Das magische Amulett #127: Hüterin des Schatzes - Jan Gardemann - E-Book
Beschreibung

Das magische Amulett Band 127 Roman von Jan Gardemann Der Umfang dieses Buchs entspricht 103 Taschenbuchseiten. Es ist fast zweihundert Jahre her, dass der Adelige Timothy Clairmont mit einer Schäferstochter durchgebrannt ist und dabei den Familienschmuck ebenso wie das Sternamulett mitgenommen hat. Nun ist seine Nachfahrin Lady Harriet in Geldnöten und um den Familienschatz wiederzufinden, droht sie Professor Sloane, ihm beruflich zu schaden, wenn die Amulettforscherin Brenda Logan nicht bereit ist, sie bei der Suche nach dem Schatz zu unterstützen. Widerwillig fährt Brenda zu der Adeligen, doch beim Abendessen erfährt sie, dass Lady Harriet einen Sohn hat, der an Leukämie erkrankt ist, und dass das Sternamulett eine heilende Wirkung hat.

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Seitenzahl:107

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Jan Gardemann

Das magische Amulett #127: Hüterin des Schatzes

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Hüterin des Schatzes

Das magische Amulett Band 127

Roman von Jan Gardemann

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 103 Taschenbuchseiten.

 

Es ist fast zweihundert Jahre her, dass der Adelige Timothy Clairmont mit einer Schäferstochter durchgebrannt ist und dabei den Familienschmuck ebenso wie das Sternamulett mitgenommen hat. Nun ist seine Nachfahrin Lady Harriet in Geldnöten und um den Familienschatz wiederzufinden, droht sie Professor Sloane, ihm beruflich zu schaden, wenn die Amulettforscherin Brenda Logan nicht bereit ist, sie bei der Suche nach dem Schatz zu unterstützen. Widerwillig fährt Brenda zu der Adeligen, doch beim Abendessen erfährt sie, dass Lady Harriet einen Sohn hat, der an Leukämie erkrankt ist, und dass das Sternamulett eine heilende Wirkung hat.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© Cover by Firuz Askin, 2017

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

© Logo by Steve Mayer unter Verwendung von Motiven by Pixabay, 2017

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

»Wir sollten lieber wieder von hier verschwinden«, mahnte Leigh. »Bestimmt sind diese Typen sauer, wenn wir ihr Revier mit einem Auto befahren.« Doch da war es bereits zu spät. Die Tür der Hütte flog auf, und sechs Männer in schwärzen Lederklamotten traten ins Freie. Auch ihre Lederkombinationen waren bemalt. Glotzäugige Totenschädel und Köpfe von Zombies grinsten uns unheilvoll entgegen. Auch die Männer sahen zum Fürchten aus. Sie trugen ihr Haar lang bis auf die Schultern und hatten Vollbärte, die ihre Gesichter düster und drohend erscheinen ließen. Ehe ich mich versah, hatten sie den Wagen umstellt. Einer von ihnen griff sogar an das Dach und stemmte sich dagegen. Der Mann ließ den Volvo mit seinen Bärenkräften wie ein in Seenot geratenes Boot heftig hin und her schwanken...

1

»Das ist er, Mrs. Brenda Logan!«, sagte Lady Clairmont an mich gewandt und deutete dabei mit einer feierlichen Geste auf das Ölgemälde, das in einer Reihe von dunklen, einen muffigen Geruch verströmenden Portraits hing, die die gesamte Wand der Ahnengalerie einnahm. »Das ist Sir Timothy Clairmont, der unserer Familie vor knapp zweihundert Jahren so viel Kummer bereitet hatte.«

Lady Clairmont faltete die Hände zusammen und ließ die Arme in einer bekümmerten Geste sinken. Versonnen betrachtete sie das Ölbild, auf das sie zuvor gedeutet hatte. »Timothy war ein hübscher, schmucker Bursche«, sagte sie gedankenversunken. »Aber unter seinem blonden Haar hatte er nur Flausen. Er war ein verrückter Bursche, voller Leidenschaft und Durchsetzungswillen, ein Jammer, dass er auf so rätselhafte Weise aus der Ahnenkette der Clairmonts gerissen wurde.«

