Das magische Amulett #26: Das Gespensteropfer - Jan Gardemann - E-Book
Beschreibung

Das magische Amulett Band 26 Roman von Jan Gardemann   Der Umfang dieses Buchs entspricht 99 Taschenbuchseiten.   Brenda Logan, Amulettforscherin und Archäologin des British Museum, reist nach Schottland, um ein Gutachten über Grim-Castle zu erstellen. Als sie dort eintrifft, sind >Geisterjäger  

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Seitenzahl:101


Jan Gardemann

Das magische Amulett #26: Das Gespensteropfer

Romantic Thriller

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Das Gespensteropfer

Das magische Amulett Band 26

Roman von Jan Gardemann

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 99 Taschenbuchseiten.

 

Brenda Logan, Amulettforscherin und Archäologin des British Museum, reist nach Schottland, um ein Gutachten über Grim-Castle zu erstellen. Als sie dort eintrifft, sind >Geisterjäger< in der Burg, die im Auftrag des Besitzers, Lord Henry Ukarus, einen Geist, der dort angeblich sein Unwesen treibt, vernichten sollen. Tatsächlich werden die Anwesenden Zeugen von mysteriösen Erscheinungen - doch nach und nach ergreifen übernatürliche, dunkle Mächte Besitz von ihnen, denen sich auch Brenda Logan nicht entziehen kann ...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© Cover by Firuz Askin, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

© Logo by Steve Mayer unter Verwendung von Motiven by Pixabay, 2016

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Prolog

Plötzlich bemerkte ich aus den Augenwinkeln heraus ein fahles Leuchten.

Ich drehte den Kopf und spähte zu den Fachwerkbauten hinüber, die dem Salon schräg gegenüberlagen. Hinter einem der Sprossenfenster, die sonst alle dunkel und unbelebt aussahen, zeichnete sich ein fahler Schemen ab, der annähernd die Umrisse einer Frau aufwies. Es kam mir vor, als würde das phosphoreszierende Leuchten, das die schemenhafte Gestalt umgab, die Form von tanzenden Flammen besitzen. Im nächsten Moment löste sich die mysteriöse Erscheinung wieder auf. In dem Zimmer war es nun wieder genauso dunkel wie in den anderen Räumen hinter den Fenstern …

1

Grim-Castle war wohl die abweisendste und seltsamste Burg, die ich, Brenda Logan, in meiner Laufbahn als Archäologin und Amulettforscherin bisher je zu Gesicht bekommen hatte.

Die Mauern, zusammengesetzt aus grauen, riesigen Findlingen und kleineren faustgroßen Feldsteinen, ragten vor mir etwa zehn Meter fensterlos in den Abendhimmel, in dem sich blass die ersten Sterne abzuzeichnen begannen.

Hier und da wurde das Mauerwerk von schmalen Schießscharten oder Pechnasen durchbrochen, die die Wehrmauer des Castles nur noch drohender und bedrückender erscheinen ließ.

Langgestreckte und verwinkelte Fachwerkbauten waren oben auf der Krone der Wehrmauer errichtet worden. Ich musste meinen Kopf in den Nacken legen, um sie begutachten zu können. Wie grimmige Wächter starrten diese schiefen, erker- und giebelbewehrten Häuser mit ihren erleuchteten Sprossenfenstern zu mir herab. Die mehrere Meter über die Wehrmauer vorspringenden Böden der Häuser wurden von geschwärzten Balken und Mauersimsen gestützt.

Die Konstruktion erschien mir sehr gewagt und auch nicht sehr vertrauenerweckend. Es wunderte mich, dass keines der Fachwerkhäuser in all den Jahrhunderten, die Grim-Castle nun schon diesen felsigen Wald im Schottischen Hochland verunstaltete, von der Mauerkrone hinabgestürzt war und seine Bewohner in den Tod gerissen hatte.

Doch es waren keine Trümmer oder Ruinen zu Füßen der Wehrmauer zu entdecken. Auch klaffte in der Reihe der Fachwerkbauten oben auf der Mauerkrone keine verräterische Lücke. Die Häuser in ihrer luftigen Höhe schienen genauso unverwüstlich zu sein, wie die trutzigen Wehrmauern, auf dessen Krone sie errichtet worden waren.

Ich hatte meinen Wagen auf dem Rasen vor dem Eingang des Castles abgestellt und war ausgestiegen, um das altertümliche Bauwerk näher in Augenschein zu nehmen.

