Das Geheimnis des Templers - Martina André - E-Book

Das Geheimnis des Templers E-Book

Martina André

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Beschreibung

Auf den Pfaden der Templer - wie alles begann: die Geschichte des Tempelritters Gero von Breydenbach. Nach dem Verlust der Stadt Akko kehrt Richard von Breydenbach von den Kreuzzügen auf seine Burg zurück. Dort erwartet seinen jungen Sohn Gero eine große Überraschung im Gefolge des Vaters: Elisabeth, ein junges Mädchen, das von Richard nach einem Angriff der Mameluken an Kindes statt angenommen wurde. Gero soll als zweitgeborener Sohn in den Orden der Tempelritter eintreten. Als sich Gero in Elisabeth verliebt, muss er eine Entscheidung treffen - folgt er seinem Herzen oder dem heiligen Schwur der Templer? Für alle Fans der TV-Serien "Knightfall" und "Outlander". Dieser Collector's Pack beinhaltet alle sechs Episoden, die auch einzeln erhältlich sind.

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Seitenzahl: 950

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Impressum

Martina André

»Das Geheimnis des Templers«

ISBN 978-3-8412-0722-7

Aufbau Digital ist eine Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG

Veröffentlichung: Oktober 2013

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Dieses Werk erschien erstmals von Dezember 2012 bis Februar 2013 in sechs Teilen als »Das Geheimnis des Templers Ep. I - VI« © Aufbau Digital

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen z.B. über das Internet.

Umschlaggestaltung und Illustration Mediabureau Di Stefano, Berlin

unter Verwendung von iStockphoto Motiven: © Nathan Winter, © Reinhold Leitner

E-Book Konzept und Gestaltung: Marcus Thie, Berlin

www.aufbau-verlag.de

Martina André

Das Geheimnis des Templers

Roman

Buchtrailer auf Youtube

http://youtu.be/WN3GY6dLkrI

Inhalt

Episode I

Kapitel I

Kapitel II

Kapitel III

Kapitel IV

Kapitel V

Kapitel VI

Kapitel VII

Kapitel VIII

Kapitel IX

Kapitel X

Kapitel XI

Kapitel XII

Episode II

Kapitel I

Kapitel II

Kapitel III

Kapitel IV

Kapitel V

Kapitel VI

Kapitel VII

Kapitel VIII

Kapitel IX

Episode III

Kapitel I

Kapitel II

Kapitel III

Kapitel IV

Kapitel V

Kapitel VI

Kapitel VII

Kapitel VIII

Kapitel IX

Kapitel X

Kapitel XI

Episode IV

Kapitel I

Kapitel II

Kapitel III

Kapitel IV

Kapitel V

Kapitel VI

Kapitel VII

Kapitel VIII

Kapitel IX

Kapitel X

Episode V

Kapitel I

Kapitel II

Kapitel III

Kapitel IV

Kapitel V

Kapitel VI

Kapitel VII

Kapitel VIII

Kapitel IX

Episode VI

Kapitel I

Kapitel II

Kapitel III

Kapitel IV

Kapitel V

Kapitel VI

Kapitel VII

Kapitel VIII

Kapitel IX

Kapitel X

Kapitel XI

Personenregister

Glossar

Leseprobe aus »Das Rätsel der Templer«

Episode I

»Ein heiliger Schwur«

Kapitel I

Im Jahre des Herrn 1300 Breidenburg/Liesertal/Mosel

Der 19. März 1292, auch Gedenktag des heiligen Josef genannt, würde Gero unvergesslich bleiben, wie so vieles, was ihn später an Elisabeth erinnerte.

Damals waren die Vorbereitungen für seinen zwölften Geburtstag in vollem Gange, und seine Mutter, Jutta von Breydenbach, besprach mit einer Köchin die Menüfolge für ein Festmahl, zu dem sie einige Verwandte und Freunde des Hauses Breydenbach eingeladen hatte.

Auf einem Brotkanten kauend, saß Gero neben den Frauen in der Küche und lauschte interessiert, welche Köstlichkeiten sie aus dem wenigen, was sich nach einem harten Winter in der Speisekammer befand, zaubern wollte, als plötzlich eine alte Waschmagd durch den Türbogen gerannt kam. Wild gestikulierend verkündete sie, dass der Burgherr von seinem Kreuzzug aus dem Heiligen Land zurückgekehrt sei. So wie es aussah, war er zwar verletzt, aber er lebte. Geros Mutter ließ die Liste fallen, die sie bis dahin in der Hand gehalten hatte, und fasste sich ans Herz, als ob sie der Schlag getroffen hätte. Dabei war sie mit einem Mal so bleich wie der Inhalt des Butterfasses. Gero befürchtete schon, sie würde umfallen, doch dann nahm sie ihn bei der Hand und zerrte ihn, gefolgt vom übrigen Gesinde, hinaus auf den Hof, wo sie fünf völlig durchnässten Gestalten auf erschöpft wirkenden Gäulen gegenübertraten. Reiter wie Pferde boten ein Bild des Jammers. Abgekämpft und entkräftet, glitt ein Ritter nach dem anderen aus dem Sattel.

Der verschlossene Ausdruck ihrer bärtigen Gesichter war beängstigend düster und vermittelte Gero das Gefühl, als hätte sich der Anblick der Hölle darin eingebrannt.

