Das magische Amulett #17: Der Irre vom Hochhaus - Jan Gardemann - E-Book
Beschreibung

Das magische Amulett Band 17 Roman von Jan Gardemann Der Umfang dieses Buchs entspricht 93 Taschenbuchseiten. Das Beford-Hochhaus wird zu einer tödlichen Falle! Und während der Sohn und Erbe des verstorbenen Steward Beford mehr und mehr erschütternde Erkenntnisse sammelt, kämpft Brenda Logan darum, die Kräfte zu enträtseln, die im Hintergrund des bedrohlichen Geschehens walten. Was geschah damals auf jener seltsamen Altertums-Expedition?

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Seitenzahl:93

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Jan Gardemann

Das magische Amulett #17: Der Irre vom Hochhaus

Romantic Thriller

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Der Irre vom Hochhaus

Das magische Amulett Band 17

Roman von Jan Gardemann

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 93 Taschenbuchseiten.

 

Das Beford-Hochhaus wird zu einer tödlichen Falle! Und während der Sohn und Erbe des verstorbenen Steward Beford mehr und mehr erschütternde Erkenntnisse sammelt, kämpft Brenda Logan darum, die Kräfte zu enträtseln, die im Hintergrund des bedrohlichen Geschehens walten. Was geschah damals auf jener seltsamen Altertums-Expedition?

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© Cover by Firuz Askin, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

© Logo by Steve Mayer unter Verwendung von Motiven by Pixabay, 2016

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Es herrschte das reinste Tohuwabohu. Sämtliche Schubladen waren aufgerissen. Unter einem Wust von Papieren ragte ein Bein hervor!

Ich erschrak fürchterlich. Dann trat ich auf den unordentlichen Papierhaufen zu und schaufelte die losen Blätter, die auf der Erde lagen, hektisch beiseite. Wenig später hatte ich ein Gesicht freigelegt und erstarrte. Die gebrochenen Augen zeigten, dass ich einen Toten gefunden hatte. Seine Züge waren vor Furcht und Entsetzen wie entstellt. Ich erkannte, dass es Harold Gardian war. Er musste Schreckliches gesehen haben, bevor er starb. Wahrscheinlich war er keines natürlichen Todes gestorben! Unwillkürlich musste ich an den unheimlichen Schatten denken, den ich hinter der Eingangstür bemerkt hatte. War er der Grund für das namenlose Grauen, das sich in dem Gesicht von Harold Gardian widerspiegelte? Hatte ich Gardians Mörder gesehen? Ängstlich sah ich mich um und lauschte in die gespenstische Stille hinein ...

1

Der Beford Tower stand in der Cannon Street. Das Bürohochhaus, das von dem Millionär und Großunternehmer Steward Beford erbaut wurde, hob sich von den anderen Gebäuden mit ihren eintönig erscheinenden Fassaden aus verspiegeltem Glas, Chrom und grauem Marmor angenehm ab.

Mit seinen unzähligen schmalen, erleuchteten Fenstern reckte sich der Tower in den düsteren Abendhimmel. Die Fassade aus gelbem Sandstein schimmerte im Glanz der untergehenden Sonne golden wie Honig. Breite Simse, die mit gotischen Wasserspeiern verziert waren, unterteilten das Hochhaus in fünfzehn Stockwerke. Reste von Schnee und Eis bedeckten die dämonischen Steinfiguren und ließen sie noch unheimlicher erscheinen. Von den Simsen hingen lange Eiszapfen. Ich konnte den kalten Wind hören, wie er um die Ecken des Hochhauses strich.

Ich legte meinen Kopf in den Nacken und betrachtete die Fassade mit einer Mischung aus Faszination und Unbehagen.

Das Gebäude verjüngte sich nach oben und erinnerte mich entfernt an einen geheimnisvollen Tempel oder eine Pyramide.

Dieser Eindruck wurde durch das imposante Portal noch verstärkt. Der von Säulen eingefasste bogenförmige Eingang war reich mit Rosetten und phantasievollen Fabelwesen aus Stein verziert. Hoch oben im obersten Stockwerk prangte ein rundes, buntes Mosaikfenster, hinter dem es geheimnisvoll leuchtete.