Es parkten noch ein halbes Dutzend anderer Fahrzeuge auf der Rasenfläche, was mich ein wenig verwunderte. Professor Salomon Sloane, der Direktor des British Museum und mein direkter Vorgesetzter, hatte, als er mir den Auftrag erteilte, nach Grim-Castle aufzubrechen, gemeint, es würde sich um ein verlassenes, von seinem Besitzer vernachlässigtes Bauwerk handeln.

In diesem Punkt schien Lord Henry Ukarus, der Castle-Besitzer, den Professor jedoch mit Fehlinformationen versorgt zu haben. Grim-Castle machte mit seinen erleuchteten Fenstern und den zahlreichen Fahrzeugen, die davor abgestellt waren, alles andere als einen verlassenen Eindruck.

Das Gemäuer wirkte auch durchaus nicht vernachlässigt, wie sogar im Schein des Dämmerlichtes gut zu erkennen war. Der Rasen vor dem Tor sah zwar nicht aus wie ein englischer Golfrasen, war dafür aber kurz geschoren und frei von Brennnesseln und Disteln. Die Büsche zu Füßen der Mauern waren frisch geschnitten, und die Efeuranken, die sich anschickten, die Wehr zu erklimmen, waren zurückgeschnitten.

Zögernd näherte ich mich dem Eingangstor. Es war tief in die dicke Mauer eingelassen und lag im Schatten der Dämmerung. Der gelbliche Lichtschimmer, der unten durch die Türritze sickerte, ließ mich die Umrisse des doppelflügeligen, tief ins Innere der Mauer zurückversetzten Tores jedoch recht gut erahnen.

Eine breite Zufahrt aus Kopfsteinpflaster führte von dem Vorplatz auf den Eingang zu und verschwand in dem torbogenförmigen Mauerschlund.

Es ragten mehrere Pechnasen über der Zufahrt aus der Wehrmauer. Die dunklen Spuren, die sich auf dem Gemäuer unter den Pechnasen abzeichneten, verrieten, dass diese Abwehrvorrichtungen in der Vergangenheit oft benutzt worden waren.

Wie viele ungebetene Gäste oder Belagerer auf dem Kopfsteinpflaster vor dem Castle unter den kochendheißen Pech- und Wassermassen, die von oben auf sie herabgeschüttet wurden, einen qualvollen Tod starben, daran wollte ich in diesem Moment aber lieber nicht denken.

Ich trat zögernd unter den gewölbten Eingang und erkannte, dass die Eindringlinge, wenn sie dem heißen Pech unverletzt entronnen waren und es bis unter den Torbogen geschafft hatten, trotzdem nicht sicher vor weiteren Angriffen gewesen waren. Denn links und rechts klafften weitere Schießscharten in den Mauern. Über mir, in der gewölbten Decke des Eingangsbereiches, gähnte ein rundes schwarzes Loch, eine weitere Öffnung, durch die siedendes Pech auf die Feinde hinabgeschüttet werden konnte.

Es war also nicht weiter verwunderlich, dass dieses eigentümliche Castle mit seinen zehn Meter hohen Wehrmauern noch völlig intakt und in der Vergangenheit nicht von den Feinden geschliffen oder niedergebrannt worden war.

Grim-Castle war vermutlich eine jener Burgen, die zu Recht als uneinnehmbar galten.

Die Schießscharten waren inzwischen allerdings zugemauert worden, wahrscheinlich, weil der Wind durch die schmalen Schlitze im Winter kalt hineinzog und die Castle-Bewohner frieren machte.

Endlich langte ich vor dem doppelflügeligen Tor an, das sich in der Dunkelheit jäh vor mir erhob.

Dieses hohe, wuchtige Tor war der einzige Eingang, über den das Castle verfügte. Selbst einem Dieb oder Plünderer dürfte es schwergefallen sein, die hohe Wehrmauer zu erklimmen und sich Zugang in eines der vorspringenden Häuser zu verschaffen.

Vermutlich hatte es in diesem Castle nie eine Plünderung gegeben. Die Zimmer, Säle und Salons der Fachwerkhäuser oben auf der Wehrmauer mussten vor altertümlichen Möbeln und Gebrauchsgegenständen nur so überquellen.

Grim-Castle war für einen Archäologen eine wahre Fundgrube!

Langsam verstand ich, warum Professor Sloane unbedingt wollte, dass ich dem alten Gemäuer einen Besuch abstattete.

Lord Henry Ukarus hatte vor, Grim-Castle zu verkaufen, wie Professor Sloane mir während unserer Besprechung auseinandersetzte. Der Lord war bereit, einige der antiken Gebrauchsgegenstände, die sich im Castle befanden, an das British Museum abzutreten, wenn wir im Gegenzug ein Gutachten über Grim-Castle anfertigten. Dieses Gutachten sollte später den potenziellen Käufern vorgelegt werden und die wahrscheinlich ziemlich gesottenen Preisvorstellungen Lord Henrys untermauern helfen. Um eben dieses Gutachten anzufertigen, war ich nach Grim-Castle gekommen.

Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, war, in dem Castle eine so bunte Gesellschaft anzutreffen, wie es anscheinend der Fall war.

An den Kennzeichen der Fahrzeuge hatte ich ablesen können, dass die Gäste des Hauses aus verschiedenen Grafschaften zusammengekommen waren und zum Teil eine ebenso weite Reise wie ich auf sich genommen hatten, um hierherzukommen.

Es handelte sich bei den abgestellten Fahrzeugen überwiegend um Mittelklasse-Autos. Einige der Wagen sahen sogar recht schäbig und verrostet aus, was mich vermuten ließ, dass es sich bei ihren Besitzern nicht um Leute handelte, die ein Kaufinteresse nach Grim-Castle geführt hatte.

Ich knipste meine kleine Stabtaschenlampe an und ließ den schmalen Lichtstrahl auf der Suche nach einem Klingelknopf über die Tür und die schmucklose Toreinfassung schweifen.

Doch alles, was ich fand, war ein wuchtiger Türklopfer, bestehend aus einem rostigen Eisenring, an dessen unterem Ende eine polierte Bronzekugel befestigt war.

Ich hob den Ring an und ließ die Kugel auf die dunklen Eichenbohlen der Tür niederkrachen.

Der dumpfe Schlag hallte kaum hörbar hinter der Tür wider. Es musste sich eine hohe große Halle hinter der Tür befinden.

Auf eine Reaktion musste ich nicht lange warten. Ein Riegel wurde auf der anderen Seite der Tür geräuschvoll beiseitegeschoben. Dann schwang der linke Türflügel knarrend auf.

Ein schlanker Mann im dunklen Anzug erschien in der Türöffnung. Seine hagere, leicht vorgebeugte Gestalt wurde von hellem, freundlichem Licht umflutet, das ein riesiger Kronleuchter von sich gab, der an langen Ketten von der Decke der Eingangshalle herabhing und in dessen Halterungen eine Vielzahl von brennenden Kerzen steckten.

»Noch ein Geisterjäger«, murrte mein Gegenüber geringschätzig. »Wie viele es wohl in dieser Nacht noch werden.«

Ich konnte mit der Bemerkung des Mannes nichts anfangen. Darum streckte ich ihm meine Hand hin und schenkte ihm ein freundliches, unverbindliches Lächeln.

»Mein Name ist Brenda Logan«, stellte ich mich vor und zog meine Hand leicht verärgert zurück, da der Mann keine Anstalten traf, sie zu ergreifen.

»Ich bin Archäologin«, setzte ich leicht verstimmt hinzu und in der Hoffnung, dass meinem Gegenüber nun endlich ein Licht aufging, denn natürlich hatte Professor Sloane mein Kommen dem Castle-Besitzer vorher angekündigt.

»Ersparen Sie mir bitte eine Aufzählung Ihrer Fähigkeiten und Referenzen«, erwiderte mein Gegenüber kühl.

Er trat beiseite und gab den Weg ins Innere des Castles frei. »Treten Sie ein«, forderte er mich in einem Tonfall auf, der nicht verhehlte, dass es ihm lieber gewesen wäre, ich würde auf dem Absatz umdrehen und Grim-Castle unverrichteter Dinge den Rücken kehren.

Ich blieb, wo ich war und starrte den Mann herausfordernd an.

»Sie haben sich mir noch gar nicht vorgestellt«, bemerkte ich missbilligend.

Der Mann deutete widerwillig eine Verbeugung an. »David Gilmore, Butler von Lord Henry ... zu Ihren Diensten.«

»Behandeln Sie alle Gäste Ihres Arbeitgebers wie unwillkommene Hausierer?«, wollte ich wissen.

»Selbstverständlich nicht«, brüskierte der Butler sich und zog eine Augenbraue empor. Sein Gesicht war hager und schmal, die Stirn hoch und das dunkle Haar schütter. Trotz des flackernden, unruhigen Widerscheins des Kerzenlichtes, der über sein Gesicht geisterte, erschien sein Antlitz unbeweglich und starr.

»Dann walten Sie also endlich Ihres Amtes und bringen Sie mich zu Ihrem Herrn«, fügte ich in übertriebener Höflichkeit hinzu. »Lord Henry Ukarus wird mich sicherlich bereits erwarten.«

Ein spöttisches Lächeln machte sich auf den Lippen des Butlers breit.

