Das Herz des Ritters - Lara Adrian - E-Book

Das Herz des Ritters E-Book

Lara Adrian

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Beschreibung

Die Auftragsmörderin Zahirah ist ebenso schön wie tödlich. Sie schleicht sich in das Lager der englischen Armee, um König Richard Löwenherz zu ermorden. Dabei fällt sie jedoch dem Ritter Sebastian of Montborne in die Hände. Und obwohl die beiden eigentlich Todfeinde sind, verlieben sie sich schon bald ineinander.

Der vierte Band der Romantic History-Reihe von Bestseller-Autorin Lara Adrian alias Tina St. John

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LARA ADRIAN SCHREIBT ALS TINA ST. JOHN

Das Herz des Ritters

Roman

Ins Deutsche übertragen von

Corinna Wieja

Zu diesem Buch

Jerusalem, 1192: Zahirah ist die Tochter des Königs der Assassinen und wurde ihr Leben lang zur Attentäterin ausgebildet. Sie träumt davon, sich endlich zu beweisen und den Respekt ihres Vaters zu erringen. Als sie den Auftrag erhält, Richard Löwenherz zu töten, sieht sie ihre Chanc gekommen, doch das Attentat schlägt fehl. Richards Gefolgsmann, der tapfere Sebastian of Montborne, stellt sich ihr in den Weg. Zahirah kann unerkannt fliehen und ersinnt daraufhin eine List: Bei einem erneuten Attentat gibt sie sich als unschuldige Beistehende aus, die im Hand-gemenge verwundet wird. Sebastian fühlt sich sofort in ihren Bann gezogen und bringt die exotische junge Frau in den Palast, um sich ihrer anzunehmen. Zahirah, die die Christen immer für Barbaren gehalten hat, ist verblüfft von der Ritterlichkeit des feindlichen Kriegers und erschüttert von den unbekannten Gefühlen, die dieser in ihr weckt. Dennoch will sie ihre Mission zu Ende führen. Doch durch die Abwesenheit des Königs verlängert sich Zahirahs Aufenthalt im Palast – und ihre Zeit mit Sebastian. Sie verfällt dem Charme des gut aussehenden Ritters, der seinerseits langsam aber sicher in Liebe zu der mysteriösen Fremden entbrennt. Ist Sebastian wirklich der Feind, für den sie ihn gehalten hat? Bald muss Zahirah sich entscheiden: für die Liebe oder ihr Leben.

Für Leslie

Keine Buchheldin kann sich mit deinem Mut,

deiner Willensstärke oder deinem unglaublichen Charme

in Stresssituationen messen.

Du bist eine Inspiration, und ich bin sehr froh,

mit dir befreundet zu sein.

Prolog

Askalon, im Königreich Jerusalem

Mai 1192

Wie dicker schwarzer Samt erstreckte sich die stille, mondlose Nacht über der Wüste. Einem Komplizen gleich, breitete sie ihren schützenden Mantel über die schlanke Gestalt, die mit katzengleicher Anmut durch Askalons schmale Gassen huschte. Ihr rußfarbener, hautenger Seidenanzug hüllte sie von Kopf bis Fuß ein und ließ nur die Augen frei, und so wirkte es fast, als wären dem Nachthimmel Beine gewachsen, als sie sich über den vom Krieg verwüsteten, menschenleeren Marktplatz stahl.

Rasch und nach allen Seiten spähend, umrundete sie eine uralte Moschee, lief an einer Reihe von Läden vorbei und eine verwinkelte Straße hinunter. Lautlos trafen ihre Füße auf das Kopfsteinpflaster und den festgetretenen Sand; die wendigen Glieder zeigten keinerlei Anzeichen von Erschöpfung oder Unsicherheit. Ihrer drahtigen Figur und der vollkommenen Verstohlenheit, mit der sie sich bewegte, merkte man nicht an, dass eine strapaziöse mehrwöchige Reise hinter ihr lag, die sie aus den Bergen und der Festung Masyaf zum Wüstenhafen Askalon geführt hatte.

Hier wartete ehrenvoller Ruhm auf sie – oder aber ein unwürdiges Ende.

Denn hier hatte der Anführer der christlichen Ungläubigen, Richard Coeur de Lion, sein Lager aufgeschlagen, und hier sollte der grausame König auch seinen letzten Atemzug tun. Seit seiner Ankunft im Heiligen Land hatte er viele mächtige Anführer beleidigt; man würde nicht feststellen können, welcher von ihnen seinen Tod bestellt hatte, und dem Fida’i, der nun auf der hohen Stadtmauer entlangkroch, um den königlichen Pavillon inmitten der anderen Zelte zu beobachten, war es auch gleich. Wie Konrad von Montferrat zwei Wochen zuvor würde auch Richard von England bald den tödlichen Stich eines Assassinendolches zu spüren bekommen.

Die Morgendämmerung war nicht mehr fern, doch trotz der späten Stunde schlief der englische König nicht. An den gestreiften Seidenwänden seines großen Pavillons zeichnete sich im Licht einer einzelnen flackernden Kerze sein Schatten ab und verriet, dass Löwenherz allein war und seinen Kopf grübelnd über einen Tisch gesenkt hielt. Wie um der Gefahr zu spotten, hielten sich keine Wachposten vor dem Zelt oder in unmittelbarer Nähe auf. Richards Furchtlosigkeit und Arroganz waren weithin bekannt; in dieser Nacht würden sie ihn ins Verderben stürzen.

