Das Kapitalismus-Komplott - Janich Oliver - E-Book
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Beschreibung

Spätestens seit der Eurokrise wird deutlich, dass sich die Politik immer weiter vom Bürger entfernt. Immer neue milliardenschwere Rettungspakete zur angeblich alternativlosen Eurorettung werden geschnürt. Die politische Union wird mit Hochdruck vorangetrieben und der Bürger sieht ohnmächtig zu. Oliver Janich zeigt auf, welche Strippenzieher hinter den Kulissen der Macht mit welchen Zielen Einfluss auf die Politik nehmen. Er beschreibt, welche Methoden der Propaganda dabei eingesetzt werden und worum es eigentlich geht: die Einschränkung der menschlichen Freiheit. Er belässt es aber nicht dabei, sondern zeigt einen Weg aus der Krise auf: die Rückkehr zu einer natürlichen Wirtschaftsordnung im Sinne der Österreichischen Schule der Nationalökonomie um Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek. Mithilfe von Logik und analytischem Verstand enttarnt Oliver Janich unzählige Lügen, die unseren Alltag bestimmen. Die aktuelle Auflage enthält 14 neue Artikel des Autors, die seit der Erstauflage des Buches erschienen sind.

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Seitenzahl:798


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.  

Für Fragen und Anregungen:

janich@finanzbuchverlag.de

6. Auflage 2012

© 2012 FinanzBuch Verlag,

ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Nymphenburger Straße 86

D-80636 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096  

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Satz: Georg Stadler, München / HJR, Manfred Zech, Landsberg am Lech

Epub: Grafikstudio Foerster, Belgern  

ISBN Epub 978-3-86248-199-6  

Weitere Informationen zum Verlag finden sie unter

www.finanzbuchverlag.de

Für Luis

Inhalt

Vorwort

Prolog: ein paar unbequeme Fragen

Teil 1: Die Realität

Kapitel 1: Was ist Kapitalismus?

Der Nullsummenspiel-Irrtum

Das Recht des Einzelnen, über sein Leben zu bestimmen

Kapitel 2: Populäre Mythen über die Marktwirtschaft

Der Nullsummenspiel-Mythos

Der Gestaltungs-Mythos

Der Schachfiguren-Irrtum

Der Unendlichkeits-Irrtum

Der Zentralsteuerungs-Mythos

Der Monopol-Mythos

Warum alles immer teurer wird

Kapitel 3: Die natürliche Ordnung

Die Österreichische Schule der Nationalökonomie

Die einsame Insel

Ein unmoralisches Angebot

Die natürliche Ordnung

Kapitel 4: Das Geldsystem

Der Zinseszins-Mythos

Der böse Zins oder die Irrtümer von Freiwirtschaft

Das Scheingeldsystem

Geschichte wiederholt sich: Der fortgesetzte Geldbetrug

Das betrügerische Teilreservesystem

Das schmutzige Geheimnis der Banken

Ist Geldmengensteuerung möglich?

Die Geldschöpfung der Zentralbanken

Ist Gold als Geld unpraktisch?

Welt ohne Inflation

Wofür gibt der Staat Geld aus?

Der normale Angestellte

Die reiche Putzfrau

Die böse Globalisierung

Kapitalisten sind Pazifisten

Die bösen Spekulanten

Kapitel 5: Die Realwirtschaft

Der Arbeitsmarkt

Die Gewerkschaften

Unternehmen sind von sich heraus sozial

Kommunisten sind materialistische Vandalisten

Das Gesundheits(un)wesen

Bildungswesen

Utopia

Teil 2: Die Scheinwelt

Kapitel 6: Wie sind Theorien zu testen?