»Ich glaube kaum, dass Lord Henry Sie erwartet, Mrs. Logan«, meinte er herablassend. »Sonst wäre er nämlich hier.«

Entgeistert starrte ich den Butler an. »Wann wird er denn kommen?«

David Gilmore zuckte verächtlich die Achseln. »Vermutlich erst dann, wenn dieses Affentheater, das zur Zeit auf Grim-Castle abgehalten wird, beendet ist. Und das wird ungefähr in zwei Tagen der Fall sein. Denn dann erlischt die Verweildauer der Gäste auf Grim-Castle der Vereinbarung nach.«

Ich wurde aus den Worten dieses wenig höflichen Butlers nicht schlau.

»Wie soll ich ohne den Lord denn ein Gutachten über das Castle anfertigen. Jemand muss mich doch herumführen und mir Einblick in die Chroniken gewähren ...«

»Es ist Lord Henry völlig gleichgültig, wie Sie während Ihrer Geisterjagd vorzugehen gedenken, Mrs. Logan. Ich habe Order, Ihnen und den anderen Geisterjägern alle Räume und Informationen zugänglich zu machen. Das sollte doch genügen.«

Unwillig krauste ich die Stirn. Es war bereits das zweite Mal, dass der Butler den Ausdruck Geisterjäger benutzte. Und die Art, wie er es getan hatte, verriet, dass seine Meinung über diesen Menschenschlag nicht gerade hoch war.

»Wie kommen Sie darauf, dass ich hierhergekommen bin, um einen Geist zu jagen?«, erkundigte ich mich misstrauisch.

»Weil Sie, wie die anderen Spinner auch, die sich auf Grim-Castle eingefunden haben, aufgrund der Anzeige hierhergekommen sind, die der Lord in den einschlägigen, spirituellen und okkulten Zeitschriften dieses Landes schalten ließ«, erklärte David Gilmore gleichmütig.

»Und wie lautete diese Anzeige?«, hakte ich nach. Mich beschlich langsam das Gefühl, versehentlich die falsche Burg aufgesucht zu haben.

David Gilmore lachte rau und freudlos. »Sie vergeuden meine Zeit, Mrs. Logan. Wollen Sie nun eintreten, oder doch lieber gleich wieder abreisen?«

Ich verschränkte die Arme vor der Brust. »Ehrlich gesagt, würde ich in Anbetracht der Lage die zweite Option vorziehen«, erwiderte ich sarkastisch. »Da ich nun aber schon einmal hier bin und ich keine Lust verspüre, die unwegsame Straße, die nach Grim-Castle führt, in stockdunkler Nacht ein zweites Mal zu bewältigen, nehme ich Ihre großzügige Gastfreundschaft an und werde die Nacht über in diesem alten Gemäuer verbringen.«

Ich trat ein und sah mich verärgert in der großen Halle um.

Ein paar wuchtige Landschaftsgemälde und Wandbehänge zierten die nackten grauen Wände. Der Kopfsteinpflasterweg setzte sich quer durch die Halle fort und führte auf ein zweites Eichenbohlentor am gegenüberliegenden Ende der Halle zu. Hinter diesem Tor begann vermutlich der Burghof.

Links und rechts der Halle führte jeweils ein spitzbogenförmiger Durchgang weg. Dahinter zeichnete sich eine gewundene Steintreppe ab, die in die Höhe führte.

Die Decke, die sich über der Eingangshalle wölbte, war sehr hoch und lief oben spitz zu. Der wuchtige Kronleuchter, der an langen Ketten von der Decke herab hing, war größer als das Wagenrad einer alten Kutsche und wirkte trotz der Verzierungen eher klobig und grob.

»Morgen werde ich mich mit Lord Henry Ukarus in Verbindung setzen und dieses Missverständnis aufklären«, verkündete ich. »Ich bin nämlich bloß eine Archäologin und keine Geisterjägerin, wie Sie vermuten!«

»Ganz wie Sie meinen«, zeigte der Butler sich unbeeindruckt. Er schloss die Tür, legte den wuchtigen Riegel wieder vor und schritt dann auf eine der Treppen zu.

»Folgen Sie mir bitte«, forderte er mich überflüssigerweise auf, als er in dem linken Durchgang verschwand. Er deutete die Treppe empor und grinste spöttisch. »Bis zu den Zimmern in den Fachwerkbauten ist es noch ein gutes Stück. Dieser Aufstieg wird Ihnen einen Vorgeschmack darauf geben, wie anstrengend es werden wird, die Prämie zu erstreiten.«