Der Fida’i wollte keine Zeit mehr vergeuden. Stumm betete er zu Allah, dann holte er den speziell für diesen Anlass geschmiedeten Dolch hervor. Die jungfräuliche, gebogene Klinge schlüpfte so geräuschlos aus der Scheide, wie sich die Schritte des Assassinen nun dem königlichen Pavillon näherten. Irgendwo bellte ein Hund. Gleich darauf drangen tiefe Männerstimmen durch die Nacht, doch die ernst klingenden Worte waren zu leise gesprochen, um verstanden zu werden. Zwei Ritter näherten sich vom anderen Ende des Lagers Coeur de Lions Zelt. Ihre schweren Stiefel knirschten auf den Bruchsteinen, die den Boden bedeckten; ihre breitschultrigen Umrisse waren in der Dunkelheit kaum zu erkennen.

Eingehüllt von der pechschwarzen Nacht, beobachtete der Assassine sie, wägte ihre Entfernung und das Risiko von Sieg und Niederlage ab, als König Richard den Kopf hob und aufstand. Der Fida’i entschied, dass ihm noch genügend Zeit blieb, um seinen Plan auszuführen, ehe die Ritter ihn erreichten. Er dachte gar nicht daran, seine eigene Haut zu retten; der Märtyrertod war des Assassinen Lohn. Noch verführerischer als die Verheißung, ins Paradies zu gelangen, war jedoch die Hoffnung, dass ihm diese Tat endlich die Anerkennung von Raschid ad-Din Sinan einbringen würde.

Die meisten fürchteten ihn als den geheimnisumwitterten »Alten vom Berge«, den König der Assassinen, doch der Fida’i, der auf diese Mission geschickt worden war, nannte Sinan schlicht Vater. Es war sein Name, nicht Allahs, den er nun flüsterte, ehe er sich dem Zelt mit Coeur de Lions unbewaffneter Silhouette näherte.

»Ich nehme an, der König hat sich nicht die Mühe gemacht zu erklären, was es so Dringendes gibt, dass er uns mitten in der Nacht zu sich ruft, oder?«

Sebastian, Earl of Montborne, seit Kurzem Offizier König Richards von England im Krieg gegen die muslimischen Ungläubigen, antwortete auf die Frage des Ritters an seiner Seite mit einem Schulterzucken. »Der König ist wach und wünscht einen Bericht über seine Regimenter. Welche Erklärung braucht es da noch?«

»Ach«, schnaubte sein Begleiter, ein großer Schotte aus den Highlands seiner rauen Heimat. »Ich hätte mir ja denken können, dass ich mich bei dir nicht zu beklagen brauche, mein Freund. Du und Löwenherz, ihr scheint zu vergessen, dass wir normalen Sterblichen solche Dinge wie Essen und Schlaf benötigen, um uns für die Schlacht am nächsten Tag zu rüsten.«

Sebastian lachte. »Dabei hast du all die vergangenen Monate mir gegenüber immer behauptet, schottisches Blut sei dicker und widerstandsfähiger als englisches. Ich frage mich, was deine holde Braut wohl dazu sagen würde, wenn sie hören könnte, wie du über ein paar Stunden verlorenen Schlaf jammerst.«

»Ja, meine süße Mary«, sagte der Schotte und seufzte tief. »Zweifellos würde sie mich hübsch anfunkeln und schimpfen: ›James Malcolm Logan, ich habe dir ja gleich gesagt, du bist verrückt, wenn du mich verlässt, um an diesem verfluchten Ort dem Ruhm hinterherzujagen. Jetzt setz deinen Hintern endlich in Bewegung, du Narr, und komm nach Hause, wo du hingehörst, bevor ich …‹«

Eine Bewegung in der Dunkelheit ließ Sebastian abrupt stehenbleiben. Mit erhobener Hand brachte er seinen Freund zum Schweigen. »Dort«, flüsterte er, als auch Logan innehielt. »Hinter dieser Zeltreihe hat sich etwas bewegt.«

Die mondlose Nacht gab kaum mehr zu erkennen als die vagen Umrisse der Soldatenzelte und die düstere, hohe Erhebung von Askalons zerfallener Stadtmauer.

Logan spähte angestrengt in die Finsternis und schüttelte den Kopf. »Ich sehe nichts.«

»Doch, ich bin mir sicher«, beharrte Sebastian. Das Prickeln in seinem Nacken verriet ihm, dass er sich nicht täuschte. »Irgendetwas – irgendjemand – ist da.«

Plötzlich tauchte in einiger Entfernung vor ihnen eine schlanke Gestalt wie aus dem Nichts auf. Von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet, schlich sie gebückt und in eindeutiger Absicht auf die Mitte des Lagers zu. Sebastian musste nicht erst sehen, dass ein gebogener Dolch wie eine stählerne, tödliche Kralle aus der Faust des Eindringlings herausstach, um zu wissen, was er war …

Ein Assassine.

»Beim Blute Christi!« Sebastian zückte sein Schwert und rannte los. »Der König, Logan! Lauf zum König!«

Während der Schotte auf Richards Pavillon zulief, stürmte Sebastian dem syrischen Todbringer nach. Alarmiert durch seinen Warnruf, stürzten nun auch andere Soldaten mit gezogenen Waffen aus ihren Zelten.

Aufgeschreckt durch den Lärm, blieb der Assassine unvermittelt stehen, wie um das Risiko einer Gefangennahme abzuwägen. Durch sein Zögern vergeudete er kostbare Zeit. Sebastian schnitt ihm den Weg ab und war ihm dicht auf den Fersen, als der verhinderte Meuchelmörder sich umwandte und auf das offene Stadttor zurannte. Wenn er das Labyrinth von Askalons Straßen und Gassen erreichte, würde er ihn niemals wiederfinden, das wusste Sebastian.

