Das Berghotel 232 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 232 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Vitus Kammerloher ist in St. Christoph aufgewachsen, bevor er als junger Mann der Karriere wegen nach Berlin zog. Doch weil ihn das Heimweh all die Jahre nie ganz losgelassen hat, beschließt er nun, ins Zillertal zurückzukehren und sich dort als Grafiker selbstständig zu machen. So kann er auch endlich sein Erbe antreten, und der urige Hof seiner Vorfahren steht nicht mehr leer.
Vitus bittet seine Freundin Linda, mit ihm in seine Heimat zu gehen, und überrascht sie mit einem Urlaub im Berghotel. So soll sie sich einen ersten Eindruck verschaffen. In St. Christoph angekommen, werden die beiden herzlich begrüßt und sind überwältigt von dem überschwänglichen Empfang. Fast das ganze Dorf ist gekommen! Linda fühlt sich auf Anhieb wohl, bis sie wenige Tage später bemerkt, dass hinter vorgehaltener Hand immer wieder getuschelt wird. Sie spürt, dass Vitus ihr irgendetwas verschweigt ...

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Seitenzahl: 125

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Cover

Impressum

Liebesgrüße aus St. Christoph

Vorschau

BASTEI LÜBBE AG

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Luna Vandoorne / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7517-0540-0s

www.bastei.de

www.luebbe.de

www.lesejury.de

Liebesgrüße aus St. Christoph

Wenn zwei Frischverliebte Urlaub machen

Von Verena Kufsteiner

Vitus Kammerloher ist in St. Christoph aufgewachsen, bevor er als junger Mann der Karriere wegen nach Berlin zog. Doch weil ihn das Heimweh all die Jahre nie ganz losgelassen hat, beschließt er nun, ins Zillertal zurückzukehren und sich dort als Grafiker selbstständig zu machen. So kann er auch endlich sein Erbe antreten, und der urige Hof seiner Vorfahren steht nicht mehr leer.

Vitus bittet seine Freundin Linda, mit ihm in seine Heimat zu gehen, und überrascht sie mit einem Urlaub im Berghotel. So soll sie sich einen ersten Eindruck verschaffen. In St. Christoph angekommen, werden die beiden herzlich begrüßt und sind überwältigt von dem überschwänglichen Empfang. Fast das ganze Dorf ist gekommen! Linda fühlt sich auf Anhieb wohl, bis sie wenige Tage später bemerkt, dass hinter vorgehaltener Hand immer wieder getuschelt wird. Sie spürt, dass Vitus ihr irgendetwas verschweigt ...

Welche Kleidung brauchte man für eine Woche Urlaub in den Bergen? Ratlos stand Linda Rosenholz vor ihrem Kleiderschrank und studierte den Inhalt. Den meisten Menschen fiel diese Entscheidung leicht. Doch seit niemand mehr da war, der ihr sagte, was sie zu tun und zu lassen hatte, wurden selbst die kleinsten Dinge zu riesigen Hürden. Es würde wohl noch eine Weile dauern, bis sie sich an die neue Freiheit gewöhnt hatte. Doch schließlich war es geschafft, und Linda klappte den Koffer zu. Fast gleichzeitig erklang die Ruftonmelodie ihres Handys.

»Was will Papa denn jetzt noch?«, murmelte sie nach einem Blick auf das Display ihres Mobiltelefons. In wenigen Minuten kam ihr Freund Vitus, um sie abzuholen.

»Hallo Papa, hast du noch etwas vergessen?«

»Ich wollte nur noch einmal deine Stimme hören, bevor du dich auf die weite Reise machst.«

Linda rollte mit den Augen. Sie hatte es geahnt. Dieser Anruf war ein Vorwand. Ein allerletzter Versuch, sie von ihrem Vorhaben abzubringen.

»Du tust gerade so, als ob das Zillertal am anderen Ende der Welt wäre.«

»Das vielleicht nicht gerade. Aber du kannst nicht leugnen, dass es wahnsinnig weit weg ist. Ich werde dich dort kaum besuchen können. Von Rostock sind das fast tausend Kilometer.«

Linda warf einen Blick auf die Armbanduhr. Viel Zeit hatte sie nicht mehr.

