Das Grauen geht weiter! - Markus Samnee - E-Book

Das Grauen geht weiter! E-Book

Markus Samnee

0,0

Beschreibung

Nun habt ihr (zumindest wenn ihr mein erstes Taschenbuch: „Wie alles begann!“ gelesen habt) erlebt, wie ich, Mike Fuhrmann, als ursprünglich normaler Beamter, angestellt beim Bundeskriminalamt, dazu kam, mich mit Fällen zu beschäftigen, die in den Bereich Mystik, Horror und unerklärliches fallen. Hier sind nun die Fälle 6-10, die euch hoffentlich abermals für mehrere Stunden in ihren Bann ziehen. Also viel Spaß und vor allem viel Spannung beim Lesen!

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 521

Veröffentlichungsjahr: 2016

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.


Ähnliche


Über dieses Buch:

Nun habt ihr (zumindest wenn ihr mein erstes Taschenbuch: „Wie alles begann!“ gelesen habt) erlebt, wie ich, Mike Fuhrmann, als ursprünglich normaler Beamter, angestellt beim Bundeskriminalamt, dazu kam, mich mit Fällen zu beschäftigen, die in den Bereich Mystik, Horror und unerklärliches fallen. Hier sind nun die Fälle 6-10, die euch hoffentlich abermals für mehrere Stunden in ihren Bann ziehen. Also viel Spaß und vor allem viel Spannung beim Lesen!

Der Autor:

Mike Fuhrmann ist, wie sich sicher die meisten von euch schon gedacht haben, ein Pseudonym.

Der Autor der Geschichten meidet die Öffentlichkeit und ist ein wenig scheu. Ansonsten aber ein klasse Kerl, mit dem man Pferde stehlen kann. Glaubt mir, ich muss es schließlich wissen^^

Ich bin inzwischen etwas über 40 Jahre alt, Sternzeichen Löwe, geschieden und habe zwei Kinder, die ich über alles in der Welt liebe. Mein Lebensweg begann in der Nähe von Bielefeld, führte mich dann westlich, in die Umgebung von Köln, dann sogar für ein ganzes Jahrzehnt in das benachbarte Ausland, und schließlich, vor über einem weiteren Jahrzehnt, wieder zurück nach Deutschland, wo ich auch jetzt noch in der unmittelbaren Umgebung des Wohnorts meines Titelhelden lebe.

Romane, b.z.w. Bücher schreibe ich jetzt seit etwa zwei Jahren.

Inhaltsverzeichnis:

Zombieterror in Bayern

Das höllische Geheimnis des Kreuzes

Der Schlächter aus Syrien

Das Ungeheuer in dir

Universität des Grauens

Ghosthunter Mike F.-Zombieterror in Bayern

Kapitel1

Der Tag war herrlich gewesen. Weit über dreißig Grad im Schatten und strahlender Sonnenschein hatten an diesem Samstag im Sommermonat August sicherlich wieder viele Menschen im Lande in die Freibäder oder an die entsprechenden Badeseen gelockt und sie dort ihre Freizeit verbringen lassen.

Helmut Haberlicht war leider nicht dazu gekommen. Als Inhaber und auch einziger Arbeiter einer kleinen Schreinerei in einem noch kleineren Ort in Niederbayern, hatte er den Großteil des Tages in seinem Betrieb verbracht, dort einige Stunden an der Drehbank geschwitzt und sich dann gegen Mittag dazu entschlossen, nur noch etwas Papierkram zu erledigen, da die Hitze einfach zu groß geworden war.

Mit seinen mittlerweile sechsundfünfzig Jahren merkte er an solchen Tagen doch, das ihm das Wetter mehr zu schaffen machte, als zehn Jahre zuvor. Trotzdem würde er den Betrieb noch so lange wie möglich führen. Vor allem, da noch nicht sicher feststand, ob sein Sohn denn nach Helmut den Betrieb überhaupt übernehmen würde. Dieser war nach dem Tod der Mutter vor zwölf Jahren in die Eifel gezogen und arbeitete dort zwar ebenfalls als Schreiner, allerdings als Angestellter in einem Mittelständischen Betrieb. Da er inzwischen selber eine kleine Familie dort besaß und Helmut's Betrieb in den letzten Jahren auch immer weniger Umsatz machte, war es einfach noch mehr als unsicher, das der Sohn zurück kommen und den Betrieb weiterführen würde.

Er versuchte die trüben Gedanken zu verdrängen, schaute in den herrlichen Abendhimmel und genoss die mittlerweile angenehme Wärme. Der Papierkram hatte ihn doch länger aufgehalten, als eigentlich gewollt, so das Helmut erst um siebzehn Uhr in den Feierabend gegangen war. Nachdem er in der örtlichen Wirtschaft gut und relativ preiswert gegessen hatte, war er spontan ein wenig spazieren gegangen und stellte beim Blick auf die Armbanduhr fest, das es inzwischen auf einundzwanzig Uhr zu ging.

Sein Blick schweifte über die hügelige Landschaft und nochmals hoch zum Himmel. Die Dämmerung war zwar schon fortgeschritten, doch hier oben auf der relativ freien Fläche auf der er sich momentan befand, war das Licht noch mehr als ausreichend. Allerdings hatte er zurück hinunter zum Ort doch noch eine gehörige Strecke vor sich und spätestens wenn er den dichten Wald durchquerte, der sich zwischen seinem Standort und dem Ziel befand, würden sich die Sichtverhältnisse drastisch verändern. Darum machte er sich etwas zügiger als bisher auf den Weg zurück.

Hier oben konnte man noch stundenlang spazieren, ohne das einem eine Menschenseele begegnete. Auch jetzt entdeckte Helmut keine weiteren Spaziergänger oder Wanderer in seiner Umgebung. Wahrscheinlich war es den meisten Menschen heute ohnehin zu warm gewesen, um sich auf diese Art und Weise zu beschäftigen. Der kleine See in Ortsnähe würde an diesem Tage sicherlich wesentlich mehr Anklang gefunden haben und wahrscheinlich saßen dort auch um diese Uhrzeit noch viele Einheimische wie auch Touristen um den Tag dort ausklingen zu lassen.

Mittlerweile waren die ersten Ausläufer des großen und dicht bewachsenen Waldstückes erreicht. Wie er es sich schon dachte, wurde das Licht durch die Bäume auch gleich schlechter, obwohl es noch reichte um den Weg gut zu erkennen. Dies würde sich aber nach wenigen hundert Metern ändern, denn dann standen die Bäume noch dichter. Helmut kannte die Gegend allerdings sehr genau und obwohl es im dichten Wald selbst Tagsüber nie richtig hell wurde, traute er sich durchaus zu, auch jetzt seinen Weg ohne größere Schwierigkeiten zu finden.

Im Wald war es still. Keine Geräusche drangen an seine Ohren, außer ab und an ein knacken von brechendem Holz, zwar weit entfernt, doch einem ängstlichen Menschen konnte dies doch Schauer über den Rücken treiben. Vor allem verbunden mit dem schummrigen Licht, das nun, je weiter Helmut in den Wald hinein schritt, stets dunkler wurde. Beinahe schon zwangsläufig vielen Helmut wieder die Vorfälle der jüngsten Vergangenheit ein, von denen man hinter vorgehaltener Hand im Ort sprach.

In den letzten Tagen waren zwei Leichen gefunden worden. Zwar nicht im Ort, doch in der Umgebung und nur wenige Kilometer entfernt. Die Zeitungen hatten nicht großartig berichtet, um die vielen Touristen, die auch jetzt im Sommer in die Region kamen, um zu Wandern und die frische, klare Luft zu genießen nicht zu erschrecken. Die Einheimischen aber wussten Bescheid, denn so etwas konnte man hier, wo praktisch jeder jeden kennt, nicht geheim halten. So hatte auch Helmut von den Funden gehört und auch erfahren, das die Toten wohl schrecklich zugerichtet gewesen sein mussten. Von tiefen Wunden bis hin zu abgerissenen Gliedmaßen war da die Rede gewesen. Ihm schauderte bei dem Gedanken daran und auch das die Polizei bisher weder eine Spur gefunden, noch überhaupt eine Idee hatte, was den Toten passiert war, trug nicht gerade dazu bei, das Helmut sich wohler fühlte.

Seine Schritte wurden bei diesen Gedanken unweigerlich zögerlicher und die Sichtverhältnisse waren inzwischen so schlecht, das er nur noch mit Mühe den schmalen Pfad erkennen konnte, dem er folgen musste um den Wald wieder zu verlassen. Dies würde ohnehin noch mindestens zwanzig bis dreißig Minuten dauern, da er sich jetzt etwa in der Mitte des Waldgebietes aufhielt.

Danach ging der Wald dann in Wildwiesen über, bevor man nach weiteren zwei Kilometern endlich den Ortsrand erreicht hatte.

