Das Geheimnis der Jadekette - Boris Akunin - E-Book

Das Geheimnis der Jadekette E-Book

Борис Акунин

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Beschreibung

Mit Charme und Bravour löst der beliebte russische Ermittler spannende Fälle in Moskau, St. Petersburg und anderswo.
Ob ein erschlagener Antiquitätenhändler, ein verschwundenes adliges Fräulein oder eine grausige Selbstmordserie bei den Altgläubigen im winterlichen Norden – Fandorin ermittelt mit erstaunlicher Kombinationsgabe und großem kriminalistischen Talent.

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Boris Akunin

Das Geheimnis der Jadekette

Fandorin ermittelt

Kriminalerzählungen

Aus dem Russischen von Renate und Thomas Reschke

Impressum

Die Originalausgabe unter dem TitelНефритовые чёткиerschien 2007 bei Sacharow-AST, Moskau.

ISBN E-Pub 978-3-8412-0165-2ISBN PDF 978-3-8412-2165-0ISBN Printausgabe 978-3-7466-2421-1

Aufbau Digital,veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, 2011© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, BerlinDie deutsche Erstausgabe erschien 2008 bei Aufbau Taschenbuch,einer Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG© B. Akunin 2007

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen z.B. über das Internet.

Umschlaggestaltung Dagmar & Torsten Lemme, Berlin unter Verwendung des Gemäldes »Der Student« von Nikolai Alexandrowitsch Jaroschenko und des Gemäldes »The Gallery of H.M.S. Calcutta« von James Jacques Tissot, 1876

Konvertierung Koch, Neff & Volckmar GmbH,KN - die digitale Verlagsauslieferung, Stuttgart

www.aufbau-verlag.de

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Das Geheimnis der Jadekette

Table Talk 1882

Aus dem Leben der Späne

Die Skarpea der Baskakows

Ein Zehntel Prozent

Vor dem Ende der Welt

Dieses Buch ist gewidmetRobert van GulikEdgar Allen PoeGeorges SimenonArthur Conan DoylePatricia HighsmithUmberto Eco

Das Geheimnis der Jadekette

1

Erast Petrowitsch Fandorin unterdrückte höflich ein Gähnen – die Flügel seiner feingeschnittenen Nase bebten kaum merklich, das marmorglatte Kinn senkte sich leicht, doch die Lippen öffneten sich auch nicht für einen Moment, und der Blick der ruhigen blauen Augen blieb wohlwollend und zerstreut. Die Kunst, unauffällig zu gähnen, war ein absolutes Muss für einen weltläufigen Mann, der zudem Beamter für Sonderaufträge beim Generalgouverneur war. Die obligatorische Anwesenheit auf Bällen und Empfängen war eine der schwersten Pflichten in seinem Dienst, der im übrigen nicht sehr beschwerlich und zuweilen sogar spannend war.

Der Hofrat fing einen vielsagenden Blick von Peggy Nemtschinowa auf und widmete sich sogleich mit konzentrierter Miene dem Kristalllüster, der im flackernden Gaslicht funkelte. Der Blick der Schönen, die in der gegenwärtigen Saison Furore machte und schon drei Anträge erhalten und wegen mangelnder Solidität abgewiesen hatte, bedeutete: Warum bitten Sie mich nicht um die Quadrille? Fandorin war nämlich so unvorsichtig gewesen, die hübsche Debütantin zum Walzer aufzufordern, was er sogleich bereut hatte: Sie tanzte wie eine Aufziehpuppe, und ihr Verstand erwies sich als äußerst bescheiden. Als Fandorin Mademoiselle Nemtschinowa jetzt wie zufällig näher kommen sah, eindeutig in der Absicht, in die Offensive zu gehen, neutralisierte er dieses gefährliche Manöver, indem er in die Ecke des Saals wechselte, wo sich die Blüte der nichttanzenden Gesellschaft versammelt hatte. Hier waren Fürst Dolgorukoi höchstpersönlich, gewichtige Greise mit geflammten Ordensbändern und korpulente Generäle mit goldflirrenden Epauletten.