»Papa, Vitus und ich machen eine Woche Urlaub in St. Christoph«, erinnerte sie ihren Vater. »Erst danach entscheide ich, ob ich für immer mit ihm in seine Heimat gehen werde. Wer weiß, vielleicht gefällt es mir gar nicht in einem kleinen Bergdorf, wo jeder jeden kennt. Das ist ganz anders als die Anonymität in Berlin. Also mach dir keine Sorgen und warte ab.«

»Das sagst du so einfach.« Martin seufzte aus tiefstem Herzen. »Ich kenne mein Töchterlein und weiß, dass du einem Mann keinen Wunsch abschlagen kannst. Bei Andreas habe ich das ja verstanden. Er war so ein netter, fürsorglicher Mann und gut situiert obendrein. Warum nur musstest du dich von diesem Prachtkerl trennen? Noch dazu für jemanden, der ihm noch nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen kann. Wenn du Andreas geheiratet hättest, wärst du jetzt stolze Besitzerin einer Villa. Ganz zu schweigen von seinem ansehnlichen Fuhrpark.«

»Vitus besitzt einen Bauernhof in den Bergen mit Almwiesen und Weiden«, konterte Linda. »Aber ehrlich gesagt interessiert mich das gar nicht. Deswegen habe ich mich nämlich nicht in ihn verliebt.«

Ihr Vater hörte ihr gar nicht zu.

»Weißt du eigentlich, wie sehr Andreas wegen dir leidet?«

»Das ist mir egal, Papa. Mal abgesehen davon, dass wir darüber schon hundert Mal geredet haben.« Nur mit Mühe gelang es Linda, ihren Ärger zu zügeln. Ein Glück, dass es in diesem Moment an der Tür klingelte. »Vitus ist da. Ich muss jetzt los.«

»Willst du nicht doch hierbleiben?«, wagte Martin einen letzten Versuch.

»Papa!«

»Ist ja schon gut. Gute Reise, mein Schatz. Und melde dich, wenn du gut angekommen bist.«

Linda versprach es und legte auf. Im nächsten Augenblick flog sie in Vitus' Arme.

»Ich bin so froh, dass du endlich da bist«, murmelte sie an seinem Hals und atmete seinen warmen Duft tief ein.

Unwillkürlich musste sie wieder an seine erste Umarmung vor ein paar Monaten denken. Vitus war Gast auf der Hochzeit gewesen, bei der sie als Fotografin gearbeitet hatte. Er war ihr sofort aufgefallen mit seiner braunen Locke, die ihm ständig in die Stirn fiel, und dem Dreitagebart, der ihn ein bisschen verwegen aussehen ließ. Seine Arme waren sehnig, und die definierten Muskeln hatten sich deutlich unter der sonnengebräunten Haut abgezeichnet. Ein Naturbursche, wie er im Buche stand. Doch es waren nicht die Äußerlichkeiten gewesen, die Linda nachhaltig beeindruckt hatten. Als Einziger hatte Vitus ihren Schmerz und die heimlichen Tränen bemerkt und sie mit seiner warmen Stimme angesprochen.

»Mein Name ist Vitus. Kann ich irgendwas für dich tun?«

Linda erinnerte sich, wie ihre Blicke ineinander eingetaucht waren. Kurz darauf war sie in seinen Armen gelegen und hatte bittere Tränen geweint. Das war vor vier Monaten gewesen und seither hatte Vitus sie nicht mehr losgelassen.

»Was ist passiert?«, fragte er jetzt dicht an ihrem Ohr.

»Papa hat mal wieder versucht, mich von der Reise abzuhalten.«

»Es ist ein Urlaub. Nur eine Woche. Noch musst du keine Entscheidung treffen.«

»Ich weiß.« Linda lächelte. »Das habe ich ihm auch gesagt.« Sie haderte mit sich. Sollte sie Vitus die Wahrheit sagen? »Trotzdem wollte er mir ein schlechtes Gewissen machen wegen Andreas.«

Vitus schob seine neue Freundin ein Stück von sich und sah ihr forschend in die Augen.

