Das magische Amulett #6: Vampir wider Willen - Jan Gardemann - E-Book
Beschreibung

Das magische Amulett Band 6 Roman von Jan Gardemann Der Umfang dieses Buchs entspricht 93 Taschenbuchseiten. Wie kann Dr. Morbus eine unheilbare Krankheit besiegen? Was hat es mit Scharen unheimlicher Fledermäuse auf sich, die New York heimsuchen? – Die junge Brenda Logan gerät unvermittelt in den Strudel düsterer Ereignisse, die schicksalhaft und unentrinnbar scheinen. Als sich das finstere Geheimnis lüftet, ist nicht nur Brendas Leben in grässlicher Gefahr …

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Seitenzahl:97

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Jan Gardemann

Das magische Amulett #6: Vampir wider Willen

Romantic Thriller

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Vampir wider Willen

Das magische Amulett Band 6

Roman von Jan Gardemann

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 93 Taschenbuchseiten.

 

Wie kann Dr. Morbus eine unheilbare Krankheit besiegen? Was hat es mit Scharen unheimlicher Fledermäuse auf sich, die New York heimsuchen? – Die junge Brenda Logan gerät unvermittelt in den Strudel düsterer Ereignisse, die schicksalhaft und unentrinnbar scheinen. Als sich das finstere Geheimnis lüftet, ist nicht nur Brendas Leben in grässlicher Gefahr …

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© Cover by Firuz Askin, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

© Logo by Steve Mayer unter Verwendung von Motiven by Pixabay, 2016

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Leichter Nieselregen setzte ein. Trotzdem schlug ich nicht den direkten Weg zu meinem Apartment ein, sondern bog in eine Seitenstraße und eilte den Häuserblock entlang. Als ich mich rasch umblickte, fand ich meine Befürchtung bestätigt. Die Fledermaus folgte mir. Ich schritt nun rascher aus. Aber meinem seltsamen Verfolger bereitete es keine Mühe, mir auf den Fersen zu bleiben. Wenn ich verharrte, verschwand die Fledermaus rasch in einer dunklen Nische oder einem Mauervorsprung. Ich wurde zunehmend unruhiger. Das ungewöhnliche Auftreten von Fledermäusen in den vergangenen Tagen ließ mich meinen flatternden Verfolger in einem ganz anderen Licht sehen. Und plötzlich stand mir das Bild von Kamal Smith vor Augen, wie er von Fledermäusen bedeckt auf dem Boden seines muffigen Ladens lag. Vielleicht waren die Fledermäuse aus einem ganz anderen Grund bei Kamal aufgetaucht, als die Polizei annahm. Er hatte mich vor dem geflügelten Tod gewarnt und davor, dass ich mich in großer Gefahr befand ...

1

Abenddämmerung senkte sich über den Central Park von New York. Die Schatten zwischen den Bäumen wurden dichter und die Lampen des Parks flammten auf. In der Ferne zeichnete sich über den Baumwipfeln die massige Silhouette der Hochhäuser von Manhattan ab. Die Wolkenkratzer muteten wie ein glitzerndes, irisierendes Gebirge aus Stahl, Glas und Beton an, das den Central Park in seiner Mitte eingeschlossen hatte.

Der Park schien zu einer anderen Welt zu gehören. Er war voll von entlegenen Wäldern, bleich schimmernden Seen und verwunschenen Orten so jedenfalls kam es mir an diesem Abend vor.

Ich saß in die weichen, gemütlichen Polster einer offenen Kutsche zurückgelehnt und hatte mich in die Arme meines Begleiters gekuschelt. Das Tappen der Pferdehufe und das Knirschen der großen Speichenräder, die über den Kiesweg rollten, versetzten mich in eine romantische Stimmung.

Die anheimelnde Atmosphäre konnte auch das ferne Brodeln der Großstadt nicht beeinträchtigen.

Ich fühlte mich zufrieden. Und das hatte ich nicht zuletzt dem Mann zu verdanken, in dessen Arme ich mich geschmiegt hatte: Daniel Connors, meinen frisch angetrauten Ehemann!

»Brenda, ein Leben ohne dich kann ich mir gar nicht mehr vorstellen.«

Ich lächelte geschmeichelt und sah Daniel tief in seine blauen tiefgründigen Augen.

