1,99 €
Lilly und Sofia Birkmayer sind Schwestern, leben in Wien und stammen aus schwierigen familiären Verhältnissen. Die heute 32-jährige Sofia musste sich schon früh um die acht Jahre jüngere Schwester kümmern und viel zurückstecken. Sofia hat Lilly bei allem unterstützt und auch ihr Studium gefördert. Dafür musste sie derweil ihren Traum vom eigenen Café auf Eis legen. Mit dem Erbe der Großeltern konnte sich Sofia nun doch ihren Wunsch von einem kleinen Kaffeehaus erfüllen. Da Lilly nach ihrem Studienabschluss noch keine Arbeit gefunden hat, stürzt sie sich mit Feuereifer darauf, ihrer Schwester im Café zu helfen.
Da erhält die Kunsthistorikerin plötzlich ein Jobangebot: Sie soll in Frankreich ein kleines Museum leiten. Lilly ist begeistert, weiß aber nicht, wie sie ihrer Schwester beibringen soll, dass sie die gemeinsamen Kaffeehaus-Pläne so schnell wieder über Bord wirft. Kann sie ihre Schwester im Stich lassen, wo diese doch so viel für sie getan hat? Lilly organisiert einen Mädelsurlaub im Berghotel - er soll Klarheit bringen, und er schenkt den beiden Frauen noch viel mehr ...
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 122
Veröffentlichungsjahr: 2023
Cover
Der perfekte Mädelsurlaub
Vorschau
Impressum
Der perfekte Mädelsurlaub
Ein mitreißender Roman mit Herz und Humor
Von Verena Kufsteiner
Lilly und Sofia Birkmayer sind Schwestern, leben in Wien und stammen aus schwierigen familiären Verhältnissen. Die heute 32-jährige Sofia musste sich schon früh um die acht Jahre jüngere Schwester kümmern und viel zurückstecken. Sofia hat Lilly bei allem unterstützt und auch ihr Studium gefördert. Dafür musste sie derweil ihren Traum vom eigenen Café auf Eis legen. Mit dem Erbe der Großeltern konnte sich Sofia nun doch ihren Wunsch von einem kleinen Kaffeehaus erfüllen. Da Lilly nach ihrem Studienabschluss noch keine Arbeit gefunden hat, stürzt sie sich mit Feuereifer darauf, ihrer Schwester im Café zu helfen.
Da erhält die Kunsthistorikerin plötzlich ein Jobangebot: Sie soll in Frankreich ein kleines Museum leiten. Lilly ist begeistert, weiß aber nicht, wie sie ihrer Schwester beibringen soll, dass sie die gemeinsamen Kaffeehaus-Pläne so schnell wieder über Bord wirft. Kann sie ihre Schwester im Stich lassen, wo diese doch so viel für sie getan hat? Lilly organisiert einen Mädelsurlaub im Berghotel – er soll Klarheit bringen, und er schenkt den beiden Frauen noch viel mehr ...
»Ein Cappuccino, nordbrasilianische Röstung, bitte sehr!« – Mit gekonnten Handgriffen schüttete Sofia Birkmayer die Kaffeebohnen in die Mühle. Wie sie das Geräusch des Mahlwerks liebte und wie sehr das herrliche Aroma, das wenige Sekunden später aus der Kaffeemühle strömte! Sie warf einen kurzen Blick auf die junge Frau, die den Cappuccino bestellt hatte. Die Studentin war bunt gekleidet und hatte auf die Mitte ihrer weißen Mütze die Umrisse einer Katze gestickt.
Das krieg' ich hin, dachte Sofia und lächelte zuversichtlich. Mit der linken Hand griff sie nach der hellblauen Keramikschale, in die bereits der Kaffee getropft war, mit der rechten Hand fasste sie nach dem Milchkännchen. Wenige Handbewegungen reichten – und schon hatte sie ein weißes Kätzchen aus Milchschaum auf den Cappuccino gemalt. Noch zwei Schwenker – und dem Kätzchen wuchsen hellbraune Schnurrhaare.