Der Assassine war von zierlicher Gestalt, aber schnell. Wenigstens zweimal kam Sebastian ihm nahe genug, um ihn mit dem Schwert niederstrecken zu können, doch der wendige kleine Teufel duckte sich jedes Mal weg und schlug Haken wie ein Hase, der vor einem Hund flüchtet. Fast schon hatte er das bogenförmige Stadttor von Askalon erreicht, das ihm die Freiheit bringen würde, da geriet er plötzlich auf dem Geröll vor der Stadtmauer ins Straucheln. Sebastian hechtete nach vorn und bekam den rudernden Arm des Assassinen zu fassen.

»Ah … nein!«, schrie der Fida’i. Seine dünne Stimme klang ungewöhnlich schrill.

Hatte man tatsächlich einen Grünschnabel aus den Bergen geschickt, um einen König zu töten? Die Vorstellung erschien Sebastian lächerlich, aber ihm blieb keine Zeit, darüber nachzugrübeln.

Ohne Vorwarnung wirbelte der Assassine herum und schlug ihm mit einer unfassbar schnellen Bewegung in die Seite. Der Hieb war zwar nicht der stärkste, den Sebastian je hatte einstecken müssen, dennoch war er heftig genug, um ihm alle Luft aus den Lungen zu pressen. Nach Atem ringend, lockerte er seinen Griff. Der Assassine riss sich los und rannte davon. Sebastian setzte ihm nach, doch bald schon stellte er fest, dass er nicht mit ihm Schritt halten konnte. Sein Gang wurde schleppend, sein Schwert zu einer solch schweren Last, dass er es kaum noch halten konnte. Schwerfällig schlurfte er durch den Sand, während der Fida’i durch das Stadttor schlüpfte und in der Dunkelheit verschwand.

Hinter sich hörte Sebastian das Rasseln von Waffen und die schweren, schnellen Schritte von Soldaten. Ihm war gar nicht bewusst, dass er stehengeblieben war, bis er eine Hand auf seiner Schulter spürte.

»Seid Ihr wohlauf, Sir?«, fragte einer der Kreuzfahrer.

Sebastian nickte und drehte sich zu seinen Männern um, bemüht, sich die Anstrengung, die ihm diese kleine Bewegung verursachte, nicht anmerken zu lassen. »Ich bin außer … Atem.« Ungehalten, weil ihm der Assassine entkommen war, stieß er die stützende Hand, die ihm einer der Ritter geboten hatte, zur Seite. »Der Bastard hat mir einen Hieb versetzt, und mir ist die Luft weggeblieben. Lasst mich; mir geht es gleich wieder gut.«

Ein paar Waffenknechte starrten ihn mit aufgerissenen Augen und über die Maßen bestürzt an.

»Allmächtiger«, stieß ein junger Soldat hervor.

Sebastian schaute an sich hinunter, auf die Stelle, auf die sie ihre Blicke wie gebannt gerichtet hatten, und nahm den Ursprung ihrer Sorge mit einem grimmigen Lachen zur Kenntnis. Aus einer Wunde über seiner Hüfte sickerte Blut, durchtränkte den Stoff seiner Tunika und breitete sich in einem großen Fleck bis hinab zu seinen Beinlingen aus. Der kleine Hurensohn hatte ihm einen Dolchstoß versetzt – und das äußerst erfolgreich, wie es aussah.

Kein Wunder, dass ihn die Männer angafften wie einen Geist; in wenigen Stunden würde er vermutlich einer sein.

1

Drei Wochen später

»Weißt du, mein Freund, hättest du gleich gesagt, dass du fest entschlossen bist, dich auf die eine oder andere Weise umzubringen, hätte das dem König und uns allen jede Menge Mühen und Sorgen erspart.« James Logan schlenderte, noch im Kettenhemd, nach den morgendlichen Waffenübungen zu Sebastian hinüber, der auf einer Holzleiter stand und einen großen Stein auf die halb fertige Stadtmauer wuchtete. Die mittägliche Wüstensonne brannte erbarmungslos auf seinen entblößten Oberkörper herab. »Eintausend fähige Männer wurden mit dem Wiederaufbau von Askalons Verteidigungsmauern beauftragt, und dennoch bist auch du hier, die rechte Hand des Königs, und arbeitest so hart wie alle anderen. Und das, obwohl du noch vor wenigen Tagen halb tot warst. Offenbar hast du durch deine Verwundung nicht nur Blut, sondern auch deinen Verstand verloren.«

Leise fluchend drehte sich Sebastian zu Logan um, allerdings so abrupt, dass er ein unangenehmes Ziehen in der noch nicht verheilten Wunde an seiner Seite spürte. »Ich bin nicht zum Sterben nach Palästina gekommen«, sagte er, verteilte mit seiner Kelle Mörtel auf der Mauer und griff nach einem weiteren Stein. »Ich bin auch nicht hier, um müßig im Palast des Sultans zu sitzen und den Wiederaufbau einer Stadt zu beaufsichtigen, die Saladin vermutlich dem Erdboden gleichmacht, ehe wir den letzten Mauerstein gesetzt haben.«

Lachend lehnte sich Logan an die Steinmauer neben der Leiter und blickte Sebastian unter hochgezogenen kastanienbraunen Brauen an. »Der König hätte wissen müssen, dass der Schwarze Löwe von England gereizt darauf reagieren würde, wenn man ihn in einem Käfig gefangen hält – selbst wenn dieser Käfig mit goldenen Gitterstäben versehen ist. Ob es dir nun gefällt oder nicht, mein Freund, aber er hat dir nun einmal vor seinem Aufbruch nach Darum die Aufsicht über diese Stadt befohlen.«

