Das Geheimnis von Ella und Micha - Jessica Sorensen - E-Book

Das Geheimnis von Ella und Micha E-Book

Jessica Sorensen

4,7
8,99 €

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Beschreibung

Jung, sexy und überraschend anders

Ella liebt Micha, und Micha liebt Ella – es könnte so einfach sein. Doch Ella will mit ihrem alten Leben, das es nicht immer gut mit ihr gemeint hat, endlich abschließen. Sie zieht in eine andere Stadt, beginnt mit dem College und will alles vergessen. Vor allem auch Micha. Doch die Vergangenheit lässt sie nicht los, und ihre Gefühle sind stärker als jede Vernunft…

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Seitenzahl: 350

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DAS BUCH

»Wenn Micha mich weiter so ansieht, löst sich meine Selbstbeherrschung endgültig auf. Micha hat die durchdringendsten Augen aller Zeiten, deren Farbe und Intensität dem Meer gleichen. Er flirtet mit mir, wie er es früher schon immer im Scherz machte – und ich spielte mit.

Aber dies hier ist irgendwie anders, heftiger und realer. Mir kommt es vor, als würde er mir sein Herz vor die Füße werfen, und so war er früher nie. Jedenfalls nicht bei mir. Ausgenommen an dem Tag, an dem ich fortging.«

DIE AUTORIN

Die Bestsellerautorin Jessica Sorensen hat bereits zahlreiche Romane verfasst. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in den Bergen von Wyoming. Wenn sie nicht schreibt, liest sie oder verbringt Zeit mit ihrer Familie.

jessicasorensensblog.blogspot.de

JESSICA SORENSEN

DAS GEHEIMNIS VON

ELLA & MICHA

Band 1

Roman

Aus dem Amerikanischen

von Sabine Schilasky

Wilhelm Heyne Verlag

München

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel

THE SECRET OF ELLA AND MICHA

Vollständige deutsche Taschenbuchausgabe 12/2013

Copyright © 2012 by Jessica Sorensen

Copyright © der deutschen Ausgabe

by Wilhelm Heyne Verlag,München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Umschlaggestaltung: t. mutzenbach design, München

Umschlagabbildung: © plainpicture/Lumiimages

Satz: KompetenzCenter, Mönchengladbach

ISBN: 978-3-641-12779-4

ELLA

Ob ich fliegen kann? So wie Wind und Regen mein Haar aufpeitschen, fühlt es sich fast an, als müsste ich bloß die Arme ausbreiten. Wenn ich den Mut aufbringe, von dieser Kante zu springen, könnte ich vielleicht mit kräftigen Schwingen in den Nachthimmel aufsteigen wie ein Vogel.

Und wer weiß? Vielleicht bin ich dann wieder bei ihr.

»Was machst du denn da?«, sagt Micha. Seine Stimme hört sich höher an als sonst. »Komm da runter. Du tust dir noch was.« Der Blick aus seinen wasserblauen Augen bohrt sich durch den Regen in mich, und seine Hände sind auf dem Trägerbalken über seinem Kopf. Er zögert noch, ob er rüberklettern soll.

»Bestimmt nicht«, antworte ich. »Ich glaube, ich kann fliegen. Genauso wie sie.«

»Deine Mom konnte nicht fliegen.« Er balanciert auf dem Geländer und sieht hinab zu dem schlammigen Wasser unter uns. »Was hast du eingeworfen?«

»Eine von ihren alten Pillen.« Ich lehne den Kopf nach hinten und bade mein Gesicht im Regen. »Ich wollte bloß mal sehen, wie es für sie war. Wieso sie gedacht hat, dass sie unbesiegbar ist.«

Er steigt runter auf den Träger, die Arme seitlich ausgestreckt. Seine klobigen Stiefel rutschen auf dem nassen Metall. Blitze zucken über unseren Köpfen, ehe sie zischend auf die Erde prallen.