„Richard“, stammelte Geros Mutter und fiel ausgerechnet dem Mann um den Hals, den er am allerwenigsten für seinen Vater gehalten hätte. Nur das weißblonde, strähnige Haar, das die eisblauen Augen fast vollständig verdeckte, ließ Gero erahnen, dass es sich um den richtigen Mann handelte. Auch die anderen Ritter – wie sein Vater Gefolgsleute des Erzbischofs von Trier, wie man an ihren abgerissenen Wappenröcken erkennen konnte – glaubte er noch nie im Leben gesehen zu haben. Erst bei näherer Betrachtung erkannte er in ihnen langjährige Kameraden seines Vaters, obwohl auch sie nur noch wenig Ähnlichkeit mit den glattrasierten, frohgemuten Männern hatten, die vor gut zwei Jahren von der Breidenburg ins Heilige Land aufgebrochen waren. Damals waren sie von frenetischem Jubel begleitet worden und der Hoffnung, Jerusalem von den Heiden zurückzuerobern. Später hieß es, die Sache sei nicht so einfach wie gedacht, und man werde länger für die Befreiung des Heiligen Landes kämpfen müssen. Vor ein paar Wochen war ein Bote des Erzbischofs auf der Burg angekommen und hatte Geros Mutter berichtet, Akko sei am 18. Mai des Jahres 1291 endgültig verloren worden, und man wisse nicht, ob die Männer zurückkehren würden. Geglaubt hatte Gero ihm nicht. Er hatte voll und ganz der Waffenkunst seines Vaters und dessen Begleiter vertraut, die nach einem heroischem Aufruf ihres Lehnsherrn mit beinahe dreißig Rittern ins Heilige Land aufgebrochen waren, um zunächst Akko vor dem Einfall der Heiden zu bewahren und später die Heilige Stadt zurückzuerobern. Geros Mutter war nicht gerade begeistert gewesen, als ihr Mann sie mit zwei minderjährigen Söhnen auf dem Familienstammsitz der Breydenbacher zurückgelassen hatte.

Aber Geros Vater hatte damit argumentiert, dass er einen solchen Lehnsdienst nicht ablehnen könne und sie froh sein solle, dass er ihr wenigstens die Wachtruppen zurücklassen werde. Außerdem hatte er ihr mit dem Zisterziensermönch Wintrich von Achenbach einen vertrauensvollen Verwalter an die Seite gestellt, der die Verbindung zum Erzbischof hielt und sich um die dringlichsten Amtsgeschäfte wie die Eintreibung der Abgaben kümmerte. Geros Mutter hätte für solcherlei Dinge fortan sowieso keine Zeit mehr gehabt, weil sie beinahe Tag und Nacht in der Kapelle gesessen hatte, um für die gesunde Rückkehr des Vaters zu beten.

Allem Anschein waren ihre Gebete erhört worden. Richard von Breydenbach machte zwar einen furchterregenden Eindruck, und zu allem Übel fehlte ihm die rechte Hand, aber immerhin lebte er noch.

Mitten unter diesen von Grausamkeiten und Elend gezeichneten Männern befand sich ein unerwarteter Lichtblick. Ein kleines, dunkelhaariges Mädchen, das offenbar hinter seinem Vater im Sattel gesessen hatte, war Gero erst später aufgefallen. In Lumpen gekleidet und dünn wie ein Stock, die großen, braunen Augen auf Gero gerichtet, als wäre er ein aufgehender Stern, stand die Kleine auf dem schmutzigen Pflaster des Burghofes, als habe sie sich verirrt. Und obwohl ihr lockiges Haar so verlaust war, dass selbst Essigwasser nichts helfen würde, war sie für Gero das schönste Wesen, das er je in seinem jungen Leben gesehen hatte.

Die niedliche Kleine war etwa drei Jahre jünger als Gero und allem Anschein nach Jüdin, wie der Vater wenig später bei einem deftigen Mahl zu berichten wusste. Er und seine Begleiter hatten sie beim Angriff der Mameluken auf Akko vom Totenlager der Eltern gerettet, die kurz zuvor von den einfallenden Heiden erschlagen worden waren.

„In der Hitze des Gefechtes habe ich geschworen, sie vor Gott dem Herrn an Kindes statt anzunehmen, wenn er uns lebend aus der Stadt heraushilft“, erklärte er Geros Mutter, die das Ganze zunächst für einen schlechten Scherz hielt. Doch als Geros Vater sie daran erinnerte, dass sie selbst zwei Töchter verloren hatte, lenkte sie ein, und schon kurz darauf hatte sie das Mädchen fest in ihr Herz geschlossen.

Auch Gero und sein Bruder Eberhard hatten keine Mühe, die Kleine als Schwester anzuerkennen, wobei sie Geros vier Jahre älterem Bruder eher gleichgültig war. Was vielleicht daran lag, dass er sich lieber seiner Knappenausbildung widmete als einem zerbrechlichen Püppchen aus dem Outremer, wie er sie nannte.

Der ursprüngliche Name des Mädchens war Hannah gewesen, doch schon bald hatte der Vater sie auf den christlichen Namen Elisabeth taufen lassen und heuerte Gero an, sie zusätzlich zur gottgefälligen Unterweisung durch Bruder Rezzo in der Bibel zu unterrichten. Obwohl Elisabeth so scheu war wie ein Reh und zu Beginn kein einziges Wort in deutscher Sprache verstand, faszinierte sie Gero so sehr, dass sie ihn sogar dazu verleitete, Hebräisch zu lernen.

Der Umstand, dass seine Eltern Elisabeth – oder Lissy, wie er sie nannte – nur an Kindes statt angenommen hatten und sie somit nicht seine leibliche Schwester war, hatte ihn in jungen Jahren bedrückt. Erst als er älter wurde, erkannte er den Nutzen darin. Sie waren nicht blutsverwandt. Das hieß, er durfte sie auf eine weitaus innigere Art lieben, als es bei leiblichen Geschwistern üblich gewesen wäre. Was zudem bedeutete, dass die Gefühle, die er für sie hegte, keiner wie auch immer gearteten Beichte bedurften. Ein geradezu himmlischer Vorteil, wenn man eine gottesfürchtige Mutter und einen strenggläubigen Vater besaß, dessen Verlangen nach unbeugsamem Gehorsam im Sinne der Heiligen Schrift keinen Raum ließ für eine Liebe, der keine Zukunft erlaubt war.

Seinem Vater schien diese Zuneigung ohnehin zu entgehen. Er zog es vor, nach seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land unentwegt von seinen Heldentaten zu berichten, und Gero wurde das Gefühl nicht los, dass er sich auf diese Weise für die Niederlage, die er und die übrigen Christen hatten hinnehmen müssen, rechtfertigen wollte. In den endlosen Debatten, die er in Anwesenheit seiner noch jugendlichen Söhne mit anderen einheimischen Rittern führte, hieß es fortan, Jerusalem sei zwar seit der Einnahme von Akko vorerst an die Heiden verloren, aber es gebe durchaus noch eine Chance, diesen ungläubigen Teufeln den heiligen Boden aufs Neue zu entreißen. Allerdings nur, wenn Gott der Herr ein Einsehen habe und die mutigsten aller Ritter noch einmal zusammenrufe, um ihnen in einem letzten, alles vernichtenden Schlag gegen den Feind – und damit meinte er vor allem die ägyptischen Mameluken – endlich den lang ersehnten Sieg zu verschaffen.