»Und? Ist es ihm gelungen?«

Linda seufzte. Sie war ein durch und durch unsicherer Mensch. Zumindest war es das, was Andreas ihr in drei gemeinsamen Jahren weisgemacht hatte. Nicht nur, dass sie ihm geglaubt hatte, sie war sogar froh gewesen, einen Mann an ihrer Seite zu haben, der ihr sämtliche Entscheidungen abnahm und ihr sagte, was sie ihr Leben gestalten sollte. Doch diese Zeiten waren ein für alle Mal vorbei. Denn Vitus fragte nicht nur nach ihren Wünschen, sondern ermutigte sie obendrein, sie in die Tat umzusetzen. Und war es nicht ihr größter Traum, mit ihm nach St. Christoph zu gehen und das vielleicht sogar für immer? Sie hob den Kopf und sah ihm tief in die Augen.

»Warum sind wir immer noch hier?«, stellte sie eine Gegenfrage und lachte mit ihm ein glückliches Lachen.

***

Der Tag war noch jung. Trotzdem stand die Hotelchefin Hedi Kastler frisch und gut gelaunt hinter dem Rezeptionstresen des Berghotels und studierte die Liste der Gäste, die an diesem Novembertag eintreffen sollten. Früher war es in dieser Jahreszeit ruhig hier droben in den Bergen gewesen. Kein Wunder, kam der November doch mit Feiertagen wie Allerheiligen, Allerseelen und dem Totensonntag eher düster daher. Und dann noch das Wetter! Doch in den vergangenen Jahren schien sich herumgesprochen zu haben, dass die Umgebung rund um St. Christoph selbst dann noch reizvoll war, wenn Nebel und tiefhängende Wolken die Aussicht trübten.

Doch was die Gründe für die Besucherzahlen anging, hatte Andi Kastler seine ganz eigene Erklärung.

»Das liegt an dir, Spatzl.«

Ein Lächeln spielte um seine Lippen, als er seine Frau mit verliebtem Blick musterte. Das wadenlange, hellblaue Dirndl unterstrich Hedis weibliche Figur. Der Ausschnitt war gewagt, aber nicht unanständig tief. Aus ihrem blondgefärbten Dutt hatte sich eine Strähne gelöst und verlieh ihr etwas Vorwitziges. Andi wollte fast platzen vor Stolz, dass sich dieses Vollblutweib ausgerechnet für ihn entschieden hatte! Er konnte nicht anders: Er musste seine Hedi einfach in die Arme schließen.

»Du verstehst es einfach, den Menschen die Sonne ins Gemüt zu zaubern. Deshalb kommen sie so gerne hierher«, raunte er ihr ins Ohr.

»Aber ich tue doch gar nichts Besonderes.«

Hedis Bescheidenheit war ein weiterer Grund, warum Andi sie so liebte.

»Das denkst du. Aber ich kenne niemanden, der sich so leidenschaftlich dem Wohl seiner Gäste widmet. Du wirst nie müde, jedem einzelnen die Wünsche von den Augen abzulesen. Und obendrein sorgst du mit deinen Feiern und Festen dafür, dass jeder Gast mit einer einzigartigen Erinnerung nach Hause fährt.«

Ob dieses Kompliments leuchteten Hedis Wangen wie zwei reife Äpfel.

»Diesmal habe ich eine ganz neue Idee«, lenkte sie schnell vom Thema ab. »Wenn sich unser Gast entscheidet, für immer in St. Christoph zu bleiben, plane ich für nächstes Wochenende eine Willkommensfeier.« Nach einem weiteren Kuss löste sie sich aus der Umarmung und wandte sich der Reservierungsliste zu. Mit dem Kugelschreiber tippte sie auf einen der Namen.

Andi beugte sich über die Liste.

