Das magische Amulett #18: Brenda Logan und der Wüstengeist - Jan Gardemann - E-Book
Beschreibung

Das magische Amulett Band 18 Roman von Jan Gardemann Der Umfang dieses Buchs entspricht 97 Taschenbuchseiten. Die Archäologin Brenda Logan verschlägt es zusammen mit dem jungen Kollegen Samuel Lington und der Studentin Ruth Soredge nach Timbuktu. In der Gruppe gibt es von Anfang an Spannungen, und bereits auf dem Weg in die Wüstenstadt lauern Gefahren. In Timbuktu gilt es einen Schatz zu bergen – und nicht nur geheimnisvolle Tuareg sorgen für Rätsel und blutige Zwischenfälle. Wie sieht die Zukunft der uralten Stadt aus? Wer kann sie retten? – Am Ende steht Brenda Logan vor einer schweren Entscheidung. Doch dann kommt es zu einer vollkommen unerwarteten Wendung …

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Jan Gardemann

Das magische Amulett #18: Brenda Logan und der Wüstengeist

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Brenda Logan und der Wüstengeist

Das magische Amulett Band 18

Roman von Jan Gardemann

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 97 Taschenbuchseiten.

 

Die Archäologin Brenda Logan verschlägt es zusammen mit dem jungen Kollegen Samuel Lington und der Studentin Ruth Soredge nach Timbuktu. In der Gruppe gibt es von Anfang an Spannungen, und bereits auf dem Weg in die Wüstenstadt lauern Gefahren. In Timbuktu gilt es einen Schatz zu bergen – und nicht nur geheimnisvolle Tuareg sorgen für Rätsel und blutige Zwischenfälle. Wie sieht die Zukunft der uralten Stadt aus? Wer kann sie retten? – Am Ende steht Brenda Logan vor einer schweren Entscheidung. Doch dann kommt es zu einer vollkommen unerwarteten Wendung …

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© Cover by Firuz Askin, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

© Logo by Steve Mayer unter Verwendung von Motiven by Pixabay, 2016

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Ibn Rahman deutete mit zitternden Fingern nach vorn. »Dort, sehen Sie nur …«, krächzte er. Ich sah eine Gruppe von schwarzen Reitern. Es war unheimlich anzusehen, wie sich ihre dunklen Konturen langsam aus der Wolke aus Sand und Staub schälten. Es waren Tuaregs. Ihre Gesichter waren von dunklen Tüchern verhüllt. Darunter leuchteten gespenstische rotglühende Augen hervor. Ibn Rahman schüttelte gehetzt den Kopf. »Der Fluch von El Rais wird uns treffen ...«, rief er. Die schwarzen Pferde rückten näher. Die Hufe der Tiere schienen den Boden nicht zu berühren sondern über der Erde hinwegzuschweben. Hatten wir es etwa mit Geistern zu tun?

1

Als ich die Maschine der British Airlines verließ, schlug mir die brütige Hitze wie eine Mauer entgegen. Über dem Rollfeld des Flughafens von Niamey schwirrte die Luft. Ein blauer, blendend heller Himmel wölbte sich von Horizont zu Horizont. Nur hier und da wurde das stechende Blau von grauen Schlieren aus aufgewirbeltem Staub und Wüstensand verdeckt.

Die wenigen kargen Gewächse bei der Abfertigungshalle sahen aus, als würden sie an permanentem Wassermangel leiden – was wohl auch zutreffend war.

Zögernd blieb ich auf den Stufen der Gangway stehen und blickte mich um. Die flachen Bungalowbauten in der Ferne wirkten spartanisch. Mit ihren erdfarbenen Fassaden hoben sich die Gebäude kaum von der von Staub und Sand bedeckten, flachen Landschaft ab. Nur hier und da ragte eine verkümmerte Dattelpalme über die Dächer empor.

Ich atmete einmal tief durch und dachte sehnsuchtsvoll an London, meine Heimat, zurück.

Ich dachte an die üppigen Gärten und Parks, an die vielen Pflanzen und Bäume, die gerade aus ihrem Winterschlaf erwachten und die ersten zarten Knospen und Blüten trieben – und ich dachte an Daniel Connors, meinen Mann, der mich leider nicht auf dieser Expedition begleiten konnte. Er war ein bekannter Arzt und Neurologe und arbeitete im St. Thomas Hospital.

Aber Daniel und ich hatten uns bereits daran gewöhnt, dass unsere verschiedenen Berufe es dann und wann mit sich brachten, dass wir für einige Zeit lang getrennt voneinander waren.

