Das magische Amulett #116: Brenda und der Druidenkreis - Jan Gardemann - E-Book
Beschreibung

Das magische Amulett Band 116 Roman von Jan Gardemann Der Umfang dieses Buchs entspricht 100 Taschenbuchseiten. Verbinden sich die englischen Kultstätten der Druiden durch mystische unterirdische Kraftlinien oder ist das alles nur Spinnerei? Amulettjägerin Brenda Logan gerät in eine Reihe grausiger Ritualmorde. Welche Rolle spielt der Druide Christopher, der immer dann in der Nähe ist, wenn der nächste junge Mann geopfert wird? Brenda kommt dem Muster der Morde auf die Spur, doch kann sie diese auch verhindern?

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Seitenzahl:103

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Jan Gardemann

Das magische Amulett #116: Brenda und der Druidenkreis

Romantic Thriller

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Brenda und der Druidenkreis

Das magische Amulett Band 116

Roman von Jan Gardemann

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 100 Taschenbuchseiten.

 

Verbinden sich die englischen Kultstätten der Druiden durch mystische unterirdische Kraftlinien

oder ist das alles nur Spinnerei? Amulettjägerin Brenda Logan gerät in eine Reihe grausiger Ritualmorde. Welche Rolle spielt der Druide Christopher, der immer dann in der Nähe ist, wenn der nächste junge Mann geopfert wird?

Brenda kommt dem Muster der Morde auf die Spur, doch kann sie diese auch verhindern?

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© Cover by Firuz Askin, 2017

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

© Logo by Steve Mayer unter Verwendung von Motiven by Pixabay, 2017

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Ich hatte das magische Gebinde auf meinem Stock aufgespießt und wartete ab, bis der kleine Scheiterhaufen lichterloh brannte. Dann warf ich das Geflecht in die Flammen. Gierig leckten die Flammen über das seltsame Gebinde, das augenblicklich Feuer, fing. Funken stoben zu den Seiten weg, und der Qualm wurde langsam dunkler und dichter. Wie eine Giftwolke stieg er zu den Baumkronen empor und hob sich wie ein schwarzes Tuch zwischen das Geäst. »Was passiert da?«, fragte Tatjana und trat ängstlich von dem Feuer zurück. Eine blaue Stichflamme stieß plötzlich empor. In der Luft lag ein Rauschen, Pfeifen und Singen. »Die böse Magie, die in dem Geflecht gespeichert gewesen war, wird durch das Feuer freigesetzt!«, rief ich Tatjana über die Flammen hinweg zu. Plötzlich gab es einen ohrenbetäubenden Knall. Funken und brennende Teile flogen durch die Luft. Ich riss die Arme hoch und fuhr mir durch das Haar, um zu verhindern, dass es von herumfliegender Glut in Brand gesetzt würde...

1

Der Himmel war grau wie eine gewalzte Stahlplatte. Feiner Nieselregen sprühte über die seichten Hügel, die sich unter dem bedrohlich wirkenden Himmel ängstlich zu ducken schienen. Der Regen durchtränkte die Vegetation, so dass die Bäume, Sträucher und Wiesen dunkel und feucht schimmerten, als wollten die nächtlichen Schatten sich weigern, sie dem heraufziehenden Morgen zu überlassen. Wie ein dichter Schleier hatte sich der Nieselregen über die Landschaft gebreitet und verhüllte den Horizont.

Der Regen verfing sich in den Blättern einer mächtigen alten Eiche, unter dessen weit ausladenden Krone sich acht seltsame Gestalten versammelt hatten. Sie waren in braune weite Kutten gehüllt; ihre Kapuzen hatten sie tief über das Gesicht gezogen.

Eine der Gestalten saß auf einem großen Stein, den die Eiche mit ihren Wurzeln wie einen Geliebten umschlang. Mit dem Rücken lehnte sie an dem knorrigen Stamm der Eiche und blickte die sieben anderen Gestalten, die sich in einem Halbkreis vor ihr versammelt hatten, unter seiner Kapuze durchdringend an.

»Bevor wir uns gleich der alten Kultstätte der Druiden nähern, möchte ich, dass wir uns in Einklang mit der Natur bringen«, klang es dumpf und rau unter der Kapuze hervor. Die Gestalt auf dem Felsbrocken schlug die Kapuze zurück. Ein scharfgeschnittenes Gesicht mit hellblauen leuchtenden Augen, die unter den buschigen Brauen wie ein strahlender Sommerhimmel hervorleuchteten, kam zum Vorschein. Ein langer, wilder Bart zierte das Kinn. Die dunklen drahtigen Haare waren von silbernen Strähnen durchsetzt. Der Bart bewegte sich, als der Mann sprach; aber sein Mund war unter den struppigen Borsten nicht auszumachen. Das Haupthaar des Mannes war schon stark gelichtet, reichte ihm aber bis auf die Schultern herab.

