Das Geheimnis des Templers - Episode III - Martina André - E-Book

Das Geheimnis des Templers - Episode III E-Book

Martina André

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Beschreibung

Episode III der lang erwarteten Vorgeschichte des Bestsellers "Das Rätsel der Templer"

Gero erneuert nach dem erlittenen Schicksalsschlag das Gelöbnis, sein Leben in den Dienst des Templerordens zu stellen, um das Heilige Land für die Christenheit zurückzuerobern. Er begibt sich nach Troyes um in den Orden aufgenommen zu werden. Dort erwartet ihn jedoch erst die Prüfung zum Soldaten Christi, in der sich die jungen Ritter für den Dienst als kämpfende Ordensbrüder würdig erweisen müssen. Zusammen mit seinen neuen Gefährten, dem Novizen Fabius aus Luxemburg und Struan, einem stoischen Hünen aus Schottland, stellt sich Gero der Prüfung.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 161




Impressum

Martina André

»Das Geheimnis des Templers«

Episode III

- Die Templer -

ISBN 978-3-8412-0606-0

Aufbau Digital ist eine Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG

Veröffentlichung: Dezember 2012

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen z.B. über das Internet.

Umschlaggestaltung und Illustration Mediabureau Di Stefano, Berlin

unter Verwendung von iStockphoto Motiven: © Nathan Winter, © Reinhold Leitner

E-Book Konzept und Gestaltung: Marcus Thie, Berlin

www.aufbau-verlag.de

Martina André

Das Geheimnis des Templers

Episode III

»Die Templer«

Buchtrailer auf Youtube

http://youtu.be/WN3GY6dLkrI

Inhalt

Kapitel I

Kapitel II

Kapitel III

Kapitel IV

Kapitel V

Kapitel VI

Kapitel VII

Kapitel VIII

Kapitel IX

Kapitel X

Kapitel XI

Personenregister

Glossar

Kapitel I

1301 Franzien/Königreich Zypern

Vollkommen erstarrt stand Gero von Breydenbach in der Burgkapelle von Waldenstein, die Hände zum Gebet gekreuzt, den Blick stumm auf das wächserne Antlitz der Toten gerichtet. Die Mägde hatten Elisabeths Leichnam in aller Eile gewaschen und mit dem roséfarbenen Unterkleid und dem scharlachroten, perlenbestickten Surkot bekleidet, den sie zur Hochzeit getragen hatte.

Danach hatte man sie in einem offenen Eichenholzsarg aufgebahrt. Die langen dunklen Locken waren sorgfältig um das puppenhafte Gesicht, entlang ihrer mageren Gestalt bis hin zu den Hüften drapiert. Es sah aus, als würde sie schlafen und nicht kalt und tot in einem Sarg liegen. In ihren Armen lag das Kind, fest gewickelt in cremefarbene Seide wie ein lebendiger Säugling. Die Lider des kleinen Mädchens waren geschlossen, die Gesichtszüge genauso friedlich entspannt wie die seiner Mutter.

Obwohl gewiss war, dass Lissy ihre schönen braunen Augen nie wieder öffnen würde, sah Gero im Geiste, wie sie ihm zuzwinkerte und sogar lächelte. Gebannt schaute er auf ihren üppigen Mund, in der irrigen Hoffnung, dass sie unerwartet zu sprechen beginnen würde. Dabei widerstand er der Versuchung, sein schönes Weib noch ein allerletztes Mal zu küssen.

„Vergib mir“, flüsterte er stattdessen, in dem festen Glauben, dass sie ihn hören konnte. „Und wenn du es nicht tust, kann ich es gut verstehen. Aber sei gewiss, Gott der Herr wird mich für mein Verschulden zur Rechenschaft ziehen, und wenn er es nicht tut, werde ich selbst dafür sorgen, dass dein Blut mit dem meinen vergolten wird.“ Gero unterdrückte die Tränen und konnte doch nicht verhindern, dass sich einige wenige aus seinen Augenwinkeln stahlen. „Ich schwöre, Lissy, bei all meiner Liebe, die ich tief in meinem Herzen für dich und das Kind empfinde, ich werde für meine Sünden bezahlen, damit wir eines Tages im Paradies vereint sein können.“ Er schluckte und hob den Kopf, dabei schaute er ihr fest ins Gesicht, um ihr zu beweisen, wie ernst es ihm war. „Wenn du mich dann noch willst“, schob er heiser hinterher.

