Das Fenster zur Sonne - Sergio Bambaren - E-Book

Das Fenster zur Sonne E-Book

Sergio Bambaren

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Beschreibung

Manche Vögel sind nicht dazu gemacht, im Käfig zu leben. Sie müssen frei sein. Das denkt auch Sergio Bambaren, als er seine Wohnung aufgibt, um aus der lärmenden Großstadt Lima an einen einsamen, unberührten Strand im Norden Perus zu ziehen. Kaum hat er sich an diesem wunderschönen Ort niedergelassen, geschieht etwas Außergewöhnliches: Innerhalb kürzester Zeit verwandelt sich sein Strandhaus in eine Art Arche Noah. Esel beginnen von den Bäumen in seinem Garten zu fressen, Wale und Delfine spielen mit ihm im Wasser, Seerobben liegen am Strand und lassen sich von ihm streicheln, ein wilder Fuchs läuft ihm zu und lebt fortan mit ihm in seinem Zuhause. All diese Tiere teilen mit Sergio ihre Weisheiten und Erfahrungen. Sie führen ihm vor Augen, welchen Schaden die Menschen in der Natur angerichtet haben und wie wichtig es ist, der Welt sowie all ihren unterschiedlichen Bewohnern mit Respekt entgegenzutreten.

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www.piper.deÜbersetzung aus dem Englischen von Gaby WursterISBN 978-3-492-97292-5März 2016© Sergio Bambaren 2015Deutschsprachige Ausgabe:© Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2016Vermittelt durch Victoria Satlow Literary AgencyDie Originalausgabe erschien 2015 unter dem Titel »The House of Light« bei Create Space Independent Publishing Platform.Covergestaltung: Mediabureau Di Stefano, BerlinCovermotiv: Illustration von Sung KimDatenkonvertierung: Fotosatz Amann, MemmingenSämtliche Inhalte dieses E-Books sind urheberrechtlich geschützt. Der Käufer erwirbt lediglich eine Lizenz für den persönlichen Gebrauch auf eigenen Endgeräten. Urheberrechtsverstöße schaden den Autoren und ihren Werken. Die Weiterverbreitung, Vervielfältigung oder öffentliche Wiedergabe ist ausdrücklich untersagt und kann zivil- und/oder strafrechtliche Folgen haben.

Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näher zu treten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hatte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte.

Henry David Thoreau, Walden

Meine größte Kunst bestand immer darin, wenig zu bedürfen.

Henry David Thoreau, Walden

Manche Vögel sind nicht dazu bestimmt, in einem Käfig zu leben. Auch wenn sie noch so laut und schön singen, bedeutet das nicht unbedingt, dass sie glücklich sind. Man kann sie gut behandeln, ausreichend füttern, sie lieben und verwöhnen. Doch trotz aller Mühe, die man sich gibt, damit sie sich im Käfig wohl und sicher fühlen, werden sie früher oder später eine Möglichkeit suchen zu entkommen. Können sie das nicht, wird ihre Seele langsam zugrunde gehen. Wir wissen, dass es so ist, ansonsten würden wir das Türchen ihres Käfigs nicht immer wieder verschließen, nachdem wir sie gefüttert und gestreichelt haben. Genauso gut könnten wir ihnen die Federn stutzen, damit sie nicht mehr fliegen.

Ihre Flügel strotzen aus gutem Grund vor Kraft. Vögel sind dazu geboren, ständig in Bewegung zu sein, weite Strecken zu fliegen und den Himmel zu berühren. Sie sind dazu bestimmt, frei zu sein. Ihre Einzigartigkeit, ihr Lebenszweck, ihr Wesen erfüllt sich erst, wenn sie sich im Einklang mit den Jahreszeiten bewegen können. Es liegt in ihren Genen und ihrem Willen; nichts ist stärker als die Kraft der freien Seele, die im Herzen dieser geflügelten Geschöpfe wohnt. Manche Vögel sterben unweigerlich, wenn sie nicht entkommen. In einem unauffälligen, stillen Todeskampf, den vielleicht niemand bemerkt, sterben sie jeden Tag ein bisschen mehr, bis man eines Morgens den kalten Kadaver des geliebten Tierchens regungslos auf dem Boden des Käfigs findet. Andere Vögel hingegen akzeptieren das Schicksal eines ewigen Lebens im Käfig. Sie fressen und singen, ohne zu merken, dass sie eingesperrt sind.

Auf meinen Reisen um die Welt habe ich alle möglichen Käfige gesehen – große, kleine, rechteckige, runde, manche waren sogar mit allerlei Luxus ausgestattet. Käfige werden von jeher aus Eisen gebaut, doch keiner ist robust genug, um Prinzipien und Träume einzusperren. Auch Prinzipien und Träume sind ein Material, aus dem etwas geschaffen werden kann – allerdings keine Käfige. Ja, nicht einmal Häuser. Aus ihnen entsteht eine wahre Heimat.

Vielleicht habe ich deshalb beschlossen, alles hinter mir zu lassen und das Leben in der Stadt gegen eines in der Natur einzutauschen.