»Oh, wie süß!«, rief die Studentin entzückt, als sie ihren Cappuccino entgegennahm. »Und das soll ich jetzt trinken? Da zerstöre ich ja ein Kunstwerk!«
Sofia zwinkerte. »Du kannst dir ja später noch einen Kaffee bestellen«, sagte sie. »Vielleicht magst du ja auch mal unsere peruanische Röstung probieren.«
Sie schaute zu, wie sich die junge Frau mit ihrer Tasse zu einem der kleinen Fenstertische verzog. Ja, dachte sie glücklich. Wir haben es geschafft!
Vor einer Woche hatte Sofia Birkmayer ihren zweiunddreißigsten Geburtstag gefeiert, nun stand sie in ihrem eigenen Kaffeehaus. Wie lange hatte sie davon geträumt? Ach, sie konnte gar nicht so weit zurückdenken. Schon als kleines Mädchen hatte Sofia ihren Barbiepuppen lieber Kaffee und Kuchen serviert, als sie in Ballkleider gesteckt.
Mit den Jahren war ihr das Kaffeebrauen zur Spezialität geworden – was das Kuchenbacken betraf, so gab es allerdings noch Schwierigkeiten.
»Das Kätzchen ist dir gut gelungen«, stellte Lilly Birkmayer, Sofias um acht Jahre jüngere Schwester fest. »Du wirst immer besser, Schwesterherz!«
»Alles eine Frage der Übung«, entgegnete Sofia, löste kurz das blaue Haarband und schüttelte ihre dunkelblonden Locken aus.
»Ich weiß net, Sofia. Ich übe jetzt schon seit Monaten, aber meine Kuchen wollen nicht gelingen«, seufzte Lilly.
Sie hatte ihre ebenfalls dunkelblonden Haare heute zu einem seitlichen Zopf geflochten. Wenn die beiden Schwestern wie jetzt nebeneinanderstanden, hätte man sie für Zwillinge halten können. Das war aber nur so, wenn Sofia lachte, denn dann verjüngte sich ihr Gesicht, und zu beiden Seiten ihrer Mundwinkel traten ihre fröhlichen Grübchen hervor. Meistens trug die ältere der Birkmayer-Schwestern allerdings eine ernstere Miene zur Schau. Das kam daher, weil Sofia schon früh Verantwortung tragen hatte müssen. Die Kindheit der beiden Mädchen war von ständigen Problemen der labilen Eltern überlagert gewesen. Die Mutter hatte immer schon psychische Probleme gehabt, und der Vater war stets abgetaucht, wenn ihm alles zu viel wurde – was leider oft der Fall war.
Sofia hatte schon früh erkannt, dass sie selbst die Zügel in die Hand nehmen musste, wenn es um die Zukunft für sich und die kleine Schwester ging. Diese Haltung hatte sie früh geprägt und eine ernsthafte junge Frau aus ihr werden lassen.
An diesem sonnigen Märztag strahlte Sofia aber übers ganze Gesicht. Immerhin hatte sie sich endlich ihren Traum vom eigenen Kaffeehaus erfüllt.
Freilich war das Lokal mehr eine Stube als ein Kaffeehaus. Seine Lage im multikulturellen Wiener Bezirk Ottakring schwemmte ein studentisches, bunt gemischtes Publikum zur Tür herein, welches allerdings mehr Begeisterung für die verschiedenen Kaffeesorten hatte als Geld. Reich würden die Schwestern mit ihrem Café nicht werden – im Gegenteil. Beide hatten das gesamte Erbe ihrer Großeltern in das gemeinsame Unternehmen gesteckt und waren dennoch nicht schuldenfrei geblieben. Und weil sie immer wieder neue Anschaffungen tätigen und Sofia aufwändige Barista-Kurse besuchen musste, würde das auch noch länger so bleiben. Doch das war schon in Ordnung. Eines Tages würden sich der Aufwand und die Liebe, die die Schwestern in das Projekt steckten, schon lohnen.
»Irgendwann werden wir es schaffen, unseren Gästen auch gute Mehlspeisen anzubieten«, sagte Sofia jetzt. »Was ist eigentlich aus dem Blechkuchen geworden, den du heute Morgen gebacken hast?«
»Ich habe die schwarze Kruste abgekratzt und danach das meiste an die Schulkinder verteilt«, gab Lilly zu und deutete aus dem Fenster auf das gegenüberliegende Schulhaus. »Den Rest werden wir wohl zum Abendessen verspeisen.«
»Boah. Ich kann schon keinen Kuchen mehr sehen«, jammerte Sofia und schüttelte sich. »Jeden Abend Kuchen, das erinnert mich an Kaiserin Marie Antoinette. Ob die Dame wohl gewusst hat, wie öde das ist?«
Die Schwestern lachten.