»Ich liebe dich, Daniel«, flüsterte ich. Langsam beugte er sich zu mir herab und gab mir einen zärtlichen Kuss.

Genießend schloss ich die Augen. Unsere Hochzeitsreise hatte uns von London nach New York geführt. Diese romantische Kutschfahrt durch den Central Park, sollte der Abschluss unserer Flitterwochen sein. Denn am nächsten Tag warteten bereits wieder einige Aufgaben auf uns, die wir hier in New York zu erledigen hatten.

Daniel Connors war ein bekannter Arzt und Neurologe und arbeitete im St. Thomas Hospital in London. Morgen begann in New York ein mehrtägiger internationaler Ärztekongress, den Daniel zusammen mit seinem Freund und Kollegen Cliff Parker besuchen wollte.

Auch für mich gab es in New York einiges zu erledigen.

Professor Salomon Sloane, der Direktor des British Museum, für das ich als Archäologin arbeitete, hatte mir den Auftrag gegeben, in Harlem einen Mann zu kontaktieren, der hin und wieder seltene Ausstellungsstücke für das Museum beschaffte.

Plötzlich gab Daniel meine Lippen wieder frei und sah mich schmunzelnd an.

»Du bist mit deinen Gedanken bereits bei deiner Arbeit«, stellte er fest.

Ich seufzte auf und lehnte den Kopf gegen seine kräftige Schulter. »Du hast recht«, gestand ich. »Ich versuche, mich damit abzufinden, dass unser unbeschwertes Zusammensein ab morgen wieder ein Ende haben soll. Ich werde unsere Flitterwochen niemals vergessen.«

»Das sollst du ja auch gar nicht.«

Daniel drückte mir einen Kuss in mein weizenblondes duftendes Haar.

Verträumt ließ ich meine Blicke schweifen. Vor uns, auf dem Kutscherbock kauerte ein Mann in Frack und Zylinder, der die Zügel locker in den Händen hielt und ab und zu beruhigend auf das Pferd einsprach. Die Gaslampen zu seinen beiden Seiten hüllten das altertümliche Fahrzeug in eine mystisch anmutende Aura aus gelbem Licht.

Soeben tauchten wir in einen dichten Birkenwald ein. Links und rechts des Weges ragten die schmalen, schwarzweiß gesprenkelten Baumstämme grazil in die Höhe und breiteten ihr dichtes Blätterdach wie schützend über uns aus. Dazwischen blitzten immer wieder vereinzelte Sterne, die sich blass am sommerlichen Abendhimmel abzeichneten.

Selbstvergessen schaute ich nach oben und genoss Daniels wohltuende, prickelnde Nähe.

Da plötzlich glitt ein nachtschwarzer Schatten über die Wipfel hinweg. Ich vernahm ein leises, gespenstisches Rauschen.

Unwillkürlich schrak ich zusammen. Der Schatten war sehr groß. Viel zu groß für einen Vögel!

»Was hast du?«, erkundigte sich Daniel, dem mein kurzer Schrecken nicht entgangen war.

Aber ich kam nicht mehr dazu zu antworten. Denn in diesem Augenblick spielte das Pferd plötzlich verrückt!

2

Laut wiehernd stellte sich der braune Hengst auf seine Hinterläufe. Zischend schnitten die Vorderhufe durch die Luft.

Dann machte das Pferd plötzlich einen Satz nach vorn und Daniel und ich wurden unsanft in die Polster der Kutsche geworfen.

Der Kutscher versuchte verzweifelt, das Pferd unter Kontrolle zu bringen. Er schrie und brüllte und riss an den Zügeln.

Aber das Pferd reagierte nicht.

Immer wieder bäumte es sich auf und schlug mit den Vorderläufen aus.

Dann plötzlich schoss es wieder nach vorn und verfiel in einen rasenden Galopp.

Entsetzt klammerte ich mich an Daniel fest. Der Fahrtwind zerzauste mein Haar.

Wir wurden auf unserem Sitz hin und her geschleudert. Der Kutscher verlor seinen Zylinder. Er fluchte und wetterte. Aber das Pferd ließ sich dadurch nicht beeindrucken.