Brecht aus eurem Käfig aus, sucht neue Abenteuer, habt keine Angst, auch nicht im Angesicht des Todes. Dies ist mein Rat an alle, die sich niederlassen wollen: Sorgt dafür, dass ihr keinen Käfig baut, sondern eine Zuflucht, ein Heim, das von innen heraus leuchtet, statt von außen erhellt zu werden. Einen Ort, an dem die Sonne der Seele stärker und wärmer scheint als die unseres Sonnensystems. Füllt diesen Ort mit Liebe, Güte und Lebensfreude. Wählt für euer Heim einen naturnahen Ort, an dem Mensch und Tier in Harmonie leben, und umgebt euch mit geliebten Freunden. Dann werdet ihr nie wieder in einem Käfig wohnen können, denn ihr lebt nun ohne Grenzen, frei von Regeln und Konventionen, an einem Ort, an dem das Wörtchen »unmöglich« nicht existiert. Erst dann merkt ihr, dass ihr eine Quelle der Liebe geschaffen habt, ein Haus aus Licht, in dem weit mehr als materielle Besitztümer Platz finden, nämlich das ganze Universum, das es umgibt. Ein Ort, an dem alles möglich ist. Alles.

Viele Menschen haben mir gesagt, dass sie sich davor fürchten, ihre Träume zu leben, weil sie Angst haben, alles zu verlieren, was sie haben. Nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt, denn das Einzige, vor dem sie Angst haben müssen, ist die Angst selbst. Denkt immer daran, dass die Gesellschaft es ist, die uns im Käfig hält.

Hört auf euer Herz. Lebt eure Träume.

Was kann schlimmstenfalls passieren? Die Antwort lautet: nichts! Wir können jederzeit zurück. Wichtig ist, es zu versuchen, versuchen, unser Bestes zu geben. Und wenn wir ein anderes Leben ausprobiert haben, werden wir nicht mehr dieselben sein. Es ist, wie ein Fenster zu öffnen: Wenn wir einmal mit unverstelltem Blick in die Ferne geschaut haben, wird sich unser Leben für immer verändern.

Ihr werdet lächeln bei der Erkenntnis, dass das Wort »unmöglich« nur das ist: eben ein Wort, eine Erfindung des Menschen. Ein bescheidener Träumer weiß, dass die Käfigtür offen ist für jene, die sich in diesem System gefangen fühlen. Ein System, das Stück für Stück auseinanderfällt.

Vieles habe ich mit eigenen Augen gesehen. Schließlich wurde auch ich dort hineingeboren, war Teil davon, und weiß, wie es sich anfühlt: der tägliche Trott, die Leere, die ganzen Gegenstände, Spielzeuge und Schätze, die vom eigenen Leben ablenken, während die Zeit nur so davonfliegt.

Verlasst den Käfig, wenn es das ist, was ihr wollt. Fliegt furchtlos eurem Glück entgegen. Und wenn ihr euch ausruhen müsst, dann baut ein Nestlein aus Licht und Liebe. Ein Heim, in dem eure Wunden heilen können. Ihr könnt jederzeit um Verzeihung für eure Fehler bitten oder um Vergebung bei den Menschen, denen ihr wehgetan habt. Schafft Erinnerungen an ein gut gelebtes Leben. Sucht euch einen Ort, an dem das Wort »Alter« nichts bedeutet, einen Ort, an dem eure Seele ewig leben wird, auch wenn der Körper altert.

Vertraut mir – ihr werdet es niemals bereuen.

Vor vielen Jahren wurde in einem fernen Land ein Träumer geboren. Er war gesund und umgeben von einer liebevollen, rechtschaffenen Familie. Er kam mit einem Lächeln auf die Welt, nicht mit einem Schrei. Solange der Träumer sich entsinnen konnte, betrachtete er sein Umfeld mit Ehrfurcht. Selbst die banalsten Dinge steckten für ihn voller Magie, nie konnte er genug bekommen von den Wundern ringsum.

Selbstverständlich glaubte niemand – außer sein Vater, der bei der Geburt dabei gewesen war, und der Arzt, der seinen ersten Atemzug begleitet hatte –, dass er mit einem Lächeln das Licht der Welt erblickt hatte. Im Grunde glaubte anfangs niemand an irgendetwas, das der Träumer tat.

Er wuchs als glückliches Kind heran. Der Träumer wusste, dass es ganz allein an ihm lag, ob er die Dinge positiv oder negativ betrachtete. Da er beschlossen hatte, sich auf das Schöne zu konzentrieren, anstatt über das zu klagen, was ihm fehlte, war er immer froh. Er wusste, dass das Leben ihm nichts schuldig war, und so betrachtete er alles als ein Geschenk, für das er dankbar war.

Er ging zur Schule, gewann Freunde und Freundinnen. Die Jahre des kindlichen Staunens waren so kostbar wie seine Jugend. Natürlich erlebte er auch traurige Momente, doch dank der Einstellung, die er dem Leben gegenüber eingenommen hatte, verschwanden sie so schnell aus seiner Erinnerung wie ein vorüberziehender Sturm. Er reiste viel, und das Meer und das Surfen wurden die Lieben seines Lebens. Er sah die Welt, wie nur wenige sie sehen, und stellte fest, dass man überall Schönheit finden kann, solange das Herz frei von Vorurteilen bleibt. Der Träumer ging auf die Universität und machte seinen Abschluss. Dem Surfen blieb er dennoch treu, denn das Meer war Balsam für seine Seele und Nahrung für seinen Geist.