»Deine Mutter war irre, aber das bist du nicht.« Er hält sich mit einer Hand an dem Stahlseil über uns fest und streckt die andere nach mir aus. »Jetzt komm hier rüber. Du machst mir eine Riesenangst.«

»Ich glaube, ich kann nicht«, antworte ich leise und drehe mich zu ihm um. »Nein, ich denke eher, ich will nicht.«

Er wagt sich einen Schritt näher und blinzelt hektisch durch den strömenden Regen. »Doch, willst du. Du bist ja wohl stärker als eine dämliche Pille.« Seine Hand winkt mich heran. »Bitte, komm einfach hier rüber.«

Als ich runter zum schwarzen Wasser schaue, fange ich an zu schwanken.

»Verdammt noch mal, Ella!«, schreit Micha streng. Seine Muskeln sind angespannt. »Gib mir deine Hand!«

Auf einmal erwache ich aus meiner Trance, und ich schlinge meine Finger um seine. Seine andere Hand packt mich an der Taille, und rasch führt er uns zurück zu dem Geländer. Er hebt mich einfach darüber, sodass ich wieder auf dem Betonboden der Brücke stehe, der voller kleiner und großer Pfützen ist. Die Lichter an den Brückenbögen beleuchten die Nacht. Michas Auto parkt mitten auf der Fahrbahn, mit laufendem Motor, offener Fahrertür und eingeschalteten Scheinwerfern.

Er springt über das Geländer, und dann sind seine Arme um mich, halten mich fest, als würde er nicht wagen, mich loszulassen. Eine Sekunde lang fühlt es sich okay an, schwerelos und frei. Ich drücke mein Gesicht gegen seine Brust. Der nasse Stoff kommt mir warm vor, weil meine Haut so kalt ist. Sein Geruch trägt mich dahin, wo ich so gerne wieder hinmöchte – in meine Kindheit. Da war alles noch unkompliziert, denn ich war viel zu naiv, um zu verstehen, wie das Leben wirklich war.

Micha weicht zurück und streicht mir das nasse Haar aus dem Gesicht. »Mach das nie wieder mit mir. Ich schaffe es nicht ohne dich.«

Aber er muss sein Leben selbst im Griff haben und darf nicht denken, dass er mich braucht. Ich weiß ja gar nicht, wie lange ich durchhalte, ohne zu ertrinken.

»Micha, ich …« Bei seinem Blick verstumme ich.

Er weiß, was ich sagen will – das weiß er immer. Micha ist mein bester Freund, mein Seelenverwandter. In einer idealen Welt voller Rosen und Sonnenschein wären wir zusammen. Doch diese Welt ist voll von kaputten Familien, besoffenen Vätern und Müttern, die zu schnell aufgeben.

»Tut mir leid.« Ich klammere mich an ihn, als ich ihm Lebwohl sage. »Ich wollte nicht mehr denken. Es war einfach zu viel, und meine Gedanken wollten nicht langsamer werden. Aber jetzt ist es in Ordnung. Ich kann wieder klar denken.«

Er legt die Hände an meine Wangen, und seine Daumen fühlen sich heiß an, als sie sanft über meine Wangenknochen streichen. »Das nächste Mal kommst du zu mir und läufst nicht gleich weg. Bitte. Ich weiß, dass es im Moment ziemlich hart ist, aber es wird besser. Wir haben bis jetzt noch jeden Mist überstanden.« Wassertropfen perlen von seinen Lidern, rinnen über seine Wangen und die vollen Lippen. Etwas an der Luft verändert sich, wie ich es schon lange kommen gespürt habe.

Er öffnet den Mund. »Ella, ich liebe …«

Hastig presse ich meine Lippen auf seine, damit er still ist, und dränge mich dicht an ihn. Ich erlaube ihm, meine Zunge mit seiner zu streicheln, lasse ihn den Regen von meiner Unterlippe saugen und mich schmecken. Wir sind ungeduldig, können gar nicht genug bekommen, und die Hitze, die aus unseren durchnässten Sachen strömt, wärmt mich. Ich könnte ewig so weitermachen, aber das wäre falsch.