»Es gefällt mir nicht«, gab Sebastian knurrend zu. »Ich bin zum Kämpfen hergekommen. Im Moment mag ich dazu nicht in der Lage sein, das gebe ich zu, aber ich will mich wenigstens nützlich machen. Warum tust du es mir nicht gleich und reichst mir einen Eimer mit Mörtel, wenn du schon hier herumstehst?« Er schaufelte den letzten Rest des dicken Lehmbreis heraus und ließ den leeren Eimer in Logans wartende Hände fallen. »Sobald der König von seinem Feldzug aus Darum zurückgekehrt ist, werde ich mich den Truppen wieder anschließen. Ich bin nun schon fast einen Monat hier in Askalon zur Untätigkeit verdammt, einige Tage mehr oder weniger werde ich gewiss noch ertragen können.«

»Dann hast du es also noch nicht gehört?« Sebastian schaute ihn fragend an, worauf Logan tief aufseufzte. »Richard hat seine Pläne geändert. Er will vor seiner Rückkehr Saladins Festung im Tal der Brunnen erobern. Ich habe selbst erst heute Morgen davon erfahren. Anscheinend hat der König die Kunde durch ein Vorratsschiff überbringen lassen, dem er vor einigen Tagen an der Küste begegnet ist, wie mir einer der Männer erzählte.«

Sebastian fluchte ungehalten. »Ist er denn verrückt geworden?« Ohne die gaffenden Arbeiter zu beachten, die sich nach ihm umgedreht hatten, warf er die schlammige Kelle auf den Boden und kletterte die Leiter hinunter zu seinem Leutnant. »Wir sollten die Kraft unserer wenigen noch verbliebenen Truppen für Jerusalem aufsparen und nicht für kleinere Raubzüge und Karawanenüberfälle vergeuden.«

Logan zuckte die Schultern. »Ich bin ganz deiner Meinung. Richard hat sich von der reichen Beute wohl in Versuchung führen lassen und womöglich vergessen, dass er nach Palästina gekommen ist, um Jerusalem aus den Händen der Ungläubigen zu befreien.«

»Er vergisst auch, dass seine Arroganz ihm keine Achtung einbringt«, sagte Sebastian und nahm seine Tunika von der Sprosse der Leiter, auf der er sie am frühen Morgen abgelegt hatte. Er zog das luftige weiße Leinenhemd über, zu schnell jedoch, denn erneut durchzuckte ihn ein schmerzhaftes Ziehen. Wenn er je den Teufel zu fassen bekam, der ihn in jener Nacht aufgeschlitzt hatte, würde er mit Freuden Gleiches mit Gleichem vergelten – ganz langsam. »Der König hat sich mächtige Feinde auf beiden Seiten gemacht«, sagte er mit einem bedeutungsvollen Blick zu Logan. »Wenigstens einer dieser Feinde will ihn tot sehen.«

»Richard vermutet allerdings, dass der Angriff in jener Nacht von einem verrückt gewordenen Muslim ausgeführt worden ist, der auf eigene Faust gehandelt hat. Er glaubt nicht, dass er in Gefahr schwebt.«

Sebastian schnaubte verächtlich. »Konrad von Montferrat war derselben Ansicht, bis ihn zwei als Mönche verkleidete Assassinen nachts auf der Straße überfallen und erdolcht haben.« Er hob sein Schwert und das Wehrgehänge auf und gürtete sich das breite Lederband um die Hüfte.

Hitze und Durst hatten ihn ausgelaugt, und die Nachricht über die neueste Laune des Königs trug nicht zur Aufhellung seiner Stimmung bei. Verdrossen ließ Sebastian seine Arbeit liegen und ging zum Brunnen in der Mitte des Platzes. Logan schloss sich ihm an. »Man munkelt, dass Konrads Mord durch Richards Münze gekauft worden ist. Das haben zumindest die beiden Assassinen nach ihrer Gefangennahme erzählt.«

»Das ist sicher bloß ein Gerücht«, entgegnete Sebastian. »Konrad und Richard waren gewiss keine Freunde, aber sie hatten immerhin ein Abkommen miteinander. Ich war zugegen, als der König beschloss, Konrad als seinen Stellvertreter einzusetzen, falls er vor der Rückeroberung von Jerusalem in dringenden Angelegenheiten nach England zurückberufen werden sollte. Er hat nichts durch Konrads Tod gewonnen, außer dem Wissen, dass der Erfolg oder die Niederlage des Kreuzzuges nun allein auf seinen Schultern lastet.«

»Gewiss, dennoch hatten die Ungläubigen Grund genug zu feiern, da sie sich nun mit einem christlichen Anführer weniger herumschlagen müssen«, meinte Logan trocken. Er senkte die Stimme, als er sich mit Sebastian dem belebten Platz näherte. »Glaubst du, Saladin hatte seine Hände im Spiel? Könnte er sich mit dem Alten vom Berge verschworen haben, um sowohl Konrad als auch Richard den Garaus zu machen?«

Sebastian dachte einen Moment darüber nach, den Blick auf die Gruppe englischer Soldaten und sarazenischer Arbeiter gerichtet, die sich am Brunnen erfrischten. »Ein heimtückischer Meuchelmord scheint mir zu feige für einen Mann mit Saladins Ehrgefühl«, antwortete er und schüttelte den Kopf. »Der Sultan stand jedoch schon oft genug mit dem Rücken an der Wand, und der König hat zahllose Feinde, da ist wohl niemand über einen Verdacht erhaben.«

Als die beiden sich dem Brunnen näherten, sprang ein Junge von der steinernen Umrandung auf und füllte rasch zwei Becher. Mit eifrigem Lächeln und glänzenden dunklen Augen ging er auf Sebastian und Logan zu, um sie ihnen anzubieten. Doch nach der Hälfte des Weges blieb er plötzlich wie erstarrt stehen.

