Das geheime Leben des Nachtfalters - Sabine M. Schmid - E-Book
Beschreibung

Ein alter Mann haust in seinem Turm, empfängt Wanderer und bleibt für die Bewohner des naheliegenden Dorfes ein Rätsel, wodurch sie sich viele Geschichten über ihn erzählen. Das hätte auch so bleiben können, wenn Gerr nicht zur gleichen Zeit beinahe real wirkende Träume erleben würde, die ihr anscheinend einen Weg aufzeigen wollen. Und je mehr Gedanken sie sich macht, desto mehr stellt sie sich die Fragen, wohin sie will und was sie will. Denn die Wahrheit hinter den Träumen birgt neue Geheimnisse, die Gerr auf eine fantastische und metaphorische Reise schicken … Wenn du zwischen A und B zu wählen hast, nimm C!

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Copyright ©2015 by Papierverzierer Verlag

1. Auflage, Papierverzierer Verlag, Essen

Lektorat: Sabrina Schumacher

Herstellung, Satz, Layout: Papierverzierer Verlag

Alle Rechte vorbehalten.

Sämtliche Inhalte, Fotos, Texte und Graphiken sindurheberrechtlichgeschützt. Sie dürfen ohne vorherigeGenehmigungweder ganz noch auszugsweise kopiert,verändert, vervielfältigt oderveröffentlichtwerden.

Das geheime Leben des Nachtfaltersist auch gedruckterhältlich.

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www.papierverzierer.de

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in derDeutschen

Für den Leuchtturmwärter, den weder Stürme nochEiseskälteoder Verzweiflung daran hindern können, sein Licht erstrahlen zu lassen.

Ein Buch muss die Axt sein

für das gefrorene Meer in uns.

Inhaltsverzeichnis
Das geheime Leben des Nachtfalters
Impressum
Prolog
Kapitel 1 - Kleine Menschen und große Träume
Kapitel 2 - Wohin?
Kapitel 3 - Zugvögel
Kapitel 4 - Delfinrätsel
Kapitel 5 - Schnellflügels Weggefährtin
Kapitel 6 - Hart ist das Leben an der Küste
Kapitel 7 - Der Meister und der Zauberlehrling
Kapitel 8 - Die Reise ins Herz der Unendlichkeit
Kapitel 9 - Der Flug des Nachtfalters
Kapitel 10 - Nachtmahrs Lied
Kapitel 11 - Das Geheimnis des Nachtwächters
Kapitel 12 - Das Erkennen des Wesens aller Dinge
Epilog
Sabine M. Schmid

Prolog

Vor langer Zeit, an einem unbekannten Ort, lebte in einem Turm an der Küste ein zauberkundiger alter Mann. Die Bewohner des nahen Dorfes erzählten sich so manches über ihn und noch nicht einmal die Hälfte davon war wahr. Den Alten kümmerte das nicht, denn er hatte sich schon vor vielen, vielen Jahren dazu entschlossen, den Marktplatz, die Häuser der Fischer und die Schänken mit ihren immer gleichen Gästen zu meiden. Tagein, tagaus konnte man ihn beobachten, wie er seinen Turm verließ, am Strand entlang spazierte, sich auf einen Felsen setzte und stundenlang auf die See starrte. Tagein, tagaus konnte man außerdem beobachten, wie er seinen Felsen immer noch schweigend wieder verließ, zu seinem Turm zurückkehrte und die Tür hinter sich verschloss. Keiner wusste genau, wie oder wovon der alte Mann lebte. Und erst recht nicht, was er den lieben langen Tag machte, wenn er nicht gerade in die Brandung starrte. Es interessierte auch niemanden.

Ein paar ängstlichere Mütter aus dem Dorf hegten schon lange die Ansicht, der Mann sei gefährlich. Einige der Stammtischmitglieder in der alten Post waren der felsenfesten Überzeugung, er habe seine Finger im Spiel gehabt, als vor Jahren drei Kinder im Meer ertrunken waren. Denn was hätte der Alte sonst am Strand zu suchen gehabt? Unter den Kindern im Dorf gab es ein paar mutige, die sich hin und wieder an den Turm heranschlichen, um einander zu beweisen, wie verwegen sie waren. Ihre farbenfrohen Beschreibungen der abscheulichen Instrumente, irrwitzigen Apparate und präparierten Tiere im Turm des alten Mannes hielten die jüngeren Kinder für Wochen in Atem und die Stammtischmitglieder erfreuten sich daran, sich in dunklen Nächten über dem dritten oder vierten Bier zu gruseln.