Ich arbeitete als Archäologin im British Museum und hatte mir einen Namen als Amulettforscherin gemacht. Der Direktor des Museums, Professor Salomon Sloane, hielt große Stücke auf mich. Daher betraute er mich auch gern mit besonders kniffligen Aufgaben.

So wie auch jetzt.

»Ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner Expedition nach Afrika«, hatte Daniel gesagt, als wir uns am Flughafen voneinander verabschiedeten. Wir umarmten uns ein letztes Mal, und Daniel gab mir einen langen, leidenschaftlichen Kuss ...

Hupen und laute Rufe rissen mich aus meinen Gedanken.

Ein kleiner Bus wartete bei der Gangway neben der rissigen Rollbahn, um die Passagiere zur Abfertigungshalle zu bringen. Meine Mitreisenden befanden sich bereits alle im Fahrzeug. Nur ich stand noch selbstvergessen auf der Gangway und dachte an meinen geliebten Mann.

Der Busfahrer winkte ungeduldig. Er war ein dunkelhäutiger muskulöser Mann mit einem feingeschnittenen Gesicht, auf dem Schweißperlen glänzten.

»Kommen Sie, Madame!«, rief er und grinste breit. »Wenn Sie noch länger in der prallen Wüstensonne stehenbleiben, werden Sie einen Hitzeschlag erleiden. Und falls Sie vorhatten, Ihr Haar in der Sonne zu bleichen, kann ich Sie beruhigen. So hell, wie es jetzt ist, sieht es wunderschön aus!«

Der Mann spielte auf mein weizenblondes Haar an, das unter meiner Schirmmütze keck hervorschaute. Offenbar hatte ich sein Wohlgefallen erregt. Aber die abschätzenden Blicke, mit denen er mich bedachte, behagten mir nicht. Ich mochte es nicht, wenn Männer mich auf diese Art anschauten.

Daniel war da ganz anders. In seinen Blicken lag stets Liebe und Zuneigung – und mich überkam jedes Mal ein wohliger Schauer, wenn er mir tief in die Augen schaute ...

Ich beeilte mich, die Gangway zu verlassen, und betrat den Bus, der sich kurz darauf ruckelnd in Bewegung setzte.

In diesem Moment bemerkte ich eine düstere Windhose, die am Horizont dahinzog und eine Menge Staub und Sand in die Atmosphäre schleuderte.

Ein unbehagliches Gefühl beschlich mich. Das düstere Zentrum des Wirbelsturms wirkte auf befremdliche Weise wie eine Drohung.

Doch dann war die Windhose aus meinem Blickfeld verschwunden. Ich vergaß das seltsame Naturphänomen wieder.

2

In der gut klimatisierten Abfertigungshalle erhielt ich meinen Koffer und musste die umfangreichen Zollformalitäten über mich ergehen lassen.

Dann erst betrat ich die kleine Wandelhalle, die mit wartenden Menschen hoffnungslos überfüllt war.

Suchend sah ich mich unter den bunt gekleideten, zumeist dunkelhäutigen Leuten um.

Ich hielt nach einem jungen dunkelhaarigen Engländer Ausschau, der mich vom Flughafen abholen sollte. Sein Name war Samuel Lington. Er war ebenfalls Archäologe, arbeitete aber für kein Museum oder eine Institution. Er liebte seine Freiheit und Ungebundenheit und hielt es daher nie lange bei einem Arbeitgeber aus.

Ich hatte bereits schon einmal mit Samuel Lington zu tun gehabt. Damals begaben wir uns zusammen auf eine Expedition in die peruanischen Anden.

Ich dachte allerdings nicht allzu gerne an dieses Unternehmen zurück. Mysteriöse Ereignisse hatten unsere Reise begleitet. Sie führten uns direkt in ein gefährliches und unheimliches Abenteuer, das wir nur knapp überlebten.

Darum war ich zuerst auch wenig begeistert, als Professor Sloane mir vor einer Woche in seinem Büro erklärte, ich sollte an einer Expedition teilnehmen, die Samuel Lington leiten würde.

»Sie wissen, dass meine letzte Zusammenarbeit mit Samuel Lington in einer Katastrophe endete«, sagte ich zurückhaltend, nachdem der Museumsdirektor mir sein Anliegen vorgetragen hatte.

»Ich erinnere mich leider nur zu gut daran«, meinte Professor Sloane freudlos und strich sich mit einer fahrigen Handbewegung über den gepflegten weißen Vollbart.

