Das magische Amulett #67: Ein Toter erwacht - Jan Gardemann - E-Book
Beschreibung

Das magische Amulett Band 67 Roman von Jan Gardemann Der Umfang dieses Buchs entspricht 97 Taschenbuchseiten. Während der Eröffnung der Ausstellung über das Mittelalter im British Museum kommt es zu einem Zwischenfall. Die junge Mitarbeiterin Oktavia Soka bricht vor einer Vitrine, in der ein goldenes Amulett ausgestellt ist, bewusstlos zusammen und fällt ins Koma. Kurze Zeit später geschieht genau das Gleiche mit der Putzfrau. Brenda Logan, die Amulettforscherin, setzt nun alles daran, um den Frauen zu helfen. Doch wo soll sie mit ihrer Nachforschung beginnen?

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Jan Gardemann

Das magische Amulett #67: Ein Toter erwacht

Romantic Thriller

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Ein Toter erwacht

Das magische Amulett Band 67

Roman von Jan Gardemann

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 97 Taschenbuchseiten.

 

Während der Eröffnung der Ausstellung über das Mittelalter im British Museum kommt es zu einem Zwischenfall. Die junge Mitarbeiterin Oktavia Soka bricht vor einer Vitrine, in der ein goldenes Amulett ausgestellt ist, bewusstlos zusammen und fällt ins Koma. Kurze Zeit später geschieht genau das Gleiche mit der Putzfrau.

Brenda Logan, die Amulettforscherin, setzt nun alles daran, um den Frauen zu helfen. Doch wo soll sie mit ihrer Nachforschung beginnen?

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© Cover by Firuz Askin, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

© Logo by Steve Mayer unter Verwendung von Motiven by Pixabay, 2016

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Ein eisiger Lufthauch streifte meinen Nacken, und im nächsten Augenblick war ich hellwach. Entsetzt fuhr ich hoch und blickte mich benommen um. Wie es Oktavia wohl inzwischen ging? Da gellte ein markdurchdringender Schrei durch das Museum. Ich erstarrte. Ähnlich hatte es sich angehört, als Oktavia in den Bann des Amuletts geraten war. Ich rannte in den Saal, wo die Exponate zum Thema Hexenverfolgung ausgestellt waren. Die Tür stand offen, und ich befürchtete das Schlimmste. Ich stürmte in den düsteren Saal. Vor der Vitrine mit dem Mantel und dem Amulett des Hexenjägers lag eine korpulente Frau. Ein Mann kniete neben ihr. Es war Raymond Gahnadi. Sein Gesicht war leichenblass. Mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen schaute er zu mir auf. »Du ... du wirst nicht glauben, was ich soeben gesehen habe«, stammelte er. »Das Amulett hatte grün geleuchtet, und ein goldenes Licht trat aus Nadines Stirn und schoss auf das Amulett zu ...«

1

»Hiermit erkläre ich die Ausstellung über das Mittelalter für eröffnet!«

Professor Salomon Sloane, der Direktor des British Museum, stand in feierlicher Pose auf einem kleinen Podest, das neben dem Zugang zu den Räumen aufgebaut war, in denen die Wanderausstellung über das Mittelalter gezeigt wurde. Gedämpftes Murmeln hob unter den Gästen des British Museum an. Die Ausstellung war mit Spannung erwartet worden, denn die Vorbereitungen hatten sich fast zwei Jahre hingestreckt. Die Exponate sollten mehrere Monate lang im British Museum gezeigt werden. Dann erst würden sie ihre lange Wanderung über die Kontinente antreten, wo sie in fast jedem namhaften Museum gezeigt werden sollte. Viele der Ausstellungsstücke waren einzigartig und wurden das erste Mal einem breiten Publikum zugänglich gemacht.

Bevor sich die Besucher den Ausstellungsräumen zuwenden konnten, hob der Professor noch einmal beide Arme und bat um Aufmerksamkeit. Er trug einen hellen fliederfarbenen Anzug, der ganz seinem Hang zu farbenfroher unkonventioneller Kleidung entsprach. Ein blütenweißes Hemd leuchtete zwischen den Aufschlägen der Anzugjacke hervor. Die Körnung aber war eine lila Krawatte, die mit großen blauen und fliederfarbenen Blüten geziert war. Das Haar und der gepflegte Vollbart des Professors waren schlohweiß und bildeten einen heiteren Kontrast zu den bunten Kleidern, die er für gewöhnlich bevorzugte.

