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Diplomarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich BWL - Allgemeines, Note: Befriedigend, Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Sprache: Deutsch, Abstract: Zusammengefasst beinhaltet die Arbeit Antworten auf die folgenden Forschungsfragen: Welche Gemeinsamkeiten sind im Freizeitverhalten der Freeskier zu erkennen? Wodurch wird der Lifestyle Freeskier geprägt? Was sind ihre „Eigenheiten“, wodurch wird diese „Community“ angezogen bzw. was steht für sie im Vordergrund? Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den gesellschaftlichen Veränderungen und dem Lifestyle Freeskier? Ist die Community Freeskier eine homogene Einheit? Das Ziel dieser Studie ist es, ein prägnantes Bild vom Menschen Freeskier zu erstellen. Die Person Freeskier wird auf soziokulturelle und gesellschaftliche Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten hin untersucht. Die Methode der Fokusgruppendiskussion wurde mit 3 Fokusgruppen bestehend aus 7-8 (einmal 7, zweimal 8, in Summe 23 Teilnehmer) Teilnehmern, die sich zum Freeskiing bekennen und dies auch mit mehr als 50 Freeski-Tagen pro Saison belegen, durchgeführt. Die Teilnahme an den Fokusgruppendiskussionen erfolgte freiwillig. Bei den Gesprächen handelte es sich um eine strukturierte (d.h. der Moderator hielt sich an einen von ihm ausgearbeiteten Interviewleitfaden) Fokusgruppendiskussion.
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Veröffentlichungsjahr: 2009
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Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 Dimensionen der Lifestyle Untersuchung des Interviewleitfadens und des Datenblatts 66
Tabelle 2 Fokusgruppen im Überblick 66
Tabelle 3 Alter der Teilnehmer der Freeskier Gruppe 67
Tabelle 4 Altersverteilung der einzelnen Fokusgruppen (Freeskier) 73
Tabelle 5 Altersverteilung der Referenzgruppe 73
Tabelle 6 Die Anzahl der Geschwister 74
Tabelle 7 Geld in der Kindheit (Freeskier) 75
Tabelle 8 Wofür wurde bei Freeskiern das Geld in der Kindheit ausgegeben? 76
Tabelle 9 Wofür wurde bei Skifahrern das Geld in der Kindheit ausgegeben? 76
Tabelle 10 Höchste schulische Ausbildung der einzelnen Fokusgruppen 77
Tabelle 11 Ausbildung der Referenzgruppe 77
Tabelle 12 Arten von Freeskiern in den einzelnen Fokusgruppen 79
Tabelle 13 Freeskiing als Extremsport (Freeskier) 79
Tabelle 14 Zuordnung (Freeskier) 80
Tabelle 15 Freeskiing als Extremsport (Freeskier) 80
Tabelle 16 Elemente des perfekten Tages (Freeskier) 98
Tabelle 17 Diverse Aussagen zur zunehmenden Popularität des Freeskiings 104
Tabelle 18 Ausschnitt „Abnützung“ 03.04.2008 108
Tabelle 19 Ausschnitt "Lebenseinstellung" 03.04.2008 115
Tabelle 20 Werte Freeskier vs. Skifahrer 116
Tabelle 21 Ausschnitt "Alter" 10.04.2008 120
Tabelle 22 Einordnung zu einer Sportgruppe im Vergleich 122
Tabelle 23 Elemente für einen perfekten Freeskitag (Freeskier) 124
Tabelle 24 Merkmale Freeskier vs. Skifahrer 128
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Freeskiing - eine neue Art den Skisport zu erleben! In den letzten Jahren wurde ein regelrechter Boom ausgelöst. Freeskiing versteht sich als alpiner Skisport, der das Fahren abseits der gekennzeichneten und präparierten Pisten und das Ausführen verschiedener Sprünge über Schanzen und Felsvorsprünge zum zentralen Thema hat. Immer mehr junge Leute verfallen dieser Faszination. In der Ausgabe 6/2006 der Fachzeitschrift „Skiing. The next level“ beschreibt der Chefredakteur Klaus Polzer seine Erfahrungen mit diesem Sport, die wiederum die momentane Entwicklung und den Zauber dieses Sportes widerspiegeln, sehr treffend:
„Die Sicht war absolut Null. Trotzdem zog ich ohne Zögern meine Spur in den hüfttiefen Powder und ließ mich von der Schwerkraft treiben. Über kleine Absätze hinab tauchte ich in den trockenen Pulverschnee ein. Plötzlich erschien ein kleiner Hügel vor mir, vielleicht eine Wechte. Jedenfalls eine gute Gelegenheit abzuheben. Ich flog durch die Luft, freute mich über die Schwerelosigkeit…Und schlug im Gegenhang ein.