Immer häufiger schaute Helmut sich um und schalt sich dann jedes mal selbst einen Narren, wenn er nichts und niemanden entdeckte, der ihm folgte. Mach dich nicht verrückt, es versteckt sich ganz sicher kein verrückter Mörder hinter den Bäumen, dachte er bei sich. Doch so richtig beruhigen konnte er seine Nerven damit nicht. Die Gänsehaut lag weiterhin auf seinem Rücken und so beschleunigte er seinen Schritt wieder, um möglichst schnell den finsteren und mittlerweile auf ihn unheimlich wirkenden Wald hinter sich zu lassen.

Da plötzlich hörte er das laute brechen eines Astes, wie es schien, nicht all zu weit hinter sich. Ohne seinen Gang zu stoppen, drehte er seinen Kopf nach hinten. Erkennen konnte er nicht viel, dazu war es einfach schon zu dunkel hier zwischen den dicht wachsenden Bäumen. Allerdings reichte das Licht noch aus, um die Gestalt zu sehen, die hinter ihm her schritt. Der Unbekannte musste hinter einem der Bäume gelauert haben, schließlich hatte Helmut sich mehrmals umgeschaut und vorher keine andere Person entdeckt. Nun war der andere da und folgte ihm, das er nichts gutes im Sinn haben würde, war ihm sofort klar. Groß war die Gestalt und wuchtig, mehr war nicht zu erkennen, was sich aber ändern würde, wenn Helmut nichts unternahm, denn der andere bewegte seine Beine schneller als er selber, wobei es irgendwie seltsam aussah, wie der andere ging. Irgendwie waren seine Bewegungen steif und stockend. Trotzdem spürte Helmut sehr deutlich das unheimliche, welches von dem anderen ausging.

Um den Abstand nicht kleiner werden zu lassen, ging er nun noch schneller als ohnehin schon. Dieses Tempo konnte schon als lockerer Dauerlauf bezeichnet werden, und Helmut merkte, wie ihm schon jetzt der Schweiß den Kopf herunter rann. Kurz nur drehte er den Kopf nach hinten, denn bei diesem Tempo musste er sich auf den Weg konzentrieren um nicht zu stürzen, denn überall standen Wurzeln hoch oder befanden sich andere Stolperfallen, die schnell zum Sturz hätten führen können. Beim Blick zurück stellte er fest, das sich die Distanz zwischen ihnen wenigstens nicht weiter verringerte, allerdings war Helmut sich nicht sicher, ob er dieses Tempo auch noch bis zum Ort würde halten können. So lange musste er aber noch durchhalten, wenn der andere nicht vorher aufgab, was er aber nicht glaubte.

Im Ort war Hilfe, andere Menschen, die sich auch zu dieser späten Stunde noch draußen aufhalten würden, doch bis dahin war es noch eine kleine Ewigkeit. Zumindest kam es Helmut in diesem Moment so vor. Und so lief er weiter durch den dunklen Wald, den Blick dabei auf den Weg gerichtet, um auf gar keinen Fall zu stolpern oder gar zu fallen, denn das würde wohl fatale Folgen für ihn haben.

Immer wieder wischten Bilder von grausam zugerichteten Leichen durch seinen Kopf und sorgten für neuerliche Schauer, die über seinen Körper liefen. So wollte er auf keinen Fall enden. So durfte es nicht enden. Und doch spürte er bereits die Atemnot und leichte Stiche in der Brust, so das er genau wusste, das er dieses Tempo nicht mehr lange aushalten würde. Noch einmal schaute er kurz zurück, in der Hoffnung, trotz dieses dunklen Dämmerlicht erkennen zu können, ob sich der Abstand zu seinem Verfolger geändert hatte.

Doch der Augenblick war einfach zu kurz, um dies genau sagen zu können. Allerdings durch fuhr ihn ein heißer Schock, als er den Kopf wieder drehte und nach vorne sah! Direkt vor ihm stand eine weitere Gestalt! Woher diese zweite Person so plötzlich gekommen war konnte Helmut nur erahnen. Höchstwahrscheinlich hatte sie hinter dem dicken Baumstamm gelauert, auf den er zu lief. Doch das war zweitrangig. Viel wichtiger war die Faust, die auf sein Gesicht zielte. Der Abstand war viel zu kurz um noch in irgend einer Weise zu reagieren und so spürte er schon einen Sekundenbruchteil später den Aufschlag. Genau auf die Nase traf ihn die Faust und Helmut hatte das Gefühl als wäre er gegen eine Betonwand gelaufen. Sofort explodierten die Sterne in seinem Kopf und die heftigen Schmerzen nahm er erst wahr, als er bereits auf dem Boden lag.

Seine Nase blutete, doch nicht nur dort schmerzte es. Durch den Sturz hatte er sich an mehreren Stellen die Haut auf gescheuert und sein gesamter Körper bestand nur aus Schmerz, den er aber versuchte zu unterdrücken so gut es ging, denn ihm war klar, das er so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommen musste, um den beiden Gestalten eventuell doch noch entkommen zu können. Noch lag er auf dem Bauch, doch dies änderte er mit einer schnellen Drehung, um sich danach wieder auf zu richten. Bis auf den Rücken kam Helmut noch, doch dann fror sein Körper praktisch ein. Er konnte nun sehen was um und über ihm geschah und das war einfach nur grauenhaft. Zwei Gestalten um standen ihn und starrten auf ihn herab.

Trotz der bescheidenen Lichtverhältnisse war zu erkennen, das es ein Mann und eine Frau waren, die einfach schlimm aussahen. Die Haut grau und übersät mit Pusteln, blutunterlaufene Augen und als der Mann den Arm nach Helmut ausstreckte, sah er sehr deutlich die etwa Feuerzeug große Stelle am Arm, wo die Haut einfach fehlte und die darunter liegenden Adern und das Fleisch zu erkennen waren. Er glaubte sogar, das sich etwas in dieser Wunde bewegte, das aussah wie eine Made. Als die Pranke ihn am Kragen packte, um ihn hoch zu ziehen, war er unfähig etwas dagegen zu unternehmen. Zu groß war der Schock und der Ekel und in diesem Moment schoss Helmut ein Gedanke durch den Kopf: Zombies! Das sind Zombies! Dachte er immer wieder und ihm wurde genau in diesem Augenblick klar, das heute der letzte Tag in seinem Leben war.

Dies alles geschah in wenigen kurzen Augenblicken.

Genau der Zeit, die der Zombie brauchte, um Helmut

etwa bis auf Bauchhöhe hoch zu ziehen. Dann raste auch

schon die andere Hand, zur Faust geballt, auf seinen Kopf

zu und traf ihn auf der Stirn. In Helmut's Kopf

explodierten wieder Sterne und neuerlich rasten

schreckliche Schmerzen durch seinen Körper, als die

Faust auch schon zum nächsten mal traf. Auch der Schlag

erwischte ihn wieder an der Schädeldecke und, man

musste wohl sagen; zu seinem Glück, beförderte ihn in die

Bewusstlosigkeit. So bekam er die weiteren, brutalen

Schläge, die auf ihn ein prasselten zumindest nicht mehr

mit. Auch als der Zombie ihn wieder losließ und sein

Körper zurück auf den Waldboden glitt war Helmut noch

bewusstlos oder aber durch die wuchtigen und brutalen

Schläge der beiden Zombies bereits Tod. Spätestens aber

jetzt, als einer der Zombies seinen linken Arm und der

andere seinen rechten Arm nahmen und so lange daran

zogen, bis der rechte Arm einfach aus riss und der Zombie

ihn danach einfach fort schleuderte, lebte Helmut

Haberlicht nicht mehr. So waren die Zombies ungestört

bei ihrem weiteren tun und keiner hörte die schrecklichen

Geräusche wie das grunzen und schmatzen, das an

diesem herrlichen Sommerabend durch den dunklen und

verlassenen Wald schallte.

Kapitel2

Ich saß im Auto und war erst vor kurzem von der Autobahn ab gefahren. Da wir am heutigen Tag wie auch schon in den vergangenen Tagen, herrlichen Sonnenschein und mehr als dreißig Grad hatten, waren die Autofenster herunter gefahren, so das mir der Fahrtwind um die Ohren wehte. Straubing lag schon lange hinter mir und ich näherte mich langsam meinem Ziel, einem kleinen Ort in der Nähe von Oberschneiding.

Und das schönste daran war, das ich diesmal nicht dienstlich in meiner Position als Kriminalrat beim Landeskriminalamt unterwegs war. Nein, diesmal war ich tatsächlich einfach nur privat unterwegs.

