Das magische Amulett #42: Die Traum-Mörderin - Jan Gardemann - E-Book
Beschreibung

Das magische Amulett Band 42 Roman von Jan Gardemann Der Umfang dieses Buchs entspricht 97 Taschenbuchseiten. Brenda Logan, die Amulettforscherin, ist nicht besonders glücklich darüber, dass sie Samuel Lington, den Archäologen, begleiten soll, um an der Schwarzmeerküste nach einer alten Burg zu suchen. Es ärgert sie, dass er sie im Unklaren darüber lässt, wonach sie dort überhaupt suchen wollen. Brenda vermutet, dass es Samuel um einen Schatz geht. Doch da irrt sie sich, und beide geraten in Lebensgefahr.

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Seitenzahl:101

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Jan Gardemann

Das magische Amulett #42: Die Traum-Mörderin

Romantic Thriller

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Die Traum-Mörderin

Das magische Amulett Band 42

Roman von Jan Gardemann

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 97 Taschenbuchseiten.

 

Brenda Logan, die Amulettforscherin, ist nicht besonders glücklich darüber, dass sie Samuel Lington, den Archäologen, begleiten soll, um an der Schwarzmeerküste nach einer alten Burg zu suchen. Es ärgert sie, dass er sie im Unklaren darüber lässt, wonach sie dort überhaupt suchen wollen. Brenda vermutet, dass es Samuel um einen Schatz geht. Doch da irrt sie sich, und beide geraten in Lebensgefahr.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© Cover by Firuz Askin, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

© Logo by Steve Mayer unter Verwendung von Motiven by Pixabay, 2016

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Es war unverkennbar, dass die Krähen direkt auf uns zuflogen. Ihr aggressives, durchdringendes Krächzen mischte sich unter das beständige Knallen und Rauschen der Brandung. Das Krächzen hallte schaurig von der Steilwand wider und sprang als hohles Echo zwischen der Burgfassade und der Klippe hin und her. Ein ungutes Gefühl beschlich mich, als ich den Krähenschwarm nun immer näherkommen sah. Ihre Köpfe drohend zu uns empor gereckt, flatterten die Vögel im Aufwind der gischtdurchsetzten Böen die Steilwand entlang. Ihr hallendes Krächzen und Schreien klang in meinen Ohren wie wüst ausgestoßene Morddrohungen. Dann hatten die Krähen uns erreicht. Wie, um mein ungutes Gefühl zu bestätigen, teilte sich der Schwarm und flog in zwei ungleichen Gruppen auf Samuel und mich zu. Im nächsten Moment war ich von wütendem Flügelschlag, hackenden Schnäbeln und nach meinem Gesicht zielenden Krallen umgeben …

1

Der Kleintransporter stoppte abrupt, und als der Motor mit einem Röcheln erstarb, vollführte das rostige Gefährt einen letzten wütenden Bocksprung, als wollte es sich gegen die aufgezwungene Ruhe wie gegen den eigenen Tod auflehnen.

Samuel Lington und ich, Brenda Logan, wurden dabei auf der Sitzbank unsanft nach vorn geschleudert. Ich stützte mich instinktiv an der Kante des Handschuhfachs ab, dessen Klappe abgebrochen war, so dass das Chaos, das darin herrschte, sich jedem ungeniert darbot, der einen Blick ins Innere des ramponierten Fahrzeugs geworfen hätte.

Doch allzu viele Leute dürften die abgegriffenen Landkarten, vergilbten Tankquittungen, zerknüllten Zeitungen und leeren Zigarettenpackungen bisher nicht gesehen haben, die der Fahrer des Kastenwagens im Laufe der Jahre, die er diese Rostlaube nun schon sein Eigen nannte, in das Handschuhfach gestopft hatte. Denn wer warf schon gern einen Blick in die Fahrerkabine eines von Rost zerfressenen Lieferwagens, der seinem äußeren Anschein nach schon längst auf den Schrottplatz gehörte, wenn er nicht bei der Polizei oder bei der Zollfahndung arbeitete?

Die Straße, der der Fahrer des klapprigen Kastenwagens mit stoischer Ruhe gefolgt war, war vor etlichen Kilometern in eine unbefestigte Schotterpiste übergegangen. Zuletzt hatte sich diese Piste in eine dünne Zwillingsspur verwandelt, die sich in gewundenen Bahnen den sanft ansteigenden karstigen Rücken eines Felsmassivs emporgewunden hatte, und schließlich in das Felsplateau mündete, auf dem wir nun standen.

