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Essay aus dem Jahr 2015 im Fachbereich Philosophie - Sonstiges, , Sprache: Deutsch, Abstract: „Das Finale Paradigma“ ist ein spinozistisch inspirierter Versuch, zu denken, wie die allen aufgezwungene Produktionsweise, die sich in der Herausbildung der sog. Finanzindustrie entscheidend verschärft hat, das menschliche Leben in einer sozialen und naturbelassenen Perspektive zerstört. Die Grundoperation: Ausbildung eines rasenden Mangels an Überfluss der Vorteilsnehmer gegenüber dem Überfluss an Mangel der fern davon in Massen zu leben Gezwungener, hat dadurch Endgültiges, dass sie jedes in seiner darin erfassten Gespaltenheit konstituiert.
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Veröffentlichungsjahr: 2015
Impressum:
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Inhalt
ANSAGE
Erster Teil: Vom Kapital
Definitionen
Satz I
Satz II
Satz III
Satz IV
Satz V
Satz VI
Satz VII
Satz VIII
Satz IX
Satz X
Satz XI
Satz XII
Satz XIII
Satz XIV
Satz XV
Satz XVI
Satz XVII
Satz XVIII
Zweiter Teil: Von der Masse und ihren Gemeinschaften
Satz I
Satz II
Satz III
Satz IV
Satz V
Satz VI
Satz VII
Satz VIII
Satz IX
Satz X
Satz XI
Satz XII
Satz XIII
Satz XIV
Satz XV
Satz XVI
Satz XVII
Satz XVIII
Satz XIX
Dritter Teil: Freiheit oder Affektbewirtschaftung
Satz I
Satz II
Satz III
Satz IV
Satz V
Satz VI
Satz VII
Satz VIII
Satz IX
Satz X
Satz XI
Satz XII
Satz XIII
Satz XIV
Satz XV
Finales Paradigma
NACHTRÄGE
VULGÄRER ÖKONOMISMUS
TEXTVERGESSENHEIT
EXTREME MITTE/MASSENHALTUNG
PERFORMANZTERROR
Dieser Text strebt, klar und deutlich auszusagen, was Ihr immer schon wusstet, aber nicht zu denken wagtet. Hierzu wird untersucht, was auf Erden die größte Wirkmacht hat insofern es gesetzt ist als etwas, das sich selbst entspringt und durch sämtliches Zu- oder Widertun in seiner Wirkmacht noch gesteigert wird. Wie daraus immer neue Formen der Knechtschaft entstehen und Erlösung der Knechtschaft gesucht wird in dem, was sie verursacht. Warum die menschlichen Gesellschaften ihre Freiheit verspielen indem sie sich in Gemeinschaften aus dem Geist der Bevormundung und wahnhaften Bereicherung wandeln. Dieser Text heißt „Finales Paradigma“, weil alle dominierenden Formen von Zivilisation - okzidentale Massendemokratie (Massenhaltung in bitterstem Konsumismus), orientalische Oligarchie (Massenhaltung durch regrediente Vergemeinschaftung unter patriarchal-theomorphe Idole) und asiatisch-autokratische Markterweckungsregime – nach meiner Auffassung das Menschenmögliche zerstören, um durch Gewalt und religiöse Inbrunst der Selbstverwertung des Kapitals und der Selbstwertsteigerung des Vorteilnehmerkartells zu dienen, wozu ihnen ein noch nie vorhandenes Waffenarsenal gegeben ist zur Vernutzung übervorteilter und auf Übervorteilung konditionierter Massen, zur Vernichtung des Lebens aus dem Geist der Vorsehung: dem Glauben, dass ein „freier Markt“ – den es niemals gegeben haben wird – der Befreiung der Massen dienen könnte, logischerweise durch Produktion des Sinnlosen: Kapital erlösen aus der Vernichtung ungebundener Existenz. Wenn nachstehend häufig nur von „Wirtschaftsdemokratie“ die Rede ist, sind andere, kapitalistische Praktiken totalisierende Regime eben so gemeint, in der Wirtschaftsdemokratie