Zu Letzteren gehörte auch Oberpolizeimeister1 Baranow, der mit herablassendem Lächeln einem lebhaft gestikulierenden Herrn in schlecht sitzendem Frack und verrutschter weißer Krawatte zuhörte. Der Herr war der in ganz Moskau bekannte Sonderling und Exzentriker Graf Chruzki, der als menschenscheu galt und sonst nie Bälle besuchte. Über ihn erzählte man sich, dass er viele Jahre den Orient bereist und einige Zeit in einem Bergkloster gelebt habe, um die Geheimnisse des Lebens zu ergründen. Angeblich hatte er sie ergründet und beabsichtigte nun, ein Buch darüber zu schreiben, das die gesamte westliche Zivilisation von den Füßen auf den Kopf stellen würde, doch er fand einfach keine Zeit dazu: Mal sammelte er Unterschriften für die Errichtung eines buddhistischen Tempels in Moskau, mal hielt er an der Universität Vorlesungen über den östlichen Mystizismus, dann wieder erheiterte er ganz Moskau mit dem närrischen Projekt, eine Eisenbahnlinie zum Stillen Ozean zu bauen. Im Winter nahm er bei beliebigem Frost Schneebäder auf dem Hof seines halbverfallenen Anwesens am Arbat, wozu der Hausmeister eine besonders hohe, lockere Wehe aufzutürmen hatte, denn die Passanten begafften den halbverrückten Herrn durch das altertümliche Eisengitter.

Erast Fandorin war dem Grafen schon vor längerem vorgestellt worden und hatte sogar mit ihm ein sehr interessantes Gespräch über die praktische Möglichkeit der Unsterblichkeit geführt, aber nähergekommen war man sich nicht, obwohl sich der Hofrat auch für den Orient interessierte und Schneebäder nahm, wenngleich nicht ganz so öffentlich.

»Herr Fandorin!« rief Chruzki energisch. »Sie kommen wie gerufen! Ich erzähle dem General schon eine geschlagene Stunde von einer geheimnisvollen Geschichte, aber er hört mir nicht zu.« Der Graf wandte sich sofort wieder an den Oberpolizeimeister, hielt ihn an einem Wappenknopf seiner Uniformjacke fest und rief hitzig: »Ich sage Ihnen, mein Herr, das ist kein gewöhnlicher Raubmord! Erast Petrowitsch ist ein scharfsinniger Mensch. Soll er seine Meinung dazu äußern.«

Der General warf Fandorin einen gequälten Blick zu, befreite vorsichtig seinen Knopf und sagte in gutmütigem Bass: »Was soll daran geheimnisvoll sein, Lew Aristarchowitsch? Jemand hat dem Trödler eins mit dem Beil über den Schädel gehauen. In Sucharewka passieren solche Dinge fast täglich. Ein normaler Fall für die Polizei, der Reviervorsteher wird sich darum kümmern.«

»Trödler?«, fragte Fandorin. »Meinen Sie den Antiquitätenhändler Prjachin? Ich habe in den ›Polizeinachrichten‹ davon gelesen. Sieht nach einem Raubüberfall im S-Suff aus.«

»Ohne jeden Zweifel.« Baranow nickte. »In dem Lädchen gibt’s nur Plunder, darauf sind die Profis nicht erpicht. Die Einbrecher haben den Besitzer umgebracht und irgendwelchen Trödel mitgenommen.«

»Ich habe Prjachin sehr gut gekannt!«, unterbrach Chruzki den General erregt. »Ich war oft bei ihm. Er hat von opiumsüchtigen Chinesen alle möglichen Sächelchen aufgekauft und für mich aufgehoben. Größtenteils wirklich Plunder, aber manchmal war auch was Interessantes dabei. Hören Sie, Erast Petrowitsch, vor drei Tagen wurde der Laden schon mal überfallen. Am späten Abend, als nur noch der Gehilfe da war. Er bekam einen Schlag auf den Hinterkopf und verlor das Bewusstsein. Dann haben die Gauner alles durchwühlt und sind gegangen, ohne etwas mitzunehmen. Wie finden Sie das?«

»Recht merkwürdig«, gab Fandorin zu, während er mit einem Auge sah, dass Mademoiselle Nemtschinowa sich den Plaudernden bis auf ein paar Meter genähert hatte und unschlüssig stehenblieb.

Eine äußerst besorgte Miene aufsetzend, wandte sich der Hofrat dem Grafen zu und fragte: »Die haben wirklich nichts mitgenommen?«

»Prjachin hat mir erzählt, dass sie das Unterste zu oberst gekehrt, aber nur eine große bunte Fayencevase mitgenommen haben, die höchstens fünf Rubel wert ist. Das japanische Netsuke aus Achat, die größte Kostbarkeit, haben sie nicht angerührt. Darüber hat sich der Ärmste noch so gefreut!«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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