In halsbrecherischem Tempo rannte es den Kiesweg entlang. Ein Pärchen, das eng umschlungen über den Pfad schlenderte, sprang erschrocken beiseite.

Im nächsten Moment donnerte die Kutsche an ihnen vorbei.

»Passen Sie doch auf!«, schrie der Mann uns hinterher, der sich schützend vor seine Freundin gestellt hatte.

Dann schossen wir aus dem Birkenwald hinaus. Eine große Rasenfläche und ein dunkler Teich, in dem sich die Lichter der Hochhäuser zuckend spiegelten, lagen plötzlich vor uns.

Der Weg machte eine scharfe Biegung.

Ohne das Tempo zu verringern, raste das Pferd auf die Kurve zu.

Die Kutsche holperte über eine Baumwurzel. Mich riss es fast aus den Polstern. Aber Daniel hielt mich fest umklammert.

Dann schoss das Pferd mit der Kutsche in die Kurve. Die Deichsel brach splitternd und die Kutsche stellte sich seitlich auf zwei Räder.

Daniel riss mich plötzlich hoch, schloss seine Arme fest um meinen Körper und sprang.

Entsetzt klammerte ich mich an ihm fest und presste die Augen zu. Ich fühlte, wie wir durch die Luft wirbelten.

Dann erfolgte der Aufprall.

Eng umschlungen kullerten wir über den weichen Rasen. Ich wusste nicht mehr, wo oben und wo unten war. Meine Knochen schmerzten. Aber Daniel fing die meisten Stöße mit seinem Körper ab.

Dann endlich lagen wir still.

Im nächsten Moment rappelte sich Daniel auch schon wieder auf. Sein hellbraunes lockiges Haar war zerzaust und seine Jacke hatte einige Risse bekommen.

Besorgt sah er mich an.

»Bist du verletzt?«

Ich schüttelte den Kopf. Meine Ellenbogen und Knie schmerzten zwar ein wenig. Sonst schien mir nichts geschehen zu sein.

Daniel half mir behutsam auf die Beine. Nur wenige Meter entfernt lag die Kutsche auf der Seite im Gras. Ein Rad war gebrochen. Das andere drehte sich surrend.

Ich schaute mich nach dem Pferd um. Es stand unten am Teich und graste friedlich. Die gerissenen Lederriemen hingen an seinen zitternden Flanken herab.

Daniel schritt auf die Kutsche zu und umrundete sie.

Plötzlich beugte er sich hinab.

Als ich zu ihm aufschloss, sah ich, dass er vor dem Kutscher kniete. Ein Bein des Mannes war unter dem Wagen eingeklemmt.

»Bleiben Sie ruhig liegen«, sagte Daniel. »Wir werden sie unter der Kutsche herausziehen.

Dann erklärte er mir wie ich den Mann unterhaken sollte und stemmte die schwere Kutsche hoch. Der Mann und seine Freundin, die wir beinahe überfahren hatten, traten hinzu und halfen.

Schließlich schafften wir es, den Kutscher zu befreien.

»Wo ... wo ist Julien?«, stammelte der Kutscher. Sein Gesicht war schmerzverzerrt.

»Wenn Sie das Pferd meinen es ist unten am Teich und hat sich wieder beruhigt«, antwortete ich.

»Ich verstehe das nicht«, fuhr der Kutscher verstört fort. »Julien hat mir noch nie Scherereien gemacht. Er ist das gutmütigste Tier, das ich kenne. Außerdem trägt er doch Scheuklappen. Ich verstehe gar nicht, warum er plötzlich durchgedreht ist. Mir ist nichts aufgefallen, vor dem er sich hätte erschrecken können ...«

Unbehaglich sah ich zu den Wipfeln des Birkenwäldchens empor. Ich musste an den unheimlichen Schatten denken, der rauschend über die Bäume hinweggeglitten war.

Ob es dieser nachtschwarze Schatten gewesen war, der das Pferd erschreckte?

Um was für ein Tier mochte es sich wohl gehandelt haben?

Meine Gedanken brachen ab, denn der Kutscher stöhnte in diesem Moment gequält auf.

Daniel hatte den Mann untersucht und festgestellt, dass er sich ein Bein gebrochen hatte.

Ich ging zur Kutsche, holte den Erste Hilfe Kasten hervor und brachte ihn Daniel. Das Pärchen war unterdessen losgerannt, um die Polizei und einen Krankenwagen zu verständigen.