»Schließt eure Augen«, befahl er seinen Adepten und streckte die Arme zum Himmel empor. »Lasst euch durch den Regen nicht stören. Er ist Teil der Natur. Und wenn ihr es richtig anstellt, könnt ihr Kraft aus ihm ziehen wie die Pflanzen, denen er ja auch beim Gedeihen hilft.«

Eine der sieben Gestalten nieste plötzlich. Ihre Kapuze glitt zurück, und der Blondschopf einer jungen Frau wurde sichtbar. Sie hatte ein schmales, feingeschnittenes Gesicht und blaugrüne Augen.

»Können Pflanzen sich auch erkälten?«, fragte sie mit sarkastischem Unterton in der Stimme.

Die anderen Jünger lachten verhalten, und der Mann auf dem Stein verzog unwillig sein Gesicht.

»Versuche dich zu konzentrieren, Helena«, ermahnte er die junge Frau. »Wenn du dich für die Natur öffnest, wirst du schon wieder genesen.«

Helena rieb sich fröstelnd mit den Händen über die Oberarme. »Vielleicht würde mir auch ein besseres Zelt helfen«, erwiderte sie und deutete mit dem Daumen missmutig über ihre Schulter. Dort duckten sich sieben niedrige Zelte aus schlanken Birkenstämmen und rauen, ledernen Zeltbahnen in einer Senke. Sie waren um eine Feuerstelle gruppiert, die jedoch längst erloschen war.

»In mein Zelt hat es hineingeregnet«, beschwerte sich Helena mürrisch. »Mein Schlafsack war ganz feucht und klamm...«

Der Mann auf dem Stein atmete tief durch. »Bist du mit deinem Genörgel jetzt fertig?«, fragte er streng. »Wenn du eine richtige Druidin werden willst, musst du schon bereit sein, einige Unbilden auf dich zu nehmen.«

Helena stemmte die Hände in die Hüften und starrte den bärtigen Mann trotzig an.

»Und wie sieht es mit dir aus, Christopher?«, fragte, sie mit lauerndem Unterton in der Stimme. »Welche Unbilden nimmst du auf dich?«

Christopher wollte zu einer Erwiderung ansetzen. Doch Helena ließ ihn nicht zu Wort kommen. »Als ich heute Nacht völlig durchgefroren aufwachte, wollte ich zu dir, um mich aufzuwärmen. Aber der Platz an deiner Seite war bereits besetzt!«

Sie packte die Kapuze ihrer Nachbarin und riss sie ihr vom Kopf. Rotes lockiges Haar quoll unter der Kapuze hervor und das blasse, sommersprossige Gesicht einer jungen Frau. Sie starrte Helena mit ihren grünen Augen hasserfüllt an.

Unter den Jüngern hob Stimmengemurmel an, das Christopher mit einer herrischen Geste zum Verstummen brachte.

»Ich bin der Oberdruide!«, erklärte er unwirsch. »Was ich tue oder lasse, ist allein meine Entscheidung und birgt einen höheren Sinn.«

Er deutete auf seine Jünger. »Ihr seid noch nicht reif genug, um zu verstehen.«

Helena prustete verächtlich. »Nur weil du unser spiritueller Meister bist, musst du nicht denken, dass wir dumm sind!«, rief sie.

»Was soll daran so geheimnisvoll sein, wenn eine junge Frau in deinen Armen liegt, Christopher?«

»Du bist doch nur eifersüchtig«, drang eine männliche Stimme unter einer der Kapuzen hervor. Helena stierte die Gestalt durchdringend an. »Das musst du gerade sagen, John. Ich habe dich beobachtet. Du verschlingst Tara doch förmlich mit deinen Blicken. Bestimmt wäre es dir lieber, gewesen, sie hätte sich heute Nacht in deine Arme und nicht in die von Christopher geflüchtet.«

John sprang auf und riss die Kapuze wütend von seinem Kopf. Er war ein blonder, gutaussehender Bursche, der in seiner Kutte jedoch weitaus imposanter wirkte, als er in Wahrheit war. »Das ist eine Lüge!«, rief er anklagend. Zornesröte stieg ihm ins Gesicht. Es war auffällig, wie sehr er darauf bedacht war, Tara nicht in die Augen zusehen.