»Ich werde mir weiterhin Mühe geben, Schwesterherz. Du musst nur Geduld haben«, sagte Lilly und warf ihrer großen Schwester jenen entschuldigenden Blick zu, dem diese noch nie widerstehen hatte können. Ob Lilly als kleines Mädchen die Milch überkochen hatte lassen oder ob sie als Halbwüchsige »vergessen« hatte, ihre Hausaufgaben zu machen: Mit ihrem Augenaufschlag hatte Lilly ihre Schwester noch jedes Mal um den Finger gewickelt.
»Ich bin halt eine Wissenschaftlerin«, erklärte die Vierundzwanzigjährige schmunzelnd. »Vergiss das nicht. Eine Theoretikerin, ein Bücherwurm. Fürs Kuchenbacken gab es auf der Uni kein Seminar.«
»Und wenn es so gewesen wäre, hättest du wohl auch nicht mit Auszeichnung abgeschlossen«, stellte Sofia fest, und sie strich ihrer Schwester stolz über die Wange, um einen Klecks Teig zu entfernen. »Kein Problem. Lauf schnell in die Bäckerei und hol' ein paar Butterkipferl. Dann haben wir wenigstens etwas, das wir unseren Gästen zum Kaffee anbieten können. Und in ein paar Monaten, wenn wir es uns leisten können, werden wir eine richtige Mehlspeisköchin anstellen«, meinte sie. »Unsere Küche ist ja groß genug. Mit der richtigen Ausstattung kann sich eine Expertin richtig austoben. Dann werden uns die Gäste nur so das Haus stürmen, verlass dich drauf, Lilly! Vorerst müssen wir uns halt mit unseren ausgefallenen Kaffeesorten einen guten Namen machen.«
»Und da hast dann ja du den ausgezeichneten Erfolg vorzuweisen«, bemerkte Lilly lächelnd. Sie warf ihre hellblau-weiß-karierte Schürze über die Theke und schlüpfte in den grünen Wintermantel. »Bin gleich wieder da! Meinst du, zehn Butterkipferl reichen fürs Erste?«
Sofia überlegte. »Nimm besser fünfzehn. Notfalls müssen eben wir ...«
»... die übrigen Kipferl zum Abendessen verzehren«, vervollständigte Lilly den Satz. »Na Mahlzeit. Ich kann dir gar net sagen, wie sehr ich mich nach einer deftigen Jause sehne. Letzte Nacht habe ich von Wurstknödel mit Sauerkraut geträumt. Ist das normal?«
»Du bist ja keine Vegetarierin«, lachte Sofia und zog hinter der Schwester die Tür zu, was ein quietschendes Geräusch verursachte.
Die Tür schloss nicht richtig, und die kalte Märzluft drang durch alle Ritzen. Sofia seufzte. Wenigstens stand der Frühling vor der Tür, da konnte diese Reparatur noch ein paar Monate warten.
***
Lilly ging nicht zum Bäcker – sie hüpfte. Mit ihren 24 Jahren war sie zwar kein junges Mädchen mehr, aber das war ihr egal. Auf irgendeine Weise musste sich ihre gute Laune Luft machen. Nach der harten und eher entbehrungsreichen Kindheit, dem Studium, das sie in einem Schwung »durchgezogen« hatte, ohne zu bummeln, war sie endlich frei. Sie war froh, dass sie ihrer großen Schwester endlich ein wenig zurückgeben konnte. Sofia hatte sich in den vergangenen Jahren ja wahrlich für sie aufgeopfert.
Schon früh hatte sich die ältere Birkmayer-Tochter als »Puffer« zwischen die Mutter, welche aufgrund ihrer Krankheit unberechenbar war und die kleine Schwester gestellt. Der Vater war nur selten daheim gewesen und wenn, hatte es Streit gegeben. Sobald er laut geworden war, während sich die Mutter in ihre eigene stumme Welt zurückzogen hatte, hatte Sofia die Kleine an der Hand genommen und war mit ihr nach draußen gegangen. Auf ihren langen Spaziergängen durch die Stadt hatte Sofia der kleinen Schwester von ihrem großen Traum, dem eigenen Café, vorgeschwärmt.