Wissenschaftliches Vorgehen

Janichs Axt

Verschwörungstheorien

Kapitel 7: Propaganda

Beispiel Klimaschwindel

Die drei wichtigsten Elemente der Propaganda

Handwerkszeug des Propagandisten: Die Hegelsche Dialektik

Die Beeinflussung der Meinungsführer

Der Appell an die Gefühle

Gruppenzwang

Die Gruppendynamik

Desinformationstaktiken

Die Desinformationstaktiken der Klimaindustrie

Die hohe Schule: Das Kennedy-Manöver

Kapitel 8: Verschwörungen und andere Kleinigkeiten

Das Pyramidenspiel

Wie Journalisten überzeugt werden können

Illuminati-Round Table

Teil 3: Die Macht-Elite

Kapitel 9: Bösartige Organisationen und ihre Mythen

Verlässliche Zitate dazu, was wirklich vorgeht

Das Ziel: eine Weltregierung

Orwellsches Neusprech

Umweltschutz und erneuerbare Energien

Eugenik als Ursprung der Umweltbewegung

Der Mythos der Überbevölkerung

Der Mythos von der Endlichkeit der Ressourcen

Neue Technologien

Die Globalisten

Die Neue Weltordnung

Der Rockefeller-Clan

Die Organisationen der Neuen Weltordnung

Das Council on Foreign Relations (CFR)

Die Trilaterale Kommission (TK)

Skull & Bones

Das Tavistock-Institut

Club of Rome (COR)

Der Report from Iron Mountain

Der ökologisch-industrielle Komplex

Der pharmazeutisch-industrielle Komplex

Die Bilderberg-Konferenz

Die Bilderberger und die Griechenlandkrise

Die Bilderberger und die Ölkrise

Der Bohemian Grove

Kapitel 10: Der Langfristplan und die Rolle der Deutschen

Deutschland und die Neue Weltordnung

Die kommunistische Langfriststrategie

»Sie«

Willy Brandt

Walter Scheel

Hans-Dietrich Genscher

Helmut Schmidt

Helmut Kohl

Joschka Fischer

Otto Schily

Gerhard Schröder

Angela Merkel – Machtergreifung der Stasi

Guttenberg und Co.

Grüne, Greenpeace und die Wall Street

Bananenrepublik Deutschland

Stasi-Republik Deutschland

Wer kontrolliert die Geheimdienste?

Uwe Barschel, Stasi und die Bilderberger

Rot wird Grün

Der kommunistische Klimaschwindel

Die Klima-Mafia

Die kommunistische Unterwanderung der FDP

Der Doppelmord an Petra Kelly und Gert Bastian

Die EUdSSR

Politische Morde

Das Griechenland-Desaster und die DM2

Kapitel 11: Zusammenfassung und Ausblick

Off Record

Der Königsweg: Basisdemokratie vor Ort

Das Internet

Ausblick und Strategien

Offener Brief

Teil 4:14 neue Artikel von Oliver Janich

Bilderberg 2012 – eine Versachlichung der Diskussion

Bilderberg 2012: Ron Paul vs. Webster Tarpley

Gorbatschow droht mit Drittem Weltkrieg

Liebe Frau Merkel, so funktioniert Wirtschaft

Bundestag ebnet Weg in Finanzdiktatur

Occupy Wall Street

Doppelschlag der Bilderberger

Energiespar-Zar Oettinger

Teil 2 der Weltwirtschaftskrise hat begonnen

Der zweite Tod des Osama bin Laden

Geheimakte Helmut Schmidt

Die Wikileaks-Inszenierung

Die größte Täuschung aller Zeiten

Das Arcanum der Tempelritter

Das Monster von Jekyll Island

Dank

Vorwort

Lieber Leser,

ich gratuliere Ihnen zu der Entscheidung, dieses Buch zu lesen, und verspreche Ihnen, es wird einige ihrer Vorstellungen über die Realität auf den Kopf stellen. In erster Linie habe ich es für sozial denkende und umweltbewusste Menschen geschrieben. Unglücklicherweise besitzen die meisten Menschen eine vollkommen falsche Vorstellung davon, wie es zu erreichen ist, dass es auf dieser Welt gerechter zugeht und wir im Einklang mit der Natur leben. Daher bin ich mir der Gefahr bewusst, dass Sie dieses Buch zur Seite legen, bevor Sie zum Kern der Sache vordringen, ich greife Ihr bisheriges Verständnis von der Welt von der ersten Seite weg an. Widerstehen Sie bitte dieser Versuchung. Selbst wenn ich anfangs in Ihren Augen schiefliege: Was nützt es Ihnen, wenn Sie ein Buch nach dem anderen lesen, das ihre bisherigen Einstellungen lediglich bestätigt?