»Schluß jetzt!«, schrie Christopher und sprang von seinem Stein auf. Er ballte die Fäuste und schüttelte sie drohend gegen seine Adepten. »Habt ihr vergessen, warum wir diese Wallfahrt unternommen haben?«

John und die beiden Frauen blickten schuldbewusst zu Boden.

»Wir wandeln auf den Spuren der alten Druiden!«, rief Christopher mit salbungsvoller Stimme. Langsam bekam er die Situation wieder in den Griff, was auch sein Selbstbewusstsein wieder stärkte.

»Wir wollen an der Weisheit der Druiden teilhaben«, sagte er streng. »Darum suchen wir ihre alten Kultstätten auf. Kleinliche Streitereien müssen dabei zurückstehen, sonst wird die Wallfahrt mißlingen!«

Er drehte sich halb um und deutete mit ausgestrecktem Arm an der Eiche vorbei auf einen Hügel. Der Nieselregen hatte die Hügelkuppe verschleiert; so dass sich die windschiefen Megalithen, die sich dort in den Himmel reckten, nur als verwaschene Schemen zu erkennen waren.

»Dort oben befindet sich eine bedeutende Kultstätte«, fuhr er wichtig fort. »Sie ist viele hundert Jahre alt. Die Druiden trafen sich dort, um Erfahrungen auszutauschen und ihr mystisches Wissen zu vermehren. Nicht aber, um sich mit Intrigen herumzuärgern!«

Christopher hob mahnend den Zeigefinger. »Wir können an der Magie dieses Ortes nur teilhaben, wenn unsere Gedanken rein und unsere Seelen offen sind. Streitereien werden unsere Aufnahmefähigkeit nur trüben. Uns wird entgehen, was dieser Ort an Weisheit für uns bereithält!«

Wie Schüler, die von ihrem Lehrer eine Zurechtweisung erfahren haben, zogen sich die drei Adepten ihre Kapuzen wieder über die Köpfe und hockten sich zu den anderen auf den feuchten Boden.

Zufrieden ließ Christopher seinen Blick über seine Anhänger schweifen. Für einen Moment hatte er tatsächlich befürchtet, die Kontrolle über seine Leute zu verlieren. Er überlegte, ob es nicht doch ein Fehler gewesen war sich mit Tara einzulassen. Aber er hatte den Reizen dieser jungen, aufregenden Frau einfach nicht widerstehen können.

Er wischte die lästigen Gedanken beiseite; und gab seinen Jüngern zu verstehen, sich zu erheben. Er musste sie beschäftigen und auf andere Gedanken bringen.

»Folgt mir nun zur druidischen Kultstätte«, sagte er salbungsvoll. »Verbannt die negativen Gedanken aus eurem Gehirn und öffnet euch für die Weisheit der alten Druiden!«

Mit diesen Worten nahm er seinen Knotenstock auf, drehte sich um und schickte sich an, den Hügel zu erklimmen.

Mit seinem schulterlangen grau melierten Haar, dem kräftigen Vollbart, der ihm bis auf die Brust reichte, sah Christopher wirklich aus wie ein Druide das mussten seine Jünger sich ehrfürchtig eingestehen. Eingeschüchtert trotteten sie hinter ihrem Meister her, der sich auf seinen Knotenstock stützte und das Haupt stolz erhoben hatte.

Schließlich langte die Prozedur oben auf der Kuppe des Hügels an. Etwa ein Dutzend mannshoher, Megalithen zeichneten sich hinter den Regenschleier ab. Die Steine schimmerten in verschiedenen Grauschattierungen. Sie bildeten einen weiten Kreis, steckten schief in der Erde und boten, einen skurrilen, unheimlichen Eindruck, wie versteinerte Figuren, die die Zeit gebeugt hatte.

Christopher reckte die Arme empor und schüttelte den Knotenstab. »Ihr Geister, die ihr in dieser Stätte wohnt!«, rief er mit volltönender, befehlender Stimme. »Gewährt uns Einblick in eure Weisheit!« Plötzlich fühlte sich Christopher am Arm gepackt.

Verärgert wirbelte er herum und starrte direkt in Helenas schreckensbleiche Gesicht unter der Kapuze.

»Was ist denn nun schon wieder?«, fuhr er sie unwirsch an. Etwas befremdet stellte er fest, dass die anderen Adepten einige Schritte entfernt stehen geblieben waren, als hätte ein Fluch sie auf die Stelle gebannt.