War die Mutter aus der Depression erwacht und in eine manische Phase geglitten, hatte es wieder an Sofia gelegen, der kleinen Schwester vernünftige Grenzen zu stecken. Mama hatte es geliebt, Versprechungen zu machen – Sofias Job war es gewesen, die Kleine zu trösten, wenn aus dem eigenen Pferd, dem Haus mit Garten und der Weltreise doch nichts geworden war. Sie war es gewesen, die dafür gesorgt hatte, dass die Kleine morgens zur Schule ging. Sie hatte das Geld versteckt, die Sparbücher in Sicherheit gebracht und das Mittagessen gekocht – und ihre eigenen jugendlichen Bedürfnisse dabei jedes Mal hintangestellt.
Sobald Sofia volljährig geworden war, hatte sie sich eine eigene Wohnung gesucht und die kleine Schwester mitgenommen. Um den Unterhalt zu verdienen, hatte sie in einem Kaffeehaus gearbeitet und sich nebenbei mit zahlreichen Kursen ihrem Traum vom eigenen Café genähert.
Doch auch die jüngere Birkmayer-Schwester hatte einen Traum verfolgt – eine Karriere als Kunstgeschichtlerin – weshalb Sofias Anstrengungen nach Lillys Matura weitergegangen waren. Um das Studium zu finanzieren, hatte die ältere Schwester so manche Doppelschicht übernommen und hart gearbeitet. Lilly sollte schließlich all das genießen, was sie sich selbst immer versagt hatte.
Lilly hatte es der Schwester mit den besten Schulnoten und einem hervorragenden – ja sogar ausgezeichneten – Studienabschluss gedankt. Weil der Arbeitsmarkt für Kunsthistoriker eingeschränkt war, konzentrierten beide ihre Energien nun auf die Verwirklichung von Sofias Traum. Es war sowieso längst an der Zeit, dass auch die ältere Schwester mal an die Reihe kam.
Nach dem Tod der Großeltern hatten die beiden Frauen eine kleine Geldsumme geerbt, die sie nun in ihr Kaffeehaus-Projekt investierten. Schwesterlich hatten sie das Geld zusammengelegt, um die schon lange leer stehende Schusterwerkstatt im Erdgeschoss ihres Wohnhauses anzumieten und die notwendigen Renovierungsarbeiten durchführen zu lassen. Beide Frauen hatten sich mit Feuereifer in das Projekt gestürzt.
Lilly hatte gleich aussehende Servierschürzen und Haarbänder genäht und verzauberte die Gäste nun mit ihrem freundlichen Wesen. Sofia, die Chefin, setzte die Kaffeehausbesucher mit ihren Kenntnissen über Kaffeebohnen in Erstaunen.
Wenn Lilly an ihre Zukunft dachte, hatte sie freilich andere Pläne. Sie sah sich in einem Museum Ausstellungen planen und Vorträge für Kunstinteressierte halten. Aber das hatte Zeit.
Kurz bevor Lilly jetzt die Bäckerei betrat, läutete ihr Telefon.
»Ja?«, meldete sie sich. Zur Antwort hörte sie zuerst ein Knattern, dann ein Rauschen und schließlich eine Männerstimme, die auf Französisch drauflos sprudelte.
Lilly schnappte kurz nach Luft, dann besann sie sich ihrer Französischkenntnisse, welche gar nicht so schlecht waren. Immerhin hatte sie sich in ihrer Abschlussarbeit an der Uni einem eher unbekannten französischen Maler des Impressionismus gewidmet und dafür viele Bücher in französischer Sprache wälzen müssen.
Sie bat den Anrufer, seine Worte zu wiederholen – »und etwas langsamer, s'il vous plaît!«
Der Mann lachte verständnisvoll, entschuldigte sich und begann von vorne. Langsam und deutlich stellte er sich als Jean-Marie Bejot vor. Er sei der Bürgermeister von Matignas, einer Kleinstadt, die, wie der Mann erklärte, westlich von Bordeaux an der französischen Atlantikküste lag.