Eigentlich keine große Sache. Ich buddelte mich aus dem für mich enorm tiefen Schnee - ich war damals gerade zwölf! - und setzte meinen Tiefschneetraum fort. Allerdings brachte mir dieser kleine Zwischenfall später noch Ärger ein. Beim Aufprall hatte ich meinen Rennski gestaucht und für einen Slalom war er nicht mehr zu gebrauchen. Wenn man im Schneesturm schon nicht um die Stangen kurven konnte, sollte man das Skifahren eben bleiben lasse, meinte mein Trainer. Es dauerte dann noch ein paar Jahre, bis ich mit dem Rennfahren aufhörte und mich aufs Freeriden konzentrierte. Ein Werdegang, der im Freeskiing lange üblich war und bei uns heute noch ist. Viele Stars, national und international, zählten in ihrer Jugend zu den größten Talenten im Slalom oder auf der Buckelpiste: Candide Thovex, Jon Olsson, Grete Eliassen, Martin Misof oder Fabio Studer, um nur einige zu nennen. Doch das ändert sich! In Amerika, in Skandinavien und in einigen anderen Gegenden fangen die Kids heute bereits auf Twintips an. Mit acht fahren sie switch schon besser als viele ihrer Altersgenossen vorwärts und mit zehn springen sie 720er über
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dicke Kicker. Inzwischen sind die ersten Vertreter dieser Generation so weit, dass sie ins Rampenlicht treten. Und sie tun es mit Pauken und Trompeten. Jossi Wells, Derek Spong und Henrik Harlaut gewinnen wichtige Contests, Kye Petersen und Alexis Godbout haben eigene Videoparts“(Skiing, 2006). Dieser Bericht spiegelt das enorme Potential und die Faszination des Sports Freeskiing wieder. Immer mehr junge Leute wollen diesen Sport ausüben und er gewinnt auch unter Jugendlichen immer mehr an Interesse. Schön beschrieben ist der oftmals gewählte Werdegang einzelner Freeskier, die aus dem alpinen Rennsport stammen. Jedoch wurde auch darauf hingewiesen, dass es mittlerweile schon immer mehr „reine“ Freeskier gibt. Was das für den Sport bedeutet, lässt sich im Moment noch nicht abschätzen.
Auch die Tatsache, dass es bereits eigene Fachzeitschriften für diesen Sport gibt, kann als Indiz für sein Potential gewertet werden.
Die folgende Arbeit hat das Freizeitverhalten -, den Lifestyle Freeskiing, die Person Freeskier und die gesamte Community der Freeskier als zentrales Thema und wird diese dem Leser näher bringen.
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Immer wieder hört man in der heutigen Zeit im Zusammenhang mit dem Sport Skifahren den englischen Begriff „Freeskier“. Doch was steckt dahinter? Wer bezeichnet sich als solcher und wodurch unterscheidet er sich von Alpinskifahrern? Was prägt seine Persönlichkeit, wodurch bzw. durch welche „Items“ wird sie beeinflusst? Welche Faktoren beeinflussen sein/ihr Verhalten? Gibt es dafür gesellschaftliche/ psychologische Hintergründe? Fand der eine oder andere durch die Ausübung dieser neuen Sparte des Skisports, dieses Extremsports eine Möglichkeit sich vom Alltag abzugrenzen, sich gegenüber anderen zu etablieren oder liegt es einfach am Nervenkitzel, dem Adrenalinstoß, der ihn „süchtig“ macht? Gibt es gemeinsame Merkmale, wodurch sich die Gemeinschaft der Freeskier von anderen abgrenzt? Treten Freeskier als Gemeinschaft auf, können sie als Community bezeichnet werden?
Grundsätzlich möchte der Autor Näheres zu dem Menschen, dem Typ Freeskier eruieren und ein umfassendes Bild von ihm erstellen. Die Typenbildung geht davon aus, dass die grundlegende Persönlichkeitsstruktur eines Menschen von vornherein (genetisch) oder durch Entwicklungen bestimmt ist. Für die Marktforschung und das Marketing sind Typen von sehr großer Bedeutung, da durch sie konkrete Aussagen zu unterschiedlichen Verhaltensweisen in einzelnen Lebensbereichen gemacht werden können (Freyer, 2007).