ist nur eben alles besonders vorbildlich. Weil es den Kapitalismus nicht gibt sondern nur zusehends radikalisierte, effektivierte und vor allem immer exklusiver gemachte Erwerbsstrategien, kann man sich nur um eine angemessenere Interpretation der unter der Marke „Kapitalismus“ befassten Praktiken seitens der Kritiker wie der Anwender bemühen; ihre Radikalisierung und die daraus drohende Mentalitätsverschiebung sind hier Thema. Sollte es sich um ein ontologisches Verhängnis handeln, na, dann muss man wohl die Ontologie abschaffen. – Diese Schrift arbeitet ohne Apparat, weitgehend stützt sie sich auf meine Studie „Fratzen der Souveränität“, (Wuppertal 2009) und wie diese maßgeblich auf die Arbeiten von Spinoza, Marx (&Nachf. bis R. Kurz), Deleuze und Guattari, Hjelmslev. Die Form ist weniger der Leidenschaft für den mos geometricus geschuldet denn der Bewunderung Spinozas, außerdem erwies sie sich als verblüffend effektiv und schien mir für eine fassliche und übersichtliche Darstellung der Problematik sehr geeignet.
1. Kapitalismus nenne ich eine Maschine, die das Reale in Kapital verwandelt. Kapital ist geschichtslos, gesichtslos, geschlechtslos, eine Handlungsmacht, die sich in ihrem Handeln niemals erschöpft, weil sich zuvor alles andre erschöpft.
2. Maschine ist jedweder Funktionszusammenhang, welcher sich relativ unbegrenzt relativ unverändert wiederholt und dessen Zweck wie Impulsursprung außerhalb seiner liegt; dies im Unterschied zum Maschinischen, das maschinell operiert, aber einen inneren Zweck realisiert.
3. Eine Substanz ist nach Spinoza was zu seinem Bestehen keiner Ursache bedarf, weil es Ursache seiner selbst ist. Als solches wurde früher Gott oder die Natur gedacht.
4. Das Vermögen der Substanz: maschinische Produktivkraft freizusetzen und zu artikulieren. Die sinnlose Produktion vor ihrer Definition unter dem Gesichtspunkt der maschinellen Reproduzierbarkeit und der Abnahme des standardisierten Produkts. Im Unterschied zu „maschinell“ besagt „maschinisch“: frei von regulärem, prognostizierten Verlauf; das Produkt ist nicht vom Produzierenden streng geschieden sondern fällt automatisch weiterer Produktion bedingend zu.
5. Masse meint hier depotenzierte Vielheit, über kumulierte Mengen hinaus vorzüglich das Vereinheitete (-> Marke, Markierung); dass die Nominalisten und ihre Wiedergänger eine solche Vorstellung noch niemals zugelassen haben - also dass es eine Art Transitorium gibt zwischen Vorstellungen von Vielen, die sich immer ähnlicher werden, und einem durch Auftreten, Sprache daraus verselbständigtem Kanon – mag mit Ursache des Problems sein. –Eine Masse ist mE besser denn als Gebilde aufgefasst als Zustand selbstorganisierter oder auferlegter Ohnmacht eines Egos oder einer Gemeinschaft; die Masse findet keine produktive Macht, sondern nur Karikaturen von Herrschaft, die sie über sich gestellt hat.
6. Egologisch nenne ich was nach Art eines Egos aussagt und dabei von und zu sich spricht. Ego ist dabei der auf Erwerb gerichtete Zustand des Ich, welches seinerseits eine Zurichtung der menschlichen Natur mit der Option auf Gewinn und Gestaltung individueller Freiheit ist. Egologisch ist das Verhalten nicht nur eines Individuums, sondern ebenso das von Gemeinschaften und Massen.