Der markerschütternde Schrei einer Frau erfüllte die Luft.

Er kam von der Hauptstraße, einer breiten Straße, die zu dem einst prächtigen Palast führte, der nun, verlassen von seinen früheren Bewohnern, Richards hochrangigen Offizieren als Hauptquartier diente. Wieder schrie die Frau ein einziges Wort, das das Blut der Engländer und Sarazenen gefrieren ließ …

»Assassine!«

Sebastian und Logan liefen sofort los und umrundeten die vor Schreck erstarrten Arbeiter, um auf die hier einmündende Hauptstraße zu gelangen. »Schließt sämtliche Tore«, rief Sebastian über die Schulter hinweg der Gruppe Soldaten zu, die sich ihm eilig angeschlossen hatte. »Niemand verlässt die Stadt!«

Ihre Stiefel hämmerten auf das Pflaster, während er und der Schotte zum Mittelpunkt des Aufruhrs liefen. Noch ehe sie am Palast ankamen, konnten sie sehen, was geschehen war. Eine Dienstmagd stand hysterisch schluchzend vor den Toren und fuchtelte panisch mit den Armen. In einer Blutlache zu ihren Füßen lag ein englischer Ritter. Es war einer der Soldaten, die vor den Palasttoren Wache gestanden hatten, als Sebastian am Morgen zur Stadtmauer gegangen war, um sich seine Langeweile durch Arbeit zu vertreiben. Die Kehle des Mannes war durchschnitten worden – eine brutale Tat, die offenbar gerade eben erst ausgeführt worden war, da sein Blut in einem starken, scharlachroten Strom aus der Wunde trat.

»Hast du gesehen, wer das getan hat?«, fragte Sebastian die Frau und packte sie an den Schultern. Matt schüttelte sie den Kopf und fing erneut an zu heulen und zu jammern. Sebastian ließ sie los und drehte sich zu der Menschenmenge in der Straße um. Manche murmelten Gebete, doch die meisten schienen vor Schock wie gelähmt und blickten nur starr zu ihnen herüber. »Hat jemand gesehen, wer das getan hat?«

Einige schüttelten den Kopf. Laut fluchend wollte sich Sebastian schon abwenden, als etwas – oder, besser gesagt, jemand – in der Menge seine Aufmerksamkeit erregte. Mitten im Gedränge stand ein Mann von leichter, drahtiger Statur. An seinem Aussehen war nichts Auffälliges; wie die anderen Arbeiter trug er eine lange weiße Tunika und einen Turban. Doch im Gegensatz zu den anderen war sein Blick nicht auf den gefallenen Ritter gerichtet, sondern auf Sebastian.

Er starrte ihn aus stechenden schwarzen Augen an, in denen kaltblütige Belustigung zu funkeln schien. Mit gefurchter Stirn ging Sebastian auf ihn zu. War das derselbe Mann, der ihn in jener Nacht im Lager angegriffen hatte – derselbe Mann, dessen Anschlag auf den König sie gerade noch hatten vereiteln können? Er war sich dessen nicht sicher, doch eines wusste er mit Gewissheit: Dieser Mann hatte die Palastwache ermordet – Sebastian konnte es in seinem kalten, höhnischen Blick lesen.

»Du da«, rief er auf Arabisch. »Komm her. Ich möchte mit dir reden.«

Der Mann lächelte, machte aber keine Anstalten, zu ihm zu kommen. Mehrere Leute wichen vor ihm zurück, als ob sie plötzlich begriffen hätten, dass sich etwas Böses in ihrer Mitte befand.

»Was ist?«, fragte Logan, als Sebastian zu seinem Schwert griff.

»Dort, in der Menge. Der Mann. Siehst du ihn?« Sebastian machte einen Schritt nach vorn, gleichzeitig trat der grinsende Sarazene einen Schritt zurück. »Der Bastard will sich aus dem Staub machen.«

Kaum hatte Sebastian die Worte ausgesprochen, stieß der Mann ein spöttisches Lachen aus, drehte sich um und verschwand im dichten Gedränge. Im Nu war sein weißer Turban mit den Turbanen der anderen verschmolzen.

Sebastian stürmte ihm nach und schob sich durch die Menge der verdutzten Arbeiter und Dienstboten. Logan war ihm dicht auf den Fersen und rief einer Handvoll englischer Soldaten zu, sie sollten alle Wege aus der Stadt versperren.

Ein Meer aus Turbanen und weißen Tuniken breitete sich in alle Richtungen vor ihnen aus. Die hellen Formen verschwammen im gleißenden Licht der Wüstensonne zu einer endlosen, fast blendenden Wand. Wie ein Falke, der nach jeder noch so unauffälligen Bewegung im Gebüsch Ausschau hält, ließ Sebastian den Blick umherschweifen, während er sich seinen Weg durch dieses Menschenmeer bahnte. Schließlich fand er, was er suchte. Der Assassine war gleich hinter dem Marktplatz stehengeblieben, um zu verschnaufen. Die Arme gegen die Mauer eines Ladens gestreckt, sah er über die Schulter, dann lief er in eine enge Gasse.

