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Als Herr Griffel, Merles ungeliebter Lehrer, ins Visier eines anonymen Racheengels gerät, ist sie zunächst entzückt: Endlich erfährt die Welt, was für ein Fiesling er ist. Doch die Sache läuft schnell aus dem Ruder, als Griffels Verdacht auf Merle fällt. Die ist fest entschlossen, ihre Unschuld zu beweisen. Nur muss sie dafür erst herausfinden, wer es wirklich war. Kann die körperlose Stimme, die sie nachts im Dorf hört, ihr dabei helfen? Und welches Geheimnis verbirgt ihr Bruder Adrian, der sich immer weiter von ihr und der Familie entfernt?
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Seitenzahl: 243
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Stephanie Domaschke zog zum Studium in die Großstadt Frankfurt. Hier lebte sie neunzehn Jahre lang, bevor es sie mit ihrer kleinen Familie zurück in ihr Heimatdorf Ostro zog. Dort widmet die Grundschullehrerin einen Großteil ihrer Freizeit dem Lesen und Schreiben von Büchern. Schon als Kind träumte sie sich in ihre Abenteuer hinein und schrieb diese auf. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Für alle, die ihr wahres Ich verbergen.
Ihr seid nicht allein.
Irgendwo da draußen warten Menschen, bei denen ihr ganz ihr selbst sein dürft.
Habt den Mut, nach ihnen zu suchen.
Merle
Merle ist vierzehn und lebt nun seit einem dreiviertel Jahr in Ostro. Sie hat noch immer ihren eigenen Kopf und mit dem will sie durch die Wand. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten mit lesen und zeichnen oder damit, die Augen nach dem nächsten Abenteuer offenzuhalten.
Felix
Felix ist inzwischen fünfzehn und Merles allerbester Freund. Er besitzt die Weisheit und Gutmütigkeit eines alten Mannes. Deswegen lässt er sich auch viel zu viel gefallen und geht Streitigkeiten aus dem Weg. Er hat eine Vorliebe für Bücher, Technik und Kekse.
Adrian
Adrian ist Merles Stiefbruder. Mit seinen fast sechzehn Jahren ist er der Älteste der Truppe. Wenn er nicht gerade mit seinen Kumpels Fußball spielt, übt er auf seiner Gitarre oder versucht, Merle aus Schwierigkeiten herauszuhalten. Als ob das so einfach wäre!
Kapitel 1: Ein stinknormaler Teenager
Kapitel 2: Die Karikatur
Kapitel 3: Verdächtigt
Kapitel 4: Unter Beobachtung
Kapitel 5: Bloßgestellt
Kapitel 6: Geheimnisse
Kapitel 7: Marvins Geständnis
Kapitel 8: Im Visier
Kapitel 9: Spießrutenlauf
Kapitel 10: Täuschungsmanöver
Kapitel 11: Dicke Luft
Kapitel 12: Die Abreibung
Kapitel 13: Sensation
Kapitel 14: Ausgeschlossen
Kapitel 15: Dorfgespräch
Kapitel 16: Adrian packt aus
Kapitel 17: Licht ins Dunkel
Kapitel 18: Rückgrat
Kapitel 19: Das Lied der Gottesklage
Kapitel 20: Asche und Rauch
Kapitel 21: Der Preis der Wahrheit
Merle hatte die Kälte und Dunkelheit des Winters satt. Trübsinnig blickte sie aus dem Fenster. Die Pflasterstraße vor ihrem Fachwerkhaus stand fast einen Zentimeter tief unter Wasser. Die Sonne hatte sich hinter einer dichten, grauen Wolkendecke versteckt. Bei diesem Sauwetter wollte nicht mal Familienhündin Bella nach draußen, die in ihrem übergroßen Hundekorb in der Ecke schnarchte. Der Berg an Büchern, den Merle zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte, war erschreckend schnell geschwunden. Denn bei dem Dauerregen der letzten Wochen blieb ihr, außer lesen, nicht viel zu tun. Wenn das den ganzen Februar so weiterging …
Mama, die am Wohnzimmertisch über ihren Laptop gebeugt saß, schien das Wetter nicht zu stören. Sie wickelte eine Strähne ihres dunkelblonden Haares um einen Finger, während sie leise vor sich hin murmelte. Irgendwann folgte das Klappern von Tasten und schließlich der Blick in Merles Richtung. »Weißt du, wo dein Bruder ist? Ich hab ihn seit dem Frühstück nicht mehr gesehen.«
»Hm, ich auch nicht.« Merle runzelte die Stirn. »Er hängt bestimmt mit seinen Kumpels ab.«
»Hat er das gesagt?«
»Macht er doch meistens.« Schulterzuckend vergrub Merle die Nase in ihrem Buch.