Monsieur Bejot brauchte Lilly nicht näher zu erklären, wo sich dieser Ort befand, denn sie kannte die Gegend ganz genau. Schließlich war das Städtchen Matignas der Geburtstort jenes Malers, über den Lilly ihre Abschlussarbeit verfasst hatte – Francois Durand. Vor zwei Jahren war Lilly sogar dort gewesen, nach einer endlosen Zugfahrt mit zahlreichen Umstiegen. In Matignas war sie durch die engen, mit Kopfstein gepflasterten Straßen gegangen und hatte das Geburtshaus von Francois Durand besichtigt, auch die kleine Bibliothek, in welcher eine Sammlung alter Briefe des Malers aufbewahrt wurde. Im Grunde war diese Fahrt reiner Luxus gewesen, denn dank Internet konnte man alle wichtigen Informationen auch von zu Hause aus in Erfahrung bringen. Aber Sofia hatte darauf bestanden, dass Lilly einmal persönlich gesehen und gespürt haben musste, wo Francois Durand sein Leben verbracht hatte und hatte der kleinen Schwester deshalb diese Reise zum Geburtstag geschenkt.
Nach Abschluss ihres Studiums hatte Lilly aus Respekt vor den Einwohnern von Matignas ein gebundenes Exemplar ihrer Diplomarbeit auch an das dortige Gemeindeamt geschickt. Offenbar war das Buch angekommen und der Bürgermeister wollte sich nun dafür bedanken. Das war wirklich nett.
Lilly lächelte. »Aber das ist doch selbstverständlich, war mir ein Vergnügen«, sagte sie auf Französisch.
Doch der Mann redete immer weiter. Und erst als er auch diese neuerlichen Worte langsam und deutlich wiederholt hatte, erkannte Lilly den Grund für seinen Anruf. Es war nicht nur ein höfliches »Dankeschön«. Man bot ihr die Leitung des Francois-Durand-Museums an, welches demnächst auf dem Hauptplatz des Städtchens eröffnet werden sollte.
»Das Museum wird dem berühmten Sohn unserer Stadt gewidmet sein«, erklärte der Bürgermeister. »Und nachdem ich mir Ihre Diplomarbeit übersetzen habe lassen, wurde mir klar, dass Sie die beste Wahl sind, dieses Museum zu leiten.«
Lilly musste sich am Türrahmen der Bäckerei festhalten. Konnte es denn sein, dass Träume so schnell in Erfüllung gingen?
»Was? Wie?«, stammelte sie.
Der Mann erklärte ihr, dass die Zeit leider drängte. Sollte sie das – im Übrigen recht großzügige – Angebot annehmen, würde man sie schon in drei Wochen in Frankreich erwarten. Eine Wohnung würde man ihr bereitstellen, ebenfalls einen kleinen Dienstwagen.
»Allerdings müssten Sie mir so bald wie möglich Bescheid geben, damit wir notfalls Ersatz suchen können«, setzte der Bürgermeister hinzu.
Lilly konnte ihren Ohren nicht trauen. Das Gehalt, das man ihr anbot, war weit höher, als sie zu träumen gewagt hätte. Und die Aufgabenstellung war mehr als interessant.
»Ja«, sagte sie deshalb, obwohl sie in jedem Ratgeber für Uni-Absolventen gelesen hatte, dass man sich durchaus ein wenig zieren durfte, wenn einem ein Angebot unterbreitet wurde. – Ach was!
»Ja, wiederholte sie. »Oui. Ich freue mich. Ich nehme das Angebot an. Ich werde kommen!«
Das Herz klopfte ihr bis zum Hals, als sie das Telefon anschließend wieder in die Tasche schob. Sie blinzelte die Freudentränen weg, die sich zwischen ihre Lider drängten.
Dann besann sie sich, wo sie war und was sie eigentlich zu tun hatte: »Die Butterkipferl!« Sie lachte auf, als sie das Wort flüsterte. Schon in wenigen Tagen würde sie zum Frühstück keine Kipferl verspeisen, sondern Croissants.
»Fünfzehn Stück?«, fragte die Bäckersfrau grummelig, ohne zu ahnen, was für ein bedeutender Moment das gerade für ihre Kundin war.
