge unter ihren Fittichen oder?“ „Warum fragen sie mich wenn sie es schon wissen. Sie sollten zum Punkt kommen Herr Vogel, es ist schon nach Neun und ich möchte bitte nach Hause.“ „ Das kann ich mir denken!“ und grinste in Sörens Richtung. Marie schüttelte den Kopf. „ Sagen sie bitte was sie möchten, aber lassen sie diese Anzüglichkeiten“ konnte sie jetzt die Alkoholfahne riechen.
„ Du kleine Kratzbürste, wie redest du mit mir?“ ging er einen Schritt in sein Büro zurück. „ Ich glaube sie haben zu viel Alkohol getrunken Herr Vogel. Ich werde nun gehen und die Beleidigungen von ihnen vergessen.“ Wollte sich Marie gerade umdrehen. „ Halt nicht so hastig du kleines Luder!“ Marie spürte wie die Hitze hier ins Gesicht kroch. Ganz langsam drehte sie sich wieder in die Richtung vom Chefbüro. Mit fast zugekniffenen Augen musterte sie ihren Chef. Dieser stand mit aufgerissenen Augen und offenen Mund vor ihr. „ Ja dich meine ich, du kleines Aas.“ War der Chef jetzt nicht mehr zu bremsen. „ Wem hast du diese Pincodes gegeben. Oder hast du sie einfach mal offen liegen lassen? Erna war es nicht, Karius auch nicht. Aber einer muss es gewesen sein.“
Ist sein Blick jetzt ganz starr. „Wo ist das Geld?“ schreit er sie jetzt an. „Jetzt reicht es aber.“ Wird Marie energischer. „ Mit welchem Recht können sie so mit mir reden? Und von was für Geld reden sie?“ Marie blickt jetzt direkt in seine Augen, die sie glasig anstarren. „ Verstehe.“ haut sie sich mit der Hand gegen die Stirn. „Ach so läuft das! Tja tut mir leid.“ Machte Marie einen Schritt zurück. „ Bei mir bleibt das auch nicht hängen. Das lasse ich mir nicht unterschieben. Die Zahlencodes werden immer nur zu zweit geöffnet und auch verwendet. Und wenn sie jetzt keine anderen Fragen haben, gehe ich jetzt. Und falls sie noch mal eine Beleidigung für mich haben, werde ich ihnen...“ Marie nahm ihren ganzen Mut zusammen. Sie ging jetzt ganz nah an sein Ohr und flüsterte, „ Ihre kleinen dreckigen Eier abreißen und ihren verkümmerten mickrigen Schwanz meinem Hund zum fressen geben. Du Wurm! Schönen Abend!“ drehte sie sich auf ihren Absätzen um und rief beim laufen „ Sören drück den Fahrstuhl!“ Sören blickte verdutzt in die Richtung und sah wie der Chef tobte und fluchte „ Du…dich schmeiß ich raus. Hörst du!“ schrie er. „ Das war dein letzter Arbeitstag du Flittchen. Was denkst du wer ich bin? Dich feure ich!“ konnte sich der Chef nicht mehr beruhigen.
Marie stand lachend im Fahrstuhl. „ Was war den los? Der will dich feuern. Was hast du gemacht? Was wollte er?“ Sören stand fragend neben Marie. „ Der war besoffen und will mir das Verschwinden von dem Geld anhängen. Der spinnt doch.“ „Und wenn er dich jetzt feuert? Warum eigentlich?“ „ Ach Sören komm lass uns was trinken, jetzt habe ich richtig Lust darauf.“ Zwinkerte sie ihm auffordernd zu. Eine Weile begegnen sich ihre Blicke.