Sehen Sie es als sportlich-intellektuelle Herausforderung an, mich zu widerlegen. Ich habe das Buch bewusst in einer einfachen Sprache geschrieben. Viele Intellektuelle verstecken sich hinter Floskeln, Fachbegriffen und komplizierten Ausdrücken, um die Dürftigkeit ihrer Argumentation zu verstecken. Ich belege alle meine Thesen logisch und – wie ich meine – unwiderlegbar. Dabei kommt es mir nicht so sehr auf einzelne Zitate oder Dokumente an, obwohl ich zahlreiche verwende. Viel wichtiger ist, dass Sie die Logik des Gedankengangs verstehen. Von vielen der folgend auftauchenden Ideen werden Sie noch nie gehört haben. Aber selbst jemand, der mit der Materie vertraut ist, wird in diesem Buch noch viele Anregungen finden. Sie werden Argumentationslinien kennenlernen, mit denen Sie Freunde und Bekannte von der Richtigkeit der jeweiligen These überzeugen können.

Eigentlich ist dieses Buch – der Titel deutet es an – ein Thriller. Der Unterschied zu einem Krimi ist nur, dass es sich um die Realität – oder einen Ausschnitt davon – handelt. Der Plot wird sich gegen Ende des Buches so verdichten, dass Ihnen möglicherweise der Atem stockt. Sie sollten der Versuchung widerstehen, vorzublättern, obwohl im letzten Teil die vermeintlich spannenderen Themen kommen. Denn Sie können – wie in einem Roman – die Handlung nicht nachvollziehen, wenn Sie die Grundlagen nicht verstanden haben. Es ist unabdingbar nötig, unser Wirtschafts- und vor allem unser Geldsystem zu begreifen, um zu den richtigen Schlussfolgerungen zu gelangen. Die einzelnen Kapitel können zwar zum Teil einzeln gelesen werden, aber der Gesamtzusammenhang wird Ihnen dann nicht unbedingt klar.

Ich habe in diesem Buch einiges anders gemacht als meine Kollegen. Zum Beispiel verzichte ich auf Fußnoten; ganz einfach, weil diese gerne übersehen werden. Da ich Ihnen aber etwas sagen will, möchte ich vermeiden, dass Sie etwas überlesen. Deshalb habe ich zusätzliche Angaben in Klammern gesetzt, Quellen erwähne ich direkt im Text. Es ist heutzutage nicht mehr notwendig, bei einem Buch den Verlag oder die ISBN anzugeben. Sie finden es unter Angabe des Autoren und des Titels innerhalb von Sekunden im Internet. Das Web ist dabei allerdings niemals die Quelle, sondern nur das Medium, mithilfe dessen Sie zur Originalquelle vordringen können. Wenn ich Sie also auffordere, etwas zu googeln, meine ich damit nicht, dass Sie sich auf die Angaben irgendeiner Webseite verlassen, sondern dass Sie die Dokumente oder Argumentationen selbst überprüfen sollen.

Ob dieser Krimi ein Happy End hat, wird sich erweisen. Die Jury tagt noch. Aber ich zeige Wege auf, wie wir zu einer friedlichen, freiheitlichen und gerechteren Welt gelangen könnten. Es hängt auch von Ihnen ab, ob uns das gelingt.