7. Artikulation bedeutet, ein Ganzes ohne feste Ränder so als Beziehungsganzes von Elementen bestimmen, dass darin das Zeichenhafte (die Tatsache, dass jedwedes durch ein Zeichen bezeigt, ein Zeichen für sich selber oder etwas anderes sein kann) relativ konkret und in seinen Elementen demokratisch ist, weil es keine Bedeutung gibt, die als Bedeutung bedeutender ist als eine andere.
8. Zeichenhaft nenne ich, was die Bildung von Zeichen bedingt, genauer die Schaffung und Aussonderung von Zeichen; hierzu bedarf es eines Elementes des Inhaltlichen, eines Momentes des Ausdrücklichen, deren Verknüpfung zweier spezifizierter Segmente das Zeichen ist; des weiteren die Zeichenverwendung und die Reartikulation von Zeichen mittels Interpretanten, durch welche der Zeichenimpuls erhalten bleibt.- Das Soziale ist in eben dem Sinne zeichenhaft, als jeder Einzelne als Teil desselben ein Inhaltliches (das Intersubjektive, in dem das Körperliche und Manifeste menschlichen Umgangs liegt) und ein Ausdrückliches verknüpft. (Das Intra- oder Innersubjektive wie es das einzelne Subjekt aus seiner Kompetenz als sprechendes, denkendes, schreibendes, bildendes …. Wesen realisiert. Das Subjekt ist so gesehen ein Zeichen, das das Einzelne mit den Vielen verbindet dadurch, dass es deren Unterschied weiß.)
9. Medien sind Elemente, an denen Zeichen auftreten und durch dieses Auftreten als Botschaften aufgefasst werden. Hört das Medium auf unterscheidbar von der Botschaft zu sein, entsteht ein Code als autogenes Sinnganzes, das sich reproduziert und zersetzt.
10. Modus ist die Art und Weise wie eine Kraft konkret existiert, nicht aber dieses Existieren selbst. Hierbei fällt unter die Art alles Präformierte und verstehe ich unter Weise die Version, in der dieses ausgespielt wird.
11. Affekte sind nach Spinoza Affektionen und die Ideen derselben, körperliche Vorgänge, die sich unvermittelt ausdrücken (Emotionen) und vermittels von Wille und Verstand gleichermaßen - im Umfange einer bestimmten Modifikation - gefühlt, gedacht oder gewusst werden; dh ein einfach Bestimmtes ist durch die vom Körper organisierte Bearbeitung ein mehrfach Gesetztes, wobei das Verschiedene verschieden ein und dasselbe artikuliert. Trotz der Einwände der Synapsenverwaltung scheint dies eine für die Selbstverständigung des Verstandesgebrauchs fähiger und Autonomie liebender Menschen geeignete Vorstellung zu sein. Dass man mit gestutzten, programmierbaren und gebündelten Affekten aus Masse keine Gesellschaft gestalten kann, müsste klar sein. Das Handeln aus Masse wie es mustergültig von den Cyberkraken[1] realisiert wird, bedeutet, dass Daten (warenfähige Kenntnisse von etwas) dort entstehen, wo sie als solche etikettiert (aufgerufen, weitergeleitet …) werden und je wichtiger sind, desto mehr User (Nutzer-Genutzte) sie „aufrufen“. (Eine Bewegung, die das Business mit den großen Massenerregungen, wie Presse, Demoskopie usw es begannen, perfektioniert.) - Sofern man mir zustimmen mag, dass Bedeutung an Sprache, Intention und Situation, ob gesprochen, geschrieben oder gesungen oder sich implizit oder potentiell versprachlichende intellektuelle Aussagen gebunden ist, gilt: „Produkt“ solcher massegehandelter Informationen ist nichts, das bedeutet, sondern das was zählt. Die Verwechselung von bedeuten und zählen ist systematisch.
12. Universale Berechnung nenne ich die Reduktion (Eng- und Rückführung) von unendlichen Dimensionen , Kräften, Energien auf endliche; dies ist das Gegenteil zu nach einem bestimmten Grad ein Maximum des Vermögens des Absoluten (Unverfügbaren wie Unerschöpflichen) zu realisieren; vielmehr heißt es, unendliche wie oder als endliche Dimensionen, Kräfte, Energien aufzufassen und der menschlichen Natur die Beschränkung als ihre spezifische Version der Realisierung vorzuschreiben, vermehrt noch in und durch die handelsüblichen sozialen Konstruktionen.
