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Das Ding im Inneren, in diesem Buch geht es um den Schriftsteller, Charles Arthur Atkins. Dieser zieht auf das Land um seine Muse zu finden, jedoch erwartet ihn dort sein schlimmster Alptraum. Manchmal sind unsere größten Bedürfnisse unser größtes Laster und können unseren Untergang hervorrufen.
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Seitenzahl: 85
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Manuel Karl Kammerhofer
Das Ding im Inneren
Horrorkurzgeschichte
An einem malerischen Herbsttag im Jahre 1958 färbten sich die Blätter und zeigten sich in all ihren Farben. Sie wehten dahin und trugen ihr wunderschönes Herbstkleid. In dieser Form sahen sie aus wie die Tänzer der Natur. Der Wind schrieb das Lied, zu dem sie unbeschreiblich schön tanzten. Als ich so den Blättern zusah und meinen Blick über die Landschaft streifen ließ, bemerkte ich, wie sich die Miene meiner Frau verzog, aber keineswegs zu einer mir freundlich gesinnten; sie hatte ihre Augenbrauen weit hoch gezogen, die Lippen von ihr wirkten kalt und leblos, ihr Blick gleichte dem eines Toten, der sich nach Rache sehnte. Da bemerkte ich unweigerlich, dass sie nicht mit meiner Entscheidung einverstanden war, auf das Land zu fahren und dort neu zu beginnen. Aber wohl nebenbei bemerkt, sie war doch zuallererst einverstanden gewesen. Es brauchte zwar sehr viel Überzeugungskraft, aber ich konnte ihr erklären, dass, sobald ich wieder imstande wäre, wieder ein Buch zu verfassen, würde sich unser gesamter Lebensstandard wieder heben. Jedoch war dies ein sehr gewagter Schritt, denn wir mussten unser Haus in der Stadt verkaufen, um uns dieses Anwesen auf dem Lande leisten zu können. Sodann begann sie zu begreifen und verstand meine Notsituation. Falls ich es noch nicht angemerkt habe, so tue ich es nun, ich war ein Schriftsteller, der im Lärm der Großstadt versank, dem Ekel auf den Straßen, den Kriminalismus, der allgegenwärtig schien. Mir fehlte die Inspiration, mir fehlte das, was die Blätter hatten, einen Wind, der mich antrieb und zu dem ich tanzen konnte. Ich hoffte, meine Muse auf dem Land, in der Stille der Natur, zu finden.Zu meiner Missgunst liebte meine Frau aber das Stadtleben. Sie liebte das Belebte, das Gefühl von Menschen in ihrer Nähe, die Bequemlichkeiten, die eine Stadt mit sich bringt. In einer Stadt zu leben gab ihr das Gefühl, nicht alleine zu sein. Doch auf dem Lande war dies alles nicht der Fall. So liebe ich es, alleine zu sein, das Gefühl von Freiheit und den Geruch der Natur. Doch am liebsten, am liebsten war mir die Stille, denn sie inspirierte mich am meisten. Ich konnte leider meinen Kopf nur anordnen, wenn Stille herrschte. Das Gefühl, das ich hatte, wenn ich es schaffte, meine Gedanken zu ordnen – dies war schon mehr als genug Antrieb für mich, wegzuziehen. Die Stadt widerte mich an. Als ich bemerkte, dass Linda sah, wie mir ihre Miene missfiel, ließ ich meinen Blick wieder auf die Umgebung schweifen und tat so, als ob ich ihren Gesichtsausdruck nicht wahrnahm. Verständlicherweise wollte ich nicht den ersten Tag in unserem neuen Leben mit einer Streitigkeit beginnen, da ohnehin nichts mehr zu ändern war. Ihr müsst wissen, wir stritten zu den gegebenen Zeiten sehr viel. Nach dem Auszug unseres Sohnes, Jeffrey Atkins, wurde es immer schlimmer. Zuvor konnte Linda immer ihre Frustration, ausgelöst durch meine oftmals anstrengende, überhebliche und provokante Art, dies ist mir schmerzlich bewusst, in Fürsorge um unseren Sohn umwandeln. Nachdem er aber beschlossen hatte, auszuziehen, was ich ihm nicht verübeln konnte, denn es herrschte unentwegt Streit in unserem Haus, begannen wir förmlich den Streit zu suchen. Dies wurde, so schlimm es klingen mag, schon ein Teil von uns, der unserer Ehe wenigstens noch etwas Würze verlieh. Aber diesmal sollte es anders sein. Diesen Neubeginn ließ ich mir nicht von unserer beider Sturheit nehmen, und den Wunden, die in der Vergangenheit entstanden waren.Als ich noch dabei war, die Umgebung zu untersuchen, fühlte ich einen Druck am rechten Unterarm, der immer Stärker wurde, je länger ich meinen Geist schweifen ließ. Als der Druck so stark wurde, dass ich mich nicht mehr konzentrieren konnte, fiel mir auf, dass er davon kam, dass meine Frau meinen Arm hielt und sich darüber beschwerte, dass sie seit zehn Minuten versuchte, mit mir zu reden, ich jedoch keine Antwort gab.