»Kammerloher, 2 Personen, 1 Woche Halbpension.« Seine Stimme vibrierte vor Verwunderung. »Sag bloß, das ist der Vitus.«

»Ganz genau«, gluckste Hedi vergnügt.

»Aber warum geht er denn ins Hotel, wenn er einen ganzen Hof hier stehen hat, der nur auf ihn wartet?«

»Er bringt ein Madel mit«, verriet seine Frau.

»Ja und? Ist im Hof net Platz genug?«

Hedi schnalzte mit der Zunge.

»So eine Frage kann auch nur ein Mann stellen«, seufzte sie. »Bestimmt sind die beiden bis über beide Ohren verliebt und wollen es schön haben und net in einem Bauernhof sitzen, der seit fast einem Jahr leer steht.«

Diese Bemerkung war durchaus berechtigt. Seit dem Tod von Vitus' Großeltern führte das schmucke Bauernhaus mit den Sprossenfenstern und dem umlaufenden Holzbalkon ein Dornröschendasein. Schon seit einer Weile spekulierten die Dörfler, was Vitus wohl mit seinem Erbe anfangen würde. Manch einer befürchtete, der junge Mann könnte den Hof verkaufen, zumal er seit seinem Umzug nach Berlin und besonders nach dem Tod der Großeltern nur noch selten in St. Christoph gewesen war. Dabei genoss der fesche Vitus nicht nur bei den Madeln ein hohes Ansehen. Ein tragisches Erlebnis hatte enge Bande wachsen lassen und sein Weggang aus dem Dorf eine Lücke gerissen, die bis auf den heutigen Tag nicht wieder gefüllt worden war.

Doch in diesem Moment wollte Andi nicht an die dunklen Tage zurückdenken. Da konzentrierte er sich lieber auf das blühende Leben vor sich.

»Ich weiß ja net, wie das bei anderen Paaren ist. Aber solange ich mit dir zusammen sein kann, brauche ich nur Luft und deine Liebe.«

Hedi lachte leise an seinen Lippen.

»Sieh mal einer an. Ich hab gar net gewusst, dass ich mit so einem charmanten Lügner verheiratet bin?«

»Aber das ist keine Lüge«, behauptete Andi gekränkt. Im selben Moment stieg ihm ein verführerischer Duft in die Nase. »Hmmm, das riecht nach Rosis Topfenstrudel.« Schlagartig waren sämtliche Liebesschwüre vergessen. »Da muss ich mir unbedingt gleich ein Stückerl davon sichern, bevor wieder alles weg ist.«

Er drückte seiner Frau einen weiteren Kuss auf die Lippen und war schon auf dem Weg in die Küche.

Hedis Lachen begleitete ihn.

***

Nach einer Übernachtung auf halber Strecke hatten sich Vitus und Linda früh am nächsten Morgen wieder auf den Weg gemacht. Je näher sie St. Christoph kamen, umso größer wurde seine Ungeduld.

Über Nacht war der erste Schnee des Jahres gefallen und hatte sich wie eine Schicht aus Puderzucker auf Bäume, Sträucher und Wiesen gelegt. Doch inzwischen war die Sonne über die umliegenden Berggipfel geklettert und verwandelte die Zuckerschicht in Wasseradern, die auf dem Asphalt der Bergstraße im Sonnenlicht glänzten.

Geblendet kniff Vitus ganz kurz die Augen zusammen, um sie im nächsten Augenblick wieder zu öffnen. Der Ausblick, der sich ihm bot, war atemberaubend.

»Schau mal, das ist St. Christoph!« Sein Blick glitt über sein Heimatdorf, das in Sicht gekommen war, verweilte kurz auf dem goldfunkelnden Wetterhahn auf der Kirchturmspitze und wanderte von dort weiter über sanft geschwungene Hügel und Baumwipfel bis hinauf zu den nahen Gipfeln. Anders als weiter unten hatten die schroffen Felsen die weißen Helme aus Schnee aufbehalten. Sie sahen aus wie steinerne Wächter, die das Dorf umrahmten und die Bewohner vor allzu rauen Wetterspielen.