13. Den Begriff „wesenhaft“ benutze ich für Setzungen, die wie ein Wesen funktionieren oder deren Funktionieren sich so beschreiben lässt, auch wenn die Konzeption von Wesenheit als bloß ideelle Gegebenheit, der ein körperliches Sein zukommt, indem sie dessen Formalursache (das was ihm Gestalt zukommen lässt oder im Gestalten das Gestaltende ist) ist, hier nicht verwendet wird.
14. Dinge sind Zeichen, die sich nicht mehr tauschen.
15. Doppelt oder mehrfach gesetzt zu sein als ein Wesen, das eine bestimmte Modifikation der Substanz ausdrückt, bedeutet nicht, dass dabei eines durch das andere gebrochen ist; hierin liegt der Unterschied zwischen einem Konzept und einem Zeichen, das eben dies genau tut.
16. Abstrakte Subjektivität ist der singuläre Zugang zum substantiellen Vermögen durch Arbeit, Sprache und Begehren. Die einzige („gattungsspezifische“) Möglichkeit, sich äußerlich zu sein nicht als Subjekt der Abstraktion (das was sich befähigt, von sich absehen zu können) oder der Reflexion (Zusammenhänge stiften mit verallgemeinerbaren Bestimmungen), sondern in Koordination des Inneren und des Äußeren, mittels dessen sich das Innersubjektive und das Intersubjektive auf diesen Unterschied gründen und dieser Unterschied die primäre oder schöpferische Differenz ist. Ein unverfügliches unteilbares Mehr oder die eigentliche unerschöpfliche Potenz des sub-iects. Und weil darin so viel Großartiges steckt, nähern sich von allen Seiten die Sonden, Seziermesser und Begriffskrieger, um das edle Wild zu erlegen. – In der abstrakten Subjektivität sind Denken und Fühlen formal geschieden.
17. Konkrete Subjektvität ist dagegen die personalisierte Praxis eines Subjekts. Im Subjekt sind zwei Haupttendenzen angelegt: 1. sich zu subjektivieren – also zu bestimmen, zu definieren durch Anpassung und Entwicklung von Fähigkeiten, die im entwickelsten Fall das Selbst- als Besitzverhältnis begründen - und 2. sich zu entsubjektivieren oder das vorgeschriebene Zwangsverhältnis zu durchbrechen, sei es als (a) geregelte (übergangshalber, bevor man zur Verrichtung zurückkehrt) oder (b) ungeregelte (Wahnsinn, Verwahrlosung, Rechtsradikalismus, Suizidbomberei …) Entsubjektivierung.
18. Biopolitik ist Ausdruck herrschaftlichen wie geschäftlichen Interesses am Mangelgut Leben, also naturhafte Funktionen als Ressource zu erschließen.
19. Performieren nenne ich Selbst (iSv Bei-sich-selbst-sein) durch Darstellung von Selbstheit vindizieren; Performanzterror: dies zwanghaft tun durch Eigendrill und Erwerbsfuror, welche (individuell wie kollektiv) die aus adäquatem Gebrauch der eigenen menschlichen Vermögen rührende Gewissheit und Zufriedenheit über das eigene Existieren immer weiter reduzieren und die Not, ein gegründetes Ich zu erwerben, dadurch immer weiter steigern. Durch die Unausweichlichkeit und das alle-in-Beziehung-nehmen mittels dessen, so dass man dem hilflos ausgeliefert ist, entsteht Terror.
Das Kapital ist die eine Substanz, die in mindestens zwei Attributen oder Gestaltungen auftritt, so, wie die von ihr absorbierte Substanz als Denken und Ausdehnung.