Unterer dem Aspekt gesellschaftlicher Veränderungen sollte der gesamteLifestyle Freeskier(kollektive Einstellung), seine Ideologien durchleuchtet werden und es wird ein Einblick in diese Szene gegeben. Im Marketing sind Segmente, die in verhaltensrelevanten Merkmalen übereinstimmen, anhand ihres Lifestyles identifizierbar (Stender-Monhemius, 2002). Die Lifestyle Forschung zeichnet sich durch Kreativität und Vielfalt aus. Jedoch ist der praktisch-wissenschaftliche Nutzen aufgrund des rasanten Wandels und der Vielfalt an Lifestyle-Typenbildungen eingeschränkt (Freyer, 2007).
Anschließend werden allgemeine gesellschaftliche Veränderungen der letzten Jahre, die zuerst ausgiebig theoretisch dargestellt werden, an der Community Freeskier
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abgetastet, um abermals Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede zum normalen Skifahrer zu erfahren. Gibt es hier Gemeinsamkeiten oder werden allgemeine gesellschaftliche Veränderungen von der Community Freeskier nicht angenommen? Vielleicht gibt es auch in der Gruppe der Freeskier zwischen den einzelnen Untergruppen Divergenzen, die anhand dieser Arbeit erkannt werden oder agiert die gesamte Community als homogene Einheit? Außerdem soll diese Arbeit, da die Auswirkungen des Freeskiings auf den Skitourismus noch kaum erforscht sind, einen ersten Grundstein in diese Richtung legen und diese Community bzw. diesen Sport näher vorstellen.
Dadurch soll es ermöglicht werden, neue Erkenntnisse in verschiedensten Bereichen der Lifestyle- und Typenforschung zu erlangen, welche wirtschaftlich/ touristisch genützt werden können. Primär werden Informationen mittels Fokusgruppen eruiert, jedoch musste auch jeder Teilnehmer der Fokusgruppendiskussion ein Datenblatt ausfüllen, um gewisse statistische Daten zu erfassen.Kurz zusammengefasst soll die Arbeit folgende Forschungsfragen behandeln:Welche Gemeinsamkeiten sind im Freizeitverhalten der Freeskier zu erkennen? Wodurch wird der Lifestyle Freeskier geprägt? Was sind ihre „Eigenheiten“, wodurch wird diese „Community“ angezogen bzw. was steht für sie im Vordergrund? Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den gesellschaftlichen Veränderungen und dem Lifestyle Freeskier? Ist die Community Freeskier eine homogene Einheit?
Daraus ableitend kann man der Frage nachgehen, wie man diese stetig und rapide wachsende Gruppe der Freeskier aus wirtschaftlicher Sicht noch effektiver nutzen bzw. ansprechen kann.
In der ersten Phase soll Näheres über den Sport, den Lifestyle und die Community Freeskier herausgefunden werden. Grundlegendes Wissen wird vermittelt und dadurch soll es zu einem besseren Verständnis dieser Szene kommen. Mit dem Instrument der Fokusgruppe sollen zunächst Eigenheiten Freeskier und in weiterer Folge Gesellschafts- und Lifestyleveränderungen der letzten Jahre
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abgetastet werden. Des Weiteren soll die Fokusgruppendiskussion eine Antwort auf die Forschungsfragen geben. Es soll ein umfassendes Bild vom Menschen Freeskier dargestellt werden. Der Lifestyle Freeskier soll genauer durchleuchtet werden und für jeden zugänglich gemacht werden.
In weiterer Folge sollen die Fokusgruppen Ergebnisse hervorbringen, die uns Informationen zur gesamten Community Freeskier geben. Handelt es sich um eine homogene Gruppe oder gibt es Unterschiede in den Subgruppen, wo gibt es Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede?