Doch jene Faszination für den Alten hielt nicht lange an, denn im Grunde war der Mann dem Dorf ebenso gleichgültig wie das Dorf dem Mann. Es war schon lange nicht mehr vorgekommen, dass jemand ihn aufgesucht hatte. Früher, vor zehn, vielleicht auch zwanzig Jahren, waren immer wieder die seltsamsten Reisenden aufgetaucht, um sich nach dem alten Mann in seinem Turm zu erkundigen. Eigentümliche Gestalten mit dunkler Haut und farbenprächtigen Gewändern. Große Männer mit langen Bärten und schwarzen Kutten. Jungen, die fast noch Kinder waren und nichts als ein paar Bücher und einen Käfig mit einer Katze darin bei sich trugen. Gaukler in klapprigen Leiterwagen, die im Dorf nicht gern gesehen waren, da jeder wusste, dass Gaukler nichts als Diebesgesindel waren. Doch das hatte schon vor geraumer Zeit aufgehört.

Nun fragte niemand mehr nach dem Mann, der viele Namen zu haben schien. Einige der Reisenden hatten ihn Flügelschlag Wandelbar genannt, andere den Weltenumspanner, die nächsten den Schwarzen. Wann immer ein Dorfbewohner solch einen seltsamen Namen gehört hatte, war ihm bereits klar gewesen, wer als einziger hatte gemeint sein können, und man hatte sich gefreut, wenn die Wanderer sich schnell wieder verabschiedet hatten. Und schnell war es immer gegangen. Kaum einer dieser Besuche hatte länger als ein oder zwei Tage gedauert und es erfüllte die Dorfbewohner jedes Mal aufs Neue mit diebischer Freude, zu sehen, dass noch nicht einmal diese merkwürdigen Menschen, die von überall her zu kommen schienen, mit dem Mann etwas anfangen konnten.

Kapitel 1

Kleine Menschen und große Träume

Zur gleichen Zeit lebte in einer heute nahezu unbekannten Stadt ein allseits geachteter Mann namens Johar Tialis, seines Zeichens Schreiber in den Diensten eines Lebemanns und Ratsherren. Er hatte nicht viel, was er sein eigen nennen konnte. Johar Tialis hatte eine Frau, doch hätte er sie jemals sein eigen genannt, dann wäre er nicht länger der Mann gewesen, den sie geheiratet hatte. Anders als sein Dienstherr hatte er keine Konkubine und sein Bauch war weder rundlich noch den Genuss von Wachteln gewöhnt. Doch dafür hatte Herr Tialis etwas, von dem der wohlhabende Herr, dem er mit seinen Künsten diente, nur deshalb nicht träumte, weil er es nicht besser wusste. Johar Tialis hatte eine Tochter, Gerariana, sein Stolz, sein Augenstern. Wären seine Träume ein Kristall gewesen und die Liebe seiner Frau das Licht, das sich darin brach, so wäre Gerariana das leuchtende Spiel der daraus hervortanzenden Farben gewesen. All seine Wünsche, all seine Träume hatte er schon in den kleinen Schoß gelegt, als Gerariana noch nicht einmal hatte laufen können. Und jetzt, da sie vierzehn Sommer zählte und sich zu einer Frau entwickelte, sollten diese Wünsche Früchte tragen.

Gerariana würde es besser haben als er und seine Frau, das wusste Johar. Sie war in den gehobeneren Kreisen aufgewachsen, die ihm als Schreiber eines so hohen Herrn zugänglich geworden waren, und sie hatte einen hellen Kopf und ein gutes Herz. Er sah sie an der Seite eines Meisters der Goldschmiedekunst, der vielleicht – wer wusste das schon? – einmal der Gildenvorsteher werden würde. Und wenn sich eine solche Heirat doch nicht bewerkstelligen ließ, so konnte seine Tochter es dank ihrer vielen Talente auch an der Universität zu etwas bringen. Seit kurzem standen ihre Tore auch Bürgersfrauen offen, die talentiert genug waren, um zu Gouvernanten ausgebildet zu werden. Die Anstellung am Hof des Erzherzogs, der seine zahlreichen Nachkommen gerne von jungen Frauen unterrichten ließ, würde aus seiner Kleinen eine sehr angesehene Person machen, zweifelsohne. Und es geschah schließlich auch hin und wieder, dass Erzieherinnen selbst in den Adelsstand erhoben wurden. Freilich nur, wenn sie sich durch die gute Ausbildung, die sie ihren Zöglingen angedeihen ließen, ganz besonders verdient gemacht hatten.

Er sah Gerariana in die prächtigsten Kleider gehüllt. Er sah sie als eine strahlende Erscheinung, die seinen Namen für immer von der Schande niederer Geburt reinwaschen würde. Er sah so vieles in ihr. Nur sah er sie in letzter Zeit kaum an und schon lange hatte er nicht mehr in ihre Augen geblickt. Augen, in denen eigene Wünsche zu brennen begonnen hatten, von denen kaum jemand etwas ahnte – nicht einmal sie selbst.