Beweis: Soweit alles was ist zumindest eine zeiträumliche Extension hat und denkbar ist und die An-Ordnung des Gedachten dieselbe des Ausgedehnten ist, bedeutet dies, dass was immer sich aus dem Einen durch verschiedene Attribute a) im allgemeinen grundsätzlichen Sinne bestimmt wie b) zu einem konkreten endlichen (begrenzten) Modus, somit ein zwiefach gesetztes Einfaches ist. So dass zwar nur der Mensch darüber verfügt denkend und ausgedehnt zu sein und beides ihm dasselbe ist nur so lange als er um die Verschiedenheit weiß; darüberhinaus jedes Seiende mindestens doppelt verfasst ist. Das Eine sei es durch Entfaltung, sei es durch Beschneidung ist in den verschiedenen Attributen real eines, aber formal: das wodurch es in einem anderen ausdrücklich wird zwei.
Die Annahme einer einzigen Substanz, die sich selbst ursächlich und darin Ursache von allem anderen ist in Ansehung der Erde und des sie umgebenden Bereiches des Weltraums, trifft zu, weil das Kapital das einzige ist, welches direkt und indirekt Lebewesen, Objekte und Sachverhalte durch seine Bestimmungsgewalt in Kausalität setzt. – Die Annahme, dass das Kapital der Ausdruck eines Verhältnisses ist, das aus dem warenproduzierenden System entstanden ist, auf der Ausbeutung der unmittelbaren Produzenten beruht und in dem historischen Moment (welcher mithin kein zeitlich fixierbarer ist) entstanden ist, wo es sich durch sich selbst („Selbstbewegung“) vermehrt („geheckt“) und die unmittelbaren Produzenten als von sich so abhängig wie vordem von ihren Feudalherren anwendet…… diese Annahme ist in so weit überholt, als das Kapital seine Besitzer anwendet und die Verhältnisse, die es durch seine Wirkkraft angeblich verschleiert umgekehrt zur Verschleierung der Tatsache dienen, dass das Kapital ein autodynamisches Konstrukt ist. Spätestens die sog. „Finanzindustrie“ stellt jedem klar vor Augen, dass sämtliche Vorstellungen darüber, dass Kapital etwas Reales ermisst, „Werte“ repräsentiert und zur Wohltat in der Hand weiser Anführer wird, Schnee von vorgestern ist; vielmehr es sich um abgeschöpftes Geld aus Mehrwert, Bankmassen, Verkaufserlösen, Mieten, Renten, Enteignungen, Schutzgeldern, Gebühren … handelt, das sich so weit verselbständigt hat, dass es sich über die Anordnung noch verwertbarer Realitäten aus sich selbst heraus durch Zellteilung, Parthenogenese, Tricks und Bluffs vermehrt und in der plan- wie ortlosen Konzentration dessen aus dem homogenen verspiegelten Raum der Hysterien und Habsucht als Dispositionsgewalt der Realität Mangel zusetzt. Das Kapital repräsentiert nichts, aber macht alles zu gescheiterten Repräsentationen seiner Misswirtschaft. Die von den Ökonomen behauptete Steuerungsfunktion – dass es sich dort alloziere, wo Wert zum Wohle aller geschöpft werden könne – kann dabei nur noch als Nebeneffekt gelten, wenn, so projektiv-reflexiv auch es durch wie gegen die Realität auftritt, sich das Kapital nur noch mit sich selbst vermittelt oder über Erwartungen, die aus seinem Bauch heraufsteigen. Woraus das Paradox rührt, dass das Kapital alles bedingt, indem es allem gegenüber unbedingt ist, dass es alles steuert, indem es nichts repräsentiert. Indem es lediglich Aneignungsprozesse berechnet, abschöpft und institutionell verbrieft wie terminiert. Dass es mithin aus einem Verhältnis der Disproportion zwischen unmittelbaren Produzenten und den Verwertern ihrer Produktionsergebnisse zu einer Dispositionsgewalt geworden ist, welche die sie generierenden Verhältnisse aufgehoben oder von einer Ursache in eine Wirkung verkehrt hat.