Professor Sloane ließ seinen Blick über die Versammelten schweifen und vergewisserte sich, dass er wieder die ungeteilte Aufmerksamkeit der Gäste genoss. Dann erst fuhr er mit seiner Ansprache fort:

»Wenn Sie jetzt durch die Ausstellungsräume gehen und die Exponate bewundern, vergessen Sie bitte nicht, wie viel Arbeit, Mühe und Geld es dem Museum und seinen Mitarbeitern gekostet hat, diese Wanderausstellung zusammenzutragen.«

Mit einer galanten Armbewegung deutete er in meine Richtung.

»Besonderen Lob verdient Brenda Logan, die dank ihres enormen Fachwissens und Forscherdrangs einige besonders schöne Exponate aufgespürt, restauriert und der Ausstellung eingegliedert hat. Ohne Brenda Logans unermüdlichen Tatendrang wäre diese Ausstellung nicht das geworden, was sie jetzt ist: Eine Bereicherung für den Museumsbetrieb, und wert, auch in anderen Städten Europas und der ganzen Welt gezeigt zu werden!«

Applaus brandete auf, und ich spürte die Blicke der Gäste auf mir ruhen. Jemand legte einen Arm um meine Schultern. Es war Daniel Connors, mein Mann. Stolz sah er mich mit seinen strahlenden blauen Augen an.

»Der Professor hat recht«, meinte er mit gedämpfter Stimme. »Ohne dich wäre diese Ausstellung kaum zustande gekommen.«

Ich zuckte mit den Schultern.

»Der Professor tut ja geradeso, als hätte ich allein die Lorbeeren verdient. Dabei hätte ich es ohne die Unterstützung meiner Kollegen nicht geschafft. Er hätte sie in seiner Ansprache auch erwähnen sollen. Besonders Oktavia Soka hätte es gut getan, von dem Professor etwas Anerkennung zu erhalten.«

Mit einem Kopfnicken deutete ich zu einer jungen dunkelhaarigen Frau hinüber. Sie stand etwas abseits in der Nähe der anderen Kollegen des Museums und blickte starr und ausdruckslos vor sich hin.

Oktavia Soka studierte Archäologie und absolvierte im British Museum ein Praktikum. Mit ihren fünfundzwanzig Jahren war sie nur zwei Jahre jünger als ich. Sie bewunderte mich insgeheim, das konnte ich deutlich spüren. Aber sie beneidete mich auch, weil ich eine angesehene und sehr erfolgreiche Archäologin war. Mein Fachgebiet war die Amulettforschung. Auf diesem Gebiet konnte mir keiner so leicht das Wasser reichen.

Das Lob des Professors war mir nicht so wichtig. Oktavia Soka, die ebenfalls bei der Zusammenstellung der Wanderausstellung geholfen hatte, hätte dieses Lob viel dringender benötigt. Sie traute sich nur wenig zu und stellte sich oft in den Hintergrund, was zur Folge hatte, dass sie von den anderen Kollegen übergangen und kaum wahrgenommen wurde.

Während die Gäste nun in die Räume strömten, in denen die Mittelalter-Ausstellung untergebracht war, nahm ich Daniel bei der Hand und ging auf Oktavia zu. Mit vor der Brust verschränkten Armen stand sie da und starrte den Besuchern missmutig nach. Ihr dunkles langes Haar hatte sie im Nacken locker zusammengebunden. Sie trug ein einfaches weißes Sweatshirt und eine schwarze Cordhose. Oktavia hatte ein ebenmäßiges, schön geschnittenes Gesicht. Die braunen Augen waren sehr ausdrucksstark. Ein Eindruck, der durch die geraden dünnen Brauen noch bestärkt wurde, die mich entfernt an die Schwingen von Schwalben erinnerten.

Oktavia machte einen Schmollmund, als sie mich kommen sah.

»Ich wollte mich bei Ihnen für Ihre tatkräftige Unterstützung bedanken«, erklärte ich und lächelte Oktavia aufmunternd zu. Die junge Frau tat, als hätte sie mich und Daniel soeben erst bemerkt. Abschätzend zog sie eine Augenbraue in die Höhe. Dann zuckte sie gleichmütig mit den Achseln.