Ich richtete meine Aufmerksamkeit auf das Portrait von Timothy Clairmont. Er sah tatsächlich ziemlich sympathisch aus, obwohl das Ölbild in den Jahrzehnten, die es nun schon in der düsteren Ahnengalerie von Cibelle Castle hing, stark gedunkelt war und der Firnis bereits Risse bekommen hatte. Timothy hatte ein markantes Gesicht mit hoher Stirn. Sein halblanges blondes Haar hatte er zurückgekämmt; es floss in seichten Wellen an den Seiten den Kopf hinab und verlieh dem männlichen Gesicht einen verträumten, romantischen Zug. Die Brauen des jungen Mannes auf dem Ölbild waren jedoch dunkel; sie beschatteten die Augen, die dunkelbraun waren und in denen es geheimnisvoll zu blitzten schien. Auf den Lippen des Mannes lag ein schräges Lächeln, das allerdings weniger spöttisch als selbstsicher anmutete. Timothy trug, als er für das Gemälde Model gestanden hatte, ein weißes Leinenhemd. Die oberen Knöpfe standen offen, so dass seine breite Brust gut zu sehen war. Um seinen Hals hing eine Kette mit einem sternenförmigen Anhänger.

Dieser Anhänger war mir schon auf den anderen Portraits der Ahnengalerie aufgefallen. Es handelte sich unzweifelhaft um ein Amulett. Jeder der Porträtierten auf den alten Ölbildern trug dieses Sternamulett um den Hals. Die Portraits, die sich rechter Hand an dem von Timothy Clairmont anschlossen und offensichtlich neueren Datums waren, bildeten allerdings eine Ausnahme. Hier trugen die Porträtierten keinen Sternanhänger mehr. Es handelte sich um Gemälde, auf denen das Konterfei von Ahnen abgebildet war, die nach Timothy Clairmont geboren worden waren.

»Ich vermute, bei dem Schmuckstück, das Timothy auf dem Gemälde um den Hals trägt, handelt es sich um das magische Amulett, das Sie Professor Sloane gegenüber erwähnten«, richtete ich das Wort an Lady Harriet.

Die Lady nickte bedächtig. Lady Harriet war eine hagere Frau von über sechzig Jahren. Ihr elegantes anthrazitfarbenes Kleid betonte ihre schlanke Figur dezent und passte hervorragend zu ihrem grauen lockigen Haar. In ihrem Gesicht ruhte der Ausdruck vornehmer Gelassenheit, der nun allerdings von einem leicht gequälten Zug überschattet wurde.

Wahrscheinlich wäre es Lady Harriet lieber gewesen, ich hätte das Amulett, das den Grund meines Besuches auf Cibelle Castle darstellte, vorerst unerwähnt gelassen. Es gab in England wohl nur wenige Adlige, die gerne über die dunklen Kapitel in ihrer Familienchronik sprachen. Und die wenigen, die es taten, ließen sich auch nur darauf ein, weil sich damit zahlungskräftige Touristen in ihr Castle locken ließen.

Aber zu dieser Sorte zählte Lady Harriet eindeutig nicht.

Da mein Besuch bei Lady Harriet Clairmont jedoch nicht ganz freiwillig war und ich etwas ungeduldig war, ließ ich die Befindlichkeit meines Gegenübers außer acht und kam gleich zur Sache.

»Ja, das ist das magische Amulett, wegen dem ich Professor Sloane, den Direktor des British Museum, um Rat gefragt hatte«, bestätigte Lady Harriet zurückhaltend.