Wann ein Fahrzeug dieser Wagenspur das letzte Mal gefolgt war, war schwer zu erraten gewesen. Es musste schon eine geraume Weile her sein, denn in den nicht sehr tiefen Fahrrinnen waren hier und da Grasbüschel emporgewachsen, die sich in ihrem saftigen Grün deutlich von dem felsengrauen Untergrund abhoben.

Das Massiv, auf dem der Lieferwagen zum Stehen gekommen war, ragte etliche Meter weit in das Meer hinaus. Links und rechts erstreckte sich die schroffe, verwitterte Abbruchkante einer Steilküste, die sich zu beiden Seiten hin nach mehreren hundert Metern im nebeligen Dunst verlor. Vereinzelt stehende Tannen, Kiefern und Pinien säumten den Küstenstreifen und ließen diese einsame, unwirtliche Gegend in meinen Augen noch trostloser und verlassener erscheinen.

Wir befanden uns an der bulgarischen Nordküste des Schwarzen Meeres. Ein rauer Wind wehte vom Meer herüber, erfasste den klapprigen Lieferwagen oben auf der Klippe und ließ ihn ruckartig hin und herschwanken.

Nun, da der lärmende Motor endlich schwieg, war auch das dumpfe Dröhnen der Wellen zu vernehmen, die sich am Fuß des Felsmassivs brachen und gegen den Fels schlugen. Ein paar Krähen zogen vor uns über den wolkenverhangenen grauen Himmel, schwenkten dann ab und flogen über das Festland.

»Da wären wir also«, sagte der Fahrer in gebrochenem Englisch. Er ließ das Lenkrad los, das er die lange Fahrt über krampfhaft umklammert gehalten hatte, als befürchtete er, das Fahrzeug könnte augenblicklich außer Kontrolle geraten, wenn er das Steuer nicht fest genug im Griff behielt.

Der Fahrer deutete mit seinen schwieligen Händen gegen die schmierige Windschutzscheibe und auf das offene blaugraue Meer hinaus, das sich hinter dem Abgrund bis zum diesigen Horizont erstreckte.

»Dies ist die Küstenregion Dobrudscha, Ihr Reiseziel!« erklärte der Mann und nickte bekräftigend, da ich mich trotz der Ankündigung, nun endlich am Ziel dieser beschwerlichen Reise angekommen zu sein, nicht zu einem erleichterten Lächeln hatte hinreißen lassen.

Auch Samuel Lington, mein Reisebegleiter, machte keinen besonders zufriedenen Eindruck. Samuel saß zwischen mir und dem Fahrer in der Mitte der verschlissenen Sitzbank. Zögernd neigte er sich vor und starrte durch die Windschutzscheibe nach draußen.

Samuel war Archäologe wie ich. Nur, dass ich eine feste Anstellung im British Museum in London hatte, während Samuel bloß ein freiberuflicher Archäologe war. Nicht, dass ich etwas gegen die Freiberuflichkeit einzuwenden gehabt hätte. Sie brachte gewiss einige Vorteile mit sich. Zum Beispiel betonte Samuel immer wieder, wie sehr er seine Freiheit angeblich liebte, die ihm aus seiner Ungebundenheit erwuchs. Für eine feste Anstellung wäre Samuel auch kaum geeignet gewesen. Er war ein Luftikus und in der ganzen Welt zu Hause. In seinem Kopf spukten die verrücktesten Ideen herum, die er in einem festen Arbeitsverhältnis kaum alle in die Tat umsetzen könnten. Die Schattenseite dieser Ungebundenheit war allerdings, dass Samuel immer knapp bei Kasse war, weil die privat finanzierten Expeditionen, denen er sich anschloss, zwar viel Geld abwarfen, jedoch ziemlich selten stattfanden. Sein Gehalt reichte daher gerade mal soeben aus, um sich über Wasser zu halten.

Darüber hinaus hatte Samuel die lästige Angewohnheit, mich jedes Mal, wenn ich mit ihm zusammentraf, in ein gefährliches Abenteuer zu verstricken. Als Amulettforscherin war mein Bedarf an Abenteuer und ungewöhnlichen Situationen mehr als gedeckt. Die magischen Kleinode, deren Erforschung ich mir zum Ziel gemacht hatte, verstrickten mich immer wieder in haarsträubende, lebensgefährliche Abenteuer. Da konnte ich es nicht gebrauchen, auch noch von einem Kollegen in gefährliche Unternehmungen verwickelt zu werden. Aber genau das war es, was Samuel jedes Mal wieder tat. Wenn unsere Wege sich kreuzten; Geheimnisvolle Abenteuer und gefahrvolle Situationen gehörten zu seinem Leben nun einmal genauso dazu wie zu meinem: Wenn wir dann gemeinsam einem Geheimnis auf der Spur waren, ergab das deshalb zumeist eine sehr explosive Mischung.