In dem Moment, in dem sie ihre Augen schließt, hört sie es. Das dumpfe Dröhnen einer Glocke, die in ihrem Inneren angeschlagen wird. Tief und dunkel und immer wärmer und lichter, je länger sie erklingt. Der Klang setzt sich fort, die Grenzen ihres Körpers können ihn nicht halten. Eine Welle aus Dunkelheit und Licht strömt von ihr weg, nach allen Seiten breitet sie sich aus. Noch immer hat sie die Augen geschlossen.

Die Glocke ertönt zum zweiten, zum dritten Mal. Sie fühlt, dass alles, was der Klang berührt hat, nun nicht mehr leere Dunkelheit sein kann. Etwas muss entstanden sein.

Sie kann spüren, wie es um sie herum lebt, atmet, sich bewegt. Ein Lufthauch berührt ihr Gesicht, der Wind bringt Gerüche mit: Stroh, trockene Erde, frisch gemähte Wiesen. Sie öffnet vorsichtig die Augen. Vor ihr liegt ein staubiger Feldweg, links und rechts erstrecken sich Felder, wo das Korn schon geerntet und das Gras frisch gemäht worden ist. Die reifen Ähren sind zu großen Büscheln gebunden und auf dem Feld zurückgelassen worden. Morgen, wenn der Tag noch jung ist, werden die Bauern sie einholen.

Vor ihr tauchen die Schwalben nach Mücken und Fliegen, die Sonne steht schon tief und beginnt, sich glühend rot zu färben. Der Feldweg führt sie vorbei an Holunderbüschen, denen sie zulächelt, als wären es alte Freunde. In der Abendsonne sehen die Beeren, die schon reif an den Blütenständen hängen, fast schwarz aus.

Ihre Füße schmerzen ein wenig, sie ist barfuß, doch schon nach einer kurzen Weile – war es eine Stunde oder eine Minute, sie weiß es nicht – breitet sich ein Dorf vor ihr aus. Sie spaziert an alten Höfen und Schänken vorbei auf den großen Platz vor der Kirche. In der Mitte singt ein Brunnen fröhlich sein Lied, aus einem steinernen Fischmaul ergießt sich das glasklare Wasser in ein großes Becken. Sie formt ihre Hände zu einer Schale und trinkt das eiskalte Wasser. Es schmeckt wunderbar süß.

Als sie sich umsieht, entdeckt sie am Rand des Dorfplatzes die Zelte von Gauklern, die sich um ein Feuer gesellt haben. Sie denkt nicht lange nach und nähert sich ihnen, den seltsamen Menschen, die Zelte und Feuer bevölkern. Die Gaukler können sie nicht sehen. Das macht ihr Angst, doch es freut sie auch. Sie ist ein Schatten, der sieht und hört, ohne gesehen und gehört zu werden.

Über dem Feuer dampft ein großer, rußgeschwärzter Topf. Die Gaukler stehen in kleinen Gruppen um die Feuerstelle herum, unterhalten sich, scherzen miteinander, studieren neue Kunststücke ein. Sie betrachtet jedes Gesicht, bestaunt die narbigen und wettergegerbten Gestalten, sammelt Bilder wie Muscheln. Die Luft riecht nach Rauch.

Die Gaukler scheinen freundlich zu sein. Ihre Stimmen sind es gewohnt, zu erklingen, und sie haben keine Angst davor, laut zu lachen. Sie lachen mit den Augen, nicht nur mit dem Mund.

Es wird Nacht. Sie hat lange in Gesichter, auf Hände, ins Feuer gesehen und das Ende des Tages nicht bemerkt. Nur eine Person im Lager scheint nicht so ausgelassen zu sein wie die anderen. Die alte Frau, die anscheinend die Aufgabe des Kochens übernommen hat, sieht traurig aus. Klein ist sie und ihr Gesicht sieht ein wenig wie eine verschrumpelte Kastanie aus, braun und faltig. Sie trägt bunt gemusterte Tücher und hat ihre grauen Locken im Nacken zusammengefasst. Ernst und ruhig rührt sie den Eintopf um, lässt die anderen ihre Schüsseln holen, verteilt das Essen. Ohne ein Wort zu sagen. Sie seufzt, als sie sich schließlich selbst etwas nimmt und sich auf einen Strohballen vor dem Feuer setzt.

Das Mädchen, der Schatten, setzt sich neben sie. Sie möchte nicht, dass die Frau traurig ist. Auch wenn sie sie nicht kennt, auch wenn sie gar nicht richtig hier ist, auch wenn sie nur ein Schatten ist, der sieht und hört, ohne gesehen und gehört zu werden. Sie weiß, wenn sie so drein sähe wie die Alte, würde sie auch nicht übersehen und alleingelassen werden wollen. Also bleibt sie neben der Frau sitzen, die nach Zedernholz und Rauch riecht. Sieht zu, wie sie ihren Eintopf schweigend verspeist, während die anderen Gestalten um das Feuer Späße machen und sich Geschichten erzählen. Sie kann den Blick nicht von ihr wenden, sie starrt die Frau regelrecht an. Sie weiß nicht, wieso sie das tut. Und plötzlich sieht die Alte sie, sieht sie an und lächelt. Sieht sie wirklich.