Das Mädchen, von dem er denkt, dass er es liebt, muss verschwinden. Ich will nicht, dass diese Nacht nicht rückgängig zu machen ist, deshalb löse ich mich von ihm, wobei ich seinen Geruch noch ein letztes Mal einatme. Danach gehe ich weg, lasse ihn im Regen auf der Brücke stehen, zusammen mit der alten Ella.

Kapitel 1

8 Monate später …

ELLA

Ich hasse Spiegel. Nicht weil ich mein Spiegelbild hasse oder unter Eisoptrophobie leiden würde. Spiegel sehen direkt durch meine Fassade hindurch. Sie wissen, wer ich früher war: ein lautes, unbekümmertes Mädchen, das der Welt zeigte, was es fühlte. Bei mir gab es keine Geheimnisse.

Heute aber sind es die Geheimnisse, die mich definieren.

Würde ein Spiegelbild nur das zeigen, was außen ist, wäre es okay. Mein langes rotbraunes Haar passt gut zu meinem blassen Teint. Meine Beine sind extrem lang, und mit hohen Absätzen bin ich größer als die meisten Jungen, die ich kenne. Doch das alles stört mich nicht. Es ist das tief drinnen, was mir Angst macht, denn es ist kaputt wie ein gesprungener Spiegel.

Ich klebe eine meiner alten Skizzen über den Spiegel an der Wohnheimwand. Er ist fast vollständig von Zeichnungen bedeckt und verbirgt so alles von mir außer meinen grünen Augen, die von unendlichem Schmerz und Geheimnissen trübe sind.

Ich knote mein Haar zu einem unordentlichen Dutt und lege meine Kohlestifte in einen Kasten auf meinem Bett, wo ich sie zu den anderen Malsachen packe.

Lila kommt mit einem fröhlichen Lächeln und einem Drink in der Hand ins Zimmer gehüpft. »O mein Gott! O mein Gott! Bin ich froh, dass es vorbei ist!«

Ich nehme eine Rolle Paketband von der Kommode. »O mein Gott! O mein Gott«, mache ich sie scherzhaft nach. »Was trinkst du?«

Sie neigt mir ihre Tasse entgegen und zwinkert. »Saft, natürlich. Ehrlich, ich bin richtig froh, Ferien zu haben. Auch wenn das heißt, dass ich nach Hause muss.« Sie streicht sich das Haar hinters Ohr und wirft einen Make-up-Beutel in ihre Handtasche. »Hast du mein Parfüm gesehen?«

Ich zeige auf die Kartons auf ihrem Bett. »Ich glaube, du hast es in einen von denen gepackt. In welchen, weiß ich aber nicht mehr. Du hast sie nicht beschriftet.«

Sie zieht eine Grimasse. »Kann ja nicht jeder von uns so ein Ordnungsfreak sein. Echt, Ella, manchmal glaube ich, du bist eine Zwangsneurotikerin.«

Ich schreibe »Zeichenmaterial« in sauberen Druckbuchstaben auf die Schachtel und klicke die Kappe auf den Edding. »Ach du Schande, du hast mich durchschaut!«, scherze ich.

»Verflucht.« Sie beschnuppert sich. »Ich brauche es dringend. Bei dieser Hitze fange ich an, nach Schweiß zu stinken.« Sie zupft einige Fotos von ihrem Kommodenspiegel und wirft sie in einen offenen Karton. »Ich schwöre, draußen sind es an die fünfundvierzig Grad.«

»Ich glaube, es ist sogar noch heißer.« Ich stopfe meine Arbeiten, allesamt Einsen, in den Papierkorb. In der Highschool war ich eine Dreierschülerin und hatte eigentlich gar nicht vorgehabt, aufs College zu gehen. Aber das Leben verändert sich – Menschen verändern sich.

Lila sieht stirnrunzelnd meinen Spiegel an. »Dir ist schon klar, dass wir im Herbst nicht wieder in dieses Zimmer ziehen, oder? Wenn du die Bilder nicht abnimmst, schmeißt sie die nächste Bewohnerin weg.«

Es sind nur ein Haufen Kritzeleien: Skizzen von ängstlichen Augen, schwarze Rosen in einem Bett aus Dornen, mein Name mit irgendwelchen Mustern verwoben. Die Zeichnungen sind egal, bis auf eine: die Skizze von einem alten Freund, der Gitarre spielt. Die ziehe ich vorsichtig ab, damit die Ecken nicht einreißen.

»Ich lasse sie für die Nächsten hier«, sage ich und grinse. »Die bekommen dann ein fertig dekoriertes Zimmer.«

»Na, ich schätze, die Nächsten wollen tatsächlich in den Spiegel schauen.« Sie faltet eine rosa Bluse zusammen. »Ich habe sowieso nie verstanden, wieso du den Spiegel verhängt hast. Du bist ja nicht hässlich oder so, El.«

»Darum geht es nicht.« Ich betrachte die Zeichnung, die Michas intensiven Blick genau einfängt.

Lila reißt mir das Bild aus der Hand, sodass die Ränder ein bisschen zerknickt werden. »Irgendwann mal musst du mir verraten, wer dieser Traumtyp ist.«

»Jemand, den ich von früher kenne.« Ich nehme ihr die Skizze wieder weg. »Aber wir reden nicht mehr miteinander.«

»Wie heißt er?« Sie stellt einen Karton an die Tür.

Ich lege die Zeichnung in die Schachtel mit dem Zeichenmaterial und klebe den Deckel zu. »Warum?«

Sie zuckt mit den Schultern. »Nur so.«

»Er heißt Micha.« Es ist das erste Mal, dass ich seinen Namen laut ausspreche, seit ich von zu Hause fort bin. Und er steckt mir wie ein Stein in der Kehle. »Micha Scott.«

Lila sieht mir über die Schulter, während sie den Rest ihrer Kleidung in einen Karton stapelt. »In dem Bild ist eine Menge Leidenschaft. Ich glaube nicht, dass er bloß irgendein Junge ist. Warst du mal mit ihm zusammen oder so was?«

Ich lasse die Reisetasche mit meinen Klamotten neben der Tür fallen. »Nein, wir waren nie zusammen.«

Sie sieht mich ungläubig an. »Aber ihr wart kurz davor, stimmt’s?«

»Nein. Ich habe doch gesagt, dass wir nur Freunde waren.« Weil ich nicht wollte, dass wir mehr waren. Micha hat zu viel von mir gewusst, und ich bekam Angst, er könnte alles erkennen.

Lila bindet ihr Haar zu einem Pferdeschwanz und befächelt sich das Gesicht. »Micha ist ein interessanter Name. Ich glaube, dass der Name richtig viel über jemanden sagt.« Sie tippt sich nachdenklich mit den manikürten Fingern ans Kinn. »Ich wette, er ist süß.«

»Das wettest du bei jedem«, erwidere ich und stecke mein Make-up in einen Beutel.

Sie grinst, obwohl ihre Augen traurig dreinblicken. »Ja, kann sein.« Sie seufzt. »Bekomme ich diesen geheimnisvollen Micha, über den du die acht Monate, die wir in einem Zimmer zusammengewohnt haben, nicht reden wolltest, wenigstens zu sehen, wenn ich dich bei dir zu Hause absetze?«

»Hoffentlich nicht«, antworte ich leise, und Lila ist enttäuscht. »Tut mir leid, aber Micha und ich … Wir haben uns nicht direkt im Guten getrennt, und ich habe seit August nicht mehr mit ihm geredet.« Micha weiß nicht mal, wo ich bin.

Sie hievt eine randvoll gestopfte rosa Reisetasche über ihre Schulter. »Das klingt nach einer spannenden Geschichte für unsere zwölfstündige Fahrt nach Hause.«

»Nach Hause …« Ich sehe mich mit großen Augen in dem leeren Zimmer um, das die letzten acht Monate mein Zuhause gewesen ist. Ich bin nicht bereit, zurückzufahren und alle wiederzusehen, die ich im Stich gelassen habe. Vor allem nicht Micha. Er durchschaut mich besser als ein Spiegel.

»Alles okay?«, fragt Lila besorgt.

Ich verziehe die Lippen zu einem verkrampften Lächeln, packe meine Panik in einen Karton tief in meinem Herzen. »Super. Lass uns losgehen.«

Wir gehen mit unseren letzten Kartons in den Händen nach draußen. Dabei klopfe ich meine Taschen ab und merke, dass ich mein Mobiltelefon vergessen habe.

»Warte. Ich glaube, ich habe mein Handy nicht.« Ich stelle den Karton ab, laufe zurück zum Zimmer und sehe neben dem Müllsack, zwischen einigen leeren Plastikbechern auf dem Bett und vor dem Spiegel nach. »Wo steckt es?« Ich suche unter dem Bett und im Wandschrank.

Die leisen Töne von Pinks »Funhouse« erklingen unter dem Müllsack – mein Klingelton für »unbekannter Anrufer«. Ich hebe den Plastiksack hoch, und da liegt mein Handy mit leuchtendem Display. Als ich es aufhebe, bleibt mir das Herz stehen. Das ist keine unbekannte Nummer, sondern eine, die ich nie eingespeichert habe, nachdem ich den Anbieter wechselte.

»Micha.« Meine Hände zittern. Ich kann den Anruf nicht annehmen, das Handy aber auch nicht ausstellen.

»Willst du nicht rangehen?«, fragt Lila, die ins Zimmer tritt und mich verwundert ansieht. »Was ist? Du wirkst, als hättest du gerade einen Geist gesehen oder so.«

Das Klingeln hört auf, und ich stecke das Handy in die Gesäßtasche meiner Shorts. »Wir müssen jetzt los. Es ist eine weite Tour.«

Lila salutiert vor mir. »Jawohl, Ma’am.«

Dann hakt sie sich bei mir ein, und wir gehen raus zum Parkplatz. Als wir beim Wagen sind, piept mein Handy.

Mailboxnachricht.

MICHA

»Wieso müssen so viele Frauen Ella Daniels heißen?«, stöhnt Ethan vom Schreibtischstuhl aus. Seine Beine liegen schräg auf dem Tisch, während er sich träge durchs Internet scrollt. »Die Liste ist ganz schön lang, Alter. Ich kann schon gar nicht mehr richtig sehen.« Er reibt sich die Augen. »Darf ich mal eine Pause machen?«

Kopfschüttelnd laufe ich weiter im Zimmer auf und ab, das Handy an meinem Ohr, und kicke Klamotten und anderen Kram auf dem Boden zur Seite. Ich hänge in der Warteschleife der Verwaltung der Indiana University und warte auf Antworten, die sie mir wahrscheinlich nicht geben können. Aber versuchen muss ich es. Ich versuche es schon seit dem Tag, an dem Ella aus meinem Leben verschwunden ist – dem Tag, an dem ich mir schwor, dass ich sie finde, egal wie.

»Bist du sicher, dass ihr Dad nicht weiß, wo sie ist?« Ethan legt den Kopf gegen die obere Lehne des Stuhls. »Ich wette, der alte Mann weiß mehr, als er erzählt.«

»Falls ja, verrät er es mir nicht«, antworte ich. »Oder er hat es gewusst, und es ist irgendwo in seinem Schrotthirn versackt.«

Ethan dreht sich mit dem Stuhl um. »Hast du mal daran gedacht, dass sie vielleicht nicht gefunden werden will?«

»Jeden Tag. Und deshalb will ich sie erst recht finden.«

Ethan konzentriert sich wieder auf den Computer und sucht weiter die endlosen Reihen von »Ella Daniels« im Land durch. Ich bin mir allerdings nicht mal sicher, dass sie noch im Land ist.

Die Sekretärin meldet sich wieder und sagt, was ich mir bereits gedacht habe: Diese Frau ist nicht die Ella Daniels, die ich suche.

Ich beende das Gespräch und werfe das Handy aufs Bett. »Verdammt!«

Ethan sieht sich zu mir um. »Kein Glück?«

Ich hocke mich auf mein Bett und stütze den Kopf in die Hände. »Wieder eine Sackgasse.«

»Hör mal, ich verstehe ja, dass du sie vermisst und so«, sagt er, während er auf die Tastatur eintippt, »aber reiß dich mal zusammen, ja? Von dem ganzen Gejaule habe ich schon Kopfschmerzen.«

Er hat recht. Ich schüttele mein Selbstmitleid ab, nehme meinen schwarzen Kapuzenpulli und steige in ein Paar schwarze Stiefel. »Ich muss runter zum Laden, was abholen. Bleibst du hier, oder willst du mitkommen?«

Ethan lässt seine Füße auf den Teppich knallen und stemmt sich vom Schreibtisch ab. »Ja, aber können wir bei mir vorbeifahren? Ich brauche noch meine Drums für die Probe heute Abend. Bist du dabei, oder streikst du immer noch?«

Nachdem ich mir die Kapuze über den Kopf gezogen habe, gehe ich zur Tür. »Nein, ich habe heute Abend schon was vor.«

»Schwachsinn.« Er streckt eine Hand aus, um den Computer auszuschalten. »Jeder weiß, dass du nur wegen Ella nicht mehr spielst. Hör endlich auf, so ein Weichei zu sein, und komm drüber weg.«

»Ich glaube, ich …« Ich schlage seine Hand vom Power-Knopf des Computers weg und blinzele zu dem Bild eines Mädchens auf dem Monitor. Sie hat dieselben grünen Augen und dasselbe lange rotbraune Haar wie Ella. Allerdings trägt sie ein Kleid und keinen dicken schwarzen Eyeliner. Außerdem hat sie diesen gekünstelten Ausdruck, als würde sie fröhlich tun. Die Ella, die ich kannte, hat nie so getan als ob.

Trotzdem muss sie es sein.

»Alter, was ist denn jetzt?«, jammert Ethan, als ich das Handy von meinem Bett hole. »Ich dachte, wir lassen es für heute gut sein.«

Ich tippe auf den Bildschirm und rufe die Auskunft an. »Ich hätte gerne die Nummer von Ella Daniels in Las Vegas, Nevada.« Ängstlich warte ich, denn ich befürchte, dass sie nicht eingetragen ist.

»Sie ist also unten in Vegas.« Ethan betrachtet das Foto von Ella, die neben einem blonden Mädchen mit blauen Augen vor dem UNLV-Campus steht. »Sieht schräg aus, aber nicht schlecht. Die neben ihr auch nicht.«

»Ja, aber die ist nicht mein Typ.«

»Mein Typ ist jede. Und die hier könnte eine Stripperin sein, womit sie definitiv mein Typ wäre.«

Die Vermittlung gibt mir einige Nummern, von denen eine einer Ella Daniels gehört, die auf dem Campus wohnt. Ich wähle die Nummer und gehe in den Flur, um ungestört zu sein. Es klingelt und klingelt und klingelt, dann meldet sich Ellas Stimme auf der Mailbox. Sie hört sich genau wie früher an, bloß ein wenig verkrampft, als wolle sie glücklich klingen, was allerdings nicht so recht gelingt.

Als es piept, hole ich tief Luft und schütte der Mailbox mein Herz aus.

Kapitel 2

ELLA

»Ich schwöre dir, wenn wir nicht bald ein Klo finden, pinkel ich mir in die Hose!« Lila wippt auf dem Fahrersitz auf und ab. Die Klimaanlage läuft auf höchster Stufe, und »Shake it Out« von Florence + The Machine dröhnt aus den Boxen. Vor uns erstreckt sich ein langes Stück Highway, schlängelt sich über die von Bäumen und Salbeibüschen bewachsenen Hügel. Alles liegt im blassrosa Schein des Sonnenuntergangs.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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