Das magische Amulett #43: Der mörderische Zauberer - Jan Gardemann - E-Book
Beschreibung

Das magische Amulett Band 43 Roman von Jan Gardemann Der Umfang dieses Buchs entspricht 97 Taschenbuchseiten. Als Dr. Connors zu einem Unfallopfer gerufen wird, begleitet ihn seine Frau zum Krankenhaus. Auf dem Weg dorthin kommen sie an dem Unfallwagen vorbei, und Brenda beschleicht ein ungutes Gefühl. Das Auto ist völlig verdreht, und es ist keine Unfallursache erkennbar. Doch bald stellt sich heraus, dass ein magisches Amulett benutzt wurde, um dem Fahrer zu schaden. Ein Zauberer, den Brenda aus der Vergangenheit kennt, treibt wieder sein Unwesen.

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Jan Gardemann

Das magische Amulett #43: Der mörderische Zauberer

Romantic Thriller

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Der mörderische Zauberer

Das magische Amulett Band 43

Roman von Jan Gardemann

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 97 Taschenbuchseiten.

 

Als Dr. Connors zu einem Unfallopfer gerufen wird, begleitet ihn seine Frau zum Krankenhaus. Auf dem Weg dorthin kommen sie an dem Unfallwagen vorbei, und Brenda beschleicht ein ungutes Gefühl. Das Auto ist völlig verdreht, und es ist keine Unfallursache erkennbar. Doch bald stellt sich heraus, dass ein magisches Amulett benutzt wurde, um dem Fahrer zu schaden. Ein Zauberer, den Brenda aus der Vergangenheit kennt, treibt wieder sein Unwesen.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© Cover by Firuz Askin, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

© Logo by Steve Mayer unter Verwendung von Motiven by Pixabay, 2016

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Greg wich entsetzt einige Schritte zurück, bis er mit dem Rücken an ein Hindernis stieß. Als er einen raschen Blick über die Schulter warf, registrierte er, dass er gegen eine kleine Säule gestoßen war. Auf der Säule thronte ein Faun aus Marmor. Die Figur hatte eine langgezogene Teufelsfratze, Hufe statt Füße und einen kurzen Schwanz, der in einer Speerspitze endete. Dies nahm Greg nur am Rande wahr. Rasch wandte er sich wieder der unheimlichen Nebelgestalt zu. Der Geist hatte inzwischen seinen Arm beschwörend ausgestreckt und deutete mit seinem krummen Zeigefinger auf den Paparazzo. Im selben Moment glühten die Augen des Fauns rot auf, und die Figur begann sich flink zu bewegen. Greg verlor nun keine Sekunde mehr. Er wirbelte herum und rannte um sein Leben...

1

Greg Wright versuchte verzweifelt, ein Niesen zu unterdrücken. Er hielt sich die Faust vor die Nase und klammerte sich mit der anderen Hand an den toten Baum, auf dem er kauerte. Ein kalter Wind fuhr durch die kahlen Äste, die sich gespenstisch in den nächtlichen, wolkenschweren Himmel erhoben. Regentropfen klatschten dem Mann ins Gesicht. Sein Parka und seine Jeans waren längst durchnässt. Aber das kümmerte Greg nicht. Hauptsache sein Fotoapparat blieb trocken.

Es war kurz vor Mitternacht, und über dem einsamen Landstrich nördlich von London lastete eine schwere, undurchdringliche Dunkelheit, die nur dort etwas erhellt wurde, wo das matte Mondlicht durch die dünneren Schichten der nachtschwarzen Wolkendecke drang.

Greg Wright harrte schon die ganze Nacht auf dem Baum aus; das gehörte zu seinem Job!

Greg konnte nicht länger an sich halten. Er nieste laut und vernehmlich. Fluchend drückte er sich dichter in den Schatten des wuchtigen Baumstammes. Dann spähte er besorgt durch die blattlosen Zweige auf das alte, verkommene Landhaus, das nur wenige Meter entfernt vor ihm lag.

Aber der Mann in dem düsteren Gebäude schien Greg nicht bemerkt zu haben. Sein Name war Prosper Mulhill. Er hielt sich in einem von flackernden Kerzen erleuchteten Zimmer auf. In einem Kamin brannte ein anheimelndes Feuer, dessen Qualm Greg dann und wann ins Gesicht bekam, wenn der Wind den Rauch, der aus dem schadhaften Schornstein drang, zu den Bäumen herüberwehte.