»Ein imposantes Gebäude, nicht wahr, Brenda?«, ließ der Mann an meiner Seite sich vernehmen. Er lehnte lässig an einem alten Fahrrad und war ebenfalls in die Betrachtung des Beford Towers versunken. Sein Name war Professor Salomon Sloane. Er war der Direktor des British Museum, wo ich als Archäologin und Amulettforscherin arbeitete.

Professor Sloane war mit dem Rad in die Cannon Street gekommen. Er schloss seinen antik aussehenden, aber verkehrstüchtigen Drahtesel nun an einen Laternenpfahl an, der von kleinen Schneehaufen umgeben war.

»Warten Sie, bis Sie das Haus betreten haben«, fuhr er dabei gutgelaunt fort. »Es wird ihr Archäologenherz höher schlagen lassen.«

Weiße Kondenswölkchen standen dem Professor beim Reden vor dem Mund. Es war bitterkalt, obwohl der Winter sich eigentlich langsam dem Ende zuneigen sollte. In seinem Alter war der Winter hässlich und unansehnlich geworden. Die Schneereste in den Straßen waren vor Dreck ganz schwarz. Überall lagen Müll und alte Zeitungen herum, die der Schnee monatelang in sich eingeschlossen hatte und nun Stück für Stück wieder freigab.

»Lassen Sie uns hineingehen«, forderte ich den Professor auf. Ich fror bereits erbärmlich.

Ich hakte mich bei dem Professor unter und gemeinsam schritten wir auf das eindrucksvolle Portal zu.

Professor Sloane trug einen gelben Kaschmir-Mantel. Er hatte zum Anlass seiner Einladung in den Beford-Tower einen orangefarbenen Anzug angezogen und dazu eine grüne Fliege angelegt

Professor Sloane war in farbenfrohe Kleidung vernarrt. Noch nie hatte ich ihn in einem grauen oder schwarzen Anzug gesehen. Stets war er bunt gekleidet, was dem korpulenten, alternden Professor mit seinem stark gelichteten grauen Haar und dem gepflegten Vollbart auch durchaus zu Gesicht stand.

Nachdem wir den Eingang passiert hatten, fanden wir uns in einer hohen Halle wieder. Der Boden zeigte ein eindrucksvolles Mosaik aus verschiedenfarbigen Steinen. Dargestellt war ein römisches Bad mit leicht verhüllten Männern und Frauen, deren Körper sehr idealisiert wirkten.

Eine Allee aus hohen schlanken Säulen, die oben ein ausladendes Kranzgesims aufwiesen, säumte das Mosaik, führte zu den beiden Aufzügen am gegenüberliegenden Ende der Halle.

»Das Mosaik und die Säulen sind originalgetreue Nachbildungen aus einem römischen Bad, das das British Museum in Zusammenarbeit mit italienischen Archäologen in der Nähe von Rom ausgrub«, erklärte der Professor stolz.

»Steward Beford hat damals fast die gesamten Kosten dieser Unternehmung getragen. Im Gegenzug gewährte die italienische Regierung dem Geschäftsmann, von den Säulen und dem Mosaik eine Kopie anzufertigen. Als besonderes Dankeschön schenkte man ihm sogar eine der originalen Säulen. Es ist die erste in dieser Galerie. Den Unterschied bemerkt aber nur ein geschultes Auge.«

Ich ließ meinen Blick über das Mosaik und die Säulen schweifen. Ich hatte schon viel über Steward Bedford und seine großzügigen Zuschüsse gehört, die er dem British Museum fast regelmäßig zukommen ließ. Der alte Steward hegte ein außerordentliches Interesse für die Archäologie. Dies war seinem Hochhaus, das gleichzeitig der Verwaltungssitz seiner zahlreichen Wirtschaftsunternehmen war, auch deutlich anzusehen. Es strotzte vor archäologischen Fundstücken und aufwendigen Nachbildungen.

Ich betrat dieses legendäre Gebäude heute zum ersten Mal. Ich fühlte mich sehr geschmeichelt, dass Professor Sloane ausgerechnet mich als Begleiterin für diese Gala ausgewählt hatte. Auf diese Weise erhielt ich endlich Gelegenheit, mich in dem Hochhaus einmal umzusehen.