Er war so vertieft in sein Leid, dass er die Schritte hinter sich nicht hatte kommen hören, und auch als jemand eine Hand auf seine Schulter legte, sachte und zart, reagierte er nicht. Erst die bekannte, weibliche Stimme seiner Tante holte ihn aus seiner Erstarrung.

„Es ist nicht deine Schuld“, sagte Margaretha leise. „Es war Gottes Wille. Er wollte die beiden bei sich haben. Du darfst sie nicht festhalten, du musst sie zu ihm gehen lassen.“

„Es war nicht Gottes Wille“, flüsterte Gero erstickt und sah der Gräfin fest in die blauen Augen. „Es war der Wille des Teufels, der mich dazu verführt hat, sie zu schwängern. Er hat mir ins Ohr geflüstert, dass ich sie zur Frau nehmen und mich damit gegen den Willen meines Vaters stellen soll, und ich bin ihm wie ein Opferlamm zur Schlachtbank gefolgt. Mit meinem Eigensinn habe ich unsägliches Leid über uns alle gebracht, und nicht nur ich werde bis an mein Lebensende dafür büßen müssen.“

„Lissy hätte nicht gewollt, dass du es so siehst“, sagte plötzlich eine andere sanfte Stimme aus dem Hintergrund.

Überrascht wandte Gero sich um. „Mutter?“ Beim Anblick von Jutta von Breydenbach spürte er, wie seine Knie nachgaben. Gramgebeugt hatte sie sich in einer Bank hinter ihm niedergelassen, und es bestand kein Zweifel, wie sehr sie die Trauer erschöpfte. Sie trug einen dunklen Surkot und ein ebenso düsteres Unterkleid, dazu ein graues Gebende, das die dunkelblonden Haare vollkommen bedeckte und ihr blasses Gesicht noch bleicher erscheinen ließ. Ihre Augen waren rot geweint, und Gero war sich mit einem Schlag darüber klar, dass nicht nur sein Eheweib von ihm gegangen war. Seine Mutter hatte zugleich die heißgeliebte Tochter verloren. Ein unersetzbarer Verlust, auch wenn Elisabeth nicht ihr leibliches Kind gewesen war. Immerhin war Lissy von ihrem achten bis zu ihrem sechzehnten Lebensjahr in der Obhut seiner Mutter herangewachsen. Und auch wenn sie wie sein Vater gegen ihre Ehe gewesen war, so bedeutete das nicht, dass sie Elisabeth nicht weiterhin innig geliebt hatte. Erst jetzt wurde Gero klar, dass seine Mutter Lissy mit einer Entsendung ins Kloster nur vor dem beschützen wollte, was ihr nun widerfahren war.

Schon allein deshalb hätte er eher mit dem Zorn seiner Mutter gerechnet und nicht mit deren Verständnis. Ihr Mitgefühl traf ihn tief im Innersten härter, als wenn sie ihn angeschrien hätte. Obwohl keine Vergebung möglich war für das, was er verbrochen hatte, ging er zu ihr hin, fiel vor ihr auf die Knie und neigte sein Haupt. Zögernd ergriff er ihre Hände und drückte sie sacht.

„Ich kann verstehen, Mutter, wenn Ihr mir niemals verzeihen könnt und mich stattdessen zur Hölle schickt.“