Doch Mama ließ nicht locker. »Also bist du nicht sicher. Ich dachte, wenigstens dir würde er was erzählen. In letzter Zeit … Ich habe das Gefühl, dass er was vor uns verbirgt.«
Überrascht blickte Merle auf. »Wie kommst du darauf?«
»Nenn es den siebten Sinn. Mütter spüren, wenn etwas nicht stimmt.«
»Aha.« Am liebsten hätte Merle mit den Augen gerollt. So oft, wie sie Mama gegenüber etwas verbarg, wusste sie, dem nicht so war. Sonst hätte sie bis an ihr Lebensende Hausarrest.
Nicht, dass in den letzten Monaten viel Spannendes passiert wäre. Wenn nicht der freche Wirbelwind Wichor hin und wieder seinen Schabernack mit ihr treiben würde, wäre sie sich wie ein stinknormaler Teenager vorgekommen. Aarys und die anderen Töchter des Wassermannes hatte sie seit Monaten nicht gesehen: Der Winter hatte sie in einen tiefen Schlaf versetzt, aus dem sie erst in ein paar Wochen erwachen würden.
»Findest du denn nicht, dass Adrian sich in letzter Zeit verändert hat?«, bohrte Mama weiter. »Ich meine, er war noch nie besonders mitteilsam, aber in letzter Zeit sagt er kaum ein Wort.«
Merle dachte nach. In den vergangenen Wochen hatte sie sich so gut mit ihrem Stiefbruder verstanden wie noch nie. Das lag aber vielleicht auch daran, dass er ihr noch immer geduldig Nachhilfe in Mathe gab. Zum ersten Mal hatte sie ihrer Mutter ein Zeugnis mit einer Zwei in Mathe unter die Nase halten können. Das war ganz klar Adrians Verdienst.
Aber es war nicht nur das. Seit sie hin und wieder Zeit mit ihm, Marvin, Jan und Kevin verbrachte, hatten sie einen ganz anderen Draht zueinander.
»Hm, also mir gegenüber hat er eigentlich immer was zu erzählen. Und sei es nur, dass wir uns zusammen über den ollen Griffel aufregen.«
Mamas Brummen klang irgendwie unzufrieden. Zum Glück ging die Haustürklingel, bevor sie sich noch weiter in ihre Grübeleien verrennen konnte.
Bella war sofort hellwach. Mit einem aufgeregten Winseln eilte die Bernhardinerhündin zur Tür und öffnete sie, indem sie sich auf die Hinterläufe stellte. Sie deswegen zu schelten hatte Mama längst aufgegeben. Wenn es in dieser Familie jemanden gab, der einen größeren Dickkopf hatte als Merle, dann war das Bella. Das und ihre bettelnden Hundeaugen sorgten dafür, dass sie eigentlich alles tun und lassen konnte, was sie wollte.
»Bin wieder zurück!« Kaum war Adrians Stimme durch den Hausflur gehallt, hörte man ihn ächzen. Als er kurz darauf ein lachendes »Uäää!« ausstieß, wusste Merle ganz genau, dass er mit einem nassen Hundekuss begrüßt worden war. Die Vermutung bestätigte sich, als ihr Bruder kurz darauf ins Wohnzimmer geschlurft kam und sich das Gesicht mit dem Ärmel abwischte.
Bella trottete zufrieden hechelnd hinter ihm her.
»Adrian, da bist du ja, mein Lieber! Hast du Hunger? Auf dem Ofen steht noch der Rest vom Mittag.« Mama streckte den Hals und studierte ihn wie eine übereifrige Glucke.
»Ich hab bei Jan gegessen. Alles gut. Aber danke.«
»Oh, na dann.« Eifriges Mausklicken, dann klappte Mama den Laptop zu. »Setz dich wenigstens ein bisschen zu uns und erzähl von deinem Tag. Du warst also bei Jan?« Sie war wie ein Bluthund, wenn sie ein Geheimnis witterte. Darüber konnte auch ihr breites Lächeln nicht hinwegtäuschen.
Dem gequälten Gesichtsausdruck nach wusste Adrian, dass ihm ein Verhör bevorstand. »Den ganzen Tag über, ja.«
»Allein? Oder war noch jemand bei euch?«
»Nö? Wieso?« Misstrauisch beäugte er sie.
»Ach, nur so.« Der hochkonzentrierte Blick, mit dem sie ihn musterte, strafte Mamas Worte Lügen.
»Wie auch immer. Ich hüpf dann mal unter die Dusche. Wir seh’n uns später, ja?« Ohne eine Antwort abzuwarten, wandte Adrian sich um und floh aus dem Zimmer.
Merle konnte es ihm nicht verübeln. Sie hätte an seiner Stelle dasselbe getan.