Sein Schreibtisch war übersät mit vergilbten Pergamenten, wuchtigen Folianten und in brüchiges Leder gebundenen Büchern. Wie immer trug er einen farbenfrohen Anzug, der in dem eher düsteren Büro einen angenehmen Kontrast bildete.

»Ich möchte trotzdem, dass Sie es noch einmal mit Samuel Lington versuchen«, sagte er gedehnt. »Er hat mir einen langen Brief geschrieben und mich gebeten, sein Vorhaben zu unterstützen.«

»Worum genau geht es denn?«

»Samuel Lington behauptet in seinem Brief, dass er Hinweise gefunden hat, die darauf hindeuten, dass in der Wüstenstadt Timbuktu ein alter Schatz versteckt sein soll.«

Ich runzelte die Stirn. »Timbuktu ist ein Ort in Mali und liegt in der Nähe des Flusses Niger«, spulte ich mein Wissen über die legendäre Wüstenstadt ab. »Bis etwa 1590 war Timbuktu Handels und Kulturzentrum des islamischen Westafrika. Aber von diesem einstigen Glanz ist heute nichts mehr geblieben. Timbuktu fällt mehr und mehr dem Vormarsch der Wüste zum Opfer. Die Stadt spielt heute keine große Rolle mehr und führt nur noch ein Schattendasein.«

»Sie kennen sich in der Weltgeschichte wirklich gut aus«, meinte der Professor anerkennend. »Der Schatz, von dem Samuel Lington spricht, soll aus der Blütezeit von Timbuktu stammen. Angeblich handelt es sich um einen versteckten Speicher mit antiken Handelsgütern. Wenn dieser Schatz tatsächlich existiert und gefunden werden kann, könnte er uns viel über die damalige Zeit verraten, von der leider nur sehr wenige Artefakte erhalten geblieben sind.«

Ich hatte den Professor nicht aus den Augen gelassen.

»Auf welche Dokumente stützt Samuel Lington seine Behauptungen?«, fragte ich misstrauisch. Ich erinnerte mich, dass Samuel bei unserer Peru-Expedition sehr geheimnisvoll getan hatte und mit Informationen ziemlich sparsam umgegangen war. Wie sich später herausstellte, gab es für dieses mysteriöse Verhalten eine ganz einfache Erklärung: Samuel Lington besaß überhaupt keine stichhaltigen Anhaltspunkte, die eine Expedition gerechtfertigt hätten.

Professor Sloane zuckte hilflos die Achseln.

»Samuel Lington hält sich mit Informationen mal wieder bedeckt«, gestand er. »Er befürchtet, wenn er als selbständig arbeitender Archäologe die Ergebnisse seiner Recherchen in alle Welt hinausposaunt, könnten ihm leicht andere, besserbemittelte Institutionen zuvorkommen und die Lorbeeren ernten. Das ist verständlich.«

Ich schnaufte verächtlich und verschränkte trotzig die Arme vor der Brust.

»Das habe ich mir fast schon gedacht«, sagte ich aufbrausend. »Unter diesen Umständen bin ich keinesfalls bereit, mit Samuel Lington zusammenzuarbeiten. Ich verstehe Sie nicht Professor. Wie können Sie diesem Kerl nur so vorbehaltlos vertrauen?«

Professor Sloane grinste listig und zog aus dem Wust von antiken Schriften auf seinem Schreibtisch eine Pergamentrolle hervor.

»Ich habe meine Gründe, Samuel zu glauben«, sagte er und glättete vorsichtig die Schriftrolle. »Und einer dieser Gründe liegt hier vor Ihrer Nase!«

Verwundert schaute ich auf das Pergament herab – ein ungutes Gefühl ergriff plötzlich Besitz von mir.

Ich kannte dieses Pergament. Ich hatte es in New York von einem Mann afrikanischer Abstammung bekommen. Sein Name war Kamal Smith. Ab und an ließ er Professor Sloane Artefakte zukommen, die die afrikanischen Einwanderer mit nach New York gebracht hatten. Damit wollte er erreichen, dass die wertvollen Kunstgegenstände nicht irgendwo in einer Privatsammlung verstaubten, sondern für die Allgemeinheit zugänglich wurden.

Das Pergament, das nun vor mir auf dem unordentlichen Schreibtisch des Museumsdirektors lag, war das letzte Artefakt, das das British Museum von Kamal Smith bekam, bevor er in den Strudel der seltsamen Ereignisse gerissen wurde, die sich damals in New York ereigneten, und starb.