In einem einzigen flatternden Herzschlag reist sie weiter. Die Straßen ihrer eigenen Stadt umfangen sie, es ist noch immer Nacht. Die mächtigen Mauern ragen um sie her auf, die kleinen Gassen sind dunkel und leergefegt. Sie rennt, sie weiß nicht, wieso. Sie hastet vorbei am Nachtwächter, der seine Laterne und die Hellebarde schwingt und ruhig von Haus zu Haus geht. Sieht in seinen Augenwinkeln ein Zucken und ein helles Licht wie ein Herdfeuer. Er bleibt kurz stehen und sieht ihr lächelnd nach. Sie weiß, dass das etwas bedeutet. Sie weiß nur nicht was.

Dann erinnert sie sich auf einmal daran, wieso sie rennt. Sie verfolgt jemanden. Ein kleiner Schatten vor ihr zeigt ihr, dass er nahe ist. Als sie um die nächste Ecke biegt, kann sie einen Blick auf ihn erhaschen. Vor ihr läuft ein Junge, barfuß, die Beine in grobe Leinenhosen gehüllt. Er trägt eine Schaffellweste, sein langes Haar flattert hinter ihm her wie ein Banner in der Schlacht. Er ist schnell und behände, dreht sich kurz zu ihr um, streckt ihr die Zunge heraus und rennt weiter. Irgendetwas an seinem Gesicht und seinen Augen erinnert sie an einen jungen Ziegenbock, der weiß, wie schnell und geschickt er ist. Und der weiß, dass er alles tun darf und keiner ihn bestrafen wird.

Sie rennt weiter, auch wenn sie mittlerweile Seitenstechen hat. Sie hört den Wind in ihren Ohren rauschen, ihr eigenes Herz wütend pochen, den Widerhall ihrer nackten Füße auf dem harten Pflaster und an den Mauern der Häuser um sie herum. Sie rennt und rennt, sieht den Jungen noch immer vor sich, doch je schneller sie rennt, desto weiter scheint er sich von ihr zu entfernen, desto kleiner wird seine Gestalt.

Schließlich kann sie nicht mehr weiter, ihre Lungen brennen von der kühlen Nachtluft. Doch in dem Moment, in dem sie innehält, verlangsamt auch er seine Schritte. Er bleibt stehen, dreht sich zu ihr um und grinst sie an. Sein Lächeln ist hämisch, doch seine Augen blicken freundlich drein. Er steht nun keine zehn Meter mehr von ihr entfernt, obwohl er vorher viel weiter weg zu sein schien. ›Wie seltsam Träume doch sein können‹, denkt sie bei sich und lächelt in sich hinein, keuchend vor Anstrengung. Langsam geht sie weiter und jetzt wartet er auf sie, bis sie ihn fast erreicht hat. Dann zwinkert er ihr zu.

»Möchtest du mitkommen?«

Seine Stimme gefällt ihr. Sie klingt rau und ungeschliffen wie der rohe Entwurf eines Schnitzers, der noch nicht dazu gekommen ist, seinem Werk den letzten Schliff zu geben. Im Halbdunkel der Gasse schaut sie ihn an. Sein Gesicht ist rußverschmiert, seine hohen Wangen sind kantig und unter einer spitzen Nase, die schon mindestens einmal gebrochen worden sein muss, blinken ihr hinter vollen Lippen Zähne entgegen, die zu groß wirken, um wirklich zu ihm zu gehören. Im Zwielicht kann sie seine Augenfarbe nicht erkennen, doch sie sieht, dass ihm honigblondes, lockiges Haar über die Schultern und auf die Schafspelzweste fällt. Sie mag ihn, er erinnert sie an jemanden, den sie gut und schon sehr lange kennt. An wen, das weiß sie nicht mehr. Sie nickt.

Er zwinkert ihr noch einmal zu, dreht sich um und geht langsam um die nächste Straßenecke. Sie folgt ihm. Erst jetzt bemerkt sie, dass sie sich auf dem großen Platz vor der Kathedrale befindet, über ihr öffnet sich der Himmel und unzählige Sterne leuchten ihr aus dem dunklen Samtmantel der Nacht wie goldene Stickereien entgegen.

Sie folgt ihm weiter, als er den großen Platz überquert und sich dem Lager nähert, das die Gaukler dort aufgeschlagen haben. Sie kennt die Zelte um die Feuerstelle herum, und doch fühlt es sich für sie so an, als wären Stunden vergangen, seit sie an diesem Feuer gesessen hat.