Weil irgendein verteufelter Mameluke ihm im Kampf die rechte Hand abgeschlagen hatte, konnte Geros Vater sich leider nicht mehr persönlich für die Rettung des Heiligen Landes einsetzen.

„Aber ich habe ja noch einen jüngeren Sohn, der diese Aufgabe später einmal mit Bravour übernehmen wird“, betonte er stets vor versammelter Mannschaft mit glänzenden Augen und lenkte seine Aufmerksamkeit auf Gero, dem er damit gewaltig schmeichelte. „Nicht wahr, mein Junge?“, fragte er, wie um sich selbst zu bestätigen, und klopfte seinem Jüngsten mit stolzem Blick auf die Schulter. „Ich habe beim Niedergang von Akko vor Gott dem Allmächtigen geschworen, dass ich dich im rechten Alter zum Templerorden gebe“, bekannte er zu Geros Überraschung, „damit du mit der Miliz Christi das zu Ende bringst, was uns versagt worden ist.“ Anschließend schaute er Zustimmung heischend in die staunende Runde und nickte Gero, dem nicht eingefallen wäre, zu widersprechen, bedeutungsvoll zu. „Und so soll es sein.“

Gero hatte zu jener Zeit nicht die leiseste Ahnung, welches Gewicht ein solcher Schwur für ihn haben sollte. Geschweige denn, ob er ihm gerecht werden konnte. Aber es hatte ihm gefallen, wie wohlwollend ihn die Männer nach einer solch gewichtigen Ankündigung gemustert hatten. Jedes Mal, wenn fortan die Rede darauf kam, ließen sie ihm anerkennende Blicke zukommen, ähnlich einem prachtvollen Hengst, den man gewinnbringend versteigern wollte.

„Gero ist jetzt schon ein stattlicher Bursche“, waren sich die Bewunderer seines Vaters einig. „Größer als andere und geschickt mit dem Schwert.“

„Die Templer werden viel Freude mit ihm haben, und die Heiden wird er das Fürchten lehren, sobald sie ihn sehen“, hatte ein anderer gemeint. Worte, die Gero gegenüber seinem älteren, linkischen Bruder als zukünftigen Helden dastehen ließen. Was ihm eine gewisse Genugtuung verlieh. Denn Eberhard, der um einiges kleiner und schmächtiger war als Gero, hielt ihm ständig unter die Nase, dass er als der Ältere das Lehen des Vaters erben würde und damit auch dessen Machtanspruch. Gero blieb als Zweitgeborenem höchstens der Weg in einen christlichen Orden, wie Eberhard mit hämischem Grinsen bemerkte.

„Aus mir wird mal ein Burgherr, und aus Gero wird mal ein Mönch“, verkündete Eberhard gegenüber jedem, der es wissen wollte, mit hochnäsiger Miene. Wobei er absichtlich verschwieg, dass die weißgewandeten Tempelritter zwar Mönche, aber in erster Linie Krieger waren und damit unter der hiesigen Ritterschaft weit mehr Bewunderung auf sich vereinen konnten als gewöhnliche Ordensleute.

„Mönchskrieger“, verbesserte Gero ihn fortan und grinste zufrieden, obwohl er nicht wirklich einschätzen konnte, ob er sich mit einer solchen Aussicht wahrhaftig besser stand als sein Bruder.

Immerhin wurde über den Orden der Templer in den Reihen der Klosterschüler, denen Gero bis zum vierzehnten Lebensjahr angehörte, gerne und viel spekuliert. Nicht selten hinter vorgehaltener Hand, was die Sache für Jungs seines Alters nur noch spannender machte. Es hieß, sie seien in Wahrheit streitende Engel im Auftrag des Herrn, die sich im Kampf gegen die Heiden im Handumdrehen in fürchterliche Dämonen verwandeln konnten. Dabei ließen sie nicht die geringste Gnade walten und schlugen jedem noch so gewitzten Feind den Kopf ab. Selbst wenn Gero still für sich diese Behauptung anzweifelte, weil er sich fragte, wie es denn dann überhaupt zum Verlust des Heiligen Landes gekommen war, schien die Geschichte für sein Ansehen unter den Mitschülern durchaus nützlich zu sein.

Jeder wusste inzwischen, dass er spätestens nach der Schwertleite mit einundzwanzig selbst dieser kämpfenden und betenden Truppe von Engeldämonen angehören sollte. Besonders die schmächtigen Kameraden, denen allenfalls ein Leben als Klosterschreiber beschieden war, beneideten ihn glühend um die Aussicht, zu jener legendären Truppe der Templer zu gehören.

Allein schon aus diesem Grund wäre Gero nicht einmal im Traum eingefallen, den Vorstellungen seines Vaters zu widersprechen.

Im Nachhinein gab es wohl noch andere Gründe, warum er seinem Vater gefallen wollte. Gründe, die ihm damals nicht ins Bewusstsein gerückt waren. Richard von Breydenbach war vor seiner Abreise ins Heilige Land immer ein großer, respekteinflößender Mann gewesen, dem ebenbürtige Adlige mit erheblicher Achtung und seine Leibeigenen mit ängstlicher Unterwürfigkeit begegnet waren. Doch am Tag seiner Rückkehr hatte Gero ihn erstmals als einen gebrochenen Krieger erlebt, was bei ihm zu einer tiefen Verunsicherung geführt hatte. Es war eine seltsame Mischung aus Mitleid und Furcht, die ihn durchströmte, wenn er daran dachte, wie verwundbar sein starker Vater ihm plötzlich erschienen war. So ganz anders als vor diesem Krieg. Wobei ihn vor allem der Gedanke ängstigte, dass Gott der Allmächtige den christlichen Rittern offenbar seine Gnade verweigert hatte, und das, obwohl etliche von ihnen ihr Leben geopfert hatten, um das Land, in dem Sein Sohn geboren und gekreuzigt worden war, von den heidnischen Besatzern zu befreien. Stattdessen hatte der Allmächtige nur untätig zugeschaut, während das sogenannte Heilige Land die überlebenden Christen ausgespuckt hatte wie eine unbekömmliche Mahlzeit.