»Ich habe doch nur Handlangerdienste verrichtet«, meinte sie schnippisch. »Kein Wunder, dass Professor Sloane es nicht für nötig hielt, mich in seiner Ansprache zu erwähnen.«

»Wenn Sie erst eine so bekannte Archäologin sind wie Brenda«, meinte Daniel, ehe ich etwas erwidern konnte, »dann werden Ihnen die Lobpreisungen Ihrer Vorgesetzten irgendwann egal sein. Was zählt, ist, dass Sie selbst von ihrer Arbeit überzeugt und mit Leidenschaft bei der Sache sind. Sie können mir glauben. Ich weiß, wovon ich spreche. Ich bin Arzt und arbeite im St. Thomas Hospital. Meine Aufgabe ist es, Menschenleben zu retten. Manche meiner Patienten nehmen dies als selbstverständlich hin. Andere brechen in wahre Lobeshymnen aus, wenn sie das Hospital gesund wieder verlassen. Doch im Grunde ist es egal, wie die Menschen reagieren. Was zählt, ist, dass ich ihnen helfen konnte. Und das kann ich nur, wenn ich hinter meiner Arbeit stehe und sie gerne verrichte.«

Oktavia sah Daniel skeptisch an.

»Das sagen Sie doch nur, damit ich nicht auf Ihre Frau eifersüchtig bin«, erwiderte sie mürrisch. »Als Sie noch in der Ausbildung steckten, war es Ihnen bestimmt auch wichtig, Zuspruch von den Leuten zu erhalten, die versuchten, Ihnen etwas beizubringen!« Oktavia wandte ihr Gesicht ab und schaute Professor Sloane trotzig hinterher, der gerade im Begriff war, zusammen mit einigen prominenten Gästen in den Ausstellungsräumen zu verschwinden.

»Da haben Sie natürlich recht«, bekannte Daniel. »Aber man sollte auf der anderen Seite auch nie erwarten, für eine Arbeit gelobt zu werden, deren Verrichtung in den Augen anderer für selbstverständlich gehalten wird. Vollbringen Sie etwas Außergewöhnliches. Und ich bin mir sicher, Professor Sloane wird Sie in seiner nächsten Ansprache gebührend erwähnen.«

Daniel hakte sich bei mir unter und zog mich von Oktavia fort, die ihm einen giftigen Blick zuwarf.

»Findest du nicht, dass du zu hart mit Oktavia umgegangen bist?«, fragte ich.

Daniel schüttelte den Kopf.

»Oktavia muss noch viel lernen. Und sie ist alt genug, um schmerzhafte Erfahrungen verarbeiten zu können. Schließlich hat sie ja wirklich nichts Herausragendes für die Wanderausstellung geleistet.«

Wir passierten den Durchgang und betraten den ersten Ausstellungsraum. Er war eingerichtet wie ein Rittersaal im Mittelalter. Verbeulte Ritterrüstungen säumten die Wände. Zwischen ihnen hingen mottenzerfressene Wandbehänge und dunkle Ölbilder. In der Mitte des Saals stand ein roh gezimmerter, langer Tisch. Die dicke Platte war stark gedunkelt und mit tiefen Furchen und Rissen durchzogen. Einfache, dreibeinige Hocker standen um den Tisch herum. Nur an seinem Kopf befand sich ein geschnitzter thronähnlicher Stuhl, der dem Hausherrn vorbehalten gewesen war.

Wir hatten den Tisch so dekoriert, dass es aussah, als hätte dort vergangene Nacht ein Saufgelage stattgefunden. Umgekippte Humpen und Becher lagen verstreut herum. Silberteller mit abgenagten Knochen und eine Schale mit verschmähten Obst vervollständigten das Bild.

Das Arrangement sorgte unter den Gästen für Gelächter, denn wir hatten zusätzlich ein paar Puppen platziert, die in der damals üblichen Tracht gekleidet waren. Ein Mann im Lederwams war am Tisch eingeschlafen. Sein Kopf lag in einer Rotweinlache und der Federhut war ihm vom Kopf gerutscht. Ein anderer Mann lag unter dem Tisch, wo er mit offenem Mund seinen Rausch ausschlief, während eine Magd im Hintergrund Holzteller und Krüge forträumte. Über dem Tisch hing ein geschmiedeter Kerzenleuchter, in dem heruntergebrannte Kerzenstumpen steckten.

Daniel schmunzelte. »Eine prima Idee von dir, die alten Fundstücke für eine alltägliche Szene zu verwenden«, meinte er anerkennend.

Ein junger Mann im eleganten Anzug trat an unsere Seite. Er machte einen sehr charmanten Eindruck, hatte blaue Augen und braunes zurückgekämmtes Haar. Ein dünner Bart zierte seine Oberlippe und verlieh ihm ein weltmännisches Aussehen.