»Sind Sie sich wirklich sicher, dass wir hier richtig sind?«, fragte Samuel in diesem Moment, an unseren Fahrer gewandt. »Ich kann hier weit und breit keine Ruine entdecken.«

Der Fahrer grinste hintergründig. Sein Kinn war mit dunklen Bartstoppeln übersät und seine Oberlippe zierte ein buschiger Schnauzbart, der den Mund fast verdeckte. Die Stirn des Mannes war stets etwas gekraust, was dem rundlichen Gesicht einen andauernd angestrengten Ausdruck verlieh. Der Name unseres Fahrers lautete Georgi Kalikra, und im Gegensatz zu Samuel, der ein drahtiger, schlanker Bursche war, wirkte er eher korpulent und ungeschlacht. Nur das dunkle, ein wenig zerzaust aussehende Haar der beiden Männer glich sich ein wenig. Dafür aber hatte Samuel blaue, anziehend wirkende Augen, während die von Georgi Kalikra düster und grimmig dreinschauten.

»Die alte Burg der Langosa-Sippe befindet sich zu Füßen der Klippen«, erklärte Georgi und stieß ein raues Lachen aus. »Sie können es von hier aus nicht sehen, Mister. Da müssen Sie schon zum Rand des Felsmassivs gehen und in diesem erspähen.Tun Sie das aber nur, wenn Sie auch schwindelfrei sind!«

Samuel, der es nicht gern hatte, wenn er belehrt wurde, wandte sich verärgert zu mir um. »Lass uns aussteigen«, sagte er mürrisch. »Wir werden uns dort draußen mal ein wenig umsehen.«

Ich zuckte gleichmütig die Achseln und machte mich dann an dem Türgriff zu schaffen. Doch die Beifahrertür klemmte, und ich bekam sie erst auf, nachdem ich mich mit der Schulter gegen das Türblatt stemmte.

Kühle, nach Salzwasser und Algen riechende Luft schlug mir entgegen, als ich nun aus dem Wagen stieg. Ich streckte mich und dehnte meine Gelenke, die vom langen Sitzen auf der harten Bank der Fahrerkabine arg in Mitleidenschaft gezogen worden waren.

Samuel hielt sich hingegen nicht lange mit Dehnübungen auf, obwohl seine Knochen bestimmt nicht weniger schmerzten als meine. Mit steif wirkenden Schritten näherte er sich dem Rand der Klippe. Er trat bis dicht an den Abgrund heran und beugte sich vor, um besser in die Tiefe sehen zu können.

Wie er da so vornüber gebeugt dastand, machte Samuel auf mich den Eindruck, als bedürfe es nur einem leichten Windstoß, um ihm sein Gleichgewicht zu rauben und ihn in die tödliche Brandung hinabstürzen zu lassen.

Plötzlich bekam ich es mit der Angst zu tun und ich bereute, Samuel die ganze Fahrt über die kalte Schulter gezeigt zu haben. Dies und die letzte Bemerkung unseres Fahrers schien Samuel nun dazu zu verleiten, leichtsinnig zu werden.

Gerade wollte ich ihm zurufen, von dem Abgrund zurückzutreten, als Samuel sich plötzlich halb zu mir umdrehte und winkte. »Das musst du dir unbedingt an sehen, Brenda!«, rief er. »Meine Informationen waren richtig. Es gibt hier in Dobrudscha wirklich eine Burgruine mitten in der Brandung!«

Ich hatte es plötzlich eilig, ebenfalls an den Rand der Klippe heranzutreten. Dort angekommen, umfasste ich Samuels Ellenbogen und traf Anstalten, meinen unliebsamen Kollegen vom Abgrund wegzuziehen. Doch Samuel machte sich mit einer unwirschen Bewegung von mir los. Er ergriff plötzlich meine Hand und zog mich neben sich, so dass meine Schuhspitzen dem Abgrund gefährlich nahe kamen. Ein paar Brocken lösten sich nun von der Felskante und fielen in die Tiefe.

»Hast du je etwas so Morbides gesehen wie diese Ruine dort unten?«, fragte er und schien mal wieder nicht zu bemerken, dass er mich durch sein unbedachtes Verhalten in Gefahr gebracht hatte. Seine Stimme klang jedoch so aufgeregt und begeistert, dass ich mich unwillkürlich vorbeugte und an meinen Schuhspitzen vorbei in den Abgrund hinabstarrte.