»Hier entlang!«, rief Sebastian Logan zu. »Er will zum Souk.«

In Askalons Marktviertel ging es zu dieser Tageszeit zu wie in einem Bienenstock. Ganz gewiss würden sich dort noch viel mehr Menschen aufhalten als Arbeiter gerade eben auf dem Platz. Überall in den schmalen Gassen hatten Händler ihre Stände aufgebaut, um Lebensmittel und andere Waren feilzubieten. Die Luft war erfüllt vom Lärm lebhaften Feilschens und dem Gestank und Gedränge Hunderter schwitzender Körper. Der flüchtende Mann mochte sich in dem Tumult eine Weile verstecken können, allerdings war der Souk auch ein in sich abgeschlossenes Viertel. Wenn es Sebastian und Logan gelang, ihn in das Labyrinth der schmalen Straßen und engen Sackgassen zu treiben, saß er wie eine Ratte in der Falle.

Mit einem hektischen Blick über die Schulter, als wollte er sich vergewissern, ob er immer noch verfolgt würde, tauchte der Assassine tiefer in das Markttreiben ein, bahnte sich seinen Weg an Teppich- und Seidenhändlern vorbei, warf Karren um und stieß Frauen und Kinder in seiner Hast unsanft zur Seite.

»Lauf zur Straße der Gewürzhändler. Schnell!«, rief Sebastian Logan zu. Auf seinen Befehl hin rannte der große Schotte eine Gasse hinunter, um dem Assassinen von der anderen Seite her den Weg abzuschneiden, während Sebastian ihm unerbittlich auf den Fersen blieb.

Wut pochte hinter seinen Schläfen, als er mit gezogenem Schwert über einen Karren umgeworfener Seidenstoffe hinwegstürmte. Er umrundete einen fluchenden Händler, zückte sein Schwert und sprang, ohne die erstaunten Rufe der Bürger zu beachten, auf eine Reihe Tische, um dem Gewirr in der Straße auszuweichen. Der Assassine war nur wenige Schritte vor ihm, seine Flucht wurde durch die über den Markt schlendernden Passanten verlangsamt. Plötzlich blieb er stehen, denn vor ihm erhob sich eine zehn Fuß hohe Steinmauer.

Eine Sackgasse.

Der Mann nahm das Hindernis scheinbar unbekümmert in Augenschein und lachte auf, als er Sebastian herannahen sah. Nach einem schnellen Blick nach links entdeckte er zwischen zwei Gebäuden eine Leine, über die ein Vorhang aus farbenprächtigen Teppichen gespannt war. Der schmale Durchgang bot den einzigen Ausweg aus seiner misslichen Lage.

Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen sah Sebastian zu, wie der Sarazene in wilder Hast durch den Gang stürmte, denn er wusste, dass auch dieser letztendlich in einer Sackgasse enden würde. Zunächst aber führte er an der Straße der Gewürzhändler vorbei, wo Logan jeden Augenblick sein würde, um ihm den Weg abzuschneiden.

Kaum hatte der Mann die Mündung erreicht, tauchte der Schotte auch schon auf, und schloss sich Sebastian an. Seite an Seite drängten sie den Assassinen die enge Gasse hinunter. Erfüllt von Entschlossenheit und dem fiebrigen Kitzel der Jagd, die Schwerter gezückt und bereit zum Angriff, ließen sie ihm keine Möglichkeit, an ihnen vorbeizuschlüpfen, und zwangen ihn so bis an die Mauer zurück, die den Weg abschloss. Als der Mann einsehen musste, dass er nicht mehr weiterkam, wirbelte er zu seinen Verfolgern herum.

»Es ist vorbei. Es gibt keinen Ausweg mehr.« Fast knurrend stieß Sebastian die Worte auf Arabisch hervor und beobachtete, wie der Assassine den Blick von der hohen Wand zu der Backstube auf der anderen Seite schweifen ließ. Sebastian und Logan kamen mit kleinen, bedächtigen Schritten auf ihn zu. Als sie fast in Reichweite waren, griff der Sarazene nach seinem Dolch.

»Sei kein Narr«, warnte Sebastian. »Ich schlage dich in Stücke, noch eh du deine Waffe aus der Scheide gezogen hast.«

Der Mann zögerte und kniff die dunklen Augen zusammen, als ahnte er, wie recht Sebastian mit seiner Drohung hatte. Die Lippen kräuselnd, brach er in ein tiefes, kehliges Lachen aus.

»Engländerschwein«, spuckte er in gebrochenem Englisch aus. »Allah möge euch alle verfluchen!«

Sein Lachen klang jetzt wie das eines Irrsinnigen, und Sebastian überlegte, ob der Mann tatsächlich wahnsinnig war – oder vielleicht berauscht von der mächtigen Droge, die die Sekte der Assassinen ihren Todesboten angeblich gab, bevor diese auf ihre Unheil bringende Mission geschickt wurden. Doch ob nun das eine oder das andere zutraf, er war auf alle Fälle gefährlich, und Sebastian verlor allmählich die Geduld. »Du kommst jetzt mit uns«, sagte er und ging auf den wild um sich blickenden Sarazenen zu.

Kaum hatte er den Fuß vom Boden gehoben – war nicht einmal einen halben Schritt weit gekommen –, als sich plötzlich die Tür der Backstube knarrend öffnete und eine junge Muslimin heraustrat. Ihr Gesicht war, bis auf die Augen, von einem Schleier verhüllt, und sie hielt ein Bündel Fladenbrote und Kuchen in den Armen. Ohne auf ihre Umgebung zu achten, trat sie mit gesenktem Blick hinaus auf die Straße und befand sich nun zwischen Sebastian und dem Assassinen.

»Geht zurück!«, rief Sebastian ihr zu, doch es war bereits zu spät.