Da mein letzter Fall schon etwas zurück lag und auch nichts neues für unsere kleine Abteilung an stand, war es mir tatsächlich gelungen meinen Freund und Vorgesetzten davon zu überzeugen, das es gut war, wenn ich einige Tage meines Urlaubs auf brauchte. Da ich seit Ewigkeiten am Ende eines Jahres meist mehr als die Hälfte meines Anspruchs noch gut hatte, war es Walter nicht besonders schwer gefallen ja zu sagen. So stand mir jetzt eine ganze Woche ohne Büro bevor.

Damit mir zu Hause nicht die Decke auf den Kopf fiel, beschloss ich, ein paar Tage weg zu fahren. Und, da es sehr kurzfristig war, war froh, das ich nach kurzer Suche im Internet tatsächlich noch ein freies Zimmer in einer Pension gefunden hatte. So war ich also an diesem herrlich sommerlichen Sonntag ins Auto gestiegen und mich auf den langen Weg von Dortmund nach Bayern gemacht.

Die Landstraße auf der ich jetzt fuhr bescherte mir einige wunderschöne Ausblicke in die Natur und ich war mir sicher, das es mir ohne Probleme gelingen würde, von meinem stressigen und ungewöhnlichem Beruf einmal komplett ab zu schalten. Das brauchte ich auch, denn die letzten Fälle und die damit verbundenen Einschnitte in mein Leben, ja, beinahe schon das umwerfen aller Naturgesetze und Regeln an die ich bisher glaubte, hatten mir doch mehr zu gesetzt, als ich vielleicht zugeben wollte. Nun ja, einfach nicht daran denken, dachte ich mir und drehte die Musik etwas lauter. Es lief gerade ein guter Song von Queen und so konnte man die Fahrt wirklich genießen, auch wenn nun schon einige Stunden im Wagen hinter mir lagen. Außerdem würde ich mein Ziel bald erreicht haben, zumindest sagte mir dies das Navigationsgerät auf das ich kurz blickte. Dabei braucht ich nur noch einmal abbiegen und würde dann auch direkt in den Ort hinein rollen.

Obwohl ich eigentlich sehr konzentriert fuhr, wäre ich beinahe an der Einmündung vorbei gefahren. Im letzten Moment ordnete ich mich entsprechend ein und konnte auch sofort abbiegen, da hier in dieser ländlichen Gegend und dazu am Sonntag, kaum Verkehr herrschte. Um so überraschter war ich, als mir drei Fahrzeuge entgegen kamen, gerade als ich das Ortseingangsschild passierte.

Nicht nur, das es gleich drei dicht hinter einander fahrende Fahrzeuge waren erstaunte mich dabei. Nein, auch die Art der Fahrzeuge ließ mich nachdenklich werden. Vorne weg fuhr ein Leichenwagen, gefolgt von zwei Polizeifahrzeugen. Natürlich gingen mir sofort die wildesten Gedanken durch den Kopf, die ich allerdings relativ rasch wieder verdrängte. Du bist im Urlaub und das war sicher nur ein Wanderer der einen Herzinfarkt erlitten hatte oder etwas ähnliches, dachte ich bei mir.

Diesmal galt es einfach nur einige entspannte Tage in dieser tollen Landschaft zu verbringen.

Ohnehin war ich auch schon wenig später mit meinen Gedanken ganz wo anders, denn ich rollte auf den kleinen Parkplatz der Wirtschaft, in dessen oberer Etage mein Zimmer liegen musste. Nachdem ich den Wagen auf dem Platz abgestellt hatte, was ich direkt neben dem Eingang tun konnte, da keine weiteren Autos hier abgestellt waren, nahm ich meine Reisetasche aus dem Kofferraum und schritt die zwei Stufen zum Eingang hinauf. Die Tür konnte ich einfach aufziehen und dahinter empfing mich ein großer Gastraum, der urig und gemütlich eingerichtet war und außerdem eine lange Theke beherbergte, vor der einige Barhocker standen. Hinter der Theke sah ich noch eine Pendeltür, die wahrscheinlich in die Küche führte und hinter der ich auch die typischen Geräusche einer Küche, in der vorbereitet oder aufgeräumt wird, vernahm.

Da ich nirgendwo eine Klingel entdeckte, rief ich ein halblautes „Hallo!“ als ich vor der Theke stand. Und prompt kam auch ein „Komme sofort.“ aus dem Raum hinter der Tür zurück.

Die Stimme war weiblich gewesen und so wunderte es mich auch nicht, als kurz darauf eine Frau um die vierzig durch die Pendeltür lief und mich freundlich lächelnd fragte, was sie denn für mich tun könnte. „Mein Name ist Mike Fuhrmann. Ich hatte übers Internet ein Zimmer bei ihnen reserviert.“ Antwortete ich der Frau, die in einem Kleid steckte, das für die Gegend typisch war und einen tollen Ausblick auf ihr nicht zu verachtendes Dekolleté zuließ. „Ach ja, Herr Fuhrmann. Ja wir haben sie schon erwartet. Kommen sie, ich bringe sie zu ihrem Zimmer.

Ach und ich bin die Besitzerin, Heidetraut Müller.“ Sie reichte mir die Hand und nachdem wir uns begrüßt hatten, ging sie auf eine Tür an der rechten Seite des Gastraumes zu. Ich folgte ihr wie es mir gesagt worden war und nachdem wir die Treppe hoch gestiegen waren, betraten wir einen kleinen aber langen Flur, von dem mehrere Türen abzweigten. Vor einer der Türen blieb Heidetraut Müller stehen, griff in eine ihrer Taschen und holte den Schlüssel hervor. Als sie die Zimmertür geöffnet und mich hatte eintreten lassen, meinte sie: „Ich hoffe es gefällt ihnen. Die Zimmer sind zwar schlicht, aber sauber.“ Ich sah mich kurz in dem Raum um und sagte:

„Ja, danke Frau Müller. Das Zimmer gefällt mir sehr gut!“ Das war auch nicht gelogen, denn in der Tat war das Zimmer blitze blank sauber, mit einem großem Bett ausgestattet und eben so gemütlich eingerichtet, wie der Gastraum unten. Das große Fenster, durch das viel Sommerlicht in den Raum viel tat sein übriges dazu. Sie reichte mir den Schlüssel. „Dann wünsche ich ihnen viel Spaß hier bei uns. Wenn sie irgendeinen Wunsch haben, kommen sie einfach herunter, mein Mann oder ich sind eigentlich immer dort erreichbar. Ach, und sagen sie doch bitte Heidetraut.“ Ich lächelte sie an. „Aber nur wenn sie Mike sagen, Heidetraut.“ Nun wurde sie doch tatsächlich ein wenig rot, sagte aber nur: „Gut Mike, dann lasse ich sie nun auspacken und sehe sie dann später.“

Nachdem sie die Zimmertür geschlossen hatte, schaute ich mir das Zimmer etwas genauer an und war wirklich zufrieden. Auch das ein kleines Bad mit Duschkabine dazu gefiel mir sehr gut, vor allem, wenn ich an die durch geschwitzten Klamotten dachte, die nach der langen Anfahrt und den heißen Temperaturen an meinem Körper klebten. Nach der Dusche, die auch meine Lebensgeister wieder weckte, öffnete ich kurz das große Fenster und genoss die frische Luft und den herrlichen Ausblick für einen kurzen Moment. Dann fiel mein Blick auf die Uhr und machte mir klar, das die letzte Mahlzeit, in einer Autobahnraststätte zu mir genommen und alles andere als köstlich oder gar ihr Geld wert, schon einige Stunden zurück lag. So ging ich also hinunter in den Gastraum, wo sich inzwischen doch noch einige andere Gäste eingefunden hatten und bestellte bei einem kräftigen, großem Mann etwas zu essen und ein Weizen dazu. Das Essen wurde mir schon kurz darauf von dem Mann mittleren Alters, wie ich später erfuhr dem Ehemann von Heidetraut Müller, an den Tisch gebracht, an dem ich Platz genommen hatte. Auch wenn es nur einfache Bratkartoffeln mit Brot waren, schmeckte es doch hervorragend. Das Weizen selbstverständlich auch, so das ich beschloss später am Abend noch ein bis zwei Gläser davon zu trinken. Als Heidetraut an meinem Tisch vorbei rauschte, hielt ich sie auf, um zu zahlen. „Nein, nein Mike. Wir schreiben das auf die Rechnung und sie zahlen dann einfach alles, wenn sie abreisen.“ Erklärte sie mir. „Ach so, okay. Ich möchte gleich noch ein wenig spazieren gehen, werde aber wohl nicht all zu lange unterwegs sein. Ich bekomme doch nach meiner Rückkehr noch ein Glas von dem herrliche kühlen Bier?“ Sie musste lachen, bevor sie dann sagte: „Aber natürlich. Das ist überhaupt kein Problem. Wir machen erst um Mitternacht zu, aber auch nur offiziell, meist ist mindestens einer von uns auch weit nach Mitternacht noch hier. Aber für den Notfall ist an dem Zimmerschlüssel auch einer von der Eingangstür dabei, so das sie auch hinein kommen wenn niemand mehr hier ist.“ Nun musste ich lachen. „Nein, so lange wollte ich nun wirklich nicht durch die Wälder streifen. Ich bedanke mich und wir sehen uns dann später.“ Meinte ich beim aufstehen, woraufhin sie mir noch einmal lächelnd zu nickte und auch schon wieder verschwand. Da sich inzwischen doch mehr als zwanzig Leute im Gastraum befanden, war für das Wirts Ehepaar genug zu tun.