Der Anlass für diese Veranstaltung war allerdings nicht geeignet, in helle Freude auszubrechen. Der alte Steward Beford war vor wenigen Wochen an altersbedingtem Herzversagen gestorben. Sein Sohn Kurt sollte nun seine Stelle an der Spitze der Konzerngruppe einnehmen.

Ein Job, um den ich den jungen Kurt Bedford nicht beneidete. Heute Abend sollte die offizielle Übernahme der Geschäfte durch Kurt Beford gefeiert werden.

Professor Salomon Sloane und ich schritten langsam auf die Fahrstühle zu.

Auf halbem Weg entdeckte ich plötzlich einen Empfangstresen hinter den Säulen. Sein futuristisches Aussehen wollte für mein Empfinden nicht so recht in die altertümliche Halle passen.

Der Empfang glich fast einem Terminal. Es gab mehrere Schaltpulte mit einer verwirrenden Anzahl von Knöpfen, Reglern und blinkenden Lämpchen. Mehrere Monitore bedeckten die Wand. Sie zeigten wechselnde Ausschnitte der Räumlichkeiten im Hochhaus.

Der Mann, der hinter dem Tresen saß, trug eine schwarze Uniform mit der Aufschrift Beford Sicherheitsdienst. Er schaute gar nicht zu uns auf, sondern war damit beschäftigt, irgendwelche Knöpfe zu betätigen und die Monitore zu beobachten.

Ich riss mich vom Anblick der hochmodernen Anlage los und versank wieder in die Betrachtung der hohen, schlanken Säulen. Dabei bemerkte ich, dass an der Decke Kameras angebracht waren.

Inzwischen hatten wir die Aufzüge fast erreicht.

Da trat plötzlich eine Gestalt aus dem Schatten einer Säule und stellte sich uns in den Weg.

Ich zuckte unmerklich zusammen.

Aber bei dem Mann handelte es sich bloß um einen Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes. Unter der schwarzen Uniform zeichneten sich die Muskeln des Kerls überdeutlich ab. Mit seinem kurzen Stoppelhaar und den düster dreinblickenden Augen, die von buschigen schwarzen Brauen überschattet waren, machte er auf mich einen brutalen Eindruck. Die Beule in seiner dunklen Jacke verriet, dass er eine Waffe trug.

»Ihre Einladung bitte«, forderte der Wachmann uns höflich, aber bestimmt auf. Seine Stimme klang befehlsgewohnt und hart.

Professor Sloane fischte die Einladungskarte aus seiner Manteltasche und reichte sie dem Uniformierten. Dieser nahm sie prüfend in Augenschein.

»Die Einladung ist nur auf Professor Salomon Sloane ausgestellt«, sagte er knapp. »Dass Sie eine Begleiterin mitbringen dürfen, ist nicht erlaubt.«

Ich sah den Professor überrascht an. Davon hatte er mir gar nichts erzählt, als er mich gestern fragte, ob ich ihn heute Abend in den Beford-Tower begleiten wolle.

Der Professor lächelte nachsichtig. »Ich habe mir die Freiheit trotzdem herausgenommen«, erwiderte er gelassen. »Mrs. Brenda Logan genießt mein volles Vertrauen. Sie ist eine meiner fähigsten Mitarbeiterinnen und über jeden Zweifel erhaben.«

Der Uniformierte starrte mich durchdringend an. Dann wandte er sich über Funk an einen Vorgesetzten.

Schließlich steckte er das Funkgerät wieder ein und nickte kaum merklich.

»Sie können passieren«, sagte er. »Die Chefsekretärin von Kurt Beford hat mir grünes Licht gegeben. Ich wünsche Ihnen einen schönen Aufenthalt im Beford-Tower. Die Gala findet im obersten Stockwerk statt. Sie können den Ballsaal nicht verfehlen.«

Mit diesen Worten gab er den Weg frei und trat wieder in den Schatten der Säule. Sein schwarzer Anzug verschmolz mit der Dunkelheit und machte ihn fast unsichtbar.

Die Lifttüren glitten auf. Der Professor und ich betraten die geräumige Kabine.

Als sich der Fahrstuhl in Bewegung setzte, löste ich mich vom Arm des Professors und stemmte meine Hände empört in die Hüften.