Der Assassine packte die Frau um die Schultern und riss sie an sich. Aufschreiend ließ sie ihre Backwaren fallen. Ihre großen, angsterfüllten Augen – außergewöhnliche Augen, deren Farbe silbernem Mondlicht glich – blickten Sebastian Hilfe suchend über den hauchzarten Schleier hinweg an. Sie versuchte, sich zu befreien, doch der Assassine presste sie nur noch fester an sich. Die Klinge seines Dolches drückte sich in die Seide über ihrer Kehle.

»Saadni«, rief sie, den verzweifelten, flehenden Blick fest auf Sebastian gerichtet. »Helft mir, bitte!«

»Lass sie los, verflucht!«, rief Sebastian.

Die Frau wie einen Schild vor sich haltend, bewegte sich der Fida’i seitlich zur Straße der Gewürzhändler hin, entfernte sich langsam von Sebastian und Logan und strebte der Freiheit entgegen. Die Mündung zu der Gasse war nur noch wenige Schritte entfernt, die Flucht schien ihm sicher. Höhnisch grinsend, forderte er Sebastian förmlich heraus, eine unbedachte Bewegung zu machen.

Logan stieß einen zischenden Fluch aus. »Wir können nicht an ihn ran, solange der Bastard sich hinter ihr versteckt.«

»Überleg dir gut, was du tust, du Feigling«, rief Sebastian grimmig auf Arabisch. Zwar wollte er nicht, dass eine Unschuldige zu Schaden kam, doch er würde sich auch nicht so leicht geschlagen geben. »Du bist ein toter Mann, egal was du tust. Lass die Frau los, und du bleibst unversehrt. Krümme ihr auch nur ein Haar, und ich schwöre dir, du wirst einen langsamen, qualvollen Tod erleiden. Du hast die Wahl.«

»Ich überlasse Allah die Entscheidung«, antwortete der Assassine mit tiefer, rauer Stimme, während er die letzten Schritte zurücklegte, die ihn noch von dem Bogendurchgang zur anderen Gasse trennten.

»Bitte«, sagte die junge Frau in Sebastians Muttersprache. Dieses eine Wort zwang ihn förmlich, ihren Blick zu suchen, obwohl er wusste, dass es ein Fehler war, seinen Widersacher aus den Augen zu lassen. »Lasst nicht zu, dass er mich verletzt. Bitte, helft mir …«

Sie sog scharf den Atem ein, als der Mann den Dolch nach unten gleiten ließ und unbarmherzig unter ihre Brust drückte. Sie rückwärts mit sich ziehend, verschwand der Assassine weiter in den Schatten der Gasse. Sosehr er sich auch bemühte, Sebastian konnte den Blick nicht von der Frau lösen. Sie war aufsehenerregend – eine olivenhäutige Schönheit mit üppigem rabenschwarzem Haar, das bis auf wenige glänzende Locken, wie bei allen respektablen Sarazeninnen, von einem züchtigen Schleier verdeckt war. Von ihrer Nase und ihrem Mund konnte er durch die Seide nur die Umrisse erkennen, doch das, was er sah, schien wohlgeformt und apart.

Und diese Augen … Solche Augen hatte Sebastian noch nie zuvor gesehen. Sie waren schillernd grau wie Quecksilber. Atemberaubend. Sie fesselten ihn, und einen Moment lang nahm er nichts anderes mehr wahr.

Der Assassine nutzte die Gelegenheit, die sich ihm so plötzlich bot, und stieß die Frau kräftig von sich. Aufschreiend stürzte sie nach vorn. Unwillkürlich tat Sebastian einen Satz zu ihr und konnte ihren Sturz gerade noch auffangen, bevor sie hart auf das Pflaster prallen konnte. Als er einen Herzschlag später aufsah, hatte der Assassine die Straße schon halb hinter sich gebracht.

»Kümmere dich um sie«, rief er Logan zu, trat um die zitternde junge Frau herum und nahm entschlossen die Verfolgung auf.

Von Wut und Ungeduld angetrieben, lief Sebastian so schnell wie der Teufel. Der gerissene Assassine war ungleich langsamer. Kaum waren sie um die Ecke gebogen, da hatte Sebastian ihn schon fast eingeholt. Er streckte die Hand aus und bekam ihn an der Tunika zu fassen. Mit einem Ruck warf er ihn auf die staubige Straße und zögerte nicht einen Augenblick, seine Drohung wahrzumachen. Ein schneller Hieb seines Schwertes, und der Mann war des Todes. Mit vor Überraschung weit aufgerissenen Augen umfasste der Mann die Klinge in seiner Brust, zuckte noch einmal kurz und verharrte schließlich reglos.

Nachdem Sebastian sein Schwert gesäubert und in die Scheide zurückgesteckt hatte, kehrte er zu Logan zurück, der seinen starken Arm stützend um die junge Frau gelegt hatte.

»Du hast ihn erwischt«, stellte der Schotte ohne den leisesten Zweifel in der Stimme fest. Vermutlich hatte er es in Sebastians Blick gelesen. »War es derselbe Bastard, der vor ein paar Wochen den König umbringen wollte?«

Sebastian schüttelte nachdenklich den Kopf, als er sich die Ereignisse jener Nacht in Erinnerung rief. Der Fida’i damals war von zierlicher Statur und noch sehr jung gewesen. Ein Knabe, dem Schrei nach zu urteilen, den er ausgestoßen hatte, als Sebastian ihn packte. Der Mann von eben war älter und kräftiger gebaut, auch hatte seine Stimme tiefer geklungen. Es konnte nicht derselbe Mann sein, dessen war sich Sebastian sicher. »Was ist mit ihr?«, fragte er und warf einen Blick auf die Sarazenin. »Ist sie verletzt?«

»Sie hat sich bei dem Stoß den Fuß verstaucht«, antwortete Logan. »Ich glaub nicht, dass sie laufen kann.«

Wie um seine Worte zu beweisen, versuchte die Frau einen Schritt zu machen und zuckte mit schmerzverzerrter Miene leise stöhnend zusammen.