Die Erkenntnisse dieser Arbeit sollten es auch Dienstleistungsanbietern bzw. Produktanbietern ermöglichen, gezielte und aussagekräftige Nachrichten („Messages“) an ihre Zielgruppe zu richten (Greenbaum, 1998). Des Weiteren sollten die Erkenntnisse dazu dienen, zentrale Ansprüche und Kundenerwartungen dieser Gruppe zu ermitteln. Daraus könnten Informationen über die Kundenzufriedenheit in Bezug auf die Produktentwicklung und ihr Involvement abgeleitet werden. Auch sollten Auskünfte über die Kaufentscheidung der einzelnen Community - Mitgliedern gewonnen werden. Was bewegt sie zum Kauf eines bestimmten Produktes bzw. wann werden gewisse Produkte anderen vorgezogen? Spielt das Sponsoring, der Auftritt der Marke in Magazinen, etc. eine entscheidende Rolle? Oder spielt die eigene Community eine entscheidende Rolle? Muss man sich der Community bzw. seinem Lifestyle beugen, um ein Teil zu sein? Diese Fragen sollen mit dieser Arbeit geklärt werden. Es soll auch gezeigt werden, dass es wichtig ist, auf diese Gruppe von Sportlern abzuzielen, da ihr jetzt und auch in Zukunft eine wichtige wirtschaftliche und touristische Bedeutung zukommen wird.
Im ersten Teil werden theoretische Grundlagen zum Sport Freeskiing und Motive von Extremsportlern geklärt. Es soll ein Überblick über alle Facetten des Sports Freeskiing geschaffen werden und Beweggründe von Mitgliedern dieser Sportlergruppe sollen vorgestellt werden. Anschließend werden klassische Lifestyleansätze erläutert. Diese werden auch kritisch durchleuchtet. Nachfolgend werden die Merkmale einer Community dargelegt und markante
Gesellschaftsveränderungen geklärt.
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An den Theorieteil anschließend wird versucht, mit dem Instrument der Fokusgruppendiskussion ausgeprägte Merkmale von Freeskiern zu eruieren und gesellschaftliche Veränderungen abzutasten. Die Vorgehensweise der
Fokusgruppendiskussionen wird genauestens dokumentiert (vgl. 11.2.) und die Ergebnisse werden anhand einer qualitativen Inhaltsanalyse ermittelt. Die einzelnen Fokusgruppen werden in transkribierter Form der Arbeit angehängt. Zur Erhebung von statistischen Daten wurde jedem Teilnehmer ein Datenblatt ausgehändigt. Diese Datenblätter werden auch im empirischen Teil ausgewertet und analysiert.
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Im Folgenden werden grundlegende Begriffe, die zum einem besseren Verständnis der Materie führen, erklärt.
Zunächst werden die einzelnen „Sportgruppen“ näher durchleuchtet, um später den Sport Freeskiing zuordnen zu können. Nachstehend wird dieser noch genauer durchleuchtet und vorgestellt. Als Abschluss werden noch kurz Gründe/ Motive für die Ausübung von Extremsport aufgeführt.
Im Bereich Sport gibt es unzählige unterschiedliche Ausübungen. Dies reicht vom Extremsport bis hin zum Gesundheitssport. Jedoch wird die Bereiche Trend-, Risiko-, Abenteuer- und Extremsport oft nur sehr ungenau bzw. wenig differenziert behandelt (Göring, 2006). Häufig bleibt ein ungenaues Bild zurück, welche Sportart mit welcher Gruppe bezeichnet werden kann. In den meisten Fällen werden in der Literatur (Alkemeyer, 2003) verschiedenste Begriffe einfach gemischt bzw. nicht differenziert. Daher wird im Folgenden, um ein besseres Verständnis der Materie Freeskiing zu ermöglichen, ein Versuch gestartet, die einzelnen Sportgruppen von einander abzugrenzen. Jedoch wird man bald erkennen können, dass eine genaue Abgrenzung aufgrund der vielen Gebrauchsformen und ungenauen
Differenzierungen gar nicht möglich ist.
Bette (2003) unterscheidet in seinem Artikel „X-treme: Soziologische Betrachtungen zum modernen Abenteuer- und Risikosport“ nicht zwischen Extrem- und Abenteuersport. Für ihn sind beide„eine Reaktion auf die personalen Wirkungen und Ambivalenzen der sich durchsetzenden Moderne anzusehen“(Bette, in Alkemeyer, 2003). Er will damit eine Suche nach Ängsten und Risiken der Gesellschaft, um ein Gefühl der Lebendigkeit zu erlangen, beschreiben.