»Sie erkennen dieses Pergament wieder«, stellte Professor Sloane fest, der meinen Gesichtsausdruck richtig gedeutet hatte. »Ich habe vor kurzem die Übersetzung des Textes abgeschlossen. In diesem Pergament wird über einen Schatz berichtet, der in einem sicheren Versteck in Timbuktu aufbewahrt wird. Er soll einem gewissen Al Hazrim gehört haben.«

Der Professor sah mir fest in die Augen. »Dem Pergament zufolge, soll sich auch ein magisches Amulett unter den Sachen befinden!«

»Ein Amulett, sagten Sie!«

Ich war hellhörig geworden. Amulette gehörten zu meinem Spezialgebiet. Langsam begriff ich, warum Professor Sloane ausgerechnet mich dafür gewinnen wollte, den jungen, ungestümen Archäologen Samuel Lington bei seiner Expedition zu begleiten.

»Das wirft natürlich ein ganz anderes Licht auf diese Sache«, sagte ich nachdenklich.

Professor Sloane nickte schmunzelnd. Er wusste, dass er mich mit dem Hinweis auf das magische Amulett geködert hatte.

»Sind Sie unter diesen Umständen bereit, nach Timbuktu aufzubrechen?«, erkundigte er sich wie nebenbei.

»Sind Sie Brenda Logan?«

Ich blinzelte und musterte die schwarzhaarige Europäerin verwirrt, die sich aus der Menschenmenge in dem Gebäude gelöst hatte und vor mich getreten war.

Während ich gedanklich noch einmal das Gespräch mit Professor Sloane durchgegangen war, hatte ich die überfüllte Wandelhalle nicht aus den Augen gelassen und weiterhin nach Samuel Lington Ausschau gehalten.

Aber der schien mich vergessen zu haben.

Und nun stand plötzlich diese junge Frau vor mir. Sie starrte mich mit ihren braunen Augen herausfordernd an.

»Ja, ich bin Brenda Logan«, antwortete ich zurückhaltend. »Und wer sind Sie?«

»Mein Name ist Ruth Soredge«, stellte sie sich vor. »Samuel schickt mich, Sie abzuholen.«

Das Gesicht, das sie dabei zog, verriet, dass sie von dieser Aufgabe nicht gerade begeistert war.

»Warum ist Samuel Lington nicht selbst gekommen? Ich habe einige wichtige Dinge mit ihm zu besprechen, bevor ich mit ihm in die Wüste aufbreche.«

»Samuel trifft sich mit dem Mann, der uns nach Timbuktu führen wird«, antwortete Ruth Soredge schnippisch. »Es ist ein weiter, beschwerlicher Weg bis in die alte Wüstenstadt. Und da wir uns hier in Niger befinden, müssen wir erst noch die Landesgrenze nach Mali überqueren. Da kann es schon sehr hilfreich sein, einen Einheimischen an seiner Seite zu haben. Die Grenzsoldaten können ziemlich störrisch sein ...«

»Ich weiß sehr wohl, in welchem Land wir uns befinden«, unterbrach ich kühl den Redefluss meines Gegenübers.

Aber es war nicht die schulmeisterliche Belehrung, die mich verärgert hatte, sondern vielmehr der Umstand, dass sie von ‚wir‘ gesprochen hatte.

»Wollen Sie andeuten, dass Sie Samuel Lington und mich begleiten?«, fragte ich misstrauisch.

Die junge Frau sah mich überrascht an.

»Selbstverständlich werde ich mitkommen.« Sie schnappte nach Luft. »Hat Samuel Ihnen etwa nichts von mir erzählt?«

»Nein, das hat er nicht.«

»Das sieht ihm mal wieder ähnlich.«

Sie zuckte seufzend mit den Schultern und bedeutete mir dann, dass ich ihr folgen sollte. Anscheinend hielt sie es nicht für nötig, Samuels Versäumnis nachzuholen und mir zu erklären, aus welchem Grund sie die Expedition begleiten sollte.

Verärgert nahm ich meinen Koffer auf und schritt neben Ruth Soredge her.

Die Expedition fing ja gut an. Und mir schwante, dass Samuel Lington mit noch weiteren Überraschungen aufwarten würde.

3

Mit einem Landrover fuhren wir in die Innenstadt von Niamey.

Die Mittagshitze schwirrte über der weitläufigen Stadt. Sie machte mit ihren einfachen, kastenförmigen Häusern einen trostlosen, eintönigen Eindruck. Nur hier und da lugten ein paar Palmen aus dem Einerlei aus grauem Sand und den ockerfarbenen Häusern. Wenige Gärten wirkten wie grüne Inseln in der staubigen Gegend.