Was hatten die Streiter Christi falsch gemacht?, fragte Gero sich unaufhörlich. Und würde es ihm eines Tages als Templer gelingen, seinem Vater die Schmach dieser furchtbaren Niederlage zu nehmen, indem er die Heiden besiegte? Richard von Breydenbach glaubte jedenfalls daran, und Gero liebte ihn zu diesem Zeitpunkt zu sehr, als dass er ihn enttäuschen wollte.

Kapitel II

Entgegen der Aussicht, die Burg eines Tages für die Templer verlassen zu müssen, galten Gero und seine angenommene Schwester schon bald als ein unzertrennliches Paar, obschon sich ihre Gemeinsamkeiten zunächst auf Spiel, Spaß und Lernen beschränkten. Hinzu kam bei Gero das Gefühl, sie vor anderen, stärkeren Kindern auf der Burg und in der Schule beschützen zu müssen. Das Bedürfnis, Elisabeth zu behüten, ließ selbst nicht nach, als sie beide den Kinderschuhen längst entwachsen waren.

Irgendwann kam der Tag, an dem Gero sich eingestehen musste, dass aus kindlicher Zuneigung längst eine tiefergehende Liebe geworden war, die sich mehr und mehr zu einem sehnsuchtsvollen Begehren entwickelte. Spätestens als er seinen sechzehnten Geburtstag beging, hatte ihn der Anblick ihres aufblühenden Leibes eisern im Griff. Schon bald verfolgte ihn ihre süße Gestalt bis in die kühnsten Träume, die, feucht und heiß, nur eine Vorstellung kannten: Elisabeth, wie sie nackt in seinen Armen lag und seine Küsse erwiderte. Unmerklich veränderte sich ihr Verhältnis zueinander. Hatten sie sich zuvor grob geneckt, so war es nun eher ein Gefühl von Zärtlichkeit, das sie füreinander empfanden. Es kam nun öfter vor, dass sie sich wie durch Zufall berührten. Elisabeth forderte ihn manchmal auf, ihr beim Schnüren des Kleides zu helfen, wenn sich die Bänder gelöst hatten, oder ihr die Füße zu trocknen und Blätter aus ihrem hüftlangen Haar zu entfernen, wenn sie gemeinsam durch die umliegenden Wälder gestreift waren.

„Aus dir ist ein gutaussehender junger Mann geworden“, bemerkte Elisabeth mit neckischem Augenaufschlag, wenn sie unter sich waren. Dann strich sie ihm über das dichte, schulterlange blonde Haar und kraulte ein wenig darin, als ob er Harko wäre, das kleine weiße Hündchen, das er ihr zu Weihnachten geschenkt hatte. Ab und an zupfte sie an seiner Kleidung herum und lobte seine breiten Schultern oder seinen hochherrschaftlichen Gang. Zudem bewunderte sie seine Reitkunst und seinen Umgang mit dem Schwert, was ihn dazu anstachelte, nicht nur sie, sondern auch seine Lehrer immer wieder in Erstaunen zu versetzen. Ihr zuliebe lernte er Laute spielen und beschäftigte sich, dem Spott seines Bruders zum Trotz, mit franzischem Minnegesang. Lissy spornte ihn in allem, was er tat, zu Höchstleistungen an. Ihr süßes Lächeln versetzte ihn in Verzückung, und ihre Stimme, glockenhell und klar, klang wie Musik in seinen Ohren. Schon bald kam der Tag, an dem der Gedanke, eines Tages ohne sie leben zu müssen, an Grausamkeit kaum zu überbieten war.

Der Tatsache, dass ihre Liebe zueinander wohl kaum eine Zukunft haben würde, musste er sich endgültig stellen, als im Frühsommer des Jahres 1300 das Ende seiner Knappenausbildung nahte.

Draußen vor der Burg blühten die Bäume, aber in Geros Herz war es kalt wie im tiefsten Winter.

Sein Vater schien im Gegensatz dazu bester Laune. „Spätestens zu seinem 21. Geburtstag nächstes Jahr an Maria Verkündigung wird Gero zum Ritter geschlagen werden“, verkündete er vor einigen Gästen, darunter Geros Patenonkel, Wilhelm von Eltz.

Was nichts Geringeres bedeutete, als dass sich der Schwur seines Vaters endlich erfüllte und es höchstens noch ein dreiviertel Jahr dauern konnte, bis man Gero zu den Templern nach Franzien schickte. Allerdings würde er sich zuvor kaum noch um Lissy kümmern können, sondern musste diese Zeit im Wesentlichen bei Roland von Briey verbringen, seinem bärbeißigen Ausbilder, dem es ein höllisches Vergnügen bereitete, seinem Lieblingsknappen das Fürchten zu lehren. Wobei Gero dafür sogar noch dankbar sein musste, weil Richard von Breydenbach seinen Sohn am liebsten gleich in eine Templerkommandantur geschickt hätte, um dort seine Ausbildung zum Ritter würdig beenden zu können und übergangslos dem Orden beizutreten. Aber Geros Mutter, die ihren Sohn am liebsten für immer zu Hause behalten hätte, hatte sich auch diesmal gegen den Alten durchsetzen können.

„Roland von Briey ist Gero über all die Jahre immer ein hervorragender Lehrmeister gewesen“, argumentierte Jutta von Breydenbach, deren verwitwete Schwester Margaretha als Gräfin auf Waldenstein herrschte.

„Er hat ihn mir immer wieder heil nach Hause gebracht.“

Sein Vater hatte schließlich dem Wunsch seiner Gemahlin nachgegeben. Obwohl Richard von Breydenbach seine Schwägerin nicht besonders leiden konnte, war ihr Mann ihm beinahe wie ein Bruder gewesen. Graf Gerhard von Lichtenberg zu Waldenstein hatte für Geros Vater in Akko sein Leben gegeben, was in Richard ein Gefühl tiefer Schuld hinterlassen hatte. Ein Umstand, der Geros Mutter offenbar zugutekam, als sie seinerzeit vorgeschlagen hatte, Gero für seine Ausbildung als Ritter auf Burg Waldenstein zu entsenden.

