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Studienarbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich Soziologie - Religion, Note: 1,0, Freie Universität Berlin (Japanologie), Veranstaltung: Buddhistische Literatur im japanischen Mittelalter, Sprache: Deutsch, Abstract: Dem Lotos-Sutra kommt unter den großen Sutren des Mahayana-Buddhismus eine herausragende Stellung zu. Unbetroffen von den Differenzen der verschiedenen buddhistischen Mahayana-Sekten untereinander wird ihm allseits große Anerkennung zuteil. Aus seiner Vielschichtigkeit und seiner Bildhaftigkeit resultiert eine unvergleichliche Anziehungskraft auf die Gläubigen. Im Lotos-Sutra werden die drei Grundsätze des Mahayana-Buddhismus erstmalig aufgestellt und inhaltlich vereint: Die Existenz eines alles umfassenden Dharmas; die Ewigkeit Buddhas; die Doktrin des einen Heilswegs für alle Lebewesen. Interessanterweise bleibt jedoch das Herzstück des Sutras – die Lotospredigt unausgesprochen. Im Effekt resultiert daraus die vereinende Wirkung auf die verschiedenen Sekten des Mahayana, bzw. auf die Gläubigen des Mahayana-Buddhismus, welche ein zentrales Thema der Predigt ist. Differierende Ansätze, verschieden Leitthesen können in diesen Freiraum hineininterpretiert werden und durch das historische Gewicht des Sutras legitimiert werden. Formal gesehen, wird auch durch die Entstehungsgeschichte des Sutras eine generelle Offenheit des Sutras impliziert. Allein für sich ist es niemals vollständig, es verlangt geradezu nach Auslegung und Deutung. Diese Eigenschaften spiegeln sich in dem großen Einfluß des Lotos-Sutras auf die japanische Kunst und Politik des japanischen Mittelalters wieder, lassen jedoch auch Mißbrauch zu. Alle diese Qualitäten und natürlich sein „Erfolg“ im asiatischen Raum, seine Symbolsprache und sein Parabelreichtum stellen es auf eine Ebene mit anderen großen heiligen Büchern, wie der Bibel und dem Koran und weisen das Lotos-Sutra als Weltliteratur aus.
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Veröffentlichungsjahr: 2008
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Das Lotos-Sutra, wörtlich das „Sutra von der Lotosblume des wunderbaren Gesetzes,“ skt.Saddharmapundarika,ist die bedeutendste Schrift im Kontext des Mahayana-Buddhismus und wird von westlichen Lesern auch als „Bibel Ostasiens“1bezeichnet. Es entstand vermutlich zwischen dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. in Indien, d. h. ca. 500 Jahre nach dem Tode des Buddha Shakyamuni. Der Verfasser ist unbekannt. In China wurde das Lotos-Sutra mehrfach übersetzt und ergänzt. Die am weitesten verbreitete Version wurde im Jahre 406 vom Mönch Kumarajiva (344-413) verfasst - chin.Miao fa lien hua ching.Sie ist der Text, der in China und im weiteren auch in Japan verehrt wurde bzw. wird und ist der Ausgangspunkt der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Lotos-Sutra. Auf Grundlage einer systematischen Interpretation Kumarajivas Übersetzung des Lotos-Sutras gründete der chinesische Mönch T’ien-t’ai Chih-i (538-597) im 6.Jh. dieT’ien-Ta’i-Schule. Anfang des 7. Jahrhunderts kam das Lotos-Sutra - jap.Myoho renge-kyooderHokekyonach Japan und wurde auf staatlicher Ebene bald als eine der wichtigsten buddhistischen, heiligen Schriften angesehen. Im 9.Jh. gründete Dengyodaishi Saicho (767-822) auf Basis der chinesischen T’ien-Ta’i-Schule am Rande der damaligen Kaiserstadt Kyoto die japanische Tendai-Schule. Diese entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zur bedeutendsten buddhistischen Strömung Japans.
Aus ihr gingen im 12.-13. Jahrhundert die unter dem Sammelbegriff „Kamakura-Neobuddhismus“ (Kamakura shinbukkyo) bekannten Bewegungen hervor, von denen einige sich zu etablierten und für die Kultur Japans bedeutenden Schulen entwickelten. Darunter fallen die Jodo-Schule Honens (1133-1212), die Jodo-Schule Shinrans (1173-1262), die Soto-Schule Dogens (1200-1253) und die Schule Nichirens (1222-1282). Insbesondere die letztgenannte hatte ihre Grundlage im Lotos-Sutra.
1Margareta von Borsig, Einleitung zu ihrer Übersetzung desLotos-Sutra,2003, S.1.