Ich ging derweil hinaus in die Hitze, die auch jetzt noch nicht wirklich nachgelassen hatte, obwohl es schon auf neun Uhr Abend zu ging. Obwohl ich aufgrund der Temperaturen liebend gern eine Badehose oder gar nichts getragen hätte, so trug ich doch eine dreiviertel lange, luftige Sommerhose, ein Shirt und drüber noch eine dünne Jacke, damit meine Waffe nicht gleich für jedermann zu sehen war. Seit dem sich meine Fälle mit Horror wie Werwölfen, Vampiren und anderen Dämonen beschäftigten, trug ich die mit Silberkugeln geladene Dienstwaffe ständig bei mir, ebenso wie mein Kreuz, das mir schon aus so mancher brenzligen Situation geholfen hatte.

Meine Schritte führten mich über einen Wanderweg hinaus aus dem kleinen Ort, über Felder und vorbei an Wiesen, direkt auf einen Wald zu, der an einem nicht allzu steilen Berghang wuchs. Zu meinem Glück wehte ein leichter Wind, so das die Hitze erträglich war und da ich nur noch wenige Minuten gehen brauchte, um den Waldrand zu erreichen, würde es wohl im Schatten der dicht wachsenden Bäume noch etwas kühler sein.

Da ich wirklich nicht bis Mitternacht durch die Gegend streifen wollte, hielt ich schon jetzt nach einer Möglichkeit Ausschau, später wieder zurück in den Ort zu gelangen. So entdeckte ich auch den Weg, der an der linken Seite des Waldes wieder aus diesem hinaus führte und später an einer Gabelung auch wieder in den Ort hinein. Der Weg auf dem ich mich befand würde wohl irgendwo im Wald auf den anderen treffen, so das ich also keine Probleme haben würde, wieder zurück zu finden.

Und sollten alle Stricke reißen, so konnte ich noch immer den Weg auf dem ich jetzt lief wieder zurück gehen. Die Luft hier in den Voralpen war wirklich herrlich, so ganz anders als daheim in Dortmund und ich genoss diesen Spaziergang wirklich und freute mich auf die noch vor mir liegenden Urlaubstage.

Inzwischen befand ich mich auch schon mitten im Wald und war doch verwundert, wie viel Sonnenlicht die dicht stehenden Bäume doch abhielten. War es vorher doch, trotz der frühen Abendstunde, noch beinahe Tag hell gewesen, so hatte ich nun wirklich Mühe, den Weg überhaupt einige Meter weit überblicken zu können. Es handelte sich auch nicht um einen geteerten Weg, so das es noch schwerer fiel im dunklen Dämmerlicht eventuelle Hindernisse, wie zum Beispiel quer wachsende Baumwurzeln, früh genug zu erkennen. Nun ja, ich bin zwar kein Supermann, aber aufgrund meines Berufes und auch aus eigenem Interesse doch körperlich fit, so das mir keine großen Schwierigkeiten boten, dies zu meistern.

Zwar versuchte ich die ganze Zeit über an alles mögliche außer meinen Job zu denken, doch wie ich nun hier durch den Wald schritt, die graue Dunkelheit um mich herum, ab und zu unterbrochen von einem knacken irgendwo zwischen den Bäumen, wenn ein Ast, aus welchen Gründen auch immer, brach... Da konnte ich gar nicht anders, als an irgendwelche Monster oder Dämonen zu denken, die nun seit einigen Monaten, genauer seit der Ermordung von Ramona Klein, der Ehefrau meines Freund und Vorgesetzten, mein Leben bestimmten. Seit dieser Zeit wusste ich schließlich, das es solche Wesen gab. Ja, ich hatte sogar einige davon gejagt und, glücklicherweise, auch einige Vernichtet. Vor allem der Fall des Werwolfs, der in der Nähe meiner Heimatstadt Dortmund, genauer in den Ruhrauen sein Unwesen getrieben hatte, fiel mir wieder ein. Schließlich jagte ich diese Bestie durch einen Wald, ganz ähnlich wie diesen hier. Auch die Lichtverhältnisse stimmten. Ebenso wie der Baumwuchs, denn auch hier standen die Bäume sehr dicht und selbst große Stämme teilweise direkt neben dem Weg, so das hinter jedem davon eine Bestie hervorspringen konnte, wenn ich daran vorbei lief.

Obwohl ich was dies betraf, nicht gerade der empfindlichste Mensch war, muss ich doch zugeben, das ich mich inzwischen nicht mehr ganz so wohl fühlte, wie noch vor einigen Minuten, bevor ich den Wald betreten hatte. Wieder knackte irgendwo rechts von mir ein Ast und mein Kopf zuckte automatisch in die entsprechende Richtung, jedoch ohne das ich etwas erkennen konnte.

Dazu war es einfach zu dunkel.

Das war nur ein Tier. Oder ein morscher Ast, der nun endlich vom Baum gefallen war. So und ähnlich waren meine Gedanken. Nur nicht verrückt machen, schließlich bin ich im Urlaub und selbst Vampire haben besseres zu tun als dich überall hin zu verfolgen, dachte ich bei mir und musste grinsen. Ja, ich machte mich verrückt. Zwar war der dunkle, dichte Wald unheimlich, das war aber auch schon alles. Keine Monster und keine Bestien weit und breit. Also alles gut.

Den Gedanken brachte ich kaum zu Ende, als ich von links, dort wo wieder einer dieser dicken Baumstämme empor wuchs, den Schatten auf mich zu rasen sah. In einem Reflex versuchte ich noch weg zu tauchen, was ich allerdings nicht mehr ganz schaffte. So erwischte mich der wuchtige Schlag zwar nicht an der Schläfe, dafür an der Schulter und sorgte dafür, das ich zur Seite flog.

Sofort raste ein stechender Schmerz durch meinen gesamten Oberkörper und ich schaffte es nur mit größter Mühe, meinen Fall ein wenig ab zu schwächen, in dem ich meinen Kopf und das Gesicht schützte und mich einmal um die eigene Achse rollte. Natürlich wollte ich sofort wieder hoch, doch da gegen hatte mein Gegner wohl etwas, denn als ich mich gerade wieder auf allen vier befand, erwischte mich der brutale Tritt in die Rippen, der mir nicht nur die Luft nahm, sondern auch dafür sorgte, das ich gleich wieder herum flog und abermals im Dreck landete. Doch durch diese Aktion brachte der unbekannte Angreifer auch einen gewissen Abstand zwischen uns, so das ich endlich wieder auf die Beine kam und ihm das erste mal ansah. Zwar schmerzte mein gesamter Körper, mein Atem ging rasselnd, in meinem Kopf tobte ein leichter Schwindel und die Lichtverhältnisse waren alles andere als gut, trotz alle dem konnte ich erkennen das die Gestalt groß und kräftig war, in der rechten Hand einen dicken Ast hielt, mit dem er wohl auch den ersten Schlag geführt hatte, und das mit seinem Gesicht irgend etwas nicht stimmte. Als er dann noch einen weiteren Schritt auf mich zu kam und dabei den Arm mit dem Ast langsam erhob, durchquerte er zufällig eine Stelle, an der etwas Licht durch das Blätterdach der Bäume fiel und ich erkannte sehr gut, was mich an dem Gesicht so gestört hatte.

Es war voller Pusteln und aufgedunsen, einfach widerlich an zu sehen. An manchen Stellen war die Haut auch aufgerissen und ich sah Knochen und Fleisch. Aber kein Blut, dafür allerdings kleine Tierchen die sich in den Wunden bewegten und mir rieselte ein eiskalter Schauer über den Rücken. Zwar dauerte dies alles nur einen kurzen Moment, doch diese wenigen Sekunden reichten, um mir klar zu machen, das kein normaler Mensch vor mir stand. Dieses Wesen, welches scheinbar meinen Tod wollte, war etwas anderes. „Wer bist du? Was willst du von mir?“ schrie ich ihn an, doch entweder wollte er nicht reden, oder aber er konnte nicht. Anstatt mir zu antworten schlug er mit dem Ast zu. Wieder zielte er auf meinen Schädel, doch ich hatte einige Minuten gehabt um mich zu fangen und rechnete diesmal auch mit dem Angriff. Noch bevor er mich treffen konnte, tauchte ich unter den Schlag hinweg und rammte im hochkommen beide Fäuste in seinen Magen. Zwar kam es mir vor als hätte ich gegen eine Wand geschlagen, doch die Schwerkraft forderte auch von dieser Gestalt ihren Tribut und so taumelte er nach hinten. Sofort setzte ich nach und mein Tritt erwischte ihn an der Brust. Diesmal reichte es, um ihn zu Fall zu bringen und ich griff noch während dessen nach meinem Kreuz.