Die anderen Fenster des Hauses waren alle dunkel, so dass die reichverzierte verwitterte Fassade des zweistöckigen Gebäudes nur zu erahnen war. Es war dem Haus deutlich anzusehen, dass es lange Zeit nicht bewohnt gewesen war. Der Garten war stark vernachlässigt. Die verwilderten Ziersträucher sahen in der Dunkelheit aus, wie unruhig kauernde Ungeheuer. Das Unkraut stand kniehoch.

Greg fror erbärmlich. Am liebsten hätte er sich eine Zigarette angezündet. Aber die Glut hätte Prosper Mulhill nur auf ihn aufmerksam gemacht, und dann wäre es vorbei mit den sensationellen Fotos, die Greg hoffte, hier schießen zu können.

Zum wiederholten Mal zog Greg seine Profikamera unter dem Parka hervor. Er spähte hindurch und richtete das Objektiv auf das erleuchtete Fenster. Es dauerte eine Weile, bis er die Kamera auf die schlechten Lichtverhältnisse ausgerichtet hatte. Das Regenwasser, das an der Scheibe herabrann, erschwerte seine Arbeit noch zusätzlich. Auf den Fotos würde kaum etwas zu erkennen sein!

Greg Wright fluchte verhalten. Dieser Prosper Mulhill machte ihm seine Arbeit nicht gerade leicht. Greg Wright war ein Paparazzo. Er lebte von den Fotos, die er heimlich, oder bei öffentlichen Anlässen von Prominenten schoss. Greg war sich durchaus darüber bewusst, dass sein Berufsstand seit dem Tod von Lady Diana sehr in Verruf geraten war. Trotzdem machte er weiter, auch wenn er an Tagen wie diesen seine Entscheidung, Sensations-Fotograf zu werden, bitter bereute.

Plötzlich erschien Prosper Mulhill im Bildausschnitt der Kamera. Greg stellte hastig die Schärfe ein. Jetzt konnte er den Adligen recht gut erkennen. Er trug einen dunklen Morgenmantel, der die schlanke hochgewachsene Gestalt des Mannes noch betonte. Sein dunkles Haar war ungepflegt und zerzaust. Ein Dreitagebart spross auf seinem kantigen Kinn. Wie immer war der Blick des Mannes düster und grübelnd. Eine tiefe Falte zeichnete sich zwischen den Brauen ab, die über die Stirn bis zu dem hohen Haaransatz verlief.

Greg schoss ein paar Aufnahmen, in der Hoffnung, dass das grimmige, verwahrloste Gesicht des Adligen auf den Fotos gut zu erkennen war.

Dann war der Film voll geknipst.

Greg grinste zufrieden. Mit geübten Griffen wechselte er den Film. Die Fotos von Prosper Mulhill würden ihm eine hübsche Summe einbringen, denn die Skandale, in die Mulhill verwickelt gewesen war, waren noch nicht in Vergessenheit geraten.

Der Adlige war bekannt für seine verschwenderische Art. In nur wenigen Monaten hatte er seine ganze Erbschaft verprasst, die mindestens fünf kinderreichen Familien dazu verholfen hätte, ein sorgloses, unbekümmertes Leben zu führen. Außerdem hatte Prosper Mulhill mehrere delikate Affären hinter sich. Er interessierte sich für Spiritismus und Okkultismus und hatte vor kurzem noch einen magischen Zirkel geleitet.

Greg Wright lachte still und verächtlich in sich hinein. Prosper Mulhill war für ihn stets eine gute Einnahmequelle gewesen. Einige der Affären des jungen Adligen wurden erst durch seine Fotos publik. Der Gipfel stellte eine spiritistische Sitzung dar, die Prosper Mulhill abgehalten hatte. Greg hatte die Zusammenkunft heimlich fotografiert. Seine Fotos hatten die Geister, die Prosper während der Seance hatte auftreten lassen, als plumpe Fälschungen entlarvt. Noch nie hatte Greg so viel Geld für seine Fotos geboten bekommen, wie für diese Aufnahmen. Es wurde ein wahrer Skandal daraus, als die Mitglieder des magischen Zirkels sich gegen Prosper Mulhill wandten und ihr Geld von ihm zurückforderten, das er für die angeblichen »Geisterbeschwörungen« von ihnen verlangt hatte.