„Gero“, unterbrach sie ihn und fuhr ihm mit den Fingern durch sein dickes, sandfarbenes Haar, das ihm bis auf die Schulter reichte und nun gnädigerweise sein Gesicht verdeckte. „Hör auf damit“, rief sie mit tränenerstickter Stimme. Während er seinen Kopf in ihren Schoß legte, beugte sie sich zu ihm hinunter und küsste ihn auf den Scheitel, dabei weinte sie unaufhörlich. „Selbst wenn der Teufel seine Hand im Spiel hatte, hast du einzig aus Liebe gehandelt“, schluchzte sie. „Ich selbst war Zeugin, wie sehr ihr beide euch schon als Kinder geliebt habt, vom Tag an, an dem Vater Lissy aus Akko mit zu uns auf die Burg gebracht hat. Wahrscheinlich ist es meine Schuld, dass ich das Ausmaß dieser Liebe verkannt habe und niemals eingeschritten bin, während ihr euch immer nähergekommen seid. Aber wie hätte ich euch je auseinanderbringen können? Die Ketten einer wahren Liebe kann niemand sprengen, selbst Tod und Teufel sind dazu nicht imstande, geschweige denn eine Mutter, die für beide Kinder das gleiche Maß an Liebe empfindet.“

Gero hob den Kopf und sah verblüfft zu seiner Mutter auf. Juttas zartes Antlitz strahlte eine nie gekannte Zuneigung aus. Sie glaubte an das, was sie sagte, und half Gero damit, es ebenso glauben zu können.

Abrupt stand er auf und wischte sich hastig mit dem Ärmel seiner Joppe die Tränen aus dem Gesicht. „Ich danke Euch, Mutter. Aus tiefstem Herzen. Eure Worte haben mich zu einem Entschluss gebracht“, verkündete er ernst, und bevor seine Mutter ihn fragen konnte, was damit gemeint war, gab er die Antwort. „Nach der Beisetzung breche ich unverzüglich zu den Templern nach Franzien auf, wie Vater es gewollt hat. Ich werde für meine Sünden als Streiter Christi Buße tun, und wenn es Gott gefällt, wird er mich eines Tages im Kampf zu sich nehmen, und ich werde mit Lissy, dem Kind und mit allen, die ich liebe, wieder vereint sein bis in alle Ewigkeit. Amen.“ Gero bekreuzigte sich und blickte in die entsetzten Gesichter der beiden Frauen.

„Ich dachte, du wolltest mein Erbe antreten?“, führte die Gräfin mit schwacher Stimme ins Feld.

„Tut mir leid, Tante Margaretha“, bekannte Gero mit aufrichtigem Bedauern. „Das hätte nur einen Sinn gehabt mit der richtigen Frau an meiner Seite. Ohne Elisabeth haben alle irdischen Ämter ihren Reiz für mich verloren.“

„Bedeutet das, du gehst nur zu den Templern, um dich bei der erstbesten Gelegenheit töten zu lassen?“, fragte seine Mutter mit einer Stimme, die ihre Verzweiflung offenbarte.

„Nein, Mutter“, erwiderte er und legte ihr beruhigend die Hand auf die Schulter. „Das heißt, ich werde mir meinen Zutritt zum Paradies hart im Kampf verdienen, damit ich mich als würdig erweise, eines Tages dort Einzug zu halten. Wann das sein wird, lege ich in Gottes Hand.“

„O Junge!“ Jutta schlug entsetzt die Hände vors Gesicht und begann von neuem zu weinen. Margaretha setzte sich neben ihre Schwester und umarmte sie tröstend.

„Er muss wohl tun, was er meint, tun zu müssen. Wir sollten ihn nicht schon wieder vom Weg abbringen. Du nicht und ich auch nicht.“

Kapitel II

Die Beerdigung von Lissy und ihrer kleinen Tochter in den Katakomben der Breidenburg war für Gero an Grausamkeit kaum zu überbieten. Nachdem er den Sarg mit Mutter und Kind höchstpersönlich zum Stammsitz seiner Eltern überführt hatte, war Lissys Leichnam noch einen Tag in der Kapelle aufgebahrt worden, damit sich die Burgbewohner von der Tochter des Hausherrn verabschieden konnten. Um Gerede zu vermeiden, hatte man den Leichnam des Kindes ans Fußende des geöffneten Sargs gelegt und unter einer seidenen Decke versteckt. Offiziell sollte den Bewohnern der Breidenburg verschwiegen werden, dass Elisabeth schwanger gewesen und daran gestorben war. Da sie schon vor der Hochzeit mit Gero eine von Breydenbach gewesen war, blieb der Name ohnehin gleich.

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