• Herausgeber: Goldmann
  • Kategorie: Krimi
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2014
Beschreibung

Der grandiose Start der Krimi-Reihe um Detective Inspector Anthony McLean

"Ihre letzte Rolle": Detective Inspector Anthony McLean traut seinen Augen nicht: Ausgerechnet die Kleinganoven Shuggy Brown und Feely the Fence, die die Polizei bisher an der Nase herumgeführt haben, werden brutal ermordet. Doch wer macht in Edinburgh Jagd auf Verbrecher? Und was hat eine verstorbene Filmdiva mit alldem zu tun?

"Jenny": Fieberhaft ermittelt DI McLean im Fall der vermissten Jenny. Er hofft, den Teenager wohlauf zu finden, denn so manches deutet darauf hin, dass Jenny von ihrem tristen Zuhause ausgerissen ist. Doch die Familie der Verschwundenen scheint etwas zu verschweigen, und dann wird plötzlich in einem verlassenen Haus die verbrannte Leiche eines Mädchens entdeckt …

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EPUB

Seitenzahl: 60


Inhalt

»Ihre letzte Rolle«: Detective Inspector Anthony McLean traut seinen Augen nicht: Ausgerechnet die Kleinganoven Shuggy Brown und Feely the Fence, die die Polizei bisher an der Nase herumgeführt haben, werden brutal ermordet. Doch wer macht in Edinburgh Jagd auf Verbrecher? Und was hat eine verstorbene Filmdiva mit alldem zu tun?

»Jenny«: Fieberhaft ermittelt DI McLean im Fall der vermissten Jenny. Er hofft, den Teenager wohlauf zu finden, denn so manches deutet darauf hin, dass Jenny von ihrem tristen Zuhause ausgerissen ist. Doch die Familie der Verschwundenen scheint etwas zu verschweigen, und dann wird plötzlich in einem verlassenen Haus die verbrannte Leiche eines Mädchens entdeckt …

Weitere Informationen zu James Oswald sowie zu lieferbaren Titeln des Autors finden Sie am Ende des Buches.

James Oswald

Das Böse im Verborgenen

Zwei E-Book Only Kurzkrimis mit Detective Inspector Anthony McLean

1. Ihre letzte Rolle

2. Jenny

Aus dem Englischen von Sigrun Zühlke

»Ihre letzte Rolle«

Der englische Kurzkrimi erschien 2005 unter dem Titel

»The Final Reel« in James Oswalds Blog sirbenfro.blogspot.com.

»Jenny«

Der englische Kurzkrimi erschien 2011 unter demselben Titel bei Spinetingler Magazineunter www.spinetinglermag.com.

Deutsche Erstveröffentlichung Juni 2014

»The Final Reel« Copyright © der Originalausgabe 2005 by James Oswald

»Jenny« Copyright © der Originalausgabe 2007 by James Oswald

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2014

by Wilhelm Goldmann Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Covergestaltung: UNO Werbeagentur, München

Covermotiv: © plainpicture/Ilona Wellmann; FinePic®, München

Redaktion: Eva Wagner

KS · Herstellung: Str.

ISBN: 978-3-641-14235-3

www.goldmann-verlag.de

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Ihre letzte Rolle

Montag

»Was hast du für mich, Bob?«

McLean duckte sich unter dem Absperrband hindurch und betrat die schäbige Wohnung. Eine sterbende Fliege flog wieder und wieder gegen die schmierige Fensterscheibe, und in der ganzen Wohnung hing ein feuchter Geruch nach tiefsitzendem Schimmel und ungeleertem Mülleimer. Und noch etwas Schlimmeres. Er folgte seiner Nase in den kleinsten Raum. Er war kaum größer als die altmodische Toilette, die er enthielt. Dennoch hatten es drei Männer geschafft, sich hineinzuquetschen. Detective Sergeant Grumpy Bob Laird, ein Fotograf der Spurensicherung und der Verstorbene.

»Ich würde sagen, er ist vor ein paar Tagen gestorben. Massives Kopftrauma«, sagte Bob. McLean sah genauer hin und wünschte sich, er hätte es nicht getan.

»Hat wohl an der Kette gezogen, und dann kam der ganze Spülkasten runter. Muss an die fünfzig Kilo wiegen.«

»Also ein tragischer Unfall.« McLean machte einen Schritt nach hinten, um Bob herauszulassen. Der Fotograf ließ noch ein paar Mal seinen Blitz knallen, dann zog auch er sich zurück.

Jetzt konnte McLean die gesamte Szene in Augenschein nehmen. Der Spülkasten hing noch mit seinem dicken Bleirohr an der Toilettenschüssel. Die Halterungen waren aus der Wand gerissen worden, das ganze Ding vornübergefallen und dem Opfer ins Gesicht gekracht. Der Tod musste sofort eingetreten sein.

»Ruhe in Frieden, Shuggy Brown«, sagte McLean.

»Du kanntest ihn?«

»Kleiner Einbrecher. Hat die Todesanzeigen in den Tageszeitungen durchgearbeitet und ist dann in die leeren Häuser eingebrochen.«

»Oh, aye, der Nachruf-Einbrecher. Ich erinnere mich«, sagte Bob.

McLean sah auf die tote Gestalt vor sich hinunter, auf den Spülkasten, der zu einer Seite gekippt war, und die Halterungen, die noch daran hingen. Die hölzernen Dielen waren dunkel vor Feuchtigkeit, aber nicht durchnässt.