»Was?«, fragte sie. Mamas seltsames Grinsen gefiel ihr ganz und gar nicht.
»Er verbirgt definitiv irgendwas. Tu mir einen Gefallen und behalt ihn im Auge. Dir gegenüber ist er hoffentlich weniger misstrauisch. Falls er in irgendwelchen Schwierigkeiten steckt, lass es mich wissen, ja?«
»Mhm.« Merle brummte unbestimmt und versteckte sich hinter ihrem Buch. Dachte Mama tatsächlich, dass sie Adrian für sie ausspionieren würde? Das würde sie ganz sicher nicht tun!
Wenn es jemanden gibt, der ständig in Schwierigkeiten gerät, dann bin ich es. Und meistens ziehe ich Adrian direkt mit hinein. Dass Mama und Michael davon nichts mitbekommen haben, verdanke ich ihm. Er hat mich noch nie verraten.
Trotzdem hatte ihre Mutter recht. Ihr Bruder verhielt sich tatsächlich ein wenig seltsam. Normalerweise saß er gern mit ihnen zusammen und erzählte von seinem Tag. Bis vor ein paar Wochen…
Merles Neugier war geweckt. Doch eines schwor sie sich: Was auch immer sie herausfand, ihren Eltern gegenüber würde sie auf jeden Fall die Klappe halten.
Merle war froh, als der Schulbus kam und sie dem ewigen Regen entfliehen konnte. Heute ergatterten sie leider keinen Viererplatz, sodass Felix sich auf der anderen Seite des Ganges in seinem Buch vergrub. Es lugte nur noch sein strubbeliger brauner Haarschopf hervor.
Merle ließ sich neben Gwen auf den Sitz sinken, während Adrian sich wie üblich nach hinten zu seinen Kumpels verzog.
»Na? Alles klar?« Merle knuffte Gwen freundschaftlich in die Seite.
»Hm.« Ihre Freundin brummte nur.
Also nicht. Von dem quirligen, selbstsicheren Mädchen, das sie im letzten Sommer kennengelernt hatte, war nicht viel übrig geblieben. Gwen war immer noch top gestylt. Heute hatte sie sich zahlreiche kleine Zöpfe in das lange rabenschwarze Haar geflochten und einen knallroten Lippenstift aufgelegt. Nun sah sie gleich noch mehr aus wie Schneewittchen. Doch auch, wenn sie die meiste Zeit lächelte, konnte das nicht über den traurigen Glanz in ihren blauen Augen hinwegtäuschen.
Merle legte mitfühlend die Hand auf den Rücken ihrer Freundin. »Streiten deine Eltern wieder?«
Gwen seufzte. »Nicht laut. Vielmehr fühlt es sich an, als wäre die nächste Eiszeit ausgebrochen. Mum ist kaum noch zu Hause. Gestern ist sie sogar über Nacht weggeblieben.« Sie zog eine Grimasse. Es war nicht schwer zu erraten, was sie dachte.
»Bereust du, dass du deinem Vater gesagt hast, dass deine Mutter versucht hat, seine Arbeit zu sabotieren?« Mehr als einmal hatte Merle sich diese Frage in den letzten Monaten gestellt. Bisher hatte sie sich aber nie getraut, sie laut auszusprechen.
»Manchmal. Aber ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob zu schweigen einen Unterschied gemacht hätte. Die Ehe meiner Eltern war schon vorher kaputt. Ich wollte es nur nicht wahrhaben.«
»Meinst du?«
»Schon als wir noch in New York gewohnt haben, war Mum viel unterwegs. Shoppen, auf Partys… So oft, wie Daddy bis spät auf Arbeit war, ist das aber auch kein Wunder. Ich hab ja dasselbe gemacht.«
Merle verkniff sich einen Kommentar dazu, dass Gwen immer noch gerne shoppen ging. Immerhin ging es den meisten Mädchen in ihrem Alter so.
»Deswegen hasst Mum es so sehr, dass wir hierher gezogen sind. Hier bleibt ihr nicht viel, außer zu Hause zu sitzen und auf Daddy zu warten.«
»Verstehe.« Zumindest so ungefähr. Denn die ganze Sache war ohne Frage schrecklich kompliziert. »Du weißt, dass du jederzeit bei mir zu Hause unterkriechen kannst. Mama hat das extra noch mal gesagt. Ich hab ihr nichts über dich verraten, Ehrenwort. Aber ich glaube, sie ahnt was.«
»Die Leute reden«, flüsterte Gwen und schaute sich um. »Ich weiß nicht genau, worüber, denn leider redet niemand mit mir. Warum auch? Ich stecke ja nur mittendrin.« Schnaubend wandte sie sich zum Fenster.