Ich konnte ein ironisches Lächeln nur mühsam unterdrücken. Lady Harriet hatte Professor Sloane, der mein Vorgesetzter war, nicht um Rat gefragt, sie hatte ihn erpresst und gedroht, sie würde überall herumerzählen, dass der Direktor des angesehensten Museums der Welt an die Existenz von übersinnlichen Phänomenen und Zauberei glaubte, sollte er sich weigern, ihr bei der Lösung ihres Problems die Unterstützung zu verweigern.

Wie Lady Harriet an die Informationen über den Museumsdirektor herangekommen war, war mir schleierhaft. Der Professor Sloane gab sich alle Mühe, nach außen hin den rational denkenden und handelnden Professor zu mimen, wie es von einem Mann in seiner Position auch erwartet wurde. Dass er mich, eine junge Archäologin und Mitarbeiterin des British Museum, in ihrem Kampf gegen magische Amulette unterstützte, wussten daher nur ganz wenige Eingeweihte.

Zu diesen Eingeweihten gehörte Lady Harriet jedoch definitiv nicht. Und trotzdem hatte sie von den geheimen Aktivitäten des Professors Wind bekommen, was Sloane verständlicherweise ziemlich nervös machte, denn er hatte einen guten Ruf und einen interessanten Job zu verlieren, der ihm mehr bedeutete als alles andere.

»Brenda!«, hatte er darum mit eindringlicher Stimme zu mir gesagt, nachdem er mich in sein Museumsbüro gerufen hatte: »Sie müssen sich dieser Sache, wegen der Lady Harriet an mich herangetreten ist, unbedingt annehmen. Mein Ruf steht auf dem Spiel! Nicht auszudenken, was geschieht, sollte sie mit ihrer Warnung ernst machen und überall verbreiten, ich wäre ein abergläubischer alter Trottel, der an die Existenz von Magie, Geistern und Dämonen glaubt.«

Ich sah Sloane hinter seinem wuchtigen, mit Papieren und Artefakten überladenen Schreibtisch amüsiert an. Der Professor, der eine Vorliebe für unkonventionelle Kleidung hegte, trug an diesem Tag einen orange weiß gestreiften Anzug und dazu eine Krawatte mit lauter Mohnblumen darauf. Doch diese Marotte konnte dem gediegenen, Autorität ausstrahlenden Flair, das den Professor umgab, keinen Abbruch tun.

»Aber Lady Harriet sagte doch die Wahrheit«, konnte ich mir eine ironische Bemerkung nicht verkneifen.

Sloane machte ein bestürztes Gesicht, und ich fügte rasch hinzu:

»Ich meinte natürlich nicht den alten Trottel. Aber an die Wirkung von Magie und Zauberei glauben Sie doch tatsächlich!«

Der Professor atmete einmal tief durch und strich sich dann über seinen graumelierten Bart. »Ich glaube nicht nur daran, ich weiß, dass diese Dinge tatsächlich existieren«, bekräftigte er. »Und daran sind allein Sie und Ihre Forschungen auf dem Gebiet der Amulettkunde schuld, Brenda!«

Das Gesicht des Professors verdüsterte sich »Wenn Sie wegen der magischen Amulette nicht immer wieder in mysteriöse Abenteuer verstrickt worden wären, wäre mein Weltbild jetzt noch in Ordnung, und ich könnte die Anfeindungen von Lady Harriet getrost in den Wind schlagen. Aber so sehe ich mich dazu genötigt, klein beizugeben. Sie müssen mir aus dieser Misere heraushelfen, Brenda. Fahren Sie nach Cibelle Castle und versuchen Sie Lady Harriet bei ihrem Problem zu helfen.«

»Worum genau geht es denn?«, hakte ich nach.