Margaretha und Gerhard hatten keine Kinder, daher verwaltete die Gräfin den ererbten Herrschaftssitz ihres verstorbenen Ehemanns als dessen Nachfolgerin. In erster Linie bediente sie sich dabei der Unterstützung ihres Burgvogts. Wobei Roland von Briey sich nicht nur in Fragen der Verwaltung und der Verteidigung gut auskannte, sondern noch andere Talente besaß. Inzwischen war es ein offenes Geheimnis, dass der stattliche, dunkeläugige Vogt und die zierliche, rotblonde Gräfin das Lager teilten. Dass sie sich wirklich liebten, glaubte Gero daran zu erkennen, wie sich in aller Öffentlichkeit küssten. Überhaupt ging es auf Waldenstein längst nicht so steif zu wie auf der Breidenburg. Ein paar Mal im Jahr lud Margaretha Spielleute ein und veranstaltete für ihre Untergebenen ein Tanzvergnügen. Gero mochte die ungezwungene, fröhliche Atmosphäre, die am Hof seiner Tante herrschte, und wünschte sich stets, dass er die Freude darüber mit Lissy teilen könnte. Doch daraus war bisher nichts geworden, und es würde wohl auch nicht mehr dazu kommen, falls ihm nicht bald etwas einfiel, das sie beide vor der gefürchteten Trennung retten konnte.

Zu dumm, dass der ansehnliche Besitz der Gräfin mit gut eineinhalb Tagesreisen südlich von der Breidenburg leider zu weit entfernt lag, um wenigstens heimliche Treffen zu ermöglichen.

Kapitel III

Bevor es an die Abreise ging, besuchte Gero zusammen mit seinen Eltern, Geschwistern und Verwandten die Heilige Messe in der Burgkapelle. Danach debattierten die Männer im Herrenzimmer über die politische Lage, und die Frauen zogen sich zu einem kleinen Spaziergang in den sonnigen Burggarten zurück, wo ihnen Gertrudis, die heilkundige Magd, frisch sprießende Kräuter erläuterte.

Später beim Mittagsmahl gab Lissy vom anderen Ende des Tisches Gero mehrmals Zeichen, die außer ihnen beiden glücklicherweise niemand verstand. Beinahe zärtlich strich sie sich selbst übers Haar und legte den Zeigefinger an die Lippen, was nichts anderes bedeutete, als dass sie auf ein heimliches Stelldichein mit ihm drängte. Möglichst noch bevor er am nächsten Morgen in Begleitung seines Bruders Eberhard und ein paar Söldnern zur Burg seiner Tante aufbrechen musste.

Lissy entschuldigte sich von der Tafel und flunkerte, dass ihr nach dem Essen nicht wohl sei und sie frische Luft schnappen wolle. Gero folgte eine Viertelstunde später mit dem Hinweis, dass er noch ein paar persönliche Dinge einpacken müsse. Ohne sich seine Vorfreude anmerken zu lassen, eilte er zum Treppenhaus und bog nach links ab, wo er zu den Latrinen hätte gehen können. Doch er schlüpfte durch einen Nebeneingang der Burg hinaus zu den Stallungen und lief im Schatten der Wehrmauer entlang ins untere Heulager. Während er das abgelegene Gebäude ansteuerte, stellte er sicher, dass ihn niemand beobachtete. Er wusste, dass sie dort ungestört sein würden. Zum einen, weil Lissy und er sich dort schon öfters getroffen hatten, und zum anderen, weil die Tiere längst auf der Weide standen und kein Heu vom Boden benötigten. Gero war überzeugt davon, dass zumindest seine Mutter ihr gemeinsames Verschwinden bemerkt haben musste. Aber sie hatte nichts gesagt, und somit verschwendete er keinen Gedanken daran, als er in freudiger Erwartung die Leiter emporkletterte.

Lissy empfing ihn mit einem unschuldigen Blick, inmitten eines kleinen Heuhaufens. In ihren schönen, braunen Augen und ihrem makellosen Lächeln lag eine unübersehbare Verheißung. Die Gewissheit, dass sie dort oben vollkommen ungestört sein würden, nährte offenbar nicht nur Geros sündhafte Fantasien, sondern auch die des Mädchens. Nur dass sie bisher beide noch nicht gewagt hatten, ihre Träume in die Tat umzusetzen. Lissy neckte ihn gerne damit, wenn er behauptete, ihr hoffnungslos verfallen zu sein, und sie warnte, ihre Reize nicht allzu sehr auszuspielen, weil er sich sonst nicht mehr beherrschen könnte. Dass sie nunmehr bereit war, ihm alles zu geben, davon zeugte der rote Surcot, jenes ärmellose Überkleid, das eine adlige Frau über ihrem dünnen Untergewand trug und das nun ausgestreckt neben ihr lag, als ob es als Unterlage für ihr gemeinsames Lager dienen sollte. Nur noch mit ihrem eng anliegenden Untergewand bekleidet, spielte Lissy ihre unübersehbaren Vorzüge aus. Neben dem wohlgeformten Hintern und der schmalen Taille waren es vor allem die kleinen, drallen Brüste und deren harte Knospen, die Gero unter dem dünnen rosafarbenen Seidenstoff erkennen konnte und die ihn sogleich in Erregung versetzten.

„Du siehst zum Anbeißen aus“, murmelte er heiser, während er sich ihr auf allen vieren näherte.

Lissy errötete unter seinen Blicken; ein seltsames Glitzern lag in ihren braunen Augen. Sein Herz schlug noch heftiger, als sie sich mit ihrer rosigen Zungenspitze die Lippen befeuchtete, was er als eindeutiges Zeichen ihrer Bereitschaft wertete, weiterzugehen als bisher. Bei ihren vorangegangenen heimlichen Treffen hatten sie sich allenfalls geküsst und zaghaft gestreichelt.

Im Nu war er bei ihr und umschlang sie mit seinen starken Armen, wobei er ein wenig zu ungestüm vorging. Sie stieß einen spitzen Schrei aus, als er sie an sich drückte, und legte sogleich lachend die Hand auf Mund, bevor sie ihre Arme um seinen Nacken schlang. Ihre Brust drückte sich fest gegen sein Wams, und er spürte die weiche verführerische Wärme, die von ihr ausging. Lissy bäumte sich auf, und Gero verlor das Gleichgewicht, kippte nach hinten und wälzte sich seufzend mit ihr im weichen Heu.