Merles Herz zog sich vor Mitleid zusammen. Die Sommers konnten noch so reich sein, sie hätte nicht an Gwens Stelle sein wollen. Da lebte sie doch lieber mit ihrer Familie in einem kleinen, zugigen Fachwerkhaus, in dem die Welt in Ordnung war.
Für den Rest der Fahrt redeten sie über andere Dinge: Serien, Lehrer und Jungs. Gwen liebte es, Merle von ihrem aktuellen Schwarm zu erzählen. Hierzu ging ihr nie der Gesprächsstoff aus, denn es gab alle paar Wochen einen Neuen.
»Kevin? Du meinst Adrians Kumpel?« Skeptisch warf Merle einen Blick nach hinten.
Gwen nickte. »Ist der nicht süß?«
»Weiß nicht. Darüber hab ich noch nie nachgedacht.« Mit den dunkelblonden Haaren und der Brille sah er eigentlich ganz normal aus. »Er hat liebe Augen, schätze ich.« Hastig drehte sie sich zurück in Fahrtrichtung.
»Und er ist echt fit, findest du nicht? Er sagt zwar nicht viel, aber …«
»Ganz genau. Ich habe kaum mehr als fünf Sätze mit ihm gewechselt. Dabei hänge ich jetzt häufiger mit Adrian und seinen Kumpels ab. Meistens sitzt Kevin nur dabei und… tippt auf seinem Handy herum.«
»Vielleicht solltest du einfach mal mit ihm reden. Oder noch besser: Du nimmst mich beim nächsten Mal mit. Was meinst du?«
»Äh …Wenn du willst?«
Gwen strahlte sie an. »Danke. Du bist die Beste!«
»Freu dich nicht zu früh. Am Ende langweilst du dich noch. Manchmal sitzen wir nur rum, spielen Volleyball oder zocken auf der Playstation.«
»Klingt zehnmal besser, als zu Hause zu hocken und eine Serie nach der anderen zu gucken. Allein.«
Dem musste Merle zustimmen. Die Arme hatte es gerade wirklich nicht leicht. Sie zu einem Treffen mit Adrian und den Jungs mitzunehmen, war das Mindeste, was sie für sie tun konnte. Wenn Gwen dabei mit Kevin zusammenkam, umso besser. Sie selbst hatte auf jeden Fall kein Interesse an ihm, oder irgendeinem anderen Jungen.
»Ist das Griffel?« Felix’ missbilligender Tonfall entging ihr nicht.
Merle schnaubte. »Wer sonst kämmt seine drei verbliebenen Haare so schräg über die Glatze?«
»Hm.« Er warf einen Blick zur Tafel und schrieb einen weiteren Stichpunkt zur Industrialisierung ab.
Sie rollte mit den Augen und tat es ihm gleich. Seit ihrem Umzug war nicht mal ein Jahr vergangen. Inzwischen hatte sich ihr ehemaliges Lieblingsfach Geschichte zu ihrem Hassfach entwickelt. Schuld daran war nur Herr Griffel – oder das Griffelo, wie sie ihn auch nannte. Von der ersten Stunde an hatte er sie auf dem Kieker gehabt. Das Beste, was sie tun konnte, war, nicht aufzufallen und sich die Langeweile im Unterricht mit Zeichnen zu vertreiben. Und sie musste sagen: Das Griffelo war ihr ausgesprochen gut gelungen.
Auch wenn Felix das anscheinend anders sah. »Die Nase ist zu groß und die Zähne … ich weiß ja nicht.«
»Das ist eine Karikatur.«
»Schon klar.« Er knuffte ihr freundschaftlich in die Seite. Dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder dem Unterricht zu und Merle machte sich daran, Griffels kariertes Jackett und seine lächerliche Fliege zu verewigen. Hin und wieder schrieb sie etwas von der Tafel ab und blendete Griffels monotones Gerede dabei so gut aus, wie sie konnte.
Da stieß Felix sie plötzlich mit dem Ellbogen an.
»Was?« Um sie herum war es verdächtig still. Merle schaute auf. Griffel stand direkt vor ihr, blickte auf sie herab und kräuselte missbilligend die Stirn. Hastig versuchte sie, die Zeichnung unter ihrem Geschichtshefter verschwinden zu lassen. Aber es war schon zu spät.
»Ich hatte mich schon gefragt, warum unser Fräulein Müller heute so beschäftigt wirkt. Ich hätte wissen sollen, dass es nichts mit meinem Unterricht zu tun hat.«
Natürlich hat es mit dem Unterricht zu tun. Er ist sterbenslangweilig. Sie biss sich auf die Zunge. Ihm das zu sagen, würde ihr nur noch mehr Probleme einbringen.