Anmerkung 1: Es ist von großer Wichtigkeit zu verstehen, dass es in der Natur der Sache der Natur niemals gelegen hat, dass etwa das Denken das Ausgedehnte substituiere oder umgekehrt. Oder dass die Substitutionsweise zum ersten Prinzip im Fortschreiten der Fortschrittslosigkeit (Diskontinuität) werden konnte.
Anmerkung 2: Genau genommen muss man feststellen, dass Denken und Ausdehnung nur in so weit dem Kapital zukommen, als es sie bereits depotenziert hat in taxierbare materielle Objekte wie auf Gedankenverknüpfungen zwischen Wertvorstellungen und den Regeln der universalen Berechnung mittels derer beider Geldwert bestimmt wird, sowie die Methoden vermeintlich an sich seiende Werte (Schätze, Ressourcen, Tugenden, Gegenstände sozialer oder religiöser Erbauung) durch Kapitalwert zu ersetzen. Im Unterschied zum Geldwert als der bestimmten Summe drückt Kapitalwert die abstrakte Erfassbarkeit als Wert aus. - Der Fetischismus – also das Fixieren eines Aktes, eines ritualisierbaren Ereignens, eines überwältigend-verstörenden Erlebnisses oder des Verschwindens etwa der Arbeit, der Spuren und materiellen Zeugnisse des praktischen Tuns in einem diesen nur zufällig Inhärierenden, das zum Zeichen wird der Geldware, die Magie als Option auf sämtliche Wünsche Antworten zu haben - steigert sich durch die Abstraktion in das reine Zeichen bis in das Maschinenzeichen und endlich die „Idee“ des Kapitals; diese fordert, den Wert der Kapitalsubstanz gänzlich unabhängig von allen Vergegenständlichungen („repräsentativen“ Besitztümern) zu bestimmen und vorzuschreiben, ihn gänzlich aus der Stoffgebundenheit zu erlösen.
Das Kapital ist dem Raum und der Zeit nach unbegrenzt, weil es weder Zeit noch Raum hat oder nur benötigt. Es ist auf eine unangenehme Weise ewig.
Beweis: Dem Kapital unterliegt alles und es kennt keine Grenze, es ist genau genommen das, was zu jeder Grenze das Überwindende ist oder zu dessen Demonstration von Überwindung die Grenzen errichtet sind. Also ist es im substantiellen Sinne unbegrenzt. Ebenso ist es der Zeit nach unbegrenzt sofern es zwar in seinen Modifikationen (Besitztiteln, was sie bezeichnen, delegieren oder vorbehalten) endlich sein mag, nicht aber in der spirituellen Macht, sich endliche Dinge zuzuordnen, um sich in ihnen zu artikulieren. Die Ewigkeit aufgefasst als das Zeitigen reiner Unterschiedslosigkeit (nach den Aspekten vergangen, gegenwärtig, zukünftig) bedeutet, dass man dem Kapital nicht in eine andere Expansion des Zeitlichen entraten kann.
Die Universale Berechnung hat die Substanz perforiert, definiert und künstliche Proportionen dem Unendlichen vorgestellt; diese sind (Ab-)Zeichen oder hergestellt Zeichen, denen das Zeichenhafte genommen ist. Das Kapital ist so zwar das alles-und-in-jedem-wesenhaften-Vorgang-Bestimmende, zugleich aber in der Beschränkung auf die Zweckdienlichkeit an und durch sich selbst defizient.