Außerdem verlangen Extremsportler ein aktives Handeln, sie wollen als Akteure erscheinen. Ein weiterer, gerade aus wirtschaftlicher Sicht sehr wichtiger Aspekt ist die Selbstinszenierung, das Beeindrucken der Mitmenschen. Diese Sportler wollen durch ihr Handeln Aufmerksamkeit erlangen. Auch wird auf eine „Körperlichkeit“
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verwiesen. Extremsportler wollen beweisen, dass der Körper in unserer heutigen Gesellschaft nicht nutzlos geworden ist, und dass in einer Gesellschaft der Kommunikation auch die Wahrnehmung im Vordergrund stehen kann. Alle fünf Sinne werden benötigt und in Anspruch genommen. Weiters erlangt der Sportler durch die Ausübung eines Extremsports ein Wirklichkeits- und Präsenzgefühl, welches in derselben Weise durch Kommunikation nicht erreicht werden kann und behält immer das Gefühl für Raum und Gegenwart. Dies bedeutet, man lebt im „Jetzt“ und erfährt am eigenen Körper, wie Distanz überwunden werden kann (Alkemeyer, 2003). Hartmann und Haubl (1998) beschreiben elf Faktoren, welche verschiedenste Extremsportarten gemeinsam haben:
•Körperbetonung, Exponierung des eigenen Körpers;
•Körperliche Fitness, Körperbeherrschung, Geschicklichkeit, „Technik“ als Voraussetzung;
•Motorische Bedürfnisse, Bewegungsdrang, Mobilität;
•Bedürfnis nach Geschwindigkeit und (Quer-)Beschleunigung;
•Aufsuchen von Tiefen- und/oder Drehschwindel;
•Aufsuchen körperlicher und/oder seelischer Belastungen, teilweise über längere Zeit mit extremen Anforderungen an Dauerleistungsfähigkeit;
•Aufsuchen von Risiken und Gefahren - vom einfachen Verletzungsrisiko bis hin zur akuten Todesgefahr;
•Aufsuchen von unterschiedlich getönten Erregungszuständen: „Fun“, Hochgefühl, Angst, Nervenkitzel, Thrill, „Angstlust“;
•Aufsuchen von „Trance“- und „Rausch“-Zuständen;
•Voraussetzung und Herausforderung bestimmter Charaktereigenschaften: Mut, Wagemut, Tollkühnheit, Nervenstärke, Gelassenheit, Coolness, Diszipliniertheit, Umsicht, Konzentrationsfähigkeit, Geistesgegenwart, Flexibilität, Durchhaltevermögen,…
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•Implikation des Steigerungsmotivs: höher, tiefer, schneller, weiter, länger, strapaziöser, spektakulärer, tollkühner, eleganter, perfekter,… Bedürfnis nach Überschreitung persönlicher und absoluter Grenzen (wovon fast alle Extrem-und Funsportler sprechen), zwischen Rekordleistung und Vorstoß in völlig neue Leistungsdimensionen („das Unmögliche möglich machen“). Prinzipiell unterscheidet sich der Extremsportler gerade in Bezug auf diese elf Faktoren wenig bis gar nicht vom Risikosprtler (s. 3.1.4.), wie man gerade im Faktor „Aufsuchen von Risiken und Gefahren“ erkennen kann.
Beispiele für Extremsportarten wären: Bungee-Jumping, Canyoning, Freeclimbing, Ice-Diving, etc. (Hlavac und Baumgartner, 2000).
Das Wort Trend widerfährt uns in den unterschiedlichsten Lebenslagen. In den unterschiedlichsten Bereichen des Lebens begegnen wir dem Wort Trend - von der Freizeit bis hin zur Mode (Rupe, 2000).
Prinzipiell wird Trend als eine Grund- bzw. Entwicklungsrichtung definiert, die längerfristig und nachhaltig wirkt (Brockhaus, Band TAN-VIR, 2002). Wissenschaftlich gesehen ist der Begriff „Trend“ eher ungenau, da es oft vorkommt, dass Trends von vielen Menschen unterschiedlich eingeschätzt werden. Jedoch können Trends stark beeinflusst werden und ausgerufen werden, egal ob es sich tatsächlich um einen Trend handelt oder nicht. Des Weiteren sind Trends kontinuierlich und meist durch soziokulturelle Vor- und Rahmenbedingungen bestimmt (Hlavac und Baumgartner, 2000). Laut Hlavac und Baumgartner (2000) müssen Trendsportarten:
•Starke bis grundlegende Veränderungen im Sozialbereich, im Gesellschaftssystem und in der natürlichen Entwicklung (Naturraum) bewirken,
•Mindestens seit fünf Jahren in größerem Maß und global bzw. überregional betrieben werden und dabei Auswirkungen auf das Sozial-, Wirtschafts- und Natursystem haben,
•eine starke globale bzw. überregionale Auswirkung auf den Tourismus haben.