Prolog: ein paar unbequeme Fragen

Ist es gerecht, dass

Milliarden von Menschen in bitterer Armut leben?es Hunger und Krieg gibt?ein Fließbandarbeiter dem Sohn eines Arztes das Studium bezahlt?Privatpatienten besser versorgt werden als gesetzlich versicherte?es dem gesetzlich Versicherten verboten ist, in die private Krankenkasse zu wechseln, wenn er zu wenig verdient?Bürger gezwungen werden, in ein Sozialsystem einzuzahlen, aber niemals das zurückerhalten, was sie eingezahlt haben?Menschen, die arbeiten, andere dafür bezahlen, dass sie nicht arbeiten?unschuldige Menschen komplett überwacht werden, um eventuell einige wenige Verbrecher und Terroristen zu fassen?Konzerne Megaprofite erzielen, weil der Gesetzgeber die Kunden zwingt, diese Waren abzunehmen?Energie immer teurer wird?die medizinische Versorgung immer teurer wird?das Geld der Verbraucher und Arbeitnehmer immer weniger wert wird, während die Gewinne der Unternehmen steigen?sich der Staat auf Kosten zukünftiger Generationen verschuldet?der Staat die Freiheit der Menschen einschränkt, freiwillige Verträge einzugehen?der Steuersatz mit dem Einkommen steigt, obwohl der Staat für diese Personen nicht mehr leistet, sondern weniger?Arbeit durch Steuern und Abgaben so verteuert wird, dass die Arbeitsplätze ausgelagert werden?bestimmte Unternehmen subventioniert werden, während andere, vor allem kleine und mittlere, mit immer mehr Auflagen und Abgaben drangsaliert werden?dass die Zentralbank einen Zinssatz per Dekret festsetzt, anstatt Kunden und Banken das entscheiden zu lassen?sich Banken bei der Zentralbank Geld zu niedrigsten Zinsen leihen können, während Privatbürgern diese Möglichkeit verwehrt wird, sie aber im Falle einer Schieflage der Bank mit ihren Steuermitteln haften?Banken Geld aus dem Nichts schöpfen können?unser Geld mit keinem realen Wert unterlegt ist?die Bürger die EU-Kommissare nicht wählen können, obwohl sie 80 Prozent der Gesetze machen?deutsche Bürger weder über eine eigene noch über eine EU-Verfassung abstimmen konnten?die freie Meinungsäußerung unterdrückt wird und das Internet massiv zensiert werden soll?Demonstranten nach dem EU-Vertrag von Lissabon getötet werden dürfen?

Ist es wahr, dass

die Ressourcen endlich sind?uns bald das Öl ausgeht?es Grenzen des Wachstums gibt?wir unter einer Bevölkerungsexplosion leiden?der Mensch an der Erderwärmung schuld ist?die meisten politischen Ereignisse zufällig geschehen?in der Marktwirtschaft Menschen ausgebeutet werden?im Kapitalismus der eine gewinnt, was der andere verliert?wir überhaupt im Kapitalismus leben?Märkte zentral steuerbar sind?der Kommunismus zusammengebrochen ist?unser Geld einen realen Wert besitzt?der Zins und Zinseszins in einer freien Marktwirtschaft ein Problem sind?der Kapitalismus die Umwelt zerstört?wir ein Energieproblem haben?erneuerbare Energien umweltschonend sind?erneuerbare Energien Arbeitsplätze schaffen?

Die Antwort auf alle diese Fragen ist ein klares Nein. Die Fragen nach der Gerechtigkeit werden Sie meist schon intuitiv so beantwortet haben. Völlig kontraintuitiv sind allerdings die wahren Ursachen dieser Ungerechtigkeiten. Die Lösung liegt im genauen Gegenteil dessen, was die meisten Menschen glauben. Ich werde Ihnen das in einer einfachen Sprache mit den Mitteln der Logik nachweisen. Vor allem eher linksorientierte Menschen müssen dazu ihr Weltbild vermutlich völlig auf den Kopf stellen. Was sie wollen, ist völlig richtig: mehr Gerechtigkeit. Die Mittel, um dieses Ziel zu verwirklichen, sind aber völlig andere, als sie vermuten werden. Mir geht es nicht darum, Ihnen eine Meinung oder Ideologie aufs Auge zu drücken. Sie können alle Argumente mit Ihrem gesunden Menschenverstand nachvollziehen. Viele Begründungen sind erst zu verstehen, wenn man sie überhaupt einmal gehört und nachvollzogen hat. Sie erfahren sie weder in der Schule noch an der Universität, weder im Alltag noch in der Mainstream-Presse. Warum das so ist, versuche ich ebenfalls zu erklären.

