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Regensburg 1971. Ein sonniger Herbsttag und vermeintlich glückliche Fügungen sind der Ausgangspunkt für einen unheilvollen Fiebertraum, in dessen Verlauf ein Familienvater zum Instrument kosmischer Mächte wird. Denn die Geologie der Oberpfalz verbirgt unter ihrer pittoresken Oberfläche ein vergessenes Erbe aus den dunklen Schatten vieler Jahrhunderte. Lokalhistorie trifft subtilen Cosmic Horror. Aus der Feder von Tobias Prediger entspringt diese Verneigung vor den großen Meistern der phantastischen Literatur. Nachdem Tobias Prediger bereits mit Die Dunkelheit aus den Büchern auf sich aufmerksam gemacht hat, legt er nun mit Das alte Haus eine neue Erzählung vor. Auf wenigen Seiten gelingt es ihm dabei, die sagenumwobene und geschichtsgetränkte Landschaft zwischen Naab und Donau mit Anspielungen auf das Werk etwa H. P. Lovecrafts zu verbinden. Aus dieser Melange entsteht ein Fiebertraum, der für die Protagonisten fatal endet, beim sensiblen Leser noch lange nachwirken wird und auch bei mir ein beklemmendes Gefühl hinterlassen hat … hütet Euch vor dem Haus, das im Nebel liegt! Jörg Fischer – Autor, Das Artefakt
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Seitenzahl: 32
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Impressum
Das Alte Haus
Tobias Prediger
Das Alte Haus
Copyright © Yellow King Productions 2025
Mario WeißNeuöd - Gewerbepark 12aD - 92278 IllschwangE-Mail: [email protected] Web: www.yellow-king-productions.de
Autor: Tobias PredigerLektorat: Mario Weiß, Patty Plain
eBook-Erstellung: Birgit Arnold
Cover: Tobias Prediger
ISBN: 978-3-98901-048-2
»Wer ein Haus im Nebel sieht, muss dorthin gehen,
um den vergessenen Träumen zu begegnen.«
Ibn Schacabao
Alles begann am 12. Oktober des Jahres 1971 in unserer kleinen, engen Mansardenwohnung in der Altstadt von Regensburg.
Es war ein sonniger Herbsttag mit angenehmen Temperaturen, und unten, in den schmalen Gassen der geschichtsträchtigen Bischofsstadt, war reges Treiben im Gange.
Lauter Tratsch, der Lärm von unzähligen Lieferwagen und rostig knatternden Motorrädern waren von früh bis spät die Geräuschkulisse der Innenstadt.
Laura, meine fünfzehnjährige Tochter, und mein dreizehnjähriger Sohn Daniel tollten mit lautem, freudigem Geschrei durch die Zimmer.
Warum ich mich nach all der Zeit so genau an diesen Tag erinnere?
Weil er der Beginn jener Ereignisse war, die dazu geführt haben, dass ich meine beiden Kinder getötet habe.
Ja, Sie lesen richtig … Ich habe sie getötet.
Doch trieben mich nicht niedere Motive wie Hass oder Rage zu jener Tat. Nein. Ich tat es mit Bedacht und Hingabe für ein höheres Ziel.
Es war unausweichlich und zwingend notwendig …
… aber ich setzte meine Ausführungen fort, bevor Sie über mich urteilen und mich womöglich als geisteskrank und unmenschlich betrachten.
Obwohl es mir offen gestanden ziemlich egal ist, was Sie über mich denken.
Sie würden die Gründe ohnehin nicht vertehen. Ihnen fehlt schlicht und ergreifend die Erleuchtung, die mir durch bestimmte Erlebnisse und Offenbarungen zuteil wurde.
Vielleicht eröffnet Ihnen Ihre ungesunde Neugierde auf meine Schilderung der Geschehnisse, eine völlig neue Sicht auf die Dinge.
Warum sonst, würden Sie das modrige, dreckige Manuskript lesen, das ich vor Jahren unter den wurmstichigen Dielen dieses alten, jetzt verlassenen Bauernhauses hinterlegt habe?
Eine höhere Macht, oder nennen Sie es Intuition, hat Sie zu diesem Versteck geführt. Folgen Sie ihr und erkennen Sie den göttlichen Plan dahinter.
Natürlich steht es Ihnen auch frei, zu gehen und die Seiten wieder dorthin zurückzulegen.
Verlassen Sie diesen Ort, solange sie noch Ihren Verstand besitzen. Gehen Sie weit, weit weg, und vergessen Sie das alles hier.
Nein?
Gut.
Ich wusste, dass Sie nicht die Kraft dazu haben.
Niemand hat die Kraft, sich dem Ruf zu entziehen.
Ich werde Ihnen nun meine Geschichte erzählen …
***
Das mechanische Surren unserer Türklingel riss mich aus dem Trubel jenes Herbsttages, und ich begab mich zur Sprechanlage, wo eine krächzende Stimme mir mitteilte, dass ein Einschreiben an mich zu übergeben sei.
Sorge beschlich mich, denn meine finanzielle Lage in diesen Tagen reichte kaum aus, um die monatliche Miete für unsere Wohnung aufbringen zu können, und jede zusätzliche Mahnung würde die Situation nur noch schlimmer machen.
Als mir der außer Atem keuchende Postbote nach seinem Aufstieg in den dritten Stock dann das Schreiben gegen Unterschrift aushändigte, und ich sah, dass es von einer Anwaltskanzlei kam, trieb es mir den Schweiß auf die Stirn.
Doch zu meiner völligen Verwunderung beinhaltete das Schriftstückdie Information, dass eine Tante von mir verstorben sei und mich aufgrund ihrer Kinderlosigkeit zum alleinigen Erben ihres Hauses benannt hatte.
Welch sonderbare Fügungen das Schicksal mitunter doch für uns bereit hält.
Zuletzt hatte ich in meinen Kindertagen Kontakt zu dieser Tante gehabt, als ich sie regelmäßig mit meinen Eltern besuchte. Ein paar Details dieser Treffen blieben mir in Erinnerung, doch das Haus, in dem sie damals lebte, wirkte auf mich immer wie ein Ort aus einer anderen Welt.
Kennen Sie das Gefühl, wenn man an einen unscheinbaren Platz kommt und glaubt, dass man irgendwie dorthin gehört? Dass man durch Zeit und Raum mit dieser Örtlichkeit verbunden ist?