Beweis: Die Kapitalzeichen sind halbseitige Zeichen, weil sie bedeuten sollen, aber keine Bedeutung haben; sie repräsentieren kein Vermögen (im doppelten Sinne der umfänglichen menschlichen Fähigkeiten und Anlagen) sondern geben Besitzdefinitionen; sie ziehen depotenziertes Vermögen an. - Bedeutung gebendes ieS heißt Signifikat; kein Signifikat kommt aber alleine vor, Signifikate sind seriell gelistet und sowohl vergleichbar wie unvergleichbar (quantifiziert und qualifiziert) und das eine bedingt das andere; die Kapitalzeichen (in Form von Geldscheinen, Aktien, Genussscheinen, Besitzurkunden usw) quantifizieren aber nur was sie an qualitativ Divergentem gar nicht erfassen können; ein Kapitalzeichen, das bedeutungsgebende und bedeutungsartikulierende (und in sich bedeutungslose Elemente) verknüpft erweist sich 1. im Ausgang vom Kapital als Bedeutungsgebendem immer nur eine isolierte Bedeutung mit einem isolierten Signifikanten zu sein, der sich in materiell diversifizierbare Pseudosignifikanten auflösen kann; – 2. im Ausgang vom Besessenen (nach der Universalen Berechnung je schon berechneten und idealisierten Schätzen) als Signifikat einer Serie qualifizierter Bedeutungsgeber zu sein gegenüber bedeutungsartikulierenden Serien, die das Besessene gegenüber dem Kapital zeichenhaft machen …,. artikuliert das Kapital in Form von Kapitalsignifikanten das Gleiche durch das Selbe, weil nirgendwo wie nach gängiger sozialer Praxis eine Sinn-Investition (Sinnvest) erfolgt. - Beide Veranlagungen sind also fatalerweise gleich oder das Kapital ist nicht zeichenhaft.
Anmerkung 1: Das Soziale ist zeichenhaft heißt: Ohne Deutungsspielräume, in die neue Zeichen (mittels vorgegebener Zeichen zur Verständigung und Hypothesenbildung, der Gewinnung eines ideellen Ausdrucks /Interpretant, der in eine neue Realisation eingehen und jeweils neue Qualifikationen in Beziehung zu den antizipierten Zeichen haben kann) gibt es gar keinen Austausch, weil sonst nur das immer gleiche getauscht wird unter Regress auf ein quantifiziertes Vergleichsmaß; der Warentausch ist so gesehen kein soziales Handeln mehr (und darin ist ihm der Marxismus aufs Glatteis gefolgt / s. Anm. 2), weil im Kapital das Geldzeichen seinen Zeichencharakter verliert; genau genommen ist das Kapital ein Zeichen (und ein Zeichen ist kein Zeichen oder nur Kainsmal des verschwundenen Zeichenhaften, weil Zeichen immer nur in Gruppen funktionieren); das Kapital ist somit eigentlich ein Ding, aber weil es nicht dinglich ist, muss man es als Unding auffassen. - Als Zeichen im abstraktesten Sinn versteht man die stationäre Verbindung zweier Serien (verglichene oder wie durch Vergleich zwecks Relation, Kommutation und Differenzierung verbundene Elemente) in einem Konkreten (das wie eine bedeutungshafte Lautgestalt mittels Sinn-Intervention oder –Investition etwas Neues ergibt). Jede Serie bezieht sich innerhalb ihrer Schicht auf eine weitere (ad infinitum) und mittels der Semiose – also des konkreten Zeichenbestimmens (-produzierens oder -reproduzierens) als der Funktionalität beider Gebiete: (a) - dass ein Sinn-Mangel (Bedeutungsintervention) aus der gegenstehenden Fülle des gesamten Gebietes ein Element artikuliert (herauslösend bestimmt); und (b) - dass ein im-materielles Zeichenhaftes (Laut, Schrift, Bild ….) als um ein Element größeres Kontingent (Bezeichnungsüberschuss) um das Entgegenstehende zirkulieren lässt.- Wobei gilt, dass die Funktionalität vor der Spezifikation der serialisierten und verbundenen Materien geht und zum anderen, dass jede Materie ihrerseits sich in eine solche Funktionalität auflöst; wie zum Dritten dass infolge der sozialen Praxis als dem totalisierten komplexen Mechanismus von Semiosen strukturierte und darin konservierte Codes Technocodes, aber keine diskursiven Realitäten sind. Die Disparität der Serien leistet dabei die Unruhe und Offenheit des Zeichenhaften im Unterschied zu festgestellten Nicht<=Zeichen.