Natürlich hätte ich auch die Waffe ziehen und auf ihn schießen können, doch war ich mir noch nicht sicher, mit wem ich es hier genau zu tun hatte. Sollte sich der Verdacht den ich inzwischen hegte bestätigen, würde das Kreuz dem Leben dieser Kreatur mit Sicherheit ein Ende setzen und ich konnte mir die teure Silberkugel sparen.

Kaum das er den Boden berührte, ließ ich mich auch schon fallen und kniete mit einem Bein auf seiner Kehle.

In der linken hielt ich das Kreuz an der Kette fest und senkte den Arm langsam nach unten, so das der Abstand zwischen Brust und Kreuz immer kleiner wurde. Als ich in sein Gesicht sah, konnte ich sehr genau sehen, wie Angst erfüllt sein Blick plötzlich war. Hatte ich vorher gar kein Gefühl in seinen Augen gesehen, um so deutlicher sah man nun die Panik und die Angst. Dann berührte das Kreuz auch schon seine Brust und mir drang ein Mark erschütternder Schrei entgegen! Der Zombie hatte den Mund weit geöffnet, schrie so laut er konnte und zappelte unter mir hin und her. Doch frei kam er nicht mehr. Das Kreuz hatte schon zu viel seiner dämonischen Kraft zerstört und dort wo es auf seiner Brust lag, stieg Rauch auf und ein rötlich leuchtendes Licht war entstanden, das bis in die Brust hinein strahlte und nun auch noch den Rest, also den Körper vollends zerstörte. Ich stand auf, denn mir war klar, das ich vor diesem Geschöpf keine Angst mehr haben brauchte. Der Körper leuchtete noch stets, doch das glühen ließ nach und kurz darauf zerfiel das Licht, ebenso wie der Zombie.

Nur noch ein wenig Asche auf dem Waldboden zeugte davon, was hier passiert war.

Nachdenklich starrte ich auf die Asche nieder und massierte mir dabei die Schulter, die, wie auch meine Rippen, noch stets heftig schmerzte. Mein Verdacht war also richtig. Ein Zombie! Doch wo kam er her? Wieso gerade hier und wieso gerade ich? Fragen, auf die ich keine Antwort erhalten würde. Nicht hier und nicht jetzt.

Also blieb mir nichts anderes über, als meinen Weg fort zu setzen. Jetzt allerdings wesentlich vorsichtiger als vor dem Angriff. Schon nach wenigen hundert Metern traf ich auf eine Wegkreuzung und ich nahm den Weg nach links, um möglichst schnell zurück in den Ort zu gelangen. Es erfolgte kein weiterer Angriff auf mich, ich sah auch keine weitere Bestie und als ich den Wald endlich verließ, waren auch die Lichtverhältnisse trotz der inzwischen weit fortgeschrittenen Dämmerung gleich um einiges besser als zuvor. So lief ich auch den Rest der Strecke ohne irgendeinen Zwischenfall. Da ich immer wieder darüber nachdachte, wo dieser Zombie hergekommen war und mir im Zusammenhang damit Fragen wie; hatte dies mit meinem Beruf zu tun oder war es purer Zufall? Durch den Kopf gingen und mich beschäftigten, merkte ich kaum wie die Zeit verging und war regelrecht überrascht, wie schnell ich wieder vor dem Gasthaus stand. Noch immer sehr nachdenklich betrat ich den Schankraum, wühlte mich durch mittlerweile doch sehr viele Gäste und setzte mich auf einen der Barhocker.

Kurz darauf stand Frau Müller vor mir und erkundigte sich nach meinen Wünschen. „Ein Weizen und dazu einen Whisky bitte.“ „Kommt sofort, Mike.“ Sagte sie und war auch schon wieder verschwunden. Nur wenige Augenblicke später standen die beiden Getränke vor mir und ich leerte zuerst den Whisky, entgegen meinen Gewohnheiten pur und in einem Zug. Das brauchte ich nach diesem Erlebnis im Wald jetzt einfach. Rechts neben mir saß ein junger Mann, ich schätze ihn so auf Mitte zwanzig, in Lederhose gekleidet, kräftig gebaut und in etwa so groß wie ich. Er sah mich an als ich das Glas leer trank und meinte dann: „Na, das nenn ich doch mal einen Zug!“ Jetzt schaute auch ich ihm ins Gesicht, das schon leicht gerötete Wangen aufwies, so das ich davon ausging, das er nicht erst bei seinem ersten Bier war und antwortete: „Ich hab bei meinem Spaziergang so herrliche Erlebnisse gehabt, das der kleine Schluck einfach dazu gehörte.“ Darauf hin wurde sein Blick für einen kurzen Moment nachdenklich, dann aber fing er an zu lachen und meinte: „Ja, ich wohne hier und habe das jeden Tag.

Und genau aus dem Grund sitz ich auch fast jeden Abend auf diesem Platz.“ Jetzt musste auch ich lachen, nahm meinen Bierkrug und prostete ihm zu. „Dann auf diesen herrlichen Ort, ich bin übrigens der Mike.“ „Daniel.“ War die kurze und knappe Antwort, bevor wir einen kräftigen Schluck tranken und Daniel, kaum das er den Krug wieder absetzte, rief: „Heidetraut! Noch zwei Bier für Mike und mich!“ Dann sah er mich wieder an und fragte: „Na Mike, was hier in unserer schönen Gegend hat dich denn dermaßen erschreckt? Ich hoffe du bist nicht meiner Ex begegnet, dann könnte ich dich natürlich verstehen.“

Wieder musste ich grinsen, überlegte aber gleichzeitig, was ich ihm am besten antworten könnte, ohne gleich von Zombies, Mord und Totschlag zu reden. „Ach weißt du, bei meinem Weg durch den Wald hatte ich das Gefühl, verfolgt zu werden. Ich meine auch eine Gestalt zwischen den Bäumen gesehen zu haben, bin mir aber nicht ganz sicher. Naja, wie auch immer, obwohl ich eigentlich kein Mädchen bin, aber das war doch schon irgendwie ganz schön unheimlich.“ Nun war das lachen aus Daniels Gesicht verschwunden und er schaute mich eher nachdenklich an. Als ob er etwas wüsste, aber nicht sicher war, ob er mir davon erzählen sollte. Dann beugte er sich weiter zu mir und flüsterte schon beinahe: „Hm, vielleicht ist dir ja der Mörder begegnet. Wenn ja, dann hast du unglaubliches Glück, das du noch lebst.“ Erstaunt sah ich ihn an. „Ein Mörder? Hier? Erzähl.“ Darauf hin nahm er seinen vollen Bierkrug in die Hand, stand auf und sagte: „Komm, wir setzen uns an einen der Tische.

Da kann man besser reden.“ „Okay.“ So nahm auch ich mein Bier und nachdem wir an einem der Tische saßen, die etwas abseits vom Trubel standen, fing Daniel an zu erzählen und ich kam aus dem staunen nicht mehr heraus.

Kapitel3

Es war schon beinahe Mitternacht, als die beiden Zombies durch die Dunkelheit stapften, um sich ein neues Opfer zu suchen. Dies war ihr Trieb, der Trieb zu töten, dem sie einfach folgen mussten. Noch nicht sehr lange, nein. Erst seit wenigen Wochen waren sie wieder da. Zurück gekehrt aus dem Reich der Toten. Von höllischer Macht wieder zum leben erweckt. Leben? Nein, als leben konnte man ihr Dasein nun wirklich nicht bezeichnen. Schließlich brauchten sie nicht mehr zu atmen, kannten kein Gefühl wie Schmerz oder Liebe und hatten auch einige Zeit als Leichen unter der Erde gelegen. Zu dritt waren sie damals gewesen. Geboren kurz nacheinander, erst die zwei Brüder, die als Zwillinge zur Welt kamen, dann, nur ein Jahr später, ihre Schwester. Doch ihr Leben wurde sehr früh beendet, viel zu früh würden die meisten sagen.

Erst starb ihre Mutter bei der Geburt der Tochter, doch das hatte sie niemals gestört. Schließlich kannten die drei es nicht anders, als das nur der Vater für sie da war.

Obwohl dieser sich mit seltsamen Dingen wie zum Beispiel dem Voodoo-Kult beschäftigte, hatten sie eine relativ normale Kindheit und Jugend. Halt nicht viel anders, als andere Kinder, die bei ihrem allein erziehendem Elternteil aufwuchsen. Einzig der ein oder andere Brauch, dem sie sich von Zeit zu Zeit unterziehen mussten und das einsam, außerhalb des Ortes gelegene Haus, das schon all die Jahre ein wenig herunter gekommen wirkte, unterschieden sie von den anderen Kindern im Ort.