Für die Fragen nach der Wahrheit gilt dasselbe: Sie können alles mithilfe Ihres Verstandes nachvollziehen. Ich werde auch eine Reihe von Dokumenten, prominenten Persönlichkeiten und Protagonisten dieser Propaganda zitieren. Viel wichtiger wird aber sein, dass Sie beginnen, selbst nachzudenken. Gehen Sie nicht zu hart mit sich ins Gericht, wenn Ihnen dabei die Schuppen von den Augen fallen. Auch ich habe manche dieser Dinge erst erkannt, als ich sie recherchiert und durchdacht habe. Seien Sie bitte offen für die Möglichkeit, dass das, was Sie bisher in den Mainstream-Medien erfahren haben, mit der Realität so gut wie nichts zu tun hat. Ich weiß, wovon ich spreche, weil ich für alle großen Verlage gearbeitet habe. Am schlimmsten sind dabei die Halbwahrheiten. Sie erwecken den Eindruck, dass es einen wahren Kern gibt, auch wenn nicht alles ganz genau stimmt. In Wirklichkeit gibt es so etwas wie eine Halbwahrheit nicht. Entweder etwas ist richtig oder es ist falsch. Im Falle der Behauptungen, die ich oben aufgestellt habe, sind alle falsch. Ohne begründbaren Zweifel.

Im ersten Teil des Buches werde ich zunächst die Mythen widerlegen. Im zweiten Teil werde ich erklären, wie Sie mithilfe der Massenpsychologie dazu gebracht wurden, diese Fehleinschätzungen zu glauben. Im letzten Abschnitt werde ich konkret die Gruppen benennen, die Sie beeinflussen. Dabei sollten Sie eines immer im Hinterkopf behalten: Es ist nur eine relativ kleine Clique, die von all diesen Ungerechtigkeiten profitiert, während das Gros der Menschen leidet. Ist es da wirklich so abwegig anzunehmen, dass es auch diese Gruppe ist, die diese Märchen absichtlich verbreitet? Ich meine, nein. Aus wissenschaftlicher Sicht ist es leichter, die Mythen zu widerlegen, als zu beweisen, dass eine bestimmte Absicht hinter ihnen steckt. Diese Einschätzung überlasse ich Ihnen. Die Frage, ob diese Mythen wahr sind oder nicht, ist jedoch keine Frage der persönlichen Meinung, sondern Ihrer Intelligenz oder meiner Fähigkeit, mich verständlich genug auszudrücken. Ich habe mich bemüht.

Teil 1: Die Realität

Kapitel 1: Was ist Kapitalismus?

Kapitalismus ist Vertragsfreiheit. Nur zwei Institutionen sind in der Lage, zu verhindern, dass Menschen freiwillig Verträge miteinander abschließen: der Staat und die Mafia erstere de jure und de facto, letztere nicht gesetzlich, aber tatsächlich.

Der erste Satz auf dieser Seite stellt die kürzestmögliche Definition dar, in der aber im Grunde die wichtigsten Elemente vorhanden sind. Eigentlich könnten Sie an dieser Stelle aufhören zu lesen. Denn wenn Sie diesen und den folgenden Satz in ihrer Tiefe durchdrungen haben, wissen Sie alles, was Sie benötigen. Sie können auch ein paar Stunden darüber meditieren, dann kommen Sie möglicherweise selbst auf die Lösung.

Die Wahrscheinlichkeit ist aber groß, dass Sie sich jetzt noch gar nichts darunter vorstellen können. Der erste Teil des Buches dient dazu, den ersten Satz und dessen weitreichende Schlussfolgerungen zu erläutern. Der zweite Teil des Buches versucht, Ihnen den zweiten Satz zu erläutern: nämlich was der Staat mit der Mafia gemeinsam hat und vor allem, welche Einflussgruppen und welche systemimmanenten Fehler dazu führen, dass der Staat letztlich zu einem Gebilde wird, dass immer mehr der Mafia ähnelt und nicht einem freiheitlichen demokratischen System.

In der Schule und vor allem in meinem Studium der Betriebswirtschaftslehre habe ich nie verstanden, warum die Lehrer und Professoren so viel Wert auf die Begriffsdefinitionen gelegt haben. Dieser Teil des Unterrichts hat mich immer am meisten gelangweilt. Heute ist mir aber klar, wie wichtig es ist, dass alle genau wissen, wovon sie reden. Denn in den Begriffen stecken implizit schon ihre Wertungen. Es sind dies Wertungen, die ihnen durch den gesellschaftlichen Kontext zugeordnet werden, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Genau das kann dann benutzt werden, um die Meinung der Menschen in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Häufig erfolgt diese Beeinflussung gar nicht bewusst von einer bestimmten Gruppe, sondern sie entwickelt sich automatisch. Ich werde später noch darauf eingehen, wie viel Geschichte von einzelnen Menschen gemacht wird und welche Geschehnisse bestimmten Strömungen gleichsam dem »Zeitgeist« zu verdanken sind. Doch zurück zum Kapitalismus: Die meisten Menschen haben sehr diffuse Vorstellungen davon, was das ist. Es fallen Begriffe wie Profitgier, Ausbeutung, Großkonzerne, freie Märkte, ungezügelter Turbokapitalimus, Neoliberalismus, Deregulierung, aber auch Wachstum, Wohlstand und Freiheit je nach Grundeinstellung des Einzelnen.