Schwer atmend hielt er Lissy schließlich unter sich fest und küsste sie verlangend. Als sie die Lippen öffnete, drang seine Zunge in ihren warmen, nachgiebigen Mund. Keuchend erwiderte sie seinen kühnen Vorstoß.

Gero spürte, wie sein Schwanz hart wurde und sich unübersehbar gegen die Bruche drängte. Lissy entging nicht, wie sich seine weiche Lederhose darüber ausbeulte, und sie kicherte schon wieder, als sie zögernd ihre Hand darauf legte.

„Zieh dich aus!“, rief sie ihm aufgeregt zu. „Ich will sehen, was darunter ist.“

„Mein Gott, Lissy“, stöhnte Gero ihr ins Ohr, „was ist bloß in dich gefahren? Du bist ja wie von Sinnen.“

„Ich bin nicht von Sinnen, ich bin bei klarem Verstand“, erwiderte sie sanft. „Ich will nur nicht mehr warten, bis Vater mich ins Kloster geschickt hat, dann ist es zu spät.“

Sie schien es wirklich ernst zu meinen. Das hier war kein Kinderspiel mehr, sondern tiefe, aufrichtige Liebe.

„Sachte“, flüsterte er, als sie ihm helfen wollte, die Hose über die Hüften zu ziehen. Federnd sprang ihr sein hartes Glied entgegen, als er sich aufsetzte, um sein Wams über den Kopf auszuziehen.

„Du bist der schönste Mann, den ich je gesehen habe“, begeisterte sich Lissy und konnte ihre Finger nicht bei sich behalten, was Gero ein Lächeln entlockte. Schon hob sie ihre Röcke und setzte sich mit gespreizten Schenkeln über seinen nackten Schoß. Während sie mit den Händen zärtlich seine muskulösen Arme und Schultern streichelte, schob sich ihm kichernd ihr Becken entgegen, bis ihre Scham die pralle Spitze seines Glieds berührte. Gero zuckte regelrecht zurück, weil ihm die Gier, sie auf der Stelle zu nehmen, beinahe den Atem nahm.

„Lissy, Himmelherr“, entfuhr es ihm halb fluchend, halb flehend, „wenn du auch etwas davon haben möchtest, reiz mich nicht so, sonst bin ich verloren.“

Lachend umfasste sie seinen Schaft. „Wenn er dir nicht gehorsam ist, müssen wir ihn züchtigen“, bestimmte sie prustend und drückte fest zu.

„Au“, beschwerte sich Gero. „Nicht so grob, das ist kein Spielzeug!“

„Ist es doch“, hauchte sie und rieb ihn um einiges sanfter. „Und ein wunderschönes dazu.“

Ihre Entschlossenheit machte ihn schwindlig. Kaum zu glauben, dass sie erst sechzehn war und wie er selbst noch ihre Unschuld besaß. Dabei erschien sie ihm weitaus mutiger als er selbst. Aber vielleicht lag es daran, dass sie so ungezwungen mit ihm verfuhr, weil sie ihn nach all den Jahren der Freundschaft beinahe wie ihren Besitz betrachtete.

Plötzlich kamen ihm Zweifel.

„Vielleicht sollten wir doch damit warten, bis wir eines Tages verheiratet sind“, meinte er. Der Gedanke, sie zu verlassen, um zu den Templern zu gehen, erschien ihm mit einem Mal absurder denn je.

„Ich glaube nicht, dass Vater das je zulassen würde“, widersprach sie ihm heftig. „Er will mich ins Kloster stecken, nachdem er dich nach Franzien zu den Templern geschickt hat.“

„Mir wird schon was einfallen, damit wir zusammenbleiben können“, gab er zuversichtlich zurück. „Ich werde mich dem Wunsch meines Vaters verweigern, und dann werde ich dich heiraten, ganz gleich, ob der Alte was dagegen hat. Ich könnte mich im Söldnerheer meiner Tante verdingen, und du könntest ihr als Gesellschafterin dienen. Irgendwann haben wir dann genug Geld zusammen, um uns eine eigene Existenz aufzubauen.“ Er zog sie zu sich herab und strich eine Locke ihres hüftlangen, rotbraunen Haars zurück, obwohl er ihre Scham noch immer an seinem Glied spürte.

„Wenn du die Wahrheit wissen willst“, erwiderte sie mit einem spöttischen Lächeln. „Dein Versprechen ist nichts weiter als ein frommer Wunsch, den ich dir zwar gerne abkaufen würde, aber es dauert mir zu lange, bis ich das Geld dafür zusammengespart habe. Ich liebe und begehre dich viel zu sehr, um auch nur noch einen Tag länger warten zu können.“

Gero blieb vor Verblüffung der Mund offen stehen. Im nächsten Moment zog sie sich das Kleid hoch bis über den Kopf und streifte es ab. Darunter war sie vollkommen nackt. Gero glaubte, bei ihrem wundervollen Anblick auf der Stelle vor Sehnsucht zu sterben. Seine vom Schwertkampf schwieligen Hände griffen wie von selbst zu ihren kleinen Brüsten hin und liebkosten sie zärtlich. Lissy hatte anscheinend nichts Eiligeres zu tun, als ihm bei der Erstürmung des letzten Walls behilflich zu sein. Als sie sich aufsetzte und sein Glied mit einem verzückten „Oh“ in ihre feuchte Spalte dirigierte, wäre beinahe ein Unglück geschehen.

Gero biss die Zähne zusammen und hielt sich eisern zurück. „Elisabeth … bitte“, stieß er mit zusammengekniffenen Lippen hervor. „Halt ein … sonst verdirbst du noch alles.“

„Du weißt, wie man es macht?“, fragte sie atemlos und schob sich ihm so weit entgegen, bis er auf Widerstand stieß.

„Ja“, keuchte er, beeindruckt von der pulsierenden Enge, die ihn plötzlich umschloss. Wobei er sich fragte, woher Lissy so genau wusste, was zu tun war. Vielleicht hatte sie eine Magd zu Rate gezogen oder vielleicht sogar schon einmal heimlich bei jemandem zugeschaut, wie es vonstattenging.