»Lady Harriet hat sich in den Kopf gesetzt, einen alten Familienschatz, mit dem einer ihrer Ahnen vor etwa zweihundert Jahren durchbrannte, wiederzufinden. Unter den entwendeten Schmuckstücken befand sich angeblich auch ein magisches Amulett.«

»Warum will die Lady den Schatz denn ausgerechnet jetzt zurück haben?«, wollte ich wissen. »Auf diese Idee hätte sie doch schon viel früher verfallen können.«

Der Professor presste die Lippen aufeinander und machte ein säuerliches Gesicht. »Ich fürchte, um die Finanzen von Lady Harriet Clairmont steht es momentan nicht gerade zum Besten«, meinte er. »Mit anderen Worten, sie ist in Geldschwierigkeiten. Und nichts ist unberechenbarer und giftiger, als eine an Wohlstand gewöhnte Adlige, der eine unrühmliche Zukunft in Armut und einfachen Verhältnissen bevorsteht.«

Der Professor legte die Handflächen auf seinen überfüllten Schreibtisch und sah mich erwartungsvoll an. »Werden Sie sich um diese Sache kümmern, Brenda?«, fragte er mit einem fast ängstlichen Tonfall in der Stimme.

Ich zuckte schicksalsergeben die Achseln. »Habe ich eine Wahl?«

Sloane schüttelte den Kopf. »Sollte ich wegen Lady Harriet meinen Job und mein Ansehen als Wissenschaftler verlieren, werden Sie niemanden mehr haben, der Sie in Ihrer Amulettjagd unterstützt, Brenda. Außerdem... vielleicht ist an dieser Sache ja wirklich was dran...«

Ich wog den Kopf zweifelnd hin und her. »Ich habe eher den Eindruck, Lady Harriet hat sich die Sache mit dem magischen Amulett nur ausgedacht, damit Sie mich auf die Schatzsuche ansetzen. Denn wenn die Lady über Sie Bescheid weiß, Professor, wird sie auch darüber informiert sein, welche Rolle ich in dieser Geschichte spiele.«

Professor Sloane seufzte erleichtert. »Mir ist das egal. Hauptsache Sie bereinigen diese Angelegenheit und können Lady Harriet davon abbringen, berufsschädigende Informationen über mich auszustreuen.«

»Ich werde mein Bestes geben«, versprach ich, »genauso wie immer...

Lady Harriet räusperte sich plötzlich vernehmlich und lenkte meine Aufmerksamkeit wieder auf sich. Ihr war nicht entgangen, dass meine Gedanken abgeschweift waren, während mein Blick gedankenverloren auf das Portrait von Sir Timothy Clairmont gerichtet gewesen war.

»Worüber denken Sie nach, Mrs. Logan?«, fragte sie und klang dabei ein wenig besorgt. Wahrscheinlich spürte sie meinen Missmut, den meine Erinnerung an ihren Erpressungsversuch in mir heraufbeschworen hatte.

»Ich versuche bloß das Amulett einzuordnen, das Ihr Ahne da um den Hals trägt«, erwiderte ich ausweichend. Ich wollte vorerst nicht, dass meine »Auftraggeberin« spürte, dass ich mir über sie und ihre Informationsquelle mehr Gedanken machte, als über das Amulett, das angeblich magische Kräfte beherbergte.

»Und?«, fragte Lady Harriet aufgeregt. »Haben Sie gleich erkannt, dass es ein magisches Kleinod ist?«

Unschlüssig sah ich die Darstellung des Amuletts an.

Der Künstler hatte sich anscheinend alle Mühe gegeben, das Schmuckstück naturgetreu abzumalen. Es handelte sich um einen sechsstrahligen Stern, und in seiner Mitte prangte ein Daumennagel großer blutroter Edelstein.

Es waren jedoch keine magischen Symbole oder Runen zu erkennen, die darauf hingedeutet hätten, dass das Amulett von seinem Schmied ausschließlich zu dem Zweck hergestellt worden war, magische Kräfte darin zu bündeln.

Allein die Tatsache jedoch, dass es sich um einen sechsstrahligen Stern handelte, ließ vermuten, dass der Schöpfer des Amuletts nicht bloß ein ganz außergewöhnliches Schmuckstück hatte herstellen wollen, sondern einen Gegenstand, dem eine ganz übergeordnete Bedeutung zugesprochen wurde.

»Um mehr über dieses Amulett aussagen zu können, müsste ich seine Rückseite betrachten können«, erklärte ich.