»Wollen wir doch mal sehen, womit Sie stattdessen Ihre Zeit verbringen.« Er pflückte das Bild vom Tisch und betrachtete es. Als die Ersten um sie herum zu kichern begannen, fiel ihm auf, dass die Karikatur auf der Rückseite noch viel weniger schmeichelhaft war. Er wendete das Blatt hin und her. Mit jedem Mal wurde sein Gesicht mehr zu einer verärgerten Grimasse. Schließlich knüllte er das Bild zusammen und warf es in den Papierkorb.
»SIE!« Anklagend zeigte er mit dem Finger auf Merle. »Ich habe genug von Ihrer respektlosen Art. Mir ist bewusst, dass Sie meinen Unterricht als unter Ihrer Würde betrachten. Wollen wir doch mal sehen, ob dem wirklich so ist. Sie werden heute bei mir nachsitzen. Dann werden wir sehen, ob Sie wirklich so viel über Geschichte wissen, wie Sie glauben.«
Merle wurde übel. Trotzdem zwang sie sich, die Klappe zu halten und keine Miene zu verziehen, bis Griffel endlich zu seinem Pult zurückkehrte. Nachsitzen, allein mit einem Lehrer, der sie hasste. Egal, wie viel sie über Geschichte wusste, sie konnte nur verlieren.
»Merle? Was machst du denn noch so spät hier?« Adrian musterte sie mit hochgezogener Augenbraue. »Warum gehst du erst jetzt zum Bus?«
»Ich musste nachsitzen, beim Griffel.« Erschöpft rieb Merle sich die Stirn und verlangsamte ihre Schritte, sodass ihr Bruder und seine Kumpels zu ihr aufschließen konnten. Ihr Kopf tat weh, aber das war auch kein Wunder, nachdem sie eine Stunde lang in die Mangel genommen worden war.
»O nein. Was hast du angestellt?«
Sie zog eine Schnute. Selbst Kevin und Jan starrten sie an. Denen wollte sie die Geschichte eigentlich nicht auf die Nase binden. Schlimm genug, dass Griffel sie vor ihrer eigenen Klasse bloßgestellt hatte. »Ich hab nebenbei ein bisschen gezeichnet, damit ich nicht einschlafe, das ist alles. Gut, es war eine Karikatur von Griffel, aber die hätte ich niemandem gezeigt. Na ja, Felix vielleicht.«
»Hm.« Adrian wirkte nicht gerade begeistert. Vermutlich hatte er so etwas noch nie gemacht, oder war überhaupt in irgendwelche Schwierigkeiten geraten.
»Irgendwie muss ich mir die Zeit doch vertreiben. Mir ist langweilig.«
»Verständlich. Er hört sich gerne reden«, pflichtete Kevin ihr bei.
Sie schnaubte. »Das wäre ja nicht so schlimm, wenn er mich in Ruhe lassen würde. Er hasst mich.«
»Wie kommst du darauf?«, fragte Jan.
»Du meinst abgesehen davon, dass er mich Fräulein Müller nennt? Er lässt keine Gelegenheit aus, um zu betonen, dass ich seinen Unterricht offenbar für unter meiner Würde halte.«
Jan verzog das Gesicht. »Autsch.«
»Ich schätze, es hilft nicht, dass ich in Klassenarbeiten gute Noten schreibe. Oder dass ich immer die Antwort weiß, wenn er mich drannimmt. Ich mag Geschichte ja, nur halt nicht bei ihm.«
»Kann ich dir nicht verübeln«, sagte Adrian und legte ihr den Arm um die Schultern. »Es ist wirklich ziemlich dröge. War das Nachsitzen sehr schlimm?«
Merle zuckte mit den Schultern. »Er hat mich die meiste Zeit über mit Fragen bombardiert, wie in einer mündlichen Prüfung. Wann immer er etwas gefunden hat, was ich nicht wusste, hat er auf mir herumgehackt und gesagt, dass ich anscheinend doch nicht so klug bin, wie ich denke. Aber seine Fragen waren unfair. Manche Sachen, die er wissen wollte, hatten wir noch gar nicht.«
»Klingt, als wollte er dich gezielt kleinmachen«, brummte Jan. »Was für ein erbärmliches Würstchen.«
»Wenn ich raten müsste, hast du sein Ego verletzt«, sagte Kevin.