Er geht geradewegs auf das größte Zelt zu, blickt sich noch einmal nach ihr um und schiebt dann die Plane zur Seite, die den Eingang verhüllt. Der Stoff schließt sich hinter ihm, es herrscht Stille auf dem großen Platz. Nur in der Feuerstelle knackt und knistert die ersterbende Glut.

Sie muss eine Entscheidung treffen. Da wird ihr klar, dass sie diese Entscheidung bereits durch das Nicken gefällt hat. Also geht sie auf das Zelt zu, schiebt vorsichtig die raue Plane zur Seite und tritt zögernd ein.

Grünes Licht umfängt sie. Sie blinzelt, denn nach der Dunkelheit, die sie bis eben noch umgeben hat, ist sie fast blind. Sie steht auf einer Waldlichtung. Sie erschrickt, dreht sich einmal um sich selbst und sieht einen Kreis aus Bäumen und Sträuchern um sich herum, keine Zeltplanen, keinen Hauptplatz, der vor einem Augenblick noch hinter ihr in der Dunkelheit lag. Hier ist es Mittag, die Sonne steht hoch am Himmel.

Dann erinnert sie sich daran, dass sie träumt, und dass in Träumen alles möglich ist. Hinter ihr hört sie glucksendes Gelächter, und als sie sich umdreht, steht der Junge da, nur ist er nun kein Junge mehr, sondern ein junger Mann. Er trägt noch immer den Schafspelz, der jetzt allerdings sehr viel zerschlissener und schmutziger aussieht als in dem spärlichen Licht der Gassen der Stadt.

»Na endlich! Ich dachte, ich müsste eine Ewigkeit auf dich warten!«

Seine Stimme klingt noch immer etwas rau, doch lange nicht mehr so unfertig und unbeholfen wie zuvor. Sie nutzt die Gelegenheit, um ihn sich genauer anzusehen. Seine Nase scheint in der Zwischenzeit noch ein paarmal mehr gebrochen worden zu sein, seine Zähne sind jetzt allerdings nicht mehr so groß – oder ist der Rest seines Gesichtes einfach nur gewachsen? Sein Kinn wird von widerspenstigen, goldenen Bartstoppeln umrahmt, sein Haar ist immer noch lang und aus seiner ledernen Hose schauen immens große nackte Füße hervor. Vielleicht liegt es am grünen Waldlicht, doch seine Augen kommen ihr schimmernd grün vor, die Farbe von knospenden Blättern im Frühling.

Eine kleine Ewigkeit scheint zu vergehen, bis ihr klar wird, dass er wahrscheinlich eine Erwiderung von ihr erwartet. Und da sie sicher ist, dass sie ohnehin nur träumt, weiß sie auch, dass Höflichkeit nicht von Belang sein dürfte.

»Wer bist du?«

Er grinst nur und antwortet: »Viel wichtiger ist doch: Wer bist du?«

Sie lacht laut auf. »Da, wo ich herkomme, gilt es als ziemlich unfein, eine Frage mit einer Gegenfrage zu beantworten!«

›Und es gilt als noch viel unfeiner, einen Fremden so unverblümt anzusprechen‹, denkt sie. Doch sie träumt ja nur. Und grinst daher breit.

»So, nun ja, da wo ich herkomme, auch. Und?« Er lacht und lässt sich ins Gras plumpsen.

Sie tut das Gleiche. Sie fühlt die taunasse Wiese durch ihr Kleid hindurch und ihr wird klar, dass sie noch nie zuvor einen so realistischen Traum gehabt hat. Vielleicht sollte sie doch etwas höflicher sein.

Sie beginnt gleich damit, ihren Vorsatz in die Tat umsetzen. »Ich bin Gerr … also … Gerariana Tialis. Meine Freunde nennen mich Gerr.«

»Dann sollte ich dich Gerariana Tialis nennen, denn ich kenne dich schließlich kaum.« Er legt sich ganz ins Gras, reißt einen Grashalm aus und steckt ihn in den Mundwinkel.

Sie beobachtet ihn ein wenig verstohlen. Täuscht sie der Eindruck oder sind seine Augen jetzt so blau wie der Himmel, in den er versonnen blickt? Sie weiß nicht, wieso, aber das, was er gesagt hat, verletzt sie. Ja, er hat recht, sie kennt ihn kaum. Dennoch, sie träumt das hier, und warum sollten sie nicht einfach gleich Freunde sein? Schließlich ist das hier ihr Traum, solltesieda nicht die Regeln aufstellen?

»Und? Wer bist du?« Sie zuckt zusammen beim harten Klang ihrer eigenen Stimme, doch er scheint ihre Patzigkeit gar nicht bemerkt zu haben.