Daniel machte sich sofort an die Arbeit und schiente das verletzte Bein des Mannes.

Ich entfernte mich unterdessen und schritt behutsam auf das verschwitzte Pferd zu.

Beruhigend streichelte ich ihm den Hals.

Plötzlich richtete der Hengst den Kopf auf.

Lauernd stand er da und witterte in die Dunkelheit.

Unwillkürlich schaute ich in die Richtung, in die die aufgestellten Ohren des Pferdes deuteten, und erschrak.

In der Ferne, da wo der Park endete und sich die Silhouette der Häuser abzeichnete, schwebte ein mächtiger Schatten. Majestätisch schlugen die großen Schwingen auf und nieder.

Das geflügelte Wesen erhob sich über die Bäume und stieg langsam zu den Häusern empor.

Drohend hob sich die gespenstische Gestalt gegen die zahllosen erleuchteten Fenster ab. Dann schwebte sie über die Dächer hinweg. Und als der geflügelte Schatten ein dunkles, unbeleuchtetes Hochhaus erreichte, verlor ich es plötzlich aus den Augen.

Ob es auf dem merkwürdigen Hochhaus gelandet war?

Ein Frösteln überkam mich.

Um was für ein Tier es sich bei dem geflügelten Schatten wohl gehandelt haben mochte?

Mir fiel kein Vogel ein, der auch nur annähernd wie der unheimliche Schatten ausgesehen hätte. Der Form der Flügel nach hätte es auch eine Fledermaus sein können.

Aber die waren bekanntlich viel kleiner.

Das Pferd an meiner Seite schnaubte und beugte sich wieder zum Gras hinab.

Zufrieden schüttelte es die Mähne und schien nun wieder beruhigt zu sei.

Offenbar war es doch die unnatürlich große Fledermaus gewesen, die das Pferd erschreckt hatte.

3

Zwei Stunden später stand ich frisch geduscht und in einem flauschigen Bademantel gehüllt am Fenster unseres Apartments.

Daniel und ich hatten das Apartment für eine Woche gemietet. Es war einfach, aber zweckmäßig eingerichtet. Im Wohnzimmer befand sich eine Pantry mit Barhockern, wo wir Essen zubereiten konnten. Eine gemütliche Ledergarnitur stand in der Mitte des Raumes. Regale und Fotos von New York hingen an den Wänden. Eine Tür führte ins Schlafzimmer; die andere ins Badezimmer. Auch in diesen Räumen war die Einrichtung eher schlicht, aber gemütlich.

Am schönsten war der Ausblick, der sich aus den großen Panoramafenstern bot. Sie reichten von der Decke bis zum Fußboden und waren aus dickem, gepanzertem Glas.

Das Apartment lag im obersten Stockwerk eines Hochhauses, das direkt an den Central Park grenzte. Von dem Verkehrslärm unten in den Straßenschluchten war nichts zu hören.

Nur das Heulen des Windes war zu vernehmen.

Es war ein gespenstischer Laut, der aber irgendwie zu dem sonderbaren Bild passte, das sich mir draußen bot.

Die Nacht war hereingebrochen und die große rechteckige Grünfläche des Central Parks lag düster und unheimlich da. Hier und da blitzte das Licht einer Laterne durch die Bäume, und die Seen glänzten schwarz wie Obsidian.

Um diese Zeit hielt sich nur noch zwielichtiges Gesindel in dem Park auf. Es war lebensgefährlich, ihn bei Dunkelheit zu betreten, denn dann gehörte er den Kreaturen der Nacht.

Mit gemischten Gefühlen sah ich auf den Central Park hinab. Das Hochhaus in dem ich mich befand, stand ungefähr in der Mitte des östlichen Randes. Wie ein dunkler Teppich lag der Park zwischen dem Häusermeer und verband das luxuriöse Hotelviertel im Süden mit dem schwarzen Harlem im Norden.

Einen Moment lang ruhte mein Blick auf dem nördlichen Ende. Dort waren die Häuser nicht mehr ganz so hoch. Harlem war ein armer Stadtteil und hauptsächlich von Schwarzen bewohnt. Mein Auftrag würde mich morgen dorthin führen.