Diese ganzen Begriffe, auch die positiven, führen am Kern der Sache aber vorbei. Marktwirtschaft bedeutet nicht anderes als die Möglichkeit von Menschen und Institutionen, freiwillig Vereinbarungen zu treffen, solange sie keinem Dritten schaden. Diese Möglichkeit muss eigentlich nicht künstlich geschaffen werden. Es ist der natürliche Zustand einer aus Menschen bestehenden Gesellschaft. Selbst in kommunistischen Systemen treffen die Leute freiwillig miteinander Vereinbarungen.

Auch in primitivsten Kulturen gehen die Menschen ständig Verträge miteinander ein. Sie haben ein Tier erlegt, können aber nicht das ganze Fleisch essen, bevor es verdirbt, also tauschen Sie das Fleisch gegen Früchte oder Kleidung. Sie mähen Ihrem Nachbar den Garten und er gibt Ihnen Geld. Sie bieten einem Unternehmer Ihre Arbeitskraft an und er bezahlt Sie dafür.

Das sind ganz normale Vorgänge. In früheren, primitiven Kulturen kam noch das »Recht« des Stärkeren hinzu. Sie haben ein Tier erlegt, der Stärkere haut Ihnen mit der Keule auf den Kopf und nimmt Ihnen Ihre Beute einfach weg. Erst mit Einzug der Zivilisation verschwand dieses »Recht« allmählich. Ironischerweise glauben die meisten Menschen, in der Marktwirtschaft gelte nach wie vor das Recht des Stärkeren. Das ist aber ein fundamentaler Irrtum, der auf einem einzigen grundlegenden Missverständnis hinsichtlich der Marktwirtschaft beruht. Es gibt viele Mythen über die Marktwirtschaft, der wichtigste Irrtum aber ist folgender:

Der Nullsummenspiel-Irrtum

Die meisten Menschen glauben, die Marktwirtschaft sei ein Nullsummenspiel: Was der eine gewinnt, muss der andere verlieren. Das ist grundfalsch. Diese Vorstellung beruht zum Gutteil auf dem Missverständnis, dass Menschen nur dann einen Handel eingehen, wenn das Gut, das sie abgeben, genauso viel wert ist wie das, was sie dafür bekommen. In Wahrheit findet ein Handel aber nur statt, wenn beide davon profitieren. Ein Beispiel: Sie gehen in einen Laden und kaufen sich eine Hose für 40 Euro. Wenn Ihnen die Hose exakt 40 Euro wert wäre, würden Sie sie gar nicht kaufen. Es ist schließlich ein Aufwand, zum Kleidergeschäft zu gehen, mit dem Verkäufer zu reden und das Textil heimzutragen. Wenn Ihnen die 40 Euro also exakt so viel bedeuten würden wie die Hose, würden Sie einfach daheim bleiben und Ihr Geld behalten. Sie könnten die 40 Euro für etwas verwenden, das Ihnen mehr wert erscheint. Sie haben also einen Vorteil von dem Kauf.

Die Position des Verkäufers ist schon leichter zu verstehen. Er hat die Hose, die für 10 Euro hergestellt wurde, vielleicht für 20 Euro eingekauft und verdient an Ihnen 20 Euro, abzüglich seiner Kosten. Es stellt sich also eine Win-win-Situation ein, beide Seiten haben etwas von dem Geschäft. Auf diese Weise finden jeden einzelnen Tag auf diesem Planeten Milliarden von Transaktionen statt, von denen beide Seiten profitieren. Das ist die ungeheure, nicht zu unterschätzende Kraft der Marktwirtschaft.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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