»Das ist ja traumhaft. Ein richtiges Postkartenmotiv.« Müde vom allzu frühen Aufstehen hatte Linda noch eine Weile vor sich hingedöst. Doch plötzlich war sie hellwach und setzte sich kerzengerade auf. »Jetzt verstehe ich noch weniger, warum du so lange nicht hier gewesen bist.«

Vitus konnte seiner neuen Freundin nur recht geben. So ganz verstand er sich ja selbst nicht. Im Nachhinein klangen seine Gründe fast fadenscheinig.

»Nach dem Tod meiner Großeltern musste ich erst einmal darüber nachdenken, wie es weitergehen soll«, erwiderte er und schaltete einen Gang hinunter, um den Wagen vorsichtig um eine besonders enge Kurve der Bergstraße zu lenken. »Ich wusste net, ob ich den Hof verkaufen oder selbst bewohnen soll. Schließlich ist Berlin net gerade um die Ecke. Außerdem gab es vieles, was mich dort gehalten hat. Meine Arbeit, die Freunde ...« Der Rest des Satzes schwebte ungesagt in der Luft.

»Dann war es ja ganz gut, dass dein Chef die Firma an einen Investor verkauft und dir somit eine Entscheidung abgenommen hat«, stellte Linda mit zärtlicher Stimme fest.

Woher wusste sie nur immer so genau, was er gerade dachte oder sagen wollte? Ein verliebtes Lächeln spielte um seine Lippen, als er nickte.

»Es war fast so, als ob das Schicksal die Fäden in die Hand genommen hätte. Kurz nach dem Firmenverkauf haben Arne und Pia verkündet, dass sie auf Weltreise gehen wollen. Henry hat ein Jobangebot in München bekommen und Sebastian zieht bald zu seiner Freundin in die Schweiz.«

Linda legte den Kopf schief.

»Dann war ich es, die dich davon abgehalten hat, schon früher eine Entscheidung zu treffen?«, fragte sie fast schuldbewusst, während ihr Blick über die Bauernhäuser von St. Christoph schweifte.

Manche waren krumm und schief, als wollten sie sich verstecken. Andere dagegen standen aufrecht und stolz wie die Tannen des Waldes, der an den umliegenden Hängen hinaufkletterte.

»Wie kannst du so etwas auch nur denken?« Ungläubig schüttelte Vitus den Kopf. »Dich getroffen zu haben, ist das Beste, was mir seit Langem passiert ist. Und wenn es dir auch noch hier gefällt...« Der Rest des Satzes schwebte unausgesprochen im Wageninneren.

Doch Linda wusste, was Vitus auf der Seele brannte. Sie konzentrierte sich wieder auf ihre Umgebung.

»Wenn es so weitergeht, wie es angefangen hat, gibt es überhaupt keinen Grund zur Sorge.« Um auch noch die letzten Bedenken ihres Freundes zu zerstreuen, beugte sie sich zu ihm hinüber und küsste ihn auf die Wange.

***

»Finger weg!«, fauchte die Stadler-Rosi, die in der Hotelküche neben dem Backofen stand. Ein betörender Duft nach Frischgebackenem lag in der Luft. Doch darauf achtete Rosi in diesem Augenblick nicht. »Sonst ist am Ende nichts mehr übrig, bis der Vitus endlich ankommt. Das ist seine Leibspeise.« Als wollte sie eine lästige Fliege vertreiben, fuchtelte sie mit dem Kochlöffel durch die Luft.

Schnell zog ihr Kollege Leo die Hand zurück.

»Ein kleines Stückerl wirst doch wohl für mich übrig haben.«

»Du bekommst einen ganzen Strudel für dich allein, wenn du auch so lange in der Fremde bleibst wie unser Vitus«, erwiderte Rosi erbarmungslos.

»Damit du die ganze Küche nach deinem Geschmack umkrempeln kannst?«, funkelte Leo zurück. »Das könnte dir so passen.«