»Weil ich gut in Geschichte bin, obwohl er ein schrecklicher Lehrer ist?«, fragte Merle, unfähig, ihren Frust länger zu verbergen. »Wenn er so weitermacht, fange ich noch an, das Fach zu hassen.«
»So weit darfst du es nicht kommen lassen«, beschwor Adrian sie. »Lass dir das bitte nicht von diesem Arsch kaputtmachen.«
Niedergeschlagen ließ sie den Kopf sinken. »Das sagst du so leicht. Dieser Typ wird immer am längeren Hebel sitzen. Ich versuche ja schon, die Klappe zu halten und nicht aufzufallen. Aber ich hab das Gefühl, er findet immer was zu meckern. Wenn nicht meine Zeichnung, dann meinen Gesichtsausdruck oder ein Seufzen, das mir während einem seiner Monologe rausrutscht. Es ist, als lauere er nur darauf, dass ich etwas Falsches mache.«
»Das klingt fast schon wie Mobbing. Darüber solltest du mit deinen Eltern reden«, riet Jan ihr ernst. »So was darfst du dir nicht einfach gefallen lassen.«
Unglücklich schüttelte sie den Kopf. »Das Letzte, was ich will, ist, dass dieser Typ mit Mama über mich spricht. Wer weiß, was der alles über mich erzählt? Ich brauch nicht auch noch zu Hause Ärger. Ich will mir nicht mal ausmalen, was Mama zu dieser Karikatur sagen würde, wenn sie sie in die Finger kriegt. Manchmal ist sie echt streng.«
»Wenn’s um die Schule geht? Oder auch bei anderen Sachen?«, hakte Jan nach. Irrte sie sich oder wirkte er ein wenig beunruhigt?
»Bei allem Möglichen. Aber mach dir deswegen keine Sorgen. Ich komm schon klar.« Sie wandte sich Adrian zu. »Sag ihr nur bitte nicht, dass ich nachsitzen musste. Okay?«
Ihr Bruder nahm einen tiefen Atemzug. »Einverstanden. Aber versprich mir eins: Wenn dir die Sache über den Kopf wächst, sprechen wir mit ihr.«
»Wir?«
Er nickte. »Klar doch. Ich stehe hinter dir, egal was ist. Erst recht gegen das olle Griffelo.«
Merle lächelte ihm zu. Er war wirklich der beste Bruder, den man sich wünschen konnte. Eines Tages würde sie sich bei ihm revanchieren. Das schwor sie sich.
Kaum hatte Merle einen Fuß ins Klassenzimmer gesetzt, spürte sie alle Blicke auf sich. Der Raum war still, viel stiller als sonst. Selbst den gockelnden Kerlen hatte es die Sprache verschlagen. Für einen Augenblick schien es, als würden alle den Atem anhalten. Dann begann das Gemurmel – ein leises Raunen, das sich ausbreitete wie ein Lauffeuer. Einige blickten sie unverhohlen an, die Augen voller Neugier oder Schadenfreude. Andere steckten tuschelnd die Köpfe zusammen. Ein paar drehten ihr demonstrativ den Rücken zu.
Ratlos blickte Merle zu Felix, der neben ihr im Türrahmen verharrte. »Was’n hier los?«
Er zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung.«
»Haben wir irgendwas verpasst?«
»Sieht ganz so aus.«
Merle versuchte, sich ihre Unsicherheit nicht anmerken zu lassen, als sie sich auf den Weg zu ihrem Platz machte. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch stellte sie ihre Schultasche auf dem Boden ab.
Da stolzierte auch schon Julia herbei. Das Klack-klack-klack ihrer Absätze verriet sie, ohne dass Merle zu ihr aufsehen musste. »Dieses Mal bist du zu weit gegangen. Das lässt der Griffel nicht einfach auf sich sitzen.« Ihre Stimme troff vor Schadenfreude.
»Was … Ich hab nichts gemacht.«
»Schon klar. Ich fürchte nur, das glaubt dir diesmal niemand.« Sie reichte ihr ein zusammengefaltetes Stück Papier.
Merles Hände zitterten, als sie es auseinanderfaltete. Das Bild darauf erkannte sie sofort. Es war die Karikatur, die sie am Tag zuvor gezeichnet hatte – nicht das Original, aber eine Kopie. Ihre Kehle wurde trocken. »Woher hast du das?«
»Als ob du das nicht wüsstest.« Julia verschränkte die Arme und blickte triumphierend in die Runde, als wäre sie die Hauptperson einer großen Enthüllung. »Der Hausmeister und die Lehrer rennen seit heute Morgen durch die ganze Schule und sammeln die Zettel ein. Aber ich wette, mittlerweile haben trotzdem alle das Bild gesehen.«
Merle wurde schlecht. »Aber… Ich war das nicht! Warum sollte ich …«
»Du hasst den Griffel, das wissen alle.«
Aus dem Augenwinkel sah Merle, wie mehrere um sie herum nickten.
»Auch er selbst weiß das. Wo wir schon beim Thema sind… Da ist er ja.« Grinsend deutete Julia mit dem Kopf zur Klassenzimmertür.
Merle musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass sie recht hatte. Das Gemurmel in der Klasse war so eifrig wie das Brummen in einem Bienenstock.