»Hm … ja, wer bin ich? Gute Frage, das muss ich zugeben.«

Er klingt ein wenig so, als würde er zu sich selbst und nicht zu ihr sprechen, kaut auf seinem Halm herum und zeichnet mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand den Umriss einer Wolke am mittäglichen Himmel nach.

»Sag du mir doch, wie ich heiße!«, bricht es aus ihm heraus.

Noch während er die Worte ausspricht, schnellt sein Oberkörper empor, er umfasst ihre Schultern und sieht ihr genau in die Augen.

»Was?«

»Sag es! Wie heiße ich?«

»Das … du …«

Sie hat das Gefühl, sie müsste die Antwort eigentlich kennen. Das Wort liegt irgendwo unter ihrer Zunge und will nicht herauskommen. Sie ist auf einmal wütend auf das Wort, das sich versteckt, auf ihre Zunge, die es nicht verraten will, und auf diesen Verrückten, der sie noch immer gepackt hält und anstarrt.

»Ich weiß es nicht! Woher sollte ich das denn verdammt noch mal wissen, ich kenn dich ja kaum!« Verwirrt wendet sie die Augen ab und versucht, sich aus der Umklammerung seiner Hände zu lösen. Er ist erstaunlich stark, obwohl er so schmächtig aussieht.

»Siehst du, genau das meine ich. Also, denkst du noch immer, das seideinTraum? Und nur deiner? Was ist denn mitmeinemTraum?«

So schnell, wie er sich aufgerichtet und sie gepackt hat, liegt er wieder und starrt weiter in den Himmel, als wäre nichts geschehen. »So, und jetzt zu der allerwichtigsten Frage von allen …«

Schon wieder klingt er so, als würde er nicht mit ihr sprechen, sondern mit dem Himmel.

»Also …«

Er dreht sich zu ihr um und findet ihre Augen. Sie blickt wieder in zwei grüne Kreise, nur dass sie diesmal das tiefe Grün eines Weidenblattes haben.

»… wo willst du hin?«

Kapitel 2

Wohin?

Gerr stand senkrecht in ihrem Bett. Ihr Herz schlug wild und sie rang nach Atem. Gerade war sie noch auf einer Waldlichtung gesessen. Sie hatte in die Augen eines Fremden geblickt, von dem sie das Gefühl hatte, ihn eigentlich gut kennen zu müssen, und hatte so ziemlich das seltsamste Gespräch ihres Lebens geführt. Sie konnte fast noch fühlen, wie das Gras und der würzige Waldgeruch sie in der Nase kitzelten. Und doch war sie hier, in ihrem Bett und nicht bei den Gauklern in einem Dorf, das sie nicht kannte. Oder auf einer Waldlichtung. Oder auf dem nächtlichen Hauptplatz.

Draußen wachte die Stadt gerade auf, die aufgehende Sonne schickte ihre ersten Strahlen durchs Fenster auf Gerrs Kissen. Als sie sich gestern Abend hingelegt hatte, musste sie wohl gleich eingeschlafen sein. Sie hatte das Gefühl, als hätte dieser seltsame Traum die ganze Nacht hindurch gedauert.

Sie stand auf und ging hinüber zur Wachschüssel, spritzte sich ein wenig kaltes Wasser ins Gesicht und zog sich an. Dann riss sie das Fenster weit auf und blickte hinab in die Gassen und Straßen der Stadt. Sie war immer noch ein wenig benommen, nicht ganz bei sich und nicht mehr dort, wo sie eben noch mit diesem seltsamen Jungen geredet hatte. Sie konnte sich an jede Einzelheit ihres Gesprächs erinnern und das war wirklich eigenartig. Sie wusste zwar oft noch, was sie geträumt hatte, doch war es ihr bisher nie passiert, dass ihr so genau vor Augen stand, was sich in ihren Träumen ereignet hatte.

Nachdenklich ging sie zum Spiegelschrank hinüber und blickte in das fleckige, alte Glas. Eine schlaksige Gestalt blickte zurück, ein Etwas mit einem rundlichen Gesicht, hellbraunen Augen, unzähligen Sommersprossen, einer Stupsnase und langen Haaren, die etwas zerzaust und von unbestimmter Farbe waren. Ihre Mutter nannte die Haarfarbe, die sie ihrer Tochter vererbt hatte, gerne »Straßenköterblond« und Gerr fand, dass man sie wohl kaum besser hätte beschreiben können. Sie versuchte, mit der Bürste etwas Ordnung in das Gewirr zu bringen, fasste ihr Haar mit einem Lederband zu einem Pferdeschwanz zusammen und machte sich auf den Weg in einen neuen Tag, angefüllt mit altbekannten Pflichten.