»Die Rückseite habe ich selbst auch nie zu Gesicht bekommen«, erwiderte Lady Harriet etwas ungehalten. »Schließlich ist das Amulett zusammen mit Timothy Clairmont vor zweihundert Jahren spurlos verschwunden.«

»Gibt es in der Bibliothek des Castles denn keine Aufzeichnungen über das Amulett?«, hakte ich nach.

»Soviel ich weiß, nein«, entgegnete Lady Harriet abweisend.

»Und woher wollen Sie wissen, dass es sich bei diesem Familienschmuckstück um einen magischen Gegenstand handelt?«, erkundigte ich mich, fest entschlossen, meine Zurückhaltung der Lady gegenüber nun aufzugeben.

»Es gibt da gewisse mündliche Überlieferungen«, erwiderte mein Gegenüber vage.

Ich verdrehte innerlich die Augen. Mein anfänglicher Verdacht, Lady Harriet hätte sich die Geschichte mit dem magischen Amulett nur ausgedacht, um zu erwirken, dass Professor Sloane mich mit der Suche nach dem verlorengegangenen Familienschatz betraute, hatte sich nach meinem Dafürhalten nur erhärtet.

Was immer Lady Harriet mir nun über das angeblich magische Amulett vortragen würde, ihre Behauptung, es würde sich um Überlieferungen ihrer Ahnen handeln, ließe sich ohne Schriftstücke oder Erwähnungen in der Familienchronik nicht nachweisen. Sie könnte mir sonst was erzählen, nur um mich dazu anzuspornen, mit Fiebereifer nach dem Schatz zu suchen, den sie doch nur aus einem einzigen Grund wieder in ihren Besitz bringen wollte: Um ihre leeren Konten und Kassen wieder aufzufüllen!

»Und was wird in diesen Überlieferungen behauptet?«, fragte ich, obwohl ich gar nicht erpicht darauf war, das Märchen zu hören, das Lady Harriet sich für mich ersonnen hatte. Aber immerhin stand noch immer ihre Drohung im Raum, sie würde Professor Sloanes Karriere ruinieren, sollte ich mich weigern, ihr bei der Schatzsuche zu helfen.

Also bemühte ich mich, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Doch das schien mir nicht überzeugend zu gelingen.

Lady Harriet sah mich unter streng zusammengezogenen Brauen argwöhnisch an.

»Sie glauben nicht, es könne sich bei diesem Familienschmuckstück um ein magisches Kleinod handeln«, stellte sie mit rauer Stimme fest.

Ich zuckte die Achseln. »Sie müssen nicht annehmen, nur weil ich mich mit Magie und Okkultismus beschäftige, vermute ich hinter jedem Hirngespinst gleich eine magische Verschwörung. Ich bin Wissenschaftlerin. Meine Erfahrungen und mein Wissen basieren auf Tatsachen.«

»Das habe ich auch gar nicht angezweifelt«, entgegnete Harriet leicht gekränkt. »Aber ist es nicht auch so, dass in jeder Legende und Sage auch ein Fünkchen Wahrheit schlummert?«

Ich schüttelte den Kopf. »Nicht in jeder«, erwiderte ich ein wenig abweisender, als ich beabsichtigt hatte. »Wenn es in einer Legende aber tatsächlich eine Wahrheit gibt, die über eine allegorische Bedeutung hinaus geht und sich auf eine Begebenheit bezieht, die tatsächlich stattgefunden hat, so muss man sie auch beweisen können, sonst begibt man sich auf das Gebiet der Spekulation und des Aberglaubens, und dazu sind weder der Professor noch ich bereit!«

Lady Harriet starrte mich einen Augenblick lang durchdringend an. Ihr wurde nun wohl klar, dass ich mich nicht so leicht hinters Licht führen lassen würde, wie sie angenommen hatte.

Damit hatte ich die Fronten erst einmal abgesteckt. Nun konnte ich mich meiner Aufgabe widmen.