Griffel war hier, er kam direkt auf sie zu. Bei jedem seiner schweren Schritte stellten sich ihre Nackenhaare ein Stück mehr auf. Sie steckte in Schwierigkeiten. Nur hatte sie dieses Mal wirklich nichts gemacht.
»Fräulein Müller.« Seine Stimme klang wie das Knurren eines Hundes. »Ins Büro der Direktorin, sofort!«
Merles Herz hämmerte wie wild, als sie sich zu ihm umdrehte. Wie kam sie aus dieser Nummer nur wieder heraus? Ihr Kopf war wie leergefegt.
Da spürte sie den sanften Druck einer Hand auf ihrem Rücken.
»Merle hat nichts gemacht!« Felix. Seine Stimme klang fest und ruhig. Er verteidigte sie. Vor der ganzen Klasse.
Dieser Gedanke gab ihr den Mut, zu Griffel aufzusehen. Sein Gesicht war wutverzerrt – eine hässliche Fratze. »Ich rate dir, dich aus dieser Sache herauszuhalten, Felix. Ich weiß, ihr beiden seid befreundet.« Das letzte Wort betonte er so, als sei das etwas Schlimmes. »Aber das ist kein Grund, dich ebenfalls in Schwierigkeiten zu bringen. Diese Suppe hat sich Fräulein Müller ganz alleine eingebrockt. Und jetzt wird sie sie auslöffeln.« Das Griffelo grinste sie bösartig an.
»Ich war das nicht!«, widersprach Merle empört.
»Das können Sie der Direktorin erzählen.«
»Ich …« Panik machte sich in ihr breit, raubte ihr die Worte und ließ sie erstarren. Nein, nein, nein. Das darf nicht wahr sein. Mama wird mich umbringen.
»Los! Ab mit Ihnen!«
Merle schluckte. Zitternd machte sie einen Schritt auf Griffel zu. Sie hatte keine andere Wahl, als zu tun, was er verlangte. Da bemerkte sie, dass Felix’ Hand noch immer auf ihrem Rücken ruhte. Er folgte ihr!
Nach wenigen Schritten hatte auch Griffel das bemerkt. »Felix.« Streng blickte er ihn an. »Du bleibst hier.«
»Auf keinen Fall«, widersprach der und erwiderte Griffels strengen Blick mit erhobenem Kinn. »Merle hat nichts gemacht. Ich kann das bezeugen und das werde ich, auch vor der Direktorin.«
Für einen Moment schien die Zeit zu Eis zu gefrieren. Es war so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören. Griffel und Felix starrten sich an, als fochten sie ein Duell nur mit ihren Blicken aus. Die Luft zwischen ihnen knisterte förmlich.
Merle hielt den Atem an.
Da knickte Griffel ein. »Also schön. Begleite sie, wenn du unbedingt willst. Aber ich rate dir, bei der Wahrheit zu bleiben. Sonst bekommst du genauso viel Ärger wie unser Fräulein Müller«, drohte er und wandte sich zum Gehen.
Ihr blieb nichts anderes übrig, als ihm mit hängenden Schultern zu folgen. Ihr einziger Trost war Felix an ihrer Seite.
Es war das erste Mal, dass Merle das Büro der Direktorin betrat. Ihr Herz klopfte so laut, dass es in ihren Ohren dröhnte. Der Raum war kleiner, als sie ihn sich vorgestellt, aber nichts Besonderes: Die Wände links und rechts waren gesäumt von grauen Regalen, deren Böden unter der Last zahlloser Ordner zu ächzen schienen. Sie engten den Schreibtisch in der Mitte regelrecht ein. Die blonde Frau dahinter schien das jedoch nicht zu stören. Eifrig tippte sie auf ihrem Computer herum und murmelte dabei, bis Griffel sie mit einem Räuspern dazu brachte, über ihre Lesebrille hinweg zu ihm aufzusehen.
»Frau Bartsch. Ich bringen Ihnen die kleine Müller«, sagte Griffel mit einer Ruhe, die Merle irritierte. Er klang nicht wie der unfreundliche Geschichtslehrer, den sie kannte – seine Stimme war fast sanft, respektvoll, schmeichelnd. »Sie wissen schon… wegen der Sache mit den Flugblättern.«
Frau Bartsch nickte. Mit gerunzelter Stirn ließ sie ihren Blick von Griffel zu Merle und Felix schweifen. »Merle, richtig? Wie ich sehe, hast du einen Freund mitgebracht«, sagte sie und lächelte.
Merle nagte an ihrer Unterlippe. »Ich hoffe, das ist in Ordnung.«
Noch bevor die Direktorin zu einer Antwort ansetzen konnte, mischte das Griffelo sich ein. »Der Junge bestand darauf, mitzukommen. Ich bringe ihn nach draußen, wenn Sie es wünschen.« Dabei klang er so falsch-freundlich, dass Merle halb erwartete, zu seinen Füßen eine Schleimspur zu entdecken.