Doch dann kam der Tag, als die Katastrophe geschah! Sie waren zu dritt an einem heißen Sommertag im letzten Jahr am kleinen See gewesen, um sich ab zu kühlen und ein wenig Spaß zu haben. Halt wie fast alle aus dem Ort.

Und mit ihren achtzehn, beziehungsweise neunzehn Jahren wollten auch die drei Geschwister sich diesen Spaß nicht entgehen lassen. So waren sie zum See gefahren und hatten dort beinah den ganzen Tag verbracht, wobei sie sich wunderbar amüsierten. Dann allerdings, sie waren gerade mit dem kleinen Ruderboot, das ihnen gehörte und einen modernen Metallrahmen besaß, auf den See hinaus gefahren, zog dieses Unwetter auf. Wie immer in dieser Gegend, geschah dies sehr schnell und die meisten, die sich noch im Wasser befanden, versuchten so schnell wie irgend möglich, aus dem Wasser zu kommen. Auch die drei wollten das Boot so schnell es ging verlassen, doch einer der Brüder meinte, das sie noch die Zeit hätten, über den halben See zu rudern. Schließlich wäre der Weg zurück zum Wagen sonst extrem lang geworden und so hatten die anderen beiden eingewilligt.

Das war ein Fehler gewesen, denn nur wenig später tobte ein heftiges Sommergewitter über dem See und bis hin zum Ufer war es noch ein weiter Weg. So kam es, wie es kommen musste. Als ihr Boot noch etwa fünfzig Meter vom rettenden Ufer entfernt war, schlug der Blitz ein. Die zwei Brüder waren sofort Tod, ihre Schwester starb wenige Stunden später im Krankenhaus, obwohl die Ärzte alles versucht hatten. Der Schock im Ort, vor allem aber für den Vater, war natürlich sehr groß und zu dem Begräbnis erschien mindestens jeder zweite Bewohner.

Nach der Trauerfeier zog sich der Vater noch weiter zurück, als er es ohnehin schon tat. Man sah ihn beinah gar nicht mehr im Ort, höchstens zwei bis dreimal im Monat, wenn er neue Vorräte kaufen musste. Auch an dem Grab der Kinder wurde er nicht gesehen, doch das lag weniger daran, das er dort nicht erschien, sondern weil er nur des Nachts dort hin ging um zu trauern. Auch sah niemand die seltsamen Zeichen, die der Vater mit Pulver und Tierblut manchmal um die Gräber zeichnete.

Darum war er auch sehr bemüht gewesen, denn niemand sollte etwas davon mit bekommen, was dort vorging. Auch wenn die meisten wohl so wie so nichts damit hätten anfangen können. Doch nach einigen Monaten und unzähligen geflüsterten Beschwörungen, zeigte sich dann endlich der Erfolg. Als der Vater in einer Nacht nach der letzten und wichtigsten Beschwörung wieder die Gräber besuchte, war die Erde aufgewühlt, die Gräber waren leer und Fußspuren führten von dem Leichenacker weg.

Der Vater hatte darauf hin im Schutz der Nacht alles wieder so hergerichtet wie es vorher war. Niemand sollte wissen, was dort geschehen war. Und niemand bemerkte es. Nur das kurze Zeit später die erste Leiche gefunden wurde. Grauenvoll zugerichtet. Regelrecht zerfleischt, doch der Vater schwieg, auch wenn er wusste, was geschehen war. Zu groß war seine Freude, das die Kinder wieder „lebten“! Er führte weiterhin sein Einsiedlerleben und dankte den bösen Göttern dafür, das sie seinem Wunsch erfüllten. Und in beinahe jeder Nacht lief er durch die Dunkelheit, in der Hoffnung, seine Kinder wieder in die Arme schließen zu können. Doch dieses Glück war ihm bisher noch nicht beschert. Auch war ihm durchaus bewusst, das die drei nicht mehr die selben waren als noch zu Lebzeiten, doch das machte ihm nichts aus.

So standen die zwei Zombies, Bruder und Schwester, nun in der Dunkelheit und hielten Ausschau nach einem neuen Opfer. Zwar waren Gefühle ihnen fremd, doch vor kurzem, es war vor wenigen Stunden erst, doch ein Zeitgefühl wie wir besaßen die beiden nicht, hatten sie etwas gespürt. Einer von ihnen war vernichtet worden, ihn gab es nicht mehr. Zwar war ihnen nicht bekannt, was genau geschehen war, aber es stand für die beiden jetzt schon fest, das sie denjenigen, der dafür verantwortlich war, ebenfalls töten würden. Nicht heute, nicht in dieser Nacht. Aber schon sehr bald, die Gelegenheit würde kommen. Heute Nacht würde aber jemand anderes sterben.

Die beiden standen hinter einem Geräteschuppen, gar nicht mal weit entfernt von dem See, auf dem sie gestorben waren. Der Schuppen stand an einem kleinen Parkplatz, der zu dem See gehörte. Und beide duckten sich ein klein wenig zusammen, als das Scheinwerfer Paar auf sie zu kam. Es war unnötig, denn der Geräteschuppen deckte sie genügend ab, so das sie von dem Fahrer des sich nähernden Fahrzeugs ohnehin nicht gesehen werden konnten. So fuhr Alexander Merkel, der nicht verwandt mit irgendeinem Politiker war, auch einfach an dem kleinen Schuppen vorbei und stellte den Wagen ein paar Meter weiter ab. Alexander war nun schon seit sieben Jahren Streifenpolizist und liebte seinen Beruf. Auch in dieser Nacht war er hellwach und tat seinen Dienst wie immer sehr gewissenhaft. Eigentlich war der Job hier in den ländlichen Voralpen eher sehr ruhig, doch aufgrund einiger Leichenfunde in den letzten Wochen hatte sich das dramatisch geändert. Zwar hatte Alex, wie ihn Freunde und Bekannte nannten, selber keine dieser Leichen gesehen, doch was ihm Kollegen darüber erzählten, reichte vollkommen aus ihn zu schockieren. Da war von Bißspuren, heraus gerissenen Eingeweiden und abgerissenen Gliedmaßen die Rede und nicht nur die jüngeren Kollegen hatten damit so ihre Probleme.

Das war auch ein Grund dafür, das verstärkt hier in der Gegend Streife gefahren wurde. Da Alex selbst aus dem nahe gelegenen Ort stammte, kannte er die Gegend hier sehr gut und weil er auch wusste, das in so heißen Nächten wie dieser sich auch um diese späte Stunde ab und an noch Teenager hier am See herum trieben, wollte er kurz nach dem rechten schauen. Nachdem er ausgestiegen war, hakte er die Lichtstarke Taschenlampe von seinem Gürtel los und lief die kurze Strecke bis zum Ufer. Erst da schaltete er die Taschenlampe ein, ließ ihren Lichtstrahl über den schmalen Uferstreifen gleiten und leuchtete auch dorthin, wo die Büsche und Bäume wuchsen, ohne allerdings etwas entdecken zu können. Da sich die Leichenfunde nicht hatten verbergen lassen, waren die Bewohner natürlich informiert und zogen es scheinbar vor, die Nächte nicht im freien zu verbringen, um nicht das nächste Opfer zu werden. Alexander lief noch einige Schritte am Ufer entlang und leuchtete mit seiner Lampe den Boden ab, doch es schien wirklich niemand hier zu sein und so ging er kurz darauf einigermaßen beruhigt den Weg zurück zu seinem Fahrzeug.

Als er die Tür auf der Fahrerseite öffnete, fiel ihm wieder ein, das die Kollegen ihn schon oft gewarnt hatten, er solle doch abschließen, denn Kinder und Jugendliche machten sich immer gern einen Spaß daraus die Kelle oder andere Gegenstände aus den Dienstfahrzeugen zu entwenden, doch Gewohnheiten änderte man halt nur schwer. Im übrigen war Alex dergleichen auch noch nie passiert. So setzte er sich auch ohne schlechtes Gewissen ans Steuer, musste aber lächeln als er sich doch dabei ertappte, wie er kurz nach rechts schaute, um zu prüfen ob die Kelle noch an ihrem Platz lag. Natürlich war das so und gerade als seine Hand mit dem Zündschlüssel sich dem Zündschloss näherte, passierte es dann!