Die Steilwand des Felsmassivs führte etwa hundert Meter in die Hefe. Ich erblickte dunkle, aus dem Schaum der Brandung emporragende mächtige Felsen und eine kleine, von der tosenden Brandung umspülte Insel, die nur etwa dreißig Meter von der Küste entfernt war. Ein langgestrecktes Gebäude war auf dieser Insel errichtet worden. Das von Gauben und Erkern durchbrochene Dach war stellenweise eingestürzt oder wies große Löcher auf. An den beiden anderen Enden des Gebäudes ragten dicke, nicht sehr hohe Türme empor, deren Kegeldächer ebenfalls schadhaft waren.

Bei genauerem Hinsehen erkannte ich, dass ein Teil der zum offenen Meer weisenden Fassade eingestürzt sein musste. Doch nur die größeren Mauerbrocken waren auf dem Felsen vor dem Gebäude liegengeblieben. Die kleineren Steine und der Schutt waren von der Brandung in das Meer gespült worden.

Gischtwolken stiegen jäh vor der Ruine auf, wenn sich eine Welle am Ufer der kleinen Felsinsel brach. Wie eine rasch dahinziehende Nebelwolke wehte die Gischt über das unheimliche Gebäude hinweg und benetzte die Mauern und die Dachschindeln, so dass die Ruine für einen Moment im matten Glanz des verhangenen Himmels aufleuchtete. Doch dieser Schimmer erlosch sogleich wieder, wenn der feuchte Niederschlag in die Ritzen der Steine sickerte und von den Dachschindeln abperlte, um durch die Löcher im Dach ins Innere des Gebäudes zu tropfen.

Die Burgruine sah dann wieder abweisend und verloren aus, bis eine neue Gischtwolke das düstere Gemäuer benetzte und es für einen flüchtigen Augenblick in einem mystischen, geheimnisvollen Glanz erstrahlen ließ.

»Ein Wunder, dass diese Ruine noch steht«, merkte ich an und zog mich schaudernd von dem Abgrund zurück. »Die Brandung hätte das Gemäuer doch schon längst mit sich reißen müssen.«

Samuel nickte ernst. »Besondere Strömungsverhältnisse im Küstenbereich werden dafür verantwortlich sein, dass dies noch nicht geschehen ist«, spekulierte er. »Die Erbauer dieser Burg werden diesen Standort mit Bedacht gewählt haben.«

Plötzlich drehte Samuel sich zu mir um und umfasste meine Schultern. Freudestrahlend blickte er mir ins Gesicht. »Diese Burg ist seit langem in Vergessenheit geraten«, fuhr er in seinen Behauptungen fort. »Außerdem meiden die Einheimischen sie“, während er in eindringlichem Ton weitersprach: »Stell dir nur vor, was wir in diesem Gemäuer alles entdecken werden, Brenda! Nachdem der letzter Spross der Langosa-Sippe ums Leben kam, hat nie wieder eine Menschenseele ihren Fuß auf diese Insel gesetzt. Es warten dort wahre Schätze auf uns!«

Verärgert machte ich mich von Samuel los. »Wenn es dir nur darum geht, Schätze einzuheimsen und dein Konto mit dem Erlös aufzufüllen, die dir ihr Verkauf auf dem Kunstmarkt einbringen wird, warum, um alles in der Welt, hast du dann Professor Samuel Sloane dazu überredet, mich zu zwingen, dich auf deiner Schatzbergung zu begleiten?«

Samuel sah mich verblüfft an. »Bist du etwa noch immer sauer auf mich?«, fragte er.

Resigniert schüttelte ich den Kopf und strich mir dann eine Strähne meines weizenblonden Haares aus der Stirn.

»Bist du wirklich so schwer von Begriff, Samuel? Merkst du nicht, dass du deinen Einfluss, den du auf den Museumsdirektor ausübst, dazu missbraucht hast, mich dazu zu zwingen, dich auf deiner idiotischen Reise nach Bulgarien zu begleiten?«

Samuel presste die Lippen aufeinander, seine Wangenmuskeln mahlten. Ich konnte mir schon vorstellen, warum. Samuel Lington war nämlich heimlich in mich verliebt. Das hatte ich schon bei unserem ersten Abenteuer sofort bemerkt, auch wenn er es nicht offen ausgesprochen hatte.

»Freust du dich denn gar nicht, mit mir diese Reise unternehmen zu dürfen?«, fragte er sichtlich gekränkt.