„Natürlich, natürlich, meine Liebste! So sieh doch die malerische Umgebung, ist sie nicht herzzerreißend? Siehst du die Blätter und Vögel; sie scheinen miteinander zu tanzen", sagte ich, wieder abschweifend, aber ohne, dass ich überhaupt einen Laut von dem vernahm was sie zu mir sprach.
Dies passierte nicht das erste Mal. Unserer beiden Nerven waren derart gespannt, dass wir kaum Energie aufbringen konnten um einander zuzuhören. Die restliche Fahrt war Linda noch beleidigter wie zuvor, denn sie fühlte sich zu all dem nun noch ignorierter und fehl am Platz. Doch dies tat ich nicht willentlich, mir fiel es viel einfacher, mich auf die Umgebung zu fokussieren und so wurde ich hypnotisiert. Alles schien so friedlich und unberührt. Nach der fast acht Stunden langen fahrt kamen wir endlich an unseren neuen Anwesen an. Ich freute mich schon wie ein kleines Kind, das eine Überraschung erwarten durfte. Hier würde unser neues Leben im Wohlstand und Glück beginnen. An diesen Gedanken hielt ich auch fest und ohne ihn würde mir meine Hoffnung dahin fließen wie Sand in der Hand. Es war prachtvoll, ein Anwesen in mitten von einer Umgebung, die den Kontrast des alten Gebäudes noch erheblich hob. Gleich auf den ersten Blick merkte ich, dass dieses Anwesen schon so alt war, dass es eine eigene Seele besaß. Wie ein jeder weiß, sind die Augen das Fenster zur Seele, so fühlte ich mich, wie ich durch die Fenster einen Blick erhaschte, als ob ich in die Seele des Hauses starren könnte. Wenn dies wirklich wahr gewesen wäre, so war die Seele dieses Anwesens wunderschön, wie eine engelsgleiche Frau, gekleidet in ein purpurrotes Kleid, das so schimmerte wie das Licht des Mondes, und sie tanzte zu wunderbarer Geigenmusik. Neben diesem Anblick, ob er nun Realität oder meiner Fantasie entsprungen war, wirkte die ganze Umgebung wie eine Bühne, die nur für diese Frau geschaffen wurde. Die Fenster und Türen des Anwesens waren zudem noch derart schön verziert, sodass man meinen konnte, jedes Fenster und jeder Türrahmen erzählte eine Geschichte, die gelesen werden möchte, so als könne man ein Märchen die gleiche Geschichte dem Holz entnehmen. Wo ein König in einem Land regierte und seine wunderschöne Tochter entführt wurde, vom bösen Zauberer, der, natürlich wie denn auch sonst, in einem dunklen Turm hauste. In diesen Geschichten gibt es jedoch immer Hoffnung, die Hoffnung, dass ein Ritter in schimmernder Rüstung die Prinzessin rettet. So gab dieses Anwesen auch mir Hoffnung, dass unsere Ehe gerettet werden könnte. Zudem stand eine alte Eiche vor unserem neuen Heim. Diese war so groß, dass sie das Dach des Anwesens überschaute, obwohl das es zwei Stöcke hoch war. Durch diesen Baum fielen viele Blätter auf das Dach, das Gebäude schien unter einer Decke zu schlummern und auf den richtigen Ritter zu warten. Um die Eiche herum lag links und rechts gebogen der Weg zur Eingangstür – eine prächtige und starke Tür. Diese sollte das mächtige Tor sein, das vor allen Feinden schütze. Rund um das Haus standen viele Bäume, so, als ob die alte Eiche der König unter diesen Bäumen war, denn sie thronte vor ihrem Schloss erhobenen Hauptes, alt wie der Wald selbst und stark wie eine Horde Elefanten. Ich verliebte mich sofort in unser