Den ganzen Tag über war Gerr nicht ganz bei dem, was sie tat. Immer wieder dachte sie zurück an den Traum, der sie verfolgt hatte und der immer noch so klar vor ihren Augen stand, als hätte alles, was sie dort geschehen war, wirklich stattgefunden. Sie konnte sich nicht richtig konzentrieren, nahm die Straßen, durch die sie lief, kaum wahr und musste dreimal von ihrer Mutter davor bewahrt werden, in nichtsahnende Passanten zu rennen. Die Stickerei, die sie auf Geheiß der Zofe des Ratsherren anfertigen sollte – eine Art Prüfung ihrer Fähigkeiten als zukünftige Ehefrau eines ehrbaren und wohlhabenden Mannes – hatte sie schon am Vormittag nach über einer Stunde der sinnlosen Verbesserungsversuche in eine Ecke ihrer Kammer geworfen. Auch für die Übersetzungen aus dem Lateinischen, die sie für den Hofschulmeister zu Ende bringen sollte, hatte sie nicht die erforderliche Sorgfalt aufbringen können. Sie lagen nun wohl irgendwo ganz nah an die Stickerei gekuschelt unterm Vorhang. Genau wusste sie es nicht, sie hatte sich nicht die Mühe gemacht, nachzusehen, wo die Zettel und der Stickrahmen nach dem Flug durch das Zimmer gelandet waren. Deshalb war sie sehr erleichtert gewesen, als ihre Mutter sie gefragt hatte, ob sie ihr nicht bei den Einkäufen helfen wolle.

Doch auch bei den Erledigungen war sie nicht bei der Sache. Sie dachte nach. Über die »allerwichtigste aller Fragen«. Wo wollte sie hin?

Sie war vierzehn, schon kein Kind mehr und auch noch keine Frau. Bald würde sie viele Entscheidungen treffen müssen. Entscheidungen, die die Richtung, die ihr Leben nehmen würde, unumstößlich festlegen würden. Sie sah sich selbst an einer Weggabelung stehen, zwischen zwei staubigen Straßen konnte sie wählen. Heirat oder Gouvernante. Keiner der beiden Wege gefiel ihr. Und ihr wurde klar, dass sie bisher noch nie gefragt worden war, wo sie hinwollte. Wassiewollte.

Sie musste an den Jungen in der Schafspelzweste denken. Er schien ihr nicht der Mensch zu sein, der andere für sich entscheiden ließ. Oder der auf die Regeln, an die sich angeblich alle halten mussten, besonders viel gab. Sie sah ihn förmlich vor sich, fast greifbar. Sah ihn vor den zwei Wegen stehen, sich zu ihr umdrehen und grinsen. Hörte ihn mit seiner rauen Stimme sagen: »Wenn du zwischen A und B zu wählen hast, nimm C!« Doch sie war nicht er. Sie war ganz sicher nicht so mutig. Und selbst wenn sie den Mut gehabt hätte, keine der beiden Straßen auszuwählen, wo sollte sie dann hin? Was war die dritte Möglichkeit? Sie wusste nicht, wo sie hinwollte, nur, wo sie nicht hinwollte. Vielleicht war das für den Augenblick genug.

Gerrs Mutter war fertig mit ihren Einkäufen, also machten sie sich auf den Weg zur Kathedrale, in der sie für die kurz zuvor verstorbene Großmutter eine Kerze anzünden wollten, so wie sie es jeden Tag taten. Als die beiden aus dem Gewirr der kleinen Gassen auf den großen Hauptplatz hinaustraten, traute Gerr ihren Augen nicht. Auf dem Platz vor der Kathedrale sah sie viele kleine, bunte Zelte, eine Feuerstelle und farbenfroh gekleidete Gestalten, die die Menschen vor den Stufen der Kirche mit kleinen Kunststücken unterhielten – das Gauklerlager, von dem sie in der vergangenen Nacht zweimal geträumt hatte.

Ihr wurde schwindelig, sie konnte ihr Herz gegen ihre Brust hämmern und das Blut in ihren Ohren rauschen hören. Ihre Mutter überquerte rasch den Platz mit den großen, quadratischen Steinmustern auf dem Boden, doch Gerr hatte Probleme, ihr zu folgen. Sie reckte den Hals, um über die Köpfe der Menge hinweg einen Blick auf das Lager werfen zu können. Als sie die Feuerstelle sehen konnte und dort die alte Frau erblickte, die in ihrem Traum so traurig ausgesehen hatte, stockte ihr fast der Atem. Doch sie hatte nicht den Mut, ihrer Mutter etwas davon zu erzählen. Sie hatte ohnehin selbst schon das Gefühl, den Verstand zu verlieren, und wollte nicht unbedingt, dass die Menschen um sie herum diese Sichtweise teilten.