»Das wird nicht nötig sein, Herr Griffel. Sie können jetzt gehen.«
Der Lehrer schnappte hörbar nach Luft. »Aber …«
»Ihr Unterricht beginnt in fünf Minuten. Sie haben mir den Vorfall bereits ausführlich geschildert, mündlich und schriftlich. Ich denke, ich bin über ihren Standpunkt im Bilde. Nun würde ich gerne Merles Sicht auf die Dinge hören. Sollte ich danach noch Fragen haben, lasse ich Sie rufen – in der Pause.«
Für einen Moment herrschte Stille, während die beiden Erwachsenen einander anstarrten.
Schließlich seufzte Griffel und grummelte: »Wie Sie meinen.« Er wandte sich ab, das Gesicht von Missbilligung gezeichnet.
Merle hingegen fühlte sich schlagartig besser, sobald die Tür hinter ihm ins Schloss fiel. Erleichtert atmete sie auf. »Danke.«
Die Direktorin schenkte ihr ein wissendes Lächeln. »So, ihr zwei, setzt euch doch. Nervennahrung?« Sie deutete auf einen kleinen Ständer auf ihrem Schreibtisch, den ein Schild mit der Aufschrift zierte: »Schokolade löst keine Probleme. Aber das tut ein Apfel ja auch nicht!« Davor stand eine Schale, voll mit verschiedenen, kleinen Schokoriegeln.
Unweigerlich musste Merle grinsen, traute sich jedoch nicht, etwas von den angebotenen Süßigkeiten zu nehmen.
Felix schien kein Problem damit zu haben und nahm gleich zwei.
Frau Bartsch wartete nicht, bis er den ersten Riegel verdrückt hatte, sondern begann ohne Umschweife das Gespräch: »Nun erzählt mal. Was ist denn da passiert?«
Merle nahm einen tiefen Atemzug. »Wenn ich das wüsste. Ich bin gerade erst gekommen. Und plötzlich meinten alle in der Klasse, ich hätte dieses Bild in der Schule verteilt. Aber das hab ich nicht, das müssen Sie mir glauben!«
»Aber du hast das Bild gezeichnet, oder nicht?«
Merle seufzte. »Gestern, im Unterricht, ja. Ich hatte aber nie vor, es jemandem zu zeigen. Aber dann stand Herr Griffel plötzlich vor meinem Platz und hat es gesehen. Er war sauer – verständlicherweise. Daher musste ich gestern Nachmittag auch bei ihm nachsitzen.«
»Verstehe. Und was ist mit deinem Bild passiert?«
»Das hat er in den Papierkorb geworfen.«
»Und dort hast du es gelassen?«
»Warum hätte ich es nehmen sollen? Es war ganz zerknittert. Außerdem ist es ziemlich eklig, etwas aus dem Müll zu fischen.«
»Hm.« Es war unmöglich, in Frau Bartschs Gesicht zu lesen. »Und du versprichst, dass du das mit den Flugblättern nicht warst? Herr Griffel meinte, ihr hättet schon früher Probleme miteinander gehabt.«
Frustriert knirschte Merle mit den Zähnen. »Er kann mich nicht leiden, schon von der ersten Stunde an nicht.«
Frau Bartsch runzelte die Stirn. »Und warum?«
»Keine Ahnung, das sollten Sie ihn fragen.«
»Hm. Vielleicht mache ich das. Oder ich frage deinen Freund hier.« Sie wandte sich an Felix. »Wie siehst du das Ganze?«
Er räusperte sich. »Ich glaube, die Abneigung beruht auf Gegenseitigkeit. Merle ist richtig gut in Geschichte. Aber mit dem Unterricht kann sie nicht viel anfangen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie sich langweilt. Davon ist Herr Griffel natürlich nicht begeistert. Ein paarmal hat er sie deswegen an die Tafel gerufen und ausgefragt. Bisher wusste sie immer alle Antworten.«
Mit einem nachdenklichen Brummen nahm sich Frau Bartsch selbst von der Schokolade und steckte sie sich in den Mund.
Dankbar für die kleine Verschnaufpause tat Merle es ihr gleich.
»Und du glaubst nicht, dass sie die Plakate aufgehängt hat?«, fragte Frau Bartsch weiter.
Felix schüttelte den Kopf. »Ich weiß, dass sie’s nicht war. Wir sind nach der Schule zusammen nach Hause und haben den Rest des Tages bei mir verbracht«, log er, ohne eine Miene zu verziehen. »Außerdem würde Merle nie so etwas Gemeines tun. So ist sie nicht.«