Helena deutete in den Steinkreis hinein. »Sieh doch«, sagte sie mit versagender Stimme.

Christopher wandte sich wieder den windschiefen Megalithen zu. Sie umstanden einen quaderförmigen Findling. Es handelte sich um einen uralten Altarstein. Ein Opferstein der Druiden.

Auf dem Stein lag ein Mann, wie Christopher jetzt bemerkte. Die Arme waren weit vom Körper abgewinkelt und hingen über die Ränder des Altars herab. Der Bursche war noch ziemlich jung, wie

Christopher an dem Gesicht und dem vollen Haar irgendwie zu erkennen glaubte. Doch das Gesicht war entstellt. Die Züge waren vor Entsetzen verzerrt, die Augen ganz weit aufgerissen. Blicklos starrten sie in den grauen, verregneten Himmel.

Wie unter einem fremden Zwang trat Christopher näher an den Opferstein heran. Nun erkannte er, dass der Mann eine Wildlederjacke trug. Sie war über der Brust geöffnet. Das Hemd darunter war brutal aufgerissen worden, so dass die Knöpfe abgesprungen waren. In der Brust des Mannes klaffte eine tiefe Wunde, dort, wo sich das Herz befand. Blut war hervorgesickert, hatte die Kleidung besudelt und war schließlich den Altarstein hinunter geflossen.

Der Mann war tot!

Christopher hatte das Gefühl, eine eiskalte Faust würde seine Kehle packen und erbarmungslos zudrücken. Die Szene erinnerte ihn an Darstellungen, die er in Büchern über Druiden gesehen hatte. Unter den Druiden war es früher Gang und Gebe gewesen, Menschen zu opfern, um die Götter milde zu stimmen und die eigenen magischen Kräfte zu stärken. Auf dem Altarstein in der Mitte des Megalithenkreises waren seinen Vermutungen nach zur Zeit der Druiden bestimmt mehrere Hundert Menschen geopfert worden. Sie mussten einen ähnlich schaurigen Anblick geboten haben, wie der arme Kerl, der da nun vor ihm auf dem Opferstein lag.

Aber wer konnte so wahnsinnig sein, und einen Menschen auf dem alten Druidenaltar hinrichten?

Ächzend taumelte Christopher von der Leiche zurück. Als er mit Helena zusammenstieß, schrie er erschrocken auf und wirbelte herum, als erwartete er, plötzlich dem Mörder gegenüber zu stehen. »Der Mann..«, stammelte Helena und krallte sich an Christophers Arm fest »Ist er...«

Christopher nickte beklommen. »Ja, er ist tot«, sagte er mit tonloser Stimme. »Wie es aussieht, handelt es sich um Mord!«

2

»Hier ist der Mord geschehen, Brenda Logan!«

Die Frau, die diese Worte zu mir sagte, hieß Tatjana Barbican. Sie war Polizistin und arbeitete für die Mordabteilung, von Scotland Yard.

Der Regen, der aus dem eisengrauen, wolkenverhangenen Himmel auf uns herabregnete, schien Tatjana nichts auszumachen. Er perlte von ihrer schwarzen Lederjacke ab und verfing sich in ihrem blonden seidigen Haar, das sich nass und wie angeklebt eng um ihren Kopf schmiegte.

Unbehaglich starrte ich auf den Steinquader hinab, vor dem wir standen. Er war umringt von windschiefen Megalithen. Ein dunkler Fleck geronnenen Blutes war auf dem Quader zu erkennen. Irgendwie schaffte es der Regen anscheinend nicht, den Blutfleck fortzuwaschen.

»Wie lange sagten Sie liegt dieser Mord zurück?«, wollte ich wissen und sah zu Tatjana auf. »Zwei Tage«, erwiderte sie. Rasch holte sie einige Fotografien unter ihrer Jacke hervor und breitete sie auf dem nassen Opferstein aus. Ein junger Mann mit feiner tiefen Stichwunde in der Brust war auf den Fotos zu sehen. Er lag auf dem Opferstein, vor dem wir nun standen.

»Nehmen Sie die Fotos wieder weg«, forderte ich Tatjana auf. »Ich kenne sie bereits.«

Schaudernd wandte ich mich von dem Opferstein ab, streifte den Steinkreis aus mannshohen grauen Megalithen, die schief in der Erde steckten, mit einem unbehaglichen Blick. Von dem Hügel aus bot sich ein herrlicher Ausblick über die seichte Hügellandschaft Südenglands. Schleier aus Regenschauern fegten über die Hügel hinweg und verhüllten den Horizont.