Sein Name war Kurt Beford. Vor einem Jahr hatte er von seinem Vater ein großes Wirtschaftsimperium geerbt und fungierte für das British Museum als Mäzen. Seinen großzügigen Spenden hatten wir es zu verdanken, dass das Museum Expeditionen und Sonderausstellungen unternehmen konnte, die mit dem normalen Budget nicht zu bewerkstelligen gewesen wären.

»Ich kann mir lebhaft vorstellen, was an dem Tisch vergangene Nacht los gewesen sein muss!« meinte er scherzend. »Sie verstehen es, einem die Geschichte lebendig darzubieten, Mrs. Logan. Solange Sie im British Museum arbeiten, bin ich mir sicher, dass jedes Pfund, das ich dem Museum zukommen lasse, eine lohnende Investition ist.«

»Sie schmeicheln mir, Mr. Beford«, erwiderte ich lachend. »Aber Sie wissen auch, dass diese Ausstellung ohne Ihr Geld weitaus weniger lebendig und anschaulich ausgefallen wäre.«

Kurt Beford wollte zu einer Erwiderung ansetzen. Doch die Worte blieben ihm im Hals stecken, denn in diesem Augenblick fuhr ein eiskalter Windstoß durch den Raum. Fröstelnd schlang ich die Arme um die Schultern und sah zu den Fenstern hinüber. Aber sie waren alle vorschriftsmäßig verschlossen. Draußen neigte sich ein warmer Frühlingstag dem Ende zu. Es dämmerte. Aber kein Lüftchen rührte sich. Wo also war der kalte Luftzug hergekommen?

Die Gäste wirkten irritiert. Daniel warf mir einen fragenden Blick zu. Aber ich konnte nur mit den Schultern zucken.

Da erfasste mich ein zweiter eiskalter Windstoß. Er war heftiger, so dass ich eine Gänsehaut bekam. Plötzlich flammten die Kerzenstummel in dem schmiedeeisernen Leuchter über der Rittertafel auf. Auch die Kerzen in den Armleuchtern an den Wänden waren wie durch Geisterhand plötzlich entflammt.

Kurt Beford stieß ein raues Lachen aus.

»Sie beeindrucken mich sehr, Mrs. Logan«, schnitt seine Stimme in die plötzliche Stille, die sich in den Ausstellungshallen ausgebreitet hatte. »Wollten Sie mit diesen Spezialeffekten darauf aufmerksam machen, dass es in fast jeder Burg in England spuken soll?«

Ich schwieg, da ich es für besser hielt, Kurt Beford und die anderen Museumsbesucher in dem Glauben zu lassen, die mysteriösen Vorkommnisse wären tatsächlich von uns geplant gewesen.

Daniel aber hatte mich sofort durchschaut. Er kannte mich zu gut und hatte an meiner Seite schon viele unglaubliche Abenteuer erlebt, so dass er sofort ahnte, dass irgendetwas nicht stimmte. Augenblicklich war er an meiner Seite und blickte sich lauernd um.

»Hast du eine Erklärung für diese Phänomene?«, raunte er mir zu.

Ich schüttelte kaum merklich den Kopf. Die Luft im Museum knisterte förmlich. Die Kerzen gaben ein gespenstisches fahles Licht ab, das unheimliche Schatten an die Wände warf.

Da schrillte plötzlich ein gellender Schrei durch die Ausstellungshallen.

Daniel und ich sahen uns alarmiert an. Dann rannten wir in die Richtung, aus der der Schrei gekommen war. Dem Klang nach musste es eine Frau gewesen sein. Eine Frau, die voller Panik und Todesangst geschrien hatte!

Hastig drängelten wir uns an den verstörten Gästen vorbei und stürmten in eine Ausstellungshalle, die düster und dunkel war. Hier wurden Exponate gezeigt, die die Zeit der Hexenverfolgung dokumentieren sollten. Wir hatten den Raum abgedunkelt, damit eine unheimliche Atmosphäre entstand. Auch hier waren sämtliche Leuchter in Brand. Sogar in den Feuerschalen, in denen früher die Brandeisen erhitzt wurden, mit denen die angeblichen Hexen gefoltert wurden, glühten die Kohlen.

Die Besucher, die sich in dem Raum aufhielten, waren ängstlich zum Ausgang zurückgewichen. Nur vor einer hohen Glasvitrine stand eine reglose Gestalt.

Daniel und ich näherten uns vorsichtig. Da erkannte ich, dass es Oktavia Soka war, die vor der mannshohen Vitrine stand. Sie hatte uns den Rücken zugekehrt und schien nichts von ihrer Umgebung wahrzunehmen.

»Oktavia muss den Schrei ausgestoßen haben«, flüsterte Daniel mit rauer Stimme.