Sie musste lachen, und er stimmte mit ein, obwohl er vor lauter Verlangen beinahe geplatzt wäre. „Und jetzt?“, fragte sie grinsend und sah ihn mit ihren großen braunen Augen an.

Natürlich wusste er, was zu geschehen hatte, wenn Männer und Frauen das Lager teilten. Bereits in jungen Jahren hatte er einen Knecht und eine Magd beim Liebesspiel beobachtet, als sie sich heimlich am Fischweiher vergnügten. Später hatte er herausgefunden, dass sie sich regelmäßig dort unten trafen, und zugesehen, wie sie verschiedene Freuden teilten. Der Anblick der beiden hatte ihn zunächst erregt, später jedoch gelangweilt.

Als Lissy sich noch einmal zu ihm hinunterbeugte, um ihn zu küssen, warf er sie sanft von sich ab, nur um sie erneut, nun unter ihm liegend, regelrecht zu bezwingen. „Schade“, wisperte sie, „dass ich nicht länger die Führung übernehmen durfte.“

„Wer eine Waffe einsetzt“, scherzte er grinsend und zog ihr die Handgelenke über den Kopf, „sollte wissen, wie man sich ihrer bedient.“ Nun war sie ihm hilflos ausgeliefert, was sie sehr zu genießen schien und ihn nur noch wilder machte.

„Hast du den Spruch von Roland gelernt?“, fragte sie mit einem lasziven Augenaufschlag und reckte ihm demonstrativ ihren Busen entgegen. „Ich hoffe, er hat dir in Sachen Waffenkunde nicht noch mehr beigebracht. Ich traue dem alten Haudegen nämlich nicht. Jeder weiß, dass er mit Gräfin Margaretha in Sünde lebt.“

„Roland ist die treuste Seele, die du dir vorstellen kannst“, verteidigte Gero seinen Waffenmeister. „Im Übrigen benötige ich keine anderen Frauen, um auf abwegige Gedanken zu kommen. Du reichst mir vollkommen, um den Verstand zu verlieren.“ Er erhöhte den Druck auf ihre Handgelenke, um ihr zu zeigen, dass es wenigstens etwas gab, bei dem er Macht über sie hatte. Umgekehrt hielt sie gerade sein Herz in Händen und würde es auf der Stelle zerquetschen können, falls sie ihm ihre Liebe entzog.

Als sie leise kichernd zu protestieren begann, neigte er sich zu ihr hinunter und verschloss ihre Lippen mit einem weiteren Kuss. Auf den Ellbogen abgestützt, ließ er sich langsam auf sie herab und neckte mit seiner harten Spitze die zarten Falten ihrer Scham. Wieder und wieder schob er sich nur ganz sacht in sie ein. Lissy seufzte; es schien ihr zu gefallen, dass er immer tiefer in sie eindrang.

Gero wagte es, sich mit einer Hand von ihr zu lösen und sie zunächst zaghaft, doch dann immer gezielter zwischen ihren Schenkeln zu liebkosen. Lissy lag mit geschlossenen Lidern da, und aus ihrem halb geöffneten Mund war nur noch ein erregtes, spitzes Keuchen zu hören. Als er glaubte, dass sie bereit war, ihn vollkommen in sich aufzunehmen, spreizte er ihre Schenkel noch ein wenig mehr und verstärkte den Druck.

„Keine Angst“, flüsterte er zitternd vor Erregung. „Ich werde vorsichtig sein. Wenn du nicht mehr willst, sag Bescheid, dann höre ich auf.“ Ein wagemutiges Versprechen, von dem er längst nicht sicher war, ob er es auch einhalten konnte.

Elisabeth kniff die Lider zusammen, als ob sie eine größere Pein erwartete. „Tu es“, stieß sie hervor und legte ihre Arme um seinen Nacken.

„Was ist?“, fragte er halb ohnmächtig vor Lust. „Tu ich dir weh?“

„Nein“, hauchte sie beinahe empört. „Um des heiligen Christus willen mach weiter, es fühlt sich ganz wunderbar an.“

Als ihr kurz darauf ein entspanntes „Ah“ entwich, fühlte Gero sich erleichtert und ermutigt zugleich. Wie von selbst nahm er einen sanften, stoßenden Rhythmus auf und ließ sich dabei von ihrem leisen Stöhnen leiten.

Als sich Lissy nach einer Weile heftig zuckend aufbäumte, konnte Gero nicht anders, als die Zügel fahren zu lassen und sich ebenso heftig in ihr zu ergießen. Mit pochendem Herzen blieb er für einen Moment auf ihr liegen, in dem ehrlichen Glauben, soeben ins Paradies eingefahren zu sein.

„Es war so unglaublich“, flüsterte sie mit bebender Stimme an sein Ohr und bereitete ihm damit eine Gänsehaut „Ich liebe dich so sehr. Ich würde mir wünschen, wir könnten das, was wir gerade getan haben, Tag und Nacht wieder tun.“

Was für ein unglaubliches Kompliment! Gero spürte, wie ihm, von Stolz erfüllt, das Herz aufging. „Ich liebe dich auch“, stammelte er hilflos, unfähig, sich von ihr zu lösen.

„Ich würde gerne deine Frau sein, Gero“, gab sie mit zärtlicher Stimme zurück. „Für immer und ewig.“ Als ob sie dieses Bündnis besiegeln wollte, schloss sie ihre Schenkel um seine Hüften und bewegte sie so eindeutig, dass ihm gar nichts anderes übrigblieb, als noch einmal zu beginnen, doch diesmal weitaus wilder und besitzergreifender. Als sie vor Lust schrie, hielt er ihr geistesgegenwärtig den Mund zu, während er spürte, wie sie ein weiteres Mal unter ihm erbebte.

„Du wirst meine Frau sein“, versprach er ihr inbrünstig, als er sich von ihr rollte und nach seiner Bruche tastete, die er sich, nachdem er sie gefunden hatte, rasch über die Hüften zog. Dann half er Elisabeth hastig zurück in die Kleider. Schließlich hockten sie sprachlos da, Auge in Auge und mit geröteten Wangen, dabei reichlich verlegen, wie zwei soeben fürstlich beschenkte Kinder, die ihr Glück noch gar nicht fassen können.