Der Arm kam von hinten und so lautlos und schnell, das Alex ihn erst bemerkte, als er sich schon um seinen Hals gelegt hatte und ihm die Luft abschnürte. Er brauchte einen Moment um zu begreifen was geschah, dann aber ließ er den Zündschlüssel fallen und griff mit der Hand zu seinem Holster, in dem sich die Dienstwaffe befand. Im selben Augenblick wurde die Fahrertür wieder aufgerissen! So feste und brutal, das Alex befürchtete, sie würde einfach aus den Angeln reißen. Das geschah zwar nicht, dafür aber starrte er jetzt in ein Gesicht, das kein richtiges mehr war. Durch die Innenbeleuchtung die jetzt brannte, da die Türe ja offen stand, konnte er jede Einzelheit erkennen und diese waren hässlich bis ekelig.

Die dicken, eitrigen Pickel auf der Haut, die Stellen wo keine Haut mehr vorhanden war, die hervorstechenden Knochen und das Fleisch, in dem sich kleine, helle Würmer ringelten. All das sah er und noch etwas wurde ihm klar. Das Gesicht, so entstellt es auch war, er kannte es. Ja, es gehörte einem Mädchen, das letztes Jahr genau hier, in diesem See, gestorben war. Dies alles dauerte nur wenige Sekunden und Alex hatte es endlich geschafft, den Holster zu öffnen und war dabei die Waffe heraus zu ziehen. Das wurde auch höchste Zeit, denn nicht nur das ihm die Luft langsam knapp wurde, da der Arm des Zombies hinter ihm noch stehts unerbittlich zudrückte, nein, das Mädchen hatte einen großen Stein in der Hand und holte damit aus, um zu zuschlagen. Alexander zielte kurz mit der Waffe und drückte dann zweimal kurz nacheinander ab, noch bevor der weibliche Zombie mit dem Stein zuschlagen konnte. Zwar war Alex klar, das dieses Mädchen im letzten Jahr zu Grabe getragen worden war, das aber wirklich ein Zombie vor ihm stand konnte er sich nicht vorstellen. So etwas lag außerhalb seines Denkens. So etwas konnte es einfach nicht geben.

So hatte er dann auch nicht auf den Kopf gezielt, um den Schädel zu zerstören und somit dem Zombie den Gar aus zu machen, wie man es aus diversen Filmen und Serien her kannte. Nein, Alexander Merkel schoss in die Brust und seine beiden Kugeln trafen auch in etwa dort, wo sich das Herz befinden musste. Durch den Aufprall der Kugeln wurde der Zombie nach hinten gedrückt, ging auch noch einen Schritt zurück, aber zu seinem Entsetzen fiel er nicht um. Nein, der weibliche Zombie senkte nur kurz den Kopf um sich die beiden Löcher in der Brust an zu sehen, das war aber auch schon alles. Alex wollte gerade die Waffe erneut anheben um nochmals zu schießen, doch da er einen Sekundenbruchteil gewartet hatte, da er erst begreifen musste, das der Zombie nicht umgefallen war, kam diese Reaktion zu spät. Von hinten kam eine zweite Hand, die sich um das Gelenk seines Armes schloss und fest zudrückte. Zwar versuchte er, gegen den anderen an zu kämpfen, doch dessen Kraft war einfach zu groß, schon unmenschlich, so das er keine Chance hatte. Langsam drückte der andere seinen Arm wieder nach unten und verstärkte dabei den Druck noch mehr, so das Alex das Gefühl bekam, sein Gelenk würde in einem Schraubstock stecken. Etwas knackte, wahrscheinlich irgendein Knochen der brach und heftige Schmerzwellen schossen durch den Arm bis hinauf in sein Gehirn. Er konnte die Waffe einfach nicht mehr halten und als sich seine Finger öffneten, fiel sie polternd zu Boden und landete irgendwo unter dem Fahrersitz.

Die Zeit, die diese Aktion dauerte, nutze das Mädchen um wieder an den Wagen heran zu treten und den Stein abermals zu erheben. Diesmal tat der Polizist nichts mehr, er starrte den Zombie nur mit weit aufgerissenen Augen an und wusste in diesem Augenblick, das er die Nacht nicht überleben würde. Da sauste der Stein auch schon nach unten und traf ihn mit einer unglaublichen Kraft mitten auf der Stirn. Alexander hörte noch etwas brechen, bevor der Schmerz durch seinen Kopf raste wie ein Orkan und er Sterne vor den Augen sah. Er spürte noch wie eine warme Flüssigkeit von der Stirn herunter über sein Gesicht lief, riss die Augen wieder auf und sah die Hand mit dem Stein abermals auf sich zu kommen.

Doch diesmal spürte er den Aufprall nicht mehr, denn plötzlich war da einfach nur noch die schwärze, die ihn weg zog in die unendliche Weite der Ewigkeit.

Alexander Merkel lebte nicht mehr und so bekam er nicht mehr mit, wie der Stein ihn noch ein drittes mal traf und ein Loch in seiner Schädeldecke hinter lies. Auch wie sein Körper von den beiden Zombies aus dem Auto gezogen, auf den Boden liegend sich Hände wie Krallen in das Fleisch bohrten und es an einigen Stellen heraus rissen und die weit aufgerissenen Mäuler mit ihren Zähnen große Stücke Fleisch aus seinem Körper rissen, bekam er zu seinem Glück nicht mehr mit. So waren die beiden Zombies ungestört bei ihrem Tun in dieser schönen klaren Nacht und nur der Mond schaute von oben her auf die Szenerie herab.

Kapitel4

Als ich erwachte und auf die Uhr schaute, konnte ich beinah nicht glauben, das diese mir schon neun Uhr vierundvierzig anzeigte. So lang schlief ich selten, doch als ich den Kopf etwas zu heftig bewegte und den stechenden Schmerz im Schädel spürte, war mir klar, wieso ich so lang geschlafen hatte. Der Abend mit Daniel, von dem ich später am Abend auch den Nachnamen erfahren hatte, der mir allerdings gerade nicht mehr einfiel, war nicht nur spät sondern auch sehr feucht geworden. So stand ich also etwas vorsichtiger auf und schleppte mich wie ein alter Greis unter die Dusche, dabei den Alkohol und speziell das Weizenbier, welches ich nun einmal gar nicht gewohnt war, verfluchend. Zwanzig Minuten später ging es mir dann schon etwas besser und nachdem ich mir frische Klamotten angezogen hatte, ging ich hinunter in den Gastraum um mir etwas essbares zu besorgen.

Hinter der Theke begrüßte mich die Frau des Hauses wie immer gut gelaunt und fragte mich nach meinen Wünschen. „Einen Kaffee und eine Kleinigkeit zu essen hätte ich gern.“ „Den Kaffee bringe ich ihnen sofort und was das Essen betrifft,“ Sie deutete nach links, wo neben der Theke ein kleiner Tisch stand den ich beim eintreten gar nicht bemerkt hatte, auf dem eine Auswahl aller möglicher Lebensmittel stand. „können sie sich dort bedienen Mike. Das Frühstück ist schließlich im Zimmerpreis enthalten.“ „Oh ja, danke.“ Erwiderte ich noch und wand mich dann dem kleinem Tisch zu. Da mein Magen sich noch ein wenig seltsam anfühlte entschied ich mich nur eine Kleinigkeit zu mir zu nehmen, die dann aus zwei Brötchen, Butter und etwas Aufschnitt bestand. Damit bewaffnet setzte ich mich an einen Tisch, an dem auch kurz darauf Heidetraut mit meinem Kaffee erschien und fing an zu essen. Die Brötchen waren ebenso frisch wie der Kaffee und beides schmeckte wirklich gut.

Beim essen dachte ich wieder an den gestrigen Abend und die Geschichten, die Daniel mir erzählte. Durch ihn hatte ich nicht nur erfahren, das in der letzten Zeit in dieser Gegend immer wieder Leichen aufgetaucht waren, die grauenvoll zugerichtet waren, sondern auch noch einiges mehr. Da durch den angriff des Zombies auf mich, aber auch durch Daniels Aussage, mein Berufliches Interesse geweckt war, bohrte ich weiter nach. So erfuhr ich nach einigen weiteren Weizen dann auch noch eine andere Geschichte. Allerdings eine, die durchaus mit den anderen Vorfällen im Zusammenhang stehen konnte.

Daniel erzählte von drei Geschwistern, die in einem nahe gelegenen Badesee bei einem Gewitter ums Leben gekommen waren und von deren Vater. Dieser war wohl ein Eigenbrötler, der mit den anderen Bewohnern nicht viel zu tun hatte und sich mit Dingen beschäftigen sollte, die den meisten Menschen unheimlich waren, wie zum Beispiel dem Voodoo Kult. Das hatte mich hellhörig werden lassen, denn schließlich lagen Voodo und Zombies doch mehr als nah beieinander und waren praktisch untrennbar miteinander verbunden.

Doch um mehr heraus zu finden, musste ich am besten mit diesem Mann reden und darauf hoffen, das er mir mehr erzählte. Markus Steinbeck hieß der Kerl und von Daniel wusste ich auch, wo er lebte.