Die Gedanken an seine Erfolge ließen Greg die kalte, verregnete Nacht plötzlich erträglicher erscheinen. Er war sich sicher, dass sich seine Geduld und seine Beharrlichkeit auch diesmal auszahlen würde. Er war der einzige Paparazzi, der herausgefunden hatte, wohin sich Prosper Mulhill zurückgezogen hatte. Er war in dem vernachlässigten Landhaus untergetaucht. Warum, das würde Greg schon noch herausfinden.

Nachdem er den neuen Film eingelegt hatte, schaute Greg wieder durch die Kamera, um Prosper Mulhill zu beobachten.

Der Adlige hatte plötzlich ein altes Buch in den Händen, in dem er konzentriert las. Dann trat er auf den Kamin zu. Der Sims war reich verziert und mit allerlei dämonischen Fratzen versehen. Prosper Mulhill stand eine Weile davor und schien den skurrilen Kaminsims mit den Aufzeichnungen in dem Buch zu vergleichen.

Dann streckte der Adlige plötzlich eine Hand aus.

Greg zoomte den Kamin näher heran, um erkennen zu können, was Prosper Mulhill tat. Der Adlige streckte zwei Finger aus und drückte sie in die Augen einer Dämonenfratze, dessen Gesicht besonders abstoßend aussah.

Die Finger des Adligen drangen tief in die Augenhöhlen ein. Im gleichen Moment öffnete sich eine Rosette, die das Zentrum des Kaminsims bildete. Ein versteckter Hohlraum wurde sichtbar.

Greg drückte auf den Auslöser. Eine eigenartige Unruhe hatte den Paparazzo plötzlich ergriffen. Greg war sicher, dass nun der Zeitpunkt gekommen war, auf den er seit einer Woche wartete.

Der Adlige wandte sich dem Hohlraum zu. Seine Körperhaltung verriet, wie angespannt er war. Mit zitternden Fingern griff er in den Hohlraum und zog eine Kette daraus hervor.

Greg zommte das Schmuckstück so nah heran, wie möglich. Nun sah er die Kette in Großaufnahme vor sich. Ein handtellergroßer Anhänger hing daran. Das Metall war stark gedunkelt und oxidiert, so dass Greg nicht genau erkennen konnte, aus welchem Material der Anhänger gefertigt war. Dafür sah er aber die merkwürdigen Runen und die mystischen Zeichen, mit denen das Amulett versehen war.

Greg schoss von dem Objekt mehrere Aufnahmen. Dann hob Prosper Mulhill das Amulett hoch über seinen Kopf. Seine Lippen bewegten sich rasch, so als würde er eine Beschwörung murmeln.

Wollte der Adlige etwa eine Beschwörung abhalten, wie er es in der spiritistischen Sitzung getan hatte?

Greg schüttelte finster den Kopf. Prosper Mulhill war allein. Niemand aus dem magischen Zirkel, dessen Oberhaupt Prosper Mulhill gewesen war, ahnte, wo der Adlige sich aufhielt.

Greg wusste, wie die Zeremonien für gewöhnlich abliefen. Prosper Mulhill verstand es, sich in Szene zu setzen und seine Anhänger Glauben zu machen, er könne tatsächlich Geister herbeirufen und mit ihnen kommunizieren. Es war alles Schwindel gewesen. Gregs Fotos hatten es bewiesen. Nachdem der Schwindel aufgeflogen war, hatte sich der magische Zirkel aufgelöst. Es war unwahrscheinlich, dass Prosper Mulhill neue Anhänger gefunden hatte, nachdem in fast jeder Zeitung über seine Machenschaften berichtet wurde.

Und trotzdem schien Prosper Mulhill jetzt eine Beschwörung vornehmen zu wollen. Die Vorbereitungen, die der Adlige in dem schummerigen Zimmer traf, wiesen eindeutig darauf hin.

Greg fotografierte, wie Prosper Mulhill mit Kreide magische Symbole auf den Parkettfußboden kritzelte. Er legte das geheimnisvolle Amulett in die Mitte der Zeichnung und stellte schwarze Kerzen auf. Dann hockte er sich mit untergeschlagenen Beinen vor das Amulett und schloss die Augen, so als wollte er meditieren.

Greg schoss ein Foto nach dem anderen. Plötzlich riss der Adlige die Arme empor. Sein Flüstern wurde immer lauter. Schließlich schrie er die Beschwörungen, so dass die sonderbaren, unverständlichen Laute sogar bis an Gregs Ohren drangen.

In diesem Moment zuckte ein Blitz aus den nachtschwarzen Wolken. Er schlug irgendwo hinter dem Haus ein und blendete Greg.

Als seine Augen sich erholt hatten und er wieder durch die Kamera starrte, stockte dem Paparazzo der Atem.