neues Heim, doch Linda schien sehr misstrauisch. Aufgrund ihrer Einstellung zum Landleben verstand ich ihre Reaktion, doch meine ich nicht damit, dass ich sie begünstigte. Lindas misstrauisches Verhalten erschwerte es mir massiv, meine Hoffnung in diesen schweren Zeiten zu bewahren. Denn es gibt immer Hoffnung, egal wie schwer die Zeiten sind, nur erblickt man diese Möglichkeiten nicht sofort auf den ersten Blick und daran hielt ich fest, daran musste ich festhalten, sonst würde ich mich selbst in einen Abgrund aus Verzweiflung und Selbsthass stürzen.Trotz allem ließ ich mir die Aufregung nicht nehmen. Ich sprang mit Schwung aus dem Auto, wobei der Verschluss meiner Jacke einen Kratzer in den Lack des Fahrzeuges machte. Es war mir jedoch vollkommen gleich und ich öffnete sogleich den Kofferraum, packte meine Koffer aus, begab mich zur Eingangstür und bewunderte die Verzierung der Tür, besonders aber den wundervollen Wolfskopf aus Messing, der in seinem Maul einen Messingring zum Anklopfen trug. Dieser schien so derartig detailgetreu, als müsse man Angst haben, wenn man anklopfen wollte, dass einen der Wolfskopf beißen würde. Er war bestimmt das machtvollste Haustier, dass ein König besitzen konnte, das an seiner Seite neben dem Thron sitzt und treu seinen Befehlen bis in den Tod gehorcht. Es klingt sehr merkwürdig, dies ist mir durchaus bewusst, doch hatte ich das Gefühl, als ob der Wolfskopf unser Anwesen beschützen würde, denn wenn Besuch vor der Tür stand, würde ihnen der Wolfskopf die Lust am Anklopfen entziehen und mich so weiterhin in Frieden lassen.Ich fühlte mich wie im Rausch als ich vor der Eingangstür stand. Ich wollte nur noch hineinlaufen und meinem Palast der Stille „Hallo“ sagen, doch etwas hielt mich noch davon ab, etwas stark Bedrückendes, als ob mich jemand beobachtete.
Überrumpelt von diesem Gefühl, das mir am gesamten Körper Gänsehaut bescherte, wollte ich auf Nummer, sicher gehen und mich davon überzeugen, dass sich nichts in meiner Umgebung befand das mich beobachtete. Langsam schweifte ich mit meinem Blick über den Horizont und als ich schon vor Erleichterung schlucken wollte, fiel mir etwas neben einem Baum auf. Es befand sich an einer Anhöhe, die bedeckt mit Herbstlaub war. Es war im Kontrast des Laubes schwer zu erkennen und schien fast gleichermaßen wie das Laub der Bäume gekleidet zu sein. Als ich meine Augen zusammen kniff, um in der Ferne mehr zu erkennen, erschauderte ich vor Furcht, das Blut fror mir in den Adern und mein Gesicht wurde dabei totenbleich. Es war eine Gestalt in dreckiger zerlumpter Kleidung, jedoch ohne Gesicht. Obwohl es kein Gesicht hatte, also weder Augen, noch Nase noch Mund, schien es mir genau in die Augen zu blicken. Plötzlich vernahm ich einen Ruf zu meiner Linken. Erschrocken durch den Ruf begann ich zu blinzeln und die Gestalt war fort. Dort wo sie gestanden hatte, tanzte nur noch das Laub zum Lied des Herbstes.Voller Verwirrung schüttelte ich meinen Kopf und achtete darauf, was dieser Ruf von mir wollte. Es war meine Frau, sie brauchte Hilfe beim restlichen Gepäck.
Ich antwortete ohne jegliche Begeisterung: „Ja, gleich meine Liebste, ich trage selbst noch Gepäck, siehst du das denn nicht? Ich komme gleich und helfe dir”.