»Warum haben Sie mir nicht gesagt, dass Sie mich nur auf gut Glück mit auf die Gala nehmen würden? Was hätten Sie getan, wenn dieser Hüne mich nicht durchgelassen hätte?«

»Beruhigen Sie sich, Brenda«, erwiderte Sloane und lächelte. »Ich wusste, was ich tat. Für mich bestand kein Zweifel, dass man Sie passieren lassen würde. Ich kenne Diana Ferrion, die Chefsekretärin des alten Steward, recht gut. Ich hätte ebenso gut die ganze Belegschaft des Museums mitbringen können, ohne dass auch nur einer von ihnen nicht durchgekommen wäre.«

Ich lehnte mich gegen die Wand des Aufzugs. Dabei fiel mein Blick zufällig auf eine kleine Kamera, die direkt auf mich und den Professor gerichtet war.

»Dieses Haus wird ja fast noch strenger bewacht, als der Buckingham Palast«, stellte ich unbehaglich fest und deutete mit einem Kopfnicken auf die Kamera.

Sloane zuckte seine massigen Schultern.

»Steward Beford war ein Sicherheitsfanatiker«, erklärte er ungerührt. »Das führte sogar so weit, dass er in den letzten Jahren seines Lebens fast keine persönlichen Empfänge mehr gab, sondern mit seinen Geschäftspartnern und Freunden nur noch per Telefon oder Computer kommunizierte. Wichtige Verhandlungen wickelte er über Diana, seine Chefsekretärin, ab. Und selbst sie hatte Steward Beford kaum noch zu Gesicht bekommen.«

Der Professor blickte nachdenklich drein. »Ich selbst habe Beford das letzte Mal vor drei Jahren gesehen. Damals versuchte ich ihn dazu zu überreden, dem Museum finanzielle Unterstützung für eine Expedition in den bolivianischen Regenwald zu gewähren!«

Der Professor seufzte. »Ich erhielt das Geld – so wie ich es fast immer erhielt, wenn ich Steward um Unterstützung bat. Es ist ein Jammer, welche Entwicklung Steward in den letzten Jahren durchmachte. An den ersten Expeditionen, die er finanzierte, betätigte er sich noch selbst, Er war ein abenteuerlustiger, draufgängerischer Bursche. Aber je mehr sein Unternehmen expandierte, desto verschlossener wurde er. Er nahm plötzlich nicht mehr an den Unternehmungen des British Museum teil, die er mit seinen Geldern finanzierte. Statt dessen überließ er es Harold Gardian, die Ausgrabungen und Expeditionen zu überwachen.«

»Sprechen Sie etwa über den Archäologen, der in seinen Büchern behauptet, Außerirdische hatten einen Einfluss auf die alten Kulturen der Erde gehabt?«

Professor Sloane nickte. »Ich weiß auch nicht, was, Steward Beford an diesem Gardian fand. Er hatte ihn schon vorher auf jeder Expedition begleitet. Ich halte nicht viel von diesem Knaben und seinen haarsträubenden Theorien. Ich stritt mich oft mit Gardian und duldete seine Anwesenheit nur, weil Steward Beford; es so wünschte.

Daran hat sich auch nichts geändert, als Steward Beford sich aus der aktiven Archäologie zurückzog und Gardian das Feld überließ.«

Der Professor seufzte.

»Aber zum Glück litt Stewards Engagement für die Archäologie nicht unter seinem Rückzug. Ohne Stewards Zuschüsse hätten wir etliche Ausgrabungen und Expeditionen nicht unternehmen können.«

»Ich hoffe, dass sein Erbe diese Tradition fortsetzen wird«, sagte ich.

Professor Sloane grinste mich verschmitzt an.

»Aus eben dieser Sorge habe ich Sie ja mitgenommen.«

»Wie soll ich das verstehen?«

»Nun, Sie sind nicht nur eine hervorragende Archäologin und Amulettforscherin, der ich es durchaus zutraue, einem Laien wie dem jungen Beford-Erben die Vorzüge und die Notwendigkeit der Archäologie nahezubringen. Sie sind auch eine charmante und reizende junge Frau. Und obwohl Sie verheiratet sind, üben Sie natürlich auch einen gehörigen Reiz auf Männer aus.«

»Sie meinen, ich soll diesen Kurt Beford – um den Finger wickeln, damit er weiterhin die Arbeit des Museums unterstützt?«, fragte ich fassungslos.