»Beseitige den Abschaum in der Straße der Gewürzhändler und stell fest, ob jemand den Mann schon mal gesehen hat«, wies Sebastian seinen Freund an. »Ich werde mich um sie kümmern.«

Während Logans schwere Schritte durch die Gasse dröhnten, kniete Sebastian vor der Frau nieder, um sich ihre Verletzung anzusehen. Er schob den Saum ihres Schalwar – der weiten Hose, die die Sarazeninnen unter ihren langen Tuniken trugen – nach oben und befühlte ihren zarten Knöchel. Sie wich jäh zurück; zweifellos war sie noch Jungfrau und nicht gewohnt, dass ein Mann sie derart berührte. Er schaute auf und war erneut gebannt von der unvergleichlichen Schönheit ihrer Augen.

»Wie lautet Euer Name?«

»Zahirah«, antwortete sie leise. Ein exotischer Name für eine exotische Frau.

»Ich werde Euch nicht wehtun, Zahirah. Ihr müsst keine Angst haben.« Auf ihr leichtes Nicken hin wandte Sebastian seine Aufmerksamkeit wieder ihrem verletzten Bein zu. Ihre Haut war wie helle Bronze und fühlte sich samtweich und warm unter seinen Fingern an. Sorgfältig untersuchte er ihr wohlgeformtes Bein nach Brüchen und Schwellungen, nahm behutsam ihren kleinen in Sandalen steckenden Fuß in die Hand und drehte ihn – nur ganz leicht –, doch sie schrie trotzdem auf.

»Er ist nicht gebrochen«, sagte er. »Aber wenn er Euch so sehr schmerzt, sollte man ihn kühlen und wickeln.« Er ließ ihren Fuß los und stand auf. »Ist Euer Zuhause hier in der Nähe, Zahirah?«

Sie schüttelte den Kopf und schaute ihn unter dichten schwarzen Wimpern an. »Ich bin … nur heute zu Besuch in der Stadt.«

»Gibt es jemanden in Askalon, der sich um Euch kümmern kann? Ein Freund, vielleicht? Ein Verwandter?«

Wieder schüttelte sie zaghaft den Kopf. »Nein, Mylord.«

Seufzend dachte Sebastian darüber nach, was er nun tun sollte. Es gab niemanden, zu dem er sie bringen konnte, keinen Ort in der Stadt, an dem sie Hilfe von ihren Landsleuten erhalten würde. Allerdings konnte er sie auch nicht einfach auf der Straße stehenlassen, noch dazu, da ihn teilweise die Schuld an ihrem Missgeschick traf. Andererseits konnte er sich jetzt wirklich nicht mit der Sorge für das Wohlergehen einer jungen Frau belasten, wie hübsch auch immer sie war.

Als ob sie seinen Widerwillen spürte, senkte die junge Frau ihren Blick. »Ich danke Euch zutiefst für Eure Freundlichkeit und Hilfe, Mylord. Friede sei mit Euch.« Vorsichtig trat sie einen kleinen Schritt zurück und biss sich mit schmerzverzerrter Miene auf die Lippe, als sie den verletzten linken Fuß aufsetzte. Ihr ersticktes Aufstöhnen packte Sebastian bei seiner ritterlichen Ehre.

»Herrgott«, grummelte er und hob sie auf die Arme. »Ihr kommt jetzt mit mir zum Palast.«

2

Zahirah schlang die Arme Halt suchend um den Nacken des finsteren Kreuzritters, der sie durch die gewundenen Gassen des geschäftigen Marktviertels zum prächtigen Palast im Herzen der Stadt trug. Sie bebte am ganzen Körper vor Aufregung, und ihr Herz raste bei dem Gedanken an das, was soeben geschehen war. Der Angriff auf die Palastwache. Die Verfolgungsjagd zum Marktviertel und das Stellen des anscheinend wahnsinnigen Mörders durch die Kreuzritter in der Gasse vor der Backstube. Ihre Bedrohung und Rettung. Und nun das: Sie wurde ins Hauptquartier der englischen Besatzer gebracht – wurde höchstpersönlich von einem der ihren durch das schwer bewachte Tor geleitet.

Es war alles genau nach Plan verlaufen.

Nun ja, nicht alles, berichtigte sie sich mit einem Anflug von Trauer. Jafars Tod war gewiss nicht geplant gewesen; allerdings hatte ihr Komplize trotz seiner jahrelangen Erfahrung viel zu unbesonnen gehandelt, und seine Überheblichkeit hatte ihn letztendlich das Leben gekostet. Erst einen Monat zuvor war auch Zahirah unvorsichtig gewesen. Damals hätte sie den berühmten König der Engländer in seinem Zelt töten können, doch sie hatte versagt. Ihr Scheitern war sie teuer zu stehen gekommen; umso fester war sie nun entschlossen, ihre Mission erfolgreich zu Ende zu bringen. Wie eine Schlange, die gut verborgen ihrer Beute auflauert, würde sie auf ihre Chance lauern und dann zuschlagen. Und dieses Mal würde Richard Löwenherz sie erst bemerken, wenn er den tödlichen Stich ihres Dolches spürte.

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