Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern - Johann Wolfgang von Goethe - E-Book

Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern E-Book

Johann Wolfgang von Goethe

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Beschreibung

Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern ist ein Schwank von Johann Wolfgang Goethe. Die erste Fassung entstand 1773, die zweite 1778. Das Stück wurde am 20. Oktober 1778 auf Schloss Ettersburg uraufgeführt. Goethe selbst spielte den Marktschreier, den Haman und den Mardochai. 1789 lag die zweite Fassung gedruckt vor.

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Johann Wolfgang von Goethe

Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern

Impressum neobooks

Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern

MARKTSCHREIER.

Werd's rühmen und preisen weit und breit,

Daß Plundersweilern dieser Zeit

Ein so hochgelahrter Doktor ziert,

Der seine Kollegen nicht schikaniert.

Habt Dank für den Erlaubnisschein!

Hoffe, Ihr werdet zugegen sein,

Wenn wir heut abend auf allen vieren

Das liebe Publikum amüsieren.

Ich hoff, es soll Euch wohl behagen;

Geht's nicht vom Herzen, so geht's vom Magen.

DOKTOR.

Herr Bruder, Gott geb Euch seinen Segen,

Unzählbar, in Schnupftuchs-Hagelregen.

Den Profit kann ich Euch wohl gönnen;

Weiß, was im Grunde wir alle können.

Läßt sich die Krankheit nicht kurieren,

Muß man sie eben mit Hoffnung schmieren.

Die Kranken sind wie Schwamm und Zunder;

Ein neuer Arzt tut immer Wunder.

Was gebt Ihr für eine Komödia?

MARKTSCHREIER.

Herr, es ist eine Tragödia,

Voll süßer Worten und Sittensprüchen;

Hüten uns auch vor Zoten und Flüchen,

Seitdem in jeder großen Stadt

Man überreine Sitten hat.

DOKTOR.

Da wird man sich wohl ennuyieren!

MARKTSCHREIER.

Könnt ich nur meinen Hanswurst kurieren;

Der macht' Euch sicher große Freud,

Weil Ihr davon ein Kenner seid.

Doch ist's gar schwer, es recht zu machen;

Die Leute schämen sich zu lachen.

Mit Tugendsprüchen und großen Worten

Gefällt man wohl an allen Orten;

Denn da denkt jeder für sich allein:

So ein Mann magst du auch wohl sein!

Doch wenn wir droben sprächen und täten,

Wie sie gewöhnlich tun und reden,

Da rief' ein jeder im Augenblick:

Ei pfui, ein indezentes Stück!

Allein, wir suchen zu gefallen;

Drum lügen wir und schmeicheln allen.

DOKTOR.

Sauer ist's, so sein Brot erwerben!

MARKTSCHREIER.

Man sagt: es könne den Charakter verderben,

Wenn man Verstellung als Handwerk treibt,

In fremde Seelen spricht und schreibt,

Und wenn man das sehr oft getan,

Nehme man auch fremde Gemütsart an.

Doch ach! wir scheinen oft zu scherzen

Und haben viel Kummer unterm Herzen;

Verschenken tausend Stück Pistolen

Und haben nicht, die Schuh' zu besohlen.

Unsre Helden sind gewöhnlich schüchtern,

Auch spielen wir unsre Trunkenen nüchtern.

So macht man Schelm und Bösewicht

Und hat davon keine Ader nicht.

DOKTOR.

Der Rollen muß man sich nicht schämen.

MARKTSCHREIER.

Warum will man's uns übelnehmen?

Tritt im gemeinen Lebenslauf

Ein jeder doch behutsam auf,

Weiß sich in Zeit und Ort zu schicken,

Bald sich zu heben und bald zu drücken

Und so sich manches zu erwerben,

Indes wir andre fast Hunger sterben.

DOKTOR.

So habt Ihr also gute Leute?

MARKTSCHREIER.

Ihre Talente, die seht Ihr heute;

Auch sind sie wegen guter Sitten

An hohen Höfen wohlgelitten.

DOKTOR.

Es setzt doch wohl mitunter Zank?

MARKTSCHREIER.

Das geht noch ziemlich, Gott sei Dank!