„Ich schwöre dir, Lissy, bei meiner Ehre“, bekannte er feierlich und küsste sie zart. „Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um mit dir auf immer und ewig zusammenbleiben zu können.“

Kapitel IV

Am nächsten Tag musste er bereits nach dem Frühessen nach Waldenstein aufbrechen, und das Schlimmste dabei war, Lissy zum Abschied nicht küssen zu dürfen. Doch sie hatte ihm zuvor in aller Heimlichkeit etwas zugesteckt. Einen kleinen, zusammengefalteten Brief, der – wie sich später herausstellte – mit einem wunderbaren, handbemalten Liebesgedicht beschriftet war.

Für Gero, meine Sonne, meinen Mond, meinen Abendstern

Mein Herz hat Flügel,

siehst Du ein Vöglein am Himmel,

sollst Du wissen es fliegt zu Dir,

meine Liebe ist ein Windhauch,

wenn ein Säuseln durch Dein Haar streicht,

sollst Du wissen, sie ist bei Dir,

meine Sehnsucht ist ein Regen,

wenn die Tropfen auf Dein Gesicht herniederfallen,

sollst Du wissen, es sind die Tränen meiner Sehnsucht nach Dir.

In ewiger Liebe Elisabeth.

Sie konnte es unmöglich erst gestern geschrieben haben, weil die Tinte bereits vollkommen getrocknet war und es eine Menge Arbeit gekostet haben musste, so etwas Kunstvolles anzufertigen. Was bedeutete, dass sie sich bereits lange vorher Gedanken gemacht hatte, wie sie ihre tiefen Gefühle für ihn zu Papier bringen konnte. Etwas, das ihn all seinen Kummer über die Abreise vergessen ließ.

Nachdem er sich mit einer höfischen Verbeugung und einem angedeuteten Kuss von seiner Mutter verabschiedet hatte, salutierte Gero vor seinem Vater. Dabei setzte er eine möglichst grimmige Miene auf, die seine Bereitschaft, von nun an mit scharfen Waffen kämpfen zu wollen, eindrucksvoll unterstrich. Doch als er vor Lissy stand, um sie ein letztes Mal brüderlich in den Arm zu nehmen, zwinkerte er ihr zu und bedachte sie mit einem warmen Lächeln. Er würde schon bald zu ihr zurückkehren und sie heiraten, wenn er erst den Ritterschlag erhalten hatte. Aber bis dahin galt es, durchzuhalten und sich nicht zu verraten.

Kapitel V

Die Nacht war bereits hereingebrochen, als Gero und sein Bruder zusammen mit dessen Mannen Waldenstein nach einem scharfen Ritt ohne größere Pausen endlich erreichten. Vor dem modrig riechenden Wassergraben, der die Festung zum Schutz gegen Angreifer umgab, mussten sie haltmachen. In der dunklen Brühe des Grabens spiegelte sich das lodernde Feuer der Fackeln, die Gero und seine Begleiter während der letzten Stunde entzündet hatten. Ein kühler Wind zerrte an ihren Kleidern und den bunten Schabracken der Pferde. Obwohl die Burgwachen von ihrem Ausguck herab im Schein des Feuers erkennen konnten, wer da um Einlass begehrte, und man sie aller Wahrscheinlichkeit nach bereits erwartet hatte, ließen sie die Zugbrücke nur gegen ein Losungswort herunter. Die Blicke des diensthabenden Kommandeurs huschten währenddessen in stetiger Wachsamkeit über die Umgebung vor den Festungswällen. Um ihn herum stand eine schwerbewaffnete Truppe von wild aussehenden Burschen.

Geros Bruder rief dem Kommandanten den geforderten Satz zu, wobei er gegen den Wind ankämpfte und gegen das Geräusch der flatternden Banner auf den Brückenköpfen.

Danach dauerte es einen Moment, bis sich die spitzen Eisenzähne des schweren Gitters unter Einsatz eines von Eseln betriebenen Kettenrades in die Höhe kämpften. Sobald die Besucher samt ihrer Pferde wohlbehalten den weitläufigen Burghof erreicht hatten, wurde es mit einem lauten Rattern wieder zu Boden gelassen. Gero sah sich rasch um. Überall brannten Feuerkörbe und die wild im Wind flackernden Flammen belegten Wälle, Türme und Mauern mit einem gespenstischen Licht.

Einen ganzen Tag und die anbrechende Nacht hatte der Ritt von der Breydenburg ins benachbarte Dreiländereck zwischen Lothringen, Luxemburg und dem Erzbistum Trier gedauert, und nun waren Tiere wie Menschen erschöpft.

Trotz allem kam bei Gero Freude auf, als Roland von Briey, den man pflichtgemäß über die Ankunft der Gäste in Kenntnis gesetzt hatte, ihnen mit offenen Armen entgegeneilte.

„Habt ihr unbehelligt zu uns durchdringen können?“, fragte der Burgvogt, an Eberhard gerichtet, dem der Wind die hellblonden Haarsträhnen ins Gesicht blies.

„Ja, warum nicht?“, erwiderte der zukünftige Erbe der Breidenburg und sah sich bestätigend nach seiner finster dreinblickenden Wachmannschaft um.

„Seit ein paar Wochen gibt es in den Nachbarregionen Probleme mit einer Raubritterbrut“, erklärte ihm Roland und wies ein paar Stallburschen an, die Pferde der Besucher über den Burghof zu den Stallungen zu führen. Dann fuhr er fort: „Unter dem Zeichen eines schwarzen Eberkopfes auf blutrotem Grund überfallen sie Bauernhöfe. Sie stehlen das Vieh und töten die Bewohner. Manchmal verschleppen sie auch die Frauen, von denen keine bisher wieder aufgetaucht ist.“

Eberhard nickte wissend und stellte ein paar Vermutungen an, um wen es sich bei dem Angreifer handeln könnte. Doch Gero konnte nicht länger zuhören, weil im selben Moment Gräfin Margaretha auf dem Burghof erschien und ihm, in einen grünen Hausmantel gehüllt, freudig entgegenging. Gero wollte sich formvollendet verbeugen, doch sie umarmte und drückte ihn sogleich an ihre schlanke Gestalt.

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