Nach dem Abendbrot fühlte sich Gerr wie ein Tier im Käfig. Sie hatte es schweigend zugebracht, ganz gegen ihre sonstige Angewohnheit, der gesamten Familie zu berichten, was sie gesehen, erlebt, gelesen oder gezeichnet hatte. Als sie darüber nachgedacht hatte, ihren Eltern von jenem Traum zu erzählen, hatte sie sich schrecklich gefühlt. Als stünde sie kurz davor, ein Geheimnis ausplaudern, das nur ihr gehörte. Sie konnte nicht ruhig sitzen, ihre täglichen Aufgaben nicht wie sonst verrichten, keinen klaren Gedanken fassen. Ein Plan war den ganzen Nachmittag über in ihr herangereift wie ein Küken im Ei, das kurz davor stand, sich den Weg nach draußen freizuhacken. Um zu tun, was sie vorhatte, würde sie ihren Vater und ihre Mutter anlügen müssen. Sie hasste es, das zu tun. Sie war es gewohnt, die Wahrheit zu sagen – nicht nur deshalb, weil Lügen bestraft wurden, sondern weil sie fast nicht anders konnte, als ehrlich zu sein –, und doch wusste sie, dass sie in diesem Fall keine andere Wahl hatte.

Sie sagte ihren Eltern, sie habe furchtbare Kopfschmerzen und würde wohl lieber gleich zu Bett gehen. Die beiden waren freundlich wie immer, wünschten ihr eine gute Besserung und ließen sie gehen. Ihr Vater drückte ihr einen kleinen Kuss auf die Stirn und Gerr fühlte sich für einen Augenblick wieder wie das kleine Mädchen, das auf seinen Knien bis ans Ende der Welt hatte reiten dürfen. Ihre Lüge bescherte ihr einen Stich in der Magengrube und sie sah sich schon im Fegefeuer schmoren. ‚Zu dramatisch, wie immer‘, schalt sie sich selbst lautlos und ging auf ihr Zimmer.

Im Schrank warteten ihr alter Mantel und ihre Stiefel auf sie, sie zog sich an und öffnete dann, so leise es eben ging, ihr Fenster. Gerrs Zimmer befand sich im ersten Stock und direkt neben ihrem Fenster führte eine Regenrinne vom Dach nach unten auf die Gasse. An dieser Rinne war sie schon früher oft heruntergeklettert, aber damals war sie noch klein gewesen und sie wusste nicht, ob sie für das Gestell inzwischen zu schwer war.

Die Abendluft war schon etwas kühl, der Sommer war fast zu Ende und die ersten Sterne schimmerten durch eine graue Wolkendecke. Gerr bewegte sich so vorsichtig und leise, als wäre sie ein Schatten. Die Regenrinne ächzte und stöhnte, doch sie hielt stand.

Als sie auf dem Kopfsteinpflaster der Gasse vor dem Haus angelangt war, sah sich Gerr um. Direkt zu ihrer Linken war das Stubenfenster, durch das sie nun einen verstohlenen Blick warf. Ihre Eltern saßen noch immer am Tisch, Mutter schien ein paar Socken zu stopfen, Vater hatte sich eine Pfeife angezündet und las im Licht der Öllampe in einem alten Buch. Sie schienen nichts bemerkt zu haben.

Gerr schlich gebückt unter dem Fenster hindurch und dann weiter die Gasse entlang. Sie kannte sich auf den kleinen Wegen, die sich wie Adern und Venen durch die Stadt zogen, so gut aus, dass sie auch im Dunkeln keine Abzweigung verpasste.

Nach etwa einer Viertelstunde stand sie am Ende der Gasse, in der der Junge im Traum sie gefragt hatte, ob sie mitkommen wolle. Hier konnte sie bereits Musik hören. Dumpfe Trommeln, eine Laute, die quäkende Stimme einer Schalmei und der weiche Klang der einfacheren Flöten, wie sie auch kleine Jungen auf den Straßen gerne aus Weidenholz schnitzten. Die Luft schien davon zu vibrieren und ihr Herz begann, schneller zu schlagen. Sie zögerte noch einen Moment, atmete tief durch und schritt dann auf den Platz hinaus.

Die Gaukler hatten mehrere Feuer entzündet und in ihrem Licht sprangen sie zur Musik der Spielleute umher wie tollwütige Tiere. Ihre bunten Kleider malten Muster in die Luft, als sie zum Klang der Trommeln herumwirbelten.

Gerr ging langsam näher heran und gesellte sich zu den zahlreichen Zuschauern. Ein halbnackter Junge, wohl kaum älter als Gerr selbst, spuckte Feuer, das den Platz leuchtend hell werden ließ und dessen Wärme auch noch in der dritten oder vierten Reihe, wo Gerr nun stand, deutlich zu spüren war. Das Brennen auf ihrem Gesicht war jedoch angenehm.