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Merkmale von Trendsportarten sind (Hlavac und Baumgartner, 2000):
•Sie existieren erst seit einigen Jahren (wobei die Anzahl der Ausübenden steil ansteigt) bzw. nicht länger als zwei Jahrzehnte.
•Sie werden bzw. können nicht von jedem prinzipiell durchgeführt werden, erfordern aber z.B. keine hohe Kraft oder besondere Geschicklichkeit.
•Die Ausübung bedarf einer speziellen, meist teuren Ausrüstung (Ausnahme Inlineskating)
•Sie werden meist individuell oder in kleinen Gruppen ausgeübt.
•Die negativen Folgen der Ausübung werden kontroversiell diskutiert. Beispiele für Trendsportarten sind: Paragleiten, Snowboarden, Carving, etc.
Zwar unterscheiden einige Soziologen (Alkemeyer, 2003, etc.) nicht zwischen Abenteuer- und Extremsport, jedoch lassen sich bei genauerer Betrachtung einige Unterschiede feststellen.
Grundsätzlich leitet sich „Abenteuer“ vom mittelhochdeutschen Begriff „aventiure“ (vom französischen Wort „aventure“ abgeleitet) ab und wird als Erlebnis, Wagnis bezeichnet. Sowohl für das französischen Wort „aventure“, als auch für das englische Wort „adventure“ bilden die lateinischen Wörter „adventura“ (Ereignis) und „advenire (herankommen, sich ereignen) den Wortstamm. Dies bedeutet, dass das Abenteuer mit einem positiven Erleben, einem Ereignis mit unbekanntem Ergebnis verbunden ist (Rupe, 2000).
Daraus ableitend kann behauptet werden, dass der Abenteuersport - bezogen auf die Herkunft des Wortes - als eine„Abwechslung vom oder sogar Flucht aus dem Alltag bedeutet, die Erlebnisse oder Ereignisse bringen soll, deren Ausgang nicht mit Sicherheit vorausgesagt werden kann, die jedoch positiv erwartet werden“(Rupe, 2000).
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Zu den Abenteuersportarten fallen der Definition nach Sportarten, die sich vorwiegend in der Natur abspielen. Ein Beispiel dafür wären Trekkingtouren, Raftingtouren, etc.
Man kann den Risikosport bei genauerer Betrachtung als eine „Extremisierung“ des Abenteuersports sehen, da sein Ausgang wage bzw. ungewiss ist. Er bringt gewisse Gefahren mit sich, die sowohl negativ als auch positiv sein können (Rupe, 2000). Risikosportler lernen durch die Ausübung ihres Sports die Angst vor der Angst zu bewältigen und mit ihr umzugehen. Diese Auseinandersetzung mit seiner Angst bedeutet ein bewusstes Auseinandersetzen mit sich selbst und mit seinem Inneren (Rupe, 2000).
In der Soziologie beginnt das Risiko dann, wenn man die übliche Sicherheit und Routine fallen lässt. Man setzt sich der Normalität, dem Produkt der Erziehung, Einübung und Dressur, an dessen Aufbau viele Institutionen und Personengruppen mitwirken, entgegen.„Das Sich-Ausprobieren und -Riskieren ist die Voraussetzung für eine (re-)Konstruktion neuer, sich vom „Normalen“ absetzender körperlicher Haltungen“(Alkemeyer, 2003).
Risikosportarten sind z.B.: Drachenfliegen, Freeriden, etc.
Mit ziemlicher Sicherheit kann man den Sport Freeskiing als Trendsport bezeichnen, da alle drei Punkte erfüllt werden. Dies bildet jedoch den einzigen Bereich, in dem eine genaue Zuordnung möglich ist, da es hier ein gewisses Ausgrenzungsverfahren gibt.
In all den anderen Bereichen lässt sich jedoch keine genaue Abgrenzung machen, da die Grenzen verschwimmen. Es ist daher nicht möglich, zu behaupten, Freeskiing wäre dieser oder jener Sportart zuzuordnen. Es ist bildet eine Mischung aus allen bereits erwähnten Sportgruppen. Im Prinzip wird immer der Grad der Ausübung ausschlaggebend sein, um zu sagen, welche der restlichen drei „Sportgruppen“ auf den einzelnen Freeskier zutrifft.