Die schwarzen Kerzen in dem Raum waren erloschen. Auch das Feuer im Kamin schien gedämpft zu sein. Um so deutlicher war aber der sonderbare, fahl leuchtende Nebel zu erkennen, der aus dem Amulett strömte.

Prosper Mulhills Oberkörper wankte wie in Trance hin und her. Immer mehr Nebel stieg aus dem Amulett empor und nahm die Konturen einer geisterhaften Gestalt an.

Greg glaubte seinen Augen nicht zu trauen. Probierte Mulhill einen neuen Trick? Oder war der Zauber echt?

Greg Wright konnte diese Fragen nicht beantworten. Mit wachsendem Grauen beobachtete er, wie die nebelhafte Gestalt immer deutlichere Formen annahm. Sie trug ein wallendes Gewand mit aufwendigem Kragen. Die Fratze, die daraus hervorschaute, war hager und hohlwangig. Schütteres Haar bedeckte den kantigen Schädel. Die Nase war gekrümmt und die buschigen Brauen ließen die leuchtenden Augen, die tief in den Höhlen lagen, bedrohlich und boshaft wirken.

Mit zitternden Fingern machte Greg ein paar Aufnahmen von der unheimlichen Geistererscheinung.

Da wandte sich der Geist plötzlich zum Fenster um. Seine glühenden Augen waren direkt auf den Fotografen gerichtet.

»Er hat mich bemerkt!«, röchelte Greg entsetzt.

Unwillkürlich wich er zurück, und wäre beinahe von dem Ast gestürzt auf dem er kauerte. In letzter Sekunde griff er nach einem Zweig und konnte so einen Sturz verhindern.

Gregs Herz raste wie verrückt. Er spürte den kalten Schweiß auf seiner Stirn, der sich mit den Regentropfen vermischte. Entsetzt starrte er zum schwach erleuchteten Fenster hinüber.

Prosper Mulhill hatte sich erhoben. Aufrecht stand er vor dem Geist, der mit dürren, knochigen Fingern zum Fenster wies.

»Es wird höchste Zeit zu verschwinden«, murmelte Greg und erschrak über den brüchigen klang seiner Stimme. Er musste sich eingestehen, dass er plötzlich große Angst hatte.

Doch bevor Greg sich an den Abstieg machen konnte, hatte Prosper Mulhill sich auch schon ans Fenster begeben. Er riss es auf und lehnte sich weit hinaus.

»Greg!«, schrie er in die Nacht hinaus, und seine Stimme troff vor Hass und Verachtung. »Ich weiß, dass Sie irgendwo da draußen sind! Der Geist hat es mir verraten. Es wird das letzte Mal sein, dass Sie mir mit ihrer Kamera nachspionieren. Der Geist des Zauberers wird Sie töten. Sie haben nur noch wenige Augenblicke zu leben!«

2

Greg schnürte es vor Grauen die Kehle zu. Er hatte es schon öfter erlebt, dass Drohungen gegen ihn ausgestoßen wurden. Ein Schauspieler hatte ihm sogar einmal einen deftigen Kinnhaken verpasst, als Greg ihn mit einer käuflichen Geliebten in einem verrufenen Viertel von London überraschte und fotografierte.

Aber all dies hatte den Paparazzo nicht aus der Ruhe bringen können. Derartige Vorfälle gehörten zu seinem Beruf dazu, wie das Salz in der Suppe. Doch die hasserfüllten Worte des Beschwörers, die er soeben vernommen hatte, ließen Greg das Blut in den Adern gefrieren.

In diesem Moment streckte die nebelhafte Figur einen Arm aus und wies mit beschwörender Geste auf den Paparazzo. Ein hauchdünner Nebelstreifen löste sich von dem gekrümmten Finger des Geistes. Wie ein Wurm schlängelte er sich durch die Luft und bewegte sich dabei rasch auf Greg zu.

Der Paparazzo erstarrte. Am liebsten wäre er Hals über Kopf davon gestürzt. Aber der grausige Anblick des Gespenstes hatte ihn gelähmt.

Da hatte sich der unheimliche Nebelstreifen auch schon bis auf wenige Zentimeter genähert. Doch entweder hatte der Geist sein Ziel nicht genau fixiert, oder er hatte mit seinem Angriff einen anderen Zweck erfüllen wollen. Der Nebelstreifen verfehlte den Paparazzo und traf statt dessen den dicken toten Ast, auf dem er kauerte.