»Wer hat das Wasser abgestellt?« Er machte einen Schritt weiter in den Raum hinein und inspizierte das Rohr. An der Stelle, wo es in den Wasserkasten hineingeführt hatte, war es sauber abgeschert.

»Niemand, soweit ich weiß«, sagte Bob. »Die Nachbarn haben sich wegen des Geruchs beschwert. Wir haben uns gewaltsam Zutritt verschafft. Haben es sofort gemeldet, als wir ihn gefunden haben.«

»Hmm.« McLean beugte sich über die Leiche hinweg, wobei er versuchte, unter keinen Umständen einzuatmen. In der Wand über seinem Kopf waren vier kleine Löcher, wo der Spülkasten befestigt gewesen war. Eine Jahrhunderte dicke Schicht Farbe hatte zwei klammerförmige Eindrücke hinterlassen. Als er nach unten schaute, sah er die alten Messingschrauben hinter der Toilettenschüssel liegen, zwei auf jeder Seite. Ihre Köpfe waren ebenfalls mit einer dicken, glänzenden Farbschicht überzogen. Die Schlitze waren nicht mehr zu erkennen.

»Vielleicht also doch kein Unfall.«

Dienstag

»Die Schauspielerin Shauna Zapata, die vergangenen Monat im Alter von einhundertundzwei Jahren verstorben ist, wurde heute im Rahmen einer privaten Feierlichkeit im Mortonhall Crematorium kremiert. Shauna, vor allem bekannt durch ihre Hollywood-Karriere zwischen den Weltkriegen, war Mitte der Sechzigerjahre in ihre Heimatstadt Edinburgh zurückgekehrt, wo sie ein sehr zurückgezogenes Leben führte. Ihre letzten Jahre verbrachte sie vor allem damit, alle Originalausgaben ihrer Rollen aufzuspüren, wofür sie das Vermögen ihrer verstorbenen drei Ehemänner einsetzte. Filmgeschichtler hatten gehofft, sie würde dieses Archiv von unschätzbarem Wert dem Staat vermachen, aber heute wurde mitgeteilt, dass ihr gesamtes Werk zusammen mit ihr kremiert wurde.«

McLean drehte das Radio aus und schaute angestrengt durch die regenverschmierte Windschutzscheibe auf die Autoschlange, die sich durch die Clerk Street schlängelte. Edinburgh trug sein übliches Grau, ein ekelhafter Wind peitschte die Feuchtigkeit um die Ecken der kastenförmigen Gebäude wie ein Kind in einem Trotzanfall. Eingehüllt in seinen Blechkasten, mit der Heizung, die zur Abwechslung mal funktionierte, war es ihm ganz recht, so gemütlich dahinzukriechen. Dan McFeely hatte es sowieso nicht mehr eilig.

Die Wohnung lag in Newington und war respektabel, aber nicht protzig. Ein Uniformierter ließ ihn zur Haustür hinein, und er stieg die vier Stockwerke über eine Steintreppe hinauf, die von unzähligen Füßen glatt ausgetreten war. Glänzend grün gestrichene Wände, abgeblättert durch die Feuchtigkeit, fleckig von Salzen, die seit hundert Jahren aus dem Sandstein ausblühten. Auf dem obersten Treppenabsatz war ein rostiger alter Fahrradrahmen ans Geländer gekettet, die Räder und der Sattel längst verschwunden. Über allem lag ein leichter Geruch nach Katzenpisse.

»Hier entlang, dort liegt er. Im Bad.« Ein weiterer Uniformierter führte McLean in die Wohnung. Drinnen eröffnete sich eine vollkommen andere Welt, sauber und ordentlich. Teure Kunstwerke hingen an den Wänden, und überall gab es Vitrinen mit Keramikfigürchen, Silberfigurinen, Sammlerstücken.

Das Badezimmer war klein, mit einem Oberlicht in der hohen Decke. Dan McFeely lag in einer Pfütze aus schmutzigem, rotem Wasser, ein Arm baumelte über den Rand der Wanne, der andere lag auf seinem bleichen, weiß behaarten Brustkorb. Der Kopf war zurückgelegt, als starre er durch die kleine viereckige Luke in den Himmel. Unter seinem spitzen Kinn verlief ein sauberer Schnitt von einem Ohr zum anderen.

»Der liegt hier schon eine Weile«, sagte der Uniformierte.

»Lassen Sie mich raten: Die Nachbarn haben sich über den Geruch beschwert.« McLean konnte den Eisengestank in der Luft beinahe schmecken.

»Nein, Sir«, sagte der Uniformierte. »Ich hab eine Haus-zu-Haus-Befragung gemacht wegen der Schulhof-Überfälle. Ich hab geklopft, und die Tür ist aufgegangen.«

»Und dann haben Sie im Badezimmer nach ihm gesucht?«

»Die Tür stand auch offen, Sir. Ich könnte mir vorstellen, dass er sie absichtlich aufgelassen hat. Weil er gefunden werden wollte.«

»Wie meinen Sie das?«, fragte McLean. Dann bemerkte er es, rot und glänzend in der blutverschmierten Hand. Ein altmodisches Rasiermesser. »Scheiße.«

»Sir?«

»Das hier ist Dan McFeely, Sergeant«, erklärte McLean. »Genannt Feely the Fence.