Da ich mir meinen Urlaub eigentlich schon gestern von der Backe geschmiert hatte, beschloss ich ihm heute noch einen Besuch ab zu statten. So fuhr ich also nach dem Frühstück und einer weiteren Tasse Kaffee den Weg, den Daniel mir gestern beschrieben hatte zu dessen Haus. Es lag wirklich ein wenig außerhalb des Ortes und stand allein, an einen kleinen Wald grenzend. Wie mir Daniel sagte lag der Badesee direkt hinter diesem Waldstück, nur einige hundert Meter Luftlinie entfernt. Das Haus besaß Ähnlichkeit mit einem großen Blockhaus und wurde von einem kleinen, umzäunten Garten umrahmt.

Den BMW konnte ich direkt vor dem Zaun abstellen, wo eine Fläche für drei bis vier Fahrzeuge asphaltiert war und noch ein weiterer Wagen stand. Von Daniel wusste ich, das der alte, graue VW Bus dem Hausbesitzer gehörte.

Als ich den schmalen Vorgarten durchschritt, war weit und breit keine Menschenseele zu entdecken. Dabei achtete ich auch auf die Fenster an der Vorderseite, doch auch dort sah ich kein Gesicht hinter einer der Scheiben.

Also klingelte ich als ich vor der massiven Holztüre stand und lauschte nach Geräuschen aus dem Innern des Hauses. Doch auch nach einigen Minuten und einem zweiten und dritten klingeln rührte sich nichts. Niemand kam um mir die Tür zu öffnen, so das mir nichts anderes übrig blieb, als mich wieder ins Auto zu setzen. Nach kurzem nachdenken entschied ich mich, erst einmal wieder zurück zu fahren und später am Nachmittag noch mal mein Glück zu versuchen.

So fuhr ich also wieder zurück in den Ort, ging danach noch ein wenig spazieren, bis ich dann im Gasthof in dem mein Zimmer lag, übrigens auch dem einzigen in dem kleinen Ort, mein Mittagessen ein nahm, das wirklich gut gelungen war. Eine Schweinshaxe mit Sauerkraut und Knödeln, für einen angemessenen Preis und nach dem ich noch ein wenig verdaut und ein kleines Bier getrunken hatte, lief ich noch ein wenig durch den Ort und schaute mich um. Dabei dachte ich allerdings immer wieder an die letzte Nacht und den angriff des Zombie, ebenso wie an die Geschichte der drei verstorbenen Geschwister Steinbeck. Ich war gerade auf den Weg zurück zum Gasthaus, rauchte eine Zigarette, was ich mir einfach nicht komplett abgewöhnen konnte, wohl auch nicht wirklich wollte, als sich das Handy meldete.

„Mike Fuhrmann.“ Meldete ich mich und hörte zu meiner Überraschung am anderen Ende die Stimme von Walter Klein, meinem Freund und Vorgesetzten. „Hallo Mike. Na wie gefällt dir dein Urlaub bisher? Schon ein paar nette Damen kennengelernt?“ Ich lachte bevor ich meinte: „Nein, leider noch nicht. Aber die Wirtschaftschefin wäre durchaus etwas für dich, doch leider ist sie schon in festen Händen!“ „Ach, Mike. Du weißt doch, eigentlich bin ich ganz zufrieden wie es grad ist. Da würde eine Frau nicht mehr rein passen.“ Diese Worte überraschten mich zwar ein wenig, da ich an den tragischen Mord an seiner Frau denken musste und wie lange er danach getrauert hatte. Was er wohl auch noch immer tat, nur vergrub er sich seit dem noch mehr in seiner Arbeit und kam mittlerweile wohl ganz gut damit klar, das seine Frau Opfer eines Vampirs geworden war. „Na Walter, ich kenn dich doch. Du rufst doch nicht nur an um dich nach meinen Urlaubsabenteuern zu erkundigen. Also wo drückt der Schuh? Was ist los?“ Er atmete tief aus, was gut durch den Lautsprecher zu hören war, bevor er anfing zu erzählen. „Also es ist so: Heute Mittag bekam ich eine Meldung von den Kollegen der Polizei. Ein Beamter ist heute Vormittag tot aufgefunden worden. Die Leiche lag neben dem Streifenwagen und war grauenvoll zugerichtet. Regelrecht zerfleischt und zerrissen. Ich habe mich daraufhin ein wenig schlau gemacht und erfahren, das in der Gegend in den letzten Wochen immer wieder Tote aufgefunden wurden, die ähnlich ausgesehen haben.

Naja, ich weiß ja das du eigentlich Urlaub machst, aber da dies alles direkt im Umkreis deines Urlaubsort geschehen ist...“ „Dachtest du: Frag ich den Mike mal ob ihm nicht schon langweilig ist und er sich darum kümmern kann!“ Fiel ich ihm ins Wort, worauf hin ich sein Lachen hören konnte. „Ich bin immer wieder erstaunt wie gut du mich kennst Mike. Du kannst in mir lesen wie in einem Buch. Aber um wieder ernst zu werden: Es scheint ganz so als würde sich da im Voralpenland eine mordende Bestie herumtreiben, die in unseren Zuständigkeitsbereich fallen könnte.“ Ich musste schmunzeln als ich antwortete. „Ich weiß.“ Nun war erst mal Ruhe am andern Ende der Leitung. Erst nach einigen Sekunden fand Walter die Sprache wieder zurück und fragte: „Wie bitte?“ „Nun ja, es waren wohl Zombies. Ich bin gestern nämlich einem davon begegnet und konnte ihn erlösen. Da ich aber mal denke, das der Kollege nicht tagelang tot in der Gegend herum lag, ohne das es jemandem aufgefallen ist, wird wohl mindestens noch ein weiterer Zombie herumlaufen. Wobei ich eher davon ausgehe das es sich um zwei weitere Bestien handelt.“

„Erzähl alles!“ Brachte Walter nur noch hervor, und so erfuhr er in den nächsten Minuten die ganze Geschichte von mir. Angefangen von dem abendlichen Angriff auf mich, über die drei gestorbenen Geschwister, bis hin zu dem Vater, der sich mit teuflischen Ritualen beschäftigte.

Da der getötete Kollege der Polizei abends erst seinen Dienst antrat, wie Walter mir erzählte, stand nun auch fest, das es mehr als den einen Zombie gab, der mich angegriffen hatte. Dieser war zu der Zeit schließlich schon nur noch ein Häufchen Staub. „Okay, dann kümmer dich um die Sache und halt mich auf dem laufenden so weit es geht.“ Meinte mein Vorgesetzter noch zum Abschied, dann beendeten wir das Gespräch.

Noch nachdenklicher als vorher schon lief ich wieder zurück zu meiner Pension. Dort angekommen ging ich gleich auf mein Zimmer und überlegte, wie ich nun am besten weiter vorgehen sollte. Leider fiel mir nicht all zu viel ein, außer noch einmal zu versuchen mit diesen Markus Steinbeck zu reden. Doch was, wenn er wieder nicht da war, beziehungsweise nicht öffnete? Nun wir würden sehen. Also ging ich wieder hinunter, kaufte mir bei Herrn Müller, der hinter der Theke bediente, noch eine Flasche von der berühmten, dunklen Limonade und setzte mich dann wieder in den BMW, der sich obwohl er im Schatten des Hauses stand, auf gefühlte achtzig Grad aufgeheizt hatte. Also alle Fenster runter, dann startete ich den Motor und machte mich abermals auf den Weg zum Haus des Vaters.

Als ich vor dem Haus auf den kleinen Parkplatz anhielt, hatte sich nichts verändert. Der VW-Bus stand noch immer auf dem selben Platz und auch an dem Haus stellte ich keine auffällige Veränderung fest. Als ich allerdings auf die Haustür zu ging, meinte ich kurz ein Gesicht hinter einem der Fenster im Erdgeschoss zu sehen. Ganz sicher war ich mir zwar nicht, doch die Gardine bewegte sich noch leicht hin und her, was aber auch vom Wind herrühren konnte, denn das Fenster war gekippt. Diesmal drückte ich den Klingelknopf gleich etwas länger durch und hörte auch deutlich die Schelle innerhalb des Hauses rappeln, eine Reaktion erfolgte allerdings wieder nicht. Auch nach dem dritten und vierten Klingeln und gefühlten fünfzehn Minuten Wartezeit rührte sich nichts innerhalb des Hauses und so blieb mir eigentlich nichts über, als unverrichteter Dinge wieder zurück zum Wagen zu gehen. Als ich hinterm Steuer saß fasste ich dann einen neuen Plan, obwohl es eigentlich kein neuer Plan war, sondern eher ein Ausweichplan, den ich mir schon vorher zurecht gelegt hatte. So schaute ich kurz herüber auf die Flasche Cola, die auf den Beifahrersitz lag, grinste und startete dann den Motor, damit ich Plan zwei in die